Ihr Lieben,
die letzten Tage waren recht anstrengend, kaum hatte ich meinen Geburtstagsrausch hinter mir ge…. Wie? Nein, wie in „rauschende Ballnacht“, nicht wie in „besoffen“. Also, hinter mir gelassen, hatte ich auch nur noch mit Umzug zu tun. Packen, putzen, Möbel montieren, aussortieren. Und telefonieren. Unter anderem mit:
a) Netcologne. Wo ich 57 Minuten in der Warteschleife bei grausligster Musik verbrachte, um dann nach vielen HmHms, Achsos, Ahas und dergleichen beschieden zu werden, man reiche die Problematik an die Fachabteilung weiter. „Ich dachte, da wäre sie nach drei Telefonaten und 12 Mails in zwei Wochen bereits“, schluchzte ich in den Hörer. Immerhin rief mich zwei Stunden später ein sehr geduldiger Mann zurück, der mir alles zum neuen Router, den Anschlusspunkten und der Schaltung erklärte. Und zwar so, dass ich es glaubte und verstand. Der Mann hat zweifelsohne eine Gabe! Übrigens, es funktionierte dann am Umzugstag tadellos.
b) dem Einwohnermeldeamt. Ich weiß, das heißt ganz anders. Bürgerdialogforum oder so, ist aber auch egal. Nachdem ich neulich berichtete, dass man mir im „Kundenzentrum“ so toll geholfen hatte, bekam ich eine Mail, warum ich meinen Meldevorgang nicht abschlösse? Häh? Ich telefonierte (ohne Warteschleife, wie konnte das passieren?) mit einer Dame, die mir riet, die Mail zu ignorieren. Hm. Sehr vertrauenerweckend dies alles. Ich folge ihrer Empfehlung.
c) dem Umzugsunternehmen. Man dankte mir für die Vorkasse (bei so viel Geld auch angebracht) und informiere mich dann einen Tag vor dem Termin, wann man käme. Doppel-Häh?! Wollte man mich mit meinen 23.847 Kartons in der Mittagspause dazwischenschieben? Ich nehme es vorweg, man teilte mir am Vortag mit, man sei um Viertel nach sieben vor der Tür.



In der Nacht vor dem großen Tag machte ich kaum kein Auge zu. Ich schlief zwar sofort ein, war aber nach drei Stunden glockenwach. Müde wie nix, aber der Schlaf hatte die Koffer gepackt und war abgereist. Ich schrieb eine Mail an meine Umzugshelfer, ich nähme den ersten Flug nach Guadeloupe und wünsche ihnen viel Spaß beim Umzug. Gab aber keinen freien Platz im Flieger mehr, also musste ich auch ran.
Elke kam pünktlich an, kurz darauf vier Packer. Es waren mir sechs avisiert worden, aber… ganz ehrlich… die vier Serben arbeiteten für sechs. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Hatte ich mir am Vorabend noch ins Hemd gemacht, jeder Karton sei wahrscheinlich zu schwer, packten die Herren sich drei bis vier und liefen die dreieinhalb Etagen im Quickstep-Tempo die Treppe rauf und runter. Fast alle Möbel wurden mit Folie verpackt, man brachte sogar den Sperrmüll aus Keller und Wohnung für mich runter. Der kommt zwar erst Dienstag, aber seht Ihr mich mit einer Dreimetercouch auf dem Rücken? Siehste! Ich auch nicht.




Hubertus kam auch zur moralischen Unterstützung und brachte Milch und Zucker für den Umzugskaffee mit, ich hatte das alles natürlich schon verpackt. Elke war für Brötchen, Belag, Obst und Süßigkeiten verantwortlich. Einen Käsekuchen hatte ich auch noch gebacken. Die Herren haben sich sichtlich gefreut, als ihnen das alles in Holweide kredenzt wurde. Man deutete an, das käme nicht mehr oft vor. Tja, ich bin in einer anderen Welt groß geworden.
Schon um 14 Uhr war der Spuk vorbei. Mein Trinkgeld war übrigens wohl auch recht üppig, aber da ist ja – man kann es in den Kommentarspalten lesen, wenn es um dieses Thema geht – auch eine Kehrtwende in der Republik zu bemerken. Als ich noch kellnerte, zeichnete sich das schon ab. Schwaben: „Hier haben sie… äh… Hilde, hast Du mal 20 Cent?“. Schweizer: „Können Sie auf hundert Franken rausgeben? Nicht? Na egal, behalten Sie!“.
Am Nachmittag kamen noch meine Brüder, Hagen und Oliver, und schraubten noch ein paar gelieferte Möbel mit mir zusammen. Ich habe mir – es muss die End-Life-Crisis sein – einen knaatschbunten Ohrensessel mit Hocker gekauft. Leider ist er nicht ganz so bequem, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber er sieht süß aus und mit ein paar Kissen im Rücken geht es. Wir tranken dann noch ein Tässchen Kaffee, übrigens den von der Insel Fogo, den ich im Dezember mitgebracht hatte, und dann fuhr ich noch einmal in die alte Wohnung, um noch ein paar Sachen abzuschrauben und zu gucken, wie viele Kartons ich in Holweide auspacken müsste, um den Rest am Freitag abholen zu können. Denn natürlich hatte ich nicht ausreichend Kartons und lose Sachen hat das Unternehmen verständlicherweise nicht mitgenommen. Die Hälfte des Sperrmülls war da übrigens schon verschwunden. Waschmaschine, Trockner, die Yucca-Palme (die einen üblen Trauermücken-Befall hatte, herzlichen Glückwunsch dem neuen Besitzer) und die Lattenrostlatten waren verschwunden.



Die erste Nacht habe ich fast 10 Stunden ohne Unterbrechung in der neuen Butze durchgeratzt. So Rollläden sind schon was Feines: Es ist stockfinster und die böse Morgensonne (Schlafzimmer ist auch noch Richtung Osten) weckt einen nicht. Herrlich! Ich frühstückte, trank Kaffee, erledigte ein bisschen Papierkram, schreib noch ein paar Danknachrichten bzgl. meines Geburtstages und fuhr dann mit den Gläsertabletts, die ich mir in der Firma ausgeliehen hatte in die Stadt ins Parkhaus, wo plötzlich der Motor ausging, bevor ich in der Parklücke war. Benjiro sprang auch nicht mehr an und hinter mir wurde schon wild gehupt. Ich stieg aus und erklärte dem Hintermann, dass mein Auto streike. Er schob dann sofort mit mir den Wagen auf den Parkplatz. Sehr nett. Ich schaute mir das Armaturenbrett an, rotes Lenkrad mit Ausrufungszeichen. Hm. Google. Servolenkung defekt. Weiterfahrt unmöglich. Sachma, kann mal ein Tag kommen, wo es nicht hakt?
Ich nach oben, die Sachen angegeben und einen Kollegen auf dem Gang gefragt, ob er damit was anfangen könne. Konnte er nicht, aber ein anderer Kollege aus der IT, der das Gespräch hörte, bot mir an, mit seinem Diagnosestick den Fehler auszulesen und ggf. zurückzusetzen. Ja, genau so habe ich auch geguckt. Irgendwie kam zwar kein Bericht zurück, aber der Wagen ließ sich wieder starten. So ein Ding hole ich mir auch! Denn auf dem Weg zur Wohnung in Poll blieb der Wagen wieder mitten auf der Kreuzung stehen, wieder die rote Lampe. Ich wartete 5 Minuten (nein, NIEMAND hat gehupt, ALLE haben mir freundlich zugewinkt und z.B. MonCherie geschenkt!) und gottseidank ließ sich Benjiro wieder starten. Aber ich fürchte, ich habe jetzt auch noch eine Reparatur an der Backe. Google: „…bis zu 2.000 Euro.“. HUST!

Die alte Wohnung ist jetzt fast leer, morgen haben wir vorgezogene Schlüsselübergabe, da meine Vermieterin nicht auf Putzerei besteht. Es wird ja doch alles renoviert (bis auf die Böden, die nach dem Tornado ja schon ersetzt wurden). Das passt mir ganz gut in den Kram, wieder einen oder zwei Termine weniger. Soeben habe ich ein paar Kartons ausgepackt, aber mir tut alles irgendwie weh, daher habe ich mir ein Limit von nur 10 pro Tag auferlegt. Drunter nie, drüber immer. Das reduziert möglicherweise meinen selbstgebackenen Stress.
Montag geht es wieder in die Fabrik, meine Vertreterin hat mich schon vorgewarnt, dass es sehr trubelig werden wird, weil so viele Termine anstehen. Yeah. Freue mich riesig. Braucht nicht wer einen Mitarbeiter, der sektschlürfend unter dem Tisch Skat spielen kann? Nein? Niemand?
Na, ich halte Euch auf dem Laufenden; wenn Ihr mögt, schaut’s halt wieder rein. Liebe Grüße, Euer

P.S.: Ich hatte als allererstes niedrigmotorisierte Fiat Pandas als Fahrzeuge. Da war mal so gar nichts elektronisch. Ich mochte sie sehr. Nicht missverstehen, ich mag auch Benjiro, aber selbst reparieren kann ich da nix mehr.