ein wirklich gutes Coq-au-Vin braucht etwas Zeit und gute Zutaten. Wenn man aber einmal Lust darauf hat und es schnell gehen soll, dann kann man es auch in 45 Minuten in der Pfanne (mit Deckel!!) zubereiten, wenn man kleine Fleischteile nimmt:
In einer Pfanne bei mittlerer Hitze einen halbzentimeterbreiten Streifen Butter schmelzen, da zwei kleingewürfelte Schalotten sowie drei gehackte Knoblauchzehen anschwitzen. Je einen gehäuften Esslöffel Senf und Tomatenmark dazu. Wieder bisserl anschwitzen. Dann vom Knochen gelöste Hühneroberschenkel zum Anbräunen hineingeben. Salzen, pfeffern, etwas gemahlene Chili, einen Esslöffel getrocknete Kräuter dazu (einen halben Thymian und einen halben Herbes de Provence bei mir, aber da kann man nehmen, was man mag), bisschen schmurgeln lassen und dann einen Barren Bouillonkonzentrat hinzugeben und mit einer halben Flasche Rotwein ablöschen. Deckel drauf und 30 Minuten blubbern lassen, ab und zu mal das Fleisch drehen.
In der Zeit setzen wir den gewaschenen (!) Reis auf. Ich mache das mit der Tassenmethode, da wird der schön kletschig und nimmt gut Sauce auf. Der braucht 17 bis 20 Minuten. Das Huhn herausnehmen, einen guten Stich Butter in die Sauce und einen halben Becher Crème fraîche. Abschmecken, Fleisch wieder rein. Wenn man mag, kann man die Sauce vor Zugabe der Creme noch pürieren, den wegen der Kochzeit lösen sich die Schalotten nicht völlig auf.
Die Reissorte heißt übrigens Bomba und zeichnet sich durch kleine Körner aus. Der Reis wird, wenn er fertig ist, auch mit einem Stich Butter und einer Prise Salz abgeschmeckt.
Anrichten (mit ein paar Kräutern oben drauf) und den Rest guten (!) Weins dazu kredenzen. Bei der langen Methode fällt das Fleisch von Knochen, alles schmeckt intensiver, aber ich habe auch bei dieser Variante die Sauce vom Teller geschleckt. Hat ja keiner gesehen 🙂
heute mal ein Rezept, dass nicht auf meinem Mist gewachsen ist: ein Früchtekuchen mit Baileys. Leider kann ich die Quelle nicht mehr benennen, es war ein kurzer Eintrag bei Bluesky (ich logiere da übrigens unter @gerrys-welt.de), den ich glaubte, markiert zu haben, aber jetzt nicht wiederfinde.
Er lautete wie folgt (Einträge in Klammern von mir):
500 gr. Trockenfrüchte (dried fruit im Original, da fallen in vielen Ländern auch Nüsse drunter) mit
250 ml Baileys mischen und einen Tag einweichen lassen, am Backtag dann mit
125 gr. mit ein wenig Backpulver und Salz vermischtem Mehl (sog. self-rising flour) vermengen und backen.
Das „Rezept“ verriet leider weder Dauer noch Temperatur.
Ich kaufte zwei 200gr-Packungen Studentenfutter und gab noch 100 Gramm zerkleinerte getrocknete Aprikosen dazu und ließ das alles mit dem Baileys vermischt zwei Tage im Kühlschrank ruhen.
Am Backtag gab ich alles in die Küchenmaschine, zerkleinerte das Gemisch, fügte 125 Gramm Mehl, einen gestrichenen Teelöffel Backpulver sowie ein Prise Teig hinzu und knetete anschließend alles. Die Masse war fast steinhart, ich entschloss mich, noch 100 ml Baileys hinzuzugeben. Immer noch klebrig und fest, der Teig. Dennoch ab in eine gefettete Antihaft-Kastenform (meine war ziemlich groß, daher wurde der „Kuchen“ eher flach) und bei anfangs 180°C in den vorgeheizten Ofen. Nach schon 20 Minuten brannten die ersten Ecken des Kuchens an, so reduzierte ich auf 160°C, legte Alufolie über den Kuchen und buk ihn 30 weitere Minuten. Die Stäbchenprobe war dann okay, ich stürzte die Kreatur…. äh… die Kreation auf ein Gitter und ließ sie auskühlen. Sie roch fantastisch!
Wenn man die wenigen verbrannten Stellen ignorierte, schmeckte der Kuchen mit Schlagsahne sogar sehr gut. Aber ich denke, man kann auch anders an die Sache herangehen. Auf einem Mürbeteigboden in einer Springform und vielleicht noch etwas mehr Baileys im Teig (+100 ml), etwas Butter (100 Gramm) und einem Ei vielleicht. Ich experimentiere mal und berichte ggf. in Bälde.
es ist dringend geboten, mal wieder zu schnipseln. Seit meiner Balkanreise ist doch so einiges passiert. Einiges konntet Ihr schon nachlesen, wie die Fahrt nach Brügge und ein paar neue Rezepte, die ich eingestellt habe.
Am Montag nach meiner Rückkehr aus Brügge hat mich mein wirklich sehr guter Freund Matthias besucht und blieb für zwei Nächte hier. Wir sehen uns vielleicht zweimal im Jahr, schreiben zudem drei- bis viermal (ja, richtig mit Schneckenpost, was ich total klasse finde!) und dennoch gibt es kein Fremdeln. Wir haben uns wunderbar ausgetauscht. Matthias hat mir auch noch selbstgemachte Kirschmarmelade sowie eine typische Wurst aus dem Werra-Meißner-Kreis mitgebracht. Beides sehr lecker.
Apropos lecker. Mein kleiner Bruder hat mich gestern besucht (ja, es wird ein wenig unchronologisch berichtet), um seine neue Freundin vorzustellen, und beide haben am Vormittag noch gebrannte Mandeln gemacht, von denen ich ein großes Glas abbekam. Und wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag bei einem von mir improvisiert gebackenen Kürbis-Apfel-Kuchen, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn selbst gut fand. Er war zwar saftig, aber doch in der Textur etwas grob. Wichtig aber: Ich mag seine neue Bekanntschaft sehr gut leiden! Hagens, nicht die des Kürbiskuchens. Leider habe ich versäumt, ein Foto zu machen. Vom Kürbiskuchen, nicht von Hagen.
Apropos neue Bekanntschaft: Ich verriet beim Rezept zum KI-erzeugten Ragout, dass ich Nora, die neue Hündin von Elke, kennengelernt habe. Ich war etwas besorgt, ob wir uns gut verstünden. Aber die Sorge war unbegründet. Nora hat sich tadellos benommen und wir haben uns super verstanden. Immer, wenn Elke Rauchzeichen auf dem Balkon zu ihrem Volk schickte, haben Nora und ich versucht… äh… also ich habe versucht, Selfies mit Nora aufzunehmen. Das misslang, denn Nora war viel mehr daran interessiert, mir durchs Gesicht zu schlecken, als einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ihr Lieben, ich werde Amy nie vergessen, aber Nora wird auch nicht ihre Nachfolgerin für mich sein, sondern eine neue Bekanntschaft. Und die lässt sich sehr gut an.
Schon länger her ist ein Besuch meinereiner in der Kirche Alt St. Ulrich, wo meine Freundin Ruth mit der singenden Cellistin Daniela Bosenius und der Pianistin Julia Diedrich einen wunderbaren Abend zu den runden Geburtstagen von Kurt Weill (125 Jahre) und Hildegard Knef (100 Jahre) moderierte. Das war wirklich ein toller Abend, zumal der Bogen zwischen beiden Geburtstagskindern mit genial ausgesuchten Texten verknüpft wurde. Markus, falls Du mitliest: Danke für den Sekt in der Pause, das war sehr lieb!
Achja, nach Braunschweig musste ich auch mal wieder. Da war eine wichtige Arbeitsschutzausschusssitzung angesetzt, die wir nicht virtuell abhalten wollten. Ich nutze mal die Gelegenheit, für Braunschweig zu werben, die Stadt hat sehr schöne Ecken! Aber die Bahnreisen waren wieder mal… naja, vielleicht räumt die neue Chefin Evelyn Palla mal auf, sollte sie noch genug Geld nach der Zahlung der Abfindung für Lutz haben. Seufz.
Mit meinen lieben Nachbarn Daniel und Martin war ich auch wieder mal aus. Das war auch ein sehr schöner Abend im Poller Wirtshaus. Die beiden reisen ja auch viel und kamen gerade aus Asien zurück, ich vom Balkan… na, ich habe es schon oft erwähnt, Reisenden geht der Gesprächsstoff ja nie aus.
Eigentlich waren auch Doppelkopfrunden, weiter Nachbarschaftstreffen, Stammtischabende geplant, aber einiges ist krankheitsbedingt ausgefallen. Was aber angesichts meines Terminkalenders jetzt auch kein Beinbruch ist. Ich selbst war letzte Woche zwei Tage außer Gefecht, ich vermutete eine Lebensmittelvergiftung, da ich am Vortag ein abgelaufenes Steak gebraten hatte. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich mir einen Infekt abgeholt hatte, der zu der Zeit auch in der Firma rumging.
So, jetzt habt Ihr Euch wieder haufenweise uninteressantes Zeug anlesen müssen, aber da müsst Ihr halt durch. Es sind jetzt noch eine Minireise nach Lüttich geplant, das wäre in zwei Wochen, und der Besuch eines Bekannten in München in vier Wochen. Ich hoffe, wir leshörsehen vorher voneinander. Liebe Grüße, Euer
heute Abend kam Elke mit Nora, ihrer neuen Hündin, zu deren Antrittsbesuch vorbei. Ich hoffte inständig, dass wir uns leiden können! Auflösung später.
Da ich den Termin völlig verpennt hatte, lief ich gestern noch schnell zum Türken und kaufte gemischtes Hack und ein bisschen Gemüse. Vor die Wahl gestellt, ob sie lieber etwas mit Kartoff… lasst mich doch mal ausreden!… ja, es wurden Nudeln. Daher also eine Bolognese. Mit Nudeln. Ich wollte mal ausprobieren, wie die KI das kochen würde und konsultierte ChatGPT: „Ich möchte eine Lamm-Bolognese machen, die nicht zu fade, aber auch nicht überwürzt sein soll. Ein mediterran-orientalischer Touch wäre aber gut.“.
Chat-GPT spuckte dieses Rezept aus, das ich aber noch ergänzte (handschriftliche Eintragungen):
Ich habe die Flüssigkeitsmenge hochgesetzt, da ich Bolognese immer sehr lange kochen lasse. Nämlich drei Stunden statt 45-60 Minuten.
Eigentlich vom Grundsatz her gar nicht so anders, wie ich es gemacht hätte. Und so sah dann das Mist-am-Platz aus:
Die Petersilie fehlt hier, die kam aus der TK.
Die Nudeln (Orecchiette) habe ich nach Packungsanweisung zubereitet (für selbstgemachte fehlte mir der Elan, da ich auch noch parallel für morgen einen Kuchen buk) und es gab natürlich Tonnen von Reibkäse dazu. Wir fanden es ganz lecker. Als Appetithappen hatte ich übrigens arabisches Fladenbrot aufgebacken und einen Knoblauch-Dill-Quark mit Radieschenraspeln dazu gemacht.
Und Nora und ich? Ein Herz und eine Seele. Habe sie aber auch mit Kaustangen bestochen. 🙂
was für ein sperriger Name für ein einfaches Gericht. Ich hatte ja geschrieben, dass ich mich während meiner Balkanreise schwer in die dort erhältlichen Lebensmittel Kajmak und Ajvar verliebte. Ajvar kannte ich zwar schon, hatte es aber noch nie so gut gegessen.
Ich kaufte hier statt Ajvar aus dem Glas Harrissa, von dem ich wusste, dass es mir schmeckt (es ist nicht das gleiche!) und Kajmak fand ich auch im türkischen Supermarkt. Übrigens zu einem stolzen Preis, man könnte für das Gericht heute auch einfachen Frischkäse nehmen. Auf Brot aber ist der Unterschied zwischen beiden deutlich spürbar.
Ich nahm Hühnerbrüste und schnitt sie zu einer sehr groben Roulade auf. Kann man auch filigraner machen, aber Ihr wisst ja, ich bin kein geduldiger Mensch. Auf dieses Megaschnitzel strich ich erst Kajmak, dann das Harrissa, ich würzte mit Salz und Pfeffer, legte geputzten Babyspinat auf und band die Rouladen nach dem halbwegs gelungenen Rollen mit Küchengarn zusammen. Sieht erst einmal instabil aus, aber beim Backen verfestigt sich das ganze. Ab für 15 Minuten in den vorgeheizten Ofen/nicht vorgeheizten Airfryer bei 190°C.
Währenddessen setzte ich Kartoffelviertel in Salzwasser auf und bereitete eine Soße aus einem Becher Schlagsahne, Salz, Pfeffer, scharfem Paprikapulver, Knoblauchpulver, geriebener Muskatnuss und geriebener Chili zu und schnitt eine Handvoll Weintrauben in Hälften. Nach den ersten 15 Minuten werden die Rouladen umgedreht und die Sahnesauce kommt mitsamt den Weintrauben darüber. Weitere 15 Minuten, diesmal aber nur bei runtergedrehten 170°C. Fünf Minuten vor Klingelingeling noch den Restspinat zu den Kartoffeln geben und mitkochen lassen. Wenn das Huhn fertig ist, das Garn entfernen und einmal schräg aufschneiden (für die Optik bei Gästen), die Spinatkartoffeln abgießen und nachsalzen und -pfeffern sowie mit einer guten Prise Muskatnuss verfeinern. Mit der Sauce anrichten und servieren.
Ich fand das sehr lecker, aber man zwingt mich ja, das zu sagen. Dr. Diepolder ist da sehr streng mit Mr. Gerry. Macht mal nach, ist simpel und kommt bestimmt gut an. Vielleicht noch einen frischen Salat dazu, da hatte ich jetzt nicht das richtige da. Guten Appetit!
neinneinnein, ich bin keiner Sekte beigetreten. Heute habe ich nur einen sehr kirchlich-touristischen Tag gehabt. Am Ende übrigens mit einem kleinen Wunder. Aber dazu später.
Wir nahmen unser Frühstück ein, packten und räumten die Zimmer. Unsere Koffer durften wir bei Christoph lassen. Bei grauem Wetter prozessionierten wir zur schwarzen Kapelle, wo das Blut Christus in einer Art Ampulle aufgehoben wird. Ich meine, man hätte es aus einem Kleidungsstückrest des Erlösers herausgewrungen. An der Echtheit des Blutes besteht kein Zweifel, denn der Vatikan hat es als solches anerkannt, verbietet aber genauere Untersuchungen. Mein Reiseführer von Freitag ergänzte dazu, dass es echt sein müsse, denn das stehe ja so schließlich im Internet.
Wie groß unsere Enttäuschung, als uns der Zutritt verwehrt wurde, denn es fanden Rosenkranzgebete und anschließen eine Eucharistie-Feier statt. Wir hätten anderthalb Stunden warten müssen. Wir besichtigten wenigstens den unteren Teil der Basilika, ein etwas schmuckloses Gewölbe mit einen paar Figuren und Bildern. Ruth, Monika und Markus verabschiedeten sich danach, sie fürchteten den Rückreiseverkehr.
Ich lief dann zum wiederholten Male zur Kirche von unserer lieben Frau, um endlich einen Blick auf die Madonna des Michelangelo zu erhaschen. Wieder nix. Ob ich zur Messe wolle? Ich hätte lügen sollen. Nein, ich wolle die Madonna anbeten. Das ginge erst nachmittags. Grmpflzrmpf! Ich fluchte innerlich gottlose Flüche. Ich begab mich zum Fischmarkt, dort hatte ich gestern so etwas wie einen Kunstmarkt zu sehen geglaubt zu haben. Naja. War dürftig und uninteressant. Den Carillon des Belfried hört man innenstadtweit, es ertönten ganz andere Klänge. Da fiel mir ein, dass es ja zu bestimmten Zeiten manuell gespielt wird und es war soweit. Ich wieder runter zum Belfried geeilt. „Somewhere over the rainbow“, Time to say goodbye“, „When the moon hits your eye“ und viele andere Gassenhauer wurden vorgetragen, das war richtig schön und ich hatte wieder gottgefälligere Gedanken.
Ich streifte etwas ziellos durch die Stadt und entdeckte ein paar schöne Passagen, die Bierstraße, eine Brauerei, leider Gottes schöne Pralinenläden, konnte einer Candyherstellungsvorführung beiwohnen und spinxte in das ein oder andere öffentliche Gebäude, wo immer riesige Öl-Gemälde von ernst dreinblickenden Männern hängen. Dann endlich war es soweit, der Gottesdienst in der Basilika zum heiligen Blut näherte sich dem Ende und ich reihte mich ein eine kurze Schlange davor ein. Uns wurde bedeutet, es dauere noch ein wenig. Die Schlange wurde rapide länger, während vor dem Stadthuis eine sehr übersichtliche Pro-Pälestina-Demonstration stattfand.
Die Kirchgänger schwappten heraus und die erste Gruppe durfte hereinströmen. Ich war im ersten Pulk. Man stoppte den Zustrom recht schnell, so dass alle Besucher ausreichend Platz hatten, das fand ich sehr fürsorglich. Die Basilika ist sehr sehenswert und einige wenige Menschen reihten sich zur Verehrung des Gefäßes mit dem Heiligen Blut in einer Warteschlange ein, das von einem streng schauenden Geistlichen bewacht wurde. Nach drei oder vier Minuten stieß ein zweiter Geistlicher dazu, es wurde wild mit Glöckchen geläutet und das Blut wurde davon getragen. Tja, es lohnt sich scheinbar, früh zu kommen. Der Lindwurm hinter dem ersten Schwung Besucher ging leer aus.
Jetzt galt es, die Wartezeit bis zur Madonnabesichtigung zu überbrücken, daher besuchte ich den Provinzialpalast, der für Touristen frei zugänglich ist. Ganz nett. Schönes Café, interessante Säle, schöne Marmorauskleidung. Hier hingen zwischen den portraitierten, ernsten Gouverneuren und sonstigen Würdenträgern Fotografien einfacher Menschen, die die Spannweite der Bürger der Provinz darstellen sollen. Fand ich ziemlich gut und ansprechend. Am Freitag war ich im Historium auf der Toilette, wo ich die Nutzungsgebühr von einem Euro per Kreditkarte zahlte. Das hat nicht so ganz geklappt, man buchte mir zwei ab. Im Povinzialpalast heute das Gleiche. Das ist doch eine Verschwörung, oder? NEHMT MÜNZEN MIT!!!
Ich startete einen neuen Anlauf für die Madonna. Und diesmal gab es keinen Zerberus und keine Zerbera. Allerdings ist ein Teil der Kirche Museum und für dieses muss man 8 Euro Eintritt zahlen. Dafür sieht man interessante, von innen bemalte Backsteingräber (Wo sind eigentlich die Leichname hin? Da zahlt man ein Heidenvermögen für eine Kirchengrab und eine tolle Bemalung und ein paar hundert Jahre später wird man entsorgt, damit Touristen da reinglotzen dürfen!), prächtige Gemälde, Chorgestühl, die unglaublichen Grablegen von Maria von Burgund und Karl dem Kühnen und… die Madonna, gerade mal etwas über einen Meter zwanzig groß und in eine reich verzierte Wand eingelassen. Sehr schön. Ich setzte mich auf eine Bank, schaute sie eine Weile an und ging, nachdem es immer voller wurde.
Es wurde Zeit, das Gepäck abzuholen. Ich bedankte mich noch einmal (ich kann das Gasthaus nur empfehlen!), nahm den Bus zum Bahnhof und ergatterte sogar einen 15 Minuten früher fahrenden Zug nach Brüssel. Da die ursprüngliche Umsteigezeit knapp bemessen war, fand ich das ganz okay. In Brüssel stieg ich in den hoffnungslos überfüllten ICE nach Frankfurt. Wieder Dutzende Menschen ohne Reservierung. Ich verstehe es nicht wirklich. Auf einmal zogen meine Nachbarinnen Isabella und Isabella an mir vorbei. Großes Hallo. Und dann saßen sie auch noch direkt auf der anderen Seite des Ganges, das war eine superschöne Überraschung. Sie kamen gerade aus London zurück. Wir reisten dann bis zur Bushaltestelle Salmstraße zusammen und haben sehr nett geplaudert.
Ja, Ihr Lieben, das war es wieder einmal. Ein sehr, sehr schöner Kurztrip. Ich kann Brügge nur jedem ans Herz legen, es ist kein Klein-, es ist ein Großod. Meinen realen Mitreisenden herzlichen Dank für die schöne Zeit und allen virtuell Mitreisenden ganz lieben Dank für die Begleitung und die Kommentare, die mich auch auf Signal, Bluesky und per SMS erreichten. Wir sehen uns hoffentlich in Lüttich wieder, wo es in einem Monat für ein Wochenende hingeht. Zwischendurch wird es wohl auch noch den ein oder anderen Schnipsel oder ein Rezept geben.
Macht’s gut, liebe Grüße und die besten Wünsche von Eurem
schon wieder war halligalli in der Nacht. Als wir vom Absacker zum Hotel zurückkehrten, lief in der Kneipe um die Ecke so dermaßen laut Musik, dass der Belfried wackelte. Brügge ist an sich eine sehr laute Stadt. Naja, viele Studierende und viele Touristen, die gerne alle Biere durchprobieren. So müssen sich Anwohner am Brüsseler Platz fühlen. Für Nichtkölner sei erläutert, dass es sich hier um eine typisch rheinische Posse handelt, kann ergoogelt werden.
Otto und Rolf konnten gegen einen kleinen Obolus zu uns zum Frühstück kommen und so ließen wir alles langsam angehen. Zumal es auch noch trübe und nieselig und stürmisch war. Aber als wir beschlossen, zum Wochenmarkt zu gehen, brach der Himmel auf und die Sonne kam durch. Das fanden wir natürlich wunderbar. Aber der Wind bließ mit Sturmstärke trotzdem eisig um unsere Gesichtszinken.
Ich weiß, wir hatten das schon, aber ist DAS nicht einfach nur schön?
Die beiden Junx trennten sich kurz von uns, um ihr Hotelzimmer zu räumen, und wir vier strollten über den – naja, jetzt nicht sehr spannenden – Markt. Klamotten, Wurst, Käse, Hähnchengrillereien. Ich nehme aber an, dass wegen des starken Windes nicht alle Markttreibenden vor Ort waren, es gab doch deutliche Lücken am t’Zand-Platz. Ich erstand wenigstens eine Tüte frisch gebackene Miniwaffeln. Fanden wir alle ganz lecker. Wir liefen wieder Richtung Belfried, als die Damen ein interessantes Modegeschäft fanden. Tja, es gab für meinen Geschmack ohnehin schon zu viele Schaufenster für einen Kurzurlaub mit ihnen, aber dort bissen sie sich fest. Ich konnte immerhin in der Zwischenzeit Pralinen kaufen. Meine Schachteln wurden in einer Tasche versenkt, die selbst wohlwollende Menschen als absolute Geschmacksverirrung bezeichnen würden. Ein gruselig mit Schokolade verschmiertes Kindergesicht. Echt, wer denkt sich sowas aus??? Wir bekamen eine Nachricht, dass Otto und Rolf jetzt zu uns stoßen würden, aber eine Viertelstunde Zeit bräuchten. Wir nutzten das für einen Kaffee bzw. eine heiße Schokolade, die wir in der Eiseskälte auf dem Simon-Stevin-Platz tranken. Der dazugehörige Laden war nebenbei sehr nett. Otto und Rolf wollten übrigens eigentlich auf den Belfried hoch, aber wegen Sturm war der Zugang geschlossen.
Was ich gerade vergaß, war der kurze Besuch in der Sint-Salvator-Kirche. Da wollten wir in die Schatzkammer, aber wir platzten in einen philipinischen Gottesdienst. Der war schon sehr pompös. Wir zündeten nur je eine Kerze an und verließen die Kirche wieder. Meine Kerze wie üblich allen Reisenden zugedacht.
Wir mussten uns nun etwas verfrüht einen Ort zum Mittagessen suchen, da Rolf verständlicherweise stressfrei zum Flughafen kommen wollte; unsere Wahl fiel auf eine kleine Trattoria, wo es Nudeln und Pizza gab. Ich aß nicht alles von meinen leckeren Tagliatelle „Frutti di Mare“ auf, da bemühte sich der Koch persönlich zum Tisch. Er schien dann erleichtert, dass es mir geschmeckt hatte. Die Beschreibung der äußerst tränenreichen, herzzerreissenden Abschiedsszenen vor dem Restaurant erspare ich Euch.
Vom Rest der Truppe war Shopping gewünscht, aber das ist ja im Rudel so gar nicht meins. Eigentlich ist Shopping an sich gar nicht meins, es sei denn, es geht um Kunst oder Essbares. Daher besuchte ich das Groeninge-Museum, kam auf dem Weg dorthin erneut an den vier apoplektischen… äh… anorektischen… MOMENT! apostolischen… hab’s gleich… na, an den Reitern halt vorbei!
Im Museum dann flämische Kunst von – ich glaube – 1400 bis heute. Üppiger Eintrittspreis. Das Museum ist ganz schön, es gibt einige wirkliche Meisterwerke, u.a. von Jan van Eyck und Hieronimus Bosch. Es waren sehr viele Besucher da, für Boschs Gemälde „Das jüngste Gericht“ musste ich mich in eine Schlange einreihen und wurde von den Nachfolgenden nach einer Minute Betrachtung schon tadelnd angehüstelt. Ja, Kunst kann Spaß machen, denn ich ignorierte es und das Hüsteln verstärkte sich. Ich ignorierte weiter. Hihi. Es sei noch angemerkt, ich bin ein großer Bosch-Fan, aber ehrlich, der hatte doch auch einen an der Klatsche, oder?
Wir trafen uns für eine Minipause am Hotel, dann ging es auf zu einer Bootsfahrt. Klar, nicht mit dem aus Mülheim, dass habe ich nur wegen des Stabreims geschrieben! 30 Minuten die Grachten rauf und runter. Das ist schon schön, denn die Flussperspektive bietet viele neue Eindrücke. Hinter uns saß eine größere Gruppe sehr lustiger, älterer Damen aus Costa Rica, mit denen plauderte ich kurz, nachdem ich mit einem halben Dutzend Handys Fotos von ihrer Gruppe machen durfte.
Ruth und ich hatten geplant, noch zum Vismarkt zu gehen, weil dort Künstler ihre Bilder ausstellen, allein, wir waren zu spät. Alle weg. Brügge ist weiterhin ziemlich voll, daher verbrachten wir auch etwas Zeit mit der Suche nach unserer Aperitif-Location. Das war dann eine nette Bar mit einheimischem, etwas gesetzterem Publikum und nicht zu laut. Oh, vergessen, hier noch Bootsbilder:
Rückblende: Während wir vor dem Hotel überlegten, wo der nächstgelegene Bootsanleger sein könnte, bogen wir zur Gracht um die Ecke (ich bin eigentlich gar nicht sicher, ob das in Belgien auch Gracht genannt wird…), und Ruth konstatierte, es sei ja mal nett, in Fußweite zur Unterkunft zu speisen. Brügge ist zwar klein, aber man läuft sich dennoch einen Wolf und sieht trotzdem permanent die gleichen Ecken. Wir schauten auf die Karte des ersten Restaurants, waren uns einig und reservierten. 50 Meter weit vom Hotel.
Und dort, im „De Schilderen“, es hingen van-Eyck-Kopien im Gastraum (Bilder im flämischen = schilderen), speisten wir dann zu Abend. Und es war im schönen Teil des Restaurants auch bumsvoll, daher war das mit der Reservierung eine gute Idee. Spezialität des Hauses war flämisches Kaninchen. Das nahmen Ruth und ich. Leutz, die Soße war ein van-Eyck-Gemälde! Köstlich, mit Backpflaumen und Weintrauben, Estragon und Rotwein spielten auch eine Hauptrolle. Wir waren mehr als angetan. Auch das Essen der anderen war appetitlich. Der gute Eindruck wurde lediglich dadurch getrübt, dass wir nach dem Essen noch gemütlich sitzenbleiben wollten, uns aber durch das Eintreffen der Putzkolonne (um 21 Uhr 15!!!) gestört fühlten. Aber so ist das im Randbezirk. Bürgersteige hochklappen, außer bei der Party vor Gerrys Hotel. 🙂
Ich hoffe, es scheint trotz aller Frotzelei durch, dass ich gerade sehr gerne hier bin. Was für ein schönes Städtchen! Und ich spreche für die anderen mit. Wir mögen die Unterkunft, haben am Essen nichts auszusetzen, haben interessante Orte entdeckt… das Wetter war zwar nicht spitzenklasse, aber immerhin gnädig. Eine tolle Reise.
Die morgigen Pläne machen wir ein bisschen vom Wetter abhängig. Klar ist bisher nur, dass wir am Ende des Tages in Königsdorf, Sürth und Poll sein werden. Die schwarze Kapelle, der Michelangelo, noch mehr Pralinen kauf… eh, Monika, nicht hauen!… alles ist möglich. Schaut einfach morgen nochmal rein. Liebe Grüße, Euer
P.S.: Ich muss es loswerden. Der Reiseführer vom Stadtrundgang fragte die Teilnehmer, wie man „French Fries“ von „Belgium Fries“ unterscheiden könne. „?“. Antwort: Wenn sie schmeckten, kämen sie aus Belgien. Es ist so, dass man zu allem Fritten bekommt. Moules&Frites, Muscheln mit Pommes. Flämisches Stew? Fritten. Königinpastete? Fritten! Steak? Fritten. Eiscreme? Fritten!! Selbst zu Pommes Frites gibt es Fritten! Abends öffnete ich meine Tablettendose, es lagen Fritten drin. Ich kann sie nach drei Tagen jetzt leider nicht mehr sehen. Aber es waren oft sehr gute dabei. Und die Mayo und der Senf oft deutlich schmackhafter als bei uns.
P.P.S: Knackfrische Touristen! Vier Studententickets, bitte.
P.P.P.S.: Das auf der Gabel war ein Bitterballen, sehr lecker.
P.P.P.P.S.: Ich kaufte nach der Bootsfahrt noch ein paar Pralinen. Wusste nicht, ob ich schon welche hatte… *fg*
Das Wichtigste wie immer zuerst: Schlaf und Frühstück. Die Nacht war unglaublich laut, gegenüber ist eine Art College, da fand ein Come-together statt, das sich bis vor meine Fenster zog, die einfachverglast sind. Naja, Ohrstöpsel rein, dann ging’s. Das Frühstück war übersichtlich, es ist ja auch mehr eine Pension, aber sehr lecker. Der Gastgeber macht fast alles selbst, so z.B. die Konfitüre (Pflaume-Mango, der Hammer!) und den Joghurt.
Heute war ja der Stadtrundgang mit Guruwalks angesagt, das sind kostenfreie Führungen, die Führer/innen leben vom Trinkgeld. Ich hatte einen bestimmten Tourguide ausgesucht, da dieser die meisten Stationen anbot. Und so sind wir auch einmal gefühlt um den Globus gelaufen. Leider bei deutlich schlechterem Wetter als gestern. Wir sahen den Markt, den Burgplatz, die Liebfrauenkirche, das Gruuthus, den Fischmarkt, die Bonifatius-Brücke und und und. Unser Führer war sehr lustig und verfügte über enorme Geschichtskenntnisse. Für manche Menschen sind solche Führungen ja ein Graus, gerade wegen der vielen historischen Details. Ich liebe sowas ja. Ich lernte, wie die Praline erfunden wurde, dass Philipp der Gute so gut gar nicht war, warum wir heute die schöne Prinzessin Isabella von Portugal gar nicht so schön fänden, dass es eine unterirdische Bier-Pipeline gibt, dass in Brügge das einzige Werk Michelangelo Buonarottis außerhalb Italiens existiert. Und das Wichtigste: Wie erkennt man einen guten Chocolatier? Und vieles mehr! Das Dollarzeichen kommt aus Brügge! Wer ahnte es?
Die Führung endete am Burgplatz, wo in der schwarzen Kapelle das heilige Blut Christi zu bestaunen ist und wirklich alle baulichen Stilrichtungen der letzten 600 Jahre zu bewundern sind: Gotik, Neugotik, Klassizismus, Renaissance, Barock etc.pp. Ich rief Rolf auf dem Handy an und eine Sekunde später sprach er mit mir. Aber live und in Farbe. Wir waren uns unvermutet über den Weg gelaufen. Wir beschlossen, essen zu gehen und wählten am Walplein den „Siebten Himmel“ aus. Ich hatte Muscheln mit Knoblauch und Weißwein. Viel Knoblauch. Sehr viel Knoblauch. Herrlich!
Wir bekamen mit, dass wir nicht weit vom Beginenhof entfernt waren und machten uns dahin auf. Ich mag diese von sehr weltnahen Ordensfrauen gegründeten Höfe, die es überall in Belgien und teils auch in den Niederlanden gibt, sehr. Der in Brügge ist von Grachten umgeben, es stehen kleine Schlösser, Türme und Brücken pittoresk verteilt in der Umgebung herum. Es gibt auch viele Parks. Leute, es ist eine zauberhafte Stadt. Nur teilweise seeeehr voll. Irgendwo in wahrscheinlich Zeebrügge müssen mehrere Kreuzfahrtschiffe angelegt haben. Mit teilweise geschätzt hundert Personen pro Gruppe zogen Dutzende Reiseleiter mit hochgehaltenem Schirm durch die Stadt. Brügge hat eigentlich nur 20.000 Einwohner. Man hat aber das Gefühl, man sei mitten im Karneval in Köln.
Markus, Monika und Ruth – in alphabetical order – meldeten sich, sie waren nach einer etwas stauigen Fahrt und Wartezeiten bei Parkplatz und Unterkunft in der Stadt angekommen. Wir beschlossen, uns vor der Frauenkirche zu treffen, um die Michelangelo-Skulptur zu besichtigen, die eine sehr turbulente Geschichte aufzuweisen hat. Leider wurde der Eingang von einem unnachgiebigen Zerberus bewacht, sie wollte uns wegen eines Konzertaufbaus nicht hineinlassen. „Kommen sie morgen Nachmittag wieder!“. Mal sehen, Teile der Gruppe könnten es schaffen. Rolf und Otto werden ja gegen Mittag aufbrechen müssen.
Wir liefen zum Belfried, den Otto und ich eigentlich zusammen besteigen wollten. Da aber der Rest der Gruppe nicht wirklich motiviert war und zudem unbedingt das Sint-Jans-Hospital besuchen wollte (das ich schon morgens besichtigt hatte), trennten wir uns und ich kraxelte alleine… oh! Nächster freier Slot in 40 Minuten, teilte mir die Ticketverkaufsmaschine mit. Mist. Die anderen waren schon weg. Ich löste das Ticket, lief zum Eingang und setzte meinen „Bemitleidenswerter-alter-Dackel-Blick“ auf. Ob es denn sehr voll sei? Ich würde soooo gerne nicht soooo lange warten müssen. Man ließ mich ein. Ich mag die Security-Leute. Und dann ging es 366 Stufen hoch. Zuerst noch moderat breit und gangbar. Dann wurde es immer schmaler und schmaler. Am Ende musste man sich quasi auf 10cm-tiefen Stufen an einem dicken Strick hochziehen. PUH! Und bei Gegenverkehr wären Kenntnisse des Kamasutra hilfreich gewesen. Man musste sich schon sehr verrenken. Die Aussicht belohnte die Mühen. Und zu sehen, wie die Carillon-Technik oben rattert und funktioniert war auch interessant.
Das Glockenspiel des Belfried spielt normalerweise vorprogrammierte Musik, die von einer riesigen Trommel mit Zapfen, die die entsprechenden Glockenseile in Bewegung setzen, gesteuert wird. Aber es gibt wohl zwei Musiker, die dreimal die Woche das Carillon manuell spielen. Sie richten sich dabei nach aktuellen Ereignissen. 50 Jahre ABBA? Es gibt ABBA. Tina Turner gestorben? Simply the best. James Earl Jones lebt nicht mehr? Startreck! Peter, mein Reiseführer vom Vormittag scherzte, „…und wenn Du dann Deine eigene Musik vom Belfried hörst, ist es Zeit, Dir Sorgen zu machen.“.
Ich turnte wieder hinunter und schaute in eine Pop-Up-Galerie hinein, die in den ehemaligen Wolle-Lagern am Belfried (übrigens auch Belfort genannt) Kunstwerke ausstellte. Ich war besonders von Werken eines Künstlers fasziniert, Eddy van Meulebroeck. Es war der letzte Tag der Ausstellung. Ich war hin- und hergerissen und wollte Rat. Ich lief hinaus und rannte unversehens in unsere kleine Truppe. Ruth sprach mir dann gut zu und ich erstand eines der ausgestellten Wesen. Es ist so reisesicher verpackt, ich kann es nicht zeigen, aber ich hatte vorher Fotos von allen gemacht (mit Erlaubnis natürlich). Einer aus der Gruppe, ich nenne keine Namen :-), fand die Skulptur ein wenig zu gruselig, um sie aufzustellen. Ich würde Eddy gerne mal auf den Brauweiler Kunsttagen sehen und habe ihm geraten, sich dort zu bewerben.
Was glaubt Ihr? Ich habe anhand des Gesichts ausgesucht.
Es hatte schon den ganzen Tag lang ab und zu genieselt, jetzt fing es aber an zu regnen. Sehr ungemütlich! Wir begaben uns in den Pub von gestern, der dieses Mal brechend voll war. Wir konnten uns aber mit Glück einen 6er-Tisch zusammenbasteln und nahmen unsere Aperitife. Dann zogen wir etwas früher als geplant in unser gebuchtes Restaurant um, das Diligence. Postkutsche heißt das. Und da war es wirklich nett, das Essen lecker und der Service prima. Kann man hingehen.
Zwischenzeitlich hat es nicht mehr geregnet, sondern gegossen. Es war dann schon sehr usselig, als wir wieder Richtung Pub liefen, der aber völlig überfüllt war. Wir zogen zu einer anderen Bar. Völlig überfüllt. Zu einer dritten. Völlig… ach so, Ihr erkennt das Muster? Ja gut. Wir landeten schlussendlich in einem der Läden am Markt, der aber nicht sooo fancy war, dass er 12 Euro für ein Bier nahm. Zu einigermaßen zivilen Preisen nahmen wir da unsere Absacker und trennten uns dann. Rolf und Otto werden morgen zu uns frühstücken kommen, das hatte ich mit unserem Gastgeber vorher abgeklärt. Das finde ich schön, da können wir den Tag ruhig angehen lassen und auf besseres Wetter hoffen.
Leute, Leute, es ist ja noch so viel mehr passiert und ich habe ja auch noch so viel mehr erfahren, aber das passt ja alles gar nicht mehr auf diese Seite Pergament. Und morgen geht es auch noch weiter. Herrjeh! Aber dennoch hoffe ich, dass Ihr wieder dabei seid. Liebe Grüße, Euer
Wie ich mich wohl als Ordensfrau machen würde?
P.S.: Die Chocolatiers der Gilde erkennt man an der Kakaobohnenplakette. Und man merkt, dass Halloween vor der Tür steht.
gestern noch habe ich versucht, irgendwo den erwähnten Film „Brügge sehen und sterben…“ zu streamen. Vergeblich. Selbst gegen Bezahlung war das nicht möglich. „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar!“ schrie man mir sogar seitens ausländischer Streaming-Dienste entgegen. Naja. Ist dann halt so.
Für 4 Tage war schnell gepackt und da mit der Bahn unterwegs, musste ich mir auch keine Gedanken über Sicherheitskontrollen machen. So schmuggelte ich schon eine Flasche Wein und eine Flasche Wasser ins Gepäck. Im Büro blieb ich nur 4 Stunden, um dann in den Zug um halb 2 Uhr zu steigen. Erleichtert wurde mir die Arbeit zudem durch ein Glas Sekt, das ein lieber Kollege auf seinen Geburtstag ausgab. Noch einmal herzlichen Glückwunsch, mein lieber Christoph!
An Anreisetagen hat man ja in der Regel nicht so viel zu berichten. Was tun? Na, über die Bahn und Mitreisende schimpfen geht ja immer. Der Zug nach Brüssel war zwar pünktlich, aber gerammelt voll. Eine Dame ohne Reservierung forderte mich auf, mich „dorthin“ zu setzen, sie zeigte auf einen anderen reservierten Sitzplatz, damit sie und ihre Freundin zusammensitzen könnten. Ich bestand darauf, meinen Platz zu behalten, da wurde sie ausfallend. Und natürlich waren alle reservierten Plätze dann belegt. Beide schimpften noch 10 Minuten nach Abfahrt, bis ein anderer Fahrgast sie fragte, ob sie sich selbst mal zuhören würden. Da wechselten sie den Waggon. Ich hatte blöderweise einen Vierertisch-Platz, die anderen drei packten sofort eine Wochenration Stullen aus und, sorry dafür, fraßen wie die Schweine. Was ist bloß mit den Leuten los? Der Zug nach Brügge toppte dann alles. Statt 10 Wagen kamen vier. Das könnt Ihr Euch kaum vorstellen. Gottseidank fand ich einen „Sitzplatz“ auf einer Treppe. Sonst hätte ich wegen Platzmangel Anfälle gekriegt. Aber immerhin war dieser Zug auch fast pünktlich.
In Brügge sprang ich vor dem Bahnhof dann in den Bus (Kreditkarte an den Leser halten auch hier!) und kurvte durch die Altstadt bis zu meiner Unterkunft. Meine Bleibe ist privat geführt und der Betreiber schrieb mich schon vorgestern an, er erwarte mich bis 15 Uhr. Ich schrieb zurück, dass ich dies nicht schaffe. Er war dann aber auch um 17 Uhr vor Ort. Er spricht ausgezeichnet deutsch, erklärte mir alles, fragte meine Frühstückszeit ab und brachte mich ins „blaue Zimmer“. Leute, das ist wie Königin Geraldines Separée, antike Möbel, groß, ein wenig – seien wir mal freundlich – vom Leben gezeichnet, aber total charmant. Einzig die hochweißlackierten IKEA-Nachttische fügen sich nicht glücklich in den Gesamteindruck. Aber das ist jetzt Jammern auf sehr hohem Niveau.
Ich wusch mir den Wüstenstaub von der Reise aus dem Gesicht, packte meinen City-Rucksack und erkundigte mich nach dem Verbleib meiner beiden Freunde. Wir trafen uns bei deren Hotel um die Ecke in Joey’s Bar auf einer kleinen Terrasse in einem ruhigen Hinterhof. Sehr netter Kellner, sehr kühles Hoegarden und Stella Artois. Ein guter Auftakt. Mein Gemach liegt an dem anderen Ende der Altstadt und auf dem Weg zum Bier konnte ich schon einiges von Brügge sehen. Leute. Das ist wunderschön hier! Ich war ja schon in Brügge, konnte mich aber kaum, ja, fast eher gar nicht an all das erinnern. Der Marktplatz, der Belfried, die Gassen, die manchmal schiefen und manchmal zinnenbewehrten Giebelhäuser. ENTZÜCKEND!
Nach der Stärkung wollten natürlich auch die beiden anderen etwas von der Stadt sehen, sie waren erst eine Dreiviertelstunde vor mir in ihrem Hotel angekommen. Wir beschränkten uns aufs Altstadtzentrum und suchten uns auch schnell ein Restaurant aus, direkt am Marktplatz und entsprechend (vor allem bei den Getränken) etwas hochpreisiger. Ich meine, ich erwähnte schon auf meinem Trip mit Elke nach Antwerpen, dass Belgien bei Essen und Trinken preislich in der Oberliga mitspielt. Aber das Essen war sehr gut und der Blick war dann auch ein 12-Euro-Bier und einen 22-Euro-Rosé wert.
Wir streunten im Anschluss noch um den Block und gerieten in ein Musikcorps, das auf einem kleineren Platz ein Ständchen gab. Die etwa 20 jungen Blech- und Holzbläser/innen gaben alles. Von „Anton aus Tirol“ über Abba und Gospels. Nicht immer tonal gefestigt, aber mit einer unglaublichen Spielfreude! Das war toll!
Wir beschlossen den Abend in einer laut Google LGBTQIA+-freundlichen Bar (ich muss mal – als Schwulette – fragen, ob dieser Buchstabenbandwurm wirklich not tut), hatten einen leckeren Rosé aus Südafrika und trennten uns um 23 Uhr. Jetzt sitze ich auf einem durchgesessenen Stuhl aus dem 18. Jahrhundert vor einem englischen Sekretär, den ich auf 1880 schätze und freue mich, dass ich hier bin. Sooo schön!
Für morgen habe ich mir einen Stadtrundgang gebucht, der die anderen nicht so interessiert hat. Ich habe ein spätes Frühstück, dass aber nicht sooo spät ist, dass man mir ein dekadentes Lotterleben unterstellen könnte, und werde mir dann zwei Stunden von einem Einheimischen die Geheimnisse der Stadt näherbringen lassen. Danach werden wir wohl wieder zusammenfinden.
Meine Reisebegleiter heute wollen nicht bildlich im Blog erscheinen, aber ich versichere Euch, es sind nicht meine imaginären Freunde von früher, aus der Anstalt 🙂 Morgen kommen dann noch drei Personen dazu und dann geht hier die Post ab. Naja, das Pöstchen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das Pöstchenchen.
Habe ich es schon geschafft, Euer Interesse zu wecken? Dann guckt doch bitte morgen wieder rein! Liebe Grüße, Euer