Balkan 2025 (Tag 11): Auf nach Skopje oder wie Gerry fast zum Vegetarier wurde

Ihr Lieben!

Das war wieder eine kurze Nacht, ich kann ja nicht auf Befehl um 21 Uhr die Augen zuknipsen und losschlafen. Als die Wecker klingelten, war es mir, als hätte ich mich gerade erst hingelegt. Ich checkte frühstückslos aus (der Mann an der Rezeption bot mir aber an, mir ein Brot und einen Kaffee zu machen, total nett), nahm ein Taxi, das ich mit meinen letzten Lew bezahlte und war auf dem Weg in Land Nr. 4 unserer gemeinsamen Reise.

Diesmal war der Umstieg in Wien. Alles klappte problemlos, auf dem Flug nach Skopje hatte ich sogar den Mittelsitz frei. Dafür saß am Fenster ein sehr gesprächiger (aber sehr sympathischer) 20-jähriger Pole, der seine mazedonische Freundin besuchen wollte. Wir quasselten viel und die Zeit verging wie im Fluge (haha!). Er will am liebsten Pilot werden, denn er reist auch für sein Leben gern. Für einen Zwanzigjährigen ist er auch schon gut rumgekommen. Er erzählte auch ein bisschen über die Balkanpolitik aus seiner Sicht, was dann dazu führte, dass sich immer mehr Menschen um uns rum in das Gespräch mischten. Hui, die Volksseelen waren wachgerüttelt. Insbesondere ein albanischstämmiger Mazedone, der aber jetzt in Deutschland lebt, wusch unserem Polen den Kopf. Beteiligt waren Kosovaren, Bulgaren, Albaner, Mazedonier, der Pole und mittendrin ich. Aber es kam zu keinen Handgreiflichkeiten, alle hatten sich am Ende wieder lieb und alle waren sich einig, dass die Griechen doof sind. Ich bekam ein paar Tipps, was ich mir angucken solle, aber ich bin ja nur drei Tage hier, da muss ich selektieren.

Am Flughafen Skopje ging mal wieder die e-SIM nicht, also funktionierte auch die Taxi-App nicht. Und der Bus in die Stadt war mir vor der Nase weggefahren, der nächste wäre in knapp 2 Stunden gefahren. Forderte ich eigentlich schon Metro für alle? Ich setzte mich draußen auf eine Bank und brauchte 20 Minuten, um mein Handy ans Laufen zu bekommen (ich hatte schon in Moldawien versehentlich den APN geändert, da muss man erst mal drauf kommen!). Danach beschloss ich einfach, eins der Taxis am Flughafen zu nehmen; auf Schildern wurde ein Festpreis von 25,- Euro ausgewiesen, egal, wohin man in die City wollte. Ich verließ mich darauf und konnte mich letztendlich darauf verlassen. Ich bin ja aus Erfahrung unentspannt mit ausgehandelten Taxipreisen. Fragt mich mal nach Mosambik oder Kuba. „Euro?“, fragt Ihr Euch jetzt, „Meines Wissens zahlt man in Denar.“. Ja, und damit habt Ihr auch völlig recht! Aber der Euro führt hier ein Schattenregime, auch an jedem Souvenirstand. Wechselkurs 1:60.

Das Hotel ist eine Bar mit einer ersten Etage, auf der die Zimmer verteilt sind. Ich bin sehr zufrieden, das Zimmer ist groß, sauber, hat Schreibtisch und Kühlschrank und ein sehr schickes Bad. Es gibt sogar einen Balkon, aber den werde ich wohl nicht nutzen. Und ich war zwei Stunden zu früh, konnte aber schon aufs Zimmer! Yeah!

Ich verstreute dort wahllos ein paar Gegenstände, um mein Revier zu markieren und machte mich auf, einen ersten Eindruck von der Hauptstadt zu gewinnen. Eines der Wahrzeichen ist die steinerne Brücke, die liegt 5 Minuten Fußweg entfernt. Die Brücke über den Vardar wurde schon im römischen Reich angelegt, ihr heutiges Bild stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Um zu ihr zu gelangen, muss man über den Makedonien-Platz, der von einer gigantomanischen Statue Alexander des Großen dominiert wird. Überhaupt Statuen: Es wimmelt von Standbildern, Statuen, Büsten. In kleinen Grünanlagen, an Brunnen, an Fassaden. Ein Wahnsinn. Rechts von der Steinbrücke führt die Brücke der Mazedonischen Zivilisation über den Fluß, direkt auf das pompöse, archäologische Museum zu. Laternen und Skulpturen wechseln sich ab. Es gibt einen Triumphbogen!

Ich war irritiert, setzte mich auf eine Bank und las mich ein. Wieso war das hier so wenig Yugo und so viel strahlender Pseudobarock? Die Antwort: „Projekt Skopje 2014“, ein Prestigeunterfangen des von 2006 bis 2016 als Ministerpräsident waltenden Nikola Gruevski. Das ein bisschen schief und aus dem Ruder lief. Fast alle Artikel hierüber konstatieren, dass es in dem traurigen Resultat des Titels „Kitschhauptstadt Europas“ endete. Naja. Der MP wurde wegen Korruption verdonnert und floh nach Ungarn. Ich werde jetzt aber nicht bei jedem Bauwerk gucken, was echt und was fake ist.

In Transvardarien (ich kann’s nicht lassen) stößt man zuerst auf einen alten Hammam, der jetzt als – tädää! – Nationalgalerie dient. Linkerhand thront die Skopsko Kale, eine Festung, deren Ursprünge bis in das 6. Jahrhundert zurück reichen. Wenn man seinen Weg fortsetzt, gerät man in die Altstadt mit Cafés, Handwerk, Läden, viele schon auf Touristen umgestellt, einige noch im Urzustand. Das bedeutet, dass man auch noch eine Näherei finden kann oder einen Schlosser. In den Cafés der Seitenstraßen sitzen dann auch manchmal nur einheimische Männer und spielen Tavla oder Domino. Und quarzen dabei wie wild. Wie alle hier. Seufz.

Je tiefer man nach Nordosten durchdringt, desto untouristischer wird es dann. Man entdeckt zufällig eine alte Karawanserei. Auf den überdachten Markt, der vor Betriebsamkeit nur so simmert, verirrt sich dann kaum noch ein Tourist. Und hier gibt es wieder alles, was das Herz begehrt.

Hier ist es wieder deutlich wärmer und schwüler als in Sofia, daher war mir nach einem Bier. Tief im muslimischen geprägten Basar hat man da aber keine Chance, daher lief ich in den touristischen Teil zurück, wo ich in einer schönen Gasse einen Tisch in erster Reihe okkupierte, um dem lebhaften Treiben zuzuschauen. Ich bekam ein einheimisches Bier vom Fass, einen mazedonischen Salat und eine handvoll Köfte mit Zwiebeln und gegrillter Pepperoni. Der Hammer. Ich meine das völlig ernst, wenn ich sage, dass es mehr Vegetarier bei uns gäbe, wenn das Gemüse so knackig und lecker wäre, wie hier. Die Tomaten. DIE TOMATEN!!! Kann man gar nicht beschreiben. Wisst Ihr eigentlich, wie richtige Petersilie schmeckt? Naja, und die Köfte waren auch der Hit, daher beruhige ich mich jetzt mal wieder. 🙂 Und natürlich habt Ihr auch schon einmal gutes Gemüse gegessen.

Ich saß da vielleicht eine Stunde, während der etwa ein halbes Dutzend großer, geführter Reisegruppen vor meinem Tisch Halt machten, die Hälfte davon türkische, zwei asiatische (ich meine japanisch und koreanisch identifiziert zu haben), eine italienische. Während der Leiter irgendetwas erläuterte, klickten dutzende Kameras. Auf vielen Bildern bin ich daher wohl mit Petersilienresten im Mundwinkel und Tomatenkernen am Kinn zu bestaunen. Gerry, der Köftefresser von Skopje. Weltweiter Kultstatus? Na, wer weiß…

Agnes Genxha Bojaxhin wurde in Skopje geboren. Zu deren Gedenkhaus brach ich nach dem späten Mittagessen auf. Berühmt wurde sie als Mutter Theresa von Kalkutta. Berüchtigt wurde sie auch unter diesem Namen. Ihr wisst ja, dass ich auf Reisen immer einigermaßen viel lese über die Geschichte von Orten, über das Handeln von Menschen, über die Bedeutung von Dingen. Manchmal gewinnt man dabei überraschende Erkenntnisse, z.B. dass die Heilige möglicherweise so heilig oft nicht war. Ich empfehle den Wikipedia-Eintrag für Interessierte*. Auf jeden Fall gibt es hier ein kleines, architektonisch sehr gelungenes kleines Haus in der Fußgängerzone, in dem das Leben der Nonne in Dokumenten und Bildern aufbereitet wird. Auch eine Kapelle gibt es vor Ort, wo u.a. Papst Franziskus schon seine Schuhabdrücke hinterlassen hat.

Ich begab mich zurück zum Hotel und die Siesta fiel leider viel zu lang aus, als dass ich danach noch etwas hätte unternehmen wollen. So kaufte ich nur in einem kleinen Supermarkt den üblichen Hotelproviant zusammen und begab mich an meine Hausaufgaben.

Tja, Projekt 2014 hin oder her, mir gefällt es auf den ersten Blick rasend gut! Ich mag insbesondere, dass hier alle so herzlich sind, dass es überall nach Basar riecht, dass es viel zu sehen gibt. Man hat mir ans Herz gelegt, auch mal vor die Tore der Stadt zu gehen, mindestens zu einem Canyon hier in der Nähe, wenn nicht sogar zum Ohrid-See, auf den man hier sehr stolz ist. Da prüfe ich gleich mal die Aufwände. In der Stadt selbst gäbe es nämlich auch noch ausreichend zu erklimmen, zu bestaunen und zu erforschen. Lasst Euch also überraschen, wie es morgen weitergeht. Liebe Grüße aus Mazedonien (alle im Flieger waren sich einig, dass der Name „Nordmazedonien“ eine Beleidigung ist), von Eurem

* ich lerne auf Reisen auch oft, dass in Stein gemeißeltes plötzlich zerkrümelt wie altes Weißbrot und man lang geglaubtes neu überdenken und ggf. bewerten muss.

Der Autor ist ziemlich glücklich mit seinem heutigen Ziel. 🙂

Balkan 2025 (Tag 10): Kunst und Kirchen oder wie Gerry als Tierfutter endete

Ihr Lieben!

Ich mache es kurz: Ich fuhr nicht ins Kloster Rila und demgemäß auch nicht nach Melnik. Das finde ich persönlich schade, aber ich kann ja nicht hier im Blog einerseits eine wildfremde Person beschimpfen, weil sie sich krank in eine Menschenmenge begibt, um andererseits selbst 5 oder 6 Stunden mit Mitreisenden krank in einem Minibus durch die Landschaft zu touren. Ich sagte daher gestern die Fahrt noch ab. In Museen, draußen auf der Straße oder allein an einem Café-Tisch kann ich zumindest auf Abstand achten.

Und ich nehme es vorweg: Es war ein weiterer schöner Tag. Angefangen damit, dass ich bis 9 Uhr geschlafen habe. Yeah! Ich muss auch noch einmal auf das Hotel zu sprechen kommen. Wenn man die schlechten Bewertungen liest, muss man annehmen, dass ich in einer Vorstufe zur Hölle logiere. Das ist nicht der Fall. Das Frühstück ist prima, die Klimaanlage funktioniert, alle sind nett. Nur die Dusche grenzt an eine Zumutung, da bei Nutzung wirklich alles überschwemmt wird.

Nach einem zeitlich ausgedehnten Frühstück machte ich mich zuerst zur Graffiti-Zone auf, von der ich dachte, dass sie mehrere Straßenzüge umfasse. Es ist aber nur ein größerer Parkplatz, bei dem so gut wie alle umgebenden Wände kunstvoll beschmiert waren. Schöne Sachen dabei, mein Favorit ist die Baba Yaga mit der langen Nase. Ist es eine Baba Yaga? Ich glaube schon.

Die Nationalgalerie! Endlich kamen wir zusammen. Wie schon angemerkt, befindet sie sich in den Räumen des ehemaligen königlichen Palastes. Auch das ethnographische Museum hat da seine Ausstellungsräume, aber das hat mich weniger interessiert. Die ständige Sammlung ist überschaubar und naturgemäß kannte ich auch kaum einen der Künstler. Der von mir entdeckte Rembrandt entpuppte sich als Kopie. Viele Portraits adliger Personen. In zwei weiteren Flügeln gab es Auszüge aus der Sammlung Ruf, einem Schweizer Diplomaten, und eine Werkschau von Vladimir Goev zu sehen. Insgesamt war es ein kurzweiliger Besuch.

Ich lief zum Battenberg-Mausoleum, wo Alexander von Battenberg, erster Knjaz Bulgariens nach dem Berliner Kongress, bestattet wurde. Er hatte es nicht einfach als Fürst, er musste gegen bzw. wahlweise mit den Nationalisten, prorussischen Kräften und sonstigen Störenfrieden regieren. Einmal ließ er sogar die Verfassung außer Kraft setzen. Er gab aber irgendwann genervt auf und ließ sich mit seiner Frau, der  Opernsängerin Johanna Loisinger, als Graf und Gräfin Hartenau in Graz nieder. Begraben werden wollte er aber in Sofia, das wurde ihm dann nicht verwehrt.

Das Gegenstück zur Löwenbrücke in der Nähe meines Hotels ist die Adlerbrücke östlich des Prinzenparkes, der an die Grabstätte anschließt. Beide Brücken gelten als Sehenswürdigkeiten, überspannen aber nur klägliche Rinnsale. Der Hauptfluss Sofias, Iskar, liegt weit außerhalb der Stadt. Dennoch ist das Klima hier wirklich prima (zur Zeit jedenfalls), was sich durch die Höhenlage (600 m) und die nahegelegenen Berge erklärt. Sofia ist nach Andorra la Vella und Madrid die dritthöchstgelegene Hauptstadt Europas. Bei strahlend blauem Himmel sind es erträgliche 28°C.

Ich fuhr eine Station mit der Metro in das Viertel um den Tempel der Sieben Heiligen, eine sehr schöne, belebte, aber keinesfalls hektische Gegend. Die Kirche – ich platzte übrigens mal wieder in eine Beerdigung, ich weiß es ja auch nicht* – besticht durch ihre prachtvolle Innendekoration. Leider konnte ich mich nicht gebührend umsehen, der Trauerzug kam 5 Minuten nach mir an und ich wollte nicht im Wege stehen. Drumherum alles sehr gemächlich und gemütlich, viele kleine Läden, Snackbars, Sitzgelegenheiten. Den Besuch des nahegelegenen Schnapsmuseums schenkte ich mir, das ist mit einer Probe verbunden, das fand ich für frühen Nachmittag dann ein wenig zu übertrieben. Ich schlenderte bis zum Vitosha-Boulevard weiter, wo ich mich für ein Dreiviertelstündchen in ein Café setzte, bevor ich wieder zum Hotel zurückkehrte.

Der o.g. Graffiti-Parkplatz befindet sich direkt neben der Zentral-Halle, in dem auch das Kaufland residiert. Ich brauchte noch Wasser und Wein und so schaute ich mir noch das Untergeschoss an, wo es u.a. Delikatessenläden gibt. Das Spannendste dort aber ist eine Virtual-reality-Station. Für 5 Lew wird man in das antike Serdika zurückkatapultiert und landet am Ende als Gladiator mit wilden Tieren in der Arena. In der Schlussequenz springt einen eine Art Säbelzahntiger an. Happs! Ich hatte noch nie eine VR-Brille auf, ein tolles Erlebnis, auch, wenn ich etwas unsicher auf den Beinen war.

Ich kaufte mir da ein Stück Pizza als sehr frühes Abendessen. Die musste man sich halbwegs selbst zusammenstellen, wie z.B. bei Subway. Das fand ich etwas anstrengend, da mein bulgarisch Verbesserungspotential hat. Deutliches. Und am Ende war das dann auch nix. Dafür aber billig. Apropos: Ich muss das mit dem teuer ein bisschen relativieren: Brot ist hier spottbillig, ein Milchkaffee und ein Schweppes Soda im Straßencafé schlagen mit umgerechnet 3,70 Euro zu Buche. Das ist natürlich preiswerter als bei uns. Spaßeshalber war ich auch mal in einem Lidl. Wurst, Käse, insbesondere Lachs: alles wieder viel (!) teurer als bei uns.

So, und morgen geht es weiter nach Skopje; ich erwähnte es bereits, da muss ich früh raus. Ich habe versucht, mir ein Taxi über eine App vorzureservieren, da sollte ich einen Code eingeben, der mir gesendet wurde. Wurde er nicht. Jetzt organisiert mir morgen früh die Rezeption eins. Oder je nachdem, wie früh ich abreisebereit bin, versuche ich mich wieder mit der Metro, die ist ja zuverlässig.

Das Resümee fehlt noch. Also, mir gefällt Sofia. Eine schöne Stadt mit breiten Straßen, großen Plätzen, schönen Sehenswürdigkeiten. Die Menschen hier sind nicht mehr und nicht weniger schlecht gelaunt als bei uns, mit Englisch kommt man recht gut durch. Vieles ist verfallen, aber dennoch ist die Stadt irgendwie sauberer, als z.B. Köln. Gut, ist jetzt auch nicht sooo schwer. Fahrt mal für ein paar Tage hin, lohnt sich.

Den Rest des Abends werde ich jetzt Filme gucken und mich ein ganz klein wenig in die Geschichte Nordmazedoniens einlesen. Се гледаме утре?

*) Hier wird wahrscheinlich überdurchschnittlich viel geheiratet und gestorben. Einen belegbaren Zusammenhang zwischen beiden Tätigkeiten muss ich schuldig bleiben.

Das sage ich mir in kalten Winternächten auch immer.
Wer KVB fährt, weiß, wie sehr ich diesen eigentlich dämlichen Spruch auf einem Seifenspender im Nationalmuseum feiere!
Wein aus Thrakien. Kann man sehr gut trinken!

Balkan 2025 (Tag 9): Sofia per pedes oder wie Gerry zu einer Portion Wagner kam

Ihr Lieben!

Zuerst die erlösende Antwort auf die Frage, die Euch zwei Nächte nicht hat schlafen lassen. Ja, man fährt hier für 4 Lew den lieben langen Tag Bus und Bahn. Bin total baff. Klar, umsonst ist noch baffiger, aber hier in Sofia ist der Nahverkehr schon schöner organisiert, als in Belgrad. Ich fordere Metro für alle!

Heute plante ich, morgens die Nationalgalerie zu besuchen. Ich übersah dabei leider, dass Montag ist. Welches weltumspannende, geheime Netzwerk hat eigentlich festgelegt, dass montags rund um den Globus die Kultur geschlossen hat? Müssen Bilder und Ausstellungsstücke sich ausruhen? Ich fordere die Einführung der 7-Tage-Woche für Kunst!

So entschied ich mich dafür, erst einmal ziellos durch die Gegend zu laufen. Ich entdeckte dabei die Synagoge Sofias, immerhin die zweitgrößte sephardische in Europa, schaute mir die Thermen hinter der Banja-Baschi-Moschee an und lief weiter zum Präsidentenpalast, wo ich die Wachablösung sehen konnte, die stündlich stattfindet. Zwei bemitleidenswerte Menschen müssen eine Stunde fast reglos vor den Toren stehen, dabei dem Plätschern eines Springbrunnens zuhören (nix für blasenschwache Menschen!), um dann mit ziemlichen Verrenkungen (Bein hochschmeißen bis zum Kinn) in einer ausgebufften Choreografie mit zweien ihrer Kameraden zu tauschen. Ich überlegte, wie denn der Name des Präsidenten sei, er fiel mir nicht ein. Ich googelte es: Rumen Radew heißt der aktuelle. Noch nie gehört, was ja nicht das schlechteste ist, da man ja zumeist mit Nachrichten über die Geisteskranken dieser Welt versorgt wird. Regierungschef ist übrigens Rossen Scheljaskow, wusste ich auch nicht.

Schräg gegenüber dem Palast befindet sich das Archäologische Museum, das sich dem Montags-zu-Diktat nicht unterworfen hat. Na, dachte ich, gibt ja schlimmere Beschäftigungen (Makramee-Museum z.B.), also rein. Das war dann auch ganz interessant, es gibt ein paar sehr hübsche Ausstellungsstücke. Die „Schatzkammer“ sah so aus, als wäre sie durch schmiedeeiserne Tore geschlossen, aber man kann reinspazieren. Nur so als Tipp.

Ein paar Schritte weiter nur stößt man auf den Stadtgarten, wo das hübsche Nationaltheater steht. Auch hier plätschern Fontänen, es gibt viele Skulpturen, eine Kunstgalerie (montags geschlossen) und am Rand, im ehemaligen Königspalast, die Nationalgalerie. Wenn man an der vorbeiläuft, erreicht man die russisch-ortodoxe Kirche St. Nikolai Mirlikiiski. Die hat einen oberen Gebetsraum, aber wenn man links um sie herumgeht, kann man in einen unteren Raum gelangen. Dort standen die Gläubigen ein bisschen Schlange, da sich eine ältere Frau über einen Sarkophag oder etwas ähnlichem geworfen hatte und bewegungslos in dieser Pose verharrte. Ich gehe aber davon aus, dass sie nicht zwangsläufig da sein wird, solltet Ihr da einmal hinkommen. Sah auf jeden Fall sehr dramatisch aus.

Ja, und dann ist mal auch schon wieder an der Newski-Kathedrale, diesmal ohne Konzertplatz davor. Und es waren auch mehr Tinnef-Händler da, als am Samstagabend. Es war Zeit für meine Siesta, und so begab ich mich zur Straßenbahnhaltestelle Opernhaus. Da trällerte man sich bei offenem Fenster die Seele aus dem Leib, sehr nett. Leider findet keine Vorstellung statt, während ich hier bin. Man wirbt für ein unspektakuläres Repertoire: Tosca, Rigoletto, Tannhäuser. Und Verdi heißt hier Bepgu, so merkwürdig 🙂

An der Straßenbahnhaltestelle versuchte ich zu entziffern, wo ich hinmusste. Dabei entzifferte ich „пазар“; ach, da sollte ich auch mal hin. Der Dschenski-Basar, also der Frauenmarkt, war schon halb abgebaut, aber dennoch ganz sehenswert. Er zieht sich bis zur Löwenbrücke und bietet alles, was man so braucht, von landwirtschaftlichen Erzeugnisse über Klamotten bis zu Baumarktartikeln. Nett.

Dann endlich, es war eigentlich schon wieder viel zu spät für ein Mittagsschläfchen, kam ich im Hotel an, wo ich mir dennoch meine Augenlider für eine Stunde von innen betrachtete.

Am Nachmittag tauschte ich in einer Wechselstube noch einmal etwas Geld, kaufte in einem DM ein paar Kleinigkeiten ein und gönnte mir einen Granatapfelsaft. Ganz lecker, das Zeuchs. Ich entdeckte eine weitere Fußgängerzone, die ich entlanglief. Brautmodengeschäfte, Cafés, Händler, die ihre gebrauchten Bücher auf Bänken auslegten. Ich kehrte zur Marie Luise zurück, besuchte die Moschee von innen (wie viele sehr schlicht, aber schön bemalt) und kaufte mir Sish-Kebab mit Salat zum Abendessen. Mit hausgemachtem Ayvar und Brot.

Gestern Abend hatte ich noch einen Ausflug zum Kloster Rila und zum Dorf Melnik gebucht, allerdings mit einer Rücktrittsversicherung in Höhe von 20% des Ausflugspreises, denn für 11 Stunden Rumgurkerei in den Gebirgen Bulgariens wollte ich mich doch ausreichend fit fühlen. Den werde ich womöglich wieder absagen (bis eine Stunde vorher kann ich das), denn ich bin immer noch schlapp. Ich habe sogar nachmittags kalt geduscht, um dieses dumpfe Körpergefühl loszuwerden. Und wenn ich so etwas beklopptes mache, dann ist es nicht unernst. Außerdem hieße die Teilnahme am Ausflug, um 6:30 Uhr aufzustehen und am Mittwoch muss ich sogar schon um 5 Uhr raus. Puh!

Na, mal sehen, was der Rest des Abends bringt. Entweder sitze ich in in Bälde im Bus oder wir laufen zusammen doch durch die Nationalgalerie. Bis morgen, Euer

Cepguka heißt übrigens Serdika.

Balkan 2025 (Tag 8): Die heilige Weisheit oder wie der Gerry zum Gauner wurde

Ihr Lieben!

Den Onkel Gerry hat’s erwischt. Kopf-und Gliederschmerzen. Schnupfen und etwas Temperatur. Juchu! Ich habe den Verdacht, dass die verfi… Schl… aus dem Tesla-Museum daran nicht unbeteiligt ist. Und mir fallen noch ganz andere Wörter für die verfilmte Schlumpfine ein, das könnt ihr mir glauben! Muss ich jetzt aber durch, geht ja nicht anders. Gottseidank habe ich in Sofia vier Nächte, da kann man auch mal einen Gang zurückschalten.

Apropos Gang zurückschalten: Begeisterung hat einen Namen. Pavel, der Frühstückskellner. Ich habe wirklich selten einen schlurfenderen Menschen gesehen. Tische abräumen mit Tablett? Muss nicht, man kann ja auch jedes Geschirrteil einzeln zum Küchentresen bringen. Bizarr.

Nach dem Frühstück (hatte nur Kaffee, Saft, ein Ei und Obst) wollte ich mich fast wieder hinlegen. „Reiß Dich zusammen!“ rief da eine Stimme. „Innerer Schweinehund, bist Du’s?“. Er war’s. Ich beschloss, einfach einiges mit ÖPNV zu entdecken, damit ich nicht so viel laufen musste. Eine Handvoll Pillen sollte mich dabei unterstützen. Die 200 Schritte zur Löwenbrücke schaffte ich noch, nahm von da die Metro zum Kulturpalast, einem modernen – naja, von 1980 rum – und großen Multifunktionsgebäude. Davor eine schöne Springbrunnen-Anlage mit Grünstreifen. Es waren ziemlich viele Pavillons in diesem Park aufgebaut. Alle mit Büchern. Diese Pavillonreihe zog sich bis weit in den Vitosha-Boulevard hinein. Das ist die sehr schöne, gepflegte und von dutzenden Cafés und Restaurants gesäumte Haupteinkaufsstraße Sofias. Bücher sind auf dem Balkan im Stadtbild nicht wegzudenken. An jeder Ecke in Belgrad und Sofia werden sie feilgeboten. Die beiden anderen Haupthobbies hier sind übrigens: Fußgänger gefährden (in Belgrad mehr als in Sofia) und ununterbrochen quarzen.

Am Ende der Fußgängerzone stößt man auf die konzentrierten Sehenswürdigkeiten Sofias, wie die Sveta Nedelja-Kathedrale, wo ich übrigens wieder in eine Hochzeit platzte, die Rotunde des heiligen Georg mit Ausgrabungsgelände drumherum, verschiedene protzige Regierungsbauten, die sehr interessante antike Ausgrabung „Serdica“, die bei der Erweiterung der Metro freigelegt und „einfach“ in den Bau integriert wurde. Vielleicht nicht nach allen Regeln der Archäologie, aber – Achtung, Köln-Bashing – man hat das Projekt dann eben nicht 50 Jahre auf Eis gelegt und es schlussendlich trotzdem verbockt.*) An der Kreuzung von allem steht das Wahrzeichen der Stadt: Die Statue der heiligen Sofia, ihrer Namenspatronin.

Ich war nach zweieinhalb Stunden auf Achse schon wieder ziemlich angeschlagen und musste mich erneut hinlegen. Aber nur anderthalb Stündchen. Zwei weitere Ibuprofen waren fällig. Jaja, ich weiß, nicht schimpfen. Waren für heute die letzten.

In der Karte, die ich gestern in der Touri-Info-Bahn erhalten hatte, wurde als absolutes Muss die Kirche von Sts. Nikolaus und Pantaleimon beschrieben, die in einem Vorort von Sofia, Bojana, liegt. Das Kirchlein ist zum einen sehr alt, der Grundbau wurde im 10. Jahrhundert begonnen, zum anderen kann man Fresken aus der Mitte des 13. Jahrhunderts bestaunen.

In Sofia funktioniert Google Maps deutlich besser als in Belgrad, und zusammen mit der Tatsache, dass Busse und Bahnen hier sehr zuverlässig zu sein scheinen (zudem alle klimatisiert und mit Kreditkartenlesern ausgestattet!) kann man die Stadt sowie die Vororte gut mit ÖPNV erkunden. Zur Kirche brauchte es halt ein winziges bisschen. Dort angekommen, muss man noch einen kleinen Hügel hochkraxeln, um dann… vor drei riesigen Reisebussen zu stehen. Das ist ein Problem, denn die Kirche darf immer nur von zehn Personen zeitgleich besucht werden, und jede Gruppe hat ein Zeitfenster von 10 Minuten. Ich sollte laut Kassiererin mehr als eine Stunde warten. Zwar lag ein Café am Fuße des Hügels. Aber, poah, ich wollte nicht in meinem Zustand runterlatschen und dann wieder hoch. So setzte ich mich gottergeben auf eine Bank und begann mein Tagebuch für heute. Es kamen natürlich auch nach mir noch Besucher, auch in kleinen Gruppen. Ein schmieriger Reiseführer der großen Gruppe vor mir schmuggelte girliehafte Nachzüglerinnen mit in seinen Pulk, wenn sie nur ausreichend albern kicherten. Andere Besucher kritzelten geänderte Einlasszeiten auf ihre Zugangskarte. Sachma! Also galt, „When in Rome, do as the Romans… äh… other Tourists do“. Nach 45 Minuten stand ich mit meinem Ticket wedelnd vor der Kirchentür, krähte „I’m next!“ und war drin. Die vergebene Einlasszeit wurde nicht geprüft.

Leute, das Warten hat sich gelohnt! Fotografieren war nicht gestattet, daher gibt’s nur Bilder aus dem Büchlein, dass ich gekauft habe. Aber das kann nicht wiedergeben, wie kunstvoll es drinnen aussieht. Dieses Kleinod steht zurecht auf der UNESCO Kulturerbe-Liste! Natürlich ist nicht alles picobello erhalten, aber das macht es gerade interessant, weil man die verschiedenen Schichten der Bemalung sehen kann. Die Art der Darstellung ist völlig untypisch für die Zeit, die Heiligen sind nahbarer dargestellt. Fantastisch und definitiv einen Besuch wert. Kleiner Tipp: Man kann angeblich auch online ein Zeitfenster buchen. Die Erläuterungen fallen natürlich dürftig aus. Multinationale Gruppen sind da schwer zu bedienen.

Ich lief den Hügel hinunter und fuhr Richtung Zentrum, wobei ich den Faltplan der Touri-Info studierte. Oh, sieh da, eine Skybar, die auf meinem Weg liegt. Im 28. Stock des Grand Hotels Millenium. Da musste ich hin. Hm, das war schon in der Lobby alles sehr edel und schick. Ich musste an mehreren Concierges vorbei, um mir den Weg zu erfragen. Oben angekommen wurde ich schwer gemustert. Man bedenke, ich unrasiert, in einer linnenen Schlabberhose, mit roter Nase und Schweißperlen auf der Stirn. Inmitten der geschniegelten und gebügelten High-Snobiety. Aber man war gnädig, ich durfte hinein, nur der zugewiesene Tisch sei in einer Stunde anders vergeben. Jaja, kein Problem.

Ich bekämpfte meine Bakterien oder Viren oder was auch immer dann mit einem Millenium-Spritz und das bei einer spektakuären Aussicht. Zwar war mein Tisch nach Osten raus, aber der Gerry hüpfte natürlich, nachdem er bezahlt hatte, noch zu allen anderen Himmelsrichtungen, um Fotos zu machen, die Etepeteterie um sich herum ignorierend. Als ich ging, las ich erst das Schild, das „Dresscode“ ab 18 Uhr vorschrieb. Tja, offensichtlich ging mein Schlabberlook als Bohème durch 🙂 Da ich ja immer auch mit Gotteshäusern auf meinen Touren rechnen muss, laufe ich wenig mit kurzer Hose durch Städte. Ich glaube, dann hätte ich den Ansprüchen nicht genügt.

Es war inzwischen 20 Uhr. Noch ausgehen? Mit Triefnase? Ich beschloss, im Hotel etwas aus einem Imbiss zu mir zu nehmen, zu schreiben und dann auch wieder früh zu Bett zu gehen. Auf dem Maria-Louise-Boulevard, in Rufweite meines Hotels, gibt es Döner- und Pizzabuden zu hauf. Der Boulevard ist übrigens nach Marie Louise Pia Teresa Anna Ferdinanda Francesca Antonietta Margharita Giuseppa Carolina Bianca Lucia Apollonia di Bourbon benannt, aber das hätte so ja auf kein Straßenschild gepasst. Sie wurde nur 29 Jahre alt, nachdem sie dem (späteren) bulgarischen Zaren Ferdinand vier Kinder gebar.

Und so sieht dann ein echtes Männeressen auf dem Hotelzimmer aus. Bier aus dem Minimarkt, Döner mit alles und scharf aus der Pommesbude. Döner wird hier ein bisschen anders interpretiert als bei uns. Zum Beispiel werden auch Pommes mit eingerollt und dann wird alles noch einmal gegrillt. Ja, was soll ich sagen, das war teilweise sehr lecker, aber ich musste die total lätschigen Pommes aus dem Döner rauspulen, das ging ja mal nun gar nicht.

So, was halten wir denn von all dem hier? Nun, mir gefällt es hier trotz widriger Umstände. Sofia ist der fleischgewordene Traum eines jeden Stadtplaners! So viel Platz! Breite Boulevards, große Plätze, viel Grün. Viel widersprüchliches hat dieser Flecken Erde, in Reiseführern spricht man dann immer von „vibrierend“! Es ist wieder eine ganz andere Stadt als Bukarest, Sarajewo oder Tirana, hat ein komplett unterschiedliches Flair als Chișinău oder Belgrad. Man spricht immer vom „Balkan“. Aber München und Köln sind ja nun auch zwei gänzlich verschiedene Welten. Dä (ich muss mir mal dieses „Dä!“ wieder abgewöhnen, wo habe ich das nur aufgeschnappt?).

Einen Zahn muss ich noch ziehen. Sofia ist absolut nicht preiswert! Es ist hier teurer als in Belgrad, es ist manchmal sogar teurer als in Köln. Taxifahren und ÖPNV sind billig. Eine Tafel Schokolade der lilanen Sorte aber kostet im Kaufland im Angebot (!) 3 Euro. Trinkbarer Wein ab 8 Euro. Der Cocktail (naja, edle Umgebung) schlug mal eben mit knapp 15 Euro zu Buche. Ein Kioskbier 1,20 Euro. Ich nehme aber an, man kann Sofia nicht mit Bulgarien an sich gleichsetzen. Je nachdem, wie es mir morgen geht, buche ich vielleicht noch eine Landpartie, dann könnte ich da mehr zu sagen.

Ja, Ihr Lieben, ich hoffe Ihr seid nicht zu genervt von meinem Infekt-Gejammer (WARUM ICH???) und habt trotzdem Spaß, mit mir die Stadt zu entdecken. Ich hoffe, wir sehen uns morgen alle topfit hier wieder! Liebe Grüße, Euer

*) ich mag Köln ja, sonst würde ich nicht so oft darüber schimpfen!

P.S.: Hier das Bild eines Spielplatzes in Bojana. Auf diesem werden die unschuldigen Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen, später alle schwul, lesbisch oder schlimmeres und als Erwachsene zwingen sie Anderen das Gendern auf!

P.P.S.: Mein Gott, jetzt gehen Sie doch mal wieder zum Friseur!

Balkan 2025 (Tag 7): Auf nach Sofia oder wie Gerry sich mal ausruhen musste

Ihr Lieben!

Der feine Herr hat heute morgen statt auf die Schlummertaste des Handys auf die Alarm-Aus-Taste gepatscht. Das war nicht weiter dramatisch, aber das Frühstück musste ich ausfallen lassen, sonst wäre es hektisch geworden. Immerhin konnte ich mir auf dem Zimmer Nescafé machen. Ich duschte, packte gemütlich, checkte aus und orderte mir ein YandexGo-Taxi, das mich für etwa 20 Euro zum Flughafen brachte.

Alles rund um den Flug verlief einwandfrei, natürlich propellerten wir wieder. In Sofia gibt es eine Metro in die Stadt, die kann man mit Kreditkarte betreten. Das System habe ich noch nicht ganz verstanden, aber eine Fahrt kostet 1,60 BGN, egal ob Bus, Bahn oder Scottys Transporter. Und das Tagesmaximum scheint auf 4 BGN gedeckelt zu sein. Ich werde es an der Kreditkartenabrechnung sehen. BGN kann man übrigens leicht umrechnen, einfach durch 2 teilen. Wie bei der DM. Das Hotel liegt dann von der Metrostation Serdika etwa 10 Minuten Fußweg entfernt.

Als ich am Hotel ankam, checkte gerade eine größere Rockergang ein. Also, eine der zivilisierteren Art. Männer kurz vor der Midlife-Crisis halt. Das Hotel ist okay, die Gegend schäbig, das Zimmer klein, das Bad winzig. Das ist nach der Hütte in Belgrad ein Abstieg. Für 4 Nächte wird es gehen.

Ich machte mich auf eine erste Erkundungstour. Minimarkt um die Ecke. Wir wurden keine Freunde. Kaufland (sic!) in der alten Stadthalle. Sehr schön. Sind jetzt schon best buddy’s. Einkäufe ins Hotel gebracht, durchs Viertel gelaufen.

Alles ziemlich verwahrlost. Ab zur Alexander-Newsky-Kathedrale. Fast jede dritte Kapelle heißt ja nach ihm, dem Nationalhelden Russlands und ranghohem Heiligen der orthodoxen Kirche. Da war gut was los, davor war groß für ein Konzert aufgebaut. Die Glocken schepperten, klingelten und dingdongten ohne Unterlass in einer schrägen Sinfonie. Drinnen verblasste Pracht, aber immer noch schwer beeindruckend. Auf den Nebenplätzen Ikonenanbieter, Kunsthandwerker und Tinnefverkäufer.

Ich machte einen kleinen Schlenker am Haus des Kommunismus, an der Banja-Baschi-Moschee vorbei, hin zu der in einem Straßenbahnwaggon untergebrachten Touristeninformation. Dort erfuhr ich auch den Grund für Gebimmel und Konzert: es war Tag der bulgarischen Einheit. Vor 140 Jahren schlossen sich an dem Tag das Königreich Bulgarien und die Provinz Ostrumelien zusammen.

Ja, und dann, dann war mir ein bisschen schwummrig und ich kehrte zurück in meine Bleibe, um mich kurz hinzulegen. Das war um 19 Uhr. Um 22 Uhr wachte ich kurz auf, machte mich richtig bettfein und schlief bis 8 Uhr früh. Puh. Da hat es aber einer nötig gehabt.

Daher bekommt ihr meine Erlebnisse von gestern jetzt auch live aus dem Frühstücksraum.

Heute gehe ich dann mal alles etwas gemütlicher an. Bis heute Abend, Ihr Lieben! Euer

So lächeln Sie doch um Himmels Willen einmal!

Balkan 2025 (Tag 6): Donau und Save oder Wie Gerry zum zweiten Mal in Jugoslawien war

Ihr Lieben!

Das Dachfenster in meinem Skadarska-Hotel schützt natürlich nicht vor Gästen, die nachts rakijatrunken über die Gänge taumeln und dabei herumkreischen. Herrjeh. Ich saß senkrecht im Bett! Ob der Rakija hier so gut ist, wie der in Sarajevo?

Mein Programm heute war wieder stramm, aber locker, dialektisch halt. Ich plante, Tito meine Aufwartung zu machen (schwierige Person, siehe ebenfalls Bericht zu meiner Bosnien-Reise), das Museum für moderne Kunst zu besuchen, den Gardoš-Turm zu erklimmen, über Donau und Save zu schippern und dann auch noch pünktlich zum Abendessen bei Velika Skadarlija zu erscheinen. Das ist mein Frühstücksrestaurant, für das ich einen Rabattgutschein habe und in dem ich morgens schon einen Platz reserviert habe. Die Bootsfahrt hatte ich noch am Vorabend vom Hotelzimmer aus gebucht.

Zum Frühstück gab es heute den Serbischen Teller. Liebe Ike, falls Du mitliest: ich hatte ein bisschen Angst, dass das in etwa so etwas wie auf unserer Reise nach Edinburgh war (man kann mich danach fragen, sollte es aber besser lassen). Aber es war dann ein Schinken-/Wurst-/Käse-Teller mit Brot. Puh!

Los ging es mit dem Gardoš-Turm, u.a. weil es das entfernteste Ziel war. Der wurde vor knapp 130 Jahren zur Erinnerung der Besiedlung der pannonischen Tiefebene durch Ungarn auf den Überbleibseln der Festung in Zemun errichtet. Von Zemun aus klettert man hunderte Stufen der sogenannten Dabižić-Treppe zum Monument hinauf, um dann im Turm noch einmal 64 weitere raufzukraxeln. Man hat von oben einen spektakulären Blick auf Belgrad und Donau. Der Turm an sich ist auch sehr schön. Schilder weisen darauf hin, dass Graffiti eine Straftat seien, aber in jeden erreichbaren Ziegel auf der Aussichtsplattform hat sich jemand verewigt. Die älteste Eintragung, die ich auf die Schnelle fand, war von 1908.

In uunmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kirche des Heiligen Großmärtyrers Dimitri. Ich weiß nicht warum, aber ich habe ein Händchen dafür, in Zeremonien zu platzen, diesmal war es eine Beerdigung, die vorbereitet wurde. Ich zog mich dezent zurück. Der Friedhof der Kirche hat auf Google nur 5-Sterne-Bewertungen, aber keine äußert sich zur Liegequalität. Aber es ist schon sehr friedlich dort. Einem der Steinmetze müsste man nur einmal sagen, dass bestimmte Anordnungen von Grabtafeln eher ungünstig sind. Neben dem Turm gibt es eine Restaurant-Terrasse, da gönnte ich mir wieder eine Limonata. Ist schon ein gei… äh… leckeres Zeug.

Auf ins Museum für zeitgenössische Kunst! Das liegt dann auch noch jenseits der Save, quasi in Transsavien, nahe der Donau in einem etwas verwahrlosten und vertrockneten Park. Es war gerade Mittag und die Sonne brannte auf mein ehemals von goldenen Locken gekröntes Haupt. Gefühlt waren es 40°C, das Thermometer zeigte „nur“ 34°C an. Das Museum ist von Außen ein ungelungener Zweckbau, vor dem wie verloren einige moderne Skulpturen herumlungern. An der Kasse erklärte man mir, ich habe Glück, denn da die Ausstellung komplett umgebaut würde, käme ich in den Genuss eines reduzierten Eintrittspreises. Tja, so definiert jeder Glück auf seine Weise. Es blieb nämlich nur eine sehr nette Ausstellung im Foyer übrig, Werke von Dragana Ilić, hier ausschließlich Portraits. Gezeichnet und modelliert. Da waren einige sehr schöne Stücke bei. Aber ich hätte natürlich gerne mehr gesehen.

Als wäre heute Tag der Museen, beschloss ich, das Museum Jugoslawiens zu besuchen. Und tatsächlich war ich als Jugendlicher 1987, sieben Jahre nach Titos Tod, aber noch vor den Balkan-Kriegen, in Jugoslawien. Auf der kroatischen Insel Hvar. Da haben mein Bruder Oliver und ich allerhand Schabernack getrieben. Ohne Helm und Führerschein Motorrad gefahren. Ist verjährt.
Als junger Mann hat mich das Konstrukt der Räterepublik ja beeindruckt. Kroatien hat sich dann 1991 von Jugoslawien abgespalten. Und jetzt das Museum, auch Jugoslawien. Kernstück ist das Mausoleum von Josip Broz Tito (großes Grab) und seiner Frau Jovanka (kleines Grab), genannt das Blumenhaus. Jovanka war 32 Jahre jünger als ihr Mann, starb dann aber auch erst 33 Jahre später. Sie fristete nach Titos Tod ein fürchterliches Dasein.

Die Fahrt ins Museum war abenteuerlich, da Maps mich mal wieder gehörig an der Nase herumführte. Irgendwann stand ich an einer Station, von der ich wusste, hier muss ich den Trolleybus Nr. 40 nehmen, der hält genau vor dem Museum. Allein, der Bus kam nicht. Und Google flötete alle 10 Minuten „Na, wie ist es? Ist der Bus voll?“. Nach 25 Minuten kam einer, der war so voll, da passte keiner mehr rein. Weitere 15 Minuten vergingen, da konnte ich mich in einen reinquetschen. Nach 50 Metern Fahrt stimmte mit dem Stromabnehmer etwas nicht. Alle wieder raus und in den nächsten Bus. Ehrlich, ich fühlte mich fast wie daheim. Langen Wartens kurzer Sinn: Irgendwann kam ich an. Das Mausoleum (s.o.) hatte ich nach ein paar Minuten abgehakt.

Das Museum besteht aus zwei weiteren Teilen, eines davon ein langes, schmales Haus, in dem Devotionalien der Revolution und Gastgeschenke von Staatsbesuchen, Plakate und Waffen, Dokumente und so allerhand anderer Krimskrams untergebracht sind. Das ist teilweise informativ, aber mehr etwas für wahrhaftige Nerds. Im dritten, dem größten Museumsbau konnte nur ein Saal besucht werden. Hier beschäftigte sich eine Ausstellung mit Leben und Wirken von Veljko Vlahović, einem montenegrinischen Politiker der kommunistischen Bewegung. Das war auch eher was für Spezialisten. Ich wusste bis dato gar nicht, dass das eine so zentrale Figur war, ja, dass es den gab.

Der Standortleiter, der für die Vitrinen verantwortlich zeichnet, verdient dfür übrigens keinen Orden. Und Titos Krawattengeschmack? Naja, so war das vor 50 bis 70 Jahren. Aber das Teeservice als Gastgeschenk, das wäre eine Kriegserklärung wert gewesen!

Ich musste langsam zum Boot. Vorher wollte ich noch kurz ins Hotel, um mich frisch zu machen. Das hat auch diesmal wieder gut geklappt. Vom Hotel zum Treffpunkt mit dem Bootsmenschen dann leider wieder nicht. Die Straßenbahn 2 kam und kam nicht, da musste ich zu Fuß sprinten. Das Frischmachen im Hotel war somit für die Katz. Muss in Bulgarien übrigens mal dringend Sachen waschen lassen, bei der Hitze verbraucht man ja dreimal so viel Klamotten wie sonst.

Ich kam dann eine Minute vor dem Termin an, da war aber noch kein Tourguide. Ich setzte mich auf die Stufen einer Schule, wo schon eine italienisch-serbische Kleinfamilie hockte. Wir wechselten drei, vier Wörter. Darko erschien, zählte uns durch und wir liefen den Stadthügel hinunter Richtung Donau, wo er einiges über die auf dem Weg liegenden Sehenswürdigkeiten erzählte. Älteste Bar Serbiens, erstes Basketballspiel in Belgrad, die Kirche dies, das Gotteshaus das, Palast der Fürstin Ljubica. Schon ganz interessant.

Das Boot war pickepackevoll, wir bekamen eine Tourecke zugewiesen. Ich saß durch Zufall mit Papa italiano, Mama srpskaja und Tochter an einem Tisch. Sie wollten mich dann unbedingt zu einem Getränk einladen und ich wollte doch einen Aperol Spritz. Neinnein, das sei ja viel zu teuer… Nix zu machen. Wir haben uns dann auch ganz nett viersprachig unterhalten. Die Ausführungen über den Bordlautsprecher verstanden wir nicht richtig, aber die Fahrt die Save runter, wieder hoch, auf die Donau und zurück war dennoch nett, da wir auch den Sonnenuntergang mitbekamen. Und da ich die so nett fand, ein Appell: Papa (den Namen weiß ich nicht, aber er kommt aus Recanati, dem Geburtsort Beniamino Giglis) hätte – glaube ich – furchtbar gerne einen Audi. Wer sponsort ihm einen?

Um 19:30 Uhr landeten wir an und es war höchste Zeit, ins Restaurant zu kommen, wo ich ja für 20 Uhr reserviert hatte. Diesmal fuhr die Linie 2 und ich war pünktlich. Aber man fand meine Reservierung nicht. Hm, das sei aber schade. Ich würde dann woanders… neinneinnein, da, setzten Sie sich da hin! „Da“, das war eine finstere Ecke, wo der Tisch total versaut war. Ein Kellner kam, räumte den gröbsten Dreck weg, legte mir mit der überschwänglichen Begrüßung“For Dinner?“ Serviette und Besteck hin und entschwand. WHAT? Selbst in der Finsternis konnte man die Flecken auf der Tischdecke Samba tanzen sehen. Ich räumte alles ab, drehte die Tischdecke rum und stellte alles wieder an seinen Platz. Der Kellner erschien wieder und schmiss wortlos eine Speisekarte auf den Tisch. Die ich nicht habe lesen können, weil es so finster war. Wein- und Getränkekarte hatte er sowieso nicht mitgebracht, also schaute ich online. Tja, ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich hatte dann Wartezeit, obwohl der Herr Ober dauernd um andere Tische herumscharwenzelte, und so verstieg ich mich in den Verdacht, ich sei keine Kunde, den er gerne hätte. Und ging. Also, wenn die Damen gesagt hätten, Mist, da hat wer gepennt, tut uns leid… alles ok. Aber sie haben es durch den Katzentisch leider schlimmer gemacht und so komme ich jetzt nicht herum, eine übellaunige Rezension zu schreiben. Ich hatte keine Lust, jetzt überall wieder nachzufragen, es war wieder alles sehr voll, und so versorgte ich mich an einer Imbissbude mit einem Sandwich zum Mitnehmen und im Kiosk mit einer Flasche Wasser. Wein hatte ich ja noch ausreichend. Und so versorgt begab ich mich ins Hotel, wo ich gerade diese Zeilen zu Papier… ähja.

Das war wieder ein Tag! Eine Freundin schrieb heute, dass ich ja wohl Urlaub bräuchte, wenn ich wieder zuhause sei. Wahrscheinlich hat sie recht. Aber es war wieder sehr erlebnisreich. Das mit dem Kunstmuseum finde ich etwas traurig, aber der Turmbesuch, das andere Museum und die Bootsfahrt waren total nett. Ich bin immer noch nicht in Belgrad verliebt, aber es ist eine spannende und vielseitige Stadt, die durchaus einen mehrtägigen Besuch verdient.

Morgen fliege ich nach Sofia, eingecheckt bin ich bereit. Ich befürchte, wir propellern uns wieder von hier fort. Aber der Flieger geht erst gegen 13 Uhr, ich werde lange ausschlafen, lange frühstücken und dann ganz gemütlich zum Flughafen gondeln. Wir sehen uns dann morgen Abend in Bulgarien! Ich freue mich dort auf Euch, Euer

P.S.: Die kanadische und die deutsche Botschaft liegen sich in der Kneza Miloša gegenüber. Beide haben die Regenbogenflagge gehisst. Das ist in Serbien unter den momentanen Umständen ein sehr starkes Zeichen! Ich liebe es! Leider aus dem fahrenden Bus heraus aufgenommen, daher fast eher Suchbilder.

Dies ist kein politischer Blog, aber der Autor ist nicht unpolitisch. In Serbien kommt es derzeit landesweit zu vielen Protesten, die auch gewaltsam niedergeschlagen werden. Zudem gibt es Gewalt gegen LGBTQIA+-Personen. Wollte ich nicht unerwähnt lassen.

Balkan 2025 (Tag 5): Singidunum oder Der Tag, an dem es hoch hinaus ging

Ihr Lieben!

Gott, was war ich morgens bematscht. Man ist halt keine… ja eben. Das Frühstück gab es in einem Restaurant vier Häuser weiter, für das hatte ich auch einen Rabattgutschein für ein Abendessen bekommen. Mal sehen, ist schon nett hier, vielleicht am letzten Abend. Zuerst wurde mir ein Tischchen mit Toast und Marmelade gezeigt, plus ein paar Frühstücksflocken. Na prima. Ich bekam dann aber nach Platznahme noch eine Frühstückskarte. Und so sieht dann das Rührei für 650 RSD (5,55 €, für mich gratis) aus:

Die Fritten ließ ich liegen, das kann selbst ich morgens nicht. Der festere Käse war unglaublich sauer, auch eher was für abends. In den Frischkäse habe ich mich schon gestern verliebt. Kajmak. Soooo cremig und lecker!! Das Ei, das Brötchen und der Kaffee waren ebenfalls klasse.

Mein erster Weg führte mich die Knez Mihaila-Straße entlang zur Festung, die über dem Zusammenfluss von Donau und Save im Kalemegdan-Park thront. Die Straße ist jetzt so im Ganzen kein ausgewiesenes Schmuckstück, irgendwie eine Belgrader Schildergasse, aber zumindest verstecken sich bei genauerem Hinsehen nicht wenige schöne klassizistische und jugendstilistische Häuser in den Zeilen der Fußgängerzone.

Das Festungsgelände ist sehr weitläufig. Der Kalemegdan ist drölftausend Male zerstört und wiederaufgebaut worden. Aber war scheinbar nie richtig kaputt. Es gibt Gebäude aus allen erdenklichen Perioden der Geschichte: ottomanische, römische, serbisch-barocke und wasweißichische Reste sind zu bestaunen. Hier kann man gut etwas Zeit einplanen.

Ich legte eine kleine Pause in einem netten Restaurant ein, deren obere Terrasse von Landgängern eines deutschen Ausflugsdampfers der Reederei Phoenix geflutet war, die beim Anblick der ihnen servierten Fleischberge vor lauter Ahs und Ohs gar nicht zum Essen kamen. Ich bin ja viel mit Phoenix gereist, daher darf ich lästern. Man erkennt die „Albatrosse“ an den Schlüsselbändern und Rucksäcken in dem scheusslichsten Türkis, das die Farbpalette zu bieten hat, und natürlich an ihrem hohen Alter. Ich bestellte eine Limonade, die war so sauer, dass ich dieses Jahr kein Facelifting mehr benötige. Aber lecker.

In den Festungsmauern befindet sich ein mittelalterliches Foltermuseum. Das besuchte ich dann auch. Es ist schon faszinierend, was für grausliche Dinge sich der Mensch ausdenken kann. Das Museum ist da recht übersichtlich. Untermalt wird die Ausstellung mit Stöhn- und Wimmerlauten aus Lautsprechern, das hätte man sich schenken können. Ein „Folterinstrument“ hätte ich gerne entwendet, um es zuhause den Straßenmusikern auf der Breiten Straße anzulegen, die Schandflöte. Aber da reicht eine ja nicht. Nebenbei, es wird oft auf das Foltermuseum in Rothenburg o.d.T. referenziert. Da war mein Professor für Rechtsgeschichte damals iwie dran beteiligt. Der hat zu Folter auch einen mordsmäßigen Schinken geschrieben, den wir alle kaufen mussten. Er war ein kleines bisschen besessen von der Thematik.

Es gibt ja Dinge, von denen ich denke, dass sie völlig überbewertet sind. Strickhäkelklöppelgedöns (insbesondere Makramee!), Keramiken und Kupferstiche. Es gibt Ausnahmen, so habe ich in Südafrika einmal einen Keramikteller erworben, um den mich einige beneiden. Kann ich halt jetzt nicht zeigen. Im Torbogen, der als Eingang zur Festung dient, gibt es einen Laden für Reproduktionen antiker Karten und Kupferstiche. Da lachte mich die aus dem 16. Jahrhundert stammende Grafik „Die Welt unter der Narrenkappe“ an. Die MUSSTE ich kaufen! Die ist sowas von aktuell. Der Ladenbesitzer war begeistert von meiner Wahl, es sei eines seiner Lieblingsstücke. Wir plauderten noch über die ein oder andere Narretei in der Welt, vermieden aber, zu politisch zu werden. Wichtig in dem Zusammenhang: Kühlschrankmagnete sind keinesfalls, nie nie nimmernicht überbewertet! Und die niedlichen Häschenfiguren, die ich an einem Stand in der Uliza Knez Mihaila kaufte, auch nicht! Dä!

Hey, erwähnte ich, dass ÖPNV in Belgrad gratis ist? Das habe ich dann auch ein bisschen ausgenutzt. Vor allem, weil auch ältere Busse klimatisiert sind. Nur schade, dass Google Maps die Haltestellen nicht so richtig kennt. „Hier jetzt einsteigen.“ – „Aber hier ist keine Haltestelle…“ – „HIER JETZT EINSTEIGEN!“. Auch beherrscht Maps zwar vielleicht die Zahlen, aber die Grundrechenarten nicht. „Fahren Sie jetzt 11 Minuten und gehen dann 37 Minuten zu Fuß.“ Hey Google. Schon Mal was von umsteigen gehört? So geriet ich auf abenteuerlichen Wegen – aber immerhin dennoch – zum Dom des Heiligen Sava. An diesem Tempel wurde lange gebaut. Es kamen ideologische, künstlerische, kriegerische und sonstige Probleme dazwischen. Eigentlich sieht er selbst heute noch nicht komplett fertig aus. Aber nur an kleinen Stellen. Das Gotteshaus ist ansonsten schon gigantomanisch. Auch in positivem Sinne.

Wenn wir uns die Fotos genauer ansehen, dann fällt auf, dass nur ein Nackter in die Kirche darf. Es gibt ansonsten strenge Vorschriften, wer so alles mit was reindarf. Bloß kontrolliert dies keiner (das war in der Kirche in Bender ja anders, da mussten sich die Polinnen in Laken hüllen) und so rauchte auch ein junger Mann ungeniert im Eingangsbereich. In Köln wäre ich ausgerastet, aber hier bin ich kein Missionar. Ich bin selbst nicht gläubig, aber diese Respektlosigkeit ist unfassbar. Apropos Respektlosigkeit: Die vielen kleinen Heiligenpulte werden in regelmäßigen Abständen von Gläubigen abgeknutscht. Und ja, es ist nicht nur à la Wienerischer Handkuss, der so in der Luft verharrt. Was mich interessiert: Gibt es Statistiken zu Lippenherpes unter den Gläubigen? Lesetipp zu der Thematik: Gerald Durell „Meine Familie und anderes Getier“.

Inzwischen war es [durstig]°C heiß und ich erinnerte mich an das Shopping-Center mit Dachterrasse am Ende der Knez Mihaila, zu der ich dann mit fast 40 Jahre alten Straßenbahnen fuhr. Unklimatisiert. Klar, auch ein Erlebnis, aber Straßenbahnen haben es in dieser Stadt nicht leicht, in der jeder fährt, wie ihm beliebt. Busse können ausweichen, Bahnen nur in Zeichentrickfilmen.

Ich orderte ein großes Bier. Das gäbe es nicht. Ich nahm daher zwei, was die Bedienung auflachen ließ. Der Blick ist soo dolle nicht gewesen, aber zumindest wehte eine kleine Brise. Und es gab Musik aus den 80ern und 90ern. Neneh Cherry, Salt ’n Pepa. Lovely. Ich fühlte mich jung.

Mein Gott, so lächeln Sie doch bitte einmal!!

Durch die Seitenstraßen der Fußgängerzone mäanderte ich mich Richtung Hotel. Es gibt so einiges zu sehen, man verkauft Obst, selbstgeschnitzte Flöten, Bilder, seine Bücher auf den Straßen. Apropos Bücher: Die Uliza Knez Mihaila hat mehr Buchläden als Phone-Shops, insofern ist sie der Schildergasse doch deutlich überlegen. Und wenn wir schon dabei sind, ich finde ja, dass hier eine Städtepartnerschaft drin sein sollte. Es gibt so einiges, was man teilt (Bauzeiten Kirchen z.B.) und einiges, wo man voneinander lernen könnte. Bei letzterem vor allem in Ost-West-Achse gedacht. Z.B. dass man nicht alle drei Jahre alle Straßenbahnen neu kaufen muss, die dann auch noch andere Bahnsteige brauchen und für die es keine Ersatzteile gibt und so die Verkehrsbetriebe trotz horrender Fahrtkosten in den Ruin zu treiben. Sorry, Köln-Bashing beendet 🙂

Ich kaufte Wasser, Kekse und doch noch einen Wein (denn womöglich stellte sich der moldawische Sekt nachher als völlig untrinkbar heraus) und machte ein kleines Nickerchen im Hotel. Hier ist übrigens alles deutlich teurer als in Chișinău. Deutlich! Manchmal ist das Preisniveau selbst über dem deutschen. Beim Essen geht es noch, Bier kein Unterschied, Weine im Supermarkt nicht unter 10 Euro die Flasche.

Diesmal schaffte ich es, mich nach 30 Minuten wieder aufzuraffen. Ich wollte unbedingt ins Tesla-Museum. Das Bus-und Bahnfahren hatte ich auch langsam raus und so war ich schnell vor Ort, um erschreckt festzustellen, dass eine ellenlange Schlange davor stand. Ich wollte schon resignieren, da setzte sich der Lindwurm in Bewegung. Es erwies sich, dass es stündlich Führungen gab, und ich war zufällig pünktlich. 800 Dinar Eintritt wurden mir abgeknöpft. Das Museum befindet sich in einer Privatvilla. Es gibt eine Handvoll winziger Räume mit ein paar technischen Geräten und Vitrinen mit persönlichen Gegenständen. Die Maschinen durften nicht angerührt werden, taten aber von sich aus auch nichts. Kaum bzw. wenige Erläuterungen. Ich fragte an der Kasse, ob es noch eine Etage gäbe. Nein, aber ein Tour. Ich solle mich zu den anderen setzen, einen Film gucken und dann würde ein Mitarbeiter ausgesuchte Geräte vorführen. Ok. Der Film begann zu spät, man wartete auf eine Gruppe, für die die erste Reihe einer völlig überfüllten Stuhlinstallation vor einer Projektionsfläche reserviert war. Die hastete 10 Minuten später herein und brachte eine Dame mit, die die ganze Zeit die Midinette aus „La Bohème“ gab, nur nicht so dezent. Wie? Was das bedeutet? Ach Leutz, ich kann doch nicht alles für Euch googeln. Ihr Rumgerotze übertönte auf jeden Fall den Film, bis sie sich entschloss, nach draußen zu gehen. Fünf Minuten später hustete mir jemand in den Nacken (ich saß in der letzten Reihe des völlig überfüllten Vorführraums), Mimi war zurück. Ich stand auf und stellte mich ans Ende des Raums. Mimi hatte eine Attacke und folgte mir. Ich fragte sie dann, ob sie nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. Natürlich verstand sie mich nicht. Die Vorstellung, jetzt inmitten von 60 Menschen plus Mimi bei der Vorführung der miniaturgleichen Aufbauten zuzusehen, gab mir den Rest. Ich ging. Mal ganz abgesehen von der bekloppten Puccini-Dame, alles war eine einzige große Verarsche. In der Urne in der ersten Nische befanden sich wahrscheinlich auch nicht die sterblichen Überreste von Tesla, sondern die Asche von Großmutter Swetlana. Ich rate dringend von einem Besuch ab!

Ich war etwas gefrustet und scannte den Stadtplan nach Attraktionen in der Nähe. Ah, der historische Cvetni Trg, der Blumenplatz. Nix wie hin. Tja, was jetzt an dem Platz auch immer historisch gewesen sein soll… jetzt einfach nur Cafés und hässlicher Beton-Springbrunnen. Naja, eine nachdenkliche Statue von Borislaw Pekić gab es auch noch. Grmpft.

Ich tippte „Roof Top Bar“ in mein Handy. Ich will jetzt schon wieder über Google Maps schimpfen, aber Ihr wollt das nicht hören. Kurz: Nachdem ich mich weigerte zu glauben, dass ein DM-Laden (ja der DM, den gibt es selbst in Sibirien) über eine Dach-Bar verfügt, wurde ich ein Haus weiter fündig. Im Hotel Lumiere im 10. Stock sollte es einen schönen Sonnenuntergang geben. Naja, man hätte mindestens ein Haus abreißen müssen, um das schön zu finden. Aber es gab einen sauleckeren, dafür aber auch sauteuren, winzigen Cocktail, dessen Name ich jetzt vergessen habe. Shanghai irgendwas. Mit Rum, Rum, Rum und Sahne.

Angeheitert lief ich Richtung Skadarska, um zu essen. Das war gar nicht so einfach, da alles ziemlich voll bzw. für mich nicht interessant war. Wer will schon Sushi in Serbien? Oder Pizza? Im völlig überfüllten Dva Jelena bekam ich durch viel Glück ein Plätzchen, das allerdings völlig versaut war; auf dem Boden türmten sich Speisereste. Man war zuerst etwas unwirsch, da aufzuräumen, aber als ich mich überschwänglich auf serbisch bedankte, wurde die Stimmung besser. Merke: immer die wichtigsten 10 Wörter lernen, bevor man verreist. Ich hatte, man muss sich ja auch der lokalen Küche widmen, Urnebes und Knoblauchfladen als Vorspeise. Das Brot triefte vor Knoblauchöl und Paprikapulver (?), herrlich! Dasderdie Urnebes ähnelte einem Obadzda und war ok. Als Hauptgericht geschmorte Ochsenbäckchen in einer fantastischen Sauce auf Püree. Besser habe ich sie bisher nur bei Petra gegessen, die hier übrigens mitliest.

Wenn man in der Touristenstraße Skadarska speist, zahlt man ein bisschen mehr. Dafür hat man dann aber auch gefühlte 100 Drei-Mann-Orchester, die schmerzerfüllte Weisen im Wechsel mit megafröhlichen Kolos aufspielen. Puh, das muss man mögen. Technisch ist bei den Musikanten nichts auszusetzen (die Schandflöte wäre hier ungerechtfertigt), aber Springtänze des Balkans und Klagelieder Serbiens sind für mich ein bisschen wie Makramée. Kratzig. Und da jedes Restaurant eine solche Kombo auffährt, bzw. diese von Etablissement zu Etablissement ziehen, dazu das Geschnatter tausender Touristen in einhundert Zungen… da ergibt Kakophonie auch für Nichtgriechen einen Sinn.

So, zweiter Blick auf Belgrad. Hab ja wieder ganz schön viel geschimpft. Aber ist nicht gerechtfertigt. Über das Teslamuseum breiten wir mal den Mantel des Schweigens. Ansonsten war es ein supertoller Tag mit unglaublich vielen Erlebnissen und es ist eine wunderbare zweite Station der Reise. Die meisten Menschen sind hier sehr freundlich und hilfsbereit. Es ist halt auch ein bisschen touristischer als in Moldau, aber durchaus nicht überlaufen. Wenn man von der Skadarska mal absieht. Mein Zimmer hat ja keine Fenster, sondern nur eine Dachluke nach oben. Dafür bin ich jetzt sehr dankbar.

Ich mache jetzt mal den moldauischen Sekt leer (geht so) und suche mir Divertissementchen für den morgigen Tag raus. Seid Ihr auch so gespannt, was es wird? Ich hoffe, Ihr seid dann wieder dabei. Liebe Grüße, Euer

„Wat sachste, Nikola?“ – „Ja, alles mächtige Verarsche hier!“
„Es tut mir nicht leid, dass sie meine Ideen gestohlen haben, es tut mir leid, dass sie keine eigenen hatten.“ Ah, Nikola, was hättest Du zu Deinem Museum gesagt? Oder zu Elon?

Balkan 2025 (Tag 4): Auf nach Belgrad oder der Lada der Lüfte

Ihr Lieben!

Ich erwähnte es bereits. Sieben Stunden Flughafen Bukarest!! Man hätte ja für drei oder vier Stunden in die Stadt reinfahren können. Aber mit Handgepäck und Sicherheitskontrollen und einstündiger Hin- und Rückfahrt? Zudem ich ja erst kürzlich ein paar Tage dort war. Außerdem war ich hundemüde, denn ich schaffte es nur, drei Stunden zu dösen, da gegen 21 Uhr das Kind vom Nachbarzimmer aus zu plärren anfing und nicht wieder aufhörte. Gar nicht. Mehrere Stunden. Hatte ich erwähnt, dass das Hotel extrem hellhörig ist? Ich duschte daher (übrigens Mango-Duschgel, ich fühlte mich danach zum Anbeißen – zumal ich ja auch in etwa die Form… äh…), schaute einen weiteren belanglosen Film, packte, kochte mir einen Bottich leckeren, löslichen Kaffees und rief mir gegen 2 Uhr ein Taxi.

Der Flughafen Chișinău ist relativ klein, es gibt weniger als 20 Schalter und gerade mal vielleicht 10 Gates. Aber die Zahl der Reisenden hatte in den vergangenen Jahren unglaublich zugenommen, wie auch Aleks zu berichten wusste. Daher war die Schalterhalle knüppelsvoll, der Security-Check mühsam und die Abflughalle völlig überlaufen. Übrigens kein Souvenirstand dort, d.h. keine Kühlschrankmagneten. Dennoch kamen wir pünktlich (HAHA!!!) weg. Auf dem Feld stockte mir erst einmal der Atem. Propeller war ich zwar schon, wenn auch lange nicht mehr geflogen, aber in so einer vorsintflutlichen Kiste…? Sah aus wie ein Lada mit Flügeln. Immerhin passte die Flugbegleiterin gut zur Maschine, sie hatte eine halbe 60er-Jahre Beehive-Frisur. Wie man sieht, haben wir es überlebt. In Bukarest dann erst Passkontrolle (rein in die EU), dann erneuter Sicherheitscheck (EINE Mitarbeiterin für 5000 Transitpassagiere!), dann wieder Passkontrolle (raus aus der EU). Ich suchte mir ein Café mit einer Bank, die an eine Wand angrenzte, und döste dreieinhalb Stunden bei einem Iced Latte und einem Wasser. Als mein Rücken nicht mehr mitmachte, lief ich erst ziellos herum, wechselte in ein anderes Etablissement und gönnte mir einen Sekt. Wenn schon hinüber, dann auch richtig.

Die restliche Wartezeit am Henri Coandă-Airport nutzte ich dann für ein Resümee zu meiner ersten Etappe. Also, das war ein schöner Auftakt. Chișinău ist ganz interessant, man kann tolle und lehrreiche Ausflüge in die Umgebung machen. Es gäbe auch noch weitere Burgen, Städtchen, Klöster, Naturparks, andere Weingüter zu erkunden, es liegt ja alles einigermaßen beisammen. Sogar eine zweite Autonomieregion gibt es, allerdings ist das Verhältnis Chișinăus zu Gagausien [gagaˈuːziən] im Gegensatz zu Transnistrien fast ungetrübt.

Man tut gut daran, eine Taxi-App vorzuinstallieren, zuhause schon eine eSIM zu aktivieren und Geld vor Ort nicht am Automaten zu ziehen, sondern nur geringe Mengen Euro an einer Wechselstube in kleine Lei-Scheine zu tauschen. Fast überall kann mit Karte (ich habe extra eine für Auslandseinsätze ohne Gebühren) bezahlt werden. Außer in Transnistrien, für dessen Besuch man zudem einen Pass mitnehmen muss, ein Personalausweis reicht nicht aus. Und für den Besuch eines Weinkellers eine warme Jacke sowie saubere wollene Unterwäsche ohne Löcher; kann ja immer mal was passieren und wie steht dann die Familie vor den Rettungssanitätern da?

Das Urlaubsleben ist sehr preiswert, ich schrieb es hier und da schon. ÖPNV umgerechnet 30 Cent, eine sehr gute Flasche Wein im Supermarkt oder Alko-Shop unter 5 Euro. Im Restaurant 15 Euro. Ein halber Liter Bier durchschnittlich 2 Euro. Für Essen habe ich nie mehr als 20 Euro ausgegeben, inklusive Wein und Wasser. Verständigen muss man sich halt auch mal mit ausladenden Gesten, eine schöne Übung für die nächste heimatliche Partie Scharade. Ja, und mit der Griesgrämigkeit der meisten Menschen… da muss man durch. Wahrscheinlich sind es alle herzensgute Menschen.

Um 13 Uhr ging es weiter nach Belgrad. Ein noch heruntergekommener Propeller wartete auf uns. Dafür war der aber nicht so voll und ich hatte meinen Nebensitz frei. Am Flughafen Belgrad lief alles wie am Schnürchen. Das Gepäck wartete schon am Ausgang. Ich war noch nie so schnell vor einem Flughafengebäude! Da stand dann auch ein Bus, in den ich schnell reinhüpfte, weil ich vorne etwas mit Zentrum gelesen hatte. Niemand wollte Geld von mir. Irgendwann bekam ich spitz, dass der Bus aber doch nicht richtig fuhr und stieg aus und nahm einen anderen. Kein Geld. Aber ein netter Fahrer, der meinte, ich müsse eine Station weiter aussteigen und eine Treppe zu einem anderen Bus laufen. Leute, ich dachte zuerst, der verarscht mich. Ich befand mich in einem Betondschungel, der einer Müllkippe glich. Durch einen Haufen Müll lief ich anderen Menschen hinterher, von denen ich annahm, dass die auch zu einer Bushaltestelle wollten. Keiner sprach englisch. Aber es gab dann tatsächlich eine. Ein Bus kam, ich fragte in die offene Tür hinein, ob der Bus ins Zentrum fährt. Keine Reaktion. Na super. Hinter mir dann die ersehnte Hilfe, ich solle einfach mit ihnen, einem jungen Pärchen, sie hochschwanger, mitfahren und – laufen. Er, eigentlich Montenegriner aus Kotor, hatte irgendwas mit Cargoschifffahrt zu tun und war auf der ganzen Welt unterwegs. Wir versicherten uns gegenseitig, dass wir in den jeweils schönsten Städten unserer Länder zur Welt kamen. Ja, und dann war ich an der Skadarska-Straße, wo mein Hotel ist. Wieder ohne bezahlen. Des Rätsels Lösung: Der ÖPNV in Belgrad ist für alle frei. Ist das mal geil?

Luxury Rooms heißt das Hotel. Wenn nicht immer solche Namen so hohe Erwartungen wecken würden… Aber es ist ein tolles Zimmer, mit Optimierungschancen. Ich trank ein Bier aus der eiskalten (!) Minibar, nistete mich ein und begab mich auf Entdeckungsreise in der Umgebung. Skadarska-Straße, Platz der Republik mit Nationaltheater und Nationalmuseum, Präsidentenpalast, die Markus-Kirche. Erst einmal alles von Außen. Und dann kündigte sich eine Schlechtwetterfront an, was mich zurück zu meiner Straße führte, aber nicht ohne noch kurz über den Markt zu schlendern, der natürlich um diese Uhrzeit fast ausgestorben war. Ich kehrte in die Boem Bar neben dem Hotel ein und aß eine Pljeskavica, eine sehr interessante Interpretation eines Burgers. Und wartete das Ende des Regens ab. Und wartete. Und wartete. Ich schrieb mein Tagebuch. Und wartete weiter. Laut Regenradar war alles schon vorüber.

Als es nur noch nieselte, sprintete ich zum Hotel. Zu einem Supermarkt musste ich gottseidank nicht mehr, denn die drei Flaschen Wein von Chișinău hatte ich alle wohlbehalten im Koffer über zwei Ländergrenzen spediert!

Mein erster Eindruck von Belgrad? Tja, die Schönheit erschließt sich vielleicht erst beim 87. Mal hingucken. Viel Soli hat die Stadt auf jeden Fall nicht erhalten. Es dominieren schreckliche Klotzbauten. Vieles ist verrottet, wobei wohl einiges auf das Konto der Operation Allied Forces ging. Kurz und bündig: Schön ist anders, aber ich werde wohl noch Kleinodien entdecken. Aber hey! Man fährt kostenfrei im ÖPNV!

Tja, und was soll ich sagen, ich bin so kaputt, ich gehe früh zu Bett und schlafe mal lange aus. Morgen schauen wir uns dann die Festung und die zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt an. Ihr schaut doch mit, oder? Euer

P.S.: Hier ist schrifttechnisch alles doppelt verwirrend, da man sich nicht darauf einigen kann, ob nun lateinisch oder kyrillisch geschrieben werden soll.

P.P.S.:

Balkan 2025 (Tag 3): Wein im Guinness oder wie Gerry in den Untergrund ging

Ihr Lieben!

Hat der Gerry wieder zu tief ins Glas geguckt oder was soll die depperte Überschrift? Naja, heute geht es in den – laut Guinnessbuch der Rekorde – größten Weinkeller der Welt, Mileștii Mici. 2007 wurde das entsprechende Zertifikat ausgestellt. Gleich dann mehr dazu.

Der Abend gestern war nicht so entspannend, wie ich es mir gewünscht hatte, da einige andere Hotelgäste wohl ziemlich tief ins Glas geschaut hatten und eine wilde Party auf der Etage starteten. Es wurde laut gegrölt, sollte wohl Gesang sein, dauernd „Hoi!“ gerufen und hysterisch gegackert. Ich stöpselte mir Kopfhörer rein und ließ darüber den Film laufen – übrigens ist die Auswahl meines Streaming-Dienstes in Moldawien stark eingeschränkt. Ich muss mal öfter die Zuhause-Download-Funktion nutzen. Na, irgendwann war dann auch die Party zuende und heute morgen saßen ein paar sehr verkaterte Gestalten im Frühstücksraum.

Gestern habe ich mir ja einen organisierten Ausflug gegönnt; mir war die Gefahr zu groß, dass ich irgendwann orientierungslos mitten in der Pampa strandete. Heute ging es nur etwa 15 Kilometer gen Süden, da hatte ich mir eine Weinkellertour schon daheim gebucht und bin mit einem Taxi rausgefahren. Und damit Ihr auch mal etwas nützliches hier lest: Taxifahrer schlagen hier oft Preise vor, die teilweise absurd sind. Besser ist es, die in Osteuropa sehr beliebte App YandexGo zu installieren und eine Kreditkarte zu hinterlegen. Da weiß man immer, was man bezahlen wird. Die Karte deswegen, weil die Fahrpreise dadurch günstiger werden. Bei Registrierung einer Kreditkarte wird dann ein kleiner Betrag belastet, das waren bei mir etwas über 1 Euro. Die Fahrt zur Weinkellerei kostete umgerechnet 6 Euro.

Das Gelände der Vinuri de Calitate Milestii Mici ist schon sehr nett gestaltet. Alles ein bisschen Fake, aber nett. Springbrunnen, aus denen scheinbar Wein sprudelt, Rosenbeete, mittelalterlich anmutende Pappmaschée-Mauern. Das Gut wurde aber erst 1969 gegründet. Ab da war die sozialistische Sowjetrepublik Moldawien der Weingarten der UdSSR. Einen kleinen Rückschlag erlitt das Weingut Ende der 80er Jahre, als unter Gorbatschow strenge Alkoholgesetze eingeführt wurden, um die Lebenserwartung und die Arbeitsmoral zu steigern. Hat nicht ganz geklappt, aber viele Weinstöcke wurden vernichtet und hunderttausende Weinflaschen zerschlagen. Viele sagen, dass die Prohibitionsmaßnahmen sein Ansehen zerstört haben, er wurde später als Mineralsekretär verspottet.

Milestii Mici konnte nach 2 oder 3 Jahren wieder produzieren. Zudem hatte man 50.000 Flaschen in geheimen Kammern in Bergwerksstollen versteckt. Diese beherbergen nun etwa 2 Millionen Flaschen auf 55 Kilometern Stollenlänge. Weitere 195 Kilometer Stollen stehen angeblich noch zur Verfügung. Die ältesten Weine sind von 1973, da kostet eine Flasche auch mal 2.000 Euro. Wenn man größere Mengen Wein kauft, kann man auch ein Schließfach mieten. Die Führerin erzählte, dass da auch mal Geschäftsleute aus Asien anreisen, um aus ihrem privaten Schatz eine (!) Flasche abzuholen, um sie mit nach Hause zu nehmen; ein Versand wird nicht angeboten. Geht es noch dekadenter? Wahrscheinlich.

Wir fuhren mit einer Elektro-Bimmelbahn durch etwa 5 Kilometer Stollen, hörten uns oben erzähltes an und endeten in einem Weinverkostungssaal, wo wir je nach Buchung platziert wurden. Während der Fahrt boten die jungen, neben mir sitzenden Tschechen an, mit unter ihre Decke zu schlüpfen, die sie bei der Tourführerin erbeten hatten. Aber ich hatte vorausschauend eine Jacke eingesteckt, in Bergwerkstollen ist es ja ziemlich kalt. Schade. Ich hatte bei der Verkostung ein Dreier-Tasting und saß in einer Ecke, in der 3 andere traurige Wein-Taster je einzeln an einem Tisch saßen. Naja, so musste man nicht plaudern. Ich hatte einen fantastischen Riesling, einen guten Merlot und einen klebrigen Dessertwein aus Alligoté-Trauben, dazu Grissini, Wurst, Nüsse und Backpflaumen. Das war sehr nett. Dann spielten noch Musiker an unseren Tischen auf und fidelten und quetschkommodeten Lieder des jeweiligen Herkunftslandes der Säufer. Bei mir gab es „O, du lieber Augustin“ und „Trink, Brüderlein, trink“, zwei absolute All-Time-Favourites von mir. Der Amerikaner bekam Amazing Grace, der Pole eine Polka und bei der Dame aus Pakistan musste das Duo passen, sie bekam eine moldauische Weise vorgetragen. Am Schluss drückte man mir noch eine Flasche süßen Sekt und eine Flasche des Rieslings in die Hand. Was ein bisschen blöde ist, da ich ja heute Nacht wieder im Flieger sitze und sowieso noch eine Flasche Rosé habe. Heute Nacht? Ja, seufz, erzähle ich gleich noch.

Leicht angezwitschert fuhr ich erst ins Hotel zurück, entledigte mich meiner Getränkesammlung und orderte das nächste Auto, diesmal zum Puschkin-Haus, das auch tatsächlich geöffnet hatte. Zu Beginn war ich der einzige Besucher. Nach Entrichtung eines Eintritts von 30 Lei durfte ich mir mehrere Zimmer ansehen, die scheinbar ein wenig wahllos mit Bildern, Möbeln, Dokumenten und Nippes ausgestattet waren. Die Erläuterungen waren auf rumänisch und russisch. Die beiden sehr netten Damen vom Museum redeten leider auch nur in mir unbekannten Zungen. Naja, einiges konnte man sich zusammenreimen, z.B. dass zwei der Zimmer gar nicht Puschkin gewidmet waren. Alles in allem ganz kurzweilig. In zweierlei Hinsicht. Man ist schnell durch und fühlt sich dennoch einigermaßen unterhalten. Ich lustwandelte noch ein wenig durch den handtuchgroßen Garten, da schloss mir eine der Frauen noch ein kleines Häuschen auf und radebrechte, dass hier Puschkin zwei Monate gelebt habe, den Rest seiner Kischinjow-Jahre aber woanders. Das war dann schön zu wissen.

Es waren wieder etwa 254°C und ziemlich genau 123% Luftfeuchtigkeit, mir war nicht wirklich nach Herumlaufen. Ich nahm wahllos einen Bus und stieg wieder wahllos in andere Busse um, bis ich in der Nähe des Hotels war. So kam ich noch an der ein oder anderen Sehenswürdigkeit vorbei, so dem Standbild des in Rumänien und Moldawien bis zur Grenze der Göttlichkeit verehrten Stephan cel mare, dem Museum für Militärkunde mit Helikopter und Lokomotive im Vorgarten und dergleichen mehr. Und da ich mitten in der Nacht aufstehen muss… achja, das wollte ich ja noch berichten…, kaufte ich mir Käsebrote und zwei Bier, um mich danach mit einer halben Schlaftablette hinzulegen.

Als ich die Reise plante, wurden mir für den Flug nach Belgrad auch Angebote des moldawischen Low-cost-carriers Fly-One (oder so ähnlich) angezeigt. Wenn man deren Bewertungen im Netz liest, stellen sich einem die Nackenhaare auf. Da buchte ich lieber Tarom, 10 Uhr morgens, staatliche rumänische Airline. Dieser *§ß%#$* Verein buchte mich aber vor zwei Wochen auf 5 Uhr morgens um, mit einem Stopp in Bukarest von fast 7 Stunden!!! Ich dürfe protestieren. Super. Alle anderen Verbindungen waren inzwischen megateuer oder mit 9 Umstiegen verbunden. Danke für nichts, liebe Tarom Air! Zusätzliche Nebenwirkung: Ihr dürft heute den Bericht zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit lesen, da ich ja Schlaf ansparen muss. Hoffentlich komme ich um 2 Uhr aus der Pompfe, muss dann noch duschen, und hoffentlich bekomme ich um die Zeit ein Taxi.

Also, morgen folgt der „Bericht aus Belgrad“. Mit Friedrich Nowo… äh, nee… mit Gerry natürlich. Bis denne, Euer

Balkan 2025 (Tag 2): Transnistrien oder der Tag, an dem ich rübermachte

Ihr Lieben!

Was soll ich sagen, die Dusche funktioniert doch. Ich fragte mich heute morgen, was das wohl für Metallteile in der Duschablage seien und voila, sie gehörten nicht in den Korb, sondern an ein Absperrventil montiert. Wasser marsch!

Heute war frühes Aufstehen angesagt, wurde ich doch zu einem Ausflug der besonderen Art abgeholt, nämlich nach Transnistrien. Deren Hauptstadt Tiraspol ist lt. dem Reiseführer Lonely Planet „one of the strangest places, you’ll ever visit“, einer der merkwürdigsten Plätze, die man je besucht hat.

Transnistrien ist eines der wenigen Mitglieder der „Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten“ und ein seit 1990 von Moldawien abgespaltetes Gebiet. Halbwegs zur Kenntnis genommen wird die Republik „jenseits des Dnjstr“ sonst allerdings nur von Russland, das dort, zur ukrainischen Westgrenze hin, auch Soldaten stationiert hat. Ein kurzer kriegerischer innermoldawischer Konflikt von 1992 „ruht“ seit 35 Jahren.

Reiseleiter Aleks holte mich kurz nach 9 Uhr am Hotel ab. Im Wagen saßen schon Coleen und John aus New Jersey, beide Lehrer im Ruhestand. Zu uns stießen dann noch Nadja und Anna aus Lubin bzw. Warschau, zwei junge Studentinnen. Als Alleinreisender bekam ich den Beifahrersitz, yeah! Und schon ging es los Richtung Tiraspol, der Hauptstadt Pridnjestrowiens, so die Eigenbezeichnung der Region. Die Fahrt dauerte etwas über eine Stunde, auf der Aleks einiges über die Geschichte sowie Land und Leute in der Region erzählte. Der Grenzübergang, an dem wir dann unsere Pässe vorzeigen mussten und eine Einreisekarte erhielten, zählt wahrscheinlich zu den merkwürdigsten Orten der Welt. Pridnjestrowien sieht sich als Land und hat daher Einreiseformalitäten. Moldawien erkennt das Land aber nicht an und hat demnach eben keine Grenze. Skurril, gelle? Wir bekamen zwei Regeln mit auf den Weg: Sag niemals Transnistrien und fotografiere keine militärischen und/oder polizeilichen Einrichtungen und/oder Personen. „Und redet bitte nicht über Politik!“

Kurz hinter der Grenze erreichten wir Bender, eine Stadt, deren Geschichte bis mindestens in das 15. Jahrhundert zurückreicht. Der Ort war früher ein wichtiger Handelsposten auf der „Seidenstraße“ zur Krim und in den Norden. Hier brach der fünf Monate andauernde Krieg von 1992 aus. Zum Ruhme der sowjetischen Armee gibt es dort jetzt eine Gedenkstätte, die von einem kleinen Panzer überragt wird, deren acht Insassen alle bei Beschuss umkamen. In der Nähe eine weitere Gedenkstätte zu Ehren von Kriegshelden aller möglichen Epochen. Es war ein Throw-back in die CCCP. Ab hier alles auf Russisch, alles Glanz und Gloria, Lenin überall, auch ein bisschen Stalin. Fahnen, Wimpel, Ruhm und Ehre. In Tiraspol, wo wir dann hinfuhren, ein Sowjetding neben dem anderen. Haus der Sowjets. Ewiges Feuer für die Gefallenen. Helden des Krieges, Helden des Volkes. Wandmalereien für den stolzen Arbeiter, für die glückliche Mutter, für die eifrigen Bauern. Ich erwartete jeden Augenblick eine Parade.

Einer der größeren Gedenkorte war in Kategorien unterteilt. Weltkriege, Moldawienkonflikt, Afghanistan, aber auch der Toten von Tschernobyl wurde gedacht. Ein zugleich beeindruckender und gespenstischer Ort. Morgen gibt es übrigens tatsächlich eine Parade, der Unabhängigkeitstag ist der 2. September, man hat die Stadt extrem herausgeputzt und die Beflaggung vervielfacht.

Wir suchten einen Souvenirshop auf. Die Autonomie hat einen eigenen Rubel, der aber nirgendwo anders etwas wert ist. So konnten wir in Lei bezahlen, Umtausch 1:1. Ich erstand – wer ahnte es – Kühlschrankmagneten. Und apropos: man hat auch einen eigenen Präsidenten, eine eigene Flagge, eine eigene Universität. Aber wenn man krank ist, so das fiese Gerücht, fährt man lieber nach Chișinău, als sich vor Ort verdoktern zu lassen.

Es wurde Zeit für einen Snack. Wir kehrten in ein russisches Restaurant mit dem Namen „Back to the USSR“ ein, wo es vor Büsten diverser kommunistischer Führer nur so strotzte, ein alter Moskwa vor der Tür stand und die Einrichtung aus den 50er Jahren stammte. Wir aßen Pelmeni und Pirogi. Beides sehr lecker und spottbillig! Eine der Polinnen wusste zu berichten, dass der Laden auf TikTok und Instagram schon eine gewisse Prominenz hat. Also, liebe Lesenden, nix wie hin, bevor es zu voll wird!

Wir hatten noch einen Stopp am Haus des Sowjets, bevor wir wieder nach Bender fuhren, um dort die im 16. Jahrhundert von Süleyman dem Prächtigen in Auftrag gegeben Festung zu besuchen. Nur der Kern ist davon erhalten und das auch nicht im Originalzustand, denn das Areal war lange Zeit ein Militärlager und man riss so einiges ab, was im Weg war. Vor ein paar Jahren wurde dann restauriert, ein Park entstand, Kinderspielplätze wurden angelegt. Wir kraxelten dann auf den Balkon des Befestigungsturms und hatten einen schönen Blick über Bender und den Dnjestr. Im Anschluss besuchten wir noch die orthodoxe Kirche, die mit einigen Besonderheiten aufweisen kann (wie z.B. einem General in Sowjetuniform als Heiligen und einem Heiligenbild der letzten Zarenfamilie) und dann ging es auch schon zurück über die Grenze nach Hause. Wieder mit massenweise Informationen über z.B. Verkehr, Weinbau, Wahlen, sowie Räuberpistolen über moldauische Verbrecher. Ob letztere wohl stimmten?

Das war ein sehr netter Ausflug mit viel Gelaufe (daher zumeist ohne die amerikanischen Mitreisenden), viel Regen (aber nur, wenn wir im Auto saßen) und vielen interessanten Infos über einen wunderlichen Flecken Erde. Auf der Rückfahrt hatten wir dann beinahe noch einen „Final Destination“-Moment, als ein LKW vor uns einen dicken Holzscheit verlor, dem Aleks gerade noch so ausweichen konnte. Zu erwähnen ist noch, dass die Amerikaner sehr offen ihre Abneigung gegen Trump formulierten (sie waren übrigens bei Land 149, mehr als doppelt so viel wie ich), zwei sehr sympathische Menschen!

Ich organisierte mir eine Flasche kaltes Bier in einem Alkohol-Shop um die Ecke und begann mein Reisetagebuch, als es auf einmal stürmte und plästerte wie irre, inklusive Blitz, Donner und Hagel! Hm, eigentlich wollte ich in ein von Aleks empfohlenes Restaurant, das konnte ich dann aber knicken, da auch Dachziegel vor dem Sturm auf den Bürgersteig flüchteten. Ich hastete zum Pastry-Shop ein paar Meter weiter und erstand gefüllte Teigtaschen für den Abend. Ja, und jetzt sitze ich hier und werde mich bei einem Film entspannen und früh zu Bett gehen.

Morgen kann ich etwas ausschlafen, bevor es um etwa 10 Uhr nach Milestii Mici geht. Wir sehen uns da, gelle? Euer

P.S.: Eigentlich bräuchte ich so eine Art Eckermann, der immer mitschreibt. Man erlebt so viel und dann vergisst man die Hälfte.