In der Pfingstnachtsbäckerei

Ihr Lieben,

ich muss mal wieder rumschnipseln. Denn es gab inzwischen so einige Treffen und Ereignisse. Beruflich habe ich neue Möbellieferanten kennengelernt, da mussten eine Kollegin und ich mal im Showroom vorbeischauen. Wir haben ja schon ein hohes Budget für Bürostühle (der Rücken soll geliebkost werden), aber nach oben gibt es wirklich kaum Grenzen. Naja, vierstellig muss jetzt nicht sein, aber man sollte sich auch nicht über Rückenschmerzen wundern, wenn man sich für Zuhause das Modell Rükkgrådløs eines Möbelgiganten für 99 Euro leistet.

Wir haben in Poll einen schwul-lesbischen Stammtisch, ich schrieb bestimmt schon einmal darüber. Der soll theoretisch jeden ersten Dienstag im Monat sein, nur muss sich irgendwer um die Tischreservierung kümmern. Problem ist, dass manchmal zehn Personen zusagen und dann 30 kommen, oder 15 zusagen und dann nur fünf kommen. Es ist eine etwas unzuverlässige Bande. Daher kümmert sich niemand gerne darum. Für mich zusätzlich ein Problem: ich bin wegen meines Weggangs von Meta gar nicht mehr in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe. H. oder D. informieren mich dann, ob Stammtisch ist. Diesen Dienstag war keiner, aber ich traf mich dann dennoch mit H. und seinem Mann A., meinen lieben Nachbarn drei Straßen weiter, und F. vom Stammtisch stieß auch noch zu uns. Wir hatten einen schönen lauen Sommerabend in der Rheinlust. Schöner Ort für meinen 60. vielleicht?

Doppelkopftermine sind schwer zu finden, wie eigentlich fast alle Termine. Nachdem wir in einer der zwei Gruppen, in denen ich aus Termingründen übrigens kaum noch spiele, wieder erfolglos gefühlte 100 Daten geprüft hatten, schlug ich P. und A. vor, doch dann, weil wir drei ja konnten (für DOKO werden vier gebraucht!), einfach stattdessen mal essen zu gehen. So landeten wir Freitag in einem österreichischen Restaurant, dessen Preise teilweise dem Alpengipfel-Niveau nahe kamen. Aber es war aus meiner Sicht auch alles ziemlich gut. Das Schnitzel war nahezu perfekt, der Wein („Wiener Gemischter Satz“) super.

Am Samstag kam dann unsere Kaffeeklatschrunde zu mir, inklusive aller Nichten und Neffen. Da musste ich natürlich auffahren, Teile der Verwandtschaft zeigen bekanntermaßen einen großen Appetit. Ich bereitete am Donnerstag schon Pudding vor und pappte wieder eine Pfirsich-Joghurt-Torte zusammen, Samstag baute ich dann Tarteletts mit Pudding und Roter Grütze und buk noch Mandelschnitten, das Rezept leicht variiert. Das war ein sehr schöner Nachmittag! Den Rest des Pfingstwochenendes habe ich, fast schäme ich mich, nur herumgefaulenzt. Und das mit der Scham war schamlos gelogen!

Eigentlich wäre ich Samstag noch auf eine Grillparty gegangen, aber das Wetter ließ das nicht zu, so lud der Gastgeber verständlicherweise wieder aus. Die Gruppe wechselte in ein Restaurant in Porz, da klinkte ich mich dann aber wegen leichter Erschöpfungserscheinungen aus.

Dienstag musste ich zum Zahnarzt, 3D-Röntgenaufnahmen machen, um zu sehen, ob die Behandlung wie geplant weiter fortgeführt werden kann. Zu meiner großen Freude zeigten die Aufnahmen, dass zwar sehr dicht an das Kieferknochenende herangebohrt wurde, es aber scheinbar immer noch eine Deckungsschicht gibt und nach Plan vorgegangen werden könnte. „Die Entscheidung liegt bei Ihnen…!“. Da ich inzwischen beschwerdefrei bin, habe ich zugestimmt.

Abends dann traf sich unsere Kulturtruppe, diesmal aber tatsächlich mit einem kleinen Kulturteil und in Minimalbesetzung. Ruth hatte einen anstrengenden Tag und so war ich mit Monika alleine unterwegs. Wir besuchten die artothek, wo zur Zeit die Ausstellung „Objects in the Mirror“ läuft. Ich war noch nie in der artothek. Eigentlich kann man da Gemälde gegen Gebühr ausleihen und die Wände seiner Firma so mit wechselnder Kunst ausstatten, andererseits ist die artothek Teil der städtischen Museen. Bisschen verwirrend. Eintritt ist auf jeden Fall immer frei und – nach einem Blick in die Ausstellungskataloge vor Ort – oft mit überraschend interessanten Ausstellungen verbunden. Die „Objects“ waren jetzt sehr überschaubar, die Fotografien haben uns gut gefallen, die Gemälde trafen unseren Geschmack nicht so; mir blieb auch verschlossen, was sie aussagen sollten/wollten. Aber Newslettereintrag ist erfolgt, ich war nicht zum letzten Mal dort. Übrigens muss man klingeln und ist möglicherweise alleine dort. Nicht das Schlimmste, was einem widerfahren kann.

Anschließend stürmten wir das Brauhaus Peters, das unglaublich gut besucht war. Wenn man genau hinhörte: Alles Touristen! Wir hatten ja eigentlich einen Dreiertisch angefragt, und so konnten wir nicht nein sagen, als gefragt wurde, ob sich eine Touristin zu uns setzten könne. Sie war kanadische Dozentin für Wirtschaft an einer neuseeländischen Schule und in Raucher- und Toilettenpausen haben wir nett geplaudert (neinneinnein, ich rauche immer noch nicht!). Sie hat kürzlich fast die gleiche Mekong-Reise wie ich gemacht. Leute, Ihr könnt sagen, was Ihr wollt, aber Reisende sind nett zueinander und kommen immer gut ins Gespräch. Der Köbes hingegen war sehr ungnädig mit mir und entsprach seiner ihm historisch und touristisch auferlegten Rolle nahezu bilderbuchhaft. Wir trennten uns dennoch mit Rückenschlag und einem Lächeln. Monika genoss diese Fopperei auf meine Kosten übrigens sehr!

Morgen muss ich beruflich mal wieder nach Braunschweig, ein Kollege fährt mit, da macht das abends zumindest alles ein bisschen mehr Spaß. Ein Tisch beim Inder ist reserviert. Nächstes Wochenende geht es spontan nach Alicante. Wieso, erzähle ich dann sehr bald. Hab halt nicht mehr alle Sparren im Gebälk. Darauf am Donnerstag schon nach Bukarest, ich muss mich noch ein bisschen schlau machen, was sowohl da wie auch dort abgeht. 🙂

Liebe Grüße, bis bald, Euer

P.S.: Spargelzeit, ich machte mal wieder eine Quiche am Pfingstmontag. Aber diesmal mit Schinken, Hefeteig und etwas anderer Ei-Masse. Yummie!

Barcelona 2025, Tag 4: Gerry geht ins Kloster

Ihr Lieben,

heute wollte ich mal völlig unanstrengende und unschwitzige Dinge unternehmen, ich musste ja ein bisschen Rücksicht auf die Mitfliegenden am Abend nehmen. Beim Durchblättern des Internets stieß ich auf „völlig untouristisch“ und „selbst im Hochsommer kühl“ und so war das Real Monasterio de Santa María de Pedralbes, das in zwei Jahren seinen 700. Geburtstag begehen kann, mein erstes Ausflugsziel für heute. Die Fahrt dahin war allerdings schon wieder schweißtreibend, da ich an der Plaça Catalunya umsteigen musste. Wer die kennt, weiß was ich meine… So ein Durcheinander und Gewusel.

Von der Endhaltestelle der L6, Sarrià, fährt eine Linie L12, die aus nur zwei Stationen besteht, nämlich der Sarrià und der Reina Elisenda. Zwischen denen fährt der Zug hin und her. Ist eine Stelle als Zugführer hier eine Strafe oder ein Glück? Mir würde es wohl gefallen. Schön unaufregend. Die beiden Linien musste ich jedenfalls bemühen.

Die Klosteranlage ist sehr groß und einen Ausflug wert. Zu meiner großen Freude war zudem, warum auch immer, der Eintritt heute frei. Die Kirche an sich ist etwas schmucklos und dunkel, aber das angrenzende Kloster (Achtung, anderer Eingang) ist mit seinem mehrstöckigen Kreuzgang und vielen Ausstellungssälen absolut sehenswert. Es gab eine kleine Ausstellung über Makrofotografie und man konnte einen mittelalterlichen Vorratsraum, einen Kräutergarten, Klosterzellen, ein Diorama über das Leben Christus und vieles, vieles mehr sehen.

Auch die Gegend um das Kloster herum ist sehr schön, ich nahm in einem wunderbaren Bistro einen Kaffee und ein Wasser zu mir (Das hebe ich übrigens nur hervor, damit ihr nicht glaubt, ich würde den ganzen Tag nur saufen). Wenn ich schriebe, es handle sich hier um eine gehobene Wohngegend, wäre das eine Untertreibung. Immerhin befinden sich die britische Schule und das amerikanische Generalkonsulat in direkter Nachbarschaft.

Mittags traf ich mich mit Otto zu einem „Menú del día festivo“ in einem Restaurant nahe der Plaça Espanya. Wir waren doch etwas baff, als wir jeder eine Flasche Wein zum Essen bekamen. So zog sich das Essen natürlich etwas… Als Nachtisch gab es dann aber auch nur Eis aus der Fabrik, was zur Qualität der anderen Gerichte passte. Gut, aber nicht mit den anderen Restaurants vergleichbar. Wenigstens haben Otto und ich es geschafft, die anfänglich total missmutige Kellnerin zum Lachen zu bringen.

Nach dem Mittagessen liefen wir zur Plaça Espanya, wo sich langsam aber sicher die Großbaustelle der letzten Monate zu lichten beginnt, und bogen dort ab zum Pavillon von Mies van der Rohe, der anlässlich der Weltausstellung 1929 den deutschen Beitrag darstellte. Der Pavillon war direkt nach Ende der Weltausstellung abgerissen worden. In den 80er Jahren beschloss man dann, ihn originalgetreu an gleicher Stelle wiederaufzubauen. Normalerweise kostet der Besuch 9 Euro Eintritt, was ich für ziemlich überteuert halte, aber auch hier mussten wir nichts zahlen. Inzwischen glaubte ich schon, man verwechsele mich mit einem Prominenten. Der Pavillon ist wunderschön, ich bin ja ein Bauhaus-Fan (nicht vom Baumarkt, aber dafür auch vom Brauhaus), aber es ist schon eine recht übersichtliche Sehenswürdigkeit.

Wir stapften, vielmehr rollten anschließend zum Nationalmuseum hoch. Das liegt schon weit oben in den Anfängen des Montjuïc, aber man war so freundlich, wohl ahnend, dass ich irgendwann vorbeischauen würde, Rolltreppen an vielen Stellen zu installieren. An dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön an die Verantwortlichen!

Von oben hat man einen sehr schönen Blick über die Stadt, auch das Gebäude an sich ist einen Umweg wert. Das Museum hatte zwar geschlossen, aber ein Besuch hätte sich auch rein zeitlich als etwas anstrengend gestaltet. Wir streiften noch durch die Nachbarschaft, unter anderem durch einen kleinen Park, und landeten wieder in der Wohnung, wo ich noch Kaffee bekam, noch einmal duschen konnte, um dann zum Flughafen aufzubrechen.

Noch in der Wohnung erreichte mich die Nachricht, dass sich mein Abflug um eine Stunde verspäten würde, ich mich aber dennoch zur angegebenen Zeit am Flughafen einzufinden habe. Ich wollte mich schon künstlich aufregen (denn Aufregung macht ja bekannterweise alles besser), da kam direkt eine zweite Mail, dass meine Reiseversicherung mir einen Gutschein für die Lounge bereitgestellt hat. Tatsächlich hatte die mich vor einigen Wochen aufgefordert, für genau diesen Fall meine Flugzeiten in eine Datenbank einzutragen. Hat sich gelohnt, denn während ich dies schreibe, nippe ich an einem Glas Cava und schaufele Tapas in mich rein. Wobei, ich musste eine Viertelstunde anstehen, da die Lounge wegen Überfüllung keine neuen Gäste einließ. Einige verließen deswegen die Schlange schlecht gelaunt; großer Fehler, die VIP-Lounge verdient ihren Namen nämlich zu recht. Alles sehr lecker, alles vorrätig, alles frisch.

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Werbepause. Hier könnte IHRE Werbung stehen!

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Leider zeigte die Anzeigetafel dann, ich müsse mich jetzt zum Gate bemühen, und so verließ ich die schöne Lounge, nur um festzustellen, dass an dem Gate ein ganz anderer Flug gerade boardete. Man sagte mir dort, die Maschine vom Hinweg werde noch eine Stunde brauchen, ich soll es mir doch gemütlich machen. Tja, das hätte ich ja haben können, aber zurück in die Lounge ging jetzt nicht mehr. Zudem zeigte die Anzeigetafel nun, dass jetzt woanders gerade das Einsteigen liefe. Ich hastete dorthin, um festzustellen, dass die Anzeige meinen Flug anzeigte, gerade aber eine Eurowings ablegte. Ich bekam die Krise, wie drei oder vier andere, die mit mir zeitgleich eintrudelten. War auch niemand da, der uns hätte aufklären können. Wir checkten Websites, da hieß es, wir hätten noch eine Stunde, inzwischen war der Schalter besetzt und man informierte uns, es ginge gleich los. Tat es nicht… Lange Schreibe, kurzer Sinn: Totales Chaos. Mit anderthalb Stunden Verspätung hoben wir ab.

Pasajeros al borde de un ataque de nervios!

Eurowings dann in Köln so: Sie ärgern sich bestimmt jetzt sehr, dass Sie zu spät angekommen sind, aber da geht noch mehr: wir sorgen dafür, dass Sie vor Wut platzen! Denn wir parken jetzt nicht etwa an einem Finger, so dass Sie Ihre Bahn noch bekämen, sondern jwd und lassen den Bus auch 20 Minuten warten, bis Sie einem Kollaps nahe sind. Man muss wissen, dass Köln zwar Nachtflüge erlaubt, man aber ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr vernünftig mit der Bahn wegkommt. Ich nahm ein Taxi, dessen Fahrer ich dann zum krönenden Abschluss noch erklären musste, wie er zu fahren hat.

So, Frust runtergeschrieben, jetzt wieder erfreuliches: das war eine verdammt schöne Reise, nicht zuletzt wegen der tollen Gastgeber Rolf und Otto, die mir Asyl gewährten und viel Zeit für mich opferten. Muchas gracias, Ihr Beiden! Gerne dann auch mal bei mir Unterschlupf suchen, ich nehme pro Nacht auch nur 120,- Euro pro Person… 😉

Allen Lesern danke ich fürs Mitreisen; ich hoffe, Ihr hattet etwas Spaß und vielleicht habe ich Euch ja sogar zu einem Barcelona-Besuch inspiriert. Sehen wir uns in drei Wochen in Bukarest?

Alles Liebe und Gute, Euer

Barcelona 2025, Tag 3: Gerrys Bikini

Ihr Lieben,

keine Angst, es gibt keine unzüchtigen Fotos… das wollte ich vorwegschicken. Falls Ihr wegen der Überschrift irritiert seid.

Rolf war so lieb, mir heute früh schon einen Bottich Kaffee hinzustellen, er ist einfach ein guter Mensch! Heute erwartete mich ja eine Führung im Parc Güell, da muss man erst einmal hinkommen. Der ÖPNV hier ist schon recht gut, aber zum Park, der auch noch auf einem steilen Hügel liegt, ist schwer hinzukommen. Ich empfehle, insbesondere Menschen mit meiner Kondition, ein Taxi zu nehmen. Ich hatte eins über Uber bestellt, das ließ auf sich warten. Inzwischen fuhren mindestens drei freie Wagen an mir vorbei. Egal, ich war pünktlich am verabredeten Treffpunkt mit dem Veranstalter und holte mir meinen ans Revers zu heftenden Bapperl mit der Deutschland-Trikolore ab.

Es war eine Gruppe von 30 Personen und unsere Guía Carla ist eine Italienerin, die seit 14 Jahren hier lebt. Ihr Deutsch war recht gut und sie führte uns mit vielen Erklärungen im Stechschritt durch den gut besuchten Park. Ob diese Gruppenführung jetzt wirklich 34 Euro wert war? Anders, als ich glaubte, waren die Zusatzeintritte z.B. ins Museum nicht enthalten.

Vor 24 Jahren war ich das erste und bis dato letzte Mal im Parc Güell, der Eintritt war frei und der Park war nur mäßig besucht. Ich weiß, dass ich es damals sehr genossen habe. Natürlich ist der Parc Güell immer noch schön, ich liebe die Drachentreppe, die über 100 Meter lange, geschwungene Sitzbank, die Aquädukte, die Bepflanzung. Ein bisschen was Neues habe ich über Gaudí erfahren (er war scheinbar furchtbar religiös, hatte nicht viel Glück im Leben und in der Liebe) und die ein oder andere Kleinigkeit hätte man vielleicht ohne Guide nicht entdeckt. Die Wäscherinnensäule oder den Oktopus an der Decke des Säulensaals z.B. Ein Besuch ist immer noch ein Muss!

Nach über 2 Stunden war aber auch gut und ich lief hinunter in das Barrio Gràcia, das als elegantes Reichenviertel gilt. Die Passeig del Gràcia gilt als drittteuerste Einkaufsstraße Europas. Ich deckte mich dort natürlich sofort für den kommenden Sommer mit der neuesten Kollektion „Mode für den distinguierten jungen Herrn“ ein. Hier findet man auch die Casas Batllo und Amatller, letzteres vom Architekten Puig i Cadafalch.

Eine Bekannte insistierte nachgeradezu mehrmals, dass ich bei Tapas 24 den berühmt-berüchtigten Bikini mit Trüffel esse. Auflösung: Das ist kein zweiteiliger Strandanzug, sondern eine Art gegrilltes Sandwich. Das nahm ich dann zu mir, ich wollte nicht, dass Ulli ihre Provision verliert… 😁 Es war aber pures Glück, dass ich einen Platz bekam; während ich aß (ich hatte auch noch einen russischen Salat) wurden Dutzende Leute abgewiesen. Das Essen war aber auch gut und die Terrasse ist sehr nett.

Ich lief die Einkaufstempel entlang, machte einen Abstecher in den Corte Inglés und den Media Markt, ich hatte mein Ladekabel in der Wohnung vergessen und wurde im Corte nicht fündig, dann über das gotische Viertel zum Hafen, wo ich mich für ein Stündchen auf einen Kaffee in den Schatten setzte, denn ich war zu früh für meine Bootsfahrt. Die Yachten, die hier im Hafen lagen, trieben mir die Tränen in die Augen. So viel Armut nimmt mich dann doch sehr mit.

Die Katamaranfahrt sollte am Ende des Hafens starten. Das war weiter draußen als gedacht und ich musste einige Meter laufen. Als ich ankam, stand da schon eine Gruppe feierwütiger Jugendlicher, Gäste des Geburtstags einer hysterischen Göre aus der High Snobiety. Alle schon angetütert und sehr laut. Ich befürchtete das Schlimmste. Dann Entwarnung, sie wurden einem anderen Boot zugeteilt. Wir liefen dann zu unserem Katamaran, als wesentlich kleinere Gruppe. Bis, ächz!, ein Junggesellenabschied in letzter Sekunde zu uns stieß. Ach herrjeh!

Eine Dreiergruppe Jungs fragte eine ältere Dame, ob sie sie fotografieren könnte. Klar. Moment, wir ziehen schnell unsere Shirts aus. Die Dame kam aus dem hysterischen Kichern gar nicht mehr raus. Die Junggesellenjungs verhielten sich aber ungewöhnlich gesittet (es war übrigens eine männliche Braut und die Begleitung war international besetzt), es gab Tortilla und Cava aufs Haus, einen klasse Blick auf die Stadtsilhouette, der zweite Wein ging auf den Capitán, der sich freute, dass ich spanisch lerne, alles in allem ein netter Zeitvertreib. Und wir erinnern uns, als Muschelschubser fahre ich ja nur zu gerne Boot, daher machte mir auch der halbstündige Badestopp, den ich in der Beschreibung wohl überlesen hatte, nichts aus.

Warum es übrigens manchmal schwierig ist, an Tickets zu kommen, erklärt sich durch die massiv angestiegene Zahl der in Barcelona anlegenden Kreuzfahrtschiffe. Fünf dieser Riesenpötte lagen heute im Hafen. Die kaufen natürlich Massen an Kontingenten für ihre Passagiere weg.

Da ich inzwischen gefühlt einen Marathon gelaufen war, wollte ich jetzt mit dem Bus aus dem Hafen zurück. Auf den musste länger gewartet werden und er war natürlich pickepackevoll, als er denn dann ankam. Dann noch zweimal Metro, um halb 8 war ich fix und fertig daheim. Nach einer kurzen Pause liefen wir dann zu einem Restaurant in der Nähe, wo insbesondere das geeiste Turròn auf großes Gefallen stieß. Die Muscheln waren okay, die patatas bravas keine patatas bravas. Der Turròn rettete aber alles.

Wir überlegten, noch einen Absacker im Regenbogenviertel zu nehmen, aber die Jungs haben morgen volles Programm und ich war leider durch von der Rennerei und der Hitze. So nahmen wir den kleinen End-of-the-day-Drink in der Wohnung und wünschten uns sueños buenos.

Morgen ist der Kurztrip schon wieder vorbei. Verstehe ich nicht, bin doch gerade erst angekommen! Aber ich habe noch den ganzen Tag und bin bisher planlos. Gegen 19 Uhr will ich dann Richtung Aeropuerto aufbrechen. Bleibt Ihr solange bei mir? Fände ich supernett. Liebe Grüße, Euer

P.S.: Um die Ecke findet eine Art Volksfest statt, da kann man u. A. Spezialitäten kaufen. Manchmal ist Aufgabegepäck doch nicht zu verachten; ich muss mir verkneifen, Käse, Schinken und Öl einzukaufen.
Als ich heute Abend dort vorbeikam, sang gerade eine Dragqueen ABBA-Songs. Party? Barcelona kann’s.

Barcelona 2025, Tag 2: Oh Zeiten, oh Sitges!

Ihr Lieben,

ich faule Sau hab doch tatsächlich bis 10 Uhr geschlafen. Ja, so wird das natürlich nichts mit größeren Erkundungsfahrten! Ich inhalierte ein paar Tassen Kaffee (im Grand Hotel Rolf gibt es handaufgegossenen Filterkaffee!) und man bot mir an, zusammen nach Sitges, etwa 30 Kilometer westlich von Barcelona gelegen, zu fahren. Ich hatte ja früher eine starke Abneigung gegen Mallorca, Gran Canaria und eben auch gegen bestimmte mediterrane Küstenstädte. Ich brachte das alles in Verbindung mit Saufgelagen, Nackedeis, die durch die Fußgängerzonen rennen (auf Rhodos in Faliraki übrigens schon erlebt!), unaufhaltsamen Verfall der Sitten. Würde ich auch hier eines Besseren belehrt werden und mich in den Ort schockverlieben?

Busfahrpläne in Barcelona vermitteln eher eine grobe Orientierung als eine verlässliche Aussage. Aber das ist ja in jeder Großstadt so. Daher warteten wir ein wenig auf die Linie 16. Dafür bekamen wir aber Bruce Willis als Fahrer, der wie ein Max Verstappen die Autopista entlangpeste, dass es eine adrenalinöse Schreckensfreude war. Laut Rolf waren wir fast 10 Minuten schneller am Ziel als sonst.

Sitges war seit den 80er Jahren ein bekannter Schwulen-Treffpunkt mit einem gewissen Ruf (siehe oben). Inzwischen hat sich die Szene dort fest etabliert und die Stadt war heute geschmückt für die nächste Woche stattfindende Pride, bzw. Orgull auf katalanisch. So eine wilde Busfahrt trocknet aus und daher fanden wir uns vor der ausführlichen Besichtigung erst einmal auf die Terrasse einer Gay-Bar ein, um ein Kaltgetränk zu uns zu nehmen.

Es ist erstaunlich, welche Klischees andere Gäste bedienten. So waren Albin und George aus „La cage aux folles“ anwesend, aber auch der dicke Bär, der sein T-Shirt so weit hochkrempelte, dass man seine prächtige, unglaublich behaarte Wampe bewundern konnte. Und der – wie mir erklärt wurde – eigentlich eher konservative, von Spaniern bevorzugte Badeort bietet diesen Menschen, bietet uns einen sicheren Raum. Ich lieb’s!

Wir liefen Richtung Strand und bogen nach links zum Wahrzeichen von Sitges ab, der überregional bekannten Kirche Sant Bartomeu i Santa Tecla. Bevor wir aber die Treppen dorthin erklommen, wandten wir uns rechts dem Segelclub zu, wo wir tatsächlich einen Tisch ergatterten, obwohl andere Restaurants auf dem Weg ziemlich überfüllt waren. Möglicherweise lag das daran, dass das Menú del día etwas hochpreisiger war und kein Getränk beinhaltete. Wer sich davon hat abschrecken lassen, dem ist etwas entgangen. Der Tisch direkt am Wasser, die tolle Aussicht! Schon der Hauswein überzeugte uns. Das Essen war speziell, „Schweinegeheimnis“ und Zwerchfellfleisch. Leute, ich war hin und weg! Die Muscheln, die ich vorweg hatte, schwammen in einem See aus Kräuterbutter und waren göttlich. Das Zwerchfellfleisch (was ist das eigentlich genau?) butterzart, die Beilagen raffiniert. Die Tarta de Santiago hinterher ein Gedicht! Eine zweite Flasche Wein und zwei Flaschen Wasser später waren wir dennoch nur den sprichwörtlichen Apfel samt Ei los. Aber psssst!!! Soll ein Geheimtipp bleiben!

Wir erkundeten die Gegend um die Kirche, sehr nett, sehr gepflegt. Otto machte Siesta unter einem undefinierbaren Baum, während Rolf mich zum Friedhof begleitete. Damit Ihr Bescheid wisst: ich habe mir Gruft 2811 ausgesucht, die ist frei und hat seitlichen Meerblick. Wunderbare Grabstätten gibt es da, es ist ein sehr idyllischer Ort. Wir liefen um den Friedhof außen herum wieder Richtung Sitges, sammelten Otto ein und streunten ein wenig durch die Gassen. Es war ziemlich heiß, so ließen wir den Strandspaziergang sein (am Ende stehen die Villen der Reichen und Schönen) und gönnten uns einen Abschiedsdrink.

Leider war der Bus, mit dem wir die Rückfahrt antreten wollten, überfüllt und ließ uns stehen. Wir eilten zum Bahnhof, wo wir dann den Zug nach Barcelona erwischten und in Sants ausstiegen. Von dort aus liefen wir dann noch 25 Minuten nach Hause.

Hat sich denn nun mein Vorurteil ins Gegenteil verkehrt? Teilweise ja. Der Ort ist viel netter als gedacht. Aber halbnackt durch die Fußgängerzone stolzierende Gecken brauche ich immer noch nicht.

Wir legten uns in Sant Antoni eine halbe Stunde hin, machten uns anschließend wieder stadtfein und gingen zu einer um die Ecke gelegenen Tapasbar, wo wir draußen einen freien Tisch erwischten. Wir hatten Tortilla, Chorizo, Käsefritten, Croquetas, Pan Tomate und Oliven para picar, also quasi zum Teilen. Wunderbar. Inzwischen wehte auch ein laues Lüftchen, das war erfrischend.

Barcelona ist schon ein wirklich l(i)ebenswertes Nest. Mir scheint, dass das Zusammenleben (noch?) klappt und man sich so sein lässt und so nimmt, wie man halt ist. Man sollte aber nicht ausblenden, dass es hier auch offensichtliche Probleme gibt, wie die große Zahl Obdachloser z. B. Zudem sind die Mieten explodiert. Davon unbeschadet können Expats und Touristen hier leben wie die Made im Speck.

Das war ein eher gemütlicher Tag mit viel Entspannung und ein bisschen Völlerei. Muss man sich auch mal gönnen.

Morgen habe ich gebuchtes Programm. Wenn Ihr mögt, gucken wir uns zusammen den Parc Güell an und schippern ein wenig vor der Stadt hin und her. Über Begleitung freue ich mich ja immer.

Liebe Grüße aus Barcelona, Euer

P. S. : Ich hatte nachts das Fenster offen gelassen und gegen morgen wurde ich durch wildes Geschnatter diskutierender Menschen wach. Im Dämmerschlaf mischte sich das mit kruden Träumen. Wollt Ihr mehr darüber wissen? Ja? Nun, Pech gehabt, so einen Unsinn kann ich unmöglich weitererzählen.

I steh in der Költ’n und woat auf a Taxi, oba es kummt net… Äh… Hitz’n und Bus…

Barcelona 2025, Tag 1: Tibidabo

Ihr Lieben,

hat es den Gerry nun vollends erwischt, oder was soll diese absurde Überschrift? Aber von Anfang an…

Die Arztbesuche gestern waren jetzt weder besonders beunruhigend, noch sehr erhellend. Wie es weitergeht, zeigt sich in den kommenden Wochen; beim Zahnarzt war man zumindest scheinbar ehrlich entsetzt, dass ich so eine Passion hinter mir hatte. Vom der Praxis aus fuhr ich direkt zum Flughafenhotel, das doch nicht sooo nah am Terminal liegt, wie ich mir eingebildet hatte, da war das andere vor der Bosnienreise schon wesentlich dichter dran. Aber man bot mir für den Morgen einen kostenlosen Shuttle an. Auch ein Frühaufsteher-Frühstück wäre vorhanden gewesen, aber ich wollte jede Minute Schlaf auskosten, die ich bekommen konnte. Leider gab es da dann nicht viel von, die Angst, zu Verpennen, war zu groß. Zwar gab es eine Weckruf-Taste am Telefon neben dem Bett, aber die war, wie mir die Rezeption auf Rückfrage mitteilte, seit Jahren deaktiviert. Egal, ich schaffte es, mich um halb 5 aus dem Bett zu schälen und rechtzeitig am Gate zu sein.

Der Flughafen war bumsvoll, der Flieger war bumsvoll, in Barcelona war es bumsvoll. Der Flughafenbus war, Ihr ahnt es, bumsvoll. Die Straßen ins Zentrum… dito.

Rolf erwartete mich schon auf der Straße vor seinem Haus und nachdem ich mich kurz frisch gemacht hatte (im Haus, nicht auf der Straße!), gingen wir in eine nahegelegene Eisdiele, um Kaffee zu trinken. Dann wechselten wir in eine Bar um die Ecke, um auch noch einen Cava zu trinken. Ein Urlaubsstart ohne Sekt? Geht ja fast gar nicht.

Gegen 11 Uhr holten wir dann Otto in der Wohnung ab, der hatte noch Dinge zu erledigen gehabt, und fuhren in Richtung des – neben dem Montjuic – zweiten Hausbergs Barcelonas, dem (TADAA!) Tibidabo. Man fährt ein wenig mit der S-Bahn, steigt dann in eine nette Standseilbahn, hier Funicular genannt, um dann mit einem Minibus auf den Gipfel zu fahren, wo die Kirche des heiligen Herzens über dem Sühnetempel thront. Man kann hier auf verschiedenen Ebenen wunderschöne Ausblicke genießen. Von der unteren Kirche fährt ein Aufzug über die Plattform der oberen Kirche zum oberen Panoramaplatz, von wo aus man dann noch ein paar Stufen bis zur alles überragenden Christusstatue hinauslaufen kann. Schwups, ist man am höchsten Punkt Barcelonas angelangt. Die Kirche ist um eine kleine, Juan Bosco geweihte Kapelle herumgebaut und ist deutlich von Gaudí (unteres Portal), der Sacre Coeur in Paris und der Christusstatue in Río de Janeiro inspiriert. Ein ganz tolles Ausflugsziel! Der Name des Berges, Tibidabo, leitet sich vom Lateinischen „Ich werde Dir geben“ ab. Direkt neben der Kirche befindet sich ein riesiger Vergnügungspark, der seine besten Zeiten aber schon hinter sich haben dürfte. Wir verzichteten daher darauf, Riesenräder, Falltürme, Megaschiffschaukeln und dergleichen Attraktionen aus dem vorletzten Jahrhundert auszuprobieren.

Zurück in der Stadt liefen wir zu einem Stammrestaurant der beiden Jungs, um ein Menú del día einzunehmen. Das ist ein sehr preiswertes Essen mit 3 Gängen inkl. einem Getränk und entwickelte sich aus dem vom Franco-Regime als für Restaurants verpflichtend eingeführten Menú turístico, mit dem Devisen ins Land geholt werden sollten. Es ist nun nicht mehr aus dem spanischen Leben wegzudenken, ist aber qualitativ sehr gut und immer immens reichhaltig. Ich hatte z. B. Meeresfrüchte-Paella, Schweinebacken in Rotweinsauce und Milchkaffee sowie ein großes Bier für 16 Euro. Kannste überhaupt nicht meckern! Man ist versucht, gar nicht mehr zu kochen, so billig wie das ist.

Die anderen liefen nach dem Essen schon einmal in die Wohnung vor, ich plünderte derweil das Weinregal eines nahegelegenen Supermarktes. Mich als Gast zu haben, geht doch zu sehr zu Lasten des Weinkellers, da versuche ich, einen Ausgleich zu schaffen. Danach ging es erst einmal ins Bett, ich war fix und alle… Naja, die Siesta ist ebensowenig aus Spaniens Kultur wegzudenken wie das Tagesmenü und das heiße ich gut. Einziges Manko: es ist gerade sehr heiß in Barcelona und man ruht muckelig warm. Aber über die Unterkunft kann ich aber nun mal gar nicht meckern, Rolf und Otto haben ein schönes Gästezimmer hergerichtet und die Schlafcouch ist erstaunlich gut. Und so eine Küche hätte ich gerne! Riesig!

Für den Abend hatten wir bekanntermaßen Konzertkarten, Ismael Serrano spielte im Palau de Música. Wir machten uns einigermaßen zeitig auf den Weg, damit wir noch einen schönen Spaziergang machen konnten. Wir waren dann in zwei Kirchen, in dem schönen Innenhof eines ehemaligen Hospitals (mit einem riesigen Jacarandabaum) und bei zwei Kunstevents steckten wir auch unsere Nase einmal durch den Türspalt. Auf dem Weg nahmen wir noch eine Erfrischung zu uns, ich die erste Sangria seit Jahren. Sie hatte aber nichts mit der Fruchtbowle auf Touri-Inseln gemein.

Obwohl wir herumbummelten, waren wir früh am Palau de la Música, da nahmen wir dann einen hochpreisigen Cava zu uns, bevor wir unsere Plätze aufsuchten. Der Palau ist ein Gebäude von Gaudí und wunderschön! Von außen wie von innen! Erwähnte ich, dass ich seine Architektur sehr mag? Da ich meine Karte erst sehr viel später gekauft hatte, hatte ich einen „schlechteren“ Platz ganz weit oben im zweiten Rang. Man sah von dort aus zwar nichts vom Parkett, aber ich hatte die ganze Bühne im Blick. Von Otto erfuhr ich später, dass weiter vorne, dafür aber links die Sicht eher eingeschränkt war. So weit, so gut. Tolles Gebäude, gute Sicht, Versprechungen auf ein gutes Konzert. Dann aber der Sitzplatz. Gebaut im Jahre 29174 der Hobbitzeitrechnung, glänzt die Bestuhlung des Palau mit fehlendem Sitzabstand. Sowohl in Höhe, Breite, Tiefe als auch in allen anderen Dimensionen. Ich hatte schon vorher gelesen, dass das Konzert ohne Pause durchgespielt wird. Sagen wir mal so, ich wäre auch nicht zu meinem Platz zurückgekehrt. Jede Fluglinie hätte ich wegen eines solchen Sitzes verklagt. Während ich dies schreibe, habe ich mehr als dezente Rückenschmerzen.

Aber zum Konzert selbst. Otto hat das initiiert, da er durch Zufall auf die Musik von Ismael Serrano gestoßen war und die Konzertankündigung las. Ich hörte mir zuhause ein paar Stücke auf dem Kanal mit dem roten Y an, fand sie alle sehr ähnlich, aber nicht schlecht, daher ging ich mit. Was soll ich sagen? Die Stücke sind alle sehr ähnlich, aber statt wie üblich mit kleiner Instrumentierung zu arbeiten, trat Serrano mit großem Orchester auf. Es klang aber auch da alles gleich. Verstanden habe ich wenig, auch von den längeren Sprechteilen. Serrano ist zweifelsohne ein sehr guter Sänger, das symphonische Arrangement war aber 08/15 gestrickt. Deswegen haben mir die ruhigen Teile mit Gitarre solo, nur untermalt von leichtem Piano, am besten gefallen.

Das herausragendste Element am Konzert aber waren seine Fans. Sie sangen oft inbrünstig mit (und das gar nicht mal so schlecht), klatschten lautstark mit (und das gar nicht mal so gut), filmten fast das ganze Konzert mit (es war ein einziges Handydisplaymeer) und sprangen hie und da auf, wiegen sich hin und her und machten allerlei andere Kapriolen. Vor mir saß ein offensichtlich frisch verliebtes Pärchen, das kopulierte bei bestimmten Songs fast. Die da-Capos waren Legion, mir war es dann am Ende zu viel und ich schlich mich während Zugabe Nummer 5 raus.

Also, alles in allem ein sehr schönes Erlebnis mit kleinen Abstrichen! Wir waren nun doch hungrig und durstig, liefen durch das subkontinentale Viertel mit vielen indischen und pakistanischen Läden und ließen uns in einer indisch geführten Bar mit Tapas nieder. Super Schinken, guter Käse, sehr heiße Croquetas (man wies darauf hin, als schon zwei Münder verbrannt waren), das war ein schöner Ausklang des Abends. Vom Nachbartisch quasselte uns noch ein amerikanisches Pärchen an, da war von einem der Urgroßvater in Düsseldorf stationiert gewesen.

Wieder in der Butze wollten wir eigentlich alle a) ins Bett und b) ich noch kurz schreiben, aber dann haben wir doch noch einen Absacker im Wohnzimmer genommen. Es ist aber auch zu schön, mit den Beiden mal wieder zusammen zu sein!

Da es nun sehr spät ist (knapp 2 Uhr), habe ich meine Pläne für morgen umgeworfen, ich wollte um 7 Uhr zu den Klöstern in Montserrat fahren. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann muss ich ja auch mal ausschlafen. Daher müsstet Ihr Euch morgen überraschen lassen, wohin es uns treibt. Schaut Ihr dennoch vorbei? Das würde mich freuen!

Liebe Grüße, Euer

P. S.: Heute ist so viel wieder passiert, aber ich fürchte, ab 20 Seiten Länge liest das keiner mehr :-). Zudem, niemand liest z. B. gerne über Achselschweiß. Aber wir haben deswegen mit einer wildfremden Frau sehr gekichert. Und der Fanblock bei Otto und Rolf war auch speziell.

Fragt uns einfach bei Gelegenheit.

Barcelona 2025 – der Prolog

Ihr Lieben!

Wie denn, schon wieder Barcelona? Da war der Kerl doch erst im Dezember. Ja, Ihr Lieben, ich verstehe die Frage. So aber trug es sich zu:

Eurowings (HIER könnte ihre Werbung stehen) bietet „Blind Booking“ an. Ohne Gepäck, grob das Thema ausgesucht (Stadt, Land, Party, Strand oder so ähnlich), die möglichen Zielorte werden entsprechend angezeigt. Dann kann man für unter 100 Euro irgendwo hinfliegen, man hat allerdings keinen Einfluss auf das Ziel. Ich probierte das zum dritten Mal aus (ich endete schon einmal in Zürich und einmal in Mailand), aber durch Flugpreisrecherchen war klar, dass Barcelona das wahrscheinlichste Ziel sein würde. Man kann Flughäfen streichen, aber dann wird es teurer und teurer oder auch unmöglich, im geplanten Zeitraum wegzukommen. Ich rief Rolf an, meinen langjährigen Freund, der inzwischen dort lebt. „Hättest Du Lust und Zeit für einen Besuch, dann würde ich BCN nicht ausschließen?!“.

Er hätte ein Gästezimmer für mich und würde sich auch freuen. Na dann… „Wollen Sie jetzt wirklich buchen, ohne zu wissen, wo es hingeht?“ – „Yep!“ – „Yeah, Sie fliegen nach Barcelona!“. Nennt mich Hellseher-Gerry. Aber ich freue mich wirklich sehr auf Rolf und Otto, der zu der Zeit auch dort sein wird.

Wenn wir Freunde in anderen Städten besuchen, dürfen wir nicht vergessen, dass diese vor Ort ja einen Job und möglicherweise schon andere Termine haben und nicht vollzeitlich zur Bespaßung zur Verfügung stehen. So schrieb mir Rolf, am ersten Abend seien er und Otto im Palau de la Música Catalana. Ich erwarb dann auch eine Konzertkarte, allerdings jwd oben im Rang, mit wahrscheinlich problematischer Sicht. Aber den Palau muss man auch mal gesehen haben! Ein Prachtexemplar des spanischen Modernisme, aka spanischer Jugendstil.

Ich organisierte mir auch schon ein Besucherticket für den Parc Güell (ich bin bekennender Gaudí-Fan!) und für eine Katamaran-Fahrt. Ich wollte nicht wieder überall vor verschlossenen Toren stehen, wie bei meiner Dezemberreise. Zudem plane ich, die Klosteranlagen in Montserrat zu besuchen.

Da der Flug schon um 6 Uhr früh geht, habe ich mir wieder ein Hotel direkt am Terminal gegönnt, diesmal das Leonardo. Bin gespannt. Vorher muss ich noch zum HNO, dann ins Büro, dann zum Zahnarzt. Dem muss ich noch verklickern, dass mein CT ergeben hat, dass die Implantate nicht richtig sitzen. Das wird wohl nicht so bleiben können. Aber der Rückbau, falls erforderlich, muss bis zu meiner Rückkehr warten.

Es würde mich wie immer sehr freuen, wenn ich virtuelle Begleitung habe. Ab Donnerstagabend könnt Ihr dann meinen 4-Tage-Trip verfolgen. Und falls Ihr nichts von mir lest, liegt das wahrscheinlich eher an technischen Problemen, als daran, dass ich bei der Katamaranfahrt vom Boot gefallen bin und mein Dasein seitdem in einer Delphinkolonie friste, die mich gnädig aufgenommen hat, und wo ich mich von Krill und Plankton ernähre.

Also, bis dann in Barcelona! Liebe Grüße, Euer

P.S.: Das Vorschaubild ist übrigens ein Kühlschrankmagnet von meinem letzten Besuch in Barcelona. Ich muss mich mal zusammenreißen, dass ich nicht schon wieder welche kaufe 🙂

Die Leiden des alten Gerry

Ihr Lieben,

ich hätte diesen Schnipsel auch „Die Angst des Gerrys vor dem Zahnarzt“ nennen können. Die Literatur hält ja viele Möglichkeiten solcher Anspielungen bereit. „Der alte Mann und der Schmerz“.

Vor Ärzten habe ich keine Angst (außer Zahnärzten, man denke an den Film „Der Marathon-Mann“), aber ich kann mit ihnen nicht umgehen. Mein zahnärztlicher Eingriff hatte leider Konsequenzen. Die neu eingesetzten Implantatbasen haben wahlweise einen Nerv getroffen oder eine Entzündung hervorgerufen. Das ist ein Risiko bei einem solchen Eingriff, über das ich auch aufgeklärt wurde. Ich hatte nach zwei, drei Tagen nur dumpfen Pochens plötzlich heftige Schmerzattacken bis in die Stirn. Mein linkes Auge tränte ununterbrochen und ich dachte, jeden Moment ploppt mein Augapfel aus der Höhle. Es war schrecklich.

Ich rief Montag in der Frühe die Zahnarztpraxis an, wo ich jetzt hingehen solle. Man sagte mir, der HNO sei die richtige Anlaufstelle. Dort berichtete ich von der Zahn-OP, es gab eine kurze Sono, dann ein Rezept für Amoxicilin und Prednisol. AU bis Mittwoch. Ich hatte zwar irgendwie noch Fragen, aber… siehe Absatz 2, Zeile 2.

Auf dem Heimweg war mir schlecht vor Schmerzen. Gottseidank hatte ich ein ganzes Arsenal von Ibuprofen und dergleichen vorrätig. Dienstag wurde es dann mit dem Cortison und der Antibiose besser, aber Mittwoch, natürlich nachmittags, als die Praxis schon geschlossen hatte, hatte ich einen derben Rückfall. Ich konnte das linke Auge gar nicht mehr offen halten, fast schwallartig schossen Tränen raus, in der Stirnhöhle fand eine illegale Techno-Party statt.

Ich wurde Donnerstag wieder beim HNO vorstellig. Kurze Sono. Überweisung CT, Medikamente aufgestockt, AU verlängert. Der Nächste bitte. Ich hätte Fragen gehabt. U.a., wo ich denn jetzt einen kurzfristigen CT-Termin herbekommen sollte? Ich lief in das radiologische Zentrum gegenüber. Ja, aha, dringend, soso, Schmerzen, sieh an… dann gerne Dienstag früh. Die Kasse lässt grüßen? Ehrlich, ich bin ohne Termin raus, habe drei andere Praxen angerufen, bin dann wieder reumütig reingelaufen und habe den Termin in 6 (!) Tagen bestätigt. Wofür CT? Ausschluss Trigeminusbeteiligung und Sinusitis, glaube ich verstanden zu haben. Hm.

Wahrscheinlich wird sich alles irgendwie wieder einpendeln, aber ich würde mich wohler fühlen, wenn die behandelnden Ärzte mich auch mal als ratlos wahrnehmen würden. Wer jetzt sagt, ich solle halt Fragen stellen… Ja, wenn ich wüsste, welche Fragen ich stellen kann und soll, wäre ich ein gutbezahlter Schamane. Soll das Implantat wieder raus, heilt das von selbst zu, kann das chronisch werden, hängt es überhaupt zusammen?

Na, ich will mich nicht beklagen (und habe es dennoch gerade getan), immerhin gibt es die gesetzliche Versicherung, auch wenn diese eine zweiter Klasse ist (als freiwillig Versicherter, ohne die die gesetzlichen Kassen gar nicht mehr zurecht kämen). Dazu noch die irrwitzige Geschichte, dass mein Zahnarzt mir Ibu 600 verschrieben hatte, für die ich 5 Euro Rezeptgebühr zahlen musste, 20 Stück, 12.000 Einheiten also. Für 30 Tabletten 400er, freiverkäuflicher Ibu (insg. 12.000 Einheiten) zahlt man etwa 2 Euro 50. Aber ich war zu sehr mit meiner ausgeflippten linken Gesichtshälfte beschäftigt, um darüber nachzudenken.

Wie geht es weiter. Ich hoffe, das CT (wieso sagen alle inkl. mir eigentlich „das CT“, wenn es doch DIE Tomographie ist?) zeigt nur eine temporäre, wenn auch blöde Entzündung. Ich hoffe, dass beim Fädenziehen am Mittwoch wieder alles okay ist. Ich hoffe, dass die Behandlung dann einfach fortgesetzt werden kann. Und ich hoffe, dass ich mir zukünftig dreimal den Sinn solcher Maßnahmen überlege. Mit fast 60 kann man ja auch mal auf ein paar Zähne verzichten.

P.S.: Zur Vorgeschichte ist anzumerken, dass ich innerhalb von zwei Jahren zwei Zähne gezogen bekam, bei Nr. 27 brach die Wurzel im Kiefer (ZA: „Nicht zu retten!“), Nr. 26 brach vertikal einfach einmal durch (ZA: „Wieder nicht zu retten!“). Und nein, ich war weder an einer Wirtshausschlägerei beteiligt, noch bin ich cracksüchtig. Wieso passiert wo etwas? Diese Frage stellte ich dann. Antwort: „Das kann man so gar nicht sagen…“

P.P.S.: Eine Selfie meiner Mundhöhle als Vorschaubild wollte ich Euch ersparen, daher das Hauptessen dieser Woche. Rechts kauen war nämlich problemlos, daher gab es reichlich gefülltes Gemüse, hat für 3 Tage gereicht.

Rumgeschnipsel

Ihr Lieben,

diesmal gab es wirklich Geschnipsel, und das nicht nur in der Küche. Aber fangen wir mal mit etwas erfreulichem an: Am vergangenen Sonntag war Konfirmation meines 3. Neffen, da wollte ich natürlich unbedingt hin. Am Abend vorher kaufte ich mir auch brav ein IC-Ticket und morgens um 8 bimmelte es das erste Mal: „Ihr Zug fährt von einem anderen Gleis!“. Naja, kann ich mit leben. 10 Minuten später: „Geringfügige Verspätung!“. Ehrlich, wenn man um 11 Uhr in Duisburg an einer Kirche sein soll… Ich nahm kurzerhand einen Mietwagen. Ich hasse die Deutsche Bahn!!! Vorteil: Stressfrei war ich in 45 Minuten an der Kirche.

Der Gottesdienst war sehr schön, die Kirche hat eine sympathische Pfarrerin. Zudem habe ich seit langer Zeit mal wieder andere Teile der Familie gesehen, Cousin mit Familie und die Ex-Schwägerin z.B. Der Neffe hatte sich übrigens von allen u.a. Geld für eine Luxus-Eismaschine gewünscht, die hat er dann von mir bekommen. Nicht ganz uneigennützig, ich verspreche mir jetzt ständig selbstgemachtes Eis bei unseren Treffen! Zum Essen konnte ich wegen einer Magenverstimmung dann leider nicht mitkommen. Schade.

Drei Tage vorher war ich noch mit der Kulturtruppe in der Kleinen Glocke, wo wir darüber sprachen, welches Museum wir eigentlich hätten besuchen können, um unserem Namen gerecht zu werden. Dafür brauchten wir dann auch geschlagene zwei Minuten. Nun, Essen und Trinken sind ja auch irgendwie Kultur. Bratwurst und Bratkartoffeln insbesondere. Das war ein sehr netter Abend!

Am Mittwoch dann der Tag des Schreckens. Ich weiß nicht, ob ich mal erwähnte, dass ich im Oberkiefer zwei Zähne verloren hatte, weil bei einem die Wurzel im Kiefer gebrochen war. Yep! Und nein, ich war an keiner Wirtshausschlägerei beteiligt. Der andere, benachbarte Zahn brach kurz darauf auf meiner Harzreise einfach mal senkrecht durch und war laut Doc Dens auch nicht mehr zu retten. Ich entschied mich für zwei Implantate. Das führte zu einem Praxiswechsel, weil meine Zusatzversicherung den Kostenvoranschlag der bisherigen Praxis nicht vollständig akzeptierte. Das machte es für mich nicht angenehmer, da nun ein mir unvertrauter Zahnreißer die Arbeit übernehmen sollte.

Zuvor hatte ich meine erste Zahnreinigung in der neuen Praxis. Das war in zweierlei Hinsicht eine positive Erfahrung, denn erstens war sie 45 Euro preiswerter (was bei meiner Zusatzversicherung egal ist, sie zahlen unbegrenzt für Zahnreinigung) und zweitens, die Zahnhygienikerin ist aus Honduras und in Spanien aufgewachsen, ich habe also noch ein bisschen Konversationskurs dabei. Die Implantatvorbereitung war dann unangenehm, aber deutlich harmloser, als ich mir in meinen wilden Träumen zusammenfantasiert habe. Und ich hatte auch nur zwei Tage lang leichte Schmerzen. Blöd sind wirklich nur die Nähte, die zwei Wochen drinbleiben und sich wie Taue anfühlen.

Während meiner Krankschreibung habe ich dann meine Septemberreise grob durchgeplant (Feintuning kommt dann kurz vorher). Das war ganz schön anstrengend. Am ersten Tag hatte ich alle Flüge vornotiert, am zweiten die Hotels gebucht. Dann zurück zu den Flügen, schwupps, war der von Chișinău nach Belgrad schon wieder weg. Mist. Anderen Tag gewählt, alle Hotels wieder angepasst. Es ist jetzt keine preiswerte (geschweige denn eine öko-freundliche) Reise. Aber ich habe immer mit Aufgabegepäck, keine Flüge mitten in der Nacht, anständige Fluglinien (bei den Bewertungen zu z.B. flyone stellten sich mir die Nackenhaare auf!), die Hotels immer mit Kühlschrank und Schreibtisch, immer zentral gelegen. Man kann die Reise also auch deutlich preiswerter planen. Eine Geschäftsidee: eine Fluglinie, die die Städte auf dem Balkan sinnvoll verbindet, damit man nicht dauernd über Wien oder Bukarest fliegen muss!

Gebucht habe ich zudem Barcelona (inkl. einer Konzertkarte) Ende Mai, Bukarest im Juni und Brügge Anfang Oktober. Und mittendrin ist ja auch noch eine Berlinreise geplant. Aber wie soll Michael Palin (von den Monty Pythons) gesagt haben: “Wenn dich einmal das Reisefieber packt, gibt es kein bekanntes Heilmittel, und ich bin gerne bis zum Ende meines Lebens daran erkrankt.”

Gestern war ich dann noch bei meinen Lieblingsneusserinnen! Amy kann ja leider nicht mehr so, daher bin ich jetzt außer der Reihe wieder nach Neuss gefahren. Damit ich nicht erneut eine nächtliche Odyssee durchleben muss, haben wir uns auf den Nachmittag geeinigt. Zudem war ja abends ESC, den wollte ich – obwohl die Vorentscheide mich haben schuddern lassen – nicht verpassen. Das war ein schöner Nachmittag und die ESC-Party abends (mit mir als einzigem Gast) war dann auch ganz unterhaltsam. Die teils gruseligen Songs habe ich mir dabei mit Erdbeerbowle schön getrunken.

Heute bin ich dann leider mit starkem Druck hinter der Stirn aufgewacht. Die seit Tagen schwelende Erkältung hat sich unerlaubterweise ausgebreitet. Naja, das Wetter ist gerade mau, ich kann mit bestem Gewissen auf dem Sofa liegen und leiden, wie es nur echte Männer zu tun vermögen.

Nachtrag von Montag, 19.05.: Die Schmerzen wurden im Laufe des Tages immer schlimmer, ich konnte gegen frühen Morgen dann nicht mehr schlafen. um halb 8 schleppte ich mich zur Haltestelle, von wo aus ich den Zahnarzt um 8 Uhr anrief. Ich solle direkt zum HNO. Der hat Gottseidank immer von 8 bis 10 Uhr offene Sprechstunde und ich kam schnell dran. Tja, was soll ich sagen? Kieferhöhlenentzündung, ausstrahlend bis in die Stirnhöhlen. Antibiose, Cortison und AU sind die Therapie. Mist!

Alles Liebe, bis Barcelona vielleicht, Euer

P.S.: Seit langer Zeit habe ich übrigens in der letzten Woche mal wieder für meine Futterecke gekocht: Gefüllter Chicorée und Spargel-Auflauf. Beides konnte man essen.

Gefüllter Chicorée

Ihr Lieben,

heute gibt es etwas ganz einfaches, das aber überproportional lecker ist! Der Online-Supermarkt war so nett, mir heute alle Zutaten, die ich noch nicht hatte, vorbeizubringen. Wir brauchen:

  • 2 Stück Chicoree
  • 300 Gramm Hackfleisch
  • 1 kleingehackte Schalotte
  • zwei gepresste Knoblauchzehen
  • einen Becher Sahne
  • gaaaanz viel Gratinkäse (oder was auch immer Euch schmeckt, ein Bergkäse, geraspelt, würde auch super passen)
  • italienische Kräuter-Mischung
  • Salz, Pfeffer, Zucker, Chiliflocken
Sehr hübsch arrangiert, gelle? Aber der Ofen macht alles wieder schön!

Das Hackfleisch wird mit den Gewürzen und den Zwiebelgewächsen vermengt, dann kommt eine halbe Packung Raspelkäse dazu sowie ein halber Becher Schlagsahne. Wieder vermengen.

Der Chicorée wird gewaschen, halbiert und die „Schiffchen“ auseinandergenommen und wieder lose zusammengesetzt. Ein paar innere Blätter zurückbehalten und kleinhacken. Das Kleingehackte unter die Hackfleischmenge mischen.

Die großen Schiffe in eine Auflaufform setzen und mit der Hackfleischmasse füllen. Rest Käse sowie die verbliebene Sahne drüber. Noch einmal salzen und pfeffern. Ab in den auf 160°C vorgeheizten Ofen für 40 Minuten. Nötigenfalls abdecken, wenn es oben zu dunkel wird.

Ich hatte einen einfachen Tomatensalat dazu, ein Glas Grauburgunder und es war himmlisch. Aus den zwei Früchten konnte ich 6 Schiffchen machen, es reicht also für 3 bis 4 Personen. Kartoffeln mit (Petersilien-)Butter würden auch dazu passen. Sauce gibt es ausreichend, Chicorée lässt viel Saft beim Backen. Haut rein!

Spargelauflauf

Ihr Lieben,

ewig habe ich ja nichts mehr für den Blog gekocht (wobei ich ja mein Ostermenü hätte einstellen können, aber da war ich doch zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt), das liegt natürlich auch daran, dass ich schon fast alles gekocht habe. Klar, ich könnte statt Meeresfrüchte-Risotto jetzt ein Aprikosen-Nuss-Risotto einstellen, aber das Prinzip ist das gleiche.

Spargel hatte ich glaube ich auch schon öfter, aber meines Wissens noch nicht als klassischen Auflauf. Ich esse Spargel am liebsten weiß, mit Kartoffeln, gutem Schinken und Petersilienbutter. Den Auflauf lehne ich daran an, mache es natürlich aber ein kleines bisschen anders:

Pro Person schäle ich je 250 Gramm Spargel und gelbe Kartoffeln und würfele sie, ebenso wie 100 Gramm Schinken. Das vermenge ich schon einmal in einer großen Schüssel. Dann verrühre ich mit dem Schneebesen (für 2) 250 ml Sahne mit 3 Eiern, Salz, Pfeffer, etwas Chili, Muskatnuss, zwei gepressten Knoblauchzehen und einem Hauch Zucker, gieße es über die Würfel, gebe eine halbe Packung geriebenen Käse dazu (ich tendiere hier zu eher mildem), vermenge wieder alles, gebe es in eine Auflaufform und streue den Rest Käse darüber.

Alles ab in den Ofen für etwa 1 Stunde, etwa 180°C, wenn es zu sehr oben bräunt, mit Alufolie abdecken. Serviert wird mit etwas Petersiliengarnitur und einem leckeren Glas Weißwein.

Eine Hollandaise, die ja klassisch wäre, als Auflaufbindemittel anzurühren habe ich mich nicht getraut, ich hatte Angst, dass das dann alles eher gerinnt. Aber Sahne ist ja irgendwie auch nichts anderes als Butter 🙂

P.S.: Die Menge reicht auch gut für 3 bis 4 Personen, es ist seeehr unkompliziert und schnell gemacht; zudem schmeckt es mir sagenhaft gut!