Spanien 2: Barcelona, die Zweite

Ihr Lieben,

das Hotelfrühstück ist sehr frugal, es gibt Toast, Marmelade, kleine Kuchen und Kaffee. Der Kaffee allerdings ist trinkbar und es gibt Saft und Obst. Leider keine Eier und keinen Obstsalat (ich faule Sau!). Das gibt Abzug in der B-Note.

Wie schon angedeutet, bin ich ziemlich unvorbereitet hierher gereist. Ich suchte erst einmal die Touristen-Information an der Plaza de España auf, kaufte eine Straßenkarte, fuhr mit der Metro Richtung Rambla und lief dann zur Kathedrale. Der Innenhof der Kathedrale ist schon etwas Besonderes. Viele kleine Kapellchen in den Nischen, jede einem anderen heiligen Superstar geweiht. Riesige Entengänseschwanenvögel (was sind das für Tiere?, weiß es jemand?) schnattern am Brunnen des heiligen Georg um die Wette, eine große Krippe ist aufgebaut. Ich schlenderte durch das gotische Viertel, gelangte auf den Plaza Real, dort wieder auf die Rambla und fuhr von der Station Liceu zur Sagrada Familia. Im gotischen Viertel gibt es sehr nette Läden! U.a. einen Shop, der auch die T-Shirts verkauft, die ich immer im Internet bestelle. Eine Tienda (muss mal mit meinem spanisch angeben!) verkauft ausschließlich „Caganer“, Figuren in Hockstellung, die ihre Notdurft verrichten. Ein unverzichtbarer Bestandtteil einer katalanischen Krippe und inzwischen in allen Farben und Formen (Politiker, Sportler, Showgrößen etc.pp.) verfügbar.

Leute, was ein Trubel drumherum. Tausende Menschen. Und Gerry mittendrin. Liebe das ja. Die Sagrada Familia ist ein Meisterwerk des katalanischen Architekten Antonio Gaudí. Ich habe die Kirche vor Urzeiten im Baustellenzustand besucht, sie ist jetzt schon viel größer und ausgebauter. Ob sie einem gefällt oder nicht, es ist eine spektakuläre Kathedrale des Modernismus. Persönlich finde ich aber, dass die neuen Teile nicht wirklich zu den alten passen. Naja, angeblich sind die Stilbrüche geplant. Eintritt, wie gesagt, habe ich mir geschenkt, aber es war auch wirklich brechend voll und ich hätte möglicherweise ein bisschen Probleme ob der Massen an Touristen bekommen.

Brechend voll waren auch die Hop-on-hop-off-Busse, eigentlich wollte ich mir ja ein Ticket gönnen. Die tumultartigen Szenen beim Ein- und Ausstieg haben mich dann aber doch abgeschreckt. Wohin also jetzt? Parc Güell? Eines der anderen Häuser von Antonio Gaudi? Hafen? Strand? Ich warf einen virtuellen Dartpfeil, indem ich „Sehenswürdigkeiten von Barcelona“ in die Suchmaschine eingab und mich vorab für das dritte Ergebnis entschied. Das war dann die Seilbahn zum Montjuïc hinauf. Yeah.

Um dahin zu kommen, muss man mit dem Funicular, einer Standseilbahn, bis zum Park Montjuic fahren und dort in die… ja, wie heißt denn das dann, äh… die Nicht-Standseilbahn umsteigen. Die hat eine ganz tolle Besonderheit, die fährt nämlich einmal um die Ecke. Das habe ich, glaube ich, so auch noch nicht erlebt. Der Ausblick aus der Seilbahn ist fantastisch! Barcelona liegt einem zu Füßen! Wun-der-bar!! Am Castell oben angekommen lief ich einmal eine Art Wallgraben um die Burg herum entlang. 12 € Eintritt in das Kastell schenkte ich mir, ich hatte gelesen dass es nicht ganz so spektakulär sein soll. Auf jeden Fall kann ich die Seilbahnfahrt absolut empfehlen. Der imaginäre Dart-Pfeil war mein „Harry-Potter sorting hat“ und hat alles richtig gemacht.

Ich hatte jetzt schon etwa 18.000 Schritte auf der Uhr. Ich brauchte ein Bier. Ich schrieb Rolf an (der Exildeutsche), der mich zu einer Cerveseria lotste, wo ich mich Otto und Rolf dann für ein spätes Mittagessen anschloss. Ich hatte Mejillones marinera. Die Muscheln rochen etwas muffig und waren nicht so toll, aber vergiftet werde ich mich wohl nicht haben. Wir trennten uns, ich kaufte noch eine Flasche Wein ein und lief zum Hostal, wo ich mein heutiges Tagebuch begann und mich dann für den Abend frisch machte. Denn um 18 Uhr wollten wir uns schon wiedersehen. Den Versuch, ein kleines Nickerchen zu machen, brach ich ab, da das Hostal die Wiege der Hellhörigkeit ist und die derzeitigen Bewohner die Funktionsweise einer Klinke nicht verstehen.

Rolfs neue Bleibe ist ziemlich in der Nähe meines Hostals, so musste ich nicht weit laufen. Ich bekam eine kleine Wohnungsführung: die Bleibe ist riesig, aber leider ein bisschen verfallen. Rolf ist schon zweimal hier in Barcelona umgezogen, er muss noch ein drittes Mal umziehen. Ich wäre nervlich schon ein Wrack. Nach einem kleinen Apero machten wir uns auf zu einem Italiener, wo wir wirklich sehr gut gegessen haben. Otto und Rolf waren schon öfter dort, daher wurden wir sehr herzlich behandelt! Dann machten wir uns auf in das schwule Nachtleben, wo wir am Ende wegen Überfüllung anderer Bars in einer eher für jüngere Menschen ausgerichteten, sehr modernen Bar landeten, wo wir aber trotzdem preiswerten Wein und leckere Cocktails bekam.

Das war ein superschöner Abend mit den beiden Schnuckels, aber ich war am Ende doch so geschafft, dass ich für nur zwei Stationen die Metro nahm und nicht zu Fuß nach Hause ging. Ob ich morgen früh noch etwas unternehme? Ich muss mittags an der Haltestelle für den Bus nach Andorra sein, daher bin ich skeptisch. Lieber ausschlafen, lange frühstücken und in Ruhe mal lesen, was in Andorra eigentlich so los ist. Das Zimmer im Hostal habe ich bis 12 Uhr.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr wiedeer mit mir reist. Andorra ist zumindest geschichtlich und politisch ein interessanter Ort. Und es soll ein Einkaufsparadies sein, da es ein verzwackeltes Steuersystem haben soll. Was ich davon habe? Wein soll auch preiswert sein!

Liebe Grüße, Euer

Etwas, was man viel zu selten macht!

Spanien 1: Barcelona, die Erste

Ihr Lieben,

eigentlich wollte ich gestern nur ein paar Minuten auf der Weihnachtsfeier verweilen, einfach um da gewesen zu sein. Jetzt dürft ihr dreimal raten, wer es bis zum Ende ausgehalten hat. Aber es war auch wirklich eine schöne Feier! Eine Brass-Band spielte, es gab Spiele (unsere Gruppe hat den zweiten Platz bei einem Quiz gemacht!), es gab Leckereien… und immer wenn ich mit den Worten „Ich muss jetzt wirklich packen!“ meinen Aufbruch ankündigte, war mein Sektglas wie von Zauberhand wieder voll. Das führte dazu, dass ich leicht angezwitschert nach Hause fuhr, meinen Koffer packte, ins Bett fiel, und mich heute Morgen wunderte, warum der Koffer so leicht ist. Ich habe nicht noch einmal überprüft, was ich jetzt möglicherweise vergessen haben könnte. Ich hatte nämlich auch etwas Zeitnot, weil ich mich dem Wecker zum Trotz ungefähr zehnmal rumgedreht hatte.

Der Zug war pünktlich, große Überraschung. Da ich ja immer Verspätungen einplane, war ich dafür umso früher am Flughafen, aber ich hatte Lufthansa gebucht, und da kann man einfach, wenn man in Frankfurt Flughafen den Bahnhof verlässt seinen Koffer abgeben und man muss sich um nichts mehr kümmern. Das ist schon eine große Erleichterung. Ich wollte dann eine Kleinigkeit essen und einen Kaffee trinken, aber „Frühstück ist vorbei!“. Ich aß dann eine mit 3 Tonnen Käse belegte Pizza und hatte dann auch leider Magenprobleme. Übrigens, manche Menschen sind so frech zu Servicepersonal, aber da gehört ihr ja gottseidank nicht zu. „Sie bekommen kein Trinkgeld, unser Flug hat Verspätung!“ schimpfte eine Frau am Nebentisch. Ja klar, sie kann Euch ja auch erst fliegen, wenn ihre Schicht vorbei ist. Dann das Geschimpfe an der Sicherheitskontrolle. Leute, das ist inzwischen bekannt, dass man keine größeren Mengen Plastiksprengstoff mitführen darf! Der Flug ging dann auch mehr oder weniger pünktlich, aber auf das Gepäck in Barcelona mussten wir ziemlich lange warten. Dann galt es, den Aerobus zu finden. Der hat mich in Null,nix zur Plaza de España gefahren, von wo aus ich noch sechs oder sieben Minuten Fußweg zum Hostal hatte.

Das Zimmer ist ca. einen Quadratmeter groß, aber das war mir vorher klar. Es ist ein wenig schwierig, ein bezahlbares Hotelzimmer in der Weihnachtszeit in einer der angesagtesten Städte Spaniens zu finden. Dafür liegt das Hostal sehr zentral und der Rezeptionist war sehr herzlich. Er hat sich sehr über meine Spanischkenntnisse gefreut, ich mich im Laufe des Gesprächs weniger über seine, denn er hat mich gut verstanden, ich ihn dafür umso weniger.

Inzwischen war es schon sehr spät und stockfinster, daher erkundete ich zuerst einmal die nähere Umgebung, lief zur Plaza España und war dort ein bisschen lost. Es ist doch ein sehr großer Platz mit sehr viel Verkehr. An der Plaza España steht das Einkaufszentrum Arena. Man kann mit einem Glasaufzug auf eine Aussichtsplattform fahren und hat einen 360°-Rundumblick über Barcelona. Na ja nachts sieht man dann eigentlich nur Lichter… Auf der Aussichtsplattform gibt es keine Läden, sondern ausschließlich Restaurants. Ich suchte mir eins aus, wo ich Chipirones und Albondigas bekam, sowie das größte große Bier meines Lebens, abgesehen von dem, was ich mit Rolf einmal in Rhodos trank.

Nach dem Essen lief ich durch das nicht besonders gut besuchte Zentrum und kaufte in einem der 24-Stunden-Supermärkte Wein und Kekse. Diese rund um die Uhr geöffneten Mercados sind eigentlich übergroße Kioske, aber einigermaßen gut sortiert; ich fürchte, sie sind etwas teurer als normale Läden. Mein Ainkauf schien scheinbar so lukrativ, dass mir der Besitzer sogar noch eine Minipackung Lindt-Kugeln schenkte.

Einen wirklich großen Eindruck von Barcelona habe ich heute natürlich nicht gewonnen, aber morgen geht es früh los. Ich hatte übrigens überlegt, schon daheim Eintrittskarten für die Hauptattraktionen zu reservieren, da haben mir aber mal die Ohren geschlackert. Kirchenbesuch 40 Euro. Park Güell 30 Euro. Und viele der Terminslots einfach schon vergeben. Ich habe dann ganz darauf verzichtet und lasse mich mal so ein bisschen treiben.

Also, zieht Euch festes Schuhwerk an, morgen laufen wir gut was rum! Nehmt eine Jacke mit, es ist hier auch ziemlich frisch!

Liebe Grüße, Euer

Zuerst dachte ich, ich hätte mich verflogen. Berlin und Barcelona kann man ja mal verwechseln. Die Schlange vor seinem Laden ist beachtlich lang!

Spanien, der Prolog: España Olé

Ihr Lieben,

es ist kalt in Deutschland. Seit Wochen dudelt Weihnachtsmusik aus allen Rohren, aber richtig festlich wollte es bei mir nicht werden. Stress, mieses Wetter, gesundheitliche Probleme. Und jeden Abend vom Büro aus über den Weihnachtsmarkt zur absolut verspäteten und brechend vollen Bahn. BAH! Was hilft? Verreisen, wie immer!

Am Abend des 19. Dezember feiert unsere Firma ihre Weihnachtsfeier. Das Datum stand erst im November fest, da hatte ich schon längst meine Reise geplant und alle Verbindungen gebucht, unter anderem die Zugfahrt nach Frankfurt am Nachmittag eben dieses Tages. Ich wollte dem ganzen Trubel ja eigentlich auch entkommen. Ich habe aber dann doch umdisponiert und werde erst am Tag der Abreise zum Flughafen fahren. Hoffentlich bereue ich das nicht. Aber mein Zeitpuffer ist monströs… äh… ja… puffrig!

Rolf ist ja quasi nach Barcelona ausgewandert. Und ich plante zuerst, dort zu starten, mir einen Mietwagen zu nehmen und dann bis Südspanien runterzufahren. Das erwies sich bei späterer Betrachtung als undurchführbar; zu viel Hektik und Stress. Daher warf ich alles über den Haufen (außer den Flug nach Barcelona, der war nicht stornierbar schon gebucht): Jetzt geht es erst nach Barcelona, dann mit dem Bus nach Andorra la Vella, zurück nach Barcelona, dann mit dem Flieger nach Madrid, weiter nach Sevilla und wieder über Barcelona nach Hause. Und ja, ich weiß, es ist nicht gerade eine Greta-Thunberg-Gedächtnisreise. Aber Fliegen ist in Spanien billiger und wesentlich schneller als Bahnfahren. Sorry. An jedem Ort werde ich einige Tage verbringen.

Ich war ja schon oft in Spanien, aber zumeist auf den Inseln. Als Kind mal an der Costa del Sol, wenn ich nicht irre. Da wurden wir übrigens als Grundschulkinder von Verwandten meiner Mutter, die zeitgleich dort waren, mit Likörchen abgefüllt. Das gab ein Theater! Der Kontakt war danach quasi abgebrochen. Dann war ich im Jahr 2000 in Barcelona (ich werde es nicht wiedererkennen) und meine geplante Dienstreise nach Madrid 2006 zu einer Konferenz fiel ins Wasser, weil ich mir einen Tag vor der Abreise das Bein gebrochen hatte.

So freue ich mich jetzt auf unbekannte Städte sowie auf mein 65. bereistes Land: Andorra. Ich bin total gespannt! Und ich würde mich wie üblich über virtuelle Begleitung freuen. Freitag geht’s um 10 Uhr zuhause los.

Wenn ihr mal nichts von mir hört, liegt das eher an technischen Problemen, als daran, dass ich mich im Sangria-Rausch einer Flamenco-Truppe angeschlossen habe und nun an der Costa Brava durch Touristenhotels tingele.

Liebe Grüße, Euer

Das Vorschaubild entstand auf meiner ersten Reise nach Barcelona und zeigt den Parc Güell, ein Meisterwerk des Architekten Antonio Gaudi.

Donatello

Ihr Lieben,

mal kein Rezept im klassischen Sinne, auch kein Dönerteller, wie man aufgrund einer Autokorrektur vermuten könnte.

Kürzlich erst stellte ich Euch meine neueste Küchenerrungenschaft vor, die Ninja-Heißluftfritteuse. Ich kündigte ja an, ich wolle sie Nobuyuki nennen, ich habe mich aber umentschieden: Sie wird Donatello heißen, einem der vier Mutant Ninja Turtles, die alle nach Malern und Bildhauern der italienischen Renaissance benannt wurden.

Also, das Zwischenfazit ist kurz: Ich bin begeistert! In kurzer Zeit kann man ohne allzu großen Aufwand tolle Gerichte zubereiten. Seit ich Donatello besitze, habe ich mit einfachen Aufgaben, wie z.B. gekochten Eiern, bis hin zur Zubereitung komplexer Mahlzeiten, Schweinebraten mit mediterranem Gemüse auf Wurzelbett, experimentiert. Es ist ja bekanntermaßen noch kein Sternekoch vom Firmament gefallen, ich stehe noch am Beginn einer Reihe von kulinarischen Schandtaten.

Und so sehen die ersten Gehversuche aus:

Hier eine gefüllte Aubergine mit Joghurt-Dip. Bisher das leckerste Essen aus dem Airfryer. Mit vielen orientalischen Gewürzen. Nur zu lange drin, daher oben angekokelt.

Das hier sind Apfeltaschen mit Blätterteig aus der Kühltheke. Das muss ich noch üben, der Teig hat sich nicht so aufgeplustert, wie ich es wollte, zudem klebte er am Boden fest. Allerdings war er auch schon über dem Verfallsdatum.

Maispoularde und TK-Fritten. Im Ofen hätte ich sie nicht so hinbekommen! Geht aber noch einen Tacken besser, ich möchte Lieblingsimbisstubenniveau erreichen!

Der Schweinbraten supersaftig mit knackiger Kruste, das Gemüse etwas trocken, das Wurzelgemüse super, aber zu wenig Sauce. Leider ist auch das Bild nicht so appetitlich.

Ansonsten habe ich mich an Rührei versucht und an fertigen Chicken Nuggets, ersteres einwandfrei, letzteres wohl dann auch zukünftig weiterhin aus der Pfanne.

Weitere Rezepte, die etwas aus der Reihe tanzen und an denen Donatello beteiligt ist, werde ich dann wie gewohnt in die jeweiligen Menüpunkte einsortieren.

Liebe Grüße vom Gerry

P.S.: Frikadellen gab es ja auch noch!

Plauderei – Nocturne in Weißburgun-Dur, op. 1

Ihr Lieben,

ich bin seit Ägypten so fertig jeden Abend, dass ich kaum etwas koche (deswegen keine Rezepte) und kaum etwas unternehme. Monika und ich waren z.B. vorvorgestern in der Oper verabredet. Leider waren wir beide überarbeitet und ließen es ausfallen. Mein ehemalige Spanisch-Professorin, die dort war, hat mir aber geschrieben, es sei auch keine so dolle Inszenierung gewesen.

Heute wollte ich eigentlich mit Ruth und Monika auf den Weihnachtsmarkt in Siegburg. Ich musste absagen, da mein neuer Herd kommen sollte (meine Induktionsplatte hatte einen Sprung und der Ofen war ja nie wirklich gut), sowie eine Lieferung Mandarinen von der Zitrusplantage in Valencia, die ich über Crowdfarming-Projekte unterstütze. Dreimal dürft ihr raten, was alles nicht gekommen ist. Keins von beiden. Wenigstens kam der REWE-Lieferdienst mit nur 2 Stunden Verspätung, nachdem sie mich letztes Wochenende komplett hängen gelassen hatten.

Am Donnerstag hingegen kam pünktlich wie bestellt abends ein neuer Mitbewohner. Er heißt Nobuyuki, nach dem Sternekoch aus Japan. Ich fand es passend, weil die Marke Ninja heißt. Nabu steht jetzt neben Auguste, nur getrennt durch meinen Toaster, der Clemens heißt. Wieso ein Toaster so heißt? Na, ratet mal! 🙂


Ich schreibe demnächst mal was in meinem Foodblog darüber. Oh, Ihr seid verwirrt. Ich kläre auf:

Nobu ist eine Heißluftfritteuse und ich experimentiere schon fleißig. Klassisches, wie Huhn und Pommes, aber auch Steak und Blätterteiggebäck wurden getestet. Ich bin zufrieden und behalte das Ding, auch wenn mir jetzt langsam die Arbeitsfläche in meiner Winzküche ausgeht. Daher habe ich übrigens heute noch ein Hochregal zusammengeschraubt, um da ein bisschen Platz zu schaffen.

Was liegt mir sonst noch so auf der Seelenzunge? Ich sollte meine Zähne selbst mit 11.000 Euro bezuschussen. Mir waren ja zwei – wegen starker Knirscherei vermutlich – einfach durchgebrochen. Ich war wegen des Voranschlags über Implantate auf Wunsch meiner Zusatzversicherung in einer Zahnarztauktion. Es waren aber auch zwei sehr alte Kronen zu ersetzen. Mitte Januar habe ich ein Date mit einem Zahnarzt, der mir das für weniger als die Hälfte machen will. Hm. Er hat gute Bewertungen. Bin gespannt. Aber auch verunsichert.

Ich bin zur Zeit auch häufiger in Braunschweig, um da beruflich mit den Vermietern zu verhandeln. Diese Reisen sind inzwischen eine Plage, da die von mir früher hochgeschätzte Bahn wirklich nichts mehr auf die Kette bekommt. Plus 3 oder 4 Stunden pro Reise pro Tag sind inzwischen Standard! In Köln in der Firma haben wir den Endspurt in der Gebäudeabmietung und dem Umbau der Restmietfläche erreicht. Aber vor der Ziellinie liegen gerade Gebirge. Das schlaucht! Aber ich habe gottseidank einige tolle Mitarbeiter/innen, die zwar auch geschlaucht sind, aber dennoch weiter extrem gut unterstützen.

Die Wohnung ist weihnachtlich geschmückt. Ich überlege, die neuen Lichterketten einfach ganzjährig zu lassen, denn sie sind wirklich schön! Weihnachten und Silvester selbst werde ich aber in Spanien sein. Dazu in genau zwei Wochen mehr.

Ein paar Mal habe ich mich mit wirklich lieben Freundinnen und Freunden getroffen, das war dann auch immer sehr nett. Es wurde Doppelkopf gespielt, es wurden Reisepläne geschmiedet.

Einen wirklich wunderschönen Abend hatte ich mit Erika und Udo, Frank und Tita, als wir das 25-jährige Kennenlerndate von Erika und Udo feierten. Ein wunderschöner Abend mit wunderbaren Freunden.

Ihr Lieben, das soll es auch für heute gewesen sein. Ich hoffe, es geht allen Leserinnen und Lesern gut und ich wünsche Euch allen eine wunderbare und entspannte Adventszeit! Euer

Als Künstler habe ich mich auch versucht, aber die gewünschten 5 Milliarden Euro wurden mir nicht geboten; sind halt alles Ignoranten!

Nil, Tag 13: Rote, gestufte und geknickte Pyramide

Ihr Lieben,

wie viele Zustände kann eine Pyramide haben? Es gibt weiße, rote, geknickte, gestufte, große, kleine… Heute haben wir – wieder früh und ich wieder ungefrühstückt – ein paar weitere davon kennengelernt. Der liebe Otto hat mir aber ein Brot geschmiert und mir ein Puddingteilchen und eine Banane eingepackt.

Wieder einmal hatten wir wenige Mitbewerber um den besten Fotospot, als wir bei der Sakkara-Pyramide ankamen. Djoser hat sich hier das laut heutiger Reiseleitung, Magdi, älteste Steingebäude der Welt errichten lassen. Die Pyramide ist eigentlich keine Pyramide, sondern eine 6-stufige Mastaba, jede Stufe ist 10 Meter hoch. Wir sind hier übrigens auch wieder in Gizeh. In Ägypten gibt es weit über 100 Pyramiden, davon die meisten im Kairoer Umfeld. Die Pyramide von Unas ist eine sehr kleine, auch der Pharao selbst ist eher unbekannt. Was seine Grabkammer aber auszeichnet, ist die Ausschmückung. Es gibt einen Sternenhimmel, Zaubersprüche in Hieroglyphenform und um den Sarkophag herum kolorierte Alabasterwände mit versteckten Reliefs, die erst sichtbar wurden, als Magdi das Licht ausschalten ließ und er mit einer Taschenlampe die Wände aus einem bestimmten Winkel beleuchtete. Ohne Licht in einer Gruft ist übrigens auch noch mal eine ganz andere Erfahrung.

Von Djoser zog es uns ein paar Kilometer weiter zu Snofru. Snofru, der Vater von Cheops, ist für den Bau der sogenannten Knickpyramide verantwortlich. Man stellte während der Bauzeit fest, dass die Pyramide zu steil geplant war und daher zu hoch und schwer werden würde; das Fundament hätte das nicht mitgemacht. Woher wussten die so etwas eigentlich? Erfahrung, Ahnung? Auf jeden Fall baute man dann flacher weiter, was zu jenem optischen Knick führt. Womöglich fand Snofru die Pyramide dann nicht mehr gelungen, er ließ sich ein Stück weiter eine weitere, nämlich die rote Pyramide bauen. Die ist ebenso imposant wie die Pyramiden gestern, aber nur über schlechte Straßen zugänglich. Daher ist hier wenig los, was dazu führt, dass, wenn man um die Pyramide herumgeht, glauben könnte, man sei mit ihr und der Wüste alleine. Ein sehr schönes Gefühl! Man kann hier auch eine Grabkammer besuchen (deutlich größer als die von Cheops), aber Auf- und Abstiege seien sehr anstrengend, so Magdi. Ich schenkte es mir, Otto und Frank wagten es und haben uns dann Fotos und Videos gezeigt.

Den Ausflugsabschluss bildete das mehr als 5.000 Jahre alte Memphis. Bzw. das, was davon übrig geblieben ist. Die erste Hauptstadt des Reiches ist verschwunden und überbaut. Es gibt einen kleinen umzäunten Bezirk, wo sich einige Steine, eine kleine Sphinx, eine stehende und eine riesige, aber unvollständige liegende Ramsesfigur finden. Das Verhältnis Sehenswertes vs. Souvenirstände fällt deutlich zugunsten letzterer aus. Immerhin konnte Willy nach langem Feilschen eine sehr schöne Bes-Figurine erstehen.

Wir kamen gegen 14 Uhr zum Schiff zurück, wo diesmal ein Handtuchmann im Bett neben mir auf mich wartete. Ehrlich, die Housekeeper hier sind herrlich bekloppt! Jetzt ist es 16 Uhr und den Rest des Tages werde ich auf dem Oberdeck verbringen, ein bisschen packen, Trinkgelder verteilen, die Rechnung begleichen. Die Reise ging rum wie nix! Und ich denke, man hat gespürt, wie toll ich sie fand. Morgen geht es dann um 7 Uhr Richtung Flughafen, wenn alles gut verläuft, werde ich gegen späten Nachmittag wieder daheim sein.

Was ist noch zu sagen?
Einige Aspekte habe ich nicht beleuchtet, wie die Armut, die Vermüllung, den Staatsbankrott. Aber ich bin sicher, es ist jedem klar, dass Ägypten nicht nur paradiesisch ist. Jedenfalls nicht für viele Ägypter. Die Herzlichkeit der Bevölkerung ist aber nicht gespielt. Bedrohlich war hier auch nichts. Souvenirs sollten in den Museumsshops gekauft werden! So, das war’s. 🙂

Danke an meine 7 wunderbaren Mitreisenden! Eine bessere Truppe ist schwer zu erfinden. Danke für Eure virtuelle Begleitung, ihr lieben Leser, und Eure Kommentare hier und per Privatnachricht. Wir sehen uns Ende Dezember in Spanien, wenn Ihr mögt!

Liebe Grüße, Euer

Nil, Tag 12: Pyramiden und Ägyptisches Museum

Ihr Lieben,

so sieht das aus, wenn ich früh aufstehen muss. Ungefrühstückt ging es heute zum Höhepunkt einer jeden Ägyptenreise, den Pyramiden von Gizeh. Zwar war ich vor einigen Jahren schon einmal dort, war aber erneut schwerst beeindruckt. Damals besuchte ich allerdings nicht die Grabkammer des Cheops, das wollte ich dann heute nach. Ich nehme vorweg, ich werde es bei einem möglicherweise dritten Besuch nicht noch einmal machen, der Zugang ist eng, teilweise musste ich wieder kriechen und am Ende steht man in einem rechteckigen, schmucklosen Raum mit einer Steinkiste. Auf dem engen Zuweg kam es teilweise zu unschönen Szenen, da manche Menschen nicht begriffen haben, dass es von Vorteil ist, wenn auch ab und zu mal Leute wieder rausgehen. Dazu junge Influencer-Damen, die minutenlang auf der Rampe posierten. Nun ja, jetzt haben sie auf ihren Fotos einen hässlichen dicken Deutschen im Hintergrund. Der Spaß kostet übrigens umgerechnet ca. 20 €. Aber man kann behaupten dass man in einer Pyramide gewesen ist ja auch schon was.

Wir fuhren mit dem Bus noch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die drei größten Pyramiden als Ensemble sehen konnte, dann ging es weiter zum leider nicht mehr besonders erhaltenen Totentempel des Chefren. Ein historischer, früher überdachter Weg führt dann zur Sphinx. Das alles ist einfach nur gigantisch! Und man muss fairerweise zugeben, dass das frühe Aufstehen ermöglicht, noch Aufnahmen ohne Menschenmassen zu machen, denn die standen bei unserer Abfahrt vor den Toren. Und wenn ich Menschenmassen schreibe, dann meine ich nicht Menschenmassen, wie wir sie kennen, sondern jenseits jeder Vorstellung!

Wir fuhren zum ägyptischen Museum. Leider nicht, wie ich gehofft hatte, zum neuen, sondern zu dem alten. Wie soll man das beschreiben? Seit das neue Museum im Bau ist, hat man schon einige Prunkstücke dorthin verlagert und kümmert sich – wie Achmed I, mit dem ich heute ausnahmsweise mal wieder unterwegs war, erzählte – auch herzlich wenig um einen ordentlichen Weiterbetrieb des alten. Es war brechend voll! Ein Stimmgewirr sondergleichen. Dazu an einigen Stellen ein Gedränge wie anno dunnemal zum Sommerschlussverkauf am Sockenstand. Die Tutanchamun-Ausstellung besteht zu größten Teilen aus Stücken des Pharao Psusennes I. Fotografieren war in diesem einen Saal verboten, daher kann ich mir gar nicht erklären, wie seine Totenmaske auf meinem Handy gelandet ist.

Die Ausstellung ist ein bisschen verranzt, irgendwie stehen die Schaukästen seit 1900 unverändert herum und wurden augenscheinlich seitdem auch nicht geputzt. Das ist sowohl ein bisschen ärgerlich, macht aber auf der anderen Seite ein bisschen den Charme des Museums aus. In der Gruppe zu laufen, war mir zu anstrengend, daher löste ich mich von ihr und lief auf eigene Faust los, Gefahr laufend, wichtige Exponate schlichtweg zu verpassen. Aber einige wirklich schöne Stücke habe ich auch so entdeckt. Insbesondere über ein Doppelbildnis zweier Krieger-Brüder, welches ich durch Zufall fand, habe ich mich gefreut, da ich es aus einem Buch über antike Kunst schon kannte. Dass es hier in einer schmuddeligen Ecke hinter ungeputztem Glas sein Dasein fristet, wusste ich nicht.

Irgendwann hatte ich „Pufferüberlauf“, dazu trugen auch die visuellen, olfaktorischen und auditiven Störungen wegen der massiven Touristenmengen bei. Ich verließ das Gebäude durch den fast verstopften Souvenirverkauf und genehmigte mir einen Kaffee, der ziemlich teuer, dafür aber wenigstens lecker war. Irgendwann stießen die auch etwas angenervten Ruth und Markus dazu. Ich erstand übrigens eine Chnum-Statue im Verkauf. Wer sich an unseren Besuch in Esna erinnert, weiß, warum ich das tat 🙂

Eigentlich hatten wir ja inzwischen ausreichend viel für einen Tag besichtigt, aber Rolf, Otto und ich liefen dann nach dem Mittagessen an Bord noch zur hängenden Kirche im Koptenviertel. Die ist Teil eines Ausflugsprogramms morgen, aber wir haben einen anderen Ausflug gebucht. Praktischerweise liegt dieses Viertel auch nur ein paar Gehminuten vom Schiff entfernt. Wir ließen uns von Google leiten und landeten in einem ärmlichen Wohngebiet, wo wir ziemlich auffielen; der Zirkus ist in der Stadt! Die Kinder begrüßten uns freundlich, winkten und riefen, die älteren Bewohner beäugten uns interessiert, tauten nach einem Salam Aleikum aber auch deutlich auf. „Welcome to Egypt“ hörten wir oft. Mal ein Erlebnis der anderen Art.

Die Gegend um die hängende Kirche ist von Myriaden anderer Kirchen umgeben. St. Georg, St. Barbara, St. Maria, St. Dies und St. Das. Über- und unterirdisch, groß und klein, mal mehr, mal weniger versteckt. Hochinteressant. Die „heilige Familie“ soll auf ihrer Flucht durch Ägypten in einer der tieferen Kapellen hier für drei Monate gelebt haben. Es ist ein Riesenkomplex! Eine Synagoge gibt es auch, da wurden wir aber quasi durchgehetzt wie bei einer spanischen Corrida. Nach drei Sekunden im Gebetshaus hieß es „Yalla, yalla, quickly, Donation!“. Zurück liefen wir einen anderen Weg, aber es war ein ähnliches Bild. Wir kamen an einem Friseur vorbei, ich glaube, die wären uns sehr gerne an die Haare gegangen. Ich fühlte mich leider zu verschwitzt.

Am Abend war Fischabend und unsere Kellner haben sich als Fischer verkleidet und ich bekam von Mohamed die Mütze aufgesetzt. Nach dem Essen kam ich aufs Zimmer, als das Housekeeping gerade alles für den Abend zurecht machte. Ob man ein Selfie mit mir machen dürfe. Man durfte.

Mit diesen entzückenden Bildern verabschiede ich mich für heute, morgen geht es schon wieder früh raus. Den verpassten Schlaf werde ich nächste Woche im Büro nachholen müssen. Sehen wir uns? Also, morgen in Sakkara, nicht im Büro. Liebe Grüße, Euer Gerry

Es herrscht Kabinenmangel, ich bekam einen neuen Mitbewohner zugeteilt.
Ein ruhiger Zeitgenosse!

Nil, Tag 11: Kairo, die erste!

Ihr Lieben,

über den gestrigen Gastbeitrag habe ich mich sehr gefreut. Noch einmal einen herzlichen Dank an Frank und Willy! Ich nehme das jetzt auch einmal zum Anlass, die achtköpfige Reisegruppe in den Himmel zu loben. Es funktioniert einfach! Ohne große Diskussionen. Jeder macht sein Ding und dennoch sind wir eine wirklich harmonische Gruppe. Wie Willy und Frank gestern schrieben, ist natürlich für sie die Herausforderung auf so einer Reise auch noch eine andere. Daher auch der Gedanke, einen niederländischen Post verfassen zu lassen. Klar, beide sprechen besser deutsch, als 99,99% meiner Freunde niederländisch! Mich würde interessieren, wer sich von meinen Lesern die Mühe gemacht hat, den Gastbeitrag ohne Google zu verstehen.

Gestern war Faulenzerei angesagt. Das Tagesprogramm versprach, dass wir mehrmals am Tag gefüttert werden würden. Hat geklappt. Es sollte einen Vortrag geben (den ich verpasst hatte, faulenzen ist anstrengend und bringt den Tagesrhythmus durcheinander!). Aber ich machte viele Fotos von Niluferszenen (Ni-Lufer wäre übrigens ein schöner Name für eine/n Pahraon/en/in), da müsst Ihr für die Bilder einfach den gestrigen Artikel noch einmal ansehen.

Um einer möglichen Monotonie vorzubeugen (es gibt sie nicht!), wurde nach dem Mittagessen von Achmed II ein Ägypten-Quiz ür alle Passagiere angesetzt. Willy und Frank gewannen es. Ich scheiterte an der Frage, welcher ägyptische Fussballspieler bei Liverpool unter Vertrag steht. HÄH? Was ist Fußball? Außerdem wusste ich nicht, wie viele Personen am Bau der Pyramiden beteiligt gewesen sein sollen. Ich hätte Herodot nicht so voreilig aus meiner Facebook-Freundesseite rauskicken sollen.

Am Abend gab es einen Spaziergang in Beni Suef. Da der gestrige Spaziergang bei denjenigen, die ihn aus unserer Gruppe unternahmen, Tränen der Freude hervorriefen, machte ich den heutigen auch mit. Was soll ich sagen? Puh! Es macht irgendwie keinen Spaß, in einem Polizeikordon, in einem Polizeikokon, wie eine Ziegenherde einem festgelegten Pfad, ohne Kontakt zu Ägypten, zu folgen. Monika ging am festgelegten Umkehrpunkt 3 Schritte weiter und hat damit fast internationale Konflikte ausgelöst (trägt sie womöglich Schuld am Scheitern der Ampel?). Erstaunlicherweise werden wir in Kairo völlig frei und selbständig herumlaufen können sollen. Ist Beni Suef etwa ein Terroristennest? Nein, man hat wieder gewunken und war superfreundlich.

Nach dem Spaziergang saßen wir auf dem Sonnendeck und Reiseleiter Achmed II gesellte sich zu unser aller Freude zu uns. Kurz vor Bettgehzeit legte ein wunderschönes, altes Schiff neben uns an. Es soll für eine 10-tägige Reise den dreifachen Preis aufrufen! Könnt Ihr bitte für mich sammeln? Die Mitarbeiter des Schiffes zogen nach der Längsseitenverbindung beider Schiffe auf jeden Fall erst einmal alle Gardinen zu. Der Plebs sollte nicht in das Schiff schauen dürfen. Zu spät. Monika und ich sahen alles. DA STEHT EIN FLÜGEL IM RESTAURANT!

Heute Morgen fuhren wir dann schon auf Höhe der ersten Pyramiden vorbei. Sie waren aber nur schemenhaft in der Ferne zu erkennen. Dennoch knipsten sich alle die Seele aus dem Leib. Hallo? Wir stehen ab morgen livehaftig davor!

Es wurde im Laufe der Fahrt immer urbaner und noch urbaner und gegen 13 Uhr landeten wir an unserem Liegeplatz an. Direkt nach dem Mittagessen fuhren wir zu unserem ersten Ziel in Kairo: dem Nationalmuseum für ägyptische Zivilisation. Hier befinden sich zahlreiche Mumien der alten Dynastien. Achmed II warf die Frage auf, ob es ethisch vertretbar sei, Leichen so öffentlich zur Schau zu stellen. Er mag das nicht. Aber immerhin sei es dem Museum gelungen, eine einigermaßen friedvolle Umgebung für die Mumien zu schaffen, in der Fotografier- sowie Sprechverbot verhängt wurden. Das stellte sich leider als großer Irrtum heraus; zwar wurde nicht viel fotografiert, aber dafür herrschte ausgelassene Partystimmung. Übertönt wurde diese nur von dem Geschrei der Wärter, man solle leise sein und seine Kamera wegstecken. Bei Ramses II herrschte nachgeradezu Karneval. Ich war dann auch recht schnell mit diesem Teil des Museums durch. Ein bisschen gruselig ist das schon alles irgendwie. Und als halbfertiger oller Jurist fiel mir wieder der Paragraph bzgl. der Störung der Totenruhe ein.

Es gab eine weitere Ausstellung mit Kunstgegenständen der letzten paar tausend Jahre, sowie eine Textilausstellung. Skulpturen, Kaaba-Vorhänge, Gemälde, Schmuck. Das war dann noch ganz interessant. Das Museum war übrigens rappelsvoll, sieht man ja oben auf dem Bild. Vor den Eingängen zu den Ausstellungshallen gibt es zudem einige Geschäfte; an einem Stand ließ ich mir von einer Maschine einen Papyrus malen, ich erwarb aromatisches Oudh-Öl und erstand im Museumsshop für mich einen schönen Steinskarabäus. Der bringt Glück (jaja, ist so!) und kostete mich 2 Euro 50. Ich hätte ihn im Bazar möglicherweise für die Hälfte bekommen, aber 30 Minuten Handeln kosten mich 120 Minuten Lebenszeit. Erwähnte ich, dass ich Festprei…. ach ja, tat ich.

Ja, und dann lernten wir den kairoer Verkehr kennen. Ich sage es Euch, das ist nichts für schwache Nerven! Nach einer langen chaotischen Fahrt, unter anderem an der Saladin-Zitadelle, der Stadt der Toten und in der Ferne der Alabaster-Moschee vorbei, erreichten wir den fantastischen und großen Basar Kairos, Khan El Khalili.

Ich bin ja weiß Gott kein Freund von Menschenansammlungen, und der Basar war voll!, aber der ist schon wirklich sehenswert. Bling-Bling an allen Ecken und Enden, toll illuminiert, mit schönen Gebäuden. Ich kann ja nicht handeln, war aber stolz wie Oskar, als ich eine Statue des Gottes Bes (ich hoffe, es ist Bes, nicht, dass ich mir einen Dämon ins Haus hole!) und mehrere Skarabäen für etwa 20% weniger bekam. die sofortige Zustimmung zu meinem Preisvorschlag hat mich allerdings im Nachhinein etwas stutzig gemacht.

Bei diesem Ausflug gab es zwei Optionen: Entweder trieb man sich auf eigene Faust 75 Minuten herum und kehrte zum Ausgangspunkt zurück, oder aber man schloss sich nach nur 30 Minuten Freizeit Achmed I an, um einen geführten Spaziergang durch den Basar zu einer anderen Abholstelle durch den Bus mitzumachen. Ich lief. Und es hat sich gelohnt. Ich hatte etwas Sorge, dass mir der Moloch Kairo einen Tacken zu laut, zu viel, zu trubelig, zu alles sein könnte. Aber die WOW-Momente ließen mich das vergessen. Wir bekamen nicht erklärt, was was war, aber das war jetzt genau richtig. Wenn ich an das Kairo von 2012 denke (also, wie man es mir damals gezeigt hatte) und der Präsentation von heute: Ätzend gegen Spannend! Ich denke, es ist eine genauso faszinierende Stadt wie Istanbul, wo ich übrigens mehrmals, aber eben auch schon mit der Doppelkopfgruppe war.

Die Rückreise zum Schiff war wieder verkehrschaotisch. Und sie hat etwas länger gedauert, da eine… nennen wir sie mal Elvira… vermisst wurde. Der Bus stoppte, es wurde telefoniert, alle tuschelten „Wo ist Elvira?“. Die NATO wurde in Gefechtsbereitschaft versetzt, Botschaftsdepeschen wurden ausgetauscht. Da hieß es nach 10 Minuten plötzlich: „Da sitzt sie doch!“. Die arme Frau hatte es gewagt, sich woanders hinzusetzten und hätte dadurch fast für diplomatische Verwicklungen gesorgt.

Nach dem Abendessen haben wir noch einen sehr schönen Abend miteinander auf dem Sonnendeck verbracht. Wir sind an einem ausgemusterten Thomas Cook-Schiff angedockt, das würde in Deutschland als „Lost Place“ durchgehen und eine Attraktion sein. Für uns ist es ein Landgangssteg. Das Thema kam auf, wie wir die Reise wahrnehmen. So eine Einstimmigkeit habe ich selten erlebt. Es ist ein Traum. Für speziell mich ein wahrgewordener Traum. Und ja, ich weiß, dass gerade ich es in Ägypten nicht leicht hätte und einiges andere auch nicht stimmt. Das bestätigen ja selbst unsere beiden Achmeds.

Jetzt folgen zwei Tage Extrem-Kairoing! Pyramiden! Gizeh. Sakkara. Dashur! Koptisches Viertel. Alabaster-Moschee. Noch mehr Bazare! Und, und das ist ein Sahnehäubchen, das ägyptische Museum!

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr unsere Erlebnisse hier in der 22-Millionen-Menschen-Metropole weiter verfolgt!

Liebe Grüße, Euer Gerry

Rolf, Willy, Monika, Gerry, Frank, Ruth, Markus, Otto

Nijl, Dag 10: Een gastpost

Terwijl zich in de VS een electorale ramp voltrekt maken wij ons op voor de tweede vaardag = rustdag. Een herhaling van maandag ligt voor de hand: slapen, eten lezen/niks doen en dat driemaal herhaald.

Wat opvalt is dat we de bewoonde wereld beginnen te naderen. Steeds meer bebouwing langs de oever, en ook met een wat stedelijker karakter. Hoogbouw, om nog maar niet van flats te spreken. We naderen Cairo!

Het is een prachtige reis tot nu toe. Heel veel indrukken van een enorm rijke cultuur die bloeide in een tijd waarin Rome nog niet bestond en we in onze streken de moerassen doorkruisten gehuld in beestenvellen, op zoek naar een plek waar we onze voeten droog konden houden. Wat een rijkdom! En wat een barbarij van de kant van wat wij nu onze Westerse beschaving noemen (Christendom!) om zoveel van al dat moois kapot te maken. Of haal ik nu kunstuitingen en religieuze uitingen door elkaar en zagen zij dat „alleen maar“ anders?

Een vermoeiende reis ook, met lange dagen die vaak vroeg beginnen. En hoewel we allebei redelijk Duits spreken en verstaan vergt het toch extra inspanning om bij te blijven in een gesprek in een vreemde taal. Gelukkig maken onze Duitse vrienden het ons makkelijk om ons thuis te voelen bij hen en bij hun taal.

Morgen Cairo! Met de komende dagen nog een heel aantal van Egypte’s iconische relikwieën. Piramides, „de“ Sfinx, Sakkara, Memphis, de grote musea. Aan het oude Cairo zullen we helaas niet toekomen, maar we hebben nu eenmaal gekozen voor het Egypte van de farao’s.

Zondag de terugreis naar Düsseldorf en de autorit naar Amsterdam. Het dagelijks leven grijnst ons aan en we zullen vast nog veel terugdenken aan het dolce far niente aan boord van de Crown Vision en de prachtige indrukken, opgedaan in die smalle strook groen langs de oevers van de Nijl.

Frank Wesseling & Willy Russchen

Nil, Tag 9: Ein Drittel von Beni Hasan, Tell-Amarna und Minya

Ihr Lieben,

Frühaufstehritual war angesagt, d.h. kurz vor Ausflug Katzenwäsche. In der Nacht hatte ich noch Disko, da plötzlich ein Deckenspot im Stakkato blinkte, das hat man aber heute früh behoben. Unser erster Ausflug führte uns zu den Felsengräbern von Beni Hasan, wo um das 21. und 20. vorchristliche Jahrhundert herum Großgrundbesitzer und ihre Familien ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Gräber sind sehr tief, bis zu 40 Metern, in die Felsen geschlagen und sind nicht zu besichtigen, ja, teilweise noch gar nicht ausgehoben. Dafür stehen dem interessierten Besucher aber vier über den Gräbern befindliche Grabkapellen für eine Besichtigung zur Verfügung.

Man erklimmt zunächst 73.971 Stufen (einige Wissenschaftler behaupten, es seien weniger als 300, aber was wissen die schon?) und hat dann einen prächtigen Blick über einen Wüstenstreifen hinunter in das üppige Niltal. Die Grabstätten sind mit einigen hieroglyphischen Reliefs versehen, aber das erstaunliche sind die auf Putz gemalten Fresken, mit Darstellungen des Alltagslebens zu der Zeit, die deutlich überwiegen. Es wird geangelt, gejagt, gesponnen, gerungen, Schach gespielt. Weinherstellung, Bildhauerei, Ölproduktion und dergleichen werden thematisiert. Sogar eine Darstellung von Geschlechtsverkehr gibt es. Prädikat: Absolut fantastisch! Nicht nur wegen der Darstellung der Weinherstellung.

Für eine kurze Verschnaufpause kehrten wir auf das Schiff zurück. Sowohl die Fahrt nach Beni Hasan als auch die zurück boten uns einiges. Passend zu den eben beschriebenen Fresken hatten wir Alltagsleben pur. Dazu wieder viel Gewinke und Gejohle; das lässt einen so richtig willkommen fühlen. Achmed II erzählte auch vor ein paar Tagen, dass ab Luxor die Ägypter nicht durch Tourismus verdorben sind und sich wirklich freuen, Ausländer zu sehen, die sich für ihr Land interessieren. Zudem war die Fahrt auch landschaftlich sehr interessant, durch den Kontrast fruchtbaren Nilufers und der Geröllwüste. Als hätte eine riesige Machete einen Trennstrich geschlagen, so abrupt ist die Grenze.

Den zweiten Ausflug, er ging zu den Ausgrabungen von Amarna, hier speziell zum Echnaton-Tempel, schenkte ich mir. Erstens, weil der Schlendrian bei mir Einzug hielt, und zweitens, weil der Tempel von Echnatons Nachfolgern quasi geschleift wurde. Er hatte während seiner Regierungszeit die alten Götter abgelehnt und einen neuen Kult durchgesetzt. Das ging natürlich gar nicht! Eigentlich ist mir Echnaton sympathisch, es gibt eine Büste von ihm, die er wohl autorisiert haben muss, und die ihn in einem sehr unerhabenen Zustand zeigt; googelt die mal.

Wir verließen Tell-Amarna Richtung Minya und hatten wieder einmal eine wunderbar idyllische Fahrt, bei der man gar nicht oft genug über die Vielfältigkeit des Uferlebens staunte. Das Leben spielt sich am Fluss ab. Wäsche wird gewaschen, Vieh getränkt, es wird geangelt, Ruderboot gefahren. Es ist schlichtweg bezaubernd, fesselnd, fremd und bekannt, überraschend und – ich werde nicht müde, es zu betonen – wunderschön! Leider, bzw. gottseidank kann man das alles gar nicht fotografieren, weil man mehr mit Schauen beschäftigt ist, als mit Handyfummelei.

Vor dem Abendessen besuchten viele von uns noch den Vortrag von Achmed I über die politische Entwicklung Ägyptens von der Zeit Mohamad Alis bis zu General Nasser. Das war äußerst informativ und ich bin gespannt auf die morgige Fortsetzung. Das erstaunliche in der Geschichte Ägyptens in dem Zeitraum ist ja, dass wohl keiner dabei gut wegkommt. Weder die Kommunisten, noch die Royalisten, noch die religiösen Interessengemeinschaften, geschweige denn die damaligen Großmächte.

Nach dem Abendessen gab es die Gelegenheit, mit Polizeieskorte die nähere Umgebung um den Anleger in Minya herum zu erkunden. Auf Nachfrage bei der Reiseleitung wurde mir beschieden, es läge an der Polizei, wie der Spaziergang verliefe. Daher ließ ich auch diesen Programmpunkt einfach mal links liegen. Monika, Rolf und Otto waren aber bei der Rückkehr ganz angetan. Während wir hier lagen, wurde frische Ware auf das Schiff gebracht. Es ist erstaunlich, welche Lasten da gehievt werden. Das wäre bei uns undenkbar. Naja, um ehrlich zu sein, so einiges wäre bei uns undenkbar. Das ist ja auch nichts schlechtes. 🙂

Mohameds (der aus der Bar) Stadt liegt in der Nähe und heißt auch noch Beni Mohamed, er besucht seine Familie. Er hat aber betont, man werde sich gut um uns kümmern, auch wenn er fort sei. Und das war dann auch so! Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, aber die Crew wulackt hier ohne Ende. Ich bin restlos begeistert von allen. Kabinenservice, Haustechnik, Restaurant- und Barpersonal, Rezeption, Reiseleiter und Wäscherei; Kapitän und Maschinisten tun ein übriges. Ich hoffe, Phoenix-Reisen honoriert diese Hingabe an den Job ausreichend!

Das war wieder ein sehr schöner Tag! Ich ordne diese Reise ganz weit oben in meiner Liste der tollen Erlebnisse ein. Manchmal erwische ich mich, wie ich an der Reling stehe und immer wieder „geil, geil, geil“ murmele. Ich kann diese Reise einfach nur weiterempfehlen.

Morgen haben wir wieder einen reinen Flusstag (Ausnahme: abends Spaziergang an der Corniche am Anleger in Beni Suef), der sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Fressen, Blechen, Fressen, Fressen, Zuhören, Fressen und Spazieren. Und zwischendurch Saufen.

Am morgigen Abend gibt es übrigens noch eine Überraschung, es steht aber noch nicht wirklich fest, wie sie aussieht. Ich empfehle, vorbeizuschauen!

Ganz liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Es ist abends kalt in Ägypten! Und Monika hat mehrere Bodyguards mit 🙂