Brügge 2025, Tag 1: Brügge sehen und toll finden…

Ihr Lieben,

gestern noch habe ich versucht, irgendwo den erwähnten Film „Brügge sehen und sterben…“ zu streamen. Vergeblich. Selbst gegen Bezahlung war das nicht möglich. „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar!“ schrie man mir sogar seitens ausländischer Streaming-Dienste entgegen. Naja. Ist dann halt so.

Für 4 Tage war schnell gepackt und da mit der Bahn unterwegs, musste ich mir auch keine Gedanken über Sicherheitskontrollen machen. So schmuggelte ich schon eine Flasche Wein und eine Flasche Wasser ins Gepäck. Im Büro blieb ich nur 4 Stunden, um dann in den Zug um halb 2 Uhr zu steigen. Erleichtert wurde mir die Arbeit zudem durch ein Glas Sekt, das ein lieber Kollege auf seinen Geburtstag ausgab. Noch einmal herzlichen Glückwunsch, mein lieber Christoph!

An Anreisetagen hat man ja in der Regel nicht so viel zu berichten. Was tun? Na, über die Bahn und Mitreisende schimpfen geht ja immer. Der Zug nach Brüssel war zwar pünktlich, aber gerammelt voll. Eine Dame ohne Reservierung forderte mich auf, mich „dorthin“ zu setzen, sie zeigte auf einen anderen reservierten Sitzplatz, damit sie und ihre Freundin zusammensitzen könnten. Ich bestand darauf, meinen Platz zu behalten, da wurde sie ausfallend. Und natürlich waren alle reservierten Plätze dann belegt. Beide schimpften noch 10 Minuten nach Abfahrt, bis ein anderer Fahrgast sie fragte, ob sie sich selbst mal zuhören würden. Da wechselten sie den Waggon. Ich hatte blöderweise einen Vierertisch-Platz, die anderen drei packten sofort eine Wochenration Stullen aus und, sorry dafür, fraßen wie die Schweine. Was ist bloß mit den Leuten los? Der Zug nach Brügge toppte dann alles. Statt 10 Wagen kamen vier. Das könnt Ihr Euch kaum vorstellen. Gottseidank fand ich einen „Sitzplatz“ auf einer Treppe. Sonst hätte ich wegen Platzmangel Anfälle gekriegt. Aber immerhin war dieser Zug auch fast pünktlich.

In Brügge sprang ich vor dem Bahnhof dann in den Bus (Kreditkarte an den Leser halten auch hier!) und kurvte durch die Altstadt bis zu meiner Unterkunft. Meine Bleibe ist privat geführt und der Betreiber schrieb mich schon vorgestern an, er erwarte mich bis 15 Uhr. Ich schrieb zurück, dass ich dies nicht schaffe. Er war dann aber auch um 17 Uhr vor Ort. Er spricht ausgezeichnet deutsch, erklärte mir alles, fragte meine Frühstückszeit ab und brachte mich ins „blaue Zimmer“. Leute, das ist wie Königin Geraldines Separée, antike Möbel, groß, ein wenig – seien wir mal freundlich – vom Leben gezeichnet, aber total charmant. Einzig die hochweißlackierten IKEA-Nachttische fügen sich nicht glücklich in den Gesamteindruck. Aber das ist jetzt Jammern auf sehr hohem Niveau.

Ich wusch mir den Wüstenstaub von der Reise aus dem Gesicht, packte meinen City-Rucksack und erkundigte mich nach dem Verbleib meiner beiden Freunde. Wir trafen uns bei deren Hotel um die Ecke in Joey’s Bar auf einer kleinen Terrasse in einem ruhigen Hinterhof. Sehr netter Kellner, sehr kühles Hoegarden und Stella Artois. Ein guter Auftakt. Mein Gemach liegt an dem anderen Ende der Altstadt und auf dem Weg zum Bier konnte ich schon einiges von Brügge sehen. Leute. Das ist wunderschön hier! Ich war ja schon in Brügge, konnte mich aber kaum, ja, fast eher gar nicht an all das erinnern. Der Marktplatz, der Belfried, die Gassen, die manchmal schiefen und manchmal zinnenbewehrten Giebelhäuser. ENTZÜCKEND!

Nach der Stärkung wollten natürlich auch die beiden anderen etwas von der Stadt sehen, sie waren erst eine Dreiviertelstunde vor mir in ihrem Hotel angekommen. Wir beschränkten uns aufs Altstadtzentrum und suchten uns auch schnell ein Restaurant aus, direkt am Marktplatz und entsprechend (vor allem bei den Getränken) etwas hochpreisiger. Ich meine, ich erwähnte schon auf meinem Trip mit Elke nach Antwerpen, dass Belgien bei Essen und Trinken preislich in der Oberliga mitspielt. Aber das Essen war sehr gut und der Blick war dann auch ein 12-Euro-Bier und einen 22-Euro-Rosé wert.

Wir streunten im Anschluss noch um den Block und gerieten in ein Musikcorps, das auf einem kleineren Platz ein Ständchen gab. Die etwa 20 jungen Blech- und Holzbläser/innen gaben alles. Von „Anton aus Tirol“ über Abba und Gospels. Nicht immer tonal gefestigt, aber mit einer unglaublichen Spielfreude! Das war toll!

Wir beschlossen den Abend in einer laut Google LGBTQIA+-freundlichen Bar (ich muss mal – als Schwulette – fragen, ob dieser Buchstabenbandwurm wirklich not tut), hatten einen leckeren Rosé aus Südafrika und trennten uns um 23 Uhr. Jetzt sitze ich auf einem durchgesessenen Stuhl aus dem 18. Jahrhundert vor einem englischen Sekretär, den ich auf 1880 schätze und freue mich, dass ich hier bin. Sooo schön!

Für morgen habe ich mir einen Stadtrundgang gebucht, der die anderen nicht so interessiert hat. Ich habe ein spätes Frühstück, dass aber nicht sooo spät ist, dass man mir ein dekadentes Lotterleben unterstellen könnte, und werde mir dann zwei Stunden von einem Einheimischen die Geheimnisse der Stadt näherbringen lassen. Danach werden wir wohl wieder zusammenfinden.

Meine Reisebegleiter heute wollen nicht bildlich im Blog erscheinen, aber ich versichere Euch, es sind nicht meine imaginären Freunde von früher, aus der Anstalt 🙂 Morgen kommen dann noch drei Personen dazu und dann geht hier die Post ab. Naja, das Pöstchen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das Pöstchenchen.

Habe ich es schon geschafft, Euer Interesse zu wecken? Dann guckt doch bitte morgen wieder rein! Liebe Grüße, Euer

Mein Gott, so gucken Sie doch einmal normal!

Brügge 2025: Der Prolog

Ihr Lieben!

Wo ich dieses Jahr schon überall war! Barcelona, Berlin, Balkan, Bukarest, im Badischen, Bulgarien, Bonn, Bosnien. Logischerweise geht es daher diesmal nach Brügge in Belgien! Wie kommt es dazu? Meine inzwischen quasi aufgelöste Doppelkopfrunde Nr. 1, die aber in Freundschaften und Kulturtruppe weiterbesteht, hatte schon (mit Partnern) 2019 eine Reise nach Brügge gebucht, die dann aus coronaren Reiseverbotsgründen 2020 nicht angetreten werden konnte. Gottseidank war die Vermieterin der Villa kulant und erstattete die nicht unerhebliche Anzahlung. Noch lange hieß unsere WhatsApp-Gruppe „Wir fahr’n nach Brügge!“ oder so ähnlich. Wir hießen dann ja zwischenzeitlich auch immer wieder anders, z.B. „Merhaba, Ägypten!„, und jetzt sind wir bei Signal und heißen „BAKK-QSKG“. Wer wissen möchte, was das bedeutet, muss 100 Euro in die Vereinskasse zahlen! Denn wir planen weitere Reisen, die wollen ja finanziert sein.

Auf einen Vorschlag im Frühjahr hin, Brügge endlich mal Gestalt annehmen zu lassen, fanden wir überraschend schnell einen gemeinsamen Termin über den Tag der Deutschen Einheit. Wir werden fast alle von Donnerstag bis Sonntag dort sein, aber in unterschiedlichen Konstellationen. Ich werde als einziger drei Nächte bleiben, die anderen jeweils zwei. Alle zusammen sind wir am Freitagabend, da haben wir auch schon einen Tisch reserviert. Da nicht alle mitreisen, sind wir zwar nur zu sechst, aber spontan einen Tisch für sechs an einem Wochenende zu finden…

Die Unterkünfte haben wir einigermaßen zeitig gebucht, dennoch sind wir in verschiedenen Hotels untergebracht. Es ist eben eine sehr touristische Stadt. Dazu der deutsche Feiertag… Die Übernachtungskosten sind entsprechend hoch, haben sich aber seit meiner Buchung z.B. inzwischen verdreifacht. Unglaublich!

Ich war früher schon in Brügge/Brugge/Bruges. Meine Eltern hatten De Haan für sich als Wohlfühlort entdeckt, zeitweilig war ich in deren Urlauben auch dort. Da gehörte ein Ausflug nach Brügge zur Pflicht. Mein letzter Besuch ist allerdings ewig her. Ich erinnere mich noch an die Schokoladenläden, in denen es zu wuchtigen Preisen Köstlichkeiten sondergleichen gab. Ich habe noch die Kanäle vor Augen, den Beginenhof, die Moules&Frites, den berühmten Belfried. Letzterer darf übrigens bis heute nicht durch andere Bauwerke überragt werden. Dieser Glockenturm spielt eine zentrale Rolle in dem sehr skurrilen Film „Brügge sehen… und sterben“. Ich weiß übrigens bis heute – nach dreimaliger Sicht des Films – nicht, was ich von ihm halten soll. Aber immerhin preist das Lexikon des internationalen Films Brügge als grandiosen Schauplatz.

Ja, also, morgen werde ich mich nach der Arbeit in die Bahn setzen und über Brüssel nach Brügge reisen. Donnerstagabend gibt es dann vielleicht den ersten Bericht. Da wir aber an dem Tag als quasi niederländisch-spanisch-deutsches Trio ausgehen, kann ich dafür jetzt nicht garantieren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr wieder alle mitreist. Und wenn Ihr mal hier nichts lesen könnt, liegt es eher an technischen (oder oben geschilderten) Problemen, als dass ich einem Ruf folgend als Begine den Rest meines Lebens in Keuschheit und … äh… also, technische Probleme halt. Herrjeh!

Ich freue mich auf Euch in Brügge! Euer

P.S.: Man sieht an der Qualität des Vorschaubildes, wie lange meine letzte Reise dorthin her ist. Es muss so zur Zeit von Kaiserin Theophanu gewesen sein.

P.P.S.: Hier noch ein Bild, dass ich bei der Fotorecherche gefunden habe. Da sitze ich 2006 in de Haan mit Idgie und Gwenny auf dem Schoß im Wohnzimmer des Ferienhauses. Die beiden Süßen!!! Da habe ich noch geraucht. Puh!

Feigen-Chutney

Ihr Lieben!

Vor ein paar Tagen waren für einen Spottpreis große, saftige Feigen im Supermarkt erhältlich, die fand ich so lecker, dass ich mir eine ganze Stiege gekauft habe. Zuhause musste ich dann feststellen, dass mit mir was durchgegangen war. Wer sollte die wann alle essen??? Ich putzte und halbierte sie und fror sie ein.

Heute hatte ich mal wenig zu tun, da holte ich sie aus dem Froster wieder raus, um Chutney daraus zu machen. Und das kam auch noch alles rein:

Gewürze: Salz, Pfeffer, Zimt, Curry, Cumin, Rohrzucker (100g). Essig: weißer Balsamico (100 ml). Feigengewicht: 1 kg.

Die Cumin-Samen habe ich bewusst separiert, weil diese noch in einer trockenen Pfanne angeröstet und dann gemörsert werden. Der Ingwer wird gerieben, Zwiebel, Knoblauch und Chili fein gerieben. Für feuriges Chutney belässt man die Kerne der Schote dabei.

Ich habe mich für eine Zubereitung in meinem treuen Auguste entschieden, aber man kann es natürlich auch im Kochtopf machen. Dann muss man halt selbst umrühren. Ich briet Zwiebeln, Knoblauch und Chili in etwas Rapsöl an, fügte die Gewürze und den Ingwer hinzu und briet noch einmal kurz durch. Abgelöscht habe ich dann mit dem Saft einer kleinen Orange sowie einer kleinen Limette. Zucker, Essig und Feigen kamen in den Topf, alles wurde sehr kurz durchpüriert. Dann auch Kochstufe mit Umrühren Stufe 1 bei 100°C für 40 Minuten kochen. Ich habe während des Kochvorgangs noch ein Schnapsglas kubanischen Rum hinzugefügt.

Alles in heiß ausgespülte Gläser füllen, sofort verschließen und auf den Kopf stellen (damit der Deckel heiß wird). Nach ein paar Minuten kann man die Gläser dann wieder richtig herum stellen. Das Chutney sollte sich dunkel und kühl gelagert mindestens ein Jahr halten.

Dürüm-Torte

Ihr Lieben,

eigentlich hätte ich heute zu Elke fahren sollen, aber ich hatte gestern dreieinhalb Stunden auf dem Zahnarztstuhl verbracht und war daher sehr froh, dass die beste Gattin von allen vorausschauend schon Mittwoch anbot, stattdessen hierher zu kommen; ich wisse ja am Besten, wie das nach dem Eingriff mit Essen so wäre. Ich nahm dankend an.

Es musste etwas sein, dass nicht zu sehr mit Abbeißen und wildem Kauen verbunden wäre. Ich dachte an Lasagne, aber die gibt es ja nun weißgott oft genug. Aber wie wäre es, wenn man statt der Nudeln Tortilla nähme? Und das Hackfleisch mit viel Gemüse durchmischte? Und das in einer Springform, quasi als Torte machte?

Ich bin kein großer Fan von Supermarkt-Tortilla, daher entschied ich mich, 25cm-Dürüm-Fladen zu kaufen. Die passen hervorragend in meine 26cm-Springform. Die Hackfleischmasse bereitete ich in einem Kochtopf zu (750 Gramm Rinder-Lamm gemischt), zusammen mit (alles gewürfelt oder kleingehackt) zwei Zwiebeln, einer Zucchini, zwei Tomaten, einem kleinen Bund Petersilie, einer gelben und einer halben grünen Paprika sowie vier Knoblauchzehen. Alles in Olivenöl angebraten und mit Salz, Pfeffer, Chili, Oregano und Paprika gewürzt und mit einer Packung passierter Tomaten verlängert.

Erste Schicht, noch ohne Käse.

Den Boden der Springform legte ich mit Backpapier aus, darauf einen Dürüm. Dann dünn abgetropfte Hackfleischmasse und eine Handvoll geriebenen Edamer. Darauf einen Dürüm usw. 5 Schichten ergab das, die letzte bildet ein Dürüm, der noch einmal mit Käse bestreut wird. Ab in den Ofen und bei 180°C 30 Minuten backen.

Fünfter Dürüm, ohne Hackfleisch, nur mit Käse.

Das bitte alles am Vortag. Viele Aufläufe wie Lasagne, Moussaka, Pasticcio bleiben erst nach Wiederaufbacken in Form, so, dass man sie schneiden kann, am Tag der Zubereitung zerlaufen sie auf dem Teller. Abgesehen davon hat man dann am Tag des Besuchs viel weniger Stress. Wenn der dann da ist, einfach noch einmal gut aufwärmen. Am besten abgedeckt, damit der Käse nicht anbrennt. 45 Minuten müssen das aber schon sein, sonst ist die Torte innen nur lauwarm.

Auch am Vorabend verrührte ich einen 500gr-Becher stichfesten 10%-Joghurt mit einem weiteren kleinen Bund gehackter Petersilie, 3 Knoblauchzehen, Salz, Pfeffer, etwas Zucker und zwei Spritzern Olivenöl. Der wurde zu der Dürüm-Torte gereicht. Dazu ein mit Vinaigrette angemachter Blattsalat mit Tomaten, Zucchini und Zwiebeln.

Elke hat es geschmeckt, mir auch. Und mit dem Gebiss ist auch alles gut gegangen!

P.S.: Einer der letzten Sommertage, wir haben auf dem Balkon gegessen.

P.P.S.: Ganz in Weiß… als hätten wir uns abgesprochen.

Balkan 2025 (Tag 17): …und Abflug

Ihr Lieben!

Das war schon irgendwie eine ganze Menge Eindrücke. Aber interessant bis schön war es!

Zum Flughafen kam ich mittels vorbestelltem Taxi, für die Fahrt muss man schon mindestens 45 Minuten einplanen, es ist viel Verkehr in Pristina. Der Taxifahrer wollte ein bisschen politisieren, ich war da nicht konzentriert genug für und schweifte immer auf Smalltalk ab. Wann ich denn wiederkäme? Dann aber für mindestens 10 Tage! Puh. 15 Euro Festpreis übrigens.

Resümee. Ich würde nur wenig anders machen. Z.B. vielleicht Ohrid und Prisren mit Übernachtung(en) einplanen.

Hier einmal eine Übersicht über meine Reise und die Kosten:

Vor Ort habe ich für alles (Essen, Einkäufe, Eintritte, Steuern, Fahrten, Souvenirs) noch einmal ca. 800 Euro ausgegeben. Klingt teuer, aber inzwischen zahlt man das ja auch fast für zwei Wochen Kanaren.

Die Hotels waren alle in Ordnung bis sehr gut. Datenvolumina habe ich mir über die Airalo-App gekauft. In der Regel 5 bis 8 Euro für eine Woche mit je 1 GB.

Geld, ich erwähnte es, lieber in kleinen Beträgen und nicht am Flughafen wechseln. Vielfach werden Karten akzeptiert. Blöd, wenn man sofort Bus- oder Taxigeld braucht. Man kann aber vorher schon Nahverkehrs- und Taxi-Apps installieren. Uber ist auf dem Balkan kaum vertreten.

Sehr hilfreich ist bei solchen Reisen eine Währungsumrechnungs-App. Auch sollte man sich Offline-Karten aller besuchten Gebiete herunterladen. Die Netzabdeckung ist zwar i.d.R. gut, aber es gibt Lücken und dann steht man da.

Aber wem erzähle ich das alles? Ich weiß von vielen, dass sie selbst ganz ausgebuffte Reisende sind.

So, ich bin zuhause, müde und daher auch ein bisschen schreibfaul. Daher sage ich mal Danke! fürs Mitreisen! Ich hoffe, Ihr hattet etwas Spaß am Miterleben. Wir sehen uns dann Anfang Oktober für ein langes Wochenende in Brügge wieder, wenn Ihr mögt.

Ganz viele liebe Grüße, Euer

Ja, ichhabsenichmehralle

Balkan 2025 (Tag 16): Trödeltag oder wie Gerry einfach mal rumtrö… äh…

Ihr Lieben!

Die klösterliche Pflaume konnte ich gestern Abend nicht auftrinken, die hat mir fast die Speiseröhre verätzt. Fühlte sich nach 98 Umdrehungen an, fand aber keinen Hinweis auf dem Fläschchen. Die Nacht war anfangs sehr laut. Man fährt hier als junger Spund bevorzugt hochmotorisiert und liefert sich ganz offensichtlich gerne Rennen. Da wollte wohl jemand, dass ich mich wie zuhause fühle.

Die kulturelle Hauptstadt (was auch immer das bedeuten mag) des Kosovo ist lt. Lonely-Planet-Reiseführer Prizren. Ich überlegte ja schon gestern, dann mal dort hinzufahren. Aber meine Recherchen beim Frühstück ergaben, dass ich dort eine Festung, eine serbisch-orthodoxe Kirche und eine Moschee vorfinden würde. Und dafür sechs Stunden im Bus sitzen bzw. darauf warten? Och nö… Dann doch nicht.

Ich beschloss, heute einfach mal einen auf ganz gemütlich zu machen. Ich hatte hier noch keinen Markt besucht, das machte ich dann als erstes heute. Hier ein paar Impressionen (man achte auf die Trauben aus meiner Geburtsstadt!):

Die Gegend war dann auch ganz interessant. Viele Cafés, in denen nur Männer abhingen (ohne Gay Pride Flagge), Barbershops (ich war fast versucht), eine Brautmodenstraße, unglaublich viele Juweliere. Kitsch wird hier hoch angesehen. Man kann preiswert Klamotten kaufen, aber über die Qualität kann ich natürlich nichts sagen. Apropos: Mein weißes Original-Armani-Shirt habe ich schon mit einer Tomatenscheibe veredelt. Mist. Ich weiß schon, warum ich grundsätzlich keine weißen Oberteile mag.

Es sollte einen archäologischen Park geben. Naja, da war irgendwas, aber das war geschlossen. Ich schlenderte stattdessen zum Stadtpark, in dem ich zu meiner großen Freude ein entzückendes Gartencafé vorfand. Ich bestellte einen Macchiato und plauderte mit dem Inhaber des kleinen Verkaufshäuschens. Auf deutsch natürlich. Es ist wirklich erstaunlich, wie verbreitet das hier ist. Vielleicht sollte ich hier als Lehrer arbeiten, wenn ich in Rente bin.

Auch an Schlendrian-Tagen vergeht die Zeit, Nickerchen im Hotel war angesagt. Danach zur Soma Book Station. Laut Reiseführer der angesagteste Ausgehspot Pristinas. Schon etwas besonderes, aber nicht besonders voll. Touristen sind halt noch sehr rar. Der Aperol-Spritz ist dafür aber hochpreisig und mit ca. 20 Eiswürfeln gestreckt.

Ich wanderte noch einmal den Mutter-Theresa-Boulevard rauf und runter, ließ mir Parfüm in einem Laden mischen, Note „Orientalische Nächte“ mit etwas Himbeere im Abgang, und begab mich frisch eingedieselt zu meiner Bierterrasse des ersten Tages. Ich war diesmal der einzige Gast. Während ich da so saß, kamen ein paar seltsam gewandete Männer an mir vorbei. Was das wohl wieder zu bedeuten hatte!? Überhaupt ist es die perfekte Glotz-Location.

Bevor ich essen gehe, noch etwas Plauderei. In den 70er Jahren war ein Rotwein namens Amselfelder sehr beliebt. War jetzt nicht der Brüller, sehr „lieblich“. Aber ging weg wie warme Semmeln. Ja, und dieses Amselfeld liegt bei Pristina. Der Wein kam allerdings von etwas weiter weg. Der Name Kosovo leitet sich möglicherweise von der Amsel ab, da gibt es einen populären Mythos zur Schlacht auf dem Amselfeld, Ende des 14. Jahrhunderts. Getötete Kämpfer der serbischen Streitmacht hätten sich in Amseln verwandelt. Ob’s stimmt? Naja, ich war nicht dabei. So, Bildungsauftrag für heute beendet.

Um die Ecke gibt es ein albanisches Restaurant, Albanezi, im Netz höchstgelobt. Da ließ ich mir Rippchen empfehlen und Wein aus der Gegend. Nein, war keine rote Plörre vom Schlachtfeld… Sehr leckerer Weißer. Der Kellner, Ihr ahnt es schon… Familie in Dortmund, Magdeburg und Stuttgart. Aber wir sprachen dann doch englisch, weil sein Deutsch noch in Kinderschuhen steckte. War sehr lecker, das Essen.

Es ging ans Packen. Ich lebte nun schon 16 Tage aus dem Koffer. Entsprechend musste ich mal aufräumen. Wo wohnen eigentlich die Hempels jetzt? Danach noch ein paar Bilder hier hochladen und dann zum Abschied leise Servus schluchzen. Naja, war schon bisserl anstrengend, daher ist jetzt auch gut. Freue mich auf meine vier Wände.

Morgen gibt es noch ein Resümee mit ein paar Tipps, falls Ihr auch mal über den Balkan lustwandeln wollt.

Gute Nacht, wir sehen uns in Deutschland! Euer

P.S.: Der Klosterwein ist grauenvoller Essig! Ich musste gerade noch mal in den Supermarkt!

Balkan 2025 (Tag 15): Klosterleben oder wie Gerry quasi wieder in Serbien war

Ihr Lieben!

Mein Hotel hat eine Frühstückskarte, so wie das in Belgrad. Tja. Wie J.W.G. schon klagte: „Zwei Frühstückseier köcheln, ach!, in meiner Brust!“. Einerseits wird einem alles gebracht, aber man hat dann eben nicht von allem etwas. Aber es war ein sehr liebevoll geschlagenes Omelette/Rührei. Das Ayvar war superscharf und superklasse! Da der Kaffee auch einzeln für jeden Frühstücksgast gebrüht wurde, schaute der Kellner etwas gequält bei meinem dritten.

Ich versuchte, mich mit dem Nahverkehr in Pristina auseinanderzusetzen, darüber vergingen drei Jahre. Aber immerhin bin ich jetzt schlauer als Google Maps. Pristina hat jetzt nicht so viel für Touristen an Programm zu bieten, da beschloss ich, nach Graçanicë zu fahren. Dort gibt es ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert. Ich fuhr mit der Linie 7 (Jaha, Maps, so geht das! Dä!) wieder nah an den Busbahnhof, lief noch den einen Kilometer und erkundigte mich nach einer passenden Abfahrt. Ich musste zwar 30 Minuten warten, aber kam dann bequem für einen (!) Euro in das 10 Kilometer entfernte Örtchen. Am Busbahnhof sprach mich ein junger Mann auf albanisch an. Ich erwiderte auf englisch, ich könne ihn leider nicht verstehen. Ob ich Amerikaner sei? No, I am German. Da plapperte der in sehr gutem Deutsch los, wie es mir gehe, ob es mir im Kosovo gefalle, was ich denn hier mache? Und schüttelte mir vehement die Hand und wünschte mir einen schönen Urlaub. Toll!

In Graçanicë fühlte ich mich nach Serbien zurückversetzt. Als erstes stolperte ich über eine Gruppe serbischer Soldaten. Häh? Oder waren die nur verkleidet? Überall war serbisch geflaggt, was insbesondere merkwürdig anmutet, weil nur eine einzige einsame kosovarische Flagge, die am Polizeigebäude, zu sehen war. Auf einem Schulgelände (siehe auch weiter unten) gibt es eine Gedenktafel zweier getöteter Geschwister, „Opfer der NATO-Agressoren“. Man kann in Denar zahlen und man spricht und schreibt serbisch. Ihr könnt ja sagen, was Ihr wollt, aber hier brodelt es immer noch mehr als gewaltig. Die Bevölkerungsstruktur lt. Wikipedia ist quasi ein Patt zwischen Albanern und Serben. Die Roma und Ashkali haben zahlenmäßig nix zu melden. Die Stadtverwaltung will aber scheinbar heim ins Reich. Der Bürgermeister gehört zur serbischen Volksgruppe.

Das Kloster ist ummauert, man tritt durch eine kleine Pforte, wo -sorry – aggressive Bettlerinnen Spalier stehen. Dahinter eine wirklich schöne Anlage, in deren Zentrum eine prächtige Kirche steht. Ein kleiner Brunnen, ein kleiner Friedhof, Nebengebäude. Man darf nicht alles ansehen und vor allem darf man in der Kirche, die wegen ihrer einzigartigen Fresken berühmt ist, nicht fotografieren. Ihr werdet mir wahrscheinlich nicht glauben, aber ich platzte in eine Taufe (Ich kann doch auch nichts dafür!). Aber immerhin gibt es noch etwas anderes zwischen Heirat und Begräbnis. Und da die ganze Festgemeinschaft drauflosknipste, fiel ich nicht weiter auf, als ich auch fröhlich Mazeltov rufend Bilder machte. Nein, habe ich natürlich nicht gerufen. Leute!

Es gibt, wie Ihr seht, ein paar sehr… äh… interessante Fresken zu entdecken. In einem kleinen Spezialitätenshop erwarb ich eine Flasche Kloster-Rosé sowie ein Minifläschchen Kloster-Pflaumenbrand. Einen heiligen Geist sozusagen. Das Kloster ist übrigens im palaiologischen Renaissance-Stil errichtet. Falls Ihr das mal bei Günter Jauch benötigt. Aber sicher wusstet Ihr das schon.

Die Bushaltestelle für die Rückfahrt ist an der kleinen Touristeninformation, die aber geschlossen hatte. Die Internetseite Gjirafa informiert zuverlässig über Überlandfahrten und teilte mir mit, ich müsse hier noch 40 Minuten warten. Die Zeit nutzte ich, um das „Mosaik der Königin“ und das „Irgendwas des Königs“ zu suchen. Schilder wiesen darauf hin, dass diese Attraktionen quasi um die Ecke seien. Ich fand kein Mosaik, dafür aber auf dem Gelände der örtlichen Schule die Statue von Stefan Milutin, dem Stifter des Klosters und ein bedeutender Fürst seiner Zeit. Ach, unseren alten Freund Tesla habe ich auch wiedergesehen. Der steht in einem Mini-Park mit Minikapelle und Gedenkstein an den ersten Weltkrieg.

Obwohl der Bus aus Gjilan kam, war er auf die Minute pünktlich. Ich lief vom Busbahnhof in Pristina zu meiner vertrauten Haltestelle und setzte mich. Und wartete. Es kam die Linie 3a. Es kam die Linie 6. Es kam die Linie 1. Es kam die olympische Staffellaufmannschaft des Kosovo. Es kam das Fliwatüt. Nur die Linien 7 oder 7a, die ich gebraucht hätte kamen nicht. Und ich musste immer dringender. Ich mache es kurz, nach etwa 50 Minuten war ich im Hotel, unglücksfrei. Puh! Das war alles etwas stressig und so musste ich erst einmal ein Stündchen Siesta machen.

Pristina war gefühlt ja irgendwie fast abgegrast. Ich lief zum Madeleine-Albright-Denkmal am gleichnamigen Platz. Sie war unglaublich engagiert im Balkankonflikt, sie war gebürtige Tschechin. Nebenbei, auch Clinton hat eine Statue und einen Boulevard hier. „Newborn“ ist ein großer Schriftzug, der an ein Zitat von Albright erinnert, „Let us pledge that in Kosovo there will be a new birth of freedom, based on tolerance, law and respect for every human life.“, er steht vor dem Jugendsportzentrum. Gegenüber eine Installation aus mehr als 20.000 Medaillen, die an das Leid geschändeter, getöteter Frauen im Kosovo-Konflikt erinnert. Ein trauriges und wütend machendes Denkmal.

Natürlich gibt es auch hier eine Nationalgalerie, da bin ich anschließend hin. Sie ist leider wegen Bauarbeiten auf dem Gelände bis auf Weiteres geschlossen. In dem Bezirk buhlen aber auch auf kleinem Raum drei Moscheen um die Gläubigen. Die größte davon ist die Sultan-Mehmed-al-Fatih-Moschee, die besuchte ich dann auch von innen. Wieder sehr schlicht. Aber sehr nett angelegt, mit Brunnen und Teestube draußen.

Es war nun tatsächlich schon sehr spät und ich musste mal an Abendessen denken. Vorher nahm ich einen Aperitif auf der Dachterrasse des Sirius-Hotels. Den Signature-Cocktail. War lecker. Wäre ja auch doof, wenn ausgerechnet der Haus-Cocktail nicht schmeckt. Sonnenuntergang inklusive. Ich lief in die kleine Fressgasse, sucht mir ein Wine&Dine aus. Ich bestellte Weißwein. Haben wir nicht. Darf es ein roter sein? Hallo? Wine&Dine? Ich ging drei Häuser zurück, ich hatte im Hinterkopf, dass das Pishat ganz gute Bewertungen hatte. Man sitzt sehr nett dort. Ich bekam Weißwein, Salat, Brot und ein albanisches Gericht namens Tavë Elbasani, Fleisch und Pilze in einer gestockten Eier-Joghurt-Masse. Fand ich gut, hätte schärfer und mit mehr Knoblauch sein können. Der Kellner wollte wissen, woher ich komme und listete nach Preisgabe ein Dutzend norddeutsche Städte auf. Kiel gut! war sein Fazit. Jo, da kann man ja unterschiedlicher Auffassung sein. Der Cognac aufs Haus war samt und seidig. Mit 21 Euro war ich dabei.

Nun ist wieder Hotelzeit. Das Schöne in meinem Alter ist ja, dass der Arzt mir Tanzen verboten hat und ich daher nach 21 Uhr nicht mehr ausgehen darf. Der liest übrigens wahrscheinlich nicht mit.

Heute Abend hat es sich ganz schön zugezogen. Morgen ist mein letzter Tag, denn am Dienstag werde ich nur noch mit der Heimreise beschäftigt sein. Hm, was tun? Die kulturelle Hauptstadt des Kosovo soll ja Prizren sein. Leider nicht um die Ecke. Soll ich?

Habt einen schönen Restsonntag! Euer

Balkan 2025 (Tag 14): Pristina oder wie Gerry fast in einer Busschleife gefangen gewesen wäre

Ihr Lieben!

Heute ging es mal mit dem Bus weiter, vom zentralen Busbahnhof aus. Man schickte mich nach Zahlung einer Busbahnhofssteuer (?) zur Haltestelle 3. Als ich dort ankam, warteten schon Dutzende Menschen, die scheinbar ihren ganzen Hausrat dabei hatten. Und wirklich ausnahmslos jede/r (na gut, genau 2 Personen außer mir nicht und das waren Touristen) hat ununterbrochen geraucht. Schwangere, Greise, Kinder. Schwangere Greisinnen mit Kindern. Alle. Entsprechend stank es wie hulle. Ein winziger Minibus erschien, alles balgte sich um die Plätze. Als der Bus schon aus allen Nähten platzte, teilte mir der Fahrer mit, er könne mein Ticket nicht akzeptieren. Mit mir betraf das 6 weitere Personen. Drei wollten „nur“ einen Tagesausflug nach Pristina machen und blieben entspannt, wir vier anderen mussten ja irgendwie dahin und waren entsprechend schwer angepieselt. Ich schrieb der Travel-Agentur Gjirafa eine Mail, die immerhin sofort antwortete. Man versuche, das Problem mit dem Anbieter Amalfi-Tour zu lösen.

Der Fahrer des rollenden Aschenbechers telefonierte derweil auch mit irgendwem und schrieb mir dann 12.30 Uhr auf mein Ticket. Ein Mann aus der Gruppe meinte sarkastisch, der kommt wahrscheinlich auch nicht oder ist dann voll. Ich ging erst einmal einen Kaffee trinken. Um 11.30 Uhr lief ich aber wieder nervös zum Bussteig. Was ein Glücksfall war, denn da stand ein großer, nur zu einem Viertel besetzter Reisebus nach Pristina. Die „Amalfitour“isten durften sich beim Fahrer direkt ein Ticket für 8 Euro kaufen und um 11.45 Uhr ging es los.

Eine richtige Grenzkontrolle. An einer richtigen Grenze, nicht an irgendeinem Flughafen. Hatte ich lang nicht mehr. Das hielt uns ein bißchen auf, zumal auch noch eine Frau aussteigen musste, aber die Fahrt durch mazedonische und kosovarische Landschaften war ansonsten sehr nett. Die extra kontrollierte Passagierin war auch wieder an Bord. Wir kamen in Pristinas Zentralbusbahnhof an, von dem aus ich keinen Bus in die Stadt fand. Google riet mir, einen Kilometer zu laufen, da könne ich in die Linie 1. Hah! Die gab es zwar, aber die fuhr ganz woanders hin. Oh, flötete Google, dann steig doch da aus und nimm diese Linie. Fast war ich deswegen wieder am Busbahnhof. Also, wieder eine andere Linie. Und als die falsch abbog, sprang ich bei nächster Gelegenheit raus und ging die restlichen 1500 Meter zu Fuß. Immerhin kostet eine Fahrt nur 50 Cent. Es gibt Ticketverkäufer im Bus, die rumlaufen.

Das Hotel ist klein, das Zimmer ganz okay. Nur der versprochene Kühlschrank fehlte. Ob ich umziehen wolle, das Zimmer mit Kühlschrank sei aber recht klein. Wir einigten uns dann darauf, dass ich den Frühstücksraum-Kühlschrank mitbenutze, der 10 Meter entfernt steht.

Ich war zwar ein bisschen hinüber, aber es galt ja, die Stadt zu erkunden. Der zentrale Mutter-Theresa-Boulevard ist eine Parallelstraße weiter, es ist die Einkaufs- und Ausgehstraße Pristinas. Ich lief zuerst nach Süden, zur Mutter-Theresa-Kathedrale. Ja, man hat definitiv einen Kult um sie in Albanien, Mazedonien und im Kosovo aufgebaut. Die Kathedrale befindet sich zur Zeit inmitten einer riesigen Baustelle, kann aber besucht werden. Recht schmucklos ist sie, was ein wenig verwundert. Und sie sieht auf den ersten Blick recht neu aus, Baubeginn war 2007, aber sie bröckelt hier und da schon. Ups. Ob ich den Turm hinauf möge?, fragte mich ein Wärter. Och nee, ich bin ein bisschen schlapp. Es gäbe einen Aufzug. Nein! Doch! Ooh! Zwei Euro später hatte ich einen famosen Ausblick auf die Stadt.

Ich lief den Boulevard nach Norden, bis zum Denkmal von Skanderbeg bzw. Skënderbeu, wie er auf albanisch heißt. Kommt wem der Name bekannt vor? Na, kein Wunder, gab es den doch auch in Tirana. Auf dem Weg dorthin kam ich am staatlichen Rundfunk vorbei, dem RTK-Gebäude im post-, ach was, im mittendrinsozialistischen Stil. Grauslich! Kurz davor befindet sich die Bibliothek des Kosovo, benannt nach dem Autor Pjetër Bogdan. Das Gebäude als speziell zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Es ist ein metallverkleidetes Konstrukt mit 99 Kuppeln. Auf jeden Fall ein Hingucker.

Am Skanderbeg-Platz war alles für eine Großveranstaltung vorbereitet: Bühne, Stuhlreihen, Beschallung. „Zeit für Pristina“ stand auf Fahnen (also auf albanisch). Rechterhand das Nationaltheater, das eingerüstet war, die Statue des Ibrahim Rugova, erstem Präsidenten des Kosovo, links der Nationalheld aus dem 15. Jahrhundert. Dazu noch Nena Tereze (die Nonne), Zahir Pajaziti (Freiheitskämpfer) und zahlreiche andere Statuen. Das Parlamentsgebäude habe ich auch gesehen, das sieht fast erfrischenderweise wie ein deutsches Provinz-Rathaus aus den 70ern aus.

Es war Zeit für Einkäufe und Bier. Zuerst suchte ich einen Supermarkt auf, das war nicht so schwierig. Dann suchte ich eine Terrasse, die nicht zugequalmt war (na, was ist des Kosovaren liebstes Hobby???) und auf der es zusätzlich auch noch Alkohol gibt. Das war schon komplizierter. Die Republik Kosovo ist zwar säkulär, aber die führende Religion ist der Islam (93 %). Ich persönlich hätte mir vom Propheten ja gewünscht, dass er beim Alkohol nicht so streng, dafür beim Rauchen aber unerbittlich gewesen wäre. Aber ich fand eine fast leere Bar-Terrasse, während alle Cafés um uns herum überquollen. Für mich perfekt. Auf dem Boulevard begann die erste abendliche Passeggiata. Man spazierte herum und zeigte sich.

Es wurde Zeit, mir ein nettes Plätzchen zum Abendessen zu suchen. Das Shpija e Vjetër machte von Außen einen total gemütlichen Eindruck, also rein. Sollte mich hinsetzen, wo ich wollte. Okay. Hierhin. Sofort von Rauchern umzingelt, die vorher nicht da waren (ungelogen!). Aber man hatte einen NR-Bereich. Ich zog um und saß sogar noch schöner. Man brachte mir die Speisekarte. Oh, Burger und Salat, prima. Der Kellner kam. Ob ich denn auch die Getränkekarte sehen dürfe. Gebe es nicht. Nur Cocktails und Weine. Äh ja, dann einen Rosé. Gebe es nicht. Weiß oder rot. Aha. Dann weiß bitte. Und den Burger mit Salat. Gebe es nur bis 17 Uhr. Puh! Dann die Pizza Meeresfrüchte. Und die und der Wein waren dann gut. Beschallt wurde ich mit Ergüssen des Buena Vista Social Club, also auch am Musikgeschmack gab es nichts auszusetzen.

Ich hatte keinen Reinigungsservice seit Belgrad gefunden und wollte jetzt nicht am Dienstag einen Flugzeugabsturz riskieren, weil Pilot und erster Offizier ohnmächtig wurden. Ich glaube, eine balkanweite Waschsalon-Kette könnte Erfolg haben. Gibt’s hier irgendwie nicht. Daher kaufte ich in einem Laden noch original Boss- und Armani-Shirts für je 15 Euro. Sie da, Sie haben eine Anmerkung? Wie bitte? Jahaaaa! ORIGINAL!!! Ja, und dann Tagebuch und Schluss für heute. Schlaft gut! Ich hoffe, wir sehen uns morgen wieder, Euer

P.S.: Gjirafa-Travel erstattet mir immerhin den zuhause bezahlten Ticketpreis.

P.P.S.: Die Preise sind hier gefühlt bisher am niedrigsten. Das Hotel kostet mich 50 Euro die Nacht mit Frühstück, das Abendessen schlug mit 13 Euro zu Buche. Zwei sehr gut gefüllte Gläser Wein, eine kleine Flasche Wasser und die Frutti-Pizza. Bier auf dem Boulevard 3 Euro, war aber auch ein „gehobenes“ Etablissement. Zigaretten gibt es hier ab 1 Euro die Packung. Marlboro dann 1,75 oder so.

P.P.P.S.: Der erste Eindruck? Ja, ich werde es hier aushalten. Hier sind die Menschen sehr nett, das Wetter ist gut, alles ist bezahlbar. Aber blitzverliebt bin ich nicht. Bisher konnte ich auch nichts Charmantes entdecken.

„Kikiriki“ kann man in Skopje überall kaufen, aber selbst am letzten Tag habe ich mich nicht getraut.

P.P.P.P.S.: Der Vorteil des Restaurant-Kühlschranks ist, dass der Wein wirklich kalt ist! Yeah!

Balkan 2025 (Tag 13): Ein Tagesausflug oder Gerry in der Batcave

Ihr Lieben!

Heute ließ ich mal wieder jemand anderen meine ToDos organisieren. Gestern Abend buchte ich den letzten Platz in einem Ausflugsbus zum Milleniumkreuz, mit Seilbahn, juchhee!, zur Matka-Schlucht und in ein Ethnodorf. Ja, habe ich mich auch gefragt, was das wieder sein soll. Zudem sollte ein Stopp bei der Panteleimon-Kirche in den Bergen eingelegt werden, die überregionale Bekanntheit genießt.

So hieß es wieder früh aufstehen, naja, halt so, wie wenn ich ins Büro… igitt, böses Wort…, schnell frühstücken und ab dafür an den Treffpunkt, der am Eingang zur Festung war. Schon um 8:30 Uhr war es ziemlich heiß, so als wäre gestern nix gewesen. Die Sonne strahlte mit sich selbst um die Wette. Es gab einen kleinen Minibus (Führung auf mazedonisch?) und einen großen Minibus für die englischsprachige Truppe. Die war wirklich kunterbunt. Franzosen, Japaner, Türken, Brasilianer, Australier, Deutsche, Spanier, USAmerikaner. Als Einzelreisender hatte ich das Glück, den Klappsitz am Einstieg zu bekommen. Das hieß, immer als erster raus und im Falle eines Fotomotivs freie Sicht auf das Objekt. Das ist bei einer Gruppe von 24 Menschen schon ein Vorteil. Hihi.

Unser erstes Ziel war der Stausee im Matka-Canyon. Die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde, es kam mir aber wie drei vor, denn unsere Reiseführerin Olivia feuerte uns in einer nicht enden wollenden Salve mit Informationen zu. Sie sprach ohne Punkt und Komma, und je nachdem, was es zu sehen gab, wechselte sie mitten im Satz das Sujet. Alexanderwurdeumdreihundertsiesehenhintenübrigensdiebrückedeszweitenaugustwoderpartisanborislinksdanndieältestekieferskopjesaberzurückzualexander. PUH! Das forderte einiges an Konzentration, das so schnell zu sortieren, wie es aus Olivia herausperlte. Wir machten wohl auch einen kleinen Schlenker, damit wir ein paar interessante Orte zu sehen bekamen, wie die Orhid-Kirche oder das im allerfeinsten brutalistischen Stil gehaltene zentrale Postamt oder das Weiße Haus.

Die Matka-Schlucht. Hier wurde angeblich, ich bin zu faul für einen Faktencheck, das erste Wasserkraftwerk Europas installiert. Man hält ein wenig außerhalb, es wird später eng und voll, und läuft etwa 10 Minuten bergauf bis zu einem Bootsanleger. Hier standen zwei Luxusboote mit weichen Polstern und ich dachte schon, wow, das wird nett. Man hieß uns warten und kam mit einer Holzbarke an, die noch nicht einmal Sitzkissen hatte. Ich fühlte mich diskriminiert. Hatte Olivia zu wenig Bakschisch bezahlt? Und dann gibt es ja immer den einen Touristen, der dann doch noch schnell aufs Klo… der war bei uns natürlich auch dabei und verärgerte den Schiffsführer ein wenig, weil er auch noch ewig brauchte. Der Bootstrip war übrigens nicht inkludiert, ich blechte 500 Denar.

Tja, war dann ganz nett. Man schippert ein bisschen den Stausee entlang, eingerahmt von hohen Bergen und viel Grün. Ab und zu begegnete man einem anderen Boot oder überholte tapfere Kayakfahrer. Irgendwann kommt man an einer Höhle an, zu der man hinaufklettern muss, um dann wieder in sie hineinzuklettern. Es schimmert ein bisschen geheimnisvoll, es gibt so etwas wie Stalaktiten, eher eine Ahnung davon und am Ende der Stufen hinab faulenzt ein See. Auch hier keine Prüfung, aber: Es soll der tiefste Höhlensee der Welt sein, man kam bis auf 400 Meter hinunter und konnte noch keinen Grund feststellen. Wir sahen hingegen nur einen Teich von der Größe meines Hotelzimmers. Hier noch ein Tipp für Bootsfahrten: Wir hatten gut Fahrtwind, und wenn die Frau mit dem Chanel No. 5 vorne sitzt, musst Du noch weiter vorne sitzen.

Es ist ja ohnehin so, dass Orte mit Superlativen werben. Altius, citius, fortius gilt nicht nur bei Olympia. Weiß Gott, wie viele erste Metrostationen, wie viele höchste Sakralbauten, wie viele sauberste Strände ich schon gesehen habe. The most west-southern point in the north-east halt.

Aber zurück zum See, immerhin sah ich eine Fledermaus in der Höhle. Die größte Fledermaus der Region. Oder die älteste. Weiß nicht genau. Wir tuckerten den Weg wieder zurück und hatten ein wenig Freizeit. Das kleine Kirchlein vor Ort war geschlossen, irgendwo hinsetzen sollten wir uns aus Zeitgründen nicht, daher bedeutete Freizeit in diesem Fall herumlungern. Coffee to go war noch drin oder ein Eis. Wir liefen zum Bus und es war schon deutlich voller, uns kamen regelrechte Völkerwanderungen entgegen. Olivia merkte an, dass am Wochenende hier die Hölle los sei. Glaube ich!

Wir fuhren, diesmal ohne große Erläuterungen, zur Kirche St. Panteleimon. Wunderhübsches, kleines Ding. Man musste auch hier noch einmal in die Tasche greifen, wenn man reinwollte. 2 Euro. Dafür erläuterte dann Herr Goran, was es mit was auf sich hatte. Ich fürchte, der Arme macht das zehn- oder zwanzigmal am Tag, irgendwann war die Begeisterung auf der Strecke geblieben. Es war schwer, seiner heruntergeleierten Vorlesung zu folgen. Die Kirche hat mich ein wenig an die in Bojana erinnert, die ich noch einen Tacken spannender fand, aber immerhin durften wir hier Fotos der Wandmalereien machen.

Das ethnografische Dorf befand sich dann direkt gegenüber der Kirche. Es stellte sich heraus, dass es Teil des „Projektes Skopje 2014“ war. Und wie alle Prestigeprojekte war auch dieses ein wenig peinlich. Man hat ein paar hübsche Häuser um ein Folkloremuseum gruppiert, ein Restaurant mit massenweisen Sitzplätzen drangeklatscht und drei oder vier Kunstwerk-Läden lizensiert. Ein langweiliges Pseudo-Gebirgsdorf entstand. Immerhin durften wir in der Silberschmiede einen Brocken aus mazedonischem Marmor bestaunen, sowie die berühmten mazedonischen Rubine, die, ich muss es zugeben, schon etwas besonderes sind. Im Folkloremuseum erstand ich eine Replik eines Ochsen aus dem 2. Jahrhundert, ein weiteres Stehrümchen, das beim Putzen im Weg ist. Aber ich mag es. Wir hatten keine Zeit, aber zumindest sah es so aus, als wäre das Restaurant nicht das schlechteste. Die Auslagen in der offenen Küche sahen verlockend aus.

Letzter Programmpunkt war dann die Seilbahnfahrt zum Millenium-Kreuz auf dem Vodno-Berg. Immerhin knapp über 1000 Meter hoch. Die Seilbahnfahrt beginnt aber erst in den Bergen und dauert keine 10 Minuten. Natürlich wurden wir als 6er-Gruppen vorsortiert, eine Einzelfahrt mit meinem üblichen theatralischen Selfie-Video-Gejammer, dass wir alle sterben werden, kam also nicht in Frage. Ein anderer Alleinreisender ging mir dabei schwer auf die Hibiskusblüten. Er stand auf, lief hektisch hin und her, hielt seine GoPro-Kamera aus allen Fenstern und scherte sich keinen Deut darum, dass wir anderen weder seine Wampe noch sein Gesäß gerne in der Sicht hätten.

Oben ist es schön. Die Aussicht ist ein Träumchen! Ich fotografierte Südmazedonien, ich fotografierte Ostmazedonien. Und ich fotografierte Westmazedonien. Das Kreuz selbst wurde zum Gedenken an 2000 Jahre Christentum 2002 errichtet und besteht aus einer symbolträchtigen Architektur. Soundsoviele Säulen für die Apostel, soundundsoviele Streben für die Evangelisten, soundsoviele Stockwerke für die Lebensjahre Christi. Wahnsinn. Und dennoch strahlt es den Charme eines in die Jahre gekommenen Strommastes aus. Das Kreuz hat auch Gesellschaft bekommen: Den AEC Telecommunication Tower, der eine interessante Architektur aufweist. Die beiden Zwillinge (zweieiig) sieht man auch von der Altstadt aus. In der muslimischen Gemeinschaft Skopjes empfindet man das Kreuz als Provokation. Ich sachma so: Die ganze Stadt besteht aus Kirchen und Moscheen, und es bimmelt und muezzint hier dauernd um die Wette. Was sollen die Juden, Atheisten und Buddhisten sagen?

Ich tat, was Gerry an mehr oder weniger anstrengenden Tagen gerne tut: Ich trank ein Bier und genoss die Aussicht. Pünktlich um 5 Minuten vor 15 Uhr mussten wir uns wieder an der Seilbahn einfinden, denn, und jetzt kommts: die machen dauernd Pause! Dann geht einfach mal eine halbe Stunde nichts mehr. Also, ich gehe davon aus, dass die schon noch alle Leute aus den Fahrzeugen holen. Hoffentlich. Und wir sollten den Reigen hinunter starten. Olivia bat mich dann, die erste Kabine als sechste Person vollzählig zu machen. Und da stand wieder diese geistige Totgeburt von der Auffahrt. Ich sagte für alle laut und vernehmlich, dass ich nicht plane, ein weiteres Mal mit dieser Arschkrampe eine Kabine zu teilen. Da ich die Übersetzung für Arschkrampe nicht kenne, benutzte ich allerdings den Ausdruck bloody twat, in etwa verdammter Idiot. Ich fuhr dann mit zwei mazedonischstämmigen Australiern samt Tochter und zwei weiteren Deutschen hinunter und alle meinten, der sei wirklich eine unangenehm-auffällige Figur. Die Tochter hatte Höhenangst und krampfte ihre Hand um alle Haltestangen, ich fühlte sehr mit ihr. Ich erzählte ihr, dass ich meine Höhenangst durch ständige Herausforderung sehr gut im Griff habe. Die Fahrt in die Stadt dauerte dann nur mehr 15 Minuten. Das war insgesamt sehr nett. Der Höhepunkt war der Höhenpunkt, wegen der schönen Ausblicke. Aber die Kirche war auch Klasse!

Unten in der Stadt musste ich erst einmal in den Supermarkt, da ich beschloss, schon Einkäufe für Pristina zu tätigen. Diesmal muss ich ja durch keine Sicherheitskontrolle. An der Kasse war nicht klar, wo man sich anstellen sollte, was etwas Hektik verbreitete. An der einen funktionierte die Bon-Maschine nicht, an der mittleren diskutierte ein Mann mit der Kassiererin seine 500 Sachen umfassende Besorgung. Wir wurden zu Kasse 3 gewunken, die aber nach 30 Sekunden von der Einkaufskontrolle wieder verlassen wurde. Ich seufzte auf deutsch, wo ist sie denn nun hin?, da stellte sich heraus, dass die Dame vor mir auch aus Deutschland kam, Flugbegleiterin und noch nie in Skopje gewesen. Sie fand, dass es sehr mutig für einen alten Mann sei, alleine über den Balkan zu reisen. Ich erwiderte, es sei sehr mutig, das so zu formulieren. Sie lachte, und wir haben noch kurz nett geplaudert.

Ich eierte ins Hotel, machte mir einen Nescafé und begann mein Tagebuch. Eigentlich ist das ja ein furchtbares Zeug (der lösliche Kaffee, nicht mein Tagebuch), aber ich hatte so eine Cappuccino-Variante „3in1“, da könnte man sich glatt dran gewöhnen. Ist eben kein Kaffee. Um 19 Uhr machte ich mich dann stadtfein und versuchte es im 7Skara, wo ich gestern wegen Überfüllung (des Restaurants, nicht meinereiner) abgewiesen wurde. Was ja zu einem anderen schönen Erlebnis, dem Weintasting, führte. Diesmal hatte ich Glück, zwar war die Terrasse bis zum St. Nimmerleinstag ausgebucht, aber man hatte einen Platz im offenen Eingangsbereich für mich. Ich hatte Gehacktes und Salat, Pommes und Pepperoni. Wie scharf das denn sein dürfe? Joa. Mit viel Knofel? Gerne. Als das Essen kam, war halb Skopje benachrichtigt. Man versammelte sich um meinen Tisch und wartete auf den ersten Bissen. Und man applaudierte, als ich nicht in Schweiß ausbrach.

Ihr haltet mich wahrscheinlich für bekloppt, aber das Gemüse hier macht mich wuschig! Ich schrieb ja schon in Moldawien, wie sehr die Märkte riechen! Stellt Euch mal vor, Ihr ginget in den REWE oder Edeka und es würde duften. Nach Tomate, Pfirsichen, Trauben. Wieso ist das nicht so?

So, Quatsch beiseite. War die Hölle, aber niemand hat es gesehen. Und ich habe mich im Laufe des Abends daran gewöhnt. Es war wieder von allem viel zu viel. Und dennoch habe ich nur knapp über 1.000 Denar bezahlt. Köfte, Pommes, Salat, Pepperoni, Wein, Wasser. Und einen Rakija. Was es denn da gebe? Man habe nur einen. Und den brachte man in einem Kölschglas. Naja, einem sehr kleinen Kölschglas. Heute Nacht ist Randale vorprogrammiert! Hoi!

Da ich erst um 10 Uhr und Zerquetschte am zentralen Busbahnhof sein muss, werde ich einen entspannten Morgen haben. Heute schaue ich noch nach der eSIM für den Kosovo, lade mir eine Taxi-App für Pristina aufs Handy, das Übliche halt, was man am Vorabend der Abreise in ein neues Land so treibt. Und schaue mal, was es für Ausflüge gibt. Seid Ihr dabei oder schon leicht erschöpft? Liebe Grüße, Euer

Meine Güte, so gucken Sie doch nur einmal intelligent, Herrschaftszeiten!

Ich hatte mal einen Kollegen, der mit mir in GUS-Projekten unterwegs war. Ich lernte kyrillisch und ein bisschen russisch. Er meinte, er müsse das nicht, denn er wisse, wenn er Pectopah lese, bekäme er da was zu essen. Er ruhe in Frieden.

Balkan 2025 (Tag 12): Regentag in Skopje oder wie Gerry am Ende fröhlich weinte

Ihr Lieben!

Am Morgen gab es eine unschöne Überraschung, es regnete. Also erst noch einmal umdrehen, darin habe ich ja mehrere Weltmeistertitel, dann lange frühstücken und dabei Plan B ausarbeiten. Dabei gab es noch nicht einmal einen Plan A.

Plan C war dann, ziellos umherzulaufen. Als ich das Hotel verließ, nieselte es ein bisschen, das gab sich später. Vielleicht, so dachte ich mir, wäre es nicht verkehrt, bei so einem Wetter die Festung hinaufzuklettern. Man hat dann zwar nicht so den superblauen Fotohimmel, aber es besteht dann eben auch keine Hitzschlaggefahr. Gesagt, getan. Zuerst ging es aber in die andere Richtung, ein Plan des Touristenverschreckungsvereins Skopje erklärte die Häuser der Finanzverwaltung (glaube ich) und der Elektrizitäswerke zu Sehenswürdigkeiten, diese bilden mit dem Stadtmuseum Skopje ein Dreieck. Ich war zwar nicht im Museum drin, kann aber über die Würdigkeit der Gebäude bzgl. Sehens festhalten: Nö. Zurück mit einem Schlenker über den Feudalturm aus osmanischer Zeit, neben dem ein interessantes Gebäude im sozialistischen Stil stand. Als ich das Handy zückte, kamen sofort Männer angerannt, Fotos verboten, war irgendwas militärisches. Ich lief über die Steinbrücke und stattete der Dimitria-Kirche einen Besuch ab. Sie besticht durch Malereien, auf denen die sehr dunkel gehaltenen Heiligen mit intensiv-goldenen Heiligenscheinen versehen sind, was einen beeindruckenden Kontrast ergibt.

Die Kale, das ist das Wort für Festung, ist sehr weitläufig, aber bei weitem nicht so gut erhalten, wie die in Belgrad. Aber es gibt eine lange Wehrmauer, die entlanggelaufen werden kann. Von der aus hat man ziemlich gute Aussichten auf Skopje. Es sind zwei größere Wehrtürme erhalten und ein paar kleinere, nur letztere kann man erklimmen. Auf zweien befindet sich ein ehemals begehbares Holzpodest, aber da würde ich von abraten, die sind so morsch, die brechen jederzeit zusammen. Am südlichen Ende der Festung wurde mit der Konstruktion eines Gebäudes – wofür auch immer – begonnen, dieses steht da jetzt als halbfertige Bauruine und Schandfleck herum, und das auch noch gut sichtbar von der Stadt aus. Ehrlich, Ihr hohen Räte von Skopje oder wie auch immer Ihr heißt: reißt das Ding ein! Auf dem Festungsberg tummeln sich übrigens Myriaden von Schnecken. Faszinierende Biester. Leider habe ich dies erst festgestellt, als es unter meinem Schuh knackte. Sorry, kleine Schnecke.

Ich schaute auf der Karte nach Sehenswürdigkeiten. Die jetzt alle einzeln zu beleuchten, wäre ein bisschen zu viel des Guten, aber ich erwanderte mir die Mustafa-Pascha-Moschee, eine Karawanserei, die nicht besucht werden konnte, das scheussliche Museum der Republik (nicht reingegangen), die Sultan-Murad-Moschee mit Uhrturm und Türbe des Ishak Bey, sowie die Ishak-Bey-Moschee (die, warum auch immer, Bunte Moschee genannt wird). In der Sultan-Murad-Moschee unterbrach der Imam, Dima aus Albanien, seinen Unterricht und zeigte und erläuterte alles. Sein Englisch war so gut wie mein Albanisch, aber wir hatten trotzdem viel Spaß miteinander. Das, was ich verstehen konnte, habe ich leider nicht behalten. Aber ein sehr netter Mann, der auch nur 3 Euro für die Gemeindekasse haben wollte. Ich habe dann sehr gerne etwas aufgerundet.

Es ging zurück in das Basar-Viertel, wo ich in die Fakultät für Kunst geriet, wo aber absolut nichts los war und alles stark verfallen wirkte. Seltsam. Um die Ecke dann ein alter Hammam. Nationalmuseum stand dran. Häh? Das ist doch am Eingang des Basars. Stellt sich heraus, das Museum ist mehrteilig. Hatte schon an meinem Verstand… bitte keine Zwischenrufe da hinten! In diesem Hammam wurde die mazedonische Foto- und Videokünstlerin Žaneta Vangeli mit einer Werkschau geehrt. Ich kannte sie nicht, aber ich war seeehr angetan. Was einerseits natürlich an den ansprechenden Werken der Künstlerin lag, aber auf der anderen Seite auch dem Umstand geschuldet ist, dass so ein Hammam der perfekte Ausstellungsort ist. Das künstliche Licht wird durch die Dachöffnungen verstärkt, die unterschiedlich großen Räume, deren Mauerwerk teils verputzt, teils freigelegt ist, bieten viel Spielraum für fantasievolle Präsentation. Kurzum: Super!

Ich war mehr als megadurstig („Gerry, nimm was zu trinken mit!!!“, sage ich immer) und entdeckte eine Mikrobrauerei. Ich bestellte ein selbstgebrautes Pilsner und las ein paar Dinge nach, unter anderem auch die Bewertung über die Brauerei. Hach. Also, manchen Menschen sollte die Erlaubnis, das Haus zu verlassen, entzogen werden. Egal. War jetzt nicht mein Bier, zu süß und irgendwie kräutrig, aber netter Laden und netter Besitzer bzw. Kellner. Und wer zu doof ist, nach Preisen zu fragen, hat halt Pech.

Gegenüber der Brauerei liegt die Kirche Himmelfahrt, auf deren Gelände der Nationalheld Goce Delchev seine letzte Ruhestätte hat, es gibt dort auch ein Museum über ihn, aber ich war irgendwie durch und wollte jetzt keine Heldenskizze. Der Hof ist aber sehr schön, ein riesiger Grantapfelbaum beherrscht die Szenerie und überragt wird alles von einem schon besonderen Glockenturm aus Holz.

Ich wollte Richtung Hotel, da laufe ich doch Nationalgalerie, zweiter Teil, über den Weg. Also, wenn schon, denn schon. Und wieder war ich begeistert. Ich kannte zwar keinen der Künstler, aber alles war außerordentlich! Nikola Martinoski z.B. hat noch nicht einmal einen deutschen Wikipediaeintrag. Konnte ich nicht begreifen, dass den bei uns so keiner kennt. Wenn ich nicht so foxi gewesen wäre, wäre ich jetzt auch noch ins Museum für zeitgenössische Kunst gerannt, das gibt es nämlich auch noch. Überhaupt, es gibt gefühlte 2000 Museen in Skopje, da schafft man eine ganze Regenwoche mit. Auf dem Rückweg kaufte ich noch einem Künstler ein Bild… wie? Neinneinnein, das ist doch gar nicht für mich… Wie albern Ihr seid! Wie, für wen denn dann? Sachma, das geht Euch ja jetzt wohl garnix an!

Am Mazedonienplatz gibt es ein Einkaufszentrum. Da spinxte ich mal rein, ich brauchte einen Supermarkt. Ich hatte trotz so exponierter Lage jetzt kein Kaufhaus GUM erwartet, aber postapokalyptische Totenstadt jetzt auch nicht. Herruntergekommen, kaputte Rolltreppen und Aufzüge, bröckelnder Beton. Aber ich fand einen recht guten Supermarkt im Keller und konnte mich mit allem notwendigen eindecken. Ich verließ das Center über einen anderen Ausgang und stand auf dem Heldenplatz. Ich sag’s Euch, man darf in Skopje nicht erschöpft sein, da nimmt die Stadt keine Rücksicht drauf. Also, auch hier noch einmal alle Prunk- und Protz-Statuen und Helden-Ensembles gescannt und dann nix wie ins Hotel. Es war nun definitiv zu spät für ein Nickerchen, also nur kurz frischgemacht und dann ab in ein nahegelegenes Restaurant.

Ich entschied mich für das 50 Meter entfernte „Drop Stop“, das Weinproben mit passenden Gerichten anbot. Gerne hätte ich das große Tasting (5 Weine, 5 Speisen) genommen, aber das hätte ich wahrscheinlich nicht geschafft. So nahm ich 4 Weine mit 2 Vorspeisen. Schafskäse mit Olivenöl-Kräuter-Infusion in gedünsteten Zucchini-Scheiben eingerollt und Hühnerpastete mit Erdbeerkompott. Drei Weine aus Trauben, die es nur hier gibt. Das war alles sehr lecker und war ein schöner Ausklang des Tages. Zwei Tische weiter trug eine exaltierte Amerikanerin zur allgemeinen Erheiterung bei, weil sie mit einer Videobekanntschaft mittels Notebook zusammen speiste. Fast verschluckt hätte ich mich, als sie deklamierte, sie käme besser mit Toten zurecht, die Lebenden seien ihr zu anstrengend. Äh. Ja. Ich hätte sie gerne fotografiert, denn sie sah genau so aus, wie sie Ihr Euch jetzt vorstellt. Aber das geht ja nicht.

Zweiter Tag also. Skopje hat, ich lobte es gestern ja doch sehr, auch so seine Schattenseiten. Die Luftqualität ist schlecht, viele Gebäude verfallen, wenn man mal die Basarhauptmeile verlässt, steht man knietief im Müll. Das Bild dazu halte ich mal zurück. Dennoch, ich fühle mich wohl hier, was unter anderem auch ein bisschen an der Freundlichkeit der Menschen hier liegt. Der Museumswärter kramt sein bisschen Deutsch raus, der Kassierer fragt, wie es einem hier gefällt, der Souvenirverkäufer bedankt sich dafür, dass man sein Land besucht, im Restaurant und Hotel alle so herzlich. Von Dima ganz zu schweigen. Aber auch die Gegensätzlichkeit zieht an, das pulsierende Leben in volkswirtschaftlich grausligen Zeiten. Ich spare Euch Zahlen hierzu, nur kurz: Moldawien ist offiziell das Armenhaus Europas. Aber Mazedonien steht dem nichts nach. Die FR hat einen lesenswerten Artikel über das Projekt 2014 und die Zusammenhänge und Folgen verfasst. Hm, wo war ich? Achja, ich mag es hier.

Wie so oft in den letzten Tagen bin ich unschlüssig, was ich morgen tun werde. Würdet Ihr Euch wieder mit mir zusammen überraschen lassen? Das würde mich sehr freuen. Bis dann, Euer

Dieses obsessive Rausholen von Linealen, immer wenn es um Bananen geht…
Einfach nur für mehr Clicks. Poste Katzen, haste Clicks.