Fedderwardersiel und der Rest der Halbinsel

Moin, Ihr Lieben.

Nach einer eher kurzen Nacht – ich hatte am Tag noch damit geprahlt, dass ich seltenst Einschlafstörungen habe und schlief dann ausgerechnet gestern auf Deubel komm raus nicht ein – nahmen wir ein ausgiebiges und üppiges Frühstück ein, wie wir es uns zuhause leider zu selten gönnen (können). Dermaßen gestärkt brachen wir zur Erkundung der Halbinsel auf.

Wir starteten in Fedderwardersiel, einem kleinen Hafen, zu einer Wanderung über der/die/das Langwarder Groden. Und das bei klarem Himmel mit Sonnenschein. Unser Weg führte an Sielen, Deichen, Watt und Wiesen vorbei, manchmal auch über Deichkronen und Holzplanken bis an die Nordspitze, von der wir einen anderen Weg zurückliefen. Und wir sahen Schafe, Kühe, Pferde und massenweise Vögel, gar nicht zu sprechen von den vielen Wattwürmern 😀

Dadurch, dass alles sehr flach und gleichartig ist, kombiniert mit der unglaublichen Weite, kommt man beim Wandern fast in einen meditativen Zustand. Irgendwann waren auch gar keine anderen Menschen mehr zu sehen. Sehr schön war das. Auf dem Weg zurück hatten wir dann wieder zunehmenden Kontakt, je näher wir unserem Ausgangspunkt kamen. Apropos Kontakt: Hier wird wieder ge-moint, was das Zeug hält. Ich liebe es! Man sagt ja, die Norddeutschen sind mundfaul (sind sie manchmal), distanziert (ja, auch das) und fremdeln (ich als gebürtiger Muschelschubser kann auch das bestätigen!). Aber es herrscht ein dennoch deutlich freundlicherer Umgangston vor, im Gegensatz von z.B. zu Köln.

Nach der Wanderung labten wir uns in einem Biergarten direkt am Meer an einem Kaltgetränk und Elke holte sich noch ein Krabbenbrötchen auf die Hand (mit der Spezialknoblauchsauce des Hauses). Die Dame hinter dem Tresen hörte gar nicht auf, Krabben in das Brötchen zu schaufeln, so war das Konstrukt auch entsprechend schwer zu verzehren. Ich wollte nichts, bekam aber als Ausgleich, „dass Sie den Knoblauchgeruch Ihrer Frau ertragen müssen“, eine kleine Tüte Gummibärchen mit dem Logo der Butjadinger Fischereigesellschaft. Sehr lieb!

Wir begaben uns zum Wattensteg in Burhave. Ich sage ja lieber Seebrücke, das klingt mondäner. Es hat nur leider wenig mit einer Seebrücke gemein. Es ist halt ein Wattensteg. Eine Frau kämpfte sich todesmutig durch den Schlick (es war Ebbe) und schwamm in der braunen Brühe, Respekt! Zwei Schweizerinnen warfen Brot ins Wasser, ich hoffe, es war nicht für die schwimmende Frau gedacht.

Wir haben beide ein Faible für Käsereien oder Hofläden und dergleichen. Wir wollten die besten der besten in Butjadingen und Umgebung finden. Ich nehme es vorweg: Nur wer ohne Ansprüche durchs Leben geht, kann nicht enttäuscht werden. Hofladen No. 1 war ein Tinneff-Shop, der die Cafeteria-Besucher mit Tand und Schund lockte. Hofladen No. 2 war eine Selbstbedienungsbaracke mit zweierlei Sorten Käse, Bionadegetränken und Eisbechern. Hofladen No. 3 bekam uns aufgrund dieser Erfahrungen gar nicht erst zu Gesicht. Was haben wir wehmütig an den Hofladen in Pilsum gedacht.

Jetzt waren wir schon so weit über die Insel gegurkt, da wollten wir einen Blick auf Wilhelmshaven werfen und fuhren nach Tossens, einem Nordseebad im Westen der Insel. Inzwischen nieselte es. In Tossens ging es mal so richtig touristisch zu. Viele Familien mit kreischenden Kindern und kläffenden Hunden. Souvenirshops und gastronomische Betriebe gut gefüllt. Wir erklommen den Deich, um auf einen Strand zu schauen, der auch den Ansprüchen von Mittelmeerurlaubern gerecht würde. Die Hauptstraße hinauf stießen wir auf den Butjener Küstenmarkt. Ich versprach mir sehr viel davon, jedoch war es eine Souvenir-Kitschbude der Extraklasse, mit bestimmt auch schönen Artikeln, die aber im großen Ramschen …. äh…. Ganzen untergingen.

Wir stärkten uns mit einem Aperitiv in einem griechischen Restaurant und nahmen – wegen der Eindrücke, die wir sammeln wollten – eine Umwegsstrecke in Kauf, um nach Hause zu kommen.

Also, die ganze Halbinsel (ich erwähnte gestern das Schöner-Dorf-Idyll) ist sauber, adrett und wie geleckt. Hier liegt kein Dreck herum, die Gärten sind gepflegt bis zum Gehtnichtmehr und alles ist wie im Museum. Fast schon spooky für jemanden, der aus einer so dreckigen Stadt hierher kommt. Wir haben aber eine Vermutung: Wer nicht zu den festgelegten Zeiten seinen Rasen mäht oder die verwelkten Blüten von seinen Sträuchern abzupft oder das Unkraut in seiner Einfahrt mit dem Flammenwerfer vernichtet, wird vom jeweiligen Gemeinderat verdammt und im Schnellverfahren von einer Klippe in die Nordsee geworfen. Ich mag es hier.

Abends haben wir uns aus allerlei Leckereien (nein, NICHT aus einem Hofladen!) unsere traditionellen Burger gebastelt, Backgammon gespielt (Elke hat gepfuscht! Anders kann ich mir ihre vielen Siege nicht erklären!) und dann dem stetigen Regen vor unseren Fenstern gelauscht. Wir sind über 20.000 Schritte gelaufen und haben so einiges gesehen. Es ist eine nette Ecke, aber man muss es auch gerne mal ruhig und etwas langweilig mögen. Wir tun das, daher geht es uns nicht allzu schlecht hier.

Morgen fahren wir in die laut Focus-Magazin sechshässlichste Stadt Deutschlands. Naja, Fakten, Fakten, Fakten!? Wir machen uns mal ein eigenes Bild (wobei ich ja schon einmal da war). Guckt Ihr wieder mit? Würde uns freuen.

Liebe Grüße, Elke und Gerald

Nordenham, die Anreise

Ihr Lieben,

um 10 Uhr früh brach ich von Köln aus auf, um bei Elke umzuladen und umzusteigen. Doch kurz nach Worringen sah ich mich unversehens an einem Stauende wieder. Und war froh über Coras gute Bremsen. Denn das Stauende stand (!, wie eine Mauer) urplötzlich vor mir. Super, dachte ich, das fängt ja gut an! Zumal ich annahm, dass wir eine ganze zeitlang über die A1 würden fahren müssen, die ja nicht gerade den besten Ruf hat, um entspannt vorwärts zu kommen. Irgendwo bei Dormagen stellte sich dann heraus, dass die A57 in Länge von etwa 100 Metern auf eine Spur verschmälert wurde und dies ursächlich für die Verkehrsbehinderung war. Das an dieser Stelle vorgesehene Reißverschlussverfahren war fast allen Beteiligten scheinbar gänzlich unbekannt. Es ist ein unerklärliches Phänomen!

Bei Elke angekommen, haben wir dann erst einmal einen Kaffee zu uns genommen und dann unsere Gepäckstücke hin- und herverräumt. Ihr wisst ja, auch eine vernünftige Kaffeemaschine muss mit, wer weiß, was man vor Ort anfindet. Die Weinkisten! Wichtigwichtigwichtig! Wer weiß, was man im Norden bei Aldi für eine Plörre verkauft! Aufbackbrötchen, Käse, Knabberzeug. Der Ankomm-Sekt in der Kühltasche. Um es kurz zu machen: Unsere kleinen Koffer wogen vielleicht zusammen 10 Kilogramm und das Equipment drumherum etwa eine Tonne.

Erfreulicherweise kamen wir dann, da das Navi uns über die A31 führte – das ist der sogenannte Ostfriesenspieß (die Bezeichnung kannte ich noch nicht) – super gut durch, konnten unterwegs eine Rast machen und waren 3 Minuten nach frühestmöglicher Eincheckzeit an der Ferienwohnung. Yeah! Ab sofort meine Lieblingsautobahn! Die Wohnung ist eigentlich sehr gut, was ich aber bei der Buchung übersehen bzw. missverstanden hatte: Es gibt keine Terrasse und keinen Balkon. Nur eine Raucherecke vor dem Haus. Das ist etwas schade, aber ansonsten ist alles prima.

Wir stießen mit einem Tröpchen Sekt auf unseren Kurzurlaub an, fuhren zum nächstgelegenen Edeka (ein riesiger, schöner Laden!), um Resteinkäufe zu tätigen und erkundeten dann den Ort. Es ist ein verschlafenes Nest, aber auch ein Kandidat für „Unser Ort soll schöner werden“. So aufgeräumt und friedlich! Der Kirchhof ist idyllisch (St. Hippolyt aus dem 12. Jahrhundert), da ist man quasi gerne begraben, und man blickt auf die Hafenanlagen und große Schiffe von Bremerhaven (also, wenn man nicht begraben ist).

Wir liefen über den Deich zum Weserschlösschen (siehe Beitragsbild), das war früher mal ein Bahnhof und beherbergt jetzt eine Herberge und ein Restaurant mit Biergarten. Obwohl es grau war und ab und zu tröpfelte, ließen wir uns auf der Terrasse nieder und ließen uns das örtliche Bier schmecken. Dazu gab es einen sehr guten Burger für Elke und eine (bis auf die sehr fischige Scholle) gute Fischplatte für mich.

Am Abend hingen wir dann noch ein bisschen auf dem Sofa ab und überlebten mehrere kleine Lachkrämpfe, deren Ursache Ihr mir nicht glauben würdet, wenn ich sie Euch erzählte. Fragt uns bei Gelegenheit danach, man muss es hören (und selbst dann wird man es nicht verstehen, es ist eine Dabeigewesenseinmüssengeschichte).

Insgesamt ein schöner erster Tag, für morgen haben wir uns eine kleine Wanderung ausgeguckt. Ihr lauft doch mit, oder?

Liebe Grüße von Elke und Gerry

Die wahren Deichkinder!

Nordenham – Prolog

Ihr Lieben,

Elke und ich haben vor geraumer Zeit beschlossen, zusammen einen Kurzurlaub an der Küste zu verbringen. Ohne Amy, ihre Hündin, und mit unseren Fahrrädern (Cora hat ja einen Fahrradträger!), damit wir mit diesen über die Halbinsel zwischen Jadebusen und Weser in der Sommerhitze herumflitzen können.

Wir entschieden uns sehr schnell für ein uns angenehm scheinendes Haus, ohne zu wissen, was man dort, nämlich in Nordenham, so unternehmen könnte. Wir buchten und der Kontakt zu den Vermietern war sehr nett. Wir sind leider nur 2 volle Tage dort, da unsere Terminkalender dermaßen vollgespickt waren, dass wir keinen längeren Termin fanden. Und nun müssen blöderweise unsere Fahrräder daheim bleiben, da ich inzwischen eine Dreifach-hipp-hipp-hurra-Hernie diagnostiziert bekommen habe, die mich etwas einschränkt. Heute erst wurde der OP-Termin festgelegt.

Und da wir die Räder jetzt nicht nicht mitnehmen, fahren wir wegen der mangelhaften Klimatisierung von Cora jetzt mit Elkes Wagen, dessen Namen ich gerade gar nicht parat habe. Cora hat sich ziemlich beschwert, sie könne auch mal Seeluft gebrauchen, aber immerhin kommt sie ja nach Neuss, auf Elkes Stellplatz, ist doch auch was!

Bis gerade war ich mit packen beschäftigt, denn auch eine kurze Reise bedarf…. jajaja, ich gebe es ja zu, ich war faul und habe alles auf den letzten Drücker erledigt. Also, um 10 Uhr geht es Richtung See, ich hoffe Ihr seid dabei. Wir freuen uns jetzt schon!

Liebe Grüße, Euer

Quelle Bild: Google-Suche „Nordenham“

Bandnudeln mit Minzpesto

Ihr Lieben,

neulich habe ich eine Lebensmittelrettungstüte im türkischen Supermarkt geholt, da waren u.a. mehrere dicke Bündel Minze drin, die sofort verarbeitet werden mussten; es reichte für mehrere Gläser Minzpesto! Das kann man prima als Aufstrich für geröstetes Brot nehmen, das mit Tomaten oder Käse belegt wird, aber eben auch für Nudelgerichte.

Für die Bandnudeln nehme ich 125 Gramm Mehl (Typ 00 oder 405), 125 Gramm Hartweizengrieß, ein Ei, knete das unter milliliterweiser Zugabe von Wasser gut durch, lasse es etwas ruhen, knete es noch einmal (ggf. je nach Geschmeidigkeit noch mit ein paar Tropfen Öl) durch, walze es dann mit der Nudelmaschine dünn aus und schneide mir Bänder mithilfe des Tagliatelle-Aufsatzes. Das Teigrezept stammt von toto-w bei Chefkoch und seitdem gehört das viele Gefluche bei der Nudelteig-Verarbeitung der Geschichte an. Und man muss nicht dauernd nachmehlen und die Maschine ist rucki-zucki gereinigt. Also, meinen Dank, toto-w.

Für das Pesto püriere ich (mit Stabmixer oder entsprechender Küchenmaschine) die Blätter eines dicken Bündels Minze mit zwei Esslöffeln gehackten Walnüssen, 50 Gramm Grana Padano oder Parmesan, eine Chilischote, ein oder zwei Knoblauchzehen, etwas Zitronenabrieb, etwas Zitronensaft, eine Prise Salz und so viel Olivenöl, das es eine geschmeidige Masse gibt.

Die Bandnudeln in kochendes, stark gesalzenes Wasser geben, sie sind schon nach etwa drei bis vier Minuten durch. Drei oder vier Esslöffel Pesto in eine Pfanne geben, eine halbe Kelle des Nudelkochwassers dazu, die Nudeln unterheben. Wer will, kann auch Kirschtomaten oder Krabben oder gehackte Nüsse zum Pesto in der Pfanne geben oder später Parmesan drüberstreuen. Wie immer ist das Eurer Phantasie überlassen.

Das übriggebliebene Pesto immer leicht mit Olivenöl abdecken, dann hält es einige Zeit.

So schmeckt der Sommer! Haut rein. Euer Gerry

Pfirsichpfanne

Ihr Lieben,

das Original-Rezept dieses Gerichts kenne ich von meiner Großmutter Olfen, sie hat es allerdings anders zubereitet. Ohne Chili und Thai-Curry, auch ohne Wein und mit Schweinefiletwürfeln und Pfirsichen und Mandarinen aus der Dose. Alles ganz klassisch mit Salz und Pfeffer gewürzt.

Ich habe es ein bisschen für heute abgewandelt. Ich brate eine Tüte gelbes Thai-Curry in reichlich Rapsöl an, gebe eine gewürfelte Zwiebel, eine kleingewürfelte Peperoni sowie zwei gepresste Knoblauchzehen dazu. Alles gut verrühren. Mit Wein ablöschen und das bemehlte Putengeschnetzelte dazugeben. Das Mehl sorgt für ein bisschen Bindung. Sahne dazu und etwas köcheln lassen. Erst nach 5 Minuten auch die (frischen) Pfirsichwürfel dazugeben. Kurz vor dem Servieren auch noch das halbe Dutzend gehackte Minzblätter. Abschmecken und mit Basmatireis servieren.

Schmeckt pfanntastisch! Übrigens auch mit anderem Fleisch und Obst. Oder mit ein paar Cashewkernen. Oder auch mit Petersilie statt Minze. Ihr wisst schon, einfach drauflosprobieren.

Ahrweiler – etwas Umgebung

Ihr Lieben,

heute habe ich mit ein strammes Programm vorgenommen! Aber ich erinnere nur an Bert Brechts Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens. So wie ich mir das vorstellte, klappte es natürlich nicht.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und fuhr zur Burg Olbrück. Die, wie ich aus meinen Recherchen zwischen Spiegelei und Obstsalat herausfand, erst um 11 Uhr öffnen sollte. Ich wollte dann abends in meinem Blog witzeln, dass sie damit das Geschäft ihres Lebens verpasst haben, weil ich geplant hätte, den gesamten Souvenirladen leerzukaufen. Vor Ort angekommen musste ich feststellen, dass alles – trotz angekündigtem Eintrittsgeld – frei begehbar und recht öde war. Witzig waren alleine Stationen, an denen man an einer Exkalibur-Schwert-Imitation ziehen konnte. Daraufhin wurde etwas über die Burg erzählt. Fazit: Schöne Ruine, aber möglicherweise für einen weiteren Umweg den Aufwand nicht wert. Die Aussichten, die sich bieten sind aber hübsch.

Mein nächster Stopp war die Benediktinerabtei Maria Laach. Wow. Was ein Trubel. Ein Disneyland für Gläubige. Kloster, Klostergärtnerei, Klostergaststätte, Klostershop, Klosterhofshop, Klosterschmiede, Klosterdies und Klosterdas. Der Klosterparkplatz eine Herausforderung! Aber alles sehr sehenswert und beeindruckend. Ich erstand einen „Klingelbeutel“ Klosterbier und einen Klosteressig. Die Kunstschmiedekunst war nicht wirklich nach meinem Geschmack, aber die Gärtnerei hat mich begeistert! Zudem war gerade in der Klosterkirche hohe Messe, als ich da reinpurzelte. Ich überlegte noch, zum See zu laufen, brach aber nach zwei Kilometern ab und kehrte um, da der See durch Gestrüpp nur zu erahnen war und ich nicht wusste, wann ich zu einer freien Sicht gelangen würde. Hier muss man definitiv mehr Zeit einplanen, als ich es tat.

Wir kommen nun zu einem Märchenschloss: Schloss Bürresheim. Wuuuunderschön! Eine hinreißend gut erhaltene Burg mit Schlossteil. Ich kam genau richtig zu einer Burgführung (ohne die geht es nicht ins Innere). Die Räumlichkeiten sind bis 1938 von den Abkömmlingen der Erbauer (klar, mit wechselvoller Geschichte) bewohnt worden und alles ist quasi im Original erhalten. Verschiedene Baustile prägen den Komplex. Die Führung war erstaunlich gut gebucht und sehr informativ.

Leider wurden aus der mir an der Kasse anvisierten 40 Minuten für die Führung weit über eine Stunde und ich musste umdisponieren. Denn ich wollte mich ja um 15 Uhr mit Silvia und Georg von der Afrika-Reise in Remagen treffen. Die von mir geplanten Stationen Schloss Namedy und der Kaltwassergeysir in Andernach fielen der zu engen Planung zum Opfer. Auf dem Weg hielt ich nur kurz noch bei Schloss Ahrenthal, wo ich aber nur den unspektakulären Vorbau fotografierte, um dann festzustellen, dass ein landwirtschaftliches Großfahrzeug, das ich erst kurz zuvor überholt hatte, wieder vor mir war.

Ehrlich, das kam heute dreimal vor, dass ich im Schritttempo hinter speziellen Gefährten fahren musste. Dazu die Fahrweise der Ureinwohner hier, erkennbar an den Kennzeichen AW oder MYK, die unter aller Sau ist, gepaart mit Motorradfahrern, die ihres Lebens ganz offensichtlich überdrüssig sind. Daher stelle ich mir vor, dass diese gar nicht wünschten, dass man im Falle einer Verunglückung anhält und ihnen irgendwie hilft. In der Eifel Auto zu fahren erfordert viel Umsicht und Nerven.

Mit dem Hotel in Remagen hatte ich vereinbart, dass ich kurz vor 3 Uhr einchecke, um pünktlich beim vereinbarten Treffpunkt sein zu können. Und ich wollte Cora in der Tiefgarage des Hotels abstellen. Leider konnte man vor dem Hotel nicht wirklich parken und als ich dann nach zweimaligem Fahren um den Block in einer Hausnische halten konnte, war niemand da. Ich probierte ein paar Rufnummern an der Eingangstür und bekam nach ein paar Minuten Einlass. Cora in die Garage, Koffer aufs Zimmer, einmal Wasser ins Gesicht klatschen und ich war auf die Sekunde genau im Restaurant.

Dort konnte man sich zwar nicht an eine Reservierung erinnern, schob aber zwei Minitische auf der hoffnungslos überfüllten Terrasse zusammen und brachte mir die Speisekarte. Ich schrieb eine WhatsApp: „Bin da!“ und schickte ein Selfie mit. Prompt kam eine Nachricht zurück, dass ich im falschen Restaurant, auf der falschen Terrasse säße. Man warte schon auf mich. Wie peinlich! So kam ich dann mit 10 Minuten Verspätung am richtigen Ort an.

Was soll ich sagen… Eigentlich wollte ich am späten Nachmittag noch Sightseeing in Remagen machen. Appollinaris-Kirche, die berühmte Brücke… Aber es war dann so nett mit Silvia und Georg, dass wir uns total verquatschten. Dann die Rechnung zahlten, dann nachorderten, dann die Rechnung zahlten…. Aber es ist auch ein wirklich schönes Treffen in einem wirklich schönen Restaurant geworden. Übrigens: Die Fischsuppe war ein Traum!

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust: Jetzt sitze ich in meiner Butze und finde es schade, dass meine kleine Tour schon wieder zuende ist. Aber ich freue mich auch, dass es so eine schöne Tour war.

Ich hoffe, es hat Euch auch ein bisschen gefallen, mich zu begleiten und ich freue mich auf unsere nächste gemeinsame Reise. Wahrscheinlich ist dies ein Kurztrip nach Nordenham.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Ahrtal – Ahrweiler (2)

Ihr Lieben,

am Abend trank ich auf dem Zimmer natürlich noch das ein oder andere Glas Wein, als ein fürchterliches Grunzen einsetzte. Einer meiner Zimmernachbarn schlief offensichtlich mit geöffneten Fenstern, meine waren auch sperrangelweit aufgerissen. Und er schnarchte um sein Leben, das hatte ich so noch nicht gehört. Selbst die Einbauschränke wackelten. Ein Hoch auf den modernen Hörschutz.

Um halb 9 morgens begab ich mich ins Bistro, wo das Frühstück serviert wurde. Es war ganz anständig. Leider fing es draußen an zu nieseln, das versprach schon mal nichts Gutes. Als ich noch fantasierte, mit Regenschirm bewaffnet ausreichend gerüstet zu sein, verstärkte sich der Regen zur Bindfadendichte. Also fiel der Beschluss, mit Cora durch die Lande zu fahren.

Erste Station war der ehemalige „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes“, im Volksmund „Regierungsbunker“ genannt. Dort kann man zu einem sehr stolzen Eintrittspreis eine Führung buchen, die  Fotografieerlaubnis kostet ebenfalls extra. Aber es ist wahnsinnig interessant und spannend! Angelegt in einem früher geplanten, nie fertiggestellten Eisenbahntunnel wurde auf über 17 km Wegstrecke der Ernstfall geprobt und alles für die wichtigsten Vertreter des Volkes vorgehalten. Heute vielleicht undenkbar! Nach damaligen Verhältnissen atombombensicher, autark und angeblich super geheim. Dazu muss man wissen, dass nach der Wiedervereinigung die kompletten Pläne des Bunkers in den Archiven der Stasi gefunden wurden. Es lohnt sich, pünktlich zur Eröffnung hier zu sein, da es sich später ziemlich knubbelt, wahrscheinlich insbesondere bei Regenwetter.

Als die Führung zu Ende war, nieselte es immer noch. Daher war mein nächster Stopp die Römervilla. Die Existenz einer bestehenden großen römischen Anlage war wohl schon länger bekannt, das Ausmaß wurde aber erst sichtbar, als in den 80er Jahren die Umgehungsstraße in Ahrweiler gebaut wurde und dabei die Ruinen in ihrer Gesamtheit freigelegt wurden. Jetzt ist alles überdacht und man kann die Fundamente und Überbleibsel eines römischen Herrenhauses mit Nebengebäuden begehen. Hier ist der Eintrittspreis noch zivil, insbesondere wenn man eine Gästekarte hat, zudem ist es, jedenfalls für mich, immer spannend, Wege entlang zu laufen, auf denen vor Tausenden von Jahren schon andere Menschen gegangen sind. Und dabei ein bisschen ihre Geschichte zu spüren.

Auch nach diesem Programmpunkt hatte das Wetter sich noch nicht wirklich gebessert. Ich beschloss, den schönsten Programmteil meiner Reise jetzt zu absolvieren. Ich ging weinkaufen. Ja, ja! Dieses Verb existiert, es wurde extra für mich erfunden. Von mir. Und von anderen vor mir wahrscheinlich auch. Ich fuhr zur Winzervereinigung, zum Kloster Marienthal und zu Brogsitter und belud Cora, bis sie ächzte. Ich fürchte, meine Kreditkarte ächzte auch. Aber das höre ich ja Gott sei Dank erst Wochen später.

Erst jetzt klarte es endlich etwas auf, ich stellte Cora auf dem Hotelparkplatz ab und lief durch das Adenburgtor die Weinberge hoch zur Gedenkstätte Silberbergtunnel. Kurz bevor man an der Gedenkstätte ankommt, hat man einen sagenhaften Blick auf ganz Ahrweiler. Der Silberbergtunnel gehörte auch zu dem Eisenbahnprojekt, das durch die französischen Besatzer untersagt wurde, daher stehen dort Viaduktpfeiler, aber die Verbindung für die Schienen wurde nicht mehr fertiggestellt. Dafür konnten sich im Zweiten Weltkrieg die Ahrweiler bei Angriffen in der sogenannten „Stadt im Berg“ verschanzen. Bis zu 2400 Menschen fanden dort Unterschlupf, bis durch Bombardement auch der Tunnel zerstört wurde.

Ich überlegte, noch zur Weinbergkapelle weiterzuwandern, hörte dann aber das 16-Uhr-Läuten aus der Stadt, ein klares Zeichen, zurückzugehen und für das leibliche Wohl in Form eines großen Krugs Bier zu sorgen. Auf dem Weg am Bahnhof vorbei dachte ich darüber nach, noch schnell nach Bad Neuenahr zu fahren, aber dann fiel der Zug aus. Ja ehrlich, kann man mir noch klarere Zeichen geben? Ich denke nein!

Ich beschloss im Marktbrunnen einzukehren, wo ich 10 Minuten lang beobachtete, wie sich drei Kellner kettenrauchend ausschließlich mit sich selbst beschäftigten, so dass ich die Lust verlor und zu meinem gestrigen Tisch beim Hotel zum Stern zurückkehrte. Den passenden Loriot-Ausspruch, ob ich den Herren vielleicht etwas bringen könne, verkniff ich mir. Im Stern wurde ich prompt bedient und plauderte auch noch nett mit dem Kellner.

Das Abendessen gestaltete sich schwierig. Ich hatte zu spät in den von mir ausgewählten Gaststätten angerufen. Alles ausgebucht. Auf gut Glück ging in den Innenhof der Pizzeria Perla, wo ich noch einen Platz ergattern konnte. Das war gut so, denn die Chefin war super nett, der Wein extrem lecker und das Essen sehr gut.

Alles in allem kann man es an der Ahr auch mal bei Regen aushalten. Es war ein schöner Tag und ich könnte noch länger bleiben. Morgen mache ich dann das Umland unsicher. Ihr seid doch sicherlich dabei, oder?

Liebe Grüße, Euer Gerry


Ahrtal – Ahrweiler (1)

Ihr Lieben,

dieses Wochenende verbringe ich an der Ahr, wo ich mich eigentlich mit Freunden treffen und eine hier lebende Freundin besuchen wollte. Leider kam etwas dazwischen und unser Treffen wurde abgesagt. Ich habe allerdings mein Hotel nicht storniert, sondern beschlossen, hierher zu fahren, hatte ich mir doch ohnehin schon das Wochenende freigeschaufelt.

Ich bin in den Eifelstuben untergekommen, das ist ein Anbau an einem historischen Restaurant, sehr zweckmäßig eingerichtet. Was ich aber toll finde ist, dass ich einen Parkplatz im Hotelinnenhof mitten im Zentrum von Ahrweiler ergattern konnte. Cora gefällt das auch sehr.

Was mir zum Zeitpunkt der Buchung nicht klar war: heute ist der zweite Jahrestag der Flutkatastrophe. Auf dem Marktplatz steht auch eine Bühne, es soll wohl eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Bei einem Stadtspaziergang stellte ich fest, dass viele Häuser noch nicht wiederhergestellt und dass viele Läden noch geschlossen sind. Im Radio hörte ich, dass bis zu 30% der Spenden noch nicht ausgezahlt wurden. Hier ist einiges zu tun, aber die Region scheint auf einem guten Weg zu sein. Zumindest die Besucher sind wieder zahlreich vor Ort.

Vor ein paar Jahren war ich mit einer Doppelkopfrunde in Ahrweiler. Wir wollten wandern, wandern, wandern! Aber zuerst stärkten wir uns auf dem Marktplatz mit einem Secco. Daraus wurden zwei, dann drei… und dann haben wir aufgehört zu zählen! Wir sind insgesamt vielleicht hundert Meter gelaufen. Und so ging es mir heute in ähnlicher Weise. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Stadtspaziergang ließ ich mich schon auf dem Marktplatz nieder, glotzte in die Gegend und trank meine wohlverdienten Wanderbiere.

Dann übermannte mich nach zwei Gläsern aber doch das schlechte Gewissen und ich spazierte noch zur  Wallfahrtskirche Calvarienberg. Eine, wie ich finde, sehr imposante Anlage für ein so beschauliches Fleckchen.

Nach kurzer Rast im Hotel, wo übrigens alle ganz furchtbar nett, aber auch äußerst beschäftigt sind, kaperte ich einen Tisch im Ahr Vinum. Es gab Pfifferling-Rahmschnitzel. Legga! Am Nachbartisch das obligatorische überforderte Elternpaar mit einem geschätzt vierjährigen Lars-Sören, der munter mit Besteck um sich warf, ununterbrochen krähte und wie ein Derwisch hin- und herrannte. Ich fürchte, man muss sich daran gewöhnen, dass der Nachwuchs so ausgebildet wird.

Zum Abschluss kaufte ich mir noch eine leckere Genossenschaftsplörre, die ich mit in mein Hotel-Büro nahm. 22er Pinot-Noir weißgekeltert.

Morgen steht auf jeden Fall der Regierungsbunker auf dem Programm, der Rest ergibt sich aus der Tageslaune. Leider, leider gibt es keine Seilbahn, keine Glasbrücken oder eine Schluchten überspannende Zip-Line. Seeeehr schade!

Aber die Zeit bekomme ich dennoch totgeschlagen. Schlagt Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Überall im Ort herrscht Personalnot, die Servicekräfte sind nur am Rumrasen und die Gäste stänkern. Ob ich wohl wieder anfangen sollte, zu kellnern?

Thunfischlasagne

Ihr Lieben,

Lasagne. Ich liebe sie! Auswärts und daheim. Und meistens mache ich auch keine schlechte. Aber immer irgendwie gleich. Heute soll es mal keine mit Bolognese werden, sondern mit Thunfisch.

Eigentlich plante ich die Lasagne schon für meinen Besuch am letzten Samstag, aber ich war so unglaublich faul aufgelegt, dass wir uns etwas vom China-Imbiss liefern ließen. Was für mein Rezept Folgen hat, da ich nun auch Kapern und Oliven verwenden darf. Worauf mein lieber Besuch vor 6 Tagen eher nicht so erpicht ist.

Fangen wir mit der Béchamel-Sauce an, sie ist viel einfacher als so oft dargestellt. Zu gleichen Teilen werden Butter und Mehl bei hoher Temperatur unter entfesseltem Rühren erhitzt (je 50 Gramm z.B.) und dann bei reduzierter Temperatur unter weiterem Rühren peu à peu mit heißer Milch aufgegossen (in der zwei Lorbeerblätter mitköchelten), bis eine sämige Sauce entsteht. Während der ganzen Kocherei werden Salz, Pfeffer, Muskatnuss, etwas Zucker sowie eine gepresste Knoblauchzehe hinzugegeben. Die Sauce beiseite stellen.

Für den Thunfisch braten wir eine gewürfelte Zwiebel, drei ebenso malträtierte Knoblauchzehen und zwei gehackte Chili in einem guten Schuss Olivenöl an. Etwas später geben wir dazu auch zwei Esslöffel Kapern, ein halbes Dutzend feingehackte getrocknete Tomaten und ein Dutzend gehackte schwarze Oliven. Wir geben zwei Esslöffel Tomatenmark dazu, sowie den Thunfisch aus vier Dosen. Zwei Dosen gehackte Tomaten dazu. Gut mit Salz, Pfeffer, etwas Zucker und mediterranen Kräutern würzen und durchkochen lassen!

Jetzt wird geschichtet: Thunfisch-Tomatensauce, Lasagne-Platten, Béchamel-Sauce, in Scheiben geschnittene Tomaten und in Scheiben geschnittener Mozzarella im Wechsel, bis die gefettete Auflaufform voll ist. Mit Raspelkäse nach Wahl (bei mir heute Emmentaler mit Parmesan gemischt) bestreuen und bei vorgeheizten 200°C auf unterer Schiene für 45 Minuten backen. Ggf. nach etwa einer halben Stunde Alufolie über den Auflauf, falls der Käse nicht so dunkel werden soll. Dazu ein leckerer Rotwein und der Abend ist schööööön 🙂

P.S.: Man kann statt mit den Lasagne-Blättern auch mit dünn gehobelten Kartoffeln schichten. Ist auch sehr lecker!

Okroszka – kalte polnische Suppe

Ihr Lieben,

an diese sommerliche, herrlich erfrischende Suppe hat mich meine liebe Erika erinnert. Ich habe etwas sehr ähnliches einmal von einer polnischen Kollegin (in meiner Zeit als Zugkellner) vorgesetzt bekommen. Basis bildet Kefir, Buttermilch oder Joghurt, mit Mineralwasser angerührt, bestückt mit gekochten Kartoffeln, Gurke, Radieschen, hartgekochten Eiern und Kräutern.

Das Bier kommt nicht in die Suppe, das kommt in den Koch!

Jetzt wird es sehr simpel: Ich nehme einen Becher Buttermilch und einen Becher Sauerrahm (aka Smetana; der Komponist der Moldau hieße nämlich Sauerrahm oder Sahne auf deutsch) und verrühre beides so lange mit kaltem Sprudelwasser, bis ich die für mich gewünschte Suppenkonsistenz habe (das ist bei mir ein halber Liter). Dann gebe ich all die geputzten und kleingeschnittenen bzw. gehackten Gemüse dazu (es darf auch geraspelt werden, aber ich war zu faul, die Küchenmaschine aufzubauen). Bei mir waren das eine halbe Salatgurke, zwei Esslöffel Dill, 10 mittelgroße Radieschen, drei Stangen Frühlingszwiebeln, zwei hartgekochte Eier und 2 mittelgroße gekochte Kartoffeln.

Abgeschmeckt wird das ganze mit Salz, Pfeffer, etwas scharfem Senf (wahlweise Meerrettich), Essig (bzw. Zitrone) und was Euch noch so mundet. Traditionellerweise wird auch Wurst oder kleingeschnittenes kaltes Fleisch hineingegeben, aber das habe ich mir mal geschenkt. Es schmeckt auch ohne saulecker!

In Russland gibt es die Suppe auch und heißt dort Окрошка. Aber ich hatte kein russisches Bier 🙂