Tag 14: Noch mehr Weingüter

Ihr Lieben,

Ike holte uns um 10 Uhr im Maison ab, um a) Wein einzukaufen und b), und das war natürlich der wichtigere Teil, uns noch ein paar ihrer Lieblingsplätze zu zeigen. Es geht das Gerücht, es gäbe in Südafrika im Dezember wieder Shutdown-Maßnahmen, die unter anderem ein Alkoholverkaufsverbot vorsehen. Nun kauft die Kapregion vorsichtshalber die Weingüter leer. Das ist ja auch vernünftig, ich täte das auch. Im Zusammenhang mit merkwürdigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hatte ich mir dann überlegt, dass man eine Revolution in Deutschland am besten mit einem Toilettenpapierverkaufsverbot anzetteln könnte.

Wir fuhren also erst zum Weingut Lynx, da Ike dort ihren Blanc de Noir bezieht. Anschließend machten wir uns auf den Weg zu Babylonstoren, dem Turm von Babylon. Das ist zwar auch ein Weingut, aber vorrangig kommen die Besucher hierher, weil es auch eine sehr schöne Farm mit wundervollen Gärten ist. Der Besuch kostet einen kleinen Eintritt, der aber gerechtfertigt erscheint, da unglaublich viel Arbeit in die Pflege der Gärten gesteckt wird. Thematisch präsentiert werden Nutz-, Heil-, Zier- und andere Pflanzen wie Bonsai oder Cliviagewächse. Es gibt eine Orientierungskarte, denn alles ist sehr schön angelegt, aber auch unglaublich weitläufig. Im Farmhaus kann man die Produkte der Farm erwerben, im Restaurant Farmprodukte verspeisen, Farmtiere laufen auch herum. Unter anderem ein paar Esel, die ich sofort, wie Ihr Euch denken könnt, in mein Herz schließ.

Wir erstanden nach ausgiebiger Besichtigung auch ein paar Dinge für ein Abendbrot, das Ike ausrichten möchte und haben an der Kasse ewig gebraucht, weil eine Horde unentschlossener Kreischteenies unter der Aufsicht einer völlig überforderten Aufsichtsperson nicht genau wusste, wie man Dinge kauft und bezahlt. Ich nehm’s, ach nee, ich nehm’s doch nicht, oder doch, oder was, was kostet das nochmal. PUH! Aber unsere Einkaufstüte, die gleich noch eine Rolle spielen wird, war prall mit wunderbaren Sachen gefüllt.

Weiter ging es nach Avondale, wo sich Ike mit einer ihrer südafrikanischen Freundinnen verabredet hatte. Ein wunderbares Weingut, mit prachtvollem Garten vor dem Restaurant, sehr schönem Intérieur und aufmerksamer Bedienung. Auch hier kam alles aus ökologisch-nachhaltigem Anbau aus der Region bzw. vom Gut selbst, außer dem Lammfleisch, das aus der großen Karoo bezogen wird. Das Essen war sehr gut und mein Wein, eine extravagante Cuvée aus Sémillion, Viognier, Chenin Blanc und Rousseanne, ein Highlight. Ich hatte ihn wegen seines ulkigen Namensbestandteils „Duck Pekin“ bestellt, der mir suggerierte, ich hätte Pekingente im Glas. Die Aussicht, wie fast überall hier, spektakulär!

Vor dem Essen gaben wir unsere Einkaufstüte einem der Mitarbeiter, da es wirklich heiß war und uns die Sachen im Auto verdorben wären, und baten ihn, sie an einem kühlen Ort aufzubewahren. Nach dem Essen bestiegen wir Ikes Auto und ich frage, was liegt denn da für ein Kassenbon auf dem Sitz. Die Lebensmittel. Ich wieder zurück ins Restaurant. Der Tütenabnehmer nicht aufzufinden. Da haste aber mal eine Horde Menschen nach unserem Salat und Käse suchen sehen. Aber die Tüte würde gefunden. Halleluhjah.

Rolf und Otto wurden am Maison abgesetzt, ich fuhr mit Ike noch in den Ort, um weiteren Wein einzukaufen – unter anderem einen Geheimtipp des Verkäufers, das auch geheimtippig teuer war. Als er die Einkäufe zum Kofferraum brachte, sah er die Kisten von Lynx. Was wir denn bezahlt hätten? Ach so, ja, bei ihm gäbe es den viel billiger. Grmpft! Dann mussten wir noch zur Drogerie, mir gehen einige Toilettenartikel zur Neige. Kurz vor Abflug ist das zwar doof, aber man will dann ja nicht den Rest der Reise als Stinkerchen verschrien sein. Schreibt man verschrien eigentlich verschrien oder verschrieen?

Leider ging es Otto am Abend nicht so gut, und daher bestellten Rolf und ich ein Uber zu Ike. Es käme in soundso viel Minuten. Ich konnte in der App sehen, dass Michael, der uns abholen sollte, noch eine Fahrt zu Franschhoeks Nobelrestaurant Petit Colombe hatte. Dort hat er dann unsere Fahrt storniert. Dadurch haben wir mal eben 15 Minuten hier dumm rumgestanden, um dann doch zu Fuß zu Ike zu gehen. Wahrscheinlich hat er dort eine Fahrt nach Kapstadt oder ein anderes unmoralisches Angebot ergattern können. Der Abend war dann sehr unkomplizert, mit Salat, Brot, Käse und anderen Leckereien, gutem Wein und schönen Gesprächen auf Ikes Terrasse. Den Berg sind wir dann wieder zu Fuß heruntergetorkelt.

Alles in Allem war das ein sehr entspannter Tag mit viel Wein und schönen Erlebnissen. Immer noch sitzen wir im Trockenen, aber es ist schon sehr windig. Morgen soll es ein Unwetter geben. Aber ehrlich? Selbst dann ist es hier wahrscheinlich schön. Und ich glaube auch nicht daran. 😁

Geplant ist morgen ein Wiederholungsbesuch in Stellenbosch. Mal sehen, was unsere Gesundheit und das Wetter zulassen. Bussi in die Schnussi, von Eurem Gerry

Tag 13: Die Wanderung zum Fuße des M

Ihr Lieben,

beim Frühstück interviewten wir James, wo man denn möglicherweise gut wandern könnte. Oh ja, da gäbe es fantastische Möglichkeiten ganz nahe bei. Zum Beispiel im Mont Rochelle Nature Reserve. Man könne prima vom Main Gate zum Uitkykpunt laufen und dann entweder dort eine Scenic Route linkerhand oder aber auch einen fantastischen Bergwanderweg über den Perdekop-Gipfel laufen. Gaaaanz tolle Aussichten. Unvergesslich. Ein Traum. Und soooo leicht.

„Ist es auch nicht zu steil?“ – „Nein, gaaaar nicht! Hach, wie ich Euch beneide, ich würde gerne mitlaufen. Ich hatte Gäste, für die war das der Höhepunkt Ihrer Afrikreise! Bisschen hoch, dann wieder flach, bisschen hoch, dann wieder flach. Total easy!“

Nun, ein bisschen hoch und dann wieder flach, gefolgt von ein bisschen hoch und dann wieder flach… das trifft ja auch auf das Treppenhaus im Empire State Building zu, wenn man vom Keller auf die Aussichtsplattform läuft. Und so fühlte sich der Aufstieg dann auch an. Zwar gab es immer wieder einmal flache Wege, aber in der Regel ging es mit Holzbohlen verstärkte Naturtreppen hoch. Ich mache mir nichts vor, ich habe die Kondition einer mehligen Kartoffel. Aber wenigstens konnte ich daheim noch im Siebengebirge herumtollen. Hier war ich etwa eine Viertelstunde vor dem Ziel nicht mehr in der Lage, noch eine weitere Stufe zu erklimmen. Die übrigens bis zu etwa 40 Zentimeter hoch sein konnten. Meine durchtrainierten Bergziegen Rolf und Otto wollten den Rest bis zum Uitkyk noch besteigen, ich trat den schmachvollen Rückzug an. Beide waren sich aber einig, dass – wir waren schon von 700 auf 1100 Meter gekraxelt – auch sie die weiteren 300 zum Du Toitskop bzw. 400 Meter zum Perdekop nicht mehr überwinden wollten.

Ich drehte also um und legte mich nach dem ersten Schritt erst einmal auf die Fresse. Hui, dachte ich, das kann ja heiter werden. Rolf entfleuchte ein Heiligerbimbamm, es klang nach „Können wir den tattrigen Greis eigentlich alleine lassen?“. Aber ich suchte mir mein Tempo und kraxelte mehlkartoffelig die Hänge wieder herunter. Ich bewunderte die Flora, die Aussichten, die Farben. Ehrlich, das ist soooo ein schönes Wandergebiet. Aber man muss – zumindest für unseren Trail – ein bisschen Grundkondition mitbringen. Überall wächst Fynbos, die typische Vegetation hier. Es summt und brummt. Der Himmel strahlendblau. Fernsichten bis zum Kilimandscharo. Naja, das war jetzt etwas übertrieben. Aber nur ein bisschen. Ich erspähte Greifvögel!

Und dann lag eine kleine, schwarze Schlange auf dem Weg. Ach Du jeh. Ich meine, sie war nicht groß, irgendwie wie ein Aal. Aber ich bin kein Schlangologe und kann eine Puffotter nicht von einer Bordellnatter unterscheiden. Was tun? Ich beschloss, zuerst ein Foto zu machen, damit man mich im Falle eines tödlichen Bisses in die richtige Statistik einordnet. Ich wollte ja nicht als Kobratoter gelten, wenn es doch eine Königsviper war. Und in der Zeit, als ich nach meinem Fotoapparat wühlte, war der kleine Wurm schon verschwunden. Mit einem beherzten Satz hüpfte ich an der Gefahrstelle vorbei und war froh, wieder einmal nur knapp dem Tode entronnen zu sein.

Dann gab es noch bezüglich unseres Treffpunktes ein bisschen Verwirrung, da ich zu einem natürlichen Pool wollte, der sich aber in einer Schlucht befand, zu der ich KEINESFALLS herabsteigen wollte. Ich lief den beiden Alpengazellen entgegen, die sich aber für einen anderen Rückweg entschieden hatten. Ich saß daher ein bisschen verloren auf einem Stein, der mir nach kurzer Diskussion von einer Echse freigeräumt wurde. Naja, wir haben uns irgendwie gefunden, aber dabei den Parkwächter ziemlich verwirrt, der mehrmals Auskunft geben sollte, wo er wen und wann zuletzt gesehen habe. Wir liefen noch zu einem kleinen Tümpel, der gut von Amphibien bewohnt war, uns zum Baden aber ein wenig zu… äh… ja, tümpelig war.

„Du willst Dich doch jetzt nicht ernsthaft genau hierher setzen?“

Zurück im Hotel klärte ich James erst einmal über die Bedeutung des Wortes „steil“ auf. Er fand das rasend komisch. Aber ich nutze mal die Gelegenheit, ihn zu lobpreisen. Er kümmert sich sehr um seine Gäste und ist eine Quelle guter Tipps. Er macht sein Maison Chablis zu einer kleinen Wohlfühloase, da sieht man gerne über den ein oder anderen Minimangel hinweg. Wir poolten ein bisschen herum, dezimierten James‘ Biervorräte (Wandern macht durstig) und brachten unseren Aktivitäts-/Erholungspegel wieder in Balance. Schön.

Warum jetzt eigentlich Wanderung zum Fuße des M? Da vermutete ich meinen Umkehrentschlussort.

Am Abend wollten wir uns dann mit Ike im French Connection, einer altehrwürdigen Institution in Franschhoek treffen. James, der dies mitbekam, meinte, dass wir dann unbedingt Steak oder Ente bestellen sollten. Das taten wir und bereuten es nicht. Auch die Vorspeisen waren sehr gut. Wir haben sofort für unseren Abschiedsabend wieder die gleiche Ecke des Restaurants reserviert. Unseren Absacker nahmen wir dann bei Ike, von wo wir nach einer schönen Plauderrunde zu Fuß wieder nach Hause aufbrachen. Wir hatten das Thema Sicherheit im Lande diskutiert. Und es ist ein Thema. Aber hier in Franschhoek kann man ohne Furcht mal den Hügel runterlaufen.

Morgen werden wir mit Ike verschiedene Weingüter anfahren und auf einem besonders schönen zu Mittag essen. Es geht das Gerücht, es könne wieder – wie schon zuvor – wegen der Covid-Lage ein Alkoholverkaufsverbot ausgesprochen werden, und die kluge Frau baut vor. Wir freuen uns, denn so lernen wir wieder ein bisschen mehr von der Gegend kennen.

Jetzt aber mal liebe Grüße und Guads Nächtle. Euer Gerald

Tag 12: Die Wein-Tram

Ihr Lieben,

heute morgen war es etwas schwerer, aus dem Bett zu kommen. Merkwürdig. Sehr merkwürdig. Aber das Frühstück, das zumindest für mich keine Wünsche offen lässt, machte mich wieder fit und wir konnten den Tag planen. Nachdem Rolf gestern während des Online-Buchungsprozesses ständig rausgeschmissen wurde, konnte ich heute früh drei Karten für die blaue Linie um 12 Uhr erwerben. So hatten wir nach dem Frühstück auch noch etwas Entspannungszeit.

Wir liefen zur Tram-Information, wo wir einen Shuttlebus zum Bahnhof nehmen wollten. Dort rief uns ein gestresster Mitarbeiter einen Shuttle-Fahrer. Gestresst, weil gerade sein Info-Häuschen für Bauarbeiten aus dem Weg geräumt werden sollte. Nach kurzer Zeit holte uns dann auch ein Mitarbeiter zu Fuß ab, mit dem wir erst einmal mehrere Minuten in die falsche Richtung liefen, da er seinen Bus weit vom Infopoint geparkt hatte. Nun, da hätten wir eigentlich auch genausogut direkt zum Bahnhof laufen können. Am Bahnhof bekamen wir einen blauen Aufkleber auf die Brust gepappt, einen Abfahrtsplan in die Hand gedrückt und nach einem Kaffee wurden wir zu einem Bus dirigiert. Nanu. Heißt das Dings nicht Wein-Tram? Immerhin war der Bus ganz nett anzusehen. Offene Fenster, ziemlich voll. Und dann peste der mit einem Affenzahn von Weingut zu Weingut.

Das erste Gut hieß Atlas Swift, das kannte James, den wir beim Frühstück um Rat fragten, noch nicht, da es so neu war. Als wir es bei der Anfahrt sehen konnten, erschien es uns nicht so besuchenswert, und wir ließen es aus. Das zweite Gut hieß Pigcasso, und nein, dies ist kein Schreibfehler. James erläuterte uns, dass es da zwar auch Wein gäbe, aber die Attraktion ein malendes Schwein sei. Diese unglaublich lebensbereichernde Erfahrung wollten wir dann auch nicht machen. Am dritten Weingut stiegen wir dann aber aus: Mont Rochelle. Das war ein schönes Weingut, das wir aber nicht ausführlich besichtigten; stattdessen enterten wir das Restaurant „The Country Kitchen“, denn es war Mahlzeit-Zeit! Während wir dort saßen, rief Ike an, sie stoße mit Silke zu uns. Wir bestellten aber, bevor die beiden kamen, denn wir hatten ja Fahrplanstress. Das Essen war gut, der Sekt lecker und der Rotwein „MP Little Rock“ sogar sehr lecker. Da kann man auf jeden Fall (mal wieder) hin. Die Mädels kamen, wir aßen etwas zeitversetzt zusammen und dann ging es schon weiter zum Weingut „La Bri“.

Auch dort stiegen wir aus, es war aber keine architektonische Perle. Wir stürmten den Wine Tasting Room und entscheiden uns für ein Chocolate-Pairing (zu drei Pralinen je einen korrespondierenden Wein) bzw. ich mich für eine Standardprobe mit 4 Weinen. Bis auf La Bri Affinity überzeugte mich aber keiner so richtig. Nächster Halt: Holden Manz. Wir hatten uns zwar vorgenommen, dort auszusteigen, aber die Anfahrt war nicht vielversprechend. Da wir das Runter-vom-Bus-schnell-saufen-und-wieder-rauf-auf-den-Bus inzwischen auch etwas anstrengend fanden, beschlossen wir, etwas länger auf dem Weingut „La Grande Provence“ zu verweilen. Dort fuhren wir dann auch endlich mit der Bahn hin.

Das ist ein wunderbares Weingut! Kunst, Parks, schöne Gebäude, eine Galerie. Ich erstand zwei kleinere Wandskulpturen. Die kann ich Euch leider hier nicht zeigen, da sie bruchsicher verpackt wurden. Den Verkäufer fand ich auch sehr nett, aber deswegen habe ich da nicht eingekauft. Ich schwöre :-). Wir machten dann ein etwas entspannteres Winetasting, für das wir uns Zeit nahmen. Während wir auf unsere Käseplatte und die Weinauswahl warteten, rief Ike an, sie käme dazu. Sie hatte inzwischen Silke zum Flughafen gebracht, die uns heute schon verlassen musste. Also, angeblich stecken in jeder Flasche der Serie Angels‘ Tears 8.888 Engelstränen. Na, das zähle ich heute Abend aber mal nach. Ich erwarb nämlich zwei Flaschen Sauvignon Blanc, den ich eigentlich eher nicht so gerne trinke. Hier aber schmeckt der sehr gut. Das Grande Provence kann ich vorbehaltlos empfehlen. Ein toller Ort.

Ike bot an, uns nach Hause zu fahren, aber wir wollten noch weiter Wine-Tram fahren. Nur aussteigen konnten wir an keinem der beiden weiteren Weingüter mehr. Rickety Bridge und Franschhoek Cellar standen noch auf dem Plan. Es war aber inzwischen dafür zu spät. Wir haben uns dann aber noch mit einem amerikanischen Pärchen unterhalten, sie aus Washington D.C., er Mitarbeiter der Botschaft in Prätoria. Das war zwar ganz unterhaltsam, aber die Frau wurde immer berührungsfreudiger. Aber die Bahnfahrt dauerte ja nicht lang. Fazit: Gestern noch hatten wir überlegt, direkt mehrere Linien an verschiedenen Tagen zu buchen, aber es ist doch irgendwie sehr hektisch. Lieber suchen wir uns ein oder zwei wirklich nette Weingüter aus und fahren da mit einem Taxi hin.

Nach einer kurzen Erholungspause im Maison Chablis, unserem Domizil, machten wir uns auf gut Glück auf, einen Platz zum Abendessen zu finden. Einem Teil der Herren war nach Nudeln und so entschieden wir nach Speisekartenlage. Das sehr nette Café Franschhoek hatte drei Plätze am Kamin für uns. Ich informierte Ike, wo wir dinieren wollten und sie kam dann auch kurzfristig dazu. Man stellte dann wegen der vielen Gläser und Teller zwei Tische für uns zusammen und dann wurden wir von dem sehr effektiven Kamin gut durchgegrillt. Das Essen war gut. Es gab unter anderem Bobootie Spring Rolls. Frühlingsrollen mit einem traditionellen südafrikanischen Hackgericht gefüllt. Im Café Franschhoek gibt es aucheine interessante Zapfanlage. Man bekommt eine Karte und zapft sich seine Weine nach Wahl zusammen und bezahlt dann am Ende wie an einer Tankstelle. Das finde ich total innovativ. Es gibt auch das Event „Winemaker for a day“, bei dem man verschiedene Weine zusammenführen kann, um sein eigenes Cuvée zu kreieren. Im Preis dieser Veranstaltung inbegriffen ist eine Schürze, die einen als Winzer ausweist.

Wir nahmen noch einen völlig unnötigen 🙂 Absacker im Tuk Tuk und folgten dann dem Ruf unserer Zimmer im Hotel.

Also, es war ein schöner Tag mit einigen interessanten Aspekten und wir sind gespannt auf morgen. Ihr auch?

Liebe Grüße von Ike, Otto und Rolf und natürlich Eurem Gerry

Tag 11: Stellenbosch

Ihr Lieben,

nach einem wunderbaren und ausgiebigen Frühstück mit Rührei, Obstsalat, Joghurt und und und – das Problem dabei ist, dass man viel mehr isst, als wenn man sich alles selbst zurecht machen muss – brachen wir nach Stellenbosch auf, da wir mit Regen rechneten und dort zumindest Museen und dergleichen hätten besuchen können, ohne nass zu werden. Aber eigentlich müssten wir alle zusammen in einer feierlichen Zeremonie unsere Wetter-Apps deinstallieren. Ständig wird uns schlechtes Wetter prognostiziert und in der Regel ist es immer viel besser, als wir zu hoffen glaubten. Ist das ein perfider Trick der südafrikanischen Tourismusindustrie? Der uns glauben machen soll, dass es sogar bei schlechtem Wetter wunderschön hier ist? Aber was motze ich?

Natürlich ist auch Stellenbosch bei Sonnenschein schöner als bei Regen, also liefen wir herum und bestaunten kaphöllandische, viktorianische und gregorianische Architektur bei strahlend blauem Himmel. Wie auch in Franschhoek dominieren hier Restaurants, Galerien, Bars und Makler die eichengesäumten Straßen. Nur kommen hier noch viele Boutiquen, Souvenirshops und sonstige Läden dazu. Wir liefen zum Wahrzeichen der Stadt, der Moederkerk, liefen an den ältesten Häusern Stellenbosch‘ an der Dorpstraat vorbei, die jetzt Teil des „Village Museum“ sind und tranken Frappé bzw. Softdrinks mit Kuchenbegleitung im Java, einem Straßencafé mit unglaublich vielen jungen Besuchern. Stellenbosch hat eine renommierte Universität, die mit weit über 30.000 Studenten die Alterspyramide in dieser netten Stadt gehörig durcheinander bringt; nur spielte die Universität leider während der Apartheid eine unrühmliche, führende Rolle.

Unser nächster Halt galt dem sehr sehenswerten Gemischtwarenladen Oom Samie se Winkel. Und Gemischtwarenladen trifft es hier wie die Faust aufs Auge. Neben Damenwäsche liegen Candys, Marmeladen und Kühlschrankmagneten, Wein, Bücher… Ein wie ich finde großartiges Durcheinander! Ich erstand vier kleine Bilder, für die ich bestimmt ein hübsches Eckchen zuhause finden werde.

Da wir nicht wussten, wie es restauranttechnisch auf den Weingütern aussieht (voll, geschlossen, zu etepetete), aßen wir noch eine Kleinigkeit im Urban Alley Café. Das getoastete Brot, dessen Namen ich vergaß und das eine Spezialität sein sollte, war ein bisschen sehr matschig und vor allem mit Massen von Koriander bestreut. Gottseidank konnte ich den komplett wegmachen. Aber die Fritten waren bisher die besten während meiner Zeit hier. Rolf hat fast seine Liebe zu veganem Essen entdeckt, er hat wohl aus Versehen ein solches Gericht bestellt und gemocht. 🙂

Wir fuhren dann zum Weingut Delaire Graff. Das kannte ich schon von 2017. Leute, es ist nach wie vor ein Traum. Dieser Ausblick über das Tal. Diese viele Kunst. Diese Gärten. Wir schauten uns alles an, ließen uns vor der wunderschönen Kulisse ablichten, tranken einen leichten Rosé auf der Terrasse. Von dem nahm ich zwei Flaschen mit ins Hotel. Man brachte uns auch eine Shipping List für Wein nach Deutschland mit. Natürlich sind die Weine dann deutlich teurer, aber die wahre Sensation der Liste liegt woanders… Je nach Land, in das der Wein gehen soll, wird es noch teurer, und Deutschland liegt mit Frankreich, Italien und Österreich quasi auf den billigen Plätzen.

Zurück im Hotel schrieb ich die ersten Eindrücke des Tages auf und die Jungs legten sich ein bisschen beiseite. Gleich besuchen wir noch Ike und Silke im L’Hermitage und trinken Ikes Weinkeller leer. Dazu wird es wohl ein Risotto geben. Wir freuen uns und ich berichte dann weiter nach der
===WERBEPAUSE===

So, bin wieder da, es ist fast Mitternacht hier und windig und frisch auf meinem Balkon. Im L’Hermitage-Anwesen wurden wir von Ike und Silke mit Bubbles begrüßt, das ist das südafrikanische Pendant zum schweizerischen Aperó. Leckerer Sekt vom Weingut Boschendal. Es gab eine Wohnungsbesichtigung und anschließend auf der windgeschützten Terrasse einen Salat mit Feta, den Ike extra bei einem Restaurant bestellt hatte, weil der so lecker sei. Und das war er auch. Danach aßen wir drinnen noch ein Spargel-Erbsen-Risotto und versuchten dann im Wohnbereich Ikes Weinvorräte leer zu trinken. Es ist uns nicht gelungen. Aber wir haben uns immerhin sehr bemüht.

Unsere Pläne für morgen sind unklar. Wir wollten auf die Wein-Tram, aber die war ausgebucht. Wir schauen mal, ob das nicht doch irgendwie noch geht (denn im Internet ausgebucht heißt hier nichts – jetzt wäre der Gastbeitrag über Robben Island hilfreich), ansonsten wird halt irgendetwas gemacht. Und wie wir alle wissen, könnte das durchaus das ein oder andere Glas Wein beinhalten, auch wenn der Zug nicht für uns fährt.

Bis morgen, Ihr Lieben, wenn Ihr mögt.
Euer Gerald

Tag 10: Franschhoek

Ihr Lieben,

leider ging es mir heute morgen wieder schlechter. Die Halsschmerzen waren wieder da und ich hatte die Nase komplett zu. So etwas macht mich ja grantelig. Und dann mussten wir ja auch noch das schöne Haus verlassen. Ich schluckte eine Handvoll Pillen und packte. Gerald the Housekeeper bekam noch Geburtstagstörtchen und unser Trinkgeld (die Höhe hatte ich vorher bei Margot, der Besitzerin abgefragt, weil ich noch nie einen Ganztagesservice hatte) und freute sich sehr. Und dann ging es los nach Franschhoek. Ich habe mich so gut es ging leidend hinten auf der Rückbank eingerichtet und versucht, zu schlafen. Kurz vor Franschhoek dann Fotostop. Der Ausblick vom Pass auf das Tal war sehr schön! Und wir fuhren von bewölkt nach sonnig.

Im Hotel angekommen, wurden wir sehr wortreich begrüßt. Mein Zimmer ist ganz nett und hat einen eigenen Zugang über eine Wendeltreppe. Rolf und Otto sollten neben der Küche ohne Veranda oder Balkon Logis nehmen. Sie versuchten, dieses nicht ganz so optimale Zimmer zu tauschen. Für 4 Tage geht das jetzt, aber dann müssen sie wieder dahin wechseln. Naja, von Palast zu Hütte ist eine Umstellung. Aber jeder bekam zur Einstimmung schon einmal eine Flasche Wein geschenkt.

Nach dem Auspacken und der Einnahme weiterer Pillen enterte ich mit Rolf und Otto dann die City. Die ist sehr übersichtlich. Restaurants, Galerien, Makler und Bars dominieren hier. Wir aßen eine Kleinigkeit in der Tuk Tuk Microbrewery und liefen einmal die Hauptstraße rauf und runter, besuchten dabei eine Galerie mit sehr schönen Exponaten, kundschafteten Restaurants aus und informierten uns bei der Franschhoek Wine Tram nach den Möglicheiten. Die Haltestation der Wine Tram haben wir dann auch gleich noch besucht.

Zurück im Hotel ging es dann mal an den Pool. Es soll ab jetzt etwas gemütlicher laufen. Mehr Essen und Trinken und mehr Entspannung. Ike und Silke holten uns dann am Abend für ein Abendessen im Petit Manoir ab. Dort aß ich ein scharfes Lammcurry, das war sehr lecker und brachte mich ordentlich in Wallung. Um 21 Uhr verließen wir das Restaurant. Der ganze Ort war fast wie tot. Die Läden machten zu, es war kaum jemand auf der Straße. Also, das mit der Gemütlichkeit bekommen wir so wohl hin. Wir haben ja auch keine Gemeinschaftsräume mehr, wo wir uns zusammensetzen können. Die Wetterprognosen sind leider nicht so dolle, es wird Regen geben und oft bewölkt sein. Mal sehen, wie wir das dann hier alles gestalten.

Heute wird früh geschlafen, vielleicht ist morgen dann die Erkältung besser.

Viele Grüße aus dem Weinland, Euer Gerry

Tag 9: Betty’s Bay und noch einmal Cliff Path

Ihr Lieben,

heute Pinguine, die haben auch schon auf uns voller Aufregung in Betty’s Bay gewartet. Wir sind nach einem ganz tollen Frühstück (es gab Rührei und Toast und Früchte und Müsli undundund) wieder gen Westen gefahren, durch eine stürmische, regnerische Landschaft. Ike und Silke blieben im Ort, um sich ein wenig um Ikes Vertragsprobleme mit dem Fernseher in ihrem südafrikanischen Haus zu kümmern, dafür gibt es ein Büro hier, und dann zu shoppen und zu bummeln.

Die Fahrt war fast unspektakulär, bis wir an einem idyllisch gelegenen Township vorbeikamen. Wie kann das passen? Township und idyllisch. Wir haben uns fast mies gefühlt, da auf der Rückreise ein Foto zu machen.

Die Anfahrt zu den Pinguinen im Kogelberg Nationalpark ist etwas für Navis. Man findet sonst nicht dahin, da es über wirklich unscheinbare Nebenstraßen geht. Dieser Teil des Nature Reserve ist sehr klein, aber, wie ich finde, noch recht ursprünglich. Mir gefällt diese Kolonie unserer süßen Frackträger besser als die von St. James. Es war unglaublich stürmisch! Wir haben uns fast wie Arktisforscher vermummt und trotzdem drang der scharfe Wind durch alle Ritzen. Sofort am Anfang des Parks sahen wir einen Dassie, aka Klippschliefer. Endlich mal. Und dann Pinguine, Pinguine und noch mehr Pinguine. Alle sehr stoisch. Sie stehen herum, als würden sie auf etwas warten. Auf uns wohl nicht. Wir hörten jemanden fragen, ob sich diese putzigen Tierchen denn nicht auch mal bewegen. Nö. Selbst im Sturm nicht.

Wir sahen dann noch Kapkormorane, ein Wrack und eine Kaffeebudenbedienung. Mein Cappuccino war fast okay, Rolfs Cola kam aus der Dose und Otto hatte eine 300-Liter-Kanne Rooibosch-Tee für circa einen Euro.

Wir fuhren zurück nach Hermanus, um in Bientang’s Cave zu speisen. Samstag. Es war brechend voll. Reserviert? Nö, aber bittebittebitte. Wir bekamen einen Tisch zugewiesen… Und brechend waren auch die Wellen, die dann auch unseren Tisch erreicht haben. Wir nutzten die Chance, zu einem sichereren Tisch umzuziehen, als ein solcher frei wurde. Und hatten dann unseren Spaß, als alle Kunden, die sich über unseren freien Tisch freuten, danach mehr oder weniger nass wurden. Zu Beginn spielte auch noch eine sehr lebenslustige Combo auf.

Ike und Silke stießen zu uns, und wir liefen nach einem kurzen Plausch zu viert los, um noch einmal nach Walen Ausschau zu halten. Ike hat sich dabei ausgeklinkt. Einer der bekanntesten „spotting points“ ist Sievers‘ Point. Wir trafen dort auf ein niederländisches Vater-Sohn-Gespann, die kurz vorher eine Walkuh mit ihrem Jungen gesichtet hatten. Plötzlich sahen wir überall Wale. Oder auch Schaumkronen. Oder eben auch nichts, wie in meinem Fall. Es war auch einfach zu stürmisch für mich, um einen möglichen Blas (das ist die Walpusterei) zu erkennen, denn Schaumkronen dominierten das Meer. Silke stand sehr hoch an einer Klippe und bekam dennoch eine volle Ladung Brandung ab. Das war für uns das Signal zum Rückzug, sie sollte jetzt ja nicht auch noch einen Fips bekommen. Wir beschlossen, strammen Schrittes zurückzugehen.

In unserer Baracke (höhö) hatten wir noch knapp eine Stunde Ausruhzeit. Denn wir hatten das Café 1904 angerufen, um zu reservieren. Und es war ausgebucht, aber man würde uns um 18 Uhr noch bekochen können. Lange Gesichter bei uns. So früh???? Wir bereuten es nicht. Wir durften so lange bleiben, wie wir wollten, und es schmeckte alles sehr gut. Da kann man definitiv hingehen!

Mit dem Taxi fuhren wir zurück zu unserer Absteige und nahmen noch einen Absacker.

Housekeeper Gerald hat heute Geburtstag und Ike hat ein kleines Küchlein gekauft, das er morgen erhält. Wir müssen dann morgen auch hier weg. Ich persönlich finde es fast schade. Es ist ein unglaubliches Haus. Natürlich kann man immer noch etwas aussetzen, wie einige Reviews auf einschlägigen Websites beweisen. Aber wer es hier nicht schön findet, hat einen behandlungsbedürftigen Schatten. 10 von 10 Punkten.

Es ist mal wieder sehr spät und ich hätte noch so viel über diesen Tag zu plaudern. Ich fasse es mal so zusammen: Ich bin sehr froh, hier am Western Cape zu sein.

Morgen geht es für eine Woche nach Franschhoek. Zieht Ihr mit uns um?

Liebe Grüße, Euer Gerry

Tag 8: Wir wollen Wale watchen

Ihr Lieben,

heute früh war ich nach dem Aufwachen erst einmal angepusst (oh, da ist ja ein falscher Vokal im Wort), hatte ich doch Kopf- und Halsschmerzen sowie einen Schnupfen. Das ist natürlich in einer solchen Zeit keine Freude, erst recht nicht, wenn man in einer Gruppe reist. Rolf hatte zum Glück einen Covid-Test, Ibuprofen und Halstabletten dabei. Durch den Test gab es Entwarnung, die Tabletten halfen, so dass ich – die anderen waren gegen 10 Uhr schon Richtung Cliff Path unterwegs – um 11 Uhr dann doch das Haus verlassen konnte.

Als erstes suchte ich eine Pharmazie auf und fragte nach Schnelltests. Man bat mich nach hinten und es wurde klar, man wollte mich vor Ort testen. „Neinneinnein, Tests für daheim.“ Die Antwort: das gäbe es in Südafrika nicht mehr, man habe heiße Diskussionen darum geführt, alle hätten wegen der Resultate gelogen, undundund. Wofür ich die Tests denn brauche? Ich hätte meinen letzten Test aus Germany aufgebraucht und wolle einfach auf Nummer sicher gehen, wenn ich mich mal nicht so fühle. Die Dame lotste mich unter viel Geheimnistuerei aus der Apotheke und erklärte ihrer Kollegin, sie zeige mir den Weg. Zwei Ecken später standen wir an ihrem Auto, der hinten voller medizinischem Zeug war, u.a. auch Schnelltests. Sie drückte mir zwei in die Hand und ich kam mir vor wie auf dem Schwarzmarkt. Was sie denn dafür haben wolle. Nichts, sagte sie, sie fände es schön, dass ich so verantwortungsbewusst sei. Und das Zeug in ihrem Wagen rühre von früheren Zeiten her, als sie in Schulen und Kindergärten getestet hätte. Das fand ich ausnehmend nett von der Dame.

Ich lief durch den Souvenirmarkt im Zentrum, dann ein wenig den Walbeobachtungspfad entlang und wollte mich in Bientang’s Cave auf einen Kaffee niederlassen. Kein Kaffe, Sir. Es war load shedding time, „What a shitty thing“, seufzte die Kellnerin. Es gibt dann zu angekündigten Zeiten keinen Strom, weil durch übermäßigen Bedarf Blackouts drohen, die so verhindert werden sollen. Alles, was nicht am Generator hängt, funktioniert dann eben nicht. Eine Cola tat es dann auch. Und von oben von der Straße hörte man das Brummen von Generatoren. Ein Restaurant kann sich eben ein load shedding während der Mittagessenzeit nicht leisten.

Ein paar Minuten, nachdem ich die Cave verlassen hatte, bekam ich einen Anruf von Ike, ob ich nicht in der Cave sei, man wäre dort angekommen. Also retour und kleines Mittagessen eingenommen. Snoek Pate hatte ich, das ist eine Makrelenart hier am Cape, geräuchert, sehr lecker. Die anderen liefen dann ihren Path weiter, während ich ein wenig Richtung Westen lief und nach Walen Ausschau hielt. Ach, es ist einfach zu spät im Jahr. Es sind nur noch so wenige da und die halten sich bedeckt. Aber die Küste hier ist fantastisch. Da kann man es auch ohne Wale gut aushalten.

Ich zog an einem Automaten noch ein paar Rand, lief durch den Ort und schaute mir alles an. Es gibt sehr viele Galerien hier (wie auch Kunst im öffentlichen Raum) und ein Bild hat mich schwer beeindruckt, es war aber viel zu groß zum Transport. Daher fragte ich gar nicht erst nach dem Kaufpreis. Mein letzter Besuch galt dem hiesigen Woolworths, die Läden dieser Kette in Südafrika haben so gar nichts mit den Pröddelbuden in Deutschland gemeinsam. Wieder in der Villa setzte ich mich an den Pool. Gerald, der Hauskeeper, war immer noch da und bügelte Wäsche. Er räumt hinter uns her und würde, wie er sagte, auch unsere Wäsche waschen und bügeln, wenn wir sie ihm gäben. Also ist hier noch ein Hausbutler dabei. Es ist eigentlich schon ein bisschen zu viel…

Abends waren wir im Lemonicious. Gegrillter Thunfisch, Teriyaki-Lachs, Muscheln und für mich die Whalewatch-Platte. Geil.

Voraussichtlich geht es mir morgen wieder besser, dann stehen wieder Pinguine auf dem Plan. Sehen wir uns dann da dort?

Liebe Güße, Euer Gerry

P. S. Die Cliffpathler haben übrigens einen Wal gesichtet. 🤗

Tag 7: Hermanus, die erste

Ihr Lieben,

heute mussten wir von Kapstadt Abschied nehmen. Tzionas Lovemore sollte um 10 Uhr 30 die Wohnung übergeben bekommen und so saßen wir, wie immer bei einer Wohnungsabnahme viel zu früh, auf gepackten Koffern, wartend aufs Christkind. Er war aber dann recht pünktlich und entließ uns aus der Wohnung, ohne noch das Tafelsilber zu zählen. Sehr unkompliziert. Gerald, der Housekeeper von unserer Vermieterin Margot für die Villa in Hermanus, bat uns, gegen 14 Uhr zu kommen. Prima, dachten wir. Genug Zeit, um die Strandhäuser am Strand in St. James zu besuchen und den Pinguinen in Betty’s Bay Hallo zu sagen.

Nun, die bunten Strandhäuser, eines der beliebtesten Fotomotive in der Kapregion, erreichten wir erst nach anderthalb Stunden. Man kann die Entfernungen hier nicht in deutsche Relationen setzen. Für 60 Kilometer braucht man einfach eine Stunde. Die Strandhäuser…, was für ein Unterschied, verglichen mit dem Besuch von vor ein paar Jahren. Die Häuschen sind ein bisschen verfallen und verwahrlost, einige haben wohl teilweise gebrannt. Es ist aber immer noch einen kleinen Abstecher wert. Die weitere Fahrt war sehr interessant und schön. Wir kamen an Khayelishta vorbei, einem UNGLAUBLICH großen Township. Das nahm gar kein Ende. Ich habe später nachgelesen. Vor zehn Jahren lebten 350.000 Menschen dort. Auf der anderen Seite hatten wir traumhafte Küstenabschnitte und tolle Landschaften. Dazwischen aber natürlich auch Gewerbe- und zersiedeltere Wohngebiete. Mit diesem kleinen Strandhausfotostop benötigten wir nach Hermanus tatsächlich weit mehr als drei Stunden.

In Hermanus angekommen…. WOW. Das ist keine Villa, das ist ein Anwesen. Uns drei Junx fiel die Kinnlade runter, dabei haben wir schon hohe Erwartungen gehabt. Den Mädels ging es später nicht anders. Man kann es nicht beschreiben. Wir Kapstädter hatten im Spaß überlegt, wir müssten vor den Franschhoekerinnen im Haus sein, um uns die besten Schlafzimmer zu sichern. Äh. Es gibt kein schlechtes Schlafzimmer! Und jedes hat ein En-Suite-Bad. Es gibt drei Wohnzimmer. Es gibt einen Quasi-Park ums Haus herum. Pool. Doppelgarage. Boule-Bahn. Ach, man kann es nicht beschreiben, ich erwähnte es bereits. Ike als Vermieterin einer Unterkunft in Franschhoek bekommt sich gar nicht mehr ein, sie weiß ja, was das alles so kostet. Denn sowohl innen als auch außen ist auch noch alles vom Feinsten.

Empfangen wurden wir durch Gerald. Ja, Ihr lest richtig. Hatte ich an anderer Stelle erwähnt, dass unser Mietwagenagent in Kapstadt auch Gerald heißt? Ich muss hierherziehen, hier ist das ein normaler Name, nicht so exotisch wie in Deutschland. Gerald erklärte uns alles, Soundsystem, Kaffeemaschine, Feuerstellen, etc. pp. Und dann natürlich die Alarmanlage. Zum Thema Alarmanlage würde ich gerne auf den Bericht zu meiner Kapstadtreise 2018 verweisen. Hm. Eigentlich dann doch nicht, ich komme etwas doof dabei weg.

Wir hatten auch einen Sekt aufs Haus, den wir 5 Reisende dann zusammen schlürften. Drei Nächte leben wir jetzt wie Scarlet O’Hara vorm Bürgerkrieg und freuen uns ein Loch in den Bauch! Wir beschlossen, es uns erst einmal hier gut gehen zu lassen, riefen vom kleinen Poolbereich aus ein Grillrestaurant wegen einer Reservierung an und planten, vor dem Restaurantbesuch noch einen kurzen Spaziergang in den Ort sowie den Einkauf notwendiger Frühstücksutensilien.

Die ersten Eindrücke vom Pfad – dem Cliffpath – in die Stadt riefen mir in Erinnerung, warum ich hier Zeit verbringen wollte. Es ist ein so fantastischer Flecken Erde! Dieses tiefblauen Meer! Dieser Himmel, diese Natur! Ernüchtert wurden wir, als wir merkten, dass schon alle Läden seit dem frühen Abend geschlossen waren. Egal, dann eben morgen früh einkaufen.

Das Essen im Restaurant war dann recht gut. Das Char’d Grill hat sich, wer hätte es gedacht, auf Fleischspezialitäten spezialisiert. Wir hatten einen fantastischen Kellner, der uns alles erklärte, was er über die Küche wusste und wir wurden dann mit unseren Bestellungen auch nicht enttäuscht. Riesenburger. Dried Beef. Fillets. Die Beilagen. Alles sehr gut und oft extravagant.

Ike und Silke, die wegen des nun folgenden Vorfalls lieber pseudonymisch als Hanni und Nanni tituliert werden wollen, mochten nur mit einem Uber zurück zum Haus, obwohl wir Männer über übermenschliche Kräfte verfügen und sie auf dem Fußweg, für den wir uns entschieden, beschützt hätten. Wir kamen fast zeitgleich am Haus an. Plötzlich lälülalü. Da hatte doch jemand statt auf Deaktivierung der Alarmanlage auf den Panikknopf gedrückt. Otto, unschuldig daran, hat dem später auftauchenden Scurity-Mann alles erklären können. Ja, Leute. So tritt man auf! 🙂

Wir haben dann noch in einem der drei Wohnzimmer den Kamin angeschmissen und uns einen gepichelt. Ike hatte dankenswerterweise einen Karton Wein mitgebracht. Und dieser Eintrag wurde spät geschrieben. Und ich bin mü….

Morgen ist Wandern angesagt. Lauft Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

Gottseidank sind Diebe immer so einfach an ihrem Aussehen zu identifizieren.

Tag 6: Waterfront und Green Market im Regen

Ihr Lieben,

heute früh sah es gar nicht so gut aus, es hatte in der Nacht geregnet und die Berge waren wolkenverhangen. Die Prognose versprach aber Wetterbesserung, und so beschlossen die beiden Jungs, einen Ausflug nach Robben Island zu machen. Ich hingegen plante, ein bisschen shoppen zu gehen und zu versuchen, mich mit Ike und Silke an der V&A zu treffen, da sie heute früh in der Stadt Dinge zu erledigen hatten. Leider hatte ich Ike versehentlich auf Ihr deutsches Handy geschrieben, Silkes Nummer hatte ich auf dem falschen Handy und so schien es, dass uns ein Treffen versagt bleiben müsse.

Als Rolf und Otto aufgebrochen waren, machte ich mich ausgehfein und lief zuerst nur in Hemd und dünnem Pulli Richtung Waterfront. Das war unbedacht, denn schon nach kurzer Zeit musste ich noch einmal umkehren und mir eine richtige Jacke holen. An der Waterfront dann suchte ich den „African Trading Port“ auf, den Souvenirshop mit Festpreisen und riesiger Auswahl. Ich kaufte ein bisschen Tinnef und schlenderte dann durch die riesige V&A Waterfront Mall. Gefühlte 99.999 Läden gibt es da und ich war schon nach dem dritten physisch und psychisch komplett erschöpft. Irgendwie bin ich wohl doch nicht so der Shopper. Vor der Mall hörte ich mir noch ein bisschen die fröhliche Musik einer enthusiastischen Combo an.

Mir war nach einem Kaffee. Aber natürlich waren alle Außensitzplätze in den einschlägigen Institutionen wie Starbucks oder Coffee Beans & Tea Leaves oder Mugs and Beans besetzt. Es ist ein Phänomen. Hipstergestalten auf der ganzen Welt kaufen sich um 9 Uhr früh einen „Latte Chiocolatte Vanille Peppermint Special Brew with Honey Crumbs and a touch of Cardamom – Tall“ und sitzen dann an dieser Ekelhaftigkeit nuckelnd bis zum Abend mit ihrem Laptop am Tisch und hindern brave, ehrbare Kaffeetrinker am Kaffeetrinken. Ich wollte dann mein Glück im Food Market am Nobel Square versuchen. Und hastenichgesehen – laufe ich in Ike und Silke rein. Große Freude. Wir setzten uns nur kurz auf ein Plauderstündchen zusammen (und ich hatte endlich meinen Kaffee!), da die Beiden noch einen Tisch in einem Weingut reserviert hatten. Es war trotzdem sehr nett und wir werden uns ja morgen in Hermanus sehen.

Dann wollte ich zum Green Market, kaufte aber auf dem Weg dorthin noch in einem sehr schicken Spar-Markt ein und brachte die Ware ins Appartment. Was ein Glück, denn kaum dort, fing es an, wie aus Kübeln zu schütten. Ich blieb also dort und schrieb erst einmal Postkarten und fasste den ersten Teil des Tages in diesem Tagebuch zusammen.

Ja, und da der Himmel gerade aufklart, gibt es erst einmal WERBEPAUSE und den Rest schreibe ich dann heute Abend. 🙂

So, da bin ich wieder. Habt Ihr mich vermisst? Da mir mein Eselpark-Käppi vom Winde verweht wurde, machte ich mich auf die Suche nach einem Sonnenschutzersatz. Ich habe von der afrikanischen Sonne nämlich schon dicke Pickel auf dem Schädel. Mir schwebte so ein Indianer-Jones-Lederhut mit Hutband und Kordel vor, da diese den Hut ja am verwehen hindert. Leider war mein europäischer Quadratschädel für die hiesigen zarten Exemplare dieser Art einfach viel zu groß. Ich kaufte mir also einen Knautschhut, wie alte, modeapathische Männer ihn zu tragen pflegen. Hm, jetzt ist es also offiziell. Es geht aufs Ende zu…

Ich lief ein bisschen ziellos durch die Gegend und stieß durch Zufall auf einige weitere Sehenswürdigkeiten, wie den Blumenmarkt am Trafalgar Square, das Parlamentsgebäude und das Castle of Good Hope (das aber wegen Dreharbeiten zur Zeit geschlossen ist – das südafrikanische „Downton Abbey“ vielleicht?). Irgendwann landete ich an der Cape Town Station. Es lohnt sich, hierzu die Google-Rezensionen anzusehen, da hier mal klar wird, welche Prioritäten unsere Mitmenschen so im allgemeinen setzen. Ein Mischmasch aus Markt, völlig chaotischem Minitaxibusbahnhof und Drogenumschlagplatz. Ich habe in einer halben Stunde nur einen einzigen weiteren weißhäutigen Mann gesichtet und war daher so etwas wie eine Attraktion. Von Banane bis Unmoral wurde mir alles offeriert. Ich habe keins von beiden genannten und auch nichts von dazwischen erworben. Aber es war spannend.

Am späten Nachmittag tippelte ich zu unserer Wohnung zurück. Eine Weile wurde ich von einem Mann verfolgt, der mich bat, ihm einen Job zu geben. Offensichtlich sah ich mit meinem neuen Hut aus wie ein Südafrikaner. Kurz nach mir tauchten auch die beiden Junx wieder auf. Eigentlich wollten wir ja mit der Sightseeing-Linie auf den Signal Hill zum Sonnenuntergang. Aber wir waren uns einig, dass es dazu zu sehr wolkenverhangen und ungemütlich war.

Am Abend, an dem übrigens wieder die Sonne schien, als sei nichts gewesen, um sofort wieder zu verschwinden, als hätte es sie nie gegeben, waren wir alle ein bisschen schlapp und beschlossen, ganz in der Nähe zu essen. Wir schlenderten wieder ins Grey, schnabulierten ein paar Tapas und nahmen einen Absacker im Manhattan zu uns.

Morgen kommt eine Person namens Lovemore zu uns, um die Wohnung abzunehmen, weil Tziona ein Meeting hat. Es gibt hier in Südafrika eine Menge wundersame Namen. Precious und Melody, aber auch Talent und Lovejoy. Das hat ja irgendwas.

An dieser Stelle käme jetzt der Gastbeitrag von Otto und/oder Rolf über ihren Besuch auf Robben Island, wo sie gerüchteweise unglaublich erzählenswerte Geschichten erlebt haben. Aber sie wollen sie nicht niederschreiben. Selbst mein Angebot, sie auf niederländisch zu verfassen wurde abgelehnt. Schade, oder?

Also, morgen geht es in das Walguckgebiet. Es ist im November eigentlich schon zu spät, aber ab und zu sichtet man noch Nachzügler. Wir freuen uns über Begleitung.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Wie, mein Reisebericht gefällt Euch nicht? Dann da lang!

Tag 5: Kirstenbosch und Imizamo Yethu

Ihr Lieben,

heute erklommen wir den Sightseeingbus der blauen Linie. Der fährt am Mount Nelson und dem District Six vorbei zum Kirstenbosch Botanical Garden. An dem stiegen wir aus und verlustierten uns auf dem riesig großen Areal. Es war anständig was los, aber die Besucher haben sich sehr gut verteilt. Highlights dieses botanischen Gartens, der irgendwem zufolge der siebtschönste der Welt sein soll, sind die wirklich tollen Ausblicke zu den Bergen und über das Kap sowie die schier unzählbare Menge an Planzen. Besonders interessierten mich die Proteas (Nationalpflanze Südafrikas) sowie der Fynbos, eine Vegetationsart, die es nur hier gibt. Eine Brückenkonstruktion führt durch einen Kanopenwald, es gibt weitläufige Wiesen und Themenareale. Seeeehr schön das alles. Es war übrigens mein zweiter Besuch dort und vor drei Jahren war ich schon sehr angetan.

Im Park haben wir dann auch gegessen, ich hatte einen Lammtopf aus Durban, der extrem lecker war. Die Sightseeingbusse haben inzwischen ein Livetracking, so dass man nicht mehr stundenlang tatenlos auf den nächsten warten muss, sondern weiß, wie viel Zeit man ungefähr noch zum Verplempern hat. Wir hüpften wieder rein, um erstaunt festzustellen, dass dieser Bus auch noch direkt die Weinroutentour abgraste. Und da er in Groot Constantia, dem ältesten Weingut in Südafrika, 20 Minuten Pflichhalt hatte, sind wir da auch schnell einmal übers Gelände geflitzt. Natürlich reichte die kurze Zeit nur für einen ersten Eindruck. Wir werden aber in Kürze ja ausreichend Weingüter zur Auswahl haben, die wir erstürmen können.

Unser nächster Halt war dann Imizamo Yethu, eine semi-illegale Township-Siedlung. Entstanden Anfang der 90iger, um arme Arbeiter mit ihren Familien näher an die Stadt zu bringen und heute ausgewachsen zu einem eigenen Reich mit eigenen Strukturen. Die Regierung verspricht, sich um vernünftige Unterkünfte für die weit über 30.000 Bewohner zu kümmern, aber es passiert wenig. Spender, Kirchen, karitative Organisationen sorgen zumindest für kleine Lichtblicke vor Ort, aber Alkoholismus und Drogenkonsum – 50% Arbeitslosenquote tragen dazu natürlich auch dazu bei – existieren genauso wie Kriminalität. Dies erfuhren wir bei einer geführten Tour durch das Township, begleitet von einer Bewohnerin, die dort seit über 20 Jahren lebt.

Wir durften in Behausungen reinschauen, sprachen mit ein paar Bewohnern, bekamen sanitäre Sammeleinrichtungen zu Gesicht, besuchten einen Kindergarten sowie das Community Center, wo sich um Weiterbildung, sportliche Aktivitäten und Gemeinschaftspolitk gekümmert wird. Wir wurden auch zu einem Happen Kuhinnereien eingeladen und konnten, ich schäme mich nur ein bisschen dafür, mit Verweis auf gerade zu uns genommene Mittagessen dankend ablehnen.

Er ist ein wenig merkwürdig, diese Art Slumtourismus. Ich habe mich aber dazu durchgerungen, dies einmal mitzumachen, weil das Eintrittsgeld an die Kommune geht und ich las, dass man das Interesse wertschätzt. Und meine Begleiter hatten dann auch Interesse. Am Ende der Tour sagte uns unsere Führerin auch, dass seit Covid die Zahl der Führungen stark nachgelassen habe, die eher zurückhaltenden Buchungen aber auch an Berührungsängsten lägen, schon immer. Also: die sind unberechtigt, wir wurden von vielen Menschen gegrüßt, die Kinder hatten reges Interesse an uns und wir fühlten uns nicht unangenehm unwillkommen. Im Community Center war eine Kindertanzgruppe sogar richtig froh, uns mal ihr Können zu zeigen.

Wir fuhren dann weiter bis nach Camps Bay und setzten unsere reichen weißen Hintern dann wieder in die Barhocker einer Schicki-Micki-Sunset-Bar. Ein paar Minuten Busfahrt später halt. Es ist wirklich ein Land voller Gegensätze.

Mit einem der letzten Busse der Sightseeing-Tour fuhren wir dann zurück nach Hause. Eigentlich wollte der Fahrer an der V&A Schluss machen, brachte uns aber freundlicherweise noch in unser Stadtviertel.

Da liefen wir auch noch ein bisschen herum, weil es ja schade gewesen wäre, neben dem Bo-Kaap zu wohnen und nichts davon gesehen zu haben – abgesehen vom Balkon aus. Das Viertel ist bekannt für seine bunten Häuser. Die früheren Sklaven sollen die Häuser als Kontrast zu ihrer farblosen Pflichtkleidung so bunt angemalt haben.

Rolf suchte dann ein schönes Restaurant mit Dachterrasse aus, das Gigi, wo wir auch gut aßen. Mein Wild fiel im Vergleich recht winzig aus, was Otto und Rolf aber durch großzügige Gaben Rind von ihren Tellern wieder wettmachten.

Auf dem Rückweg vom Restaurant wurden wir fast aggressiv angebettelt. Man muss sich in Kapstadt durchaus darauf einstellen, dass einem Armband-, Brillen- und Hutverkäufer, aber auch Bettler über mehrere Blocks verfolgen. Es wird aber ausdrücklich von allen Seiten gewarnt, aus Mitleid sein Portemonnaie zu zücken, da ein Komplize hervorschießen und es klauen könnte. Ist das eine Räuberpistole? Geldautomaten werden inzwischen bewacht, es wird vor Kreditkartenmanipulation gewarnt. Es gibt viele Obdachlose oder alkoholisiert durch die Straßen torkelnde Männer.

Die Kluft zwischen reich und arm ist zwar nicht mehr nur eine zwischen schwarz und weiß, aber man merkt deutlich, dass bestimmte Mitglieder der Gemeinschaft lange auf der Strecke blieben. Nachwehen der Apartheid.

Alles in allem ein doch sehr touristischer Tag, aber mit vielen Momenten zum Nachdenken.

Morgen möchte ich eher gemütlich durch den Tag lavieren, die Jungs haben Interesse an Robben Island. Ike wird in der Stadt sein, und wir treffen uns vielleicht. Am Abend planen wir eine Sunset-Tour mit dem Bus. Aber noch ist nichts in Stein gemeißelt.

Bis morgen, Euer Gerald