Knurrhahn auf Mangold – eine lauwarme Vorspeise

Ihr Lieben,

vor einiger Zeit konnte ich Knurrhahn-Filets erstehen. Ihr kennt mich inzwischen, gelle? Ich kaufe Lebensmittel auch wegen der interessanten Namen. Klar, ich googelte: Angeblich heißt der Knurrhahn nicht so, weil er so grantelig ist, wie ich es oft bin, sondern weil seine Schwimmblase „knurrige“ Geräusche macht. Wie man das herausgefunden hat, bleibt aber jetzt ein Rätsel, denn wir googeln nicht weiter, sondern machen ein leichtes Gericht, das wenig Aufwand erfordert und dennoch lecker ist. Aber Achtung: Meine sogenannten Filets waren voll von Gräten, ich würde beim nächsten Mal einen anderen Fisch nehmen!

Ein paar Eier werden hart gekocht (hm, das klingt ungewollt brutal).

Der Ofen wird auf 150°C vorgeheizt.

Die Mangoldblätter werden gewaschen und geputzt und salatschleudergeschleudert.

Eine Packung Himbeeren wird geputzt.

(Ich wollte noch halbierte bunte Kirschtomaten dazugeben, aber die vorgestern gekaufte Packung war komplett durchgeschimmelt. Hab nicht genug hingeguckt. Schade.)

Eine kleine Vinaigrette wird zubereitet.

Die Knurrhahn-Filets werden entgrätet, gewaschen, abgetupft und in etwas Mehl gewendet, gepfeffert, gesalzenen und sodann kurz in Butter auf der Hautseite angebraten (max. 2 Minuten), gewendet und dann im Ofen warm gehalten. In der gleichen Pfanne brät man eine in kleine Stückchen geschnittene rote Zwiebel, gibt dann die Mangoldblätter und die Himbeeren für etwa eine Minute dazu. Mangold hat übrigens die gleichen Schrumpfeigenschaften, wie Spinat, also gut einkaufen!

Den Mangold und die Himbeeren mit den geviertelten Eiern auf einen Teller geben, mit der Vinaigrette beträufeln und die Fischfilets darauf drapieren. Noch ein wenig Salz, Pfeffer und Zitronensaft (nur einen Spritzer) und vielleicht etwas Kresse (ich nahm die rote) drüber und fertig ist eine kleine, aber feine Vorspeise. Ein Stück Baguette oder Brot hilft, die leckere Vinaigrette aufzutupfen.

Dieses gesunde und kalorienarme Gericht kann man natürlich (und sollte man, wenn man nicht auf Gräten steht) auch mit anderen Fischfilets und z.B. Spinat machen. Selbst Kopfsalat eignet sich. Und statt der Himbeeren kann man kleingeschnittene wasweißich (gibt’s inzwischen in jedem Supermarkt :-)) nehmen.

Lasst es Euch schmecken!

Huhn in Spitzmorchel-Sauce

Ihr Lieben,

neulich erstand ich aus einer Laune heraus ein Päckchen getrocknete Spitzmorcheln, die werden heute mal verarbeitet. Ein Klassiker hierfür ist eine Spitzmorchelsauce. Man kann natürlich mit allen anderen getrockneten Pilzen ebenso verfahren.

Die Pilze werden unter fließend kaltem Wasser gut abgespült, für eine halbe Stunde eingeweicht und dann gut abgetropft. In einer Pfanne wird Butter geschmolzen, darin eine halbe klein gewürfelte Zwiebel mit etwas Knoblauch gedünstet. Die kleingehackten Morcheln dazugegeben und etwas sautieren. Mit einem guten Schluck Weißwein ablöschen, ein Becher Sahne hinein, mit Salz, Pfeffer, etwas Muskatnuss und etwas Zucker würzen und für ein paar Minuten einköcheln lassen.

Nebenbei setzt man Nudelwasser auf (immer daran denken, gut zu salzen), brät Hühnerbrüste rundherum an und hackt eine Handvoll Petersilie. Die Petersilie wird – bis auf ein wenig Garnitur – in die Sauce gegeben.

Huhn auf die vorgewärmten Teller, Nudeln dazu, Sauce drüber und mit der restlichen Petersilie (und vielleicht einer kleinen Morchel, die muss aber mitgekocht worden sein!) anrichten.

Einfache, gutbürgerliche Küche. Etwas Gemüse kann auch dabei, etwa Mandelbroccoli oder dergleichen, aber ich lasse es heute mal weg.

Haut rein.

Chili-Käse-Burger

Ihr Lieben,

ich habe hier zwar schon einmal Burger präsentiert, aber heute ist die Chili-Käse-Sauce der Stargast, daher wieder einmal Fast-Food, slowly cooked 🙂

Zuerst einmal bereite ich die Pattys (für die Anglistiker patties) zu: 400 Gramm Hackfleisch werden mit einer gehackten Zwiebel, drei Knoblauchzehen, Pfeffer, Paprikapulver, einer gehackten Jalapeño und einem Ei verknetet. Ich besitze eine Burgerpresse, in der ich dann die Pattys forme. Kaltstellen, dann können sie sich bis zum Braten besser binden. Übrigens sind wie immer der Phantasie bei der Würzung keine Grenzen gesetzt!

Dann bereite ich die Käse-Sauce vor. In einem Topf erwärme ich einen Becher süße Sahne, gebe etwas Sriracha-Sauce, zwei kleingehackte scharfe (!) Chilis sowie einen Teelöffel Zucker hinzu, presse zwei Knoblauchzehen hinein und pfeffere gut. Dann unter Umrühren peu a peu Schmelzkäse (ich nahm Cheddar) zugeben, bis eine sehr dickflüssige Konsistenz erreicht ist.

Die Buns (aka Burgerbrioche) habe ich gekauft. Sie werden im vorgeheizten Ofen einmal kurz gegrillt, während oben die Pattys in der Pfanne schmurgeln. Ich mag sie innen noch etwas rosa, daher auf gute und frische Qualität beim Hack achten. Zwischen die Buns nun Salat, Tomate, G(ewürzg)urke, Patty, Sauce; Jalapeño-Schnipseln und Käsescheiben schichten und fertig ist unser leckerer (und chilliger!) Burger.

Rote-Bete-Carpaccio mit Feta, Cashew-Kernen und Apfel

Ihr Lieben,

das Sommerwetter ist zurück, daher gibt es heute etwas Leichtes. Leicht zu machen und auch noch ziemlich leicht in der Kalorienbilanz. Wir legen los:

Vorgekochte rote Bete (es kommt von dem lateinischen Wort beta, und nicht etwa beeta, wird regional lt. Wikipedia aber auch Rauna, Rana, Rohne, Rone, Ronen, Randig, Randich oder Rohna genannt) wird auf der Küchen-Mandoline dünn gehobelt und auf auf Tellern ausgelegten Salatblättern drapiert. Darüber geben wir eine Mischung aus gehacktem Feta, gehackten Äpfeln und gehackten gesalzenen und gerösteten Cashew-Nüssen.

Darüber geben wir meine Standard-Vinaigrette: 3 Teile Olivenöl (von „meiner“ Finca), 1 Teil Essig (Quitte vom Kloster Maria Laach), 1 bisschen Salz, Pfeffer, Zucker, Senf als Emulgator und so viel Wasser, bis es genehm ist.

Ich habe heute veganen Feta auf Mandelmilchbasis genommen. Macht den Salat vegan, aber es ist auch eine Frage des Geschmacks. Feta schmeckt dann doch eben anders. Vorm Servieren noch Chiliflocken und Schnittlauchröllchen drüber. Einfach legga!

Zwetschgenmus

Ihr Lieben,

vor einiger Zeit schwelgte ich ja in Oma-Erinnerungen. Dazu gehören auch die beiden Pflaumenbäume, die im Garten meiner Oma Olfen standen. Einer riesig, der andere so mittelprächtig. Der riesige Baum ragte über das Garagendach, das wir erklommen, um uns mit den vielen Wespen um die süßesten Früchte zu streiten. Die Ernte beider Bäume fiel immer sagenhaft groß aus.

So gab es dann ein paar Wochenendtage lang Zwetschgenpfannkuchen, eingelegte Pflaumen und, yep!, Pflaumenmus. Das gibt es dann auch mal heute hier im Blog. Pflaume, Zwetschge? Wir nannten sie Pflaumen, obwohl Zwetschgen, daher die Verwirrung.

Mein Problem war, dass ich im Supermarkt zwischen wirklich schon angefaulten Zwetschgen aus der großen Auslage oder noch nicht ganz reifen Exemplaren in einer Kiste wählen konnte. Ich entschied mich für letztere und beschloss, ein etwas säuerlicheres Mus zu zaubern.

Nach Entkernen und Vierteln der Früchte hatte ich 3.700 Gramm Zwetschgen und violette Finger. Diese (die Früchte, nicht die Finger) gab ich in einen Bräter und vermengte sie mit je 300 Gramm weißem und braunem Zucker. Dazu gab ich je eine mehr oder weniger große Prise Vanille, Zimt, Kardamom, Koriandersamen und Salz. Also, alles eher sparsam. Nach einer „Einweichzeit“ (damit etwas Saft gezogen wird) von ca. 3 Stunden stellte ich den Bräter ohne Deckel für 30 Minuten in den auf 200°C vorgeheizten Ofen, bis es anfing zu brodeln. Dann schaltete ich die Temperatur auf 170°C herunter und sah ein bisschen xyz (hier könnte Werbung für Ihre Streaming-Plattform stehen :-)). Von Zeit zu Zeit guckte ich nach der Konsistenz. Durch regelmäßiges Öffnen der Ofentüre kann auch Feuchtigkeit entweichen, denn diese abgehende Feuchtigkeit bewirkt erst den nachher musigen Charakter. Wenn es anfängt, fester zu werden, kann man auch mal kurz mit dem Pürierstab in die Masse. Das tat ich nach etwa dreieinhalb Stunden. Und dann muss man auch schon aufpassen. Der Umrührlöffel zeigt, dass das Mus bald fertig ist.

Wenn die Konsistenz passt, das kann durchaus auch bis zu fünf Stunden dauern, wird das heiße Mus in saubere, heiß ausgespülte Gläser gefüllt, die verschlossen und auf den Kopf gedreht werden. Pflaumenmus hält nach dem Öffnen nicht so lange wie Konfitüre, aber so lange nichts schimmelt, ist es gut und gerne ein paar Monate verzehrbar.

Fazit: Mit reiferen (aber nicht faulen) Zwetschgen wäre es besser und „omaiger“ geworden. Aber das Ergebnis ist dennoch lecker! Energetisch betrachtet, wäre es sinnvoll, direkt 20 kg Zwetschgen zu verarbeiten, denn für knapp ein halbes Dutzend Gläser ist der Energieaufwand recht hoch.

Dennoch habe ich jetzt mein eigenes, nicht zu süßes (!) und leckeres Pflaumenmus! Yippieh!

Käsemuffins

Ihr Lieben,

letztlich habe ich mit Zwetschgenmuffins experimentiert. Die sind zwar sehr lecker geworden, aber ich habe sie nicht ohne zerbröseln aus dem Muffinblech bekommen – trotz meines eigentlich zuverlässigen und heißgeliebten Backtrennsprays. Daher wurde dazu hier auch nichts veröffentlicht.

Ich machte mich schlau, was man alles gegen widerspenstige Muffins unternehmen könne. 4.293 Internetclicks später war ich schlauer: Ich erstand Muffinförmchen aus Papier, die ich auf in die Form gestreute Reiskörner setzen würde. Dann würde dennoch alles mit Backtrennspray eingesprüht werden.

Also: Heute Generalprobe! Käsemuffins.

Ich vermengte 240 Gramm Mehl mit 1 Tütchen Backpulver, je einem gestrichenen Teelöffel Cayennepfeffer, Chilipulver und Salz, fügte unter Rühren 4 Eier, 300 Gramm Frischkäse, etwa 4 cm feingeschnittenen Lauch und ein paar Schnittlauchröllchen (nicht auf dem Foto) hinzu.

Die Muffinförmchen bereitete ich wie o.a. vor und befüllte sie zu 3/4 mit dem etwas zähen Teig (ich hatte mir verkniffen, noch etwas Butter oder Joghurt hinzuzufügen). Das Blech spedierte ich für etwa 30 Minuten* in den Ofen bei 180°C Ober-/Unterhitze. Bitte kontrolliert vorher schon, ob sie anbrennen oder fertig erscheinen.

Und das ist das Ergebnis:

Sie sprangen nachgeradezu aus der Muffin-Form!

*= Genau weiß ich es leider nicht mehr, mir fiel beim Herausholen der Reiskörner eine schon geöffnete Tüte Spaghetti auf den Boden, die sich überall verstreuten und die ich – statt mit ihnen Mikado zu spielen – einsammelte, darüber aber vergaß, auf die Uhr zu schauen. 🙂

Aromatisiertes Öl

Ihr Lieben,

neulich sah ich in einem auf Delikatessen spezialisierten Laden ein winzig kleines Fläschchen Öl, in dem je eine Stange Thymian und Rosmarin, etwas Knoblauch in Stücken sowie eine aufgeschlitzte Chili herumdümpelte. Für diese erlesene Kostbarkeit rief man 5,90 Euro auf.

Nun ratet mal, was diese 6 Fläschchen gleicher Größe in Heimarbeit an Investitionen verschlungen haben?

Eben! 🙂 Ich habe allerdings statt Olivenöl Rapsöl genommen, da ich die Pfanne auch gerne mal ordentlich unter Feuer setze und Rapsöl da weniger qualmt und auch nicht so schnell anbrennt. Die Chilis sind längs aufgeschlitzt, das gelbe ist eine scharfe Habanero-Schote, die ich gesechstelt habe. Pro Flasche zwei Knoblauchzehen, in Stücke geschnitten und etwas angequetscht.

Ihr könnt natürlich auch andere Kräuter benutzen, der Phantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

Auf der Suche nach dem verlorenen Hofladen – Abschied von Butjadingen

Ihr Lieben,

was wie ein Gemeinschaftswerk von Proust und Fontane klingt, ist in Wirklichkeit nur ein kleiner Bericht über unsere Rückreise von Nordenham.

Wir standen verhältnismäßig früh auf, da unsere Vermieterin angeblich für 10 Uhr den Fensterputzer bestellt hatte. Wir entschieden uns für eine Miniversion von Frühstück, packten alles zusammen und waren gegen Viertel vor 10 aufbruchbereit. Die Vermieterin wollte die Wohnung gar nicht sehen (die wir noch grob ein bisschen geputzt hatten) – „Wir sind ja alle erwachsen, hahaha!“, und so verabschiedeten wir uns.

Bevor wir Nordenham verließen, suchten wir zu Fuß einen Hofladen auf, der genau einmal die Woche, nämlich samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet hat. Ein Wunder: Es handelte sich tatsächlich um einen Hofladen! Ich erstand Eier, Wurst, Käse, Joghurt und bekam noch einen Quark geschenkt, da dieser das Ablaufdatum schon überschritten hatte; er sei aber noch absolut in Ordnung, meinte die sehr nette Dame, die uns alles probieren ließ und ihre Produkte erklärte. Eine ältere Dame wartete geduldig hinter uns. Wir wollten Sie vorlassen, aber sie hatte wohl sichtlich Interesse an den dusseligen Stadtkindern, die sich erklären ließen, wie man hier Käse herstellt.

Als wir zum Auto zurückkamen, das noch bei der Ferienwohnung stand, sahen wir, dass unsere Vermieterin selbst die Fenster putzte. Gott, da hätten wir ja auch noch ein Stündchen länger schlafen können….

Im Goethe-Viertel in Bremerhaven

Wir beschlossen, wieder den sog. Ostfriesenspieß zurückzufahren, da wir auf dem Hinweg ja so wunderbar durchgekommen waren. Um Ernst Jandl mal aus dem Zusammenhang gerissen zu zitieren: „Werch ein Illtum!“. Es gab so einige Sperrungen und Staus auf der Strecke, die wir aber dann alle landstraßenmäßig umfuhren. So dauerte alles etwas länger, aber wir waren wenigstens immer in Bewegung. Ich finde ja wenig grässlicher, als im Stillstand im Stau festzuhängen.

In Neuss wurde dann wieder hin- und hergeräumt und ich düste dann…. äh….ja…. Die A57 war ab Dreieck Neuss Süd gesperrt und man wies ca. einen Meter vorher darauf hin; es hatte sich also was mit „düsen“. Mit einem ellenlangen Umweg kam ich dann zuhause an, wo nicht nur der FC Köln gerade gegen Wolfsburg verlor, Helene-Fischer-Fans die Stadt stürmten und die GamesCom-Besucher die Straßen verstopften. Nein, in Poll wurde ich dann mit Tschingderassa-Bum begrüßt, den gegenüber findet gerade das Sommerfest in der alten Schule statt. Hier ist immer was los! 🙂

So, das war unser kleiner Kurzurlaub, übrigens der erste Deutschlandurlaub mit Elke, der ohne Amy stattfand, da die alte Lady Urlaub inzwischen zu anstrengend findet. Aber Maren hat wunderbar auf sie aufgepasst und Elke auch immer mit tagesaktuellen Fotos versorgt. Fazit der Reise? Das war sehr schön, die Halbinsel ist sehr ruhig und nett und zumindest vor den Häuserfassaden ist alles so ungemein friedlich. Viel zu sehen gibt es eher an anderen Orten, z.B. Ostfriesland oder im Norden Schleswig-Holsteins, aber lebenswert mag es auch hier sein. Es gibt viele Leerstände und verlassene und heruntergekommene Häuser – natürlich auch gerade in Bremerhaven. Dennoch eine Reise wert. Danke an Elke für die schöne Begleitung!

Ihr Lieben, in knapp 5 Wochen geht es nach Dresden, ich hoffe, Ihr begleitet mich dann wieder so lieb mit Kommentaren und Nachrichten. Ich freue mich immer sehr, wenn Ihr dabei seid.

Lieber Grüße, Euer

P.S.: Das Haus im Beitragsbild wird kommendes Jahr 250 Jahre alt. Es lag um die Ecke unserer Ferienwohnung. Ich war sofort schockverliebt in dieses guterhaltene Gemäuer!

Bremerhaven

Ihr Lieben,

Schietweddertach heute, was tun? Statt durch die Dünen zu laufen empfiehlt sich hier ja ein Stadtbesuch, das wäre in unserem Fall Bremerhaven. Ich kannte den Ort ja schon, war ich doch zweimal schon dort mit dem Kreuzfahrtschiff abgefahren, einmal nach Norwegen, einmal nach Dänemark und Schweden. Daher war mir klar, dass wir nichts Großartiges zu erwarten hatten.

Um Viertel nach 10 boardeten wir die Fähre „Bremerhaven“ und tuckerten vom Fähranleger in Blexen in ein anderes Bundesland. Die Überfahrt ist kurz und es war recht diesig. Das verlieh der Stadtsilhouette ein interessantes Licht. Wir begaben uns zum alten Hafengebiet und schlenderten dort ein bisschen umher. Es gibt da einige fragwürdige Bauten: die beiden Hochhäuser mit dem Columbus-Einkaufszentrum, das Klimahaus und das Kongresszentrum Sail City, das ganz entfernt an den Burj Al-Arab in Dubai erinnert, sowie das Moin-Outlet.

Wir liefen zu den Leuchttürmen am Zoo, wo wir in eine Hochzeitsgesellschaft platzten, weiter um den Zoo herum bis zum alten Hafen, durch das Klimahaus in das Outlet, wo ich drei T-Shirts zum Schnapperpeis erstand, weiter bis zum Platz vor den Schiffen und dem U-Boot des Schiffahrtmuseums, wo wir uns in einem Café stärkten. Das Outlet ist sehr schön gemacht, die Läden haben alle eine gefakte Hausfassade und es ist alles im Stil eines hübschen Dörfchens arrangiert.

Durch das wesentlich ungemütlichere, fast schon deprimierende Columbus-Center liefen wir zur Einkaufszone, die wir einmal rauf- und runterliefen. Sie ist so unspektakulär wie fast alle deutschen Einkaufsstraßen, mit genau dergleichen langweiligen Melange aus Kaufhauskettenfilialen, Handyläden, Barbieren und Ein-Euro-Shops. Trist! Das bisschen Kunst, das verstreut die Szenerie beleben soll, oder die eine interessante Kirche machen es dann auch nicht wirklich wett.

Sollte das alles gewesen sein? Wir zogen das Internet zu Rate. Ein Altstadtbummel durch den Ortsteil Lehe. Ach, wie nett. Da laufen wir mal hin. Je nun, was soll ich sagen? Wenn man nicht viel hat, muss man mit dem wenigen, was man hat, wenigstens gut arbeiten. Es finden sich auf dem Rundgang ein paar nette Häuser, eine Kirche und ein paar Erklärbär-Stelen zum Goethe-Viertel, ansonsten herrscht auf dem Weg dorthin und vor Ort – wenn auch weniger ausgeprägt – Tristesse vor. Viele leere Läden, alles ein bisschen runtergekommen. Highlight ist das Geburtshaus von Lale Andersen. Immerhin.

Es fing an zu regnen, so ließen wir uns auf ein Kaltgetränk bei einem Griechen nieder. Es regnete mehr und mehr. Wir fuhren dann mit dem Bus zur Weserfähre zurück und schipperten mit der „Nordenham“ wieder nach Blexen und liefen zurück in die Ferienwohnung. Dort faulenzten wir zwei Stündchen, bevor wir uns bei Usselswetter Richtung Weserschlösschen aufmachten, wo wir trotz Regens einen Außentisch mit Schirm ergattern konnten.

Es war ziemlich voll, freitags ist dort nämlich amerikanisches Barbecue. Ich nahm sofort den großen Teller, Elke das Wiener Schnitzel. Das war schon ganz lecker alles, man hatte nur die ein oder andere Beilage bei Elke vergessen. Aber ich teilte brav, es wäre ohnehin viel zu viel gewesen. Da aber auch noch Bierabend war (ein halber Liter Hemelinger für 2,80 Euro!!!, wo gibt es sowas noch?), sind wir preiswert und pappsatt nach Hause geschwommen. Ja, es regnete mal wieder. Später, wir waren schon in der Ferienwohnung, fing es dann regelrecht an, zu schütten.

Ja, und so schnell ist ein Kurzurlaub schon rum. Morgen müssen wir um 10 Uhr die Wohnung räumen. Wir fahren dann aber vor der endgültigen Reise noch in einen unentdeckten Hofladen. Seid Ihr auch schon so gespannt wie wir?

Liebe Grüße, Elke und Gerry

American Beauty
Man denkt praktisch in Blexen: links Gummi gegen, rechts Gummi für Kinder

P.S.: Es gibt hier einen Bus mit der Endhaltestelle „McDonald’s“. Das wirft doch Fragen auf.

Fedderwardersiel und der Rest der Halbinsel

Moin, Ihr Lieben.

Nach einer eher kurzen Nacht – ich hatte am Tag noch damit geprahlt, dass ich seltenst Einschlafstörungen habe und schlief dann ausgerechnet gestern auf Deubel komm raus nicht ein – nahmen wir ein ausgiebiges und üppiges Frühstück ein, wie wir es uns zuhause leider zu selten gönnen (können). Dermaßen gestärkt brachen wir zur Erkundung der Halbinsel auf.

Wir starteten in Fedderwardersiel, einem kleinen Hafen, zu einer Wanderung über der/die/das Langwarder Groden. Und das bei klarem Himmel mit Sonnenschein. Unser Weg führte an Sielen, Deichen, Watt und Wiesen vorbei, manchmal auch über Deichkronen und Holzplanken bis an die Nordspitze, von der wir einen anderen Weg zurückliefen. Und wir sahen Schafe, Kühe, Pferde und massenweise Vögel, gar nicht zu sprechen von den vielen Wattwürmern 😀

Dadurch, dass alles sehr flach und gleichartig ist, kombiniert mit der unglaublichen Weite, kommt man beim Wandern fast in einen meditativen Zustand. Irgendwann waren auch gar keine anderen Menschen mehr zu sehen. Sehr schön war das. Auf dem Weg zurück hatten wir dann wieder zunehmenden Kontakt, je näher wir unserem Ausgangspunkt kamen. Apropos Kontakt: Hier wird wieder ge-moint, was das Zeug hält. Ich liebe es! Man sagt ja, die Norddeutschen sind mundfaul (sind sie manchmal), distanziert (ja, auch das) und fremdeln (ich als gebürtiger Muschelschubser kann auch das bestätigen!). Aber es herrscht ein dennoch deutlich freundlicherer Umgangston vor, im Gegensatz von z.B. zu Köln.

Nach der Wanderung labten wir uns in einem Biergarten direkt am Meer an einem Kaltgetränk und Elke holte sich noch ein Krabbenbrötchen auf die Hand (mit der Spezialknoblauchsauce des Hauses). Die Dame hinter dem Tresen hörte gar nicht auf, Krabben in das Brötchen zu schaufeln, so war das Konstrukt auch entsprechend schwer zu verzehren. Ich wollte nichts, bekam aber als Ausgleich, „dass Sie den Knoblauchgeruch Ihrer Frau ertragen müssen“, eine kleine Tüte Gummibärchen mit dem Logo der Butjadinger Fischereigesellschaft. Sehr lieb!

Wir begaben uns zum Wattensteg in Burhave. Ich sage ja lieber Seebrücke, das klingt mondäner. Es hat nur leider wenig mit einer Seebrücke gemein. Es ist halt ein Wattensteg. Eine Frau kämpfte sich todesmutig durch den Schlick (es war Ebbe) und schwamm in der braunen Brühe, Respekt! Zwei Schweizerinnen warfen Brot ins Wasser, ich hoffe, es war nicht für die schwimmende Frau gedacht.

Wir haben beide ein Faible für Käsereien oder Hofläden und dergleichen. Wir wollten die besten der besten in Butjadingen und Umgebung finden. Ich nehme es vorweg: Nur wer ohne Ansprüche durchs Leben geht, kann nicht enttäuscht werden. Hofladen No. 1 war ein Tinneff-Shop, der die Cafeteria-Besucher mit Tand und Schund lockte. Hofladen No. 2 war eine Selbstbedienungsbaracke mit zweierlei Sorten Käse, Bionadegetränken und Eisbechern. Hofladen No. 3 bekam uns aufgrund dieser Erfahrungen gar nicht erst zu Gesicht. Was haben wir wehmütig an den Hofladen in Pilsum gedacht.

Jetzt waren wir schon so weit über die Insel gegurkt, da wollten wir einen Blick auf Wilhelmshaven werfen und fuhren nach Tossens, einem Nordseebad im Westen der Insel. Inzwischen nieselte es. In Tossens ging es mal so richtig touristisch zu. Viele Familien mit kreischenden Kindern und kläffenden Hunden. Souvenirshops und gastronomische Betriebe gut gefüllt. Wir erklommen den Deich, um auf einen Strand zu schauen, der auch den Ansprüchen von Mittelmeerurlaubern gerecht würde. Die Hauptstraße hinauf stießen wir auf den Butjener Küstenmarkt. Ich versprach mir sehr viel davon, jedoch war es eine Souvenir-Kitschbude der Extraklasse, mit bestimmt auch schönen Artikeln, die aber im großen Ramschen …. äh…. Ganzen untergingen.

Wir stärkten uns mit einem Aperitiv in einem griechischen Restaurant und nahmen – wegen der Eindrücke, die wir sammeln wollten – eine Umwegsstrecke in Kauf, um nach Hause zu kommen.

Also, die ganze Halbinsel (ich erwähnte gestern das Schöner-Dorf-Idyll) ist sauber, adrett und wie geleckt. Hier liegt kein Dreck herum, die Gärten sind gepflegt bis zum Gehtnichtmehr und alles ist wie im Museum. Fast schon spooky für jemanden, der aus einer so dreckigen Stadt hierher kommt. Wir haben aber eine Vermutung: Wer nicht zu den festgelegten Zeiten seinen Rasen mäht oder die verwelkten Blüten von seinen Sträuchern abzupft oder das Unkraut in seiner Einfahrt mit dem Flammenwerfer vernichtet, wird vom jeweiligen Gemeinderat verdammt und im Schnellverfahren von einer Klippe in die Nordsee geworfen. Ich mag es hier.

Abends haben wir uns aus allerlei Leckereien (nein, NICHT aus einem Hofladen!) unsere traditionellen Burger gebastelt, Backgammon gespielt (Elke hat gepfuscht! Anders kann ich mir ihre vielen Siege nicht erklären!) und dann dem stetigen Regen vor unseren Fenstern gelauscht. Wir sind über 20.000 Schritte gelaufen und haben so einiges gesehen. Es ist eine nette Ecke, aber man muss es auch gerne mal ruhig und etwas langweilig mögen. Wir tun das, daher geht es uns nicht allzu schlecht hier.

Morgen fahren wir in die laut Focus-Magazin sechshässlichste Stadt Deutschlands. Naja, Fakten, Fakten, Fakten!? Wir machen uns mal ein eigenes Bild (wobei ich ja schon einmal da war). Guckt Ihr wieder mit? Würde uns freuen.

Liebe Grüße, Elke und Gerald