man könnte das Rezept auch Zucchini-Lasagne nennen, aber das gäbe ja wieder einen Aufstand der Küchengöttergattinnen und -gatten. Lasagne sind Nudeln! Pasta! Äh, basta!
Hier machen wir die kohlenhydratreduzierte Variante. Wir kochen eine Hackfleischsauce aus:
und fügen noch Knoblauch und allerhand Gewürze zu. Das Gemüse wird kleingewürfelt, angebraten, dann kommt das Hack dazu. Die geschälte Zucchini (ich mag die Schale irgendwie nicht, die ist ja manchmal so ein bisschen glitschig) wird in dünne Scheiben geraspelt und bildet die Zwischenschichten zum Hack-/Gemüse-Mischmasch.
Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Mozzarella, Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Hack, Gouda-Scheiben. Gouda-Scheiben? Yep, der Gerry hatte vergessen, Raspelkäse zu kaufen. Mist! Dafür erstand er aber zwei Tuben Zahncreme, die er in die Schublade mit den anderen 27 Tuben legte. Mist! Ab in den Ofen damit. Was? Natürlich mit dem Auflauf, mein Gott, denkt doch mal mit!!! Was soll denn die Zahncreme…. Wie? Deutlicher ausdrücken??? Raus!!!
Wo war ich? Ach ja, schmeckt gut!
P.S.: Ja, ich weiß, irgendwie sehen sich alle Auflaufrezepte nicht unähnlich. Liegt daran, dass sie alle den gleichen Vater haben 🙂
der Rezeptname klingt zwar, als ob es für eine sofortige Gefäßverstopfung geeignet wäre, aber wahrscheinlich ist das sogar zutreffend. Die Basissauce für diesen Auflauf ist mein Chili con Carne, wobei ich diesmal noch Paprikawürfel hineingegeben habe, sowie frische Tomaten.
Hier mal der „Mist am Platz“:
Statt der roten Chili habe ich das Chili-Öl von den Kapverden und Harissa aus dem Glas genommen. Weitere Scharfmacher sind Rosenpaprika und Chiliflocken. Außerdem an Gewürzen: Zimt, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer, Oregano. Im großen Glas meine Gemüsebrüh-Paste. Nudeln habe ich noch ein halbes Paket mehr genommen.
An Brühe habe ich einen halben Liter zugegeben, dafür das Chili aber lange einkochen lassen, damit die Sauce nicht zu dünnflüssig wird. Die Nudeln habe ich ganz kleines bisschen mehr als ‚al dente‘ vorgekocht.
Geschichtet habe ich dann folgendermaßen: Nudeln, Sauce, Feta, Nudeln, Sauce, Mozzarella, Nudeln, Sauce, Gratinkäse.
FetaMozzarellaGratinkäse
Als der Besuch da war, den Ofen auf 190°C vorgeheizt und den Auflauf (da können ein paar Butterflocken auf den Käse) für etwa 25-30 Minuten aufgeheizt.
Tja, wie immer reicht es bei mir für einen ganzen Wohnblock.
zwei Wochen bin ich schon wieder im Land; das reicht, um alle Erholung abbröckeln zu lassen. Es geht ja schon los mit diesem Wetter. Während andere über Schnee jubeln, bekomme ich das kalte Grausen. Ich hasse Winter. Kalt, nass, grau, dreckig.
Nachdem ich jetzt wieder ausreichend davon habe, investiere ich die meiste Zeit natürlich in die Wohnungssuche. Man liest ja viel vom heißumkämpften Wohnungsmarkt, aber ich habe in meinem Größenwahn gedacht, ich sei nicht betroffen. Ich bin ja schließlich gesittet, habe einen Job, bei dem Vermieteraugen glänzen, eine astreine Schufa-Auskunft… ich bin quasi ein Schwiegermuttertraum der Haus- und Wohnungsbesitzer. Ach, Unsinn, weit gefehlt. Auch ich stehe dann in einem Pulk von 200 Menschen, die alle eine kleine Wohnung besichtigen wollen. Da habe ich keinen Nerv zu, tottrampeln lassen kann ich mich auch auf dem Oktoberfest oder beim Kölner Karnevalsauftakt; und da geht es wahrscheinlich lustiger zu.
Dazu kommt die ausschweifende Phantasie in manchen Inseraten. Ein herrlicher Ausblick? Ja, auf eine Müllkippe! Die zum Träumen einladende Dachterrasse? Ja, wenn man denn einen Austritt in der Größe eines Gästehandtuchs „Terrasse“ nennen mag. Und nein, liebe Vermieter: Nadelfilz ist keine „behagliche Auslegeware“!
Naja, zwei, drei ganz passable Wohnungen hatte ich auch dabei, eine allerdings direkt an der zweitmeistbefahrenen Straße Kölns (da hilft auch kein Schallschutzfenster), zwei andere mit winzigen Küchen, was für einen Hobbykoch schon ein No Go ist. Aber die Suche geht weiter, ich habe ja noch Zeit. In meinem Kündigungsschreiben wurde übrigens auch eine Umzugsbeihilfe in Aussicht gestellt, auf Rückfrage hieß es dann, jahaaa, wenn ich auf der Intensiv läge und nicht umzugsfähig wäre. Auch will man sich mit Mietzinsreduzierung in der Überbrückungsphase (z.B. Renovierung der anderen Wohnung) nicht anfreunden. Ehrlich? Der Rauswurf krempelt mein ganzes Leben um und dann null Entgegenkommen?! Ich bin versucht, aus lauter Frackigkeit doch mal meine Rechtschutzversicherung zu bemühen, immerhin hat der Sohn ja eine Bleibe und daher keine Not. Aber ich bin ja „leider“ nicht so gestrickt.
Die Arbeit hat mich natürlich auch wieder. Was soll ich sagen: Ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein. Ich brauche nur das Gehalt. 🙂 Aber ich will fair sein, im Moment ist es ziemlich ruhig. Nur der Arbeitsweg ist die Pest! Die beiden linksradikalen Gören Schneeflöckchen und Weißröckchen besetzen die Schienen der Straßenbahn und schon geht nichts mehr. Ich bin zu einer Wohnungsbesichtigung, ich hatte Kulanz von 20 Minuten eingeplant, 20 Minuten zu spät gekommen. Die KVB sind die 11. biblische Plage!
Ich habe natürlich auch wieder ein paar Sachen gekocht, aber nichts so dramatisch schwieriges oder besonderes, dass es einen eigenen Eintrag in der Kochecke würdig gewesen wäre. Ich habe das Boeuf Bourgignon noch mal gemacht, ich habe Lachs auf Chicorée-Gemüse gebrutzelt und Huhn mit Knoblauch und Kartoffeln gebraten.
Was ich aber mal anders gemacht habe: Meine Orangenmarmelade. Diesmal wollte ich eine bittere und habe ein Rezept von Ines Bitsch auf Youtube befolgt. Ich sage Euch, das ist eine zwar zeitlich aufwändige, aber auch tolle Methode: 2 mal 2 Stunden kochen die Orangen und das Ergebnis schmeckt toll! Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=GWu7dxijonM
Verabredet war ich auch mehrmals, aber die meisten Treffen sind geplatzt. Schneeflöckchen und Weißröckchen lösen ja inzwischen immer sofort Katastrophenalarm aus, der sich dann nicht bewahrheitet. So blieben einige Besucher dann zuhause, obwohl es eigentlich unnötig war. Ich vermute, dass diese Panik ausgelöst wird, weil sich die entsprechenden Stellen denken, lieber zu laut geschrien, als zu leise gewarnt. Ist ja auch verständlich, wird aber über kurz oder lang so ausgehen, wie mit dem Kind und dem Wolf, der aus dem Wald kommt…
Heute dann habe ich mal wieder für Kultur gesorgt. Ich chatte seit einem Monat mit einem netten Mann in Düsseldorf und heute haben wir uns dann auch mal getroffen. In der Kunstsammlung Düsseldorf zur Ausstellung „Queere Moderne“. Das war schön und sehr interessant kuratiert. Auch haben wir dann noch die ständige Sammlung angeschaut. Da sind dann Dinge dabei, die ich nicht verstehe, aber auch wertvolle und bekannte Stücke von Kirchner, Grosz, Chagall, Picasso, Baselitz und und und. Ein Raub würde sich hier definitiv lohnen! Ich habe mir einen kleinen Léger mitgenommen, ich hoffe, das fällt nicht auf. Nein, Quatsch!!! Ja, und das Treffen war auch nett, wir haben dann noch ein Weinlokal besucht und sehen uns wohl auch wieder.
Ja, zu guter Letzt habe ich noch eine Reise gebucht, über Karneval. Ich habe so gar keine Lust, schon wieder mit dem in Köln gelassenen Dom oder dem gehenden Trömmelsche dauerberieselt zu werden. Das macht mich fast aggressiv. Daher fahre ich auf abenteuerlichen Wegen nach Slowenien und dann in die Slowakei. Meine Länder 73 und 74 nach konservativer Zählweise. Da werdet Ihr dann spätestens in dreieinhalb Wochen drüber lesen können. Vorher kommt aber bestimmt noch der ein oder andere Schnipsel ins Haus geflattert.
Liebe Grüße, Euer
P.S.: Meine kapverdischen Schmetterlingsbilder sind gerahmt und ich finde, sie sehen gut aus:
nach einem sehr frugalen Frühstück packte ich meine restlichen Sachen und sortierte noch so einiges aus. Sonnencreme, Mückenspray und Feuchttücher muss man ja nicht wieder mit nach Hause nehmen. Das kann ja vielleicht auch jemand vom Personal oder mein Zimmernachmieter gebrauchen. So hatte ich trotz Souvenirs einen leichteren Koffer als auf dem Hinflug. Wobei ich mich ausnahmsweise mal relativ zusammengerissen habe.
Diesmal hat man mir ein Taxi geschickt, das auch pünktlich erschien. Erinnert Ihr Euch an den busfahrenden Bruce Willis von Barcelona? Heute fuhr mich Laurence Fishburne (u.a. bekannt aus Matrix) und zwar ebenso halsbrecherisch. Als ich fragte, ob er es eilig habe, in den Himmel zu kommen, lachte er tief und satt und gab noch mehr Gas. 150 bei 30 erlaubten. Naja. No Stress.
No stress? Naja. Der Flughafen Amilcar Cabral war vollkommen überlaufen. Es gab 6 Schalter für etwa fünf oder sechs relativ zeitgleich abgehende Flüge. Das Anstehlabyrinth bestand aus etwa 15 Schleifen, nach einer Stunde hatte ich vier geschafft. Es kam zu örtlichen Handgemengen, als dann auch noch alle Gäste nach Lyon und Oslo sich vordrängeln durften. Die Frankfurter, Düsseldorfer, Brüsseler und Lissaboner hatten auch nur noch ein kleines Zeitfenster. Völlig überfordertes Bodenpersonal versuchte, die Menschenmassen sinnvoll zu kanalisieren, schufen damit aber noch mehr Chaos. Wir mussten ja auch alle noch durch die Passkontrolle und den Security Check. Meine Maschine hatte Verspätung, bei regulärem Abflug hätte ich sie verpasst. Stress! Stress!! Stress!!! Die Anzeige zeigte leider bei einigen Flügen weder Gate noch Status an und so irrten braungebrannte Völker gestresst durch die gottseidank übersichtliche Abflughalle.
Ich hatte noch ziemlich viele Escudos, die ich nicht mit nach Hause bringen wollte und erstand noch zwei Packungen Fogo-Kaffee und mangels Alternativen eine kitschige Tonfigur. Somit kam ich mit nur einer 200er-Banknote nach Hause.
Ja, irgendwann waren wir dann in der Luft, ich bekam aufgrund meiner Buchungsklasse ein trockenes Brötchen und ein Getränk für lau. Dabei krähte der Steward laut meinen Namen: „Gratissnack für Gerald Diiiiepolder!!!“. WHAT? Egal. Sechs Stunden Flug. Nicht so schlimm wie 19 Stunden Bus auf Kuba, aber ich hasse es trotzdem.
In Düsseldorf dann Schnee. Würg! Und der Flieger auf dem Rollfeld irgendwo 25 km vom Terminal entfernt. Dafür kamen Bus und Koffer wieder einigermaßen schnell. Dann große Freude: beim Eintreffen am Bahnhof direkt ein ICE, schnell online Karte gekauft. Eingestiegen. Dann die Ernüchterung. „Liebe Reisende, es sind Personen im Gleis, wir bleiben jetzt hier bis zum Sanktnimmerleinstag stehen.“ Ehrlich, fahrt doch drüber über diese Penner! Sorry. Mit 45 Minuten Verspätung fuhren wir dann los. Um kurz vor Mitternacht war ich dann zuhause und schmiss mir eine TK-Pizza in die Backröhre.
So, kurzes Resümee Kapverden. Schönste Insel ist Sant Antão, gefolgt von Santiago. Von São Vicente, insbesondere von Mindelo, hatte ich mir etwas mehr versprochen, Sal war nicht ganz so schrecklich, wie vermutet. Ich hatte fünf gute und zwei grauenvolle Hotels. Alle Transfers haben (bis auf die winzige Ausnahme bei der Ankunft in Praia) geklappt. Sal ist in jeder Hinsicht wesentlich teurer als die anderen drei Inseln. Wer Languste essen will, sollte das nicht in Sal erledigen. Auch Souvenirs sind woanders preiswerter. Sal ist auch am offensivtouristischsten. „Massage, Massage“, „Welcome to my shop“ und „Looky-looky“ tönen einem unentwegt entgegen. Auch der Anteil an Bettlern ist hier am größten.
Was würde ich anders machen? Ich bin nach wie vor froh, ein Tour-Management gehabt zu haben, auch, wenn die Inlandsflüge und die Fähren deutlich zuverlässiger waren, als ihr Ruf. Aber allein, sich nicht um Transfers kümmern zu müssen, war Gold wert. Zur Hochsaison ist auch spontanes Buchen von Unterkünften keine Option, wie ich vor vier Tagen herausfand. Aber man könnte so eine Reise dennoch selbst zusammenstellen, und beispielsweise für die ein oder andere Insel einen Mietwagen nehmen. Wenn aber alles vorbereitet sein soll, dann ist Soul-Tours eine gute Wahl. Die Guides sind natürlich nicht preiswert (vor allem, wenn man alleine reist), aber man kann sich mehr auf das Drumherum konzentrieren, als alle zwei Minuten auf irgendeine (manchmal ja auch fehlerhafte) Street- oder Hiking-App glotzen zu müssen.
Zuviel gepackt hatte ich. Ich hatte mit deutlich schlechteren hygienischen Verhältnissen gerechnet und Desinfektionsmittel, Feuchttücher und Waschhandschuhe eingepackt. Völlig unnötig. Zu viel Bargeld hatte ich mit, was bei teilweise safelosen Unterkünften auch ein wenig stresst. Dabei funktionieren Kreditkarten an Geldautomaten und in Supermärkten/Restaurants in der Regel auf allen vier besuchten Inseln gut. Bisschen Bargeld, zwei verschiedene Karten sind ein guter Mix für das Reiseportemonnaie. Hinweis: Dass man 6 Ziffern als PIN eingeben muss, kann man getrost ignorieren, einfach nach 4 Zahlen „Enter“ drücken. Besser alles in Landeswährung zahlen (und auch die Abhebungen berechnen lassen), sonst zahlt man immer etwa 10 % drauf.
Mit Englisch kommt man nicht soo weit wie gedacht. Mein Grundkurs Portugiesisch hat mir hier und da ein Lächeln eingebracht. Auch, dass ich drei Ausdrücke auf Kreol gelernt habe, kam gut an. Französisch ist verbreiteter, deutsch wird fast gar nicht gesprochen, und wenn, dann hat der Euch Ansprechende einen Bruder in Hamburg und… siehe Kuba. Sorry für die leider durchaus zutreffende Verallgemeinerung.
Es war eine wirklich tolle Reise, ganz anders als erwartet und vor allem vielfältig und bunt. Die Kapverdianer sind ein lustiges, UNGETRESSTES!!! Volk, die Musik ist klasse, das Essen sowieso. Fahrt hin.
Allen, die mich begleitet haben, einen herzlichen Dank! Besonders habe ich mich über die vielen Kommentare hier und per Messenger „Signal“ gefreut. Meine nächste Reise wird die in eine neue Wohnung sein, aber wenn ich die bezogen habe, wird es auch wieder auf Achse gehen.
Alles Liebe und Gute für Euch, Ihr Lieben! Euer
Zuhause wird das Wetter durch Aufsetzen eines lustigen Hutes deutlich erträglicher. Ziehe ich in den kommenden Konferenzen auch an!
Es gibt eine sehr stabile Fliegengittertür. Ich hatte sie wohl während meiner Quarantäne nicht immer ausreichend geschlossen. Die ersten zwei Stunden der Nacht habe ich Mücken gejagt. Eine davon war so vollgesogen, da musste ich anschließend noch richtig die Wand schrubben. Und alle habe ich auch nicht erwischt, habe mehrere Stiche abbekommen. Trotz Megadosis Tropenmückenabwehrspray.
Also, was auch immer das gestern war, es ist halbwegs überstanden. Das Frühstück habe ich auf ein Spiegelei und eine Tasse Kaffee beschränkt, danach ging es ab zum Fahrradverleih. Da boxte der Papst im Kettenhemd! Ich bekam das letzte verfügbare E-Rad. Ein Trumm sondergleichen. Aber mit Akku bis zum Schluss und einer enormen Antriebsleistung (schon auf kleiner Stufe). 25 Euro kostet das für einen Tag. Man bekommt eine lächerlich unnütze Inselkarte, auf der aber immerhin die Nummer für Notfälle steht.
Zuerst ging es an Salinen von Santa Maria vorbei, da wachsen in der völlig versalzenen, sandigen Erde (der Inselname Sal bedeutet ja Salz) tatsächlich blühende Pflanzen!, zum Pachamama Eco Parc. Hier werden zum Teil ausgesetzte oder beschlagnahmte Tiere beherbergt. Es gibt viele Esel, Ziegen, Schildkröten, aber vor allem Federvieh! Aras, Pfauen, Enten, Gänse, Hühner… Viele kleine und sehr bunte Vogelarten sind vertreten. Der Eintritt beträgt 5 Euro und wird als Spende verstanden. Es gibt Erklärtafeln zu Flora und Fauna. Ein nettes Café gibt es außerdem. Seeehr, sehr schön gemacht alles. Klar, man kann sich bei manchen Vögeln fragen, wieso die hier in Käfigen sitzen müssen, aber alle Tiere schienen in guter Verfassung. Da habe ich in diversen touristisch vermarkten Tierrettungsparks schon ganz anderes gesehen.
Weiter ging es nach Murdeira, da befinden sich Buchten, in denen Schildkröten ihre Eier ablegen. Nicht zu dieser Jahreszeit, man merkt davon also nichts. Aber die Buchten sind traumhaft schön. Fast menschenleer, schöne Felsen wechseln sich mit sauberen Stränden ab. Auch der Ort scheint ganz nett, etwas gehobener als Santa Maria vielleicht, es gibt auf jeden Fall eingezäunte Villen. Ab Murdeira wird die Straße für Radfahrer fast ein bisschen gefährlich. Aber ich fand keine Feld- und Wiesenwege, um anders zu meinen Bestimmungsorten zu gelangen, den großen Salinen und der Bucht der Haie. Ich beschloss, auf der Baustelle für die neue Straße entlangzufahren, was bestimmt nicht so gedacht war, aber who cares? No Stress!!
Die Hauptstadt Espargos, an der man vorbei muss und vor deren Toren der Flughafen liegt, scheint uninspiriert in die Gegend geklatscht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mal kurz durchzuradeln, aber schon die Verpackung schrie: Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Zudem konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen, welch grandioses Durchhaltevermögen der Akku hatte.
Am Kreisverkehr, an dem man zu den Salinen abbiegen muss, formierte sich ein militärischer Beerdigungszug. PM stand auf den Binden, das übersetze ich mal mit Militärpolizei. Eine ganze Menge Menschen war versammelt. Auf dem Weg zur Ostküste liegt dann auch ein großer Friedhof, wo ich die Gesellschaft wiedertraf, als ich meinen Besuch des Friedhofs beendete. Natürlich habe ich dann nur ein Foto aus ganz weiter Ferne gemacht.
Der alte Hafen, der zu den Salinen gehört, ist inzwischen quasi verfallen. Eine wunderschöne kleine Kapelle steht dort noch, von 1853. Man kann einen kleinen Berg erklimmen und zum Leuchtturm wandern. Nur das kleine Hafenbecken ist noch in Gebrauch und schützt bunte Fischerboote vor zu starker Brandung. Das Salzabbauareal ist inzwischen wohl geflutet. Man kann dort im angeblich zweitsalzgesättigsten See nach dem toten Meer baden. War zu faul, das zu überprüfen. Ich hätte gerne mal auf das Gelände gespinxt, aber der Eintritt in das „Schwimmbad“ war mir mit 6 Euro für einmal reinschauen zu übertrieben. Und ob ich ohne Badehose hätte schwimmen dürfen? Hm.
Wie kommt man nun zur Haibucht? Ganz simpel: einfach den tausenden TUI-Bussen und Privattour-Jeeps hinterher. Ich war der einzige Radler vor Ort. Wenn man ankommt, wird man informiert, dass man nur mit bestimmten Schuhen und mit einem zertifizierten Guide zu den Haibecken darf. Und was man alles berücksichtigen muss! Sofort quasselte mich dann auch ein halbes Dutzend Menschen an; einer mit einem Affen auf der Schulter, von dem ein identischer als Touristen-Nepp beschlagnahmt im Eco-Park haust.
Jetzt schaut Euch mal diesen Pilgerzug oben an. Alle strampeln zwischen winzigen Zitronenhaien umher, alle mit Fußpilz, Stufe 3. Die Besucher, nicht die Haie. Ich verzichtete dann doch auf dieses unvergessliche Erlebnis.
Jetzt musste ich den ganzen Weg wieder zurück. Ich habe es schon bei der Fahrradtour auf São Vicente erwähnt, sinngemäß: Watte hin fährst, musste auch wieder zurückfahren. Auch wenn Sal fast so flach ist wie mein Waschbrettbauch und das Fahrrad mal über einen drei Ligen höher spielenden Akku verfügt, nach 40 Kilometern verlor ich ein ganz kleines bisschen die Lust. Ich war dankbar, als ich in Santa Maria am Fahrradverleih ankam. Und ich war dankbar, dass dieser schräg gegenüber vom Gasthaus liegt, wo ein kaltes Bier im Kühlschrank auf mich wartete.
Immer dran denken: (kleinen) Finger weg vom Alkohol!
Ich machte mich ein bisschen frisch, Sal besteht nämlich zu 90 Prozent aus Staub, den man als Radler dann schlucken muss, und begab mich wiegenden Schrittes zur Strandbar, wo ich fast zwanzig Minuten auf die falschen Getränke wartete. Mango oder Maracuja, stilles oder sprudelndes Wasser? Im Moment war es ziemlich egal. Ich sagte nix. Inzwischen hatte sich eine kleine Musiker- und Tänzertruppe eingefunden, die alles gab. Gegen einen kleinen Obulus filmte ich sie kurz. Es gibt ein lustigeres Video mit einer interessanteren Aufführung, da lief ein kleiner Junge ins Bild und griff nach der Spendenbox. Aber: keine Bilder von Kindern ins Netz, wenn es sich vermeiden lässt!
Mein Abendessen nahm ich auf einer auch von Einheimischen besuchten Terrasse ein, Restaurant Bia. Der daneben liegende und mir empfohlene „Simple Grill“ war überfüllt. Im Bia wird aber auch am offenen gebrutzelt. Eigentlich wollte ich mir am letzten Tag Languste gönnen, so als kulinarische Krönung. Gab’s nicht. Ich nahm Knoblauchgarnelen (das sichert mir, dass morgen im Flieger keiner mit mir quasseln will) und Frango Piri-Piri, das war dann auch die bessere Wahl, denn da kamen schöne Erinnerungen an gemeinsame Urlaube an der Algarve hoch. Köstlichkeiten müssen nicht teuer sein.
Also, der Tag war ein super Abschluss für Sal. Ich bin immer noch nicht verliebt, habe aber schöne Ecken gesehen und bin deutlich gnädiger gestimmt. Und ich habe mich mehr als drei Minuten am Stück bewegt, das erfüllt mich meistens mit immenser Freude.
Gestern noch hatte ich gedacht, ist jetzt auch langsam mal gut mit den Kapverden, aber heute dauert es mich doch ein bisschen, dass es morgen wieder nach Hause geht. Könnte mir gut vorstellen, noch Zeit auf São Nicolau oder Fogo zu verbringen. Jaja, ich weiß, ich hab einen Dachschaden.
Natürlich wird es noch einen Epilog geben, mit Heimreiseerlebnissen und einer Zusammenfassung. Und ein paar Tipps, denn man kann so einiges richtiger machen, als ich. Und ich verabschiede mich natürlich auch noch vernünftig. Aber ich bitte Euch, Euch mal grob an meine Schilderungen zu erinnern, auf Youtube „Sodade“ (auch Saudade) zu hören und an mich zu denken. Ich verstehe Cesária Évoras „Sehnsucht“, die nach ihren Erfolgen selten zuhause war (sie lebte viel in Europa). Man muss diese Inseln doch irgendwie mögen. Ja, trotz einiger nervtötender Kleinigkeiten ist das große Ganze sehr schön und liebenswert.
Gute Nacht für heute und bis spätestens Montag, ich lande erst spät in Düsseldorf. Euer
Seit Wochen nehme ich ungewöhnliche und ungewohnte Dinge zu mir: Muräne, Schnecken, Bohneneintöpfe aus vier Sorten Hülsenfrüchten… Einmal dann esse ich etwas eigentlich harmloses, sofort schlägt gnadenlos der Herr Montezuma zu. Zumindest schiebe ich meine Malaise auf die Calamari-Ringe von gestern. Einzig anderer Auslöser hätten nur ein paar türkische Trockenkekse sein können, aber das bezweifele ich. Ich konnte das Zimmer erst mittags nach sukzessivem Einwurf von fünf (!) Pillen für einen kurzen Spaziergang verlassen. Dann musste ich wieder zurück und verbrachte mit Krämpfen den Rest des Tages in der Butze.
Auf meinen Bericht von gestern kam noch „bloß nicht in diese Strandbar!“. Tja, das erreichte mich zu spät. Wahrscheinlich waren es auch nicht die Ringe, sondern die Cocktailsauce. (Eigentlich weiß ich, dass man so etwas in der Hitze stehenlassen sollte…)
Jetzt, um kurz nach 17 Uhr, geht es langsam wieder aufwärts, aber großartig rausgehen werde ich heute dennoch nicht mehr.
Ich hoffe, ich kann dann morgen, immerhin letzter Tag der Reise, noch etwas spannendes unternehmen.
Liebe Grüße von Eurem angeschlagenen
P.S.: Das Beitragsfoto trägt den Titel „Die Stuhl-Gang“
ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch allen! Seid Ihr gut reingeschlittert? Fein. Ich bin ja reingenickt. Alles verpennt. Heimisches Silvester, örtliches Silvester. Passt irgendwie zu mir. Aber nach dem schlaflosen Tag zuvor auch kein Wunder. Dafür habe ich dann halbwegs gut sehr lange geratzt. Einziges Manko war der Hund hinterm Gartenzaun, der die Nacht über öfters hysterisch kläffte, und den ich trotz Gehörschutz sehr gut verstehen konnte.
Ich warne übrigens vor. Bei der Durchsicht des Geschriebenen könnte der Eindruck entstehen, ich sei unentspannt. Ich bin es tatsächlich zuweilen. Nehmt es mit Humor.
Heute sollte Tag des Umzugs sein, ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Das Frühstück war prima, mit einem plain omelette, das plainer nicht hätte sein können. Aber es war schon früh morgens heftig warm. Man merkt deutlich, dass es keine Berge und keine Flora gibt. Nach dem Frühstück lief ich zum Strand, wo eine riesige Party tobte. Immer noch oder schon wieder? Schwer zu sagen, so um 9 Uhr 30. Die Anwohner taten mir sehr leid, es herrschten so um die 180 Dezibel. Das ist das Level „schweres Kriegsgerät“.
Zurück lief ich die Fußgängerzone, wo ich tatsächlich ein nettes Geschäft entdeckte. Leider noch geschlossen. Es vertreibt handgemachte Produkte der Inseln. Unter anderem handgemachte Handcremes, was ich, ich weiß zuweilen nicht, was in meinem Kopf passiert, ungemein erheiternd finde. Da kann man ja nur hoffen, dass die nicht zu schnell einzieht. Kicher.
Mitten in meinem Spaziergang bekam ich Befürchtungen, dass das Management meinen Umzug verpeilen würde, und beschloss, zurückzueilen, um meine gepackten Siebensachen als stumme Mahnung in die Lobby zu stellen. War gar nicht nötig, ich erhielt, als ich ankam, einen neuen Schlüssel, 2.Etage, das Zimmer sei aber noch nicht gereinigt. Von gestern hatte ich noch eine halbe Flasche Rosé, mit der stieß ich dann erst einmal mit mir selbst am Pool auf das neue Jahr an. Um 10 Uhr 30. Naja, Alkohol betreffende Vorsätze hatte ich ja ohnehin nicht gefasst. Das neue Zimmer ist super, eigener Balkon, seitlicher Meerblick, Kühlschrank, Schrank (hatte das 1. nämlich auch nicht)… eine deutliche Steigerung.
Ich lief wieder durch Santa Maria. Diesmal bis zum Rand der Bettenbunkerstrände. Schrecklicher Ort. Nienienieundnimmernich buchen!! Erinnert Euch an die Eule, äh, an das Geheule aus dem Flieger nach Lissabon… Heute waren wieder alle furchtbar aufdringlich. Bettler, Souvenirhändler, staatlich ungeprüfte Physiotherapeutinnen. Man möchte ja gerne höflich sein, aber es empfiehlt sich nicht. Einen, der nicht locker ließ, fragte ich direkt, ob er mir jetzt den halben Ort zeige und ich ihm dann 100 Euro schulde. „Okay, fuck you!“. Wenn man einer aufdringlichen Person nur freundlich zunickt, verfolgt sie einen 10 Minuten lang. Wenn man einen Laden betritt, wird man vom Besitzer umzingelt. Bildlich. Wenn man dann anmerkt, man würde sich gerne ungestört umsehen, erhält man die Antwort, man kenne wohl das Gesetz von Sal nicht, welches laute, der Gast sei so lange zu nerven, bis er fluchtartig die Lokalität verlässt. Preisschilder sind natürlich Teufelswerk und verboten. Ihr wisst, wie sehr ich das liebe.
Erster Januar. Neujahr. Feiertag. Schon wieder! Oben übrigens der Gottesdienst dazu. Ich blieb ein bisschen stehen, um mal zu hören, wie gut mein Portugiesisch inzwischen ist. Nicht so. Dann wollte ich den bestimmt supertollen Chor hören. Auch nicht so. Hm. Feiertag also. Nicht ganz so schlimm wie in Mindelo am 25.12., aber doch deutlich spürbar. Zwei Drittel der Restaurants, fast alle Supermärkte und viele Geschäfte geschlossen. Geöffnet hatten die deutlich erkennbaren Touriläden und die waren schwerst überlaufen. In einem stand eine dreiköpfige Familie, vom Dialekt her Schweizer, an einem freien Tisch und diskutierte, bevor sie weiterzogen. Hah! Sofort ließ ich mich fallen. Dann drehte die Familie nach 20 Metern um und die Frau krähte mich an „DA IST BESETZT!“. Ja, von mir. „DAS IST EINE UNVERSCHÄMTHEIT!“. Ich stand auf, sagte, da sie zu dritt seien, wäre ich mal höflich, was man von ihr ja nicht behaupten könne. „WAAAAS? THOMAS, TU WAS!“. Ist Ihre Frau immer so anstrengend? Ja, ist sie. In Ihrem Beisein sprach er es laut aus. Ich fürchte, der Urlaub ist für ihn gelaufen, jedenfalls ihrem Blick nach. Ich verließ fluchtartig den Ort des alsbald anstehenden Verbrechens.
Ich bekam einfach keinen Platz zum Essen, dabei lief ich mir den Wolf. Man muss wissen, dass der ganze Ort ausgebucht ist. Ich hatte gestern vorsichtshalber nach einem Alternativzimmer geguckt. Es gab genau zwei freie im Bettenburgenpark, für je etwa 350 Euro pro Nacht (zugegeben, de luxe und all inclusive). Wenn dann der halbe Ort schließt… tolle Wurst. Ulli schrieb mir gestern, als sie vor ein paar Wochen an der „Mangopirinhastrandbar“ waren, standen da drei Liegen. Jetzt stehen da mehrere Hundert.
Ich fand erneut einen Sitzplatz, diesmal in einer sehr schlecht bewerteten Bumsbude. Egal. Bier und Leberwurstschnittchen. Egal, ob mit oder ohne Gurke. Allein, es kam keine Bedienung. Ihr habt es bereits herausgelesen, aber ich komme hier nicht in den No-Stress-Modus, im Gegenteil. Runter zum Columbus. Voll. Kann ich warten? Ja klar, es sind aber noch 7 andere Gruppen vor ihnen. Ab Richtung Hafen. Porto Velha, die ganze Terrasse frei, das Restaurant berstend voll. Wie merkwürdig. Kann ich mich draußen hinsetzen? Ja, aber es gibt nur Buffet, das kostet einen Kleinwagen. Das Buffet sah grauslich aus. Da waren bestimmt fröhliche Kinderhände im Spiel. Darf ich nur kurz hier sitzen und um ein Bier bitten? Ja klar… Ich gebe den Hochzeitstermin mit diesem herzensguten Kellner dann morgen bekannt. Er weiß übrigens noch nichts von seinem Glück.
Dermaßen gestärkt kaufte ich erst einmal den örtlichen Artesanal-Shop leer. Ich hatte auf allen Flügen nur 23 kg Gepäck. Nach Hause habe ich 32 kg. Honig-Ponche, Fogo-Kaffee und Handarbeiten landeten in meiner Jane-Birkin-Bag. Die Sachen werden zuhause dann zu dem kretischen Honig, der griechischen Sirtaki-CD, dem kanarischen Rum und den mosambikanischen Palmblattschnitzereien gepackt. Liebe Erbys: viel Spaß damit. Über die Kühlschrankmagnetensammlung hatte ich Euch ja bereits ausführlich aufgeklärt.
Mein Hunger war erstaunlicherweise nicht kleiner geworden. Mar Adentro? Küche zu. Ich bekam langsam Hungerhalluzinationen*. Gegenüber eine Strandbar namens Vista Mar. Nur Strandfresszeug der billigen, aber teuren Art. Ihr versteht? War mir gerade egal. Tintenfischringe, bitte, und ein Sprudelwasser. Das Essen kam nach 30 Minuten, das Wasser nach 45. Man braucht Geduld in diesem Lan… ach, erwähnte ich das tatsächlich bereits? Jeder TK-Tintenfischring etwa 1,20 Euro. Aber das „Restaurant“ bietet perfekte Lehrbeispiele der Mentalitätenkonfrontation. Ich bin ja bekanntlich die Geduld in Pers… {weltweite Tumulte}… RUHE!!! Es gibt deutlich schlimmere! Ein Brite neben mir hat alle 2 Minuten gefragt, wo sein Bier bliebe. Auch Leute, die gar nicht dort arbeiten. Hat mal jemand ausgerechnet, was Touristen, die nach 45 Minuten Warterei aufs Essen den Laden ohne Bezahlung verlassen, den Laden kosten? Das wird dann ja wohl alles weggeschmissen. Oder kommt das in die Mikrowelle?
Auf mehreren Bildschirmen wurden mehrere Fußballspiele aus der ganzen Welt übertragen und ich bekam mit, dass deswegen extra Gäste eintrudelten. Ich machte mir einen kleinen Spaß daraus, schwierige Situationen für Liverpool zu beklatschen, bis ich ernsthaft bedroht wurde. Fußballfans verstehen keine Scherze.
Ich war inzwischen etwas angezwitschert, denn ich hatte nach den Tintenfischen auch noch zwei sehr leckere und bezahlbare Caipis (5 Euro) in der Strandbar. Das verführte mich dazu, unbedingt einen der lustigen Kapverdehüte haben zu wollen. Jaja, verdreht ruhig die Augen, fast hätte ich mir sogar einen bunten Anzug gekauft! Aber wo war ich… der Hut. Ich habe ja eine ziemlich dicke Hohlbirne, da passt nicht alles drauf. Ich krittelte also immer rum, das sei ja sowieso alles zu klein. Ein Hut passte einigermaßen, und als zwei wirklich junge Portugiesinnen den „legal“ (cool) fanden, beschloss ich, der soll es werden. 20 – 10 – 15 – 12 – gekauft. Jahaa, Ihr Lieben, so werden Geschäfte gemacht!
Kurz vor dem Hotel saß auf einer Bank ein älterer Herr, der mir schon früher aufgefallen war. Er läuft in einem schon recht abgetragenen Anzug mit einer Zeichenmappe durch den Ort, möchte die gerne (sehr unaufdringlich) zeigen und wird von allen geflissentlich ignoriert. Von mir heute früh ebenfalls. Jetzt setzte ich mich neben ihn und bat darum, mir zu erklären, was er da bei sich trage. Er sprach nur Französisch, aber ich verstand, dass er tote Schmetterlinge sammle und aus den getrockneten Flügeln Bilder zusammensetze. Die schaute ich mir dann an und wollte ihm – nicht nur aus Mitleid – eins abkaufen. Es wurden drei zum Preis von anderthalb. Er fiel mir dann noch in die Arme, ich denke, er war zufrieden. Ich muss jetzt nur diese sehr filigranen Stücke irgendwie nach Hause bringen. Und einen Platz finden. Und nein, ich habe deswegen keine Gunter-von-Hagens-Gefühle.
Ihr habt bemerkt, heute war nicht so der übliche „dann war ich da und dann da“-Tag. Dennoch hoffe ich, es hat Euch interessiert.
Zwei ganze Tage habe ich noch vor mir in diesem doch irgendwie undefinierbaren Nest. Aber ich finde mich ein. Zumindest gibt es viel zu lästern. Erika, unser Lieblingsspiel „Gib auf“ kann man hier bis zur Erschöpfung durchziehen! Vielleicht tut mir diese aufgezwungene Kommmalrunter-Pause ja auch ganz gut.
Was ich für morgen plane? Ey! No Stress! Lachkrampf! Liebe Grüße, Euer
* Normalerweise habe ich ja immer Notfall-Kekse dabei, besonders, wenn ich mit einer ganz bestimmten Person reise. Diesmal hatte ich keine im Rucksack. Ich verstehe diese Person, nennen wir sie mal, hm, ich weiß nicht, vielleicht Elke, inzwischen besser.
P.S.: Den Holznikolaus hätte ich soooo gerne erworben, aber der Ausgangspreis war 600!!!! Euro. Da konnte ich kein Gegenangebot machen. Was meint Ihr?
um 2 Uhr 30 ging der Wecker. Was genau ist daran eigentlich Urlaub? Zé war pünktlich und lud mich und meine Plünnen um 3 Uhr 20 in seinen Wagen. Ungefrühstückt. Man hatte mir ein vorbereitetes Paket angeboten, aber da ist ja kein Koffein drin, da kann ich das nicht gebrauchen. Im Wagen saß schon Ehepaar Kaluppke, die mich fragten, ob ich auch bei „Reiseträume“ gebucht habe. Reiseträume. Unverzüglich hatte ich das Bild eines Diaabends vor Augen, auf dem Kacheltisch Leberwurstschnittchen mit Gürkchen und Käsesemmeln mit Salzbrezel. Ich beanspruchte die Rückbank und versuchte irgendwie, Schlaf nachzuholen, aber auf der Strecke Tarrafal – Praia gibt es mehr Drempels als in den ganzen Niederlanden, daher wurde da nix draus. Am Flughafen spielten und tanzten dann Batucadeiras, die wohl beim Festival (oder Wettbewerb) vorgestern in Tarrafal aufgetreten waren. Da waren dann mal alle kurzzeitig wach. Video hakelt leider ein bisschen.
Der Flug mit allem Drumherum war unspektakulär und wirklich sehr kurz. 35 Minuten braucht man. Die Maschine war bis auf den letzten Platz gebucht (übrigens kein einziger freier Flug die kommenden 4 Tage!), dafür sprach der Pilot, der die Gäste mehrsprachig willkommen hieß, absolut akzentfrei Deutsch, Manuel von Gran Canaria. Am Gepäckband dann geschah, worauf ich seit Anbeginn der Zeiten sehnsüchtig warte: mein Koffer kam als erstes! Adilson wartete auch schon auf mich und fuhr mich im klapprigsten Toyota der nördlichen Halbkugel zu meiner Unterkunft. Natürlich war das Zimmer – quasi mitten in der Nacht – noch nicht fertig, aber man lud mich freundlicherweise auch hier schon zum Frühstück ein. Ich nahm dankend einen Kaffee und einen Pfannkuchen. Ein wenig irritierte mich, dass sich hier fast alle zur Begrüßung um den Hals fielen. Ich hoffe, man erwartet das nicht auch von mir.
Ich machte mich auf, den Ort zu erkunden. Schon bei der Fahrt vom Flughafen kamen irgendwie keine Glücksgefühle auf. Vier Hügel hat die Insel, manchmal ist mein Wäscheberg größer. Auch die Vegetation ist hier eher spärlich. Was für ein massiver Unterschied zu den anderen Inseln. Der Ort, Santa Maria, ist so ferienortig, ferienortiger geht es gar nicht. Weder im schönen noch im schlechten Sinne. Überall klassische Unterkünfte, Rohbauten und chinesische Geschäfte. Im Zentrum eine Fußgängerzone mit aufdringlichen Verkäufern. Es könnte ein Ort an der Ostküste von Malle sein, nur mit Baulücken dazwischen.
Mit der Karten-App suchte ich nach fußläufigen Sehenswürdigkeiten. Der Cemitério de Conchas klang interessant. Frei übersetzt „Friedhof der Muscheltiere“. Nicht zu verwechseln mit „Friedhof der Nuscheltiere“, das ist die Tatort-Reihe mit Til Schweiger. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund ist hier die Konzentration von Buzio-Gehäusen extrem hoch. Dieser Strand liegt am östlichen Ortsrand.
Wenn man Richtung Westen läuft, z. B. erwähnte Fußgängerzone lang, kommt man an einer netten Kirche vorbei. Dann biegt man nach Norden ab, da gibt es einen mir empfohlenen Supermarkt. Zu dem Thema gleich noch mehr. Wieder nach Osten stößt man auf die städtischen Markthallen. Leute, selbst die Gemüseverkäuferinnen sind aufdringlich! Aber die Markthalle ist eigentlich ganz hübsch. Und die Aufgeräumtheit dort hat auch so gar nichts von den Märkten der anderen Inseln.
Eine Straße, gesäumt von Souvenirbuden, führt südwarts in den alten Hafen, der jetzt eine Ansammlung von Bougainvillea-geschmückten Unterkünften beherbergt. Ja, und dann hat man fast alles in der Stadt gesehen.
Es gibt natürlich unzählige Strandbars. Die leere bei mir um die Ecke hat einen fast ungenießbaren Caipirinha. Die hinterm Hafen einen sehr leckeren, da ist aber brechend voll. Zu voll und zu laut und zu nackig und zu verqualmt für mich. Ich aß ein spätes (wieder einmal) Mittagessen im Mar Adentro, wo ich nur durch Zufall einen Tisch ergatterte. Ich nahm das Tagesgericht, das waren Pataniscas de Bacalhau (Fischküchlein) auf Tomatenrisotto. Letzteres leider mit Koriander, aber das meiste davon konnte ich rausfischen.
Dann endlich wollte ich mein Zimmer beziehen. Ich war toooodmüde! Man kann das ja immer schlecht schätzen, aber ich denke, ich habe vielleicht zwei Stunden fest geschlafen und drei Stunden gedöst. Das reicht für einen fast 60jährigen keineswegs aus. Ich erhielt ein ziemlich chemisch verseuchtes Loch, direkt am Pool, Aschenbecher vor der Tür. Ich guckte den Hotelboy angemessen angewidert an. Es sei nur für eine Nacht, ich könne morgen nach oben ziehen. Leute. Langsam ist mal gut mit No Stress. Sieben Stunden als wandelnde Leiche aufs Zimmer warten und dann das. Kein Safe, kein Kühlschrank, kein Arbeitsplatz. Toller Jahresabschluss. Ich riss das Fenster auf, drehte die Klima hoch und versuchte, zu schlafen. Das gelang auf einer Skala von 0 bis 10 so mit -2.
Ach ja. Der erste Supermarkt, den ich besuchte, verkaufte Wein zum Restaurantpreis der anderen Inseln. 12 Euro für einen weißgottwiealten Casal García. In allen anderen (alles Lojas Chineses) ebenfalls Fantasiepreise. Sachma! Ulli war vor ein paar Wochen länger hier und empfahl mir schon früh einen entfernteren Laden, da war es dann auch nicht geschenkt, aber doch deutlich realistischer. Da kaufte ich Rosé, und damit ich den nun nicht lauwarm trinken musste, in einem zweiten Anlauf auch noch Eiswürfel (ebenfalls ein Hinweis von unserer Frau in Havan… äh Weilerswist). Eine Flasche gab ich einem der beiden Best Boys hier, Johnny und Awunumayu oder so. Beide betonen, sie sprächen nur Englisch. Leider verstehen sie mich nicht wirklich und ich sie auch nur bedingt. Ich hoffe, die übergebene Flasche landet wirklich im Kühlschrank der Frühstücksküche und ist morgen Abend wieder auffindbar.
Ich bin dann noch einmal rumgelaufen, Sonnenuntergang gucken und so. Nett. Aber ich fürchte, ich werde mich mit dem Ort nicht wirklich anfreunden. Dennoch versuche ich, das Beste daraus zu machen. Gegenüber gibt es einen Scooter-Verleih. Vielleicht mal einen Tag über die Insel düsen? Am liebsten hätte ich dafür ja so einen pinken Strandbuggy…
aber die gehören zu einer der zahlreichen Wassersportschulen. Schade.
So, ich gucke, wenn ich nicht vorher einschlafe, nachher mal auf dem zentralen Platz vorbei, da ist irgendwas aufgebaut. Silvesterspaß mit Marianne und Michael, aber eben auf kapverdianisch.
Ihr Lieben, ich wünsche Euch einen gaaaanz tollen Rutsch in ein gesundes, glückliches und wundervolles Jahr 2026! Euer
was ich mir in drei Tagen für einen Ruf hier erarbeitet habe… Nach dem Frühstück (heute gab es als Extra Bananenbeignets) lief ich in Ermangelung anderer Pläne zur Strandbar, da ich über den dann noch fast leeren Strand auf den Ozean glotzen konnte. Die Dame am Tresen so: „Caipirinha?“. Um 10 Uhr früh!! Leider gibt es hier keinen Kaffee, daher… neinneinnein, ich muss Euch enttäuschen, es gab Limo.
Die ersten Sonnenanbeter ließen nicht lange auf sich warten. Zu den ersten gehörten Vater, Mutter, Tochter (Vermutung), die mit einer riesigen Tasche im Schlepptau nach dem perfektem Spot Ausschau hielten. Als sie ihn gefunden hatten, bauten sie ein Zelt auf, das in Größe dem von Bezos‘ Hochzeit in nichts nachstand, bewunderten ihr Werk und platzten schier vor Glück.
Wer auch hier lebt, sind große, dicke Wespen (?), die sich durch winzige Löcher in Palmenstämme zwängen, das ist schon faszinierend! Ihr seht, ich verzweifelte fast vor Langeweile. Ich lief durch den Ort und knipste Wandmalereien. Herrjeh. Aber: Wenn Horst Tappert das noch hätte erleben dürfen!
Eine leere Hotelterrasse. Ich glaube, sie gehört zum Vista Mar. Ab in den Schatten, mehrere sehr leckere Tassen Kaffee getrunken. Wahrscheinlich von Fogo, der brodelnden Vulkaninsel, da soll es den besten Kaffee der Inseln geben. Irene erzählte mir, dass der Großteil der Ernte von Chinesen gekauft und exportiert wird, so dass Einheimische ihn nur unter der Hand erhalten können. Erinnert mich an Laos, wo sich Laoten keine Fische mehr aus dem Mekong leisten können. Die Fischereirechte wurden ja an China verhökert. Ob das alles stimmt, keine Ahnung, aber unwahrscheinlich ist nichts davon. Apropos China: das bei weitem meistgenutze Fahrzeug hier ist ein Elektro-Dreirad mit Ladefläche. Alle made in China. Und wir diskutieren zuhause über das Aus vom Verbrenneraus. Ts!
Das Vista Mar hatte „Buzios“ auf der Karte. Ob es das denn auch nachmittags noch gäbe? Sollte es. Ich zog mein Nickerchen vor und machte mich gegen 14 Uhr auf, endlich Kegelschnecken zu essen. Da ich keine Ahnung hatte, was da auf mich zukommt (in Köln gibt es die so selten), bestellte ich sie nur als Vorspeise und Shrimp-Spaghetti als Hauptgericht. Spaghetti werden hier als „Massa“ verkauft. Das heißt sowohl Teig als auch Nudeln. Insgesamt hat es zwei Stunden gebraucht, von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Bezahlung. Man braucht hier schon viel Geduld. Dabei waren nur zwei andere Tische besetzt. Die übrigens den Service unerträglich von oben herab behandelten. Ehemalige Kolonialherrschaft. Ätzend.
Die Schnecken waren ziemlich lecker, es gab sie mit leicht geröstetem und entrindeten Toastbrot. Noch besser waren allerdings die Spaghetti, die in einer leichten, cremigen Sauce serviert wurden. Die Massa (weitere Bedeutung: „Masse“) in Punta do Sol kam da bei Weitem nicht dran.
So langsam gingen mir die Escudos aus und ich lief zur ATM der Atlantikbank. Die war leer. Schalter zu. Der Wachmann (hier wird so ziemlich alles bewacht) erklärte mir den Weg zum einzigen anderen Geldautomaten. Kuba-Vibes!! 5 Menschen vor mir und, als ich dran war, 20 hinter mir. Es kam zu Gerangel in der Schlange. Aber eine resolute Dame übernahm das Kommando und sortierte die Anstehenden. Kurz war mir flau. Klar, man kommt notfalls mit Euro auch weiter, aber mit Escudo ist es deutlich unstressiger. Ich bekam noch Geld.
Ich traf die Schweizer wieder. Langsam vermute ich, es gibt nur insgesamt 100 Touristen hier (ausgenommen Sal und Boa Vista) und die werden wie wild über die weniger touristischen Inseln gejagt. Sie waren mit JP wandern. Wie war’s denn? Vater: „ganz nett“, Tochter: „total doof!“ und strahlte mit ihren Zahnlücken übers ganze Gesicht.
Es war Zeit für den Caipirinha am Strand. Inzwischen ist aber feiertagsbedingt das Touristenaufkommen – auch das inländische – dermaßen hoch, dass an der Kasse 30 Menschen anstanden, an der Ausgabe noch einmal so viele. Ich sagte dem Strand Adieu und nahm einen Cocktail im „Storchen“, wo ich meine Vermieterin mit ihrem Mann José traf. Klingt jetzt sehr nach deutscher Provinz, gelle? War beabsichtigt. Der Storch heißt natürlich „A Cegonha“ und hat keine Geweihe an der Wand.
Ich muss vorwegschicken, dass ich vormittags die Agentur bat, Abholzeit und Flüge noch einmal zu checken. Wir erinnern uns, vor 4 Tagen flog die Maschine 75 Minuten zu früh. Tatsächlich war mein morgiger Flug auch um 10 Minuten vorverlegt. Naja, geht ja noch. Es bliebe bei der Abholung um 4 Uhr.
Okay, meine Landlady sagte mir dann, im Storchen halt, man habe sie informiert, ich solle so gegen 2 oder 2 Uhr 30 bereitstehen. Hmpft. Ich wieder die Agentur angeschrieben. Die schrieb, der Fahrer käme um 3 Uhr 20. Also, ich werde mich einfach um Mitternacht mit einer Flasche Wein in den Vorgarten setzen und abwarten, was passiert. No Stress. NO STRESS! NOOOOOO STRESSSSSS!!!
Vor den beiden Zimmern im Erdgeschoss hinten raus gibt es einen kleinen Innenhof mit Sitzgelegenheiten. Meine Nachbarn schauen dabei auf das Bügelzimmer, ich auf eine Küche, von der ich dachte, sie sei zur Frühstücksvorbereitung gedacht (was sie auch ist), aber sie kann dennoch von Gästen mitgenutzt werden. So beobachte ich gerade, während ich dies schreibe, den Gast, dessen Leben durch fehlenden Senseo-Kaffee fast aus den Fugen geriet, beim hingebungsvollen Schnittchenschmieren. Ob er die Dauerwurst von daheim mitgebracht hatte? Und war ich eigentlich schon immer so ein boshaftes Lästermaul? Ich fürchte, nur eine der Fragen lässt sich eindeutig beantworten.
Leute, morgen ist Silvester. Mache ich jetzt durch, oder lege ich mich um 19 Uhr Ortszeit ins Bett und hoffe, dass ich nicht verschlafe?
Ihr erfahrt es morgen, wenn Ihr wieder hier vorbeischaut. Dann liefere ich Euch auch den Beweis der Poincaré-Vermutung. Ehrlich!
Liebe Grüße, Euer
Der einzige iChair. Es blieb bei diesem Prototypen. Ich nehme ihn mit nach Hause und stelle mich bei „Bares für Rares“ vor.
heute früh große Aufregung überall. Zuerst bei mir, denn der morgendliche Stromausfall fand statt, als ich gerade voll eingeseift unter der Dusche stand. Im Dunkeln. Ohne Warmwasser. Ich meditierte drei Minuten über die Wunderwelt der Elektrizität, da waren Licht und Durchlauferhitzer wieder da. Oh. Ein Zwischruf! Was? Wie, „geht auch kalt“? Nee, geht nicht, habe ich probiert, ist Kackolores.
Dann schien irgendetwas die Senseo-Maschine geschrottet zu haben (Zusammenhang?) , wir mussten löslichen Kaffee zum Frühstück trinken. Und on top war auch noch das W-LAN weg. Aber da wir alle im No-Stress-Modus waren, tanzten wir ausgelassen zu karibischen Rhythmen auf der Dachterrasse und stießen mit unseren Muckefucktassen an. Nein, das ist natürlich Quatsch. Zumindest das mit dem Kaffee erregte einen Gast sehr.
JP holte mich pünktlich zur Bootstour am Hotel ab. Ob es mir etwas ausmachte, wenn auch noch eine Schweizer Familie mitführe? Es habe da gestern ein Missverständnis gegeben. „I guess I know these people“, sagte ich und war natürlich einverstanden. Ich nehme mal vorweg, dass das die Tour auch verbessert hat, denn so war die Unterhaltung etwas diverser. Aber als wir am Strand ankamen standen da nur Mutter und die beiden Nachwuchsfischer. Vom Daddy fehlte jede Spur. Er sei sauer auf die Veranstalter, erfuhr ich von der Gattin. Nach 20 Minuten Warterei lief ich mit dem Sohnemann zum Hotel und trug meinen Unmut vor, es sei mein Ausflug und meine Zeit und ich hätte keinen Bock auf Rumzickerei. Er murmelte etwas von, sie machten das ja nur, damit sie Geld sparten, ich motzte, dass sei gerade egal, dann kam er auch endlich mit. Am Boot flüsterte ich noch allen zu, dass wir jetzt eine Menge positive Vibes bräuchten. Und dann war es auch sehr nett. Die beiden Kinder sind total nett, auch wenn sie manchmal vergaßen, dass ich kein Schwytzerdütsch (oder wie auch immer das geschrieben wird) verstehe. Wir tuckerten ein wenig durch die Bucht, am „schlafenden Elefanten“ vorbei zum Leuchtturm und ankerten dann in einer ruhigeren Ecke, um zu fischen.
Ich bin froh, dass ich meinen Lebensunterhalt nicht mit Fischen bestreiten muss. Ich bin der wohl untalentierteste Fischer der Welt. JPs Begleiter holte einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser, JP zwar nur einen, dafür aber einen ziemlichen Brummer, die Familie zwei kleine Fische, die wieder in die Freiheit entlassen wurden. Mit einem Loch im Maul halt. Bei mir wurde immer der Köder abgeknabbert, ohne, dass einer zubiss. Die Ehefrau sah einen Manta, ich einen riesigen Schwarm tieffliegender Fische. Die Tochter (vielleicht 5 oder 6 Jahre) durfte für die Fahrt auf die andere Buchtseite das Boot steuern, Papa dann von dort aus wieder zum Hafen. Er schien wieder besserer Laune. Am „Hafen“, der ja nur ein Strand ist, angekommen, war es wegen des Wellengangs schwer, anzulanden. Man wartete auf die richtige Welle, um möglichst weit reingetragen zu werden, um dann eilends aus dem Boot zu springen, um es an Land zu ziehen. Der Onkel Gerry hat dann die richtige Welle abbekommen. Ich war pladdernass! Yeah. Mithilfe anderer Fischer zogen wir den Kutter den Strand hoch. Jetzt sollten die gefangenen Fische noch gemeinsam gegrillt und verzehrt werden. Aber mir war eher nach einer Limette und ich empfahl mich. Das war ein netter Ausflug. Und ich kann jetzt voller Stolz behaupten, ich sei fischen gewesen. Dass das erfolglos war, kann ja unter uns bleiben.
Hier gönnte ich mir ein Blätterteigteilchen.
Ich kehrte zurück in die Casa Alegría, plauderte mit Irene, die ein paar interessante Geschichten auf Lager hat und kam endlich mal fast zur richtigen Zeit zu meinem Nickerchen.
In der Hauptstraße war heute Flohmarkt.
Am Abend wollte ich einer Restaurant-Empfehlung aus meinen Reiseunterlagen folgen, Laziz. Aber das hatte leider zu. Mir fiel eins ein, dass mir ganz nett erschien. Geschlossen. Sachma, ist heute Museumsmontag?! Ich lief zum Strandklippenhotel. Essen erst ab 19 Uhr (es war Viertel nach 6). Ich lief zum „Farol“, dort ruhten sich alle Bedienungen von was auch immer für Strapazen aus und ignorierten auch die anderen Gäste. Ich lief zum nächsten, dort war eine riesige Tafel für ca. 30 Gäste aufgebaut, ein einsamer Tisch mit einem einsamen Stuhl war frei. Den durfte ich dann haben. Um weiteren Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen, bestellte ich „irgendeinen gegrillten Fisch“.
Auf dem Tisch der Feiergesellschaft stand übrigens nicht ein Glas Alkohol. Das wäre bei uns ja unvorstellbar. Links neben dem Restaurant ein Bolzplatz, wo mit viel Enthusiasmus ein Spiel ausgetragen wurde. Rechts die Meeresbrandung. Vorne der Sonnenuntergang. Mein Fisch dauerte ewig, aber ich hatte tatsächlich no stress damit. Und statt des Gemüses gab es Fritten. No Stress. Egal. Aber: Fritten kann man hier einfach nicht. Die sind immer so lätschig, als wären sie von Belgien hierhergeschwommen. Naja, dafür halt keine Acrylamide.
In der Unterkunft lag ein neuer Zettel auf dem Tresen. Zumindest hatte ich ihn noch nicht bemerkt. Man warnte eindrücklich vor dem Restaurant, in dem ich vorgestern war. Das Essen sei nicht frisch und irgendwas mit Kreditkartenbetrug. Naja, ich lebe noch (der Oktopus) und zahle bar.
Das war insgesamt ein sehr entspannter Tag, bin mal gespannt, wie viele ich davon noch schaffe. Bin kurz davor, die Agentur anzuschreiben, sie mögen mir bitte noch Aktivitäten für Sal einplanen. Sonst hätte ich ja eine ganze Woche fast nur Strand gehabt.
Ihr Lieben, morgen früh sehen wir uns erst einmal zu löslichem Kaffee und dann sehen wir weiter, gelle? Liebe Grüße, Euer
Die Kapverden sind zum ersten Mal in der Geschichte bei der Fußball-WM dabei. Man kann hier keinem eine größere Freude machen, als ihm/ihr zu gratulieren. Wird nicht einfach. Spanien, Saudi-Arabien und Uruguay sind in der Gruppe. Kann man machen, oder?