Spanien 12: Es gibt Schlimmeres…

Ihr Lieben,

… als den letzten Tag des Jahres in Sevilla zu verbringen. Zuerst war ich ja ein bisschen verärgert wegen der Ferienwohnung, aber das Hotel hat ein so dermaßen gutes Frühstück, das hat mich versöhnt. Ist fast schon ein Brunch. Ein deutsches Ehepaar hat beim Abfragen der Zimmernummer bei mir für Fremdscham gesorgt, die Servicekraft konnte leider kein Deutsch und die Gäste nichts anderes. „Viahunnatfuffzn, Mönsch!“. Oder auch nicht wirklich… Ich habe übersetzt und den Oberlehrer raushängen lassen: „Sie könnten für solche Fälle die Nummer auch aufschreiben, statt sich wie die Wehrmacht aufzuführen!“. Wir werden wohl keine Freunde.
Die Vermieter der Ferienwohnung haben sich übrigens nicht entblödet, mir zu schreiben, heute könne ich einziehen, wenn ich wolle. Bei denen hakt es wohl irgendwo; wahrscheinlich haben sie die Schadenersatzforderungen von booking bekommen.

Gestern Abend habe ich noch bei GuruWalk, dem Internetanbieter für kostenlose Stadtführungen, einen zweieinhalbstündigen Rundgang durch die Stadt gebucht. Es wurden drei Stunden und es war wirklich gut. Wir starteten am Brunnen von Hispalis und erliefen uns fast alles, was das Zentrum an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Goldener Turm, Stierkampfarena, Rathaus, Kathedrale, Hotel Alfonso, Zigarettenfabrik und als Highlight die Plaza España. Wirklich kostenlos ist es natürlich nicht, man erwartet ein großzügiges Trinkgeld. Das hat unser Führer Julio dann auch, wie ich mitbekam, erhalten. Ob ich das vielleicht in Köln machen sollte? Bewegung, nur Eintags-Nörgler, halb steuerfrei… Wie? Was? Nee, habe nix gesagt.

Miguel Cervantes hat übrigens in Sevilla mal wegen Steuerhinterziehung sieben Monate eingesessen, aber er stellte sich als unschuldig heraus. Auf dem großartigen Gelände der Plaza España wurden viele bekannte Filme gedreht. Unter anderem stellte der Platz einmal den Planeten Naboo aus der Star-Wars-Serie dar. „Lawrence of Arabia“ wurde auch hier gedreht. Und wenn wir schon bei Filmen sind: Das Rataus von Sevilla schmücken unter anderem Reliefs der Gesichter von Grace Kelly und Ava Gardner. Letzer Film-Fact: Robert de Niro scheiterte mit seinem Versuch, in Sevilla ein Luxushotel zu betreiben.

Die Tourgastschar war international aufgestellt. Von Singapur bis Valetta, von Ljubljana bis Köln-Poll war alles vertreten, was in Atlanten Rang und Namen hat. Mit einem Wiener habe ich mich länger unterhalten, er reiste auch alleine und war ebenso blauäugig an die Reise herangegangen. Auch er bekam keine Eintrittskarten für nichts mehr, auch er wird heute Abend allein auf dem Hotelzimmer gegessen haben. Ja, Ihr lest richtig. Es gibt nur noch Tages- und keine Reservierungskarten für die Sehenswürdigkeiten (erst ab dem 5. Januar wieder, da bin ich weg) und die Schlangen sind eher wie die Würmer aus „Dune – der Wüstenplanet“. Ellenlang! (Je, heute habe ich es aber mit Cineastik.) Ich werde mir das nicht antun. Und ja, es gibt keine freien Tische. Man zahlt sich entweder dusselig (bis zu 500 Euro für ein Menü) oder geht dumm zum Schnellimbiss – von denen nicht gesichert ist, dass sie geöffnet haben. Und der Wiener war zwar nett, aber ich wollte mich jetzt auch nicht mit jemandem verbrüdern, den ich so gar nicht kannte. Alleinreisende haben ja auch oft einen Dachschaden. *räusper*

Nach der Tour gönnte ich mir eine Jarra in der Sonne. Die Terrasse des El29 war brechend voll (hatten wir lange nicht mehr!) und ich musste einen Table-Dance aufführen, um auf mich aufmerksam zu machen. So viel zum Thema „peinliche Deutsche“. Mit meinem Bier erhielt ich grüne, eingelegte Oliven. Ich schwöre, die gehörten zu den besten, die ich jemals gegessen habe. Am Nachbartisch belauschte ich ein Pärchen. Sie sagte irgendwann, sie müsse noch einkaufen, gleich schlössen ja alle Läden und morgen hätte ja auch kein Supermarkt auf. Alarm! Ich googelte ein bisschen und tatsächlich, das könnte sein. Ich zahlte und kaufte für zwei Tage Wein und Snacks. Lebensmittel sind in Spanien immer noch viel preiswerter als in Deutschland. Jedenfalls bei meinen Einkäufen. Zudem gibt es hier, ich erzählte davon schon mal bei meinem langen Kanarenaufenthalt 2019, eine Couponschwemme und massenweise drei für zwei-Aktionen. Braucht übrigens jemand Turrón? Ich soll ja nicht so viel davon…

Ich verstaute meine Einkäufe (gibt einen kleinen Kühlschrank auf dem Zimmer) und legte mich kurz hin. Kurz ist ja ein dehnbarer Begriff. Jetzt sitze ich hier, es dämmert schon, schreibe mein Tagebuch und schiebe mir Baguette und Tapitas in die Futterluke. Der erste Sekt ist auch schon geöffnet :-). Ich bin fast geneigt, nicht mehr rauszugehen, ich habe mir eine Blase erlatscht und zu essen habe ich jetzt auf dem Zimmer. Mal sehen, wie ich ins neue Jahr komme. Letztes Jahr lag ich ja – wenn ich mich recht erinnere – mit der merkwürdigen Grippe flach und litt, wie es nur richtige Männer können.

So, Ihr Lieben, allen eine rauschende Ballnacht und einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes, glückliches, zufriedenes und fantastisches neues Jahr!

Euer

Spanien 11: Adios Madrid, bien… bien???venidos Sevilla

Ihr Lieben,

es fing so gut an mit Sevilla und mir. Und dann… Aber von Anfang an. Mein Wecker schrillte !!! um 6 Uhr 30. Also, einer meiner 5 Wecker. Ich wollte ja wieder drei Stunden zu früh am Flughafen sein, wie immer. Da hatte natürlich die Cafetería um die Ecke noch nicht auf und ich schlürfte wieder Instant-Kaffee. Mjam! Ansonsten klappte alles, Madrid schlief noch halb und ich gelangte auch problemlos zum Flughafen. Ohne Menschenmassen, ohne mich in der Metro zu verirren, ohne nachlösen zu müssen. Am Flughafen war die Check-in-Schlange mehrere Kilometer lang, aber auch hier geschah ein Wunder. Kurz vor mir wurden Personen (also in Folge ich auch) herausgewunken, einer Iberia-Mitarbeiterin zu einem anderen Schalter zu folgen. Dort stand ich dann quasi ganz weit vorne. Ich bekam auch noch den letzten Tisch in einem kleinen Café, das Boarding verlief super. Der Flieger war bis auf einen einzigen Platz voll und das war der zwischen mir und der Dame am Gang. Kann an einem solchen Tag noch etwas schief laufen?

Die Unterkunft schrieb mich abends noch an, wie der PIN-Code zur Wohnung laute, ich schrieb zurück, es könnte sein, dass ich etwas vor der Zeit ankäme. Kein Problem, kein Problem. Ich war dann tatsächlich eine Stunde eher da, enterte die wirklich schöne Wohnung. Einziges Problem: sie war dreckig wie nix, der Müll stand rum, die Betten unbezogen. Hmm, dachte ich, wie wollen die das denn in einer Stunde schaffen? Ich stellte meine Habseligkeiten ab, schrieb der Unterkunft, ich sei schon da und hätte meinen Koffer abgestellt, und lief in das nahegelegene Zentrum. Und war sofort schockverliebt! Was für eine schöne Innenstadt. Was für schöne Gassen, was für schöne Fassaden, was für schöne Plätze! Ich lief durch die Gassen des Stadtteils Santa Cruz, zur Kathedrale und weiter bis zu einem Platz voller mit Tonnen von Früchten behangenen Orangenbäumen. Dort orderte ich ein Bier und schaute meine Nachrichten an.

„??“ schrieb die Unterkunft. Wieso man mich nicht benachrichtigt hätte? Man könne mir die Wohnung nicht zur Verfügung stellten. Booking wisse Bescheid und wollte mich schon gestern noch kontaktieren. Schock! Ich saß auf einer Plaza, mein Koffer stand in einer Unterkunft, die mich nicht wollte, ich hatte kein Bett. Ich schrieb Booking an. Antwort, man melde sich spätestens in 24 Stunden. WHAT? Ich rief Booking an, eine Nummer in England. War wahrscheinlich ein 50-Euro-Gespräch. Oooops, man wisse von nix, ich solle dranbleiben, man telefoniere parallel mit der Unterkunft. 15 Minuten Dudelmusik. Man erreiche niemanden. Ob ich noch 45 Minuten Geduld hätte, man arrangiere etwas. Ich orderte noch ein Bier. Nach 80 Minuten war meine Geduld müde. Ich rief erneut in England an (warum sitzt die deutschsprachige Hotline in England?). Man behandle das jetzt mit Dringlichkeit, ob ich etwas Geduld hätte. Ich orderte einen Wein.

Wieder 20 Minuten später schrieb mich der Kundenservice an. Zwei Hotels zur Auswahl, ich müsste die dann buchen, die Differenz würde übernommen. Ich holte meine Siebensachen aus dem Ferienappartement (ich guckte dann nochmal genauer hin, das war wirklich völlig verranzt) und lief zur Freude der Sevillan@s mit Rollkoffer zum ausgesuchten Hotel, zumeist über Kopfsteinpflaster. Die Wohnung lag näher an der Kathedrale, das Hotel ist in einer etwas nüchterneren Gegend. Der Rezeptionist war supernett und gab mir noch ein Zimmerupgrade. Ich packte gar nicht erst aus, sondern ging direkt wieder auf Entdeckungstour.

Also, Sevilla ist voll, aber längst nicht so wie Madrid. Und ich bin total happy, hier zu sein. Ich erwähnte es oben, es ist eine ganz bezaubernde Stadt. In den kleinen Gässchen auf dem Weg vom Hotel bis zur Kathedrale gibt es süße Lädchen. Alles ist wirklich festlich-kitschig geschmückt (I love it!). Ja, und jetzt lasse ich mal Bilder wirken, denn so viel habe ich ja gar nicht mehr zu erzählen (bin auch immer noch etwas gestresst von der Hin- und Hertelefoniererei und den „Unannehmlichkeiten“, so was blödes hatte ich ja zuletzt in Albanien):

Ich werde gleich noch versuchen, für morgen Karten für die Kathedrale zu bekommen und dann auch früh da zu sein. Ansonsten ist Sevilla ja fast ein Nest, verglichen mit Madrid. Weniger Sightseeing also, dafür mehr Quality Time.

Hasta manaña, Ihr Lieben! Euer

Spanien 10: de Saulo a Pablo

Ihr Lieben,

vom Saulus zum Paulus… ein erster Eindruck darf ja mal täuschen, oder?, denn ich entdecke gerade viele schöne Seiten an Madrid. Vielleicht werden wir ja doch noch dicke Freunde.

Heute bin ich echt schwer aus den Plünnen gekommen. Für ein 1*-Hotel ist das Bett echt saugemütlich. Es ist ohnehin ein sehr nettes Hostal. Aber dann trieb es mich doch irgendwann mal auf die Straßen. Es ist ja sehr voll in Madrid. Wie, ich erwähnte das schon? Wo denn? Kann mich nicht erinnern. Egal. Ich hatte mir gestern ein paar Notizen gemacht über zufällige Fundstellen im Internet; schöne Plätze, nette Gassen, interessante Märkte. Dazu war es hilfreich, eine Freundin daheim zu haben, die mal eine Zeit lang hier gelebt hat, die schickte dann auch noch Tipps rüber.

Ich startete an der Plaza Ramales, von der es hieß, sie sei sehr idyllisch. Nun, das ist sie jetzt irgendwie nicht. Aber immerhin gibt es eine Cerveseria/Tapaseria mit ganz vielen freien Plätzen auf der Terrasse. Man verirrt sich wohl nicht so schnell hierher. Aber der Weg dahin war echt schön. So tolle Gassen, so niedliche Lädchen. Ein sehr begabtes Quintett spielte wunderschön auf, eine Frau schrieb mit einer antiken Schreibmaschine Gedichte auf kleine Kärtchen. In einer verwinkelten Gasse gab es direkt mehrere Lädchen der gleichen Chocolatería-Kette. Vor jedem knubbelten sich die Kakao-Afficionados. Ich war wieder ganz in der Nähe des Palacios, aber die Schlangen vorm Schalter… PUH! Erwähnte ich schon… jaja, isjagut!

Kein Geheimtipp ist der Flohmarkt „El Rastro“. Er existiert seit der Zeit der punischen Kriege und ist bei Einheimischen sowie Touristen sehr beliebt. Allen meinen Panikattackenbefürchtungen zum Trotz schmiss ich mich in die Menge. Und wenn man erst einmal die schmalen Zugangswege geschafft hat, ist auch ein bisschen mehr Luft zum Atmen da. Es gibt ziemlich viele billige Klamotten, aber auch schöne Handwerksarbeiten, Öle, handgefertigte Kladden (ich hätte beinahe welche erstanden, bis mir einfiel, dass ich zuhause etwa 50 davon habe), Tinneff, Tand und Kleinodien. Einzig der Verkauf von Lebensmitteln ist hier verboten, aber es gibt ausreichend Möglichkeiten, sich in einem der vielen Läden um den Rastro herum zuzuschlemmen. Wirklich sehr, sehr schön da!

Über den Tirso-de-Molina-Platz, wo es einen kleinen Blumenmarkt und ein paar Stände von Aktivisten gab, lief ich bis zum Cibele-Brunnen. Jaja, ich weiß, bin völlig unsortiert zick-zack gelaufen, wie meine Gedanken das auch oft tun. Der Brunnen steht vor dem ehemaligen Postamt der Stadt, das voll protzig ist und jetzt Sitz der Stadtverwaltung. Es gibt dort auch temporäre Ausstellungen. Der Brunnen ist die Feierstätte der Real-Madrid-Fans. Erst kürzlich hat man verboten, bei Siegesfeiern im Brunnen zu baden. Es eskaliert wohl aber dennoch immer ein wenig. Auch in der Nähe der Hauptsitz des berühmten Instituto Cervantes sowie das 1905 errichtete „Metropolis“, das als eines der schönsten Häuser Madrids gilt.

In der Nähe der Cibele, der Fruchtbarkeitsgöttin Kybele aus Phrygien (Bildungsauftrag erfüllt), gibt es den Círculo de Bellas Artes, ein historisches Literatencafé. Auf dem Dach des Gebäudes, das auch Ausstellungshallen beherbergt (zur Zeit Max Ernst), gibt es im 7. Stock eine Rooftop-Bar. Der Eintritt kostet 5,50 Euro, der Drink mehr als das Doppelte. Die Croquetas waren zwar auch teuer, dafür aber besonders klein. Aber es lohnt sich, man hat fantastische Ausblicke! Eine Alternative wäre die Roof-Top-Bar des Hotel Ríu im 27. Stock, aber wochenends liegt der Eintritt bei 10 Euro und die Barpreise seien jenseits von Gut und Böse.

Mit der Metro fuhr ich ins Viertel Lavapiés. Das müsste übersetzt Waschdiefüß heißen. „Wo wohnen Sie???“. Aber genug der Alberei, das ist auch wirklich ein so interessantes und besuchenswertes Viertel! Sehr multikulti, es gibt Restaurants aus gefühlt 199 Ländern. Highlight aber ist der Mercado de San Fernando. Der macht nicht so früh zu und man kann auch hier allerlei Köstlichkeiten fester und flüssiger Natur zu sich nehmen. Zuerst vertat ich mich übrigens im Eingang und befand mich in einem Centro de Salud, das ist ein Gesundheitszentrum und erste Anlaufstelle im spanischen Gesundheitswesen. Für mich ist San Fernando der schönste der besuchten Märkte, da authentisch (als ob ich das beurteilen könnte), quirlig, aber nicht überfüllt. Ich ergatterte einen gemischten, südamerikanischen Teller (kolumbianische Küche, glaube ich) und ein Glas Sekt. Ja, und das war dann auch ein schöner Abschluss meines Madrid-Besuches. Mit schweren Beinen und leichtem Kopf suchte ich mein Hostal auf.

Fazit: Ich musste mir Madrid erlieben. Im Gegensatz zu meiner Auffassung am Anfang meines Besuches halte ich Madrid inzwischen für so sehenswert, dass ich mir vorstellen könnte, wiederzukommen. Vielleicht, wenn es weniger trubelig ist. Und dann mit ein paar Vorreservierungen in der Tasche. Ich hoffe auf jeden Fall, Euch haben meine Schilderungen ein bisschen Spaß gemacht.

Wie, Ihr hattet gehofft, das war’s? Weit gefehlt! Ab morgen müsst Ihr Euch anlesen, was ich alles in Sevilla treibe. Natürlich nur, wenn Ihr Lust habt. Ihr habt doch, oder?

Liebe Grüße, Euer

Darauf einen Hibiskustee.

Spanien 9: de Madrid al cielo

Ihr Lieben,

nach Madrid kommt nur der Himmel, so heißt es. Naja, das scheint mir arg übertrieben. Aber immerhin habe ich mich etwas eingewöhnt und bin nicht mehr ganz so aus dem Takt. Ich entdecke mehr und mehr schöne Seiten der Stadt.

Da Aufstehen ja etwas unglaublich anstrengendes hat, begab ich mich nach dem Kaffee erst einmal in die Jardines del Buen Retiro, in etwa mit Gärten des Rückzugs oder der Abgeschiedenheit zu übersetzen. Dieser Park, er liegt direkt hinter dem Prado, ist wirklich nett. Es gibt einen Rosengarten, viele Brunnen, einen großen See, wo man Bötchen fahren kann. Seeehr schön ist es da. Voller Madrilenen und Touristen, die ein bisschen Ruhe suchen, Straßenmusikern, kleinen Kiosken, an denen man sich stärken kann. Es wird gejoggt, tai-chi-t, gewalkt und flaniert. Einem Maler kaufte ich zwei Bilder ab, ein sehr netter, älterer Herr, der gerne von sich und seinen Bildern erzählte. Eine gute Gelegenheit, Spanisch zu üben. Ein Bild heißt „Los siete diás del oportunidad“, er hat es für seine Tochter gemalt (die es vielleicht nicht haben wollte?) und eines stellt Don Quichote und Sancho Pansa dar. Ich weiß nur langsam nicht mehr, wohin damit. Ich muss mir bald eine Villa mieten, um alles aufhängen und aufstellen zu können. Wer spendet freiwillig?

Ich brachte meine Neuerwerbungen ins Hotel und kaufte anschließend wieder im Corte de Inglès ein. Der Supermercado dort platzte aus allen Nähten, aber das wundert mich jetzt nicht mehr, ist doch scheinbar halb Europa in der Stadt. Gottseidank brauchte ich nur Obst, Wasser und Wein (das mit dem Obst musste sein, da das Essen in den Bars und Restaurants hier nicht gerade vor Vitaminen strotzt). Ich nahm einen Ausgang, wo an der Fassade offensichtlich gerade eine Weihnachtsinstallation lief und stand einer Mauer aus Menschen gegenüber. Damit ihr mir das mit den Massen auch mal glaubt:

Danach suchte ich mir ein Plätzchen zum Mittagessen. Das ist hier auch eine besondere Herausforderung. Die Leute stehen ja Schlange vor den Restaurants. Gegenüber des Hostals gibt es allerdings ein Restaurant, da sitzt NIEMAND. Das wiederum schreckt mich jetzt auch ab. Ich wurde in der Calle del Carmen fündig. Einige werden es wissen, in Spanien wird in fast allen Restaurants mittags das sogenannte „Menu del dìa“ angeboten. Es besteht aus drei Gängen und ist unglaublich preiswert, dabei aber nicht von schlechter Qualität. Man hat auch meistens die Auswahl zwischen je drei oder vier Arten von Vor-, Haupt- und Nachspeisen. Dazu wird obendrauf auch noch ein Getränk serviert. Ich zahlte heute für eine Hähnchen-Empanada, Rippchen mit Salat und Crema Catalan mit einem Glas Wein 16,50 Euro. Ich habe mal gehört, dass das Menu del dìa für Restaurants gesetzlich verpflichtend ist, wenn sie einen bestimmten Status erhalten wollen. Finde dazu aber jetzt auf die Schnelle keinen Beleg.

Ich fuhr zur Plaza de Antón Martín. In der U-Bahn dahin stieg ein Mann mit einer Tüte Lutscher ein, die er den Passagieren anbot. Dann sang er ein Lied, es war, soweit ich verstehen konnte, ein persönliches über seine Situation. Sehr herzergreifend vorgetragen. Ich besitze jetzt einen Chupa-Chup. Mag ich gar nicht. Egal. An der Plaza de Antón Martín gibt es einen etwas traditionelleren Markt, heißt, es werden nicht nur Touristen mit Tapas vollgestopft. Man war aber gerade im Begriff, alles zu schließen. Der Markt an sich ist schon nett (ich liebe spanische Markthallen ja über alles!), aber die Gegend drumherum ist auch sehr schön. Ich lief ein bisschen herum und dann über die Puerta del Sol (wo ich durch Zufall eines der Wahrzeichen Madrids, den einen Erdbeerbaum erklimmenden Bären, entdeckte) zurück ins Hostal, es wurde Zeit für ein Nickerchen! Ich musste mich ja schließlich für die Abendattraktion stärken. Und nein, ein Bild des Nickerchens gibt es nicht.

Wer denkt bei Madrid nicht sofort an Schuhplattlern? Wie? Ooops, stimmt, das war ja Mailand. Also, wer denkt bei Madrid nicht auch automatisch an Flamenco? Ich zugegebenermaßen nicht so. Aber es wird einem quasi überall angeboten. Mit meiner lieben Freundin Erika war ich mal in Lissabon bei einem Fado-Abend, garantiert original und keine Touristenbude. Aber wer weiß es wirklich? Wir haben uns das damals schöngetrunken und ich signierte CDs der Künstler gekauft, die ich dann nie wieder gehört habe. Und heute? War ich im Café Ziryab gut aufgehoben? Ich weiß es wieder nicht, aber es war eine nette Vorführung in schönem, übersichtlichen Ambiente. Vor allem der Sänger war hörenswert. Aber auch Gitarrist, Tänzerin und Tänzer waren mit Leidenschaft dabei. Alle hatten auch einen stark bejubelten Solopart. Am Ende der Show kamen noch Flamencofreunde in Straßenkleidung auf die Bühne und performten mit den anderen. Die Getränke und das Essen waren preiswert. Mir gefiel irgendwie die „traditionelle Wurst aus xy-Stadt mit Brot“, dachte dabei an Chorizo, aber es kam Blutwurst. Wäre ja jetzt auch nicht für jeden was gewesen. Mir war es recht, war fast wie Kölner Flönz.

Der Rückweg war etwas problematisch, man hatte einige U-Bahnstationen gesperrt. Ich stieg an einer anderen aus und kämpfte mich durch die Menschenmassen an der Gran Via. Ich komme – ihr merkt es – nicht über die schier unfassbare Zahl der Leute auf den Straßen hinweg.

So, ich bin zufrieden mit heute, es war halt auch etwas entspannter als die Tage davor. Madrid ist hiermit offiziell von der Liste der schrecklichen Städte gestrichen. Aber der Himmel?

Sehen wir uns morgen, Ihr Lieben? Das würde mich freuen. Liebe Grüße, Euer

Spanien 8: Madrid mittendrin

Ihr Lieben,

eigentlich müsste über Madrid ein fettes, selbstgemachtes Pappschild liegen: „Wegen Überfüllung geschlossen!“. Ich kann mich nicht erinnern, je solche Menschenmassen erlebt zu haben. Es ist, als fallen Weihnachten, das Stadtfeuerwerk, der Umzug der heiligen drei Könige, Karneval, der Sommerschlussverkauf, der CSD und ein Boxkampf des Papstes gegen Stefan Raab auf einen Tag. Bekanntlicherweise kann ich ja nicht so gut mit Menschenmassen umgehen. Und ja, ich weiß, dass ich ein nicht unbeachtlicher Teil dieser Masse bin.

Der Tag startete heute eher so mittelprächtig, der Kaffee hier ist lösliche Plörre (mit viel Zucker und Milch geht das dann) und draußen war schon wieder die Hölle los. Ich kämpfte mich zur Gran Via durch, um in den Sightseeing-Bus zu hüpfen. So einfach war es jedenfalls laut App. Hustepiepen, falsche Firma. „Ihr Bus fährt hier nicht lang, sie müssen da und dorthin!“. Ich fuhr Linienbus und stieg falsch aus, verlief mich dann (Google Maps scheint – wie ich – das erste Mal in Madrid zu sein, dauernd korrigiert sich die App) und war dann endlich bei der richtigen Firma. „Ja, die Haltestellen an der Gran Via fahren wir nicht an, da ist immer so voll.“. Danke für die Info.

Der Bus der „roten Route“ für das historische Madrid war pickepackevoll! Ich ergattere einen Platz vor einer englischen Familie, deren Kinder den Bus als Turngerät ansahen und den Vordersitz als Tritttrainer. Neben mir saß eine völlig überkandidelte Französin, die die ganze Fahrt über nur Selfies von sich statt von den Sehenswürdigkeiten machte. Zwischendurch rief sie Freundinnen an und quakte, si merveilleux es doch in Madrid wäre. Es war eiskalt (Madrid ist die zweithöchstgelegene Hauptstadt Europas nach Andorra la Vella) und bewölkt. Voll vermummelt ließ ich mir erklären, was ich alles zu sehen bekam, bzw. was ich zu sehen bekäme, wenn der Bus woanders lang führe. Immerhin lernte ich etwa 1.826 Architekten namentlich kennen. Bis morgen werde ich sie vergessen haben. Bis auf den von Antonio Palacio, der hier so viele Monumentalbauten hinterließ, dass viele von ihnen nach ihm Palast genannt wurden. Jaja, so eine Reise bildet!

Ich fuhr dann direkt auch noch die grüne Route, Schwerpunkt modernes Madrid. Da ging es etwas gesitteter zu. War aber auch nicht ganz so interessant. Am Fußballstadium sprangen dann 100 Bierbauchmänner hoch und ließen dadurch fast den Bus kentern. Je, was verstehe ich eigentlich nicht an Fußball? Inzwischen klarte der Himmel auf, das stimmte mich dann versöhnlicher. Aber ein paar Meckertipps habe ich noch für die CityTour-Madrid: Verkauft doch nicht zehmal mehr Plätze, als ihr zur Verfügung stellen könnt! Und bitte, bitte tauscht die hektische Pausenmusik aus! Selbst als nur leicht störanfällige Person macht mich die kirre.

Was hatte ich bisher gelernt? Madrid besteht aus lauter Protzbauten, die an riesigen Boulevards liegen. Oft dachte ich irgendwie an Moskau. Nur, dass es da damals leerer auf den Straßen war. Viel leerer. Und alles etwas verfallener. Dennoch nicht wirklich schön. Aber auch, dass es Ecken gibt, die ich anziehend fand. Da wo der Bus nicht mehr weiterkam, wie übrigens auch die Rettungsdienste und die Polizei nicht. Ein RTW fuhr mit Blaulicht und Sirene sage und schreibe fast 5 Minuten hinter uns her. Auf einer Strecke von vielleicht 100 Metern. Ich notierte mir gedanklich, wo das war.

Ich kaufte mir dann eine Touristenkarte für den ÖPNV. Damit kann ich drei Tage fast alles benutzen, was an Bussen und Metros unterwegs ist. Sogar der Flughafen ist inkludiert. Das hätte ich gestern mal wissen sollen. Aber, ich bin selbst schuld, ich bin viel zu blauäugig in diese Stadt gereist. Damit fuhr ich erst einmal ins Hostal, dort zog ich mich noch wärmer an und nahm erst einmal einen Schluck Rosé, dann lief ich zur Plaza Major. Das ist so in etwa das Gegenstück von der Praça Reial in Barcelona. Nur, dass hier ein Weihnachtsmarkt aufgebaut war und es kaum Fressbuden in den Arkaden gibt. Dafür aber den ein oder anderen schnuckeligen Laden. Auf dem Weihnachtsmarkt wird extrem viel China-Tinneff verkauft. Auch hier geht der Punkt an Barcelona, wo das Schnabulieren im Mittelpunkt steht. Sehr begehrt sind die Bombetas. Knallerbsen haben wir da früher – glaube ich – zu gesagt. Und sie gehen weg wie warme Semmeln und werden auch sofort und exzessiv gebraucht.

Um die Plaza Major herum gibt es endlich etwas Charme. Gassen und Sträßchen, viele Taperias und Vinotecas. Etwas entschleunigter, aber ebenfalls vollkommen überfüllt. Eine Bekannte von Threads, einer SocialMedia-App, riet mir, den Mercado de San Miguel zu besuchen, da könne man beschaulich Tapas und einen Drink nehmen. Weit gefehlt, ich kam fast gar nicht rein. Aber nett ist es da auf jeden Fall! Ich lief weiter durch die Gassen und kam an einem Laden vorbei, dessen Fassade mit Zetteln zugeklebt war. Das waren alles Wünsche. Ich kam zum Opernplatz, wieder ein Weihnachtsmarkt. Ein Stück weiter Straßen mit ganz tollen Läden. Meine Laune stieg. Ich ließ mich vor einer Kneipe in der Nähe der Plaza España nieder und gönnte mir eine Jarra.

Dermaßen gestärkt lief ich zum Templo de Debod, das ist ein kleiner ägyptischer Tempel, der den Spaniern wegen ihrer Hilfe bei der Versetzung der Assuan-Tempel von den Ägyptern geschenkt wurde. Er liegt auf einem Hügel mit phänomenaler Aussicht und der „Eintritt“ sollte frei sein. Naja, das meiste sieht man von außen, aber ich erklomm die drei Stufen zum Tempelgelände. Nenenee, schallte es mir von einem Polizisten entgegen, ich müsse mich mit einem QR-Code registrieren. Das war etwas kompliziert, aber es gelang mir. Dann sollte man einen Termin wählen, aber für die nächsten drei Tage war nichts frei. „Es ist ja alles ausgebucht! Und es ist nimand auf dem Gelände!“… „Jaaa, vielleicht ließe sich ja was machen.“. Am liebsten hätte ich gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hat, aber ich will ja auch irgendwann noch nach Sevilla. Etwas angepisst stapfte ich davon. Jetzt zweifele ich gerade. Wollte der nur nett sein, oder blocken er und seine Kumpels alle Termine, um dann gegen Bakschisch Leute reinzulassen? Ach, ich bin durch die vielen negativen Erfahrungen verdorben.

Der Tempel war aber auch so sehr nett und ich sah vom Hügel aus, dass ich in der Nähe der königlichen Hütte war. Eigentlich wäre auch eine Seilbahn in der Nähe gewesen, aber die hat reparaturbedingt geschlossen. Also lief ich zum Palast und guckte mir das Treiben da und vor der Kathedrale des Santa Real de la Almudena an. Zwei Berittene waren die Hauptattraktion des Platzes. Dabei waren es nur Polizisten in gelben Warnwesten. Ich fürchte TikTok hat keinen guten Einfluss auf den Massengeschmack.

Ich setzte mich in einen Bus Richtung Chueca. Das ist das LGBTQ+-Viertel von Barcelona, die Stadt gilt als vorbildlich bei Integration, Vielfalt, Akzeptanz. Um 18 Uhr war da jetzt noch nicht so viel los, aber es gefällt mir da ganz gut. Nur für eine Rückkehr am späten Abend fühle ich mich heute zu ausgepowert. Bin sowieso nicht mehr so der Kneipentyp, man ist da als alter Mann ja auch schnell frustriert. 🙂 Und die zahlreichen „Modeläden“ beweisen, dass ich outdated bin. Das könnte (und wollte) ich wohl alles nicht mehr tragen.

Und dann war auch mal gut. Ich bin etwas versöhnt mit der Stadt, aber auch heute war sie mir zu bombastisch, zu laut, zu voll. Madrid hat aber sehr schöne Ecken und man muss einfach auch mehr Zeit als vier Tage haben und vielleicht auch nicht unbedingt zur Weihnachtszeit hierherkommen. Eine Freundin meinte heute, im Sommer wären ja alle Madrilenen am Wasser, da wäre es leerer in der Stadt. Ich war heute auch an einigen Museen. Die Warteschlange am Prado geht bis nach Bilbao. Thyssen-Bornemisza, Bellas Artes, Reina Sofía… du ahnst es nicht. Interessanterweise gibt es gerade viel deutsches zu sehen: Polke im Prado, Münter im Thyssen, Ernst im Bellas Artes.

Jetzt versuche ich gleich mal, mein Programm für morgen vorzubereiten. Mal sehen, wie weit ich komme. Für heute allen eine gute Nacht und bis später. Liebe Grüße, Euer

P.S.: Spanien scheint das Land der Lottomillionäre zu sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass vor jedem Lottoladen ellenlange Schlangen von Menschen stehen. Ein paar Menschen stehen auch Schlange vor bestimmten Tapasläden. Scheint mir persönlich glückverheißender.
Schlangestehen ist bei uns ja ein Luxusproblem, in anderen Ländern ist es die Hoffnung, ein Stück Brot zu ergattern.

Selfies im Bus sind in, da kann ich ja nicht zurückstehen. Klappt das wohl mit der Model-Karriere?

Spanien 7: Von Barcelona nach Madrid

Ihr Lieben,

warum werde ich eigentlich zunehmend nervöser? Wird der Flughafen-Bus fahren? Und wenn er fährt, wird er nicht zu voll sein? Bin ich auch wirklich eingecheckt? Ist mit meinem Handgepäck alles in Ordnung? Habe ich mein Portemonnaie eingesteckt? Wo ist denn die Busfahrkarte? Herrjeh. Ist das das Alter, von dem alle sprechen? Denn natürlich hat alles, wie IMMER, gut geklappt und nun sitze ich drei Stunden am Flughafen. Aber ist ja besser, als irgendetwas hinterherzurennen.

Im Frühstücksraum heute früh hat es sehr unangenehm gerochen. Eine der frühstückenden Personen schien mir ihre Körperhygiene deutlich vernachlässigt zu haben. Leute, wenn ihr zuhause rummüffelt, ist das ja eure Sache, aber bitte gebt euch etwas Mühe, wenn ihr euch unter Menschen begebt. Ich schnappte mir also Kaffee und Croissant und frühstückte zur Verwunderung der Rezeptionistin in der Lobby. Sie hat es aber gelassen hingenommen. Ich nehme an, als Rezeptionistin kann einen nur noch wenig erschüttern.

Am Flughafen gönnte ich mir dann einen Sekt. Ich hatte Aussicht auf einen Duty-Free-Shop, wo als Weihnachtsfrauen (?) verkleidete Promoterinnen kleine Kinder erheitern sollten. Sie hatten aber wenig Glück, die Kleinen hatten Angst. Allerdings waren die Damen auch sehr grinchig geschminkt und brachten sogar mich zum Fürchten.

Der Flug war kurz, die Wartezeit auf das Gepäck lang. Ich versuchte herauszufinden, wie ich am besten in die Stadt gelangen könnte. Google schlug mir die Linie C1 von was auch immer vor. Diese Linie fand ich nicht. Ich stieß aber auf ein Gleisfahrzeug, das mit einer 8 gekennzeichnet war und mich schon mal zu den Nuevos Ministerois bringen sollte. Ich kaufte ein Ticket mit Zielangabe „Sol“ und setzte mich rein. An der Endhaltestelle stieg ich aus und fand mich dann gar nicht mehr zurecht. Ich verließ die Haltestelle und versuchte an einer, von der ich glaubte, sie sei richtig, wieder reinzukommen. Karte ungültig, wurde mir beschieden. Ich begab mich zu einem Schalter (einer von vieren besetzt, ich musste warten). Nene, ich dürfe mit der Karte ja nur dies und das, keinesfalls aber jenes. Ah, ok. Zu dies und das gegangen, Karte ungültig. Ich wieder zum Schalter, diesmal doppelt so viele Personen in der Schlange. Ne, keine Lust! Das muss doch auch ohne Beratung gehen. Ausschilderung völlig wirre. Ich fand kaum aus dem Untergrund heraus und verbrachte einige Stunden in dem Tunnelgewirr. Irgendwann auf der Straße konnte ich mich mithilfe der Handy-Navigation wieder orientieren. Aha, da und da lang. Karte gekauft, wieder Tunnelgewirr. Ohne verständliche Ausschilderungen. Ein Metro-Mitarbeiter brachte mich dann zum richtigen Gleis. An der Zielstation das gleiche Spiel.

Ja, irgendwann stand ich auf der „Puerta del Sol“ und bekam direkt die nächste Krise: Es war breeeechend voll. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Die Menge wogte und man musste sich teils schieben lassen und teils durchboxen. Gottseidank war mein Hostal nicht weit weg. Es liegt im 4. Stock eines Hauses in einer der Nebenstraßen. Hochgefahren, wieder 2 Menschen vor mir, die sich ganz Madrid erklären ließen. Ich bekam eine Ahnung, warum Hannibal Lecter so wurde, wie er wurde. Das Hostalzimmer ist wieder sehr einfach, aber nett eingerichtet. Frühstück gibt es hier nicht, dafür hat es ein Kaffeetablett und einen Kühlschrank im Raum. Ich sortiere mich und meine Plünnen ein wenig und schmiss mich wieder ins Gewühl.

Schrecklich, Ihr Lieben. Einfach schrecklich. Ein Geschiebe und Gedränge. Ich habe mit Ach und Krach eine Stunde Erkundungsspaziergang ausgehalten. Die Kaffees oder Cerveserias, die ich mir auf dem Zimmer markiert hatte, waren alle voll. Ich beschloss, im Supermarkt des Corte Inglès für den Abend und das Frühstück einzukaufen und lief zurück ins Hostal.

Ja, jetzt habt Ihr statt toller Erlebnisse nur Gejammer serviert bekommen. Ich fürchte, einen Madridbesuch muss man anders angehen als einen in Barcelona, wo alles viel entspannter wirkt. Immerhin habe ich aber schon ein Onlineticket für den Hop-on-hop-off-Bus erstanden. Ich will früh aufbrechen, um mich einmal ohne Aussteigen komplett durch Madrid gurken zu lassen. Und dann entscheide ich bei einer weiteren Runde, wo ich mal aussteige und mich umsehe.

Ihr Lieben, morgen wird es wieder einen gescheiten Tagebucheintrag geben. Heute war mmir alles halt ein bisschen zu viel. Sehen wir uns? Liebe Grüße, Euer

Zu allem Unglück wird man auch noch ständig angequasselt. Komm, noch zwei Dönekes: Die Straßenhändler haben ihre gefälschte Ware auf Bettlaken ausgebreitet, an jedem Zipfel hängt eine Kordel. Wenn jetzt ein Ordnungshüter des Weges kommt, rupft man an dem Seil, das alle Schnüre verbindet und hat einen geschlossenen Beutel. Seeeehr unauffällig!

Ja, und ich habe schon Kühlschrankmagneten! Yeah!

Spanien 6: Feliz Navidad en Barcelona

Ihr Lieben,

ja, das war ein super Abend gestern, aber heute bin ich irgendwie gar nicht aus den Federn gekommen. Um halb 10 habe ich es geschafft, mich halbwegs zurechtgemacht in den Frühstücksraum zu schleppen. Das Angebot war – das war aber zu erwarten – äußerst übersichtlich: Croissants, Kaffee, Butter, Joghurt und Saft. Finito. Und um Punkt 10 Uhr wurde das Licht ausgeknipst. Gut, dass ich um 9 Uhr 59 noch schnell einen Kaffee gezogen hatte. Und danach legte ich mich einfach wieder hin. Was für ein Luxus, ich sach et euch!

Gegen Mittag zwickte mich dann aber das schlechte Gewissen und ich verließ das Hotel, um ziellos durch die Stadt zu irren. An Weihnachten hat hier ziemlich viel geschlossen, nur wenige Läden sind auf, Museen und andere touristische Einrichtungen sind in der Regel dicht. Da der Palau Güell direkt um die Ecke des Hotels liegt, habe ich mir den wenigstens von außen angesehen. Dann lief ich die Rambla Richtung Meer herunter, bestaunte die Columbus-Statue, lief zu den Anlegern und durch den Hafenweihnachtsmarkt Richtung Parc de Ciutadella. Ein Riesenrad ist die Hauptattraktion des Weihnachtsmarktes, leider standen da zu viele Menschen an, so etwa 50. Eine weitere Attraktion war das Kettenkarussel, das ich gerne für Euch getestet hätte, wirklich!, aber auch hier standen zwei Menschen an, da konnte ich leider, leider nicht so lange warten. Extremst schade! Ansonsten besteht der Markt zu 99% aus Fressbuden. Ich habe allen tapfer widerstanden.

Auf meinem Weg kam ich an der Kirche Sta. Maria del Mar vorbei. Das ist die Kirche, die in dem Buch „Die Kathedrale des Meeres“ von Ildefonso Falcones die Hauptrolle spielt. Ich fand das Buch ziemlich gut! Es gibt sogar eine Eckkneipe gegenüber, die „Bastaix“ heißt, nach den Steineschleppern, die die unbehauenen Brocken vom Steinbruch zur Baustelle brachten, und die in dem Roman eine große Rolle spielen. Leider war die Kirche auch geschlossen.

Durch den Stadtteil Es Born flanierend, gelangte ich zum Parc Ciutadella. Da kann man erstaunlich viel Zeit verbringen. Es gibt viele mehr oder weniger talentierte Musiker, ein paar Straßenkünstler, viele interessante Bauten (wie die Zitadelle der drei Drachen, einen Triumphbogen oder die Cascada Monumental), Seen, Orangenbäume und rasend viele Besucher, die dort lustwandeln, Bötchen fahren, picknicken oder abhängen.

Zurück lief ich durch das Gotische Viertel, an Sta. Maria del Pi und der Kathedrale vorbei und verirrte mich ein bisschen in den Gässchen, die abseits der Touristenzentren wie verschlafen wirkten, aber dennoch ganz tolle Eindrücke lieferten. Wie auch in anderen spanischen Städten, sind viele der Rollläden der heute geschlossenen Geschäfte sehr kunstvoll bemalt, überall kann man Street Art entdecken, und mittendrin immer wieder winzig kleine Bodegas, Churrerias, Kneipen. Es ist ganz wunderbar!

Mein Abendessen nahm ich dann im Hotelrestaurant auf der Terrasse zu mir. Es ist zwar teurer als in einem Restaurant in den Gassen, aber dafür kann man sofort wieder ins Zimmer fallen. Ich hatte Arroz Nero con Mariscos, das war schon arg lecker, und Tarta die Queso Imperial, mit Früchten und Baklava. der war einfach nur WOW! Der Hausrosé schmeckte auch, das war ein schöner Abschluss des Tages.

Ja, und schwups war wieder ein Tag rum, ein halber davon halt mit Verpennen. Draußen war es viel milder geworden, wir hatten 16°C und der Himmel zeigte sich in tiefem Blau mit vereinzelten Wölkchen. Und was ist das eine schöne Stadt! Hier gibt es ja nichts, was irgendwer vermissen würde. Berge drumherum, das Meer vor der Tür, enge Gassen, prächtige Boulevards, Sterneküche und Brötchen auf die Hand. Einzig die wirklich sehr vielen Baustellen trüben den Gesamteindruck ein wenig. Scheint irgendein Großprojekt bzgl. Kanalisation oder Verkabelung zu sein. Also, ich könnte hier leben.

Morgen geht es in die spanische Hauptstadt, ich werde, weil ich eben so merkwürdig gestrickt bin, wieder Stunden zu früh am Flughafen sein; in Madrid komme ich, den Berechnungen des international anerkannten Prof. Pirkheimer zufolge, um etwa 14 Uhr an. Dann muss ich noch das dortige Hostal finden, das auch mitten im Zentrum liegen soll.

Gestern um halb drei Uhr morgens der Bericht, jetzt wieder zu einer zivilen Zeit. Und damit allen eine gute Nacht und hoffentlich bis morgen. Liebe Grüße, Euer

Spanien 5: Zurück nach Barcelona

Ihr Lieben,

eines der großen Mysterien der Menschheit wird bleiben, dass ich es nicht schaffe, Spannbettlaken vernünftig aufzuziehen, so dass sie wenigstens eine Nacht halten, ich aber drei Tage brauche, um mich aus der allumfassenden, fast nahtodartigen Umklammerung einer unter die Matratze gestopften Hotelbettdecke zu befreien.

Das wichtigste vom Tage zuerst: das Rührei war warm. Heißa! Jetzt musste ich nur noch zwei Stunden bis zur Abfahrt des Busses überbrücken. Meine Plattfüße schmerzten immer noch und mir war klar, dass ich doch ein zweites Paar Schuhe hätte mitnehmen sollen. Jetzt rächte sich die Packerei im Schickerkopp. Kurzerhand kaufte ich vor Ort noch ein Paar Sneakers. Blasenpflaster habe ich immerhin dabei. Und ein letztes Mal schaute ich mir Andorra la Vella an. Die Berge waren inzwischen wieder fast schneefrei, die Temperaturen auf Plusgrade gestiegen.

20 Minuten vor Abfahrt des Busses fand ich mich an der Haltestelle ein. Wieder wartete niemand anders. Wieder war der Bus pünktlich. Wieder war er brechend voll. Ich musste diskutieren, damit ein Mann sein Gerümpel vom einzig freien Platz wegnahm. Er rächte sich dadurch, dass er ohne Unterlass in sein Handy schrie und auch sonst ein unangenehmer Sitznachbar war (er müffelte und machte sich breit). Hinter mir schnatterten pausenlos zwei Personen in einer unglaublichen Lautstärke miteinander, vor mir zog ein Teenager im Fünfsekundentakt die Nase hoch. Gegenüber am Gangsitz trank jemand Bier aus der Dose in winzigen Schlückchen und kaute (!) es dann geräuschvoll. Und das alles drei Stunden lang. PUH! Im wahrsten Sinne des Wortes eine reizende Reise. Die Kopfhörer hatte ich natürlich zu Hause vergessen, die Ohrstöpsel lagen im Koffer in den Innereien des Busses.

Kurz vor der spanischen Grenze hieß es noch, wir sollten alle unsere Pässe bereithalten, aber wir durften dann doch einfach so durchflutschen. Ich hatte auch gelesen, dass es stichprobenartige Kontrollen wegen der zollfreien Waren geben könne, aber es war ja trotz niedriger Mehrwertsteuer alles nicht billiger als im Rest Europas, wer soll da bittesehr schmuggeln? Ansonsten kam der Bus pünktlich in Barcelona an und ich erreichte auch sofort eine Anschluss-Metro zum Liceu, von wo aus ich noch drei Minuten zum Hotel laufen musste, das direkt an der Plaça Reial liegt. Es ist, so glaube ich, das erste Einsternehotel, in dem ich je übernachtet habe. Es macht auf den ersten Blick keinen schlimmen Eindruck, es liegt super zentral, es ist sauber, es ist billig, es gibt sogar eine Badewanne auf dem Zimmer. Nur schaue ich leider wieder auf die 30 cm entfernte Wand eines Schachtes, diesmal ohne in ein Nachbarzimmer glotzen zu können. Und ein paar Fliesen in Bad und auf Boden sind leicht angeschlagen. Ein Blick auf die Plaça Reial wäre natürlich der Hammer gewesen. Aber wahrscheinlich wird es nachts dort furchtbar laut.

Liebe Andorradevellaner, es tut mir furchtbar leid, aber ich bin froh, wieder in Barcelona zu sein. Ich lief sofort durch das gotische Viertel, stöberte in niedlichen Läden nach Geschenken für mich selbst, kaufte Wein und Turrón. Auf der Hotelterrasse nahm ich dann ein Bier zum Touristenpreis zu mir. Dafür hatte man dann aber auch viel Entertainment. Der „Einrufer“ (oder wie das heißt) ist aus Pakistan, der Rezeptionist des Hotels aus Marokko. Wir haben uns ein bisschen unterhalten. Zwischendurch wurde mir ein Armband von einem umherziehenden Händler geschenkt, weil ich ja so ein netter Kerl sei. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie er mir das fest ums Handgelenk verknotete. Und dann war es auf einmal doch kein Geschenk mehr. Sowas. Haben etwas gebraucht, um es wieder aufzuknoten.

Um 19 Uhr traf ich mich dann mit Rolf und Otto in deren Bleibe, um für unser Heiligabendessen vorzuglühen, das wir anschließend in einem ecuadorinischen Restaurant einnehmen wollten.

Wie soll ich den Abend beschreiben? Er war so skurril! Wir trafen uns in der Wohnung, tranken Sekt, knabberten Nüsse. Dann war es Zeit, loszugehen, etwa 10 Minuten Fußweg lagen vor uns. Wir kamen an in einem 4 Meter breiten und 50 Meter langen Restaurant. „Ah, Sie haben reserviert? Prima, bitte hier entlang.“. Man führte uns in einen kleinen Saal mit Bildschirmen, Ballons hingen unter der Decke, Partymusik lief, aber es wollte keine Partystimmung aufkommen. Ob wir uns auch weiter vorne hinsetzen könnten, wir hätten es lieber ein wenig weniger laut? Ja, klar doch. Dann saßen wir da. Und warteten und saßen. Und warteten.

„Hallo, gibt es auch was zu essen?!“. Ja, gäbe es, die Karte läge ja vor uns (keiner hat sie verstanden), es gäbe aber auch das Weihnachtsmenü für 45 Euro pro Person. Da sei ein Glas Wein inkludiert. Da hätten wir ja schon misstrauisch werden müssen. Wie das denn funktioniere? Nunja, es gäbe 5 Vorspeisen, dann die Hauptgerichte, 3 Nachspeisen und das Glas Wein und einen Kaffee. Wir waren überfordert und baten um das Menü.

Wir bekamen einen Teller gerösteten Mais mit geröstetem Hühnerfett (nehme ich an). Und einen Teller geröstete Zwiebeln. Dann geröstete Hühnerflügel. Gefolgt von – ah! – gebratenen Scampi! Dazu geröstetes Brot mit Tomate und Knoblauch. Wir waren quasi durch mit den 5 Tellern, da fing der Mann von vorne an und brachte wieder gebratene Scampi. Wir bräuchten mehr Wein, beschieden wir ihm. Den müssten wir aber bezahlen, beschied er uns. Jaja, mach mal. Aber hör mal auf mit wiederkehrenden Vorspeisen, bitte.

Dann passierte nix.

Und nix.

Nix.

„Hay mas platos principales?“ Jaja, das würde jetzt aber dauern. Wir waren eigentlich schon durch mit essen und hatten auch nicht weiter Lust. Zumal in der Partyzone gerade der ecuadorianische Superstar…äh… ja… ähhhm… zu singen anfing. Was es denn kosten würde, wenn wir jetzt einfach gingen? Wir erklärten freundlich, dass wir uns das alles ganz anders vorgestellt hätten. Man war seeeehr kulant und ließ uns den Wein bezahlen und berechnete uns für die vielen Vorspeisen gerade einmal 10 Euro. Man kann eigentlich gar nicht in Worten wiedergeben, wie seltsam das alles war. Rolf, Otto, sagt mal was!

Wir gingen dann noch (mit meinen neuen Schuhen!) ins queere Viertel, wo ich dann mal spontan eine Bar aussuchte, in der es mir (und den beiden anderen auch, wie ich meine) gut gefiel. Wir plauderten kurz mit einem Kölner Rugby-Spieler und einem Tunesier, der mal in Köln lebte. Schöne Kneipe, da gehe ich vielleicht nochmal hin.

Ja. Und dann muste ich 42.973.035.388 Schritte nach Hause laufen. Und all das in den neuen Schuhen. Gute Nachricht: Es wird keine Blasen geben.
Es ist jetzt sehr spät und ich habe keine Ahnung, was ich morgen unternehmen werde. Aber ich hoffe, ihr seid dabei und lasst Euch ebenso überraschen wie ich mich selbst.

Liebe Grüße, Euer

P.S.: Wenn ich so spät noch schreibe, garantiere ich nicht mehr für Logik. Aber für jeden Rechtschreibfehler den ihr entdeckt, dürft ihr gerne 10 Euro an Ärzte ohne Grenzen spenden 🙂

Spanien 4: Andorra

Ihr Lieben,

was um Himmels Willen hat mich dazu veranlasst, beim Check-in eine frühe Frühstückszeit zu wählen? Draußen schneeregnet es, es ist grau und ungemütlich. Da hätte ich auch noch ein Stündchen länger schlafen können. Das Wichtigste zuerst: das Frühstück ist okay. Es wäre prima, wenn das Rührei nicht eiskalt gewesen wäre.

Das Wetter lädt jetzt nicht gerade zu Ausflügen ein, also suchte ich nach Museen. Leider haben montags fast alle Museen in Andorra la Vella geschlossen. Es gibt allerdings das Centre d’Art d’Escaldes-Engordany, das eintrittsfrei auf drei Etagen Kunst präsentiert, immer mit einer Wechselausstellung. Dort beschloss ich, meinen Tag zu beginnen, allerdings liegt das CAEE am anderen Ende der Stadt. Also einmal wieder die gesamte Einkaufsstraße runter gelaufen.

Kurz vor Ankunft am Museum erspähte ich linkerhand eine gläserne Kathedrale. Wie interessant! Lief hin, nur um herauszufinden, dass es sich um eine Therme handelt. Und zwar mit gepfefferten Eintrittspreisen! Aber ganz schön pompös, meine Fresse.

Im Museum wird man total nett empfangen, es wird ein bisschen was erklärt, und es stellte sich heraus, dass die temporäre Ausstellung Wassily Kandinsky gewidmet war. Wie schön. Schwerpunkte waren Holzschnitte und Lithographien aus der Serie „Klänge“. Außerdem gab es Skulpturen des spanisch-andorranischen Künstlers Josep Viladomat sowie Miniaturnachbauten andorranischer Bauwerke zu sehen. Das lohnt sich, vor allem, wenn man länger in der Stadt verweilt oder bei schlechtem Wetter.

Ich durchforstete einige Souvenirshops nach Kühlschrankmagneten. Ich habe da einen richtigen Fimmel, ja, fast schon einen Fetisch. Mein Kühlschrank ist schon vollgepflastert und meine Freunde und Bekannten müssen auch unter dem Fetisch leiden, bringe ich doch auch immer welche für sie mit. Leider gibt es hier nicht wirklich schöne, daher werden die ausgesucht hässlichen gekauft. Übrigens scheinen als sonstige Mitbringsel, auch in Barcelona, billig fabrizierte T-Shirts mit ordinären Sprüchen äußerst beliebt zu sein.

Es wurde Zeit für einen Kaffee. In einem riesigen Selbstbedienungscafé, Viena, mümmelte ich ein Apfelküchlein und süppelte einen lauwarmen Café latte. Ich hatte noch Glück, denn als ich dort ankam, warteten drei andere Kunden vor mir, danach ging die Schlange einmal durch den ganzen Laden. Ich hätte gerne noch ein Getränk zu mir genommen, aber die Wartezeit wäre mir zu lange gewesen.

Draußen schneite es jetzt noch stärker, dazu blies ein kräftiger Wind. Sehr ungemütlich. Ich verpieselte mich ins nächste Einkaufszentrum und organisierte mir erst einmal eine Strickmütze, da mein um den Kopf gewickelter Schal nicht mehr gegen die Kälte ausreichte. Ich war ganz hin- und hergerissen wegen des Wetters. Einerseits verlieh es der ohnehin tristen Stadt ein noch tristeres Grau, auf der anderen Seite blieb in den Bergen (im Gegensatz zur Stadt) der Schnee liegen und, naja, wer kann schon dem Anblick schneebedeckter Berge widerstehen?

Ich weiß nicht, ob es so etwas noch bei uns in Deutschland gibt, aber in Barcelona und hier in Andorra stehen Eltern mit Kindern Schlange vor Weihnachtsmannbehausungen. Und die Schlangen sind extrem lang. Das finde ich irgendwie nett; kurz hatte ich überlegt, mich auch anzustellen. Aber das wäre vielleicht doch zu seltsam rübergekommen.

So langsam hatte ich Plattfüße. In Barcelona bin ich vorgestern angeblich über 30.000 Schritte gelaufen. Gestern waren es nur knapp 10.000 (aber das bergauf und bergab!). Inzwischen habe ich aber herausgefunden, dass man hier von der „Unterstadt“ in einem Parkaus einen Aufzug nutzen kann, um in die „Oberstadt“ zu kommen. Mein leichter Muskelkater von gestern bedankt sich ausdrücklich für diese Möglichkeit. Apropos Aufzug: Das Hotel hat 3 Etagen, aber neun Etagenknöpfe. Ich habe mich noch nicht getraut, einen der scheinbar überflüssigen 6 zu drücken, da ich nicht in einem Paralleluniversum landen wollte.

Wo war ich? Ach ja, Plattfüße. Am frühen Nachmittag bin ich erst einmal wieder ins Hotel und habe mich für ein Stündchen hingelegt. Mir waren auch die Ideen ausgegangen, was ich noch in Andorra la Vella unternehmen könnte. Wenn ich die Sehenswürdigkeiten im Internet abrief, konnte ich hinter fast allem ein Häkchen setzen. In der Umgebung gibt es wohl noch ein nettes Kloster und einen netten Gebirgsort, aber bei dem Wetter fand ich das jetzt auch nicht prickeln.

Also lief ich noch einmal über einen Weihnachtsmarkt (die sind hier fast quasi leer, in Köln bringen mich ja keine 10 Pferde mehr auf einen!), streifte durch andere Gassen der Altstadt, aß in einer kleinen Cerveseria eine Art Bocadillo, kaufte im Supermercado einen Rosé und begab mich zurück ins Hotel.

Morgen geht es am Mittag wieder zurück nach Barcelona, da freue ich mich auch drauf. Andorra la Vella war jetzt nett für einen Tag, aber länger muss man hier auch nicht verweilen. Vielleicht wäre das Museum Thyssen noch interessant gewesen.

Bis morgen, wenn ihr mögt. Euer

Spanien 3: Nee, heute mal nicht.

Ihr Lieben,

heute werden Grenzen überschritten. Je nach Zählart (ich war ja in Ländern, die es so gar nicht mehr gibt) besuche ich für 2 Tage mein 65. Reiseland, Andorra. Aber von Anfang an: Ich schlief ziemlich lange, frühstückte spät und lief noch einmal durch den – leider langweiligen – Joan-Miró-Park (Eine!!! Skulptur) zur Aussichtsplattform des Arenas C.C., um auch mal tagsüber den Blick über die Plaza España schweifen zu lassen. Dort wollte ich außerdem noch in einem der vielen Restaurants in der obersten Etage einen Tisch für Heiligabend reservieren. Aber da hat leider alles geschlossen. Ich klapperte noch zwei, drei andere Restaurants in der näheren Umgebung ab, aber keine Chance. Schlussendlich reservierte ich dann etwas über eine entsprechend App.

Ich räumte mein Zimmer und hatte noch knapp 2 Stunden Zeit. Die verbrachte ich damit, mit Rucksack und Rollkoffer bewaffnet durch die Altstadt zu flanieren. Eine selten dämliche Idee! Es war so voll, ich war in Sekundenschnelle genervt. Überall eckte ich mit meinem Gepäck an. Ich erstand ein paar Souvenirs (Melli, rate mal!!) und machte mich dann auf zum Bus. An der Haltestelle wartete niemand anderes und ich wurde nervös. Schnell mal in die App geguckt. „Welchen Bus meinen Sie? Gibt’s hier nicht. Sie Dumpfbacke!“. Aufkeimende Panik. Aber eine Minute später war er dann da. Puh! Und schon brechend voll! Immerhin bekam aber jeder einen Sitzplatz. Mein Sitznachbar war offensichtlich sehr müde, er schnorchelte die Fahrt über leise und machte ab und an seltsame Geräusche. Wir hatten mal einen Dackel, da sagten wir immer, der jagt gerade Kaninchen.

Die Fahrt dauerte etwa drei Stunden. Die hügelige Landschaft wurde nach und nach immer gebirgiger. Zeitweise fuhren wir durch nebelverhangene Täler, dann durch einen Tunnel und zack!, war’s wieder himmelblau. Die Landschaft ist reizvoll, einige Orte sind hübsch. Es gibt Seen, Flüsse, Staudämme, Tunnel, schneebedeckte Gipfel zu sehen.

Gegen 15:30 Uhr passierten wir den Grenzposten Andorra. Der Bus hielt aber nur kurz, wir wurden nicht kontrolliert und so waren wir pünktlich um 16 Uhr in der Hauptstadt des Fürstentums: Andorra la Vella. An der Hotelrezeption standen etwa 15 Menschen am Check-in, daher dauerte es dort ein wenig. Das Hotel, Les Pyrénées, ist ganz nett, das Zimmer ist auch okay, wobei es allerdings nur ein Fenster zum Fenster eines anderen Zimmers hat und dazwischen ca. 70 cm liegen. Aber egal. Sollte es ein netter Nachbar sein, werde ich rüberwinken.

Als ich mich aufmachte, die Stadt zu erkunden, fing es leider an zu nieseln. Dazu war es auch noch ziemlich kalt. Ich lief die obere Bergstraße, die den Beginn der ellenlangen Einkaufsmeile darstellt, bis zur Plaza de la Rotonda, wo man direkt zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Andorra la Vella bewundern kann: Dalís Skulptur „Noblessa del temps“ und die Brücke mit dem Schriftzug der Stadt. Man scheint hier auch sehr weihnachtsverliebt zu sein, alles ist in Lichterketten gehüllt, überall stehen Weihnachtsmänner und Rentiere herum, die um die Wette blinken. Sehr nett. Die Stadt an sich ist nicht besonders sehenswert, abgesehen von dem „alten Viertel“, das aber nicht wirklich groß ist.

Ich lief über einen Weihnachtsmarkt, durch einen der zahlreichen großen Duty Free Shops (wo alles viel teurer ist als bei uns in Deutschland), bis ich vom vielen Auf und Ab – wir sind im Gebirge – schwere Beine bekam und dringend ein Bier brauchte. Es waren inzwischen 0 Grad, aber man saß draußen. Schräges Volk. Und schräger Gerry, der es ihm gleichtat. Als ich das Gefühl hatte, komplett von Eiskristallen überzogen zu sein, wechselte ich in eine Hamburguesería mit Heizung, aß zu Abend und schleppte mich satt und zufrieden ins Hotel, wo ich nun diese Ergüsse formuliere.

Morgen soll die Temperatur hier auf bis zu – 7°C sinken und es soll schneien. Winterurlaub! Yeah! Ich muss mich mal vertraut damit machen, wo es Schneeschuhe zu kaufen gibt. War Andorra eigentlich schon einmal so eingeschneit, dass es von der Außenwelt abgeschnitten war? Darüber rede ich morgen an dieser Stelle mit den Staatsoberhäuptern Andorras, dem französischen Präsidenten und Co-Fürsten Emanuell Macron und dem Bischof von Urgell und zweiten Co-Fürsten, Joan Enric Vives i Sicília.

Ich hoffe, wir sehen uns morgen im Winterwunderland in den Pyräneen wieder.
Liebe Grüße, Euer

Ich schaue nicht verdrossen, wie es den Anschein hat, sondern konzentriert. 🙂