Ist das Kunst oder…?

Ihr Lieben!

Das Max Ernst-Museum in Brühl hat ja immer wieder Mal interessante Sonderausstellungen, daher regte ich einen Besuch desselben durch unsere kleine Kulturgruppe an, als eine surrealistische Künstlerin, Marianna Simnett, angekündigt wurde. Am Mittwoch vor dem Feiertag haben Ruth und ich uns dann getroffen, Monika stieß später dazu.

Ja, einige der Exponate waren wirklich interessant, sogar schön, auch wenn sie sich bei genauem Hinsehen als teilweise morbide und/oder gruselig und/oder verstörend erwiesen. Es gab Skulpturen, KI-Videos, Bilder. Hier mal ein paar Eindrücke:

Leider hat uns aber insbesondere eins der Videos (ein weiteres traf auch nicht unseren Nerv) so sehr verstört, dass wir den Besuch nicht genießen konnten. Vor dem Separée hing schon ein Warnhinweis auf „Andeutungen sexueller Handlungen mit Kinderdarsteller:innen“. Von den 25 Minuten Dauer reichten uns zwei aus. Wir sahen ein Kind, das in einer Badewanne unter Wasser gedrückt wurde. Kunst? Die Presse und der Rundfunk, so fand ich im Nachhinein heraus, konnte dem etwas abgewinnen. Wir beide nicht. So war Monika vorgewarnt und sparte sich den Eintritt.

Wir wollten dann im Museumscafé einen Happen sowie einen Schluck zu uns nehmen, das Tortenbuffett war auch aufgebaut, alle Ein- und Ausgänge nutzbar. Allein eine Servicekraft war nirgends zu sehen. Ich fragte an der Kasse nach, wo man mir lapidar beschied, das Café sei doch geschlossen. Erlebtes Paradox nenne ich das jetzt mal. Unglücklicherweise fing es auch noch an zu plästern wie nix, so entscheiden wir uns, ein Restaurant in Brühl Zentrum aufzusuchen, das maximal 1 Minute von einem Parkplatz entfernt war. Das war nicht das schlechteste Auswahlkriterium, fanden wir uns doch in der Pizzeria Casanova wieder, die uns sehr gefallen hat (und die auch extrem gut besucht war). Blöd nur, dass ich mit dem Pizzakarton, in dem sich die Reste befanden, auch in Holweide in einen Platzregen kam und in Sekundenschnelle alles durchgeweicht war.

Am Samstag hatten wir mal wieder Familienkaffeeklatsch, diesmal ohne die Kleinen, dafür aber mit Jacobs Freundin. Eigentlich wollte ich am Freitag backen und Tiramisu machen, aber ich kam so spät aus dem Büro, dass mir das zu viel wurde. Aber die Tiefkühlkuchen, die ich stattdessen besorgte, gingen auch weg wie geschnitten Torte. Äh. Ja. Das war quasi Housewarming, Teil 5 (oder so) und ein netter Nachmittag.

Sonntag fuhr ich mit ÖPNV am frühen Nachmittag zu Elke nach Neuss, wo wir nach einem Gläschen Sekt (speaking about traditions…) einen weitläufigen Spaziergang unternahmen. Hier sah ich dann auch live zum ersten Mal das Problem mit Nora. Die Gute springt gerne unvermittelt in Gebüsche und jagt Kleintieren nach. Tja, da hätte ich auch Bedenken, sie leinenlos zu lassen. Zumal Nora möglicherweise auch Trethupen für Kleintiere hält. Es gab dann einen Spargelkuchen mit Huhn, sehr lecker. Gut fand ich, dass die Verkehrsverbindung von Holweide aus nach Neuss deutlich unanstrengender ist.

Was tat sich in der Wohnung? Ich habe ja eine Schräge, die so ungünstig ist, dass darunter praktisch toter Raum ist. Prima Platz für einen Sitzsack, befand ich, und bestellte einen. Der sollte UVP 200,- Euro kosten und war herabgesetzt auf 75 inkl. Versand. Als das Ding ankam, stellte sich heraus, dass man davon ausging, ich würde den Sack selbst mit den in einem riesigen Plastikbeutel beigefügten Styroporkügelchen befüllen. WHAT? NEE! Ich schrieb an die Firma, ich wünsche ein Rücksende-Etikett. Daraufhin bot man mir einen weitere Nachlass von 30% an, wenn ich ihn behielte. Ansonsten wären 7,- Euro Porto fällig und ich hätte dann auch noch die Kügelchen zu entsorgen. Auf der Basis behielt ich alles und schaute mir den Karton eine Woche lang missmutig an, bis es Christi Himmelfahrt so weit war. Ich sage mal so viel: Ich habe nun keine Angst vor der Hölle mehr.

„Hast Du auch alle Kügelchen eingefüllt?“ – „Ach, halt die Klappe, Teddy!“

Die statisch aufgeladenen Kügelchen klebten nach Sekunden an meinem Körper, an der Tapete, an den Möbeln, und ich brauchte anderthalb Stunden, um den Sack zu etwa 90 % zu befüllen. Der Rest der Kugeln hatte sich selbständig gemacht. Die Beschreibung schlug vor, herumirrende Kugeln zusammenzufegen und das Kehrblech dann ebenfalls in den Sitzsack zu entleeren. Leute, ich wette, das hat noch nie jemand von denen ausprobiert. Ich saugte dann den Kollateralschaden einfach auf und brachte den Umkarton in die Tiefgarage, wo ich ihn, damit ich ihn ins Auto bekam, mit einem gezielten Fußtritt zusammenstauchen wollte. Ja, manchmal bin ich einfach zu blöd. Ende vom Lied: Mit sieben Verlängerungskabeln und Staubsauger ausgerüstet runter und die Tiefgarage (die hat keine Steckdosen) geputzt. Mannomann, war ich angep***t. Als ich dann noch eine halbe Stunde später ein völlig zerstörtes DHL-Paket aus der Packstation abholte, beschloss ich, den Rest des Feiertages nichts mehr zu unternehmen.

Ein weiteres bestimmendes Ereignis diese Woche war natürlich der ESC. Ich schaute mir wieder beide Semifinals und natürlich auch die Samstagsshow an. Wirklich gefallen haben mir nur drei oder vier Beiträge und mir war klar, dass sich wieder alle echauffieren, dass Deutschland mit einem Tralala-Boom-Bang-Song mit Kleidervomleibreiss-Choreografie nicht den ersten Platz gemacht hat. Na, das hätte ich Euch vorhersagen können. Aber so hatte ich einen Grund, mal wieder Erdbeerbowle zu machen, denn die gehört für mich traditionell zum ESC dazu.

Viel gekocht habe ich auch wieder selbst, aber nichts Neues oder Spektakuläres. Nur die Blumenkohl-Suppe im Brotlaib fand Eingang in meine Rezeptsammlung. Gleich gehe ich noch zum Libanesen und hole mir ein Schawarma-Sandwich, da bin ich gerade seeeehr von angetan. Sooo lecker.

Ihr Lieben, das war’s schon wieder mit meinem Bericht aus dem Kölner Osten. Bis bald, liebe Grüße, Euer

P.S.: Ich weiß nicht, warum mich das Herz des Graffitos vom Deutzer Bahnhof (Vorschaubild) an einen ganz anderen Körperteil erinnert.

P.P.S.: Apropos Liebe, seit Tagen denke ich darüber nach, wer das wohl sein könnte. Wenn Du das liest, melde und offenbare Dich!

Harz, 6. Tag: Wer andern eine Grube gräbt…

Ihr Lieben,

das Frühstück im Hotel hat mich nicht enttäuscht. Chef, fallst Du das liest… ich bleibe ein paar Wochen hier und arbeite dann nach. So ein schönes Haus und so umsorgende Personen drumherum. I like it! Und dann auch noch die schöne Gegend!

Heute haben wir uns zu einer Wanderung verabredet, die Uwe ausgesucht hatte. Also, eine von den 300 Alternativen, die abgewogen werden mussten. Gruppenreisen halt. 🙂 Das Wetter war aber morgens nicht schön, es nieselte und war diesig, so beschloss die Gruppe, etwas später als geplant loszulegen. Das gab mir Zeit, noch einmal auf eigene Faust loszugehen und mir die vielgepriesene Neuwerkkirche genauer anzusehen. Zudem brauchte ich auch noch etwas aus der Drogerie, da war ein früher Einkaufsstraßenbummel ja auch nicht verkehrt. Ich betrat die Kirche durch eine Tür und ein Organist empfing mich mit Musik. Wie nett, dachte ich. Dann ging ich zum Tisch mit den Informationsbroschüren, wo ich die Fotografiergebühr zahlen und eine Kerze erstehen wollte. Die Kirche sei doch noch gar nicht geöffnet, das wäre jetzt aber unangenehm. Ich durfte dann aber einfach bleiben. So kam ich in den Genuss eines kleinen Privatkonzertes und hatte auch die allererste Kerze des Tages angezündet. Das mache ich übrigens oft, Kerzen in Kirchen anzuzünden. Ich wünsche mir dann immer, obwohl nicht gläubig, eine schöne (weitere) Reise und ich bilde mir ein, dass diese nur wenige Minuten dauerende Einkehr den Tag auch irgendwie beeinflusst.

Die Neuwerkkirche ist schön anzusehen und definitiv einen Besuch wert. Sie ist nüchtern protestantisch, aber im Gegensatz zu den calvinistisch oder puritanisch orientierten Kirchen des Nordens mit bunten Tupfern und mit einer farbenfroh ausgemalten Apsis versehen. Die Orgel ist dafür wieder langweilig und unspektakulär. Der Kerzenraum ist einladend gestaltet. Es gibt einen Park drumherum mit schönem Baumbestand.

Ich stopfte meine Kulturbeutellücken in einer Drogerie und hatte noch Zeit bis zum Treffen. So besuchte ich auch St. Cosmas und Damian, die Wahrzeichenkirche von Goslar mit den beiden unterschiedlichen Türmen, die auch Marktkirche genannt wird. Hier ist es innen wieder sehr karg und die Orgel ein trauriges kleines Ding. Übrigens: Wusstet Ihr eigentlich, dass ich mal auf Empfehlung eine Probe-Orgelstunde bei einem musikalischen Nachfolger von Johann Sebastian Bach hatte? Er befand mich völlig untalentiert und hat mich erst als größte Zeitverschwendung seines Lebens beschimpft und mich dann als Schüler abgelehnt. Grmpft! In der Marktkirche gibt es zur Zeit eine Ausstellung mit Bildern von Hans Manhart. Die Bilder gefallen mir außerordentlich gut! Wer Zeit und Lust hat…!

Wir waren um 11 Uhr am Marktbrunnen verabredet, ich hatte noch drei Minuten Zeit, die menschenfressenden Detailfiguren des Brunnens zu fotografieren und den Goslarer Dukatenscheißer am Kaiserhaus zu finden. Ja, und dann ging sie los. Die längste kürzeste Wanderung der Welt. Angekündigt waren etwas mehr als 2 Kilometer, gefühlt waren es 15. Es waren wahrscheinlich 7 oder 8. Aber es hat sich gelohnt. Im Nebeldunst erstiegen wir den Rammelsberg, der Teil des Weltkulturerbes Goslars ist. Dazu mussten wir durch das Breite Tor und am Klusfelsen vorbei, wo es eine kleine Einsiedelei gibt. Der Klusfelsen selbst sieht aus wie ein Jabba the Hut, den Medusas Blick in Stein verwandelt hat.

Nach geraumer Zeit des Anstiegs mit wirklich schönen Ausblicken auf das dunstige Goslar (die Fotos können die Atmospäre in keinster Weise wiedergeben) erreichten wir den Maltermeisterturm, der im 16. Jahrhundert als Überwachungs- und Alarmturm errichtet wurde. Später wohnte dort der Maltermeister, der die Holzzuteilung für den Bergbau verwaltete. Ein Malter = zwei Kubikmeter = ein Ster. Den zwei Kubikmetern begegnen wir später wieder. Inzwischen befindet sich hier eine beliebte Ausflugsgaststätte, wo wir uns erfrischten. Der Ausblick ist phantastisch, zudem klarte es auch noch auf und die Sonne kam durch.

Weiter ging es – diesmal bergab – zum Herzbergerteich, wo wir nach rechts zur Weltkulturerbestätte Rammelsberg abbogen. Was soll das sein? Der Reichtum Goslars in seiner Blütezeit begründete sich auf außerordentliche Erzvorkommen im Rammelsberg. Seit etwa um das Jahr 1000 herum wurde hier gewerbsmäßig Erz gefördert. Aber schon vor dreitausend Jahren, also in der Bronzezeit, wurde Kupfer abgebaut. Das Erz in Goslar war eines der reichhaltigsten europaweit. Gold, Blei, Zinn, Kupfer, Silber, Eisen undundund, natürlich in unterschiedlichen Anteilen. Das heutige Gesamtbild der UNESCO-Anlage wird dominiert von Bauten aus den dreißiger Jahren. Zusammen mit dem Altstadtkern Goslar ist es Weltkulturerbe.

Man kann so einiges in der seit 1988 stillgelegten Anlage erfahren, viele verschiedene Besichtigungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Ich habe gequengelt, ich wollte unbedingt mit der Grubenbahn in den Stollen rein. Die Begeisterung der Gruppe war eher mau. Aber Claudia, die ich schon vorher liebte, wollte dann mit mir in den Berg fahren. Jetzt liebe ich sie natürlich umso mehr. Wir mussten einen Helm aufsetzen, der uns übrigens ausgezeichnet stand, bekamen von unserer Grubenleiterin eine kurze Einweisung und quetschten uns dann in geschlossene Waggons, um 500 Meter in den Stollen einzudringen. Leute, das ist nix für Klaustrophobiker. Im Stollen selbst läuft man bis zur Schachtfahranlage, die aber nicht mehr in Betrieb ist. Denn der Berg ist abgesoffen. Dann gibt es einen Stollen, in dem es eine Art Zickzack-Lehrpfad gibt, anhand dessen der Weg des Gesteins zur Verhüttung bzw. sonstigen Weiterverarbeitung verfolgt werden kann. Ihr merkt schon anhand der Länge des Absatzes, dass ich total begeistert von diesem Besuch war. Es lohnt sich absolut, zumal unsere Frau Fritsche (glaube ich) auch kompetent und fesselnd vorgetragen und erklärt hat. Supi, supi, supi!

Uwe und Petra haben sich im Museumscafé verlustiert und feierten unsere Rückehr aus dem Berg frenetisch. Es stand nun zur Diskussion, ob wir noch ins Ausflugslokal Kinderbrunnen laufen oder wieder in die Stadt zurückfahren. Wir beschlossen, uns zu trennen, damit jeder bis zum Abendessen sich erholen, frischmachen oder noch mehr rumlaufen könne, wie ersiees eben wollte. Ich lief weiter rum. Ich entdeckte völlig menschenleere Fachwerkviertel, eine weitere Kirche, zu der ich aber auf Beelzebubkommraus keinen Zugang fand, fand durch Zufall das Museum für moderne Kunst, das hatte aber wegen einer Großveranstaltung geschlossen, außerdem einen auf außerirdisches Leben spezialisierten Laden. Hm. Das war der Zeitpunkt, wo ich mich einfach mal wo hinsetzen wollte. Und so fand ich mich im Hotel „Alte Münze“ auf der Terrasse ein, wo ich bei einem Bier Tagesrückschau hielt, als plötzlich eine Stimme „Der Gerry“ rief. Ute und Andreas waren angekommen und so saßen wir gemeinsam vor der Münze und plauderten. Ab jetzt zu sechst.

Es drohte, zu gewittern und wir fanden uns wieder im Brauhaus ein, wo wir einen sehr netten Abend verbrachten und unsere Eroberung des Brockens morgen planten. Draußen schiffte, blitzte und donnerte es. Ich glaube, das bedeutet für morgen klares Wetter, oder? Essen wieder lecker (ich hatte die Harzspezialitätenplatte), sehr lustiges Gequassel und würdiger Abschluss eines ereignisreichen Tages. Im Hotel nahmen Ute, Andreas und ich noch einen Absacker und morgen geht es dann um 9 Uhr los vom Bahnhof Goslar aus nach Wernigerrode und von da aus mit der dampfenden Schmalspurbahn zum Brocken.

Quedlinburg ist ja eine unmittelbare Wow-Stadt. Goslar ist eine Stadt, die entdeckt werden muss. Dann aber ist sie ebenso wow. Vorteil der wirklich schönen Ecken: Touristen verirren sich nicht dorthin. Ja, und wir sind nun 6 Personen, das ist natürlich etwas anderes, als alleine zu reisen. Aber wir kleben nicht aneinander, daher klappt das. Uwe wird von uns allen gequält, aber er hat das initiiert und muss da durch. Ich sage einfach mal an der Stelle hier „Danke, Uwe, wir sind ein nerviger Hühnerhaufen, aber Du machst das prima.“

Morgen also der berühmte Brocken. Da soll es eine fantastische Erbsensuppe geben, wie unsere Kellnerin uns vorschwärmte. Wollen wir die virtuell zusammen schlürfen? Würde mich sehr freuen! Liebe Grüße, Euer

P.S.: Gibt es einen Jesus, der wie Konrad Adenauer aussieht? Möglicherweise.

P.P.S.: Der Malter… Das Sprengen im Berg heißt Schießen. Und nachdem druckluftbetriebene Maschinen die manuellen Druckluftbohrer ersetzt hatten, konnte Gestein als etwa 2 Kubikmeter-Block aus dem Berg geschossen werden. Ihr merkt, die Tour hat mich nachhaltig beeindruckt! Auch die Wiederbefülluung mit Schiefer, die Technologien zur Beförderung, die Arbeitsbedingungen… jaja, ich höre ja schon auf.

P.P.P.S.: Macht diese Tour! Und Ende.