Tag 2: Gotha und Erfurt

Ihr Lieben!

Was bringt Menschen dazu, auf dem Hotelflur vor andrer Leuts Zimmern zu jauchzen, zu frohlocken und die Tage zu preisen, um mal mit Johann Sebastian Bach zu sprechen? Und das auch noch vor 8 Uhr früh, eine Viertelstunde lang, voller Inbrunst! Als ich merkte, dass die Damen sich von ihrem Platz vor meiner Tür nicht trennen konnten, beschloss ich, aufzustehen. Immerhin hatte ich ja wieder einiges vor. Bin ja froh, dass die Damen keine Kesselpauken dabei hatten.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und brach erneut auf zum Bachhaus. Das hatte ich gestern nur von außen besichtigt, heute wollte ich das Museum entern. Leider war ich zu früh da, ich hatte nicht auf die Öffnungszeiten geachtet. Immerhin gab mir das Gelegenheit, eine vor der Bach-Statue verweilende Reisegruppe zu beobachten, deren Leiterin einen sogenannten“Ich weiß auch was und zwar besser!“-Mitreisenden nicht in den Griff zu kriegen schien. Das ist die Sorte Reisegruppenmitglied, die absurde Fragen stellt, sie dann selbst beantwortet, um zu zeigen, wie wahnsinnig belesen sie ist. Die bekloppteste Frage von ihm war „Hat Bach seinen Geburtstag nach gregorianischem oder julianischem Kalender gefeiert?“. Die Reiseführern scherzte dazu, aber mit sich steigendem aggressiven Unterton und die ganze Gruppe schien außerordentlich genervt. Verständlich.

Das Bachhaus selbst ist ganz interessant, verwinkelter Fachwerkbau mit einem monströsen modernen Betonannex, der wahrscheinlich auch noch einen Architekturpreis gewonnen hat. Bild müsst Ihr Euch selbst ergoogeln, ich wollte diesen… äh… Stilbruch nicht zeigen. Viele Instrumente sind ausgestellt, viele Bilder, viele Handschriften und Bücher, und aus allen Ecken und Winkeln tönen Bachs Kompositionen. Es gibt auch Live-Vorführungen in einem kleinen Konzertzimmer, aber dafür hätte ich noch zwei Stunden warten müssen. Diese Zeit hatte ich nicht. Alles sehr schön ausgedacht, aber: Zu wandeln, wo der Meister gewandelt ist, ist natürlich das Beeindruckendste an diesem Haus.

Kurz hatte ich überlegt, bei Bad Liebenstein den Glasbachgrund zu besuchen. Dort hatte unser weiser Fürst Friedrich unseren Reformator ja schein-entführen lassen. Aber für eine Gedenkstele einen Umweg von fast 40 Minuten zu fahren, erschien mir dann doch zu überkandidelt. Die ersparte Zeit hob ich mir dann für den Ort auf, wo Martin nach eigenem Bekunden fast vom Blitz getroffen wurde. Das scheint mir mystischer als die Stätte einer eine Fake-Entführung. Daher war mein nächster Halt erst einmal Gotha.

Martin Luther wollte ja schriftlichen Äußerungen zufolge in Gotha begraben sein. Dass das nicht geklappt hat, erfahren wir später auf der Reise noch, in Wittenberg. Aber was haben er und ich hier getrieben? Nun, als Karrierist in seinem Augustiner-Orden unterstanden Martin auch die entsprechenden Klöster der Umgebung. Daher visitierte er auch jenes in Gotha. Zudem hatte er Freunde dort und predigte das ein oder andere Mal in der Augustinerkirche.

Ja, und ich war angetan von einem Internetfoto der Stadtansicht und wusste, ich MUSS das auf Tintenfassteufelkommraus in die Lutherreise packen! Man kann ja alles in eine Lutherstadt verwandeln, wenn man will. „Der Bürgermeister hat seinen Zwergpudel ‚Martin‘ genannt.“

Mein erster Halt war Schloss Friedenstein, ein riesiger Komplex, der aber auch schon bessere Tage gesehen haben muss. Immerhin hängen schon Schilder, dass das Schloss saniert wird, nur wirkliche Arbeiten sieht man im Moment noch nicht. Heute ist eigentlich Tag des offenen Denkmals! Ich als kleiner Dummerle bin daher davon ausgegangen, dass der Eintritt zum Schloss und zum herzoglichen Museum frei sei. Hustepiepen. Ich verzichtete auf eine Besichtigung, da ich mir für mich persönlich nichts interessantes im Wert von 10 Euro davon versprach.

Anschließend lief ich in Gotha kreuz und quer herum und fand auch ohne Plan alle Sehenswürdigkeiten. Das ist nicht besonders schwer, sie hängen alle ziemlich dicht auf einem Haufen. Das Augustinerkloster, das Cranach-Haus, das Rathaus im wirklich wunderschönen Altstadtzentrum, die beeindruckende Brunnenanlage. Durch Zufall stieß ich auch auf ein Mohrenhaus, ich bin gespannt wie lange das noch so heißen darf. Alles in allem eine unglaublich sehenswerte und schmucke historische Innenstadt.

Ja, und dann ging es mit der ganzen ersparten Zeit zum Ort des Blitzeinschlags, wo, wie wir alle wissen, Luther gelobte, Mönch zu werden. Erstaunlich an der ganzen Geschichte ist, dass man wusste, wo man den Gedenkstein aufstellen sollte. Heute, klar, würde man sagen 200 m hinter dem Tierfriedhof, der sich 300 m hinter der Deponie befindet. Zu Luthers Zeiten war da aber vermutlich nichts. Überhaupt nichts! Absolut nichts! Verfügte Luther womöglich über Technologien, von denen wir nichts ahnen? Eine Art Vorgänger des GPS? Heute befinden sich an diesem sehr wichtigen Ort der Geschichte nahe Stotternheim der sogenannte Lutherstein sowie ein Picknickplatz. Letzteres hätte Luther – glaube ich – sehr gefallen.

In Erfurt suchte ich zuerst das Hotel auf. Ein sogenanntes Designhotel. Ich war eine Stunde zu früh, man schenkte mir aber eine eigentlich fällig gewordene Gebühr. Nett. Das Innere ist sehr modern und sehr, sehr bunt! Aber es gefällt mir gut. Diesmal wurde ich nicht von einer Horde amerikanischer Touristen begrüßt, sondern von einer Horde wild wütender Demonstranten vor dem nahegelegenen Bahnhof, die in ihren Wellensteyn-Jacken und Levis-Jeans gegen den Kaufkraftverlust anstänkerten.

Ich lief relativ ziellos durch Erfurt, fand aber auch hier viele bekannte Sehenswürdigkeiten durch Zufall. Morgen habe ich eine professionelle Stadtführung, daher habe ich mich nicht im Einzelnen mit den ganzen Bauten beschäftigt. Aber mir gefällt alles außerordentlich gut. Eine so hübsche Stadt und an jeder Ecke etwas zu entdecken. Zudem sprüht Erfurt nach den eher beschaulichen Orten Gotha und Eisenach vor Energie, die Menschen sind auf den Straßen, die Außengastronomie ist vielfältig und voll. Hier könnte man es gut ein paar Tage am Stück aushalten.

Auf dem Domplatz findet zur Zeit ein riesiges Weinfest statt. Mir war aber eher nach Bier, deswegen gönnte ich mir eines in der pittoresken Häuserzeile gegenüber dem berühmten Kirchenensemble. Derart gestärkt erklomm ich die Zitadelle, von der aus man einen fantastischen Blick über Erfurt hat. Da ich dadurch aber wieder geschwächt war, gab es da auch erstmal ein Bier.

Weiter ging es zum Augustinerkloster, um Luthers Zelle zu sehen. Ich war aber wohl zwei Biere zu spät, man hatte gerade abgeschlossen. Also mogelte ich mich zur Krämerbrücke durch. Nicht nur Florenz und Venedig haben bebaute Brücken, nee. Und die in Erfurt ist wohl auch die längste Europas.

Das Wetter hat sich übrigens im Laufe des Tages rapide gebessert, so dass ich alles in freundlichem Licht sehe. Aber auch bei schlechterem Wetter wäre ich von dieser Stadt mehr als beeindruckt. Wenn ich jetzt fies wäre, würde ich sagen, mein Soli ist gut angelegt worden. Wie ja viele ostdeutsche Innenstädte mit Wiederherstellung und Verschönerung glänzen dürfen. Aber auch das muss man ja erst einmal hinbekommen können. Jetzt bin ich fies und behaupte mal, dass Köln das nicht kann.

Aber was hat unser Martin hier in Erfurt eigentlich gemacht? Nun, er ging hier zu Universität. Ab 1501 nahm er hier das Vorbereitungsstudium für die Aufnahme in die Juristische Fakultät auf. Dass es nun doch eine andere Studienrichtung nehmen sollte, wissen wir ja inzwischen. Es gibt Biographen, die meinen, dass Luther den Blitzschlagsschwur nur getätigt haben soll, weil er keine Lust auf Juristerei hatte oder einer möglicherweise arrangierten Geldheirat durch seine Eltern entgehen wollte. Was ich als abgebrochener Jurist und als glücklicher Single durchaus nachvollziehen kann. Und Martin trat hier ins Kloster ein, wurde im Erfurter Dom zum Priester geweiht und stieg erstaunlich schnell in der Klosterhierarchie auf. Zeit seines Lebens kehrte Luther immer wieder hierher zurück.

Leute, warum habe ich mir eigentlich nicht meinen inzwischen wahrscheinlich verschimmelten Schrittzähler mitgenommen. Wo habe ich den überhaupt hinverräumt? Ich würde ja jeden Abend vor Stolz fast platzen! Was ich mir hier zusammenmarschiere. Zugegebenermaßen strengt mich das inzwischen zuweilen etwas an. Besonders bei bergauf. Aber ich merke auch, wie gut mir diese Bewegung tut. Ich beantrage ein Attest für Dauerreiserei mit Erlaufung der besuchten Stätten. Ich bräuchte 200 Euro pro Tag von der Kasse für Spesen (unquittiert) und gegen Nachweis dann sonstige Reisekostenerstattung.


W E R B E P A U S E – hier könnte Ihre Werbung stehen!


Am Abend hatte ich eigentlich vor, doch einmal auf das Weinfest zu gehen, aber ich war erst gegen 18 Uhr im Hotel, um mein Tagebuch zu schreiben und um 20 Uhr sollte am Domplatz Schicht im Schacht sein. Thüringen hat offensichtlich ein merkwürdiges Verhältnis zu Öffnungszeiten. Spät aufmachen, früh schließen. Hier möchte ich arbei…. Ach nee, ich will ja ein Reiserezept.

Kurzerhand beschloss ich, mir eine Thüringer Rostbratwurst auf die Hand zu holen und noch eine fürs Zimmer einpacken zu lassen. Fehlanzeige, kein entsprechender Imbissstand war geöffnet. So holte ich mir ein paar Kekse aus dem Auto. Jetzt klebt die Tastatur zwar nicht, aber hey, die Thüringer Wurst ist Weltkulturerbe oder so was. Die muss man doch auch nach 20 Uhr überall bekommen können!

Jetzt baldowere ich noch aus, wie es die nächsten Tage weitergehen soll und hoffe, Ihr seid wieder dabei.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Der Bach, die olle Schnapsnase!

Tag 1: Marburg und Eisenach

Ihr Lieben!

Nachdem sich heute wieder der Dachdeckermeister angekündigt hatte – und zwar für 8 Uhr früh !!!!! – konnte ich meinen generalstabsmäßig geplanten Tagesbeginn nicht wie gewünscht durchführen. Der hätte zehnmal umdrehen beinhaltet. Aber die Balkonsanierung geht vor, daran wird auch während meiner Abwesenheit weiter gearbeitet. Aber das ermöglichte mir einen frühen Aufbruch Richtung Marburg, der ersten Station meiner Reise.

„Cora-Schatz, wir haben eine Woche Urlub!“ flötete ich meiner Weggefährtin beim Beladen zu. „Ja, Du vielleicht!“ schnippte sie zurück, „Ich muss ja fahren!“. Auf meine Anmerkung, dass ich ja auch irgendwie in den Fahrprozess eingebunden sei, und wir ja nun eine gaaaanz tolle Zeit vor uns hätten, seufzte sie nur.

Was hat denn Luther so in Marburg getrieben, fragt sich der neugierige Leser, gelle? Da fand das sogenannte Marburger Religionsgespräch statt, 1529 war das; zwischen den Lutheranern und progressiveren Reformationsgruppen herrschte Unklarheit über die Abendmahlsfrage. Außerdem hat unser Maddin hier mehrmals gepredigt, wenn er auf seinen vielen innerdeutschen Reisen hier mal einen Stopp eingelegt hatte.

Und der Gerry, was hat der so in Marburg gemacht? Ja nun, der ist erstmal zur Elisabethkirche gelaufen, dem ältesten rein gotischen Kirchenbau Deutschlands. Die Elsi war eine Heilige, die uns auf der Wartburg noch einmal begegnen wird. Sie wurde im Alter von 4 Jahren mit dem 11jährigen Ludwig von Thüringen verlobt und starb, verhärmt von einem entbehrungsreichen Leben, das sie Armen und Kranken widmete, bereits mit 24 Jahren.

Dann lief der Gerry zum Landgrafenschloss den Berg hoch. Gefühlte 1000 Höhenmeter auf 1 Km Strecke. Nach erfolgreicher Reanimation konnte er sich dann da umschauen. Schöne Ausblicke bieten sich da oben. Es hat zwar ein bisschen genieselt, aber bei Sonne hätte mich der Weg nach oben … Für runter dachte ich an einen Bus. Aber der Busfahrer erklärte mir, dass er nicht an der Altstadt vorbeikäme. Und obwohl er eigentlich hätte abfahren müssen, schleppte er mich noch zur Burgbrüstung und gestikulierte mir den Weg nach unten in die Altstadt. Ein netter Mensch!

Die Altstadt ist entzückend. Klar, viel Fachwerk, alles ein bisschen verwinkelt und einen schiefen Turm gibt es auch noch. Nämlich den der Lutherkirche. Die Läden in den Straßen sind noch besonders, nicht der übliche Einheitsbrei aus Handy- und Ein-Euro-Läden. Und an allen Ecken und Enden findet man interessante Fotomotive. Ich mag Marburg. Auch wenn es hie und da ein wenig sehr burschenschaftelt.

In strömendem Regen ging es dann gen Eisenach. Gottseidank klarte es vorher ein bisschen auf. Ich fuhr etwas länger als geplant, weil Google Maps anfing, zu spinnen, alle 30 Sekunden die Route neu berechnete und mich im Kreis fahren ließ. Ich nutzte meine andere Navi-App, die mich dann aus Marburg herauslotste. Leider sind – auch schon auf der Strecke nach Marburg – überall Baustellen und die Navi-App führte mich auch kilometerlang über Bundesstraßen, wo ich über einen Abschnitt von fast 20 Kilometern einem geriatrischen LKW (Durchschnittsgeschwindigkeit 15 km/h) hinterherdackeln musste, ohne die Chance, überholen zu können.

In Eisenach angekommen beschloss ich, direkt auf die Burg hochzufahren, da das Museum dort um 17 Uhr schließt. Und anders ist eine Besichtigung der Studierstube Luthers dort nicht möglich. Achja, der Maddin. Was hat der denn mit Eisenach zu tun? Nun, er ist dort ab 1498 zur Schule gegangen und wurde von Friedrich dem Weisen nach einer fingierten Entführung 1521/22 auf der Wartburg schutzinhaftiert. Der Papst hatte den Bann, der Kaiser die Reichsacht gegen den Ketzer Luther ausgesprochen. Quasi ein Todesurteil damals. Die Zeit der „Gefangenschaft“ nutzte Luther, damals aka Junker Jörg, zur Übersetzung des Neuen Testamentes ins Deutsche und gebrauchte dabei die Sprache des Volkes und nicht die der Gelehrten.

Und der Gerry? Ich habe die bestinvestiertesten 2 Euro Fuffzig meines Lebens ausgegeben, um mit dem Shuttle-Taxi vom Parkplatz auf die Burg hochzufahren. Der Fußweg ist zum Fürchten steil! Für eine Führung war ich zu spät und so erlief ich mir die Burg mittels einer Erklärbär-App. Die Burg ist natürlich quasi grundsaniert worden, aber Teile der alten Anlage sind immer noch sichtbar. Sie ist wirklich sehenswert und interessant. Highlights natürlich das reich verzierte Elisabeth-Zimmer (da isse wieder), der Sängersaal (mein Lieblingswort aus dem Wikipedia-Artikel dazu ist „Sangspruchgedichte“), der große Festsaal und – natürlich – die Lutherstube.

Es gibt ja Zweifel, ob Luther, warum auch immer – sei es, um den Teufel zu vertreiben, oder aus Verzweiflung über eine unübersetzbare griechische Stelle der Bibel – ein Tintenfass warf, aber der Fleck an der Wand wurde öfter erneuert. Auch soll sein Schreibtisch nachgebaut worden sein, weil Touristen Splitter davon mitnahmen, bis quasi das Möbel als solches nicht mehr zu erkennen war. Lutherreisende gab es nämlich schon im 16. Jahrhundert. Er wurde ja, was ihm einerseits gefallen, aber auch gleichzeitig angewidert hätte, wie ein Heiliger verehrt.

Auch der Blick von der Burg ist wundervoll. Ein Besuch lohnt sich wirklich. Auch wenn Parken, Eintritt, Fotografiererlaubnis, Shuttletaxigebühr etc. sich auf einen stattlichen, disneylandvergleichbaren Betrag summieren. Nun gut, das Schloss jeden Tag putzen zu müssen, ist ja auch nicht billig. Das Gerücht, dass in den Verliesen der Burg die Wartburg-KFZs gebaut wurden, erweist sich übrigens als unwahr, wenn man weiß, dass es keine Verliese gibt.

Weiter ging es zum Hotel, das zwar über einen eigenen Parkplatz verfügt, der aber beschrankt war. Ich kurvte ein bisschen rum und fand einen akzeptabel nahen Parkplatz, wo ich kostenfrei stehenbleiben kann. Dann der Schrecken. Kurz vor meinem Erreichen des Hotels spuckte ein Reisebus Tausende von amerikanischen Touristen aus, die dann alle vor mir an der Rezeption standen. PUH! Liebe Hoteliers: Reisegruppen bitte in der Hotelwäscherei abwickeln!

Das Zimmer ist ein Einzelzimmer, ich hatte zentrumsnah kein vernünftiges mehr bekommen, der Deutsche ist ja gerade reiseverrückt, und das besonders in nationaler Hinsicht. Dafür, dass es ein Deluxe-Zimmer sein soll ist es etwas „billig“, aber das Hotel ist ganz nett. Für 4 Sterne hätte ich mir aber einen Mini-Kühlschrank geünscht.

Ich machte mich kurz frisch und dann ging die Tour de force in Eisenach los: Lutherhaus, Bachhaus, Rathaus, schmales Haus, Nikolaikirche, Predigerkirche, Georgskirche. Das Lutherhaus ist eigentlich das „Cotta-Haus“, uns Maddin hat da als Schüler Obdach bei Ursula Cotta, der Frau des damaligen Bürgermeisters gefunden. In der Georgskirche hat Luther gepredigt und J.S.Bach wurde dort getauft. Die Familie Bach stellte über weit mehr als ein Jahrhundert die Organisten dort. In Köln würde man das Klüngel nennen.

Martin Luther und Johann Sebastian Bach sind sich übrigens Zeit ihres Lebens nie begegnet, obwohl beide so lange in dieser schönen Stadt lebten. Komisch, was? *zwinkersmiley*

Zurück im Hotel bestellte ich mir erst einmal ein lokales Pils. Man nimmt das so ernst hier mit der 7-Minuten-Regel, dass man die Zeit verdoppelt. Lecker. Halb abgestandenes Eisenacher Wartburg-Bier. Da ich der einzige Gast war, fragte ich nach 10 Minuten, was das Bier getan habe, um unter dem Zapfhahn verdorren zu müssen. Mir wurde beschieden, dass ein gutes Pils immer erst allen Schaum verloren haben müsse, um nachgezapft werden zu können. Nun ja. Bei Gelegenheit erzähle ich Euch mal von der lustigen Fasswein-Kellnerin (Tita, weißt Du noch?) oder der antialkoholischen Bedienung (Elke, weißt Du noch?). Fragt einfach nach.

Am Abend – es ist ja auf jeder Reise immer wieder eine Herausforderung – musste ich mir ein schönes Plätzchen zum Essen suchen. Da es nun dauerhaft regnete, bemühte ich ein einschlägiges „Empfehlungsportal“ und entschied mich für das Kartoffelhaus. Ich bekam mit Ach und Krach einen Tisch und hatte einen wunderbaren Abend mit thüringischem Mutzbraten, Seidenklößen, Rotkohl und einem kalten, frischen Bier aus einer Brauerei in Steinbach, ganz in der Nähe. Und ein Kartoffelschnäpsken, dass in der Knolle serviert wurde. Und supersympathischer Bedienung. Und so originell eingerichtet! Leute, das waren glatte 5 von 5 Sternen!

Ich wankte zum Auto, um mir aus meiner Kühlbox (Reiseprofi!) einen Wein zu angeln, begab mich auf mein Zimmer und vollendete diesen Bericht, den ihr jetzt quasi in den Händen haltet. Superschöner, interessanter erster Tag. Rumluthern macht definitiv Spaß und lässt tagsüber Pfunde purzeln, die man sich dann abends wieder anfressen kann.

Morgen geht’s nach Erfurt. Kommt Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer

(also known as Juncker Jerald)

P.S.: Ihr wollt das schmale Haus sehen? Also, mit mir wäre das schon voll bewohnt:

P.P.S.: Hier der Autor bei einer seiner schwersten Aufgaben – das Testen der örtlichen Braukunst. Ich mache das alles nur für Euch!

Kartoffel-Schinken-Ziegenkäseauflauf mit Walnuss-Käse-Kruste

Ihr Lieben,

kurz vorm Urlaub noch mal verderbliche Ware verkochen. Die Kartoffeln und der Ziegenkäse mussten weg. Was tun? Ich hatte noch Walnüsse vom Salat gestern und im Handelshof (mein Hauswein war alle) gab es wunderbaren Serrano-Schinken und duftenden Rosmarin im Angebot. Daraus bastelte ich o.g. Auflauf.

Habe mich dann doch gegen die Jalapeños entschieden. Das wäre too much gewesen.

Kartoffeln putzen und in Scheiben schneiden. Die Zwiebel in kleine Streifen schneiden. Den Ziegenkäse (der als Rolle kam und mit Honig verfeinert war) in Scheiben schneiden. Alles in einer gebutterten Auflaufform schichten. Immer mal eine Schicht Serranoschinken dazwischenmogeln. Hie und da pfeffern, da und dort mit gehacktem Rosmarin bestreuen.

Auf dieses Gebilde geben wir 100 ml Sahne, die wir mit einem Schnapsglas Ouzo, drei Knoblauchzehen, Salz und Pfeffer verrührt haben. Darauf dann malträtierte Walnusskerne (mit dem Fleischhammer in der Tüte quasi pulverisiert :-)) und Grana Padano-Käse geben. Butterflöckchen obendrauf! Nochmal salzen, pfeffern und Chiliflocken drauf.

Ab in den vorgeheizten Ofen bei 200°C für eine Stunde drinlassen. Wenn die Kruste zu verbruzzeln droht, mit Alufolie abdecken.

Jetzt ist der Ouzo auf, hm, also einen genehmigen. Zum Essen dann einen schönen knackigen trockenen Weißwein.

Haut rein.

Die Lutherreise: Prolog

Ihr Lieben,

bald geht es los und ich luthere mich durch die Reformationsgeschichte. Nun ja, einen kleinen Teil davon. Klar, die betrifft nicht nur Luther, aber dennoch ist er in diesem Zusammenhang die prominenteste Person dieser Bewegung, ohne die die Kirche, Deutschland, die Christenheit und noch einiges mehr heute ganz anders aussähen.

Warum aber diese Reise? Ich muss zugeben, dass ich den Osten Deutschlands kaum kenne, und Luther bringt mich nun nach Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zwischen den Wirkstätten Luthers liegen interessante Orte mit berühmten Kindern der jeweiligen Stadt. Es wird also möglicherweise auch eine Händel-, Bach-, Cranach-, Dix-, Melanchthon- und Was-weiß-ich-wer-noch-Reise.

Zur Vorbereitung besorgte ich mir die Luther-/Bora-Biographie von Nürnberger/Gerster (lesenswert!), einen Reiseführer „Auf Luthers Spuren“ von Gretzschel und bemühte verschiedenste Internetseiten, um mich zu orientieren. Aus diesen Informationen erwuchs mein Reiseweg. Der ist in keinster Weise chronologisch, sonst würde ich wie ein Irrer kreuz und quer durch die Republik reisen müssen und das 62 Jahre lang, denn so alt wurde unser Martin. Und ich werde wichtige Orte außen vor lassen müssen. Mal eben so einen Abstecher nach Worms zum Reichstag? Das wäre unrealistisch. Nach Mansfeld, wo die Eltern lebten? Deren Gut „Herr Käthe“ später wieder aufkaufte? Vielleicht.

Herr Käthe? Nanu, was hat denn Rudi Völler mit Luther zu tun? Leute, Leute, der hieß „Tante Käthe“. Herr Käthe war Luthers Frau Katharina von Bora, aka „die entflohene Nonne“. Luther hat sie Herr Käthe genannt, was wohl von seinem Respekt ihr gegenüber zeugte. Luther werden übrigens viele Dinge nachgesagt, die er wahrscheinlich gar nicht oder nicht genau so gemeint, gesagt, getan und gelebt hat. Was Wirklichkeit und was Fiktion ist? Niemand wird das alles je klären können. Der berühmte Wandklecks vom Wurf des Tintenfasses in Richtung Teufel ist auf jeden Fall in späterer Zeit mindestens mehrmals erneuert, wenn nicht sogar erfunden worden.

Ich werde Geburts- und Sterbehäuser sehen. Wirkungsstätten theologischer und aufrührerischer Aktivitäten. Den Blitzeinschlagsort, an dem Luther sein Mönchsversprechen abgab. Aber natürlich werde ich auch Städte kennenlernen, Menschen treffen und wer weiß was noch… Es würde mich freuen, wenn Ihr mich auf dieser kurzen Reise wieder begleitet und Interesse oder Spaß an meinen Schilderungen hättet.

Sollte ich mich mal nicht melden, liegt das eher an technischen Problemen, als daran, dass auch mich in Stotternheim fast der Blitz getroffen hätte und ich wegen der Errettung aus höchster Not durch die heilige Anna in einen Schweigeorden eingetreten bin, wo ich mich fürderhin der Kräutergartenpflege widme.

Also, bis morgen?! Euer

(bearbeitetes Vorschaubild: Bild von Andreas Breitling auf Pixabay)

Chicorée-Orangen-Apfel-Salat

UPDATE

Heute Variante gemacht: Statt des Lachses ein paar Walnüsse und statt des weißen Chicorées roten genommen! I love it!

Ihr Lieben,

ein Klassiker bei unseren Familienobstundgemüsesalatrezepten* ist der Chicorée-Orangen-Salat. Diesmal erweitere ich ihn um Räucherlachs.

Zuerst das Dressing: in 200ml Sahne gebe ich einen gehäuften Teelöffel Senf, einen Schuss Weinessig, ein Schnapsglas Olivenöl und würze das ganze mit Salz (moderat, wegen des geräucherten Fisches), Pfeffer (viel) und Zucker (1 geh. TL). Gut umrühren und abschmecken.

Von den hoffentlich knackigen, gewaschenen 4 mittelgroßen Chicorées schneide ich großzügig die unteren Enden ab, sie sind oft zu bitter. Die oberen dreiviertel schneide ich in dünne Streifen. Zwei kleine Orangen werden filetiert (die Strünke auspressen und den Saft direkt mit in die Salatschüssel geben), ein großer Apfel in kleine Würfel geschnitten. Der Räucherlachs (100 gr.) wird in kleine Stücke gezupft.

Das Obst und Gemüse sowie den Lachs vermengen. Das Dressing reiche ich extra, denn nicht jeder mag ertränken Salat (ich zum Beispiel), andere möchten, dass er schwimmt.

Die Mischung aus bitter, obstig, sahnig, süß ist für mich der Hit. Mit dem Lachs kommt dann noch eine weitere, interessante Note dazu.

*) ich liebe die deutsche Sprache für die Möglichkeit, Bandwurmwörter zusammenzustellen.

Huhn-Tomaten-Zucchini-Auflauf mit Kräutern

Ihr Lieben,

heute gibt es einen sehr einfach zuzubereitenden Auflauf. Denn es ist mal wieder „Was-muss-weg-Tag“, diesmal sind es 3 Tomaten und 2 Zucchini, die ich eigentlich für ein Ratatouille besorgt hatte. Irgendwie kam da aber was zwischen und jetzt sind die Tomaten nicht mehr so ganz fest 🙂

Das Gemüse wird gewaschen und in gleichdicke Scheiben geschnitten. Genauso verfahren wir mit etwa einem halben Kilogramm Hühnchenbrustfilet und zwei Kugeln Mozzarella.

All das schichten wir nun künstlerisch ein eine Auflaufform und salzen und pfeffern dabei gründlich. Über das ganze geben wir eine gut durchgerührte Mischung aus einem Becher Kochsahne, zwei Eiern und einer Packung italienische TK-Kräuter, die wir nach Gusto würzen. Ich gab noch Knoblauch, Salz, Pfeffer und etwas Chili dazu.

Für 45 bis 55 Minuten in den auf 200°C vorgeheizten Ofen geben, fertig. Lecker Weinchen dazu, dann hat man mediterranes Feeling auf dem Esstisch.

Levitation für Anfänger

Ihr Lieben,

ich bin heute geschwebt. Ja, Ihr lest richtig! Geschwebt. Aber alles der Reihe nach…

Zuerst einmal habe ich bis mittags geschlafen, das ist übrigens auch eine meiner Superkräfte, neben dem Vernichten von Wein beispielsweise. Dann musste ich ein bisschen Aktionsgruppendinge erledigen (wir wurden im Kölner Stadtanzeiger präsentiert, leider ohne diesen link: openpetition.de/!bdssq – bitte verbreiten!) und dabei frühstücken.

Das Wetter ist ja leider und gottseidank schlechter geworden, also ideal für einen Ausflug, und ich dachte, ich müsste das 9-Euro-Ticket noch einmal ausnutzen, bevor die Aktion um ist. Zuerst fuhr ich mit Cora nach Solingen-Gräfrath. Es gibt im Netz die Seite eines Zusammenschlusses von 60 historischen Stadtkernen in NRW und Gräfrath wurde dort ebenfalls gelistet. Es ist nicht allzu weit weg und ließ sich mit einer anderen Aktivität verbinden, die ich seit Ewigkeiten schon mal machen wollte.

Gräfrath ist, wer hätte es gedacht, sehr nett. Viel bergisches Fachwerk, das sich dadurch auszeichnet, dass die Häuser als Schutz vor Witterung mit schwarzem Schiefer verkleidet sind. Dazu weiße Rahmen und grüne Türen und Fensterläden, das sind die bergischen Farben, auch genannt „Der bergische Dreiklang“. Ein bisschen war was los, u.a. ein Brunnenfest auf der Dorfstraße, mit geschätzten 15 Teilnehmern. Auf dem Marktplatz füllten sich die gastronomischen Betriebe und aus den offenen Fenstern des Herz-Jesu-Klosters schallte ziemlich laut und ganz profan die Tonspur eines Dracula-Films über den Platz.

Ich fuhr nach ausgiebiger Besichtigung weiter Richtung Wuppertal, wo ich in der Nähe des alten Markts einen Parkplatz nahm, um dann mit der Schwebebahn einmal alle Stationen abzufahren. Immerhin hatte ich meine 9-Euro-Tickets online bei den Wuppertaler Stadtwerken erworben, da fand ich diesen Abschluss ganz passend.

Die kleine Rundfahrt hat Spaß gemacht und es war auch nicht so beängstigend, wie Sessellift oder Seilbahn. Immerhin hat die Bahn 1950 die Elefantendame Tuffi getragen, bevor sie sich vor Angst in die Wupper stürzte. Klar, 1999 gab es einen schrecklichen Unfall, als Waggons aus den Schienen sprangen und herabstürzten. Und auch die rostigen Schienen wirken nicht rasend vertrauenerweckend.

In der Bahn saßen sehr viele Touristen, es gab immer großes Gerangel um die beste Sicht für die schönste Aufnahme. Ein kleines Spektakel also. Die meiste Zeit fährt man über der Wupper, erst ab der Haltestelle Zoo/Stadion schwebt man über Asphalt und sogar über die Autobahn A 46.

Ja, Wuppertal. Hm. Ich könnte mir vorstellen, dass es die ein oder andere schö…. äh…. interessante Ecke gibt. Aber an sich gibt es wenig auffälligen Charme oder Ohhh-Momente. Dennoch – nach 56 Jahren endlich mal in dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst von 1901 geschafft. Interessanter Fakt: Die Bahn ist älter als Wuppertal, das es erst so seit 1929/1930 gibt.

Jetzt gerade herrscht hier zuhause, wo ich mich dann wieder hinbegab, Halli-Galli. Veedelszauber, eine Art Stadtteilfest, mit hingebungsvoller Band schräg gegenüber auf dem alten Schulgelände. In den zahlreichen Fliegern kann ich den Piloten zuzwinkern, so tief brettern die übers Haus weg. Und in der Ferne Raser und Sirenen. Vorstadtidylle.

Bis demnächst mal, gelle? Euer Gerry

Internationaler Tag des deutschen Fachwerks

Ihr Lieben,

ich weiß natürlich nicht, ob es so etwas gibt. Ich befürchte eher, dem ist nicht so. Aber mein Wochenende stand ein bisschen im Zeichen von Fachwerk. Es fing damit an, dass ich Samstag eine Hausbesichtigung hatte. Ein Fachwerkhaus war zu vermieten, das ich für bezahlbar und sehr schnuckelig hielt. Leider steht es in Bad Münstereifel, das ist für jemanden mit Präsenzjob dann doch eine arge Hin- und Herreiserei. Dennoch war ich, wie mit der Maklerin verabredet, um 11 Uhr vor Ort. Die Besichtigungstermine vor mir waren – wie sie mir erzählte – ohne Absage ausgefallen. Da kriegt man doch Gefühle der eher ungewollten Art. Was sind das für Leute? Da könnte man ko….. äh….. ja, zurück zum Thema.

Das Haus war wirklich ein „Liebhaberobjekt“. Aus 1770, krumm und schief und verwinkelt. I loved it! Aber ich werde mir die Fahrerei so nicht antun können. 20 Kilometer näher und ich hätte vor Ort unterschrieben.

Wieso ich mir Häuser ansehe? Weil sich die Nachbarschaft hier zum Nachteil verändert. Das erzähle ich aber nicht in diesem Blog, sondern gerne mal so im Gespräch. Also, wer von einem freistehenden Häuschen weiß…..

Erika und Udo waren leider selbst auf einer Kurzreise, daher konnte ich „meine BaMüs“ nicht treffen. Ich lief einmal den Ort hoch und runter und war erstaunt, wie viel schon und wie wenig erst gemacht wurde. Wie soll ich das erklären? Seit der Flutkatastrophe ist ein Jahr ins Land gegangen und es gibt Stellen im Ort…. als wäre nichts gewesen. Und andere hingegen sehen aus wie frisch zerstört. Aber es tut sich was und ich wünsche den Menschen dort, dass ihre Betriebe wieder laufen und sie alle bald wieder ein lebenswertes Leben aufnehmen können!

Ich hätte die Möglichkeit gehabt, an einem kulturhistorischen Rundgang teilzunehmen, aber ich hätte recht viel Leerlauf einplanen müssen und es war schwül und heiß. Ich fuhr wieder nach Hause. Dort habe ich beim abendlichen Glas Wein mal kurz nicht aufgepasst und habe eine Wespe mitgetrunken. Die war ungehalten und stach mir in die Zunge. Leute, auf was man alles achten muss. Bis auf eine puckernde Beule ist aber nix passiert. Der Wespe geht es eindeutig schlechter als mir, ich habe sie im Affekt totgeschlagen.

Am Sonntag frickelte ich an einem Bürgerbegehren unserer Poller Initiative gegen „Raser“ und deren Kollateralschäden herum. Und da ich den Mitinitiatoren Zeit zur Sichtung meiner Überarbeitungen geben wollte, hatte ich den frühen Nachmittag frei. Ich las vor kurzem in der „Geo“ einen Artikel über eher unbekannte touristische Perlen. Da kam auch Freudenberg drin vor. Der Ort hatte das Glückpech 1666 fast komplett abzubrennen, danach aber von allen Unbilden wie Weltkriegen und dergleichen verschont zu bleiben. Das Ergebnis ist ein schön skurriles Fachwerkschachbrettfleckchen, wo eine gewisse Uniformität nicht von der Hand zu weisen ist, aber das eben auch eine besondere Ausstrahlung hat.

Touristen waren außer mir kaum unterwegs, es ist sehr beschaulich dort. Viele Inschriften in den Fachwerkbalken datieren auf 1667 und bitten darum, dass „der lieb Gott es beware“, nämlich das Haus vor weiterem Feuer. Hat wohl geholfen. Es gibt einen Kurpark, diverse Museen, ein paar gastronomische Einrichtungen, aber man ist schnell durch. Dennoch ist es sehenswert! Und die Dorfjugend kam auf mich zu und wünschte mir einen guten Tag. Ich hatte Tränen der Rührung in meinen Äuglein. Das könnte Dir in Köln nicht passieren.

Auf dem Weg nach Freudenberg war mir ein Hinweis auf die historische Altstadt von Bergneustadt aufgefallen. Ja, da könnte man ja auch mal gucken, oder? Gesagt, getan. Ja, das ist auch sehr beschaulich. Und ein bisschen heterogener von der Gebäudestruktur her. Es gibt eine klassizistische Villa, in der ich gerne leben würde (weil die einen wunderbaren Garten hat), ein Heimatmuseum und viiiiel Ruhe. Muss man da hin? Och, wenn’s auf dem Weg liegt.

Übrigens: Macht Euch schlau, bevor ihr Ihr mit leerem Tank ins Bergische fahrt (gilt auch für den Mittelrhein!): Die Benzinpreise liegen DEUTLICH über denen von Köln! Und es empfiehlt sich, immer etwas unter 100 km/h zu fahren, dann können sich die Minipimm….. äh….. es sehr eilig habenden Zeitgenossen gegenseitig den Blutdruck hochtreiben.

Apropos Raser: Zurück daheim konnte ich dann die Petition unserer Initiative veröffentlichen. Ihr könnt auch gerne mit unterzeichnen!

https://www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-raser-poser-szene-und-die-verwahrlosung-der-poller-wiesen-in-poll-und-deutz

Alles in allem also ein abwechslungsreiches Wochenende. Übrigens auch für meine kleine Nichte Theresa. Sie wurde heute getauft. Alles Gute, kleiner Spatz!

Bis in Bälde, Euer Gerry

Ist’s ein Baumgärtel?

Orangenmarmelade

Ihr Lieben!

Wahrscheinlich hat schon jeder einmal vom Streit über brotaufstrichliche Begrifflichkeiten gehört. Was ist Marmelade, was Konfitüre, was Gelee? Angeblich meinen die Briten IMMER Orangenaufstrich, wenn sie von „marmalade“ sprechen. Unsere Himbeermarmelade hieße dort „raspberry jam“. Der „traffic jam“ hingegen ist gar nicht aus Früchten. Der lehrt Ungeduldige wie mich eher das Fürchten.

Meine Orangen aus Sóller wurden gestern natürlich nicht alle für den Cocktail „Agua de Valencia“ verwendet. Ich wäre sonst heute gar nicht in der Verfassung zum Marmeladisieren gewesen. Wie aber machen wir nun „ye olde orange marmalad“?

Ich nehme 2 kg kleiner, unbehandelter Orangen, wasche sie heiß ab und trockne sie mit einem sauberen Geschirrtuch. Mit meinem genialen Zestenreißer (guck den Beitrag von gestern an) ziehe ich die Orangenhaut ab, ohne das Weiße mitzunehmen. An den Oberschenkeln klappt das übrigens nicht mit dem Zesten der Orangenhaut. Je nachdem, wie bitter man es mag, nimmt man die Zesten von etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Orangen. Alle Früchte schält man nun so, dass keine weiße Haut übrig bleibt (die hat viele Bitterstoffe) und holt aus den Kammern die Orangenfilets heraus (hier kann man aber auch grobmotorischer zu Werk gehen). Anfallenden Saft auffangen und mitverwenden.

Dem Orangenfruchtfleisch und Zestenabrieb gibt man ein mehr oder weniger großes Schnapsglas Orangenlikör (aka triple sec) zu trinken (50 ml, kein Mensch hat etwas von Bierkrügen gesagt!), vermischt alles mit Gelierzucker im richtigen Verhältnis (also z.B. 1 kg Masse mit 500 gr. 2:1-Gelierzucker). Um auf genau 1 kg zu kommen, habe ich noch den Saft einer Zitrone dazugegeben. Dann püriert man einmal grob (!) durch und kocht die Masse auf. Bei großer Hitze 5 bis 7 Minuten unter ständigem Rühren weiterkochen. Wenn eine Probe auf einem kalten Unterteller nach kurzer Zeit „geliert“, also fester wird, ist die Marmelade fertig. In ausgekochte Gläser füllen und alles für sich behal…. äh, natürlich an liebe Freunde verschenken! Ich hatte 5 kleine Gläser und eine Tasse daraus.

Für mich extrem lecker auf Brioche, Pfannkuchen oder Stuten. Aber auch für das Aufpeppen von Bratensaucen geeignet!

P.S.: Lady Marmalade hatte mit all dem nix zu tun, die hatte andere Pläne.

Mallorcaobst-Tag (Limoncello, Tomatensuppe, Gazpacho, Salzzitronen)

Ihr Lieben,

vor etwa 10 Tagen bestellte ich eine Kiste Obst bei einem mallorquinischen Importeur. Ich wollte mir dann später überlegen, was ich alles mit den Orangen, Zitronen, Tomaten, Zwiebeln und dergleichen anfangen wollte. Wie es aber der Teufel so will, wurde die Ware genau an dem Tag zugestellt, an dem ich meine Mittelrhein-Reise startete. Und das bei der Hitze! Und dann in eine sonnenbeschienene Packstation. Mein Quasi-Nachbar Hubsi rettete den Paketinhalt aber vor dem völligen Verfall, indem er es für mich abholte und bei sich zwischenlagerte. Dennoch waren zwei Tage später einige der Tomaten verdorben und die Zitrusfrüchte schon arg gebeutelt. Also musste ich alles schnell verarbeiten. Es gibt daher heute

  • Limoncello,
  • Salzzitronen,
  • eingekochte Tomatensuppe,
  • Gazpacho und
  • Agua-de-Valencia-Cocktails (der steht schon auf meiner Cocktail-Seite).

Limoncello
Von 6 kleinen Biozitronen die Schale abzesten, den Saft auspressen. 500 ml Wasser mit 500 gr. Zucker aufkochen, den Zitronensaft hinein (das waren bei mir etwas mehr als 150 ml) und die Zesten dazu. Wieder für ein paar Minuten aufkochen und alles im Topf abkühlen lassen. Den abgekühlten Sirup auf Einmachgläser verteilen, mit einer Flasche Wodka aufgießen und das Likörchen eine Woche bis 10 Tage stehen lassen. In neue Flaschen durch einen Filter o.ä. abseihen und fertig ist das Tröpfchen. Bei allem auf Sterilität der verwendeten Utensilien achten!

Salzzitronen
Nicht wegzudenken aus der marokkanischen Küche, sie passen aber auch zu anderen Gerichten. Ich hatte letztlich Salzzitronen beim Restaurant-Besuch auf Burg Schnellenberg zur Erbsen-Pannacotta. Passte auch prima.
6 kleine Biozitronen heiß abwaschen, trocknen und in Stücke oder Scheiben schneiden. Profis vierteln die Zitronen nur fast, behandeln sie mit Salz und pressen sie so quasi als ganze Früchte ins Glas, das ist mir nachher zum Portionieren zu umständlich. Die Zitronen in einer Mischung aus 100 gr. Meersalz und 20 gr. Zucker wälzen und dicht gepresst in ein Schraub- oder Einmachglas geben. Eine weitere Zitrone auspressen und den Saft dazu geben. Mit kochendem Wasser so aufgießen, dass die Zitronen vollständig bedeckt sind. Nach ein paar Wochen Ruhezeit können sie verwendet werden.

Eingekochte Tomatensauce/-suppe
1 Kilogramm Tomaten entstrunken und in kleine Stücke schneiden. Eine mittelgroße weiße Zwiebel putzen und in kleine Würfel schneiden. 2 bis 43 (je nach Geschmack :-)) Knoblauchzehen pressen oder in Miniwürfelchen hacken. Zwiebeln und Knoblauch in reichlich Olivenöl anbräunen, die Tomaten später dazugeben. Mit zwei Esslöffeln Kräutern nach Wahl (z.B. Herbes de Provence), einem Teelöffel Zucker sowie je einem Teelöffel Salz und Pfeffer würzen. 30 bis 40 Minuten köcheln lassen, dabei ab und zu umrühren. Dann pürieren und in sterile Gläser abfüllen, ggf. dabei durch ein Sieb geben, um Kerne und Kräuterstrünke aufzufangen (ich mag da gerne drauf beißen, da zusätzliche Aromen rauskommen). Die verschlossenen Gläser können noch in einer mit kochendem Wasser gefüllten Auflaufform für 45 Minuten bei 90°C im Ofen eingekocht werden, das macht die Sauce haltbarer.

Gazpacho Andaluz
Ein halbes Dutzend Tomaten, eine Salatgurke, eine große weiße Zwiebel, zwei Paprikaschoten waschen und würfeln. Ein paar Gemüsewürfel behalten und den Rest mit zwei oder drei Zehen Knoblauch, einer Scheibe getoastetem Toastbrot (ersatzweise Paniermehl oder Semmelbrösel), einem Schuss Essig, mehreren Löffeln Olivenöl, Salz, Pfeffer und Zucker im Mixer zu einer Suppe pürieren.
Diese noch recht feste Basissuppe wird vor dem Servieren noch einmal mit ein paar Eiswürfeln im Mixer durchgerührt. In schöne Gläser geben, Gemüsestückchen als Deko und verschlingen.

Von links nach rechts in den großen Gläsern: Tomatensuppe, Gazpacho, Limoncello-Ansatz. Im kleinen Glas: Salzzitronen. Es gab von allem etwas bis viel mehr, das habe ich gesondert abgefüllt.

So kann man einen Samstag auch verbringen 🙂

Euer Gerry

P.S.: billige Wortspiele aus dem heutigen Rezept… „Das ist alles entstrunken und erlogen!“; „Ich bin entzest!“