Tag 4: Kino und Kunst

¡Hola hola de Espana!

Heute kam ich wieder schwer aus den Federn, daher war es bei meinem Morgenritual etwas hektisch. Aber auch mit dem 15 Minuten späteren Bus bin ich noch vor Unterricht in der Schule eingetroffen.

Das heutige Schwerpunktthema war Kino und Film und darüber zu sprechen; wie es einem gefällt, wie die Handlung ist, welche Schauspieler mitspielen et cetera pp. Unter anderem sollten wir einen Film auswählen, über den wir alles mögliche berichten sollten. Ich Blödmann habe mir „Marnie“ von Hitchcock ausgesucht. Während ich versuchte, die Handlung niederzuschreiben, fragte ich mich, warum ich nicht Pippi Langstrumpf oder etwas ähnliches ausgesucht habe. Una chica y sus amigos están viviendo muchas aventuras. Wer Marnie kennt, weiß was ich meine. So eine komplizierte Handlung.

In der Frühstückspause habe ich mir getrocknete Feigen gekauft, die waren ganz, ganz wunderbar! Sie sind auf den Kanaren kleiner, als die Feigen die wir in Deutschland bekommen, und viel süßer. Auch bei meinen Klassenkameraden kamen sie und die gerösteten Mandeln sehr gut an. Davon werde ich mir ein paar Säcke mit nach Hause nehmen.

Nach der Schule führte mich mein Weg in die Markthalle von Vegueta. Ich hab ein Faible für solche Hallen. Alles so frisch und appetitlich.

Dann besuchte ich das Museum für moderne Kunst. Es ist in der Nähe der Kathedrale in einem von außen antiken, innen modernisierten Haus. Im Erdgeschoss gab es die Ausstellung eines Künstlers aus La Réunion, Jack Beng-Thi zu sehen. Seine Werke haben mir außerordentlich gut gefallen, er arbeitet viel mit natürlichen Materialien, vor allen Dingen Holz. Eine weitere Ausstellung widmete sich dem Werk von Esther Ferrer. Auch hier gab es einige interessante Ausstellungsstücke. Das Museum ist nicht riesig, aber man kann gut ein bisschen dort verweilen. Wahrscheinlich hängt das aber auch von den jeweils ausgestellten Künstlern aus, so wie ich es verstanden habe, gibt es keine feste Sammlung.

Nach dem Museum fuhr ich zu einer Verabredung, die ich über Internet getroffen hatte. Wir haben zusammen ein paar Bier getrunken, das war auch ganz nett, er ist sehr sympathisch. Er ist Politikwissenschaftler und ein überzeugter Fan der deutschen Politik der Merkelära. Für ein Wiedersehen reichte es aber nicht.

Auf dem Nachhauseweg bin ich dann noch einmal in den Carrefour im großen Einkaufszentrum gefahren, um vor allen Dingen Eiswürfel zu organisieren, und Aloe-Vera-Gel zu kaufen. Aloe ist auf den Kanaren sehr beliebt für kosmetische Produkte, und Elke und ich sind große Fans.

Am Abend gab es eine Empanada mit Thunfisch gefüllt und dazu einen klebrig-süßen Weißwein, da hat der Gerald mal nicht aufgepasst. Man konnte ihn trotzdem mit viel viel Eis trinken.

Augen auf beim Flaschenkauf!

Am Freitagnachmittag wird es eine Exkursion der Schule zu einer Kaffeeplantage, einer Weinverkostung und einem Fischessen geben. Dazu habe ich mich heute angemeldet, wie wohl fast die ganze Schule.

So, das war’s auch schon wieder von der Insel. Ich hoffe es geht euch allen gut und sende viele, viele liebe Grüße in die Heimat!

Euer Gerald

Man kommt einfach nicht dran vorbei…

Tag 3: Gerunzelte Kartoffeln

¡Buenas noches de la Costa Ayala à todos!

Heute Nacht hat es furchtbar gestürmt, und zwar so stark, dass ich durch das Pfeifen des Windes wach wurde. Als dann um 7 Uhr der Wecker klingelte, war ich noch nicht wirklich ausgeschlafen. Heute früh dann wieder Schule, erneut sehr anstrengend. Zu meiner großen Freude gab es viel Gruppenarbeit, und ich war erleichtert, dass ich nicht neben einem der fortgeschritteneren Mitschüler saß. Eine Person im Kurs hört sich furchtbar gerne selber reden, spricht aber so schnell, dass es zumindest für mich keinen praktischen Nutzen hat, ihr zuzuhören. Aber insgesamt macht der Kurs immer noch viel Spaß, und ich denke mit der Zeit werde ich ein Hörgefühl entwickeln. Wir haben heute Aufnahmen von Muttersprachlern diverser spanischsprachiger Länder gehört, es ist manchmal sehr schwer zu verstehen, was gemeint ist, da es tatsächlich auch dialektische Einfärbungen gibt. Wahrscheinlich aber nicht so schlimm wie beim Bayrischen.

Nach der Schule brach ich zum Diözesanmuseum auf, durch das man auch Zutritt zur Kathedrale hat. Auf dem Weg dorthin kam ich auf der Calle Triana an einer ellenlangen Schlange vorbei: hier gibt es etwas umsonst, dachte ich. Am Kopf der Schlange angekommen stellte sich heraus, dass sie an einer Modelagentur anstand. Kurz überlegte ich, mich dazu zu gesellen, aber irgendwie lag mein Haar nicht richtig.

Santa Ana

Die Kathedrale ist relativ schlicht, der Innenraum wirkt aufgrund der verhältnismäßig wenigen tragenden Säulen recht groß. Das Museum selber ist mehr als übersichtlich, vielleicht zwei Dutzend Bilder der Bischöfe von Gran Canaria und zwei weitere Dutzend Bilder mit religiösen Motiven, ein paar Kruzifixe, 2 bis 3 Monstranzen. Aber der Innenhof ist sehr schön. Das Gebäude ist ein kanarisches Anwesen im Stil des 16. Jahrhunderts.

Der Innenhof des Museums.

Gegenüber von Santa Ana gibt es diverse Hundeskulpturen. Es gibt ja einige Theorien über die Herkunft des Namens Kanaren. Unter anderem die, dass hier viele Hunde (lat. canus) gelebt haben sollen.

Nach dieser Besichtigung setzte ich mich in eine Straßenrestaurant, nahm papas arrugadas zu mir und trank ein Bier. Die, wie es in der Speisekarte hieß, „gerunzelten Kartoffeln“ waren wunderbar. Ich liebe sie sehr. Nicht schlecht staunte ich, als die Rechnung kam, auf der stand, ich hätte eine halbe Portion gegessen,denn ich habe sie nicht ganz geschafft. Von der Portion wäre die halbe Schulklasse satt geworden.

Hmmm… ¡qué rico!

Mit dem Bus fuhr ich dann noch einmal zum Corte Inglés. Heute war es ziemlich leer dort. Ich lief einmal durch alle sechs Etagen, habe aber nur in der Lebensmittelabteilung ein paar Kleinigkeiten gekauft.

Mit dem Bus bin ich dann nach Hause gefahren, habe mir den Fernseher angemacht, spanische Nachmittagsberieselung mit Untertiteln, und bin darüber eingeschlafen.

Jetzt gleich gibt es den gestern erstandenen Octopus, dazu ein schönes Glas Wein, und dann werde ich mir wieder spanisches Fernsehen antun. Vielleicht hilft mir das ja, ein besseres Verständnis für die gesprochene Sprache zu bekommen.

Bis morgen, macht es gut!

Alles Liebe, euer Gerald

Eigentlich wollte ich ja jedem einen solchen Schinken mitbringen. Aber die Gepäckwaage sagt nein…
Man kann dem Ganzen nicht entkommen.

Tag 2: Pepe, der Paukerschreck

¡Hola hola de las Palmas de Gran Canaria!

Ich habe heute einen sehr frühen Bus Richtung Zentrum genommen, da ich nicht zu spät zur Schule kommen wollte. Wir schossen aber nachgeradezu Richtung Las Palmas, so dass ich schon anfing, mich zu ärgern, so früh aufgestanden zu sein. Aber dann, im Zentrum, ging natürlich nichts mehr. Die veranschlagte Strecke von 20 Minuten war in 45 Minuten getan. Dennoch war ich überpünktlich.

Unser profesor heißt Adrian. Als er anfing mit der Klasse zu sprechen, überkamen mich Zweifel, ob ich im richtigen Kurs bin. Ich verstand zuerst einmal gar nichts. Aber man kommt dann doch irgendwie rein. Die Mitschüler wirken alle sehr sympathisch, einige können, wie ich finde, unglaublich gut Spanisch, aber es gibt Gott sei Dank auch Teilnehmer meines Niveaus. Die Gruppe ist international besetzt; vertreten sind Irland, Kroatien, England, Australien und die Schweiz, ein weiterer Deutscher sitzt mit im Kurs, der aber in England lebt. Die Australierin lebt auch in England, und der Engländer und die Schweizerin leben auf Gran Canaria. Ein sehr interessantes und weitgereistes Publikum. Wie ich es schon schwer vermutete, bin ich der Älteste in der Runde.

Unser Lehrbuch. Der Kurs wird komplett auf Spanisch abgehalten.

Der Kurs läuft über 4 Schulstunden à 45 Minuten mit einer 30minütigen Pause mittendrin. Es ist schon ein recht anspruchsvoller Unterricht, wir rattern nur so durch die Übungen. Der Ire und die Schweizerin sprechen so flüssig, denen kann ich manchmal nicht wirklich folgen.

In der Pause, die wir in einem nahegelegenen Café verbrachten, habe ich mich ein wenig mit der Kroatin unterhalten, sie hat auch einmal für die UNO gearbeitet, allerdings für die Flüchtlingshilfe. So ziemlich alle in dem Kurs haben eine interessante Biografie. Natürlich gibt es hier auch die von mir ach so heißgeliebte Gruppenarbeit! Das habe ich früher in der Schule schon nicht gemocht, und auch in diversen Seminaren war es mir zuwider. Aber eine sehr lustige Übung gab es, wo ich mit meinem Nachbarn zur Linken herausfinden sollte, welche Gemeinsamkeiten wir haben. Nun, da ich weder kickboxe noch Fallschirm springe, geschweige denn in einem Einbaum über den Atlantik paddele… als der Prof fragte, welches unsere Gemeinsamkeiten seien, antwortete ich fast, wir atmen beide. Aber D. ist ein sehr sympathischer Mensch. Wir einigten uns auf die gemeinsame Leidenschaft des Kochens.

Am Einkaufszentrum: Das Auditorio Alfredo Kraus. Der weltberühmte Tenor wurde in Las Palmas geboren.

Nach der Schule fuhr ich mit dem Bus ins Einkaufszentrum Las Arenas, wo ich einige Badartikel kaufen musste, die ich zu Hause vergessen hatte. Außerdem brauchte ich noch eine Brille, denn ich hatte meine Computerbrille auch zu Hause liegen lassen und gestern nur mit Ach und Krach mein Reisetagebuch schreiben können. Mit meiner normalen Lesebrille musste ich meine Nase an den Bildschirm pressen, das tut dem Bildschirm auf Dauer auch nicht gut.

Nun gibt es hier so etwas wie Drogerien à la Rossmann oder DM nicht, wo man für 5 Euro eine Lesebrille bekommen kann. In den Brillengeschäften schaute man mich mitleidig an, wenn ich nach preiswerten Einstärkenbrillen fragte. Im Carrefour, einem Ableger der französischen Supermarktkette, erkundigte ich mich in der Drogerieabteilung nach diesen Brillen. Ja, die hätte man mal gehabt. Wo die bloß seien? Flugs wurde Verstärkung angefordert. Es artete so aus, dass wir zu fünft durch die Gänge irrten, auf der Suche nach den Brillen, die es ja irgendwo geben müsse. Man wurde in einem kleinen Lagerraum fündig, wo die kläglichen Überreste der scheußlichsten Exemplare von Einstärkenbrillen ever!!! ein trauriges Dasein in einem Körbchen fristeten. Es gab nur eine einzige Brille mit meiner Stärke, die war knallrot, und hatte auch noch Kratzer. Zudem sollte sie 13 € kosten. Nun, gezwungenermaßen nahm ich sie. Aber schön… , schön ist anders.

Wer erinnert sich noch an Ilona Christen?

Zu Hause trank ich schnell einen Kaffee, bevor ich mich ins Auto setzte, um ein bisschen in die nahe gelegenen Berge zu fahren. Mein erstes Ziel war Arucas, dort gibt es eine schwarze Kathedrale, die von der Sagrada Familia in Barcelona inspiriert sein soll und am Anfang des letzten Jahrhunderts ihre Grundsteinlegung hatte.

Der Kölner Dom mal so ganz anders…..

Tatsächlich erinnert sie von außen ein klein wenig an die Gaudí-Kirche. Aber ehrlich: auch an den Kölner Dom und andere sakrale Bauten. Innen besichtigen konnte ich sie leider nicht, da sie erst wieder am Abend öffnen sollte und ich nicht so lange bleiben wollte. Arucas ist ansonsten auch ohne Kirche ein sehr netter Ort: es gibt einen schönen Stadtpark, es gibt eine Rumfabrik zu besichtigen (die Probe fiel wegen der Fahrerei flach) und es gibt sehr schöne kleine Sträßchen, in denen man flanieren kann. Definitiv einen Ausflug wert.

Mein zweiter Stop sollte Teror sein, der! Wallfahrtsort von Gran Canaria, ja, der gesamten Inselwelt! Hier gibt es die Kirche Nuestra Señora de la Pina. Ein kleines Kathedrälchen. Auch hier sind die Straßen rund um die Kirche sehr pittoresk und erkundenswert.

Unsere Frau von der Pinie. Sonntags soll hier großer Markt sein. Das merke ich mir mal.

Der Weg nach Teror war schon ein wenig aufwändig, da bergig. Ich war dann doch froh, ein PS-starkes Schlachtschiff zu haben. Da es ein koreanisches Auto ist, habe ich ihm den Namen Sora gegeben, das ist a) angeblich der beliebteste männliche Vorname Südkoreas zurzeit und heißt b) Muschelschale. Ich finde, das passt zu einem Auto, das auf Gran Canaria gefahren wird.

Für die Rückfahrt nach Hause wählte ich eine andere Strecke, schon allein wegen der Vielfalt. Es war eine dieser berühmt-berüchtigten Strecken, von denen es im Reiseführer heißt: „Man hofft inständig, dass einem niemand entgegenkommt!“ Natürlich kam mir ständig jemand entgegen und so verblieb mir nur, immerfort zu jammern: „Mimimimimimimi, lass bitte keinen Bus kommen!“ Das hat übrigens geholfen.

Einen Zwischenstopp gab es dann noch in einem kleinen Dinohypermarket. Dort erstand ich Brot, Oktopus (!) und Wein. Das Brot wollte ich kurz aufbacken, aber verlor es aus den Augen. Jetzt habe ich quasi Schwarzbrot. Ein Stück Heimat sozusagen.

Das war ein sehr schöner Tag heute und ich hoffe, ihr hattet auch einen. Es würde mich sehr freuen, Euch morgen wiederzusehen.

Bis dahin alles Gute!

Euer Gerald

Die Bar-Cafetería Costa Ayala steht kurz vor der Aufnahme in den Guide Michelin. Ich werde bestimmt dort einmal die Croquetas kaufen.
Wo mangelnde Zahnpflege hinführen kann…. man wird eingemauert!

Tag 1: Hauptstadterkundung

¡Buenas tardes, queridos lectores!

Für meine Verhältnisse bin ich ziemlich zeitig zu Bett gegangen, ich hatte noch nicht einmal einen Wein getrunken. Der Vorteil war, dass ich heute recht früh aufgestanden bin, in Ruhe meinen Kaffee trinken konnte, um dann gegen 10 Uhr in die Stadt zu fahren.

Hatte ich schon in Palma in der Wohnung. Scheint in Spanien beliebt zu sein.

Der Bus kam mit ziemlicher Verspätung, so dass ich befürchte, dass ich morgen ein wenig früher losfahren muss. Ich stieg an der Station San Telmo aus, die Schule befindet sich dort ganz in der Nähe. An der Station wollte ich mir dann eine Monatskarte kaufen, mit der ich die Busse der ganzen Insel benutzen kann, und die an verschiedenen Stationen mit Geld aufgeladen werden kann. Je nachdem, wie viel Geld man auflädt, bekommt man einen ansehnlichen Nachlass auf die Ticketpreise. Reiseführer und Internet waren sich einig, dass diese „tarjeta transGC“ unglaublich schwierig zu besorgen ist. Dies ist nicht zutreffend. Man geht in das Büro des Busbahnhofs, holt sich einen Antrag, lässt den Personalausweis in einem Schreibwarenladen schräg gegenüber kopieren, rennt zum Fotoautomaten 39 1/2 Meter weiter rechts, macht ein schönes Bild von sich, geht zurück zum Office und bekommt sofort die Karte ausgehändigt. 20 Meter weiter links kann man sie dann aufladen.

War da nicht die Rede von einem schönen Foto?

Südlich des Platzes San Telmo befinden sich die Altstadtviertel Triana und Vegueta. Dort verbrachte ich den Rest des Vormittags. Auf den ersten Blick wirkt das Viertel Triana nicht besonders anziehend, eher wie ein Einkaufsviertel, wie es sie überall gibt. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten hier gegen den Konsumterror der Black Week.

Auf den zweiten Blick aber findet man Schätze des Modernisme, dem spanischen Jugendstil. Wunderschöne Fassaden gibt es hier. Zudem kann man das Geburtshaus des spanischen Schriftstellers Benito Perez Galdós entdecken, dem nach Miguel de Cervantes meistgelesenen spanischen Autor. Sehenswert ist zudem das literarische Kabinett, ein kleiner Palast der Belle Epoque, in dem berühmte Geistesgrößen verkehrten. Schräg gegenüber steht das Hotel Madrid, in dem Franco den Putsch in Spanien vorbereitete.


Das Viertel Vegueta ist an Sehenswürdigkeiten auch nicht arm. Zu sehen gibt es die große Kathedrale Santa Ana, das Christoph-Columbus-Haus, die casas consistoriales, kleine Klöster und Kirchen und sehr schöne Straßen.

Um die Casa Colón herum war heute ein Markt, eine große kanarische Folkloregruppe spielte sehr flotte Musik und ein paar Menschen tanzten dazu. Das hatte was.

Auf meinem Weg zur Muelle Santa Catalina, dem Hafen, kam ich am Pueblo Canario vorbei, das mit dem Hotel Santa Catalina in dem sehr schönen Parque Doramas liegt. Hier stärkte ich mich mit einem Bier, bevor ich den Corte Inglés stürmte, quasi das spanische Karstadt, nur viel größer und finanziell wohl auch wesentlich stabiler.

Auf dem Weg zum Corte Inglés machte ich einen kleinen Abstecher zum Kreuzfahrthafen, dort liegen einige Pötte. Die Inselregierung plant diesen Hafen noch weiter auszubauen, damit mehr als 5 Schiffe gleichzeitig dort liegen können. Wie ich gelesen habe, sind die Ausbaupläne für den Süden der Insel, das heißt die Zubetonierung sämtlicher Küstenstreifen, auch noch nicht abgeschlossen.

Das Kaufhaus war brechend voll, ich suchte ein wenig nach bestimmten Artikeln, wurde aufgrund der Größe aber nicht fündig, und die vielen Menschen fand ich auch etwas irritierend. Also suchte ich die Haltestelle für den Bus, um wieder nach Costa Ayala zu fahren. Das mit der tarjeta hat wunderbar geklappt. Hoffe ich jedenfalls.

Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und so machte ich mir erstmal ein „bocadillo“ mit Serranoschinken, Ziegenkäse und diesen herrlichen süßen weißen Zwiebeln, die es in Spanien überall gibt. Dann setzte ich mich mit einem Glas Wein auf die Klippen, wartete auf den Sonnenuntergang und freute mich sehr, dass ich hier bin.

Tja, wie gefällt uns denn nun Las Palmas? Also, auf den ersten Blick ist es keine besonders attraktive Stadt. Auf den zweiten Blick findet man einige Pretiosen. Aber insgesamt ist diese kanarische Inselhauptstadt von den von mir besuchten vieren (Sta Cruz de Tenerife, Sta Cruz de La Palma, Puerto del Rosario) bisher die unattraktivste. Ich habe das Gefühl, man investiert wenig in Erhalt und ließ/lässt viel verkommen und viele Bausünden zu. Aber ich habe ja noch 27 Tage Zeit, die schönen Seiten hier zu entdecken.

Morgen geht dann der Ernst des Lebens los, Gerald geht wieder zur Schule. Ich hoffe inständig, es gibt keinen Sportunterricht. Ich habe nämlich meinen Turnbeutel vergessen. Auch auf Noten für Schönschrift kann ich gut verzichten. Wie hießen früher noch diese Filme mit Theo Lingen und Pepe Nietnagel, den richtigen Namen habe ich vergessen, die in der Schule spielten?

Allen einen schönen ersten Advent gehabt zu haben, ich würde mich freuen Euch morgen wieder hier zu sehen.

Alles Liebe, viele Grüße, Euer Gerald

Der Autor beim Studium der Grundnahrungsmittel der Einheimischen.

Tag 0: Die Anreise

¡Hola a todos!

Endlich angekommen, ihr Lieben! Wie es hier aussieht, kann ich leider nicht sagen, denn es ist schon dunkel.

Die Anreise war eigentlich ganz angenehm. Ich stand auf, packte meine restlichen Sachen, denn gestern hatte ich schon damit angefangen, gammelte noch eine Stunde herum, fuhr mit Bus und Bahn zum Flughafen, kam dort überpünktlich an, wie immer, der Flieger startete pünktlich, der Flug war bis auf wenige Turbulenzen sehr ruhig und angenehm, der Flieger landete zu früh und dann begann der Horror.

Ich erwähnte bereits, dass ich einen Mietwagen für 18 € über vier Wochen angemietet hatte; ich rechnete nicht damit ihn zu bekommen. Aber auch am Mietwagenschalter lief zuerst einmal alles ziemlich gut. Der junge Mann hinter dem Tresen flirtete heftig mit mir, plauderte über sich und sein Leben, wollte auch von mir alles mögliche wissen, checkte die Versicherungen, sagte die seien ausreichend, dann mal gute Fahrt, hier ist ihr Schlüssel, der Wagen steht hinten auf dem Hof. Ja vielen Dank, alles Gute, super prima, bis denne. Auf dem Hof angekommen fand ich den Wagen nicht, der Hof war einfach zu groß.

In dem kleinen Avis-Büro auf dem Parkplatz legte ich den Schlüssel hin und sagte, ich wolle meinen Wagen abholen. Die Frau drückte auf einen Knopf der Fernbedienung, zeigte in eine bestimmte Richtung und sagte, da hinten wo es gelb ist. Ich sah kein gelbes Auto. Sie drückte wieder auf den Schlüssel und sagte, da hinten wo es gelb leuchtet, und dann begriff ich, sie meinte die Warnblinkanlage. Ach du Schreck! Ich habe einen Kleinstwagen angemietet und ich bekam ein Schlachtschiff und das auch noch unversehrt, mit nur einer winzig kleinen Schramme an der Beifahrertür. Ich versuchte noch zu stammeln, dass ich das Fahren von Schwertransportern nicht gewohnt sei, aber da hatte sie schon den nächsten Kunden an der Angel. Ergeben stieg ich also in den Wagen und fuhr Richtung Costa Ayala.

Mein „Zweitürer oder ähnlich“

Zuvor wollte ich mich im Supermarkt noch mit den notwendigsten Dingen des Lebens versorgen, da sonntags das Einkaufen hier auf der Insel nicht so ganz einfach ist, und ich ja auch für den Abend überhaupt nichts hatte. Kurz vor Las Palmas fuhr ich in ein Einkaufszentrum. Die centros commerciales sind hier riesig. Und obwohl es schon 9 Uhr abends war: es war brechend voll. Ich gurkte ca. eine halbe Stunde durch engste Parkhäuser und fand nicht einen einzigen Stellplatz. Dafür brach mir aber der Schweiß aus, da ein Trubel herrschte, wie ich ihn auf einer Massenflucht vor einem Meteoriteneinschlag erwartet hätte, aber nicht in einem Einkaufszentrum. Ich verließ dieses Einkaufszentrum wieder, nicht ohne fast zu hyperventilieren, und fuhr durch Las Palmas hindurch Richtung Costa Ayala, um ein weiteres Einkaufszentrum anzufahren, dass auf der anderen Seite der Stadt liegt und von dem ich vorher schon wusste. Auch hier Chaos pur: der Kreisverkehr… es ging nichts mehr. Es wurde gehupt, geschrien, geflucht, gefuchtelt und gefahren wie wild gewordenes Schwein.

Ich am nächsten Kreisverkehr raus und wieder Richtung Costa Ayala, wo schon mein Vermieter Miguel mit den Füßen scharrend vor dem Haus stand und mich erwartete, denn er wollte mit seinen Freunden, die mit ihm warteten, noch zu einer Geburtstagsfeier. Er zeigte mir die Wohnung, sie ist so, wie ich sie mir vorgestellt habe, und erklärte mir den Weg zu einem Lidl, denn in den centros comerciales hätte ich heute keinen Erfolg, es sei Black Saturday. Nun ja, hier gibt es also nicht nur Black Friday sondern auch Black Saturday, dies erklärte das Chaos.

Aber ganz ehrlich, Ihr Lieben, es schienen mir mehr Menschen in diesen Zentren zu sein, als ich überhaupt auf der gesamten Insel vermutet hätte. Ich war auf jeden Fall schweißgebadet.

Ich dann noch schnell zum Lidl, ich hatte nicht mehr viel Zeit und dort war, wie Miguel es vorhergesehen hatte, überhaupt nichts los.

Das Lebensnotwendigste – die Weinflaschen geschickt unter Blätterteiggebäck versteckt…

Ich deckte mich mit allem Nötigen ein, fuhr wieder in die Wohnung, packte aus und jetzt sitze ich hier und versuche meinen Blutdruck wieder auf Normalnull zu bringen. Ob ich dieses Schlachtschiff je noch einmal bewege, das steht in den Sternen. Ich bin ja froh, dass ich keine Schramme auf dem Weg hierher reingefahren habe.

Auf jeden Fall habe ich jetzt 4 Wochen nur für mich, ohne Verpflichtungen, wenn man von der Sprachschule einmal absieht. Morgen werde ich nach Las Palmas reinfahren und schon einmal die Schule suchen, um zu gucken, wie ich dort hinkomme. Ich möchte ja nicht am ersten Tag zu spät kommen. Es soll von Anfang an feststehen, dass ich der Streber in der Klasse bin.

Also, wenn ihr möchtet, morgen mehr, alles Liebe, viele Grüße

Euer Gerald

Su casa es jetzt mi casa… ?

Prolog: Weihnachten unter Palmen

Queridos amigos.

Bald – nämlich ab kommenden Samstag – stehen mir vier Wochen Urlaub der besonderen Art bevor. Vier Wochen am Stück an sich sind ja schon besonders. Aber ich entkomme auch der Vorweihnachtszeit, die für mich, auch da sie im August ja schon losgeht, einiges an Schrecken bereithält. Und ich mache keinen Erlebnisurlaub im klassischen Sinne. Ich werde eine Wohnung an der Nordküste beziehen, dort auf der Dachterrasse sitzen, aufs Meer glotzen und das Meer zurückglotzen lassen. (Nun, jetzt bei der Überarbeitung des Prologs kurz vor der Veröffentlichung muss ich korrigierend einfügen, dass ich zwischenzeitlich in einer Sprachschule in Las Palmas einen B1-Intensivkurs für Spanisch gebucht habe. Der geht über drei Wochen, montags bis freitags von 9 Uhr bis 12:30 Uhr.)

Die Frage, die sich mir stellte, war: Wie abendfüllend ist ein Reiseblog, der nur aus Rumfaulenzen und Nichtstun (und Sprachschulenbesuch 🙂 ) besteht? Nun ja, Ihr kennt mich ja vielleicht. Ich habe die ganze Zeit einen Mietwagen, wohne nur ein paar Kilometer von der Hauptstadt entfernt und kenne die Insel noch gar nicht. Also, es würde mich nicht verwundern, wenn doch das ein oder andere passierte. Und so ein Sprachkurs ist bestimmt auch sehr komisch.

Den Flug hatte ich schon im Spätsommer gebucht, die Wohnung ebenfalls. Mein Mietwagen kostet angeblich nur 18 Euro für den ganzen Monat. Die Wohnung ist mit drei Schlafzimmern ausgestattet (zwei davon winzig), befindet sich auf einer Steilküste westlich von Las Palmas und hat den schon erwähnten Blick auf das Meer. Ich teile mir das Zweiparteienhaus mit meinem Vermieter, der u.a. den Vornamen Àngel führt. Wenn das mal nicht verheißungsvoll ist.

Also, es wird vielleicht nicht jeden Tag spannende Berichte geben, aber schaut doch ab und zu mal rein, dann erfahrt Ihr, was ich auf der Insel so alles treibe.

Ich sollte immer Internetzugang haben. Wenn ich aber mal nichts poste, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass ich an dem Tag tatsächlich nur aufs Meer geglotzt habe und nicht etwa daran, dass ich mich im berühmt-berüchtigten Yumbo-Center oder in den nicht minder berüchtigten Dünen von Maspalomas verirrt habe und mein Dasein nun als Klischeetunte friste.

Also, wenn Ihr mögt….
Hasta pronto!

Euer

Tag 15: Und Tschüss

Ardievu, Baltija!

Time to say goodbye, aber gaaaanz ohne Eile. Sarah Brightman tritt übrigens im November hier auf.

Das Frühstück im Hotel hat meinen Eindruck nahtlos fortgesetzt, Rührei aus dem Tetrapack, steinharte Eier, Croissants aus Gummi, kein Obstsalat. Das erste „a“ aus dem „Palace“ muss gestrichen werden, es ist einfach nur ein place.

Aber ich habe lange geschlafen, ich habe mich in den Tag rein gegammelt, habe spät gefrühstückt und mich ausgiebig stadtfein gemacht. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten.

Da die Sonne scheint (Breaking news!), habe ich den Museumsbesuch erst einmal verschoben und bin durch die Stadt gelaufen. Ich hörte mir das Glockenspiel des Rathauses an und habe anschließend noch einige schöne Stellen in der Altstadt entdeckt. Dann bin ich über die Vansu-Brücke nach Kipsala gelaufen, wo es die schönen Holzhäuschen zu sehen gibt, und bin dort ein wenig umhergeirrt.

Nutzloses Wissen, Band 6, Seite 234, Eintrag 4: Rigips wird Rigips genannt, da die ersten europäischen Gipskartonplatten dieser Art, die allerdings eine amerikanische Erfindung sind, in Riga auf Kipsala hergestellt wurden: Rigagips quasi. Also, was man hier alles lernen kann, das ist schon unglaublich! Vom anderen Daugava-Ufer aus hat man sehr schöne Blicke auf die Altstadt.

Ich bin wieder zurückgelaufen und habe an den Jakobsbaracken vor einer urigen Bar zwei Kaffee getrunken, handgebrüht, mal wieder ein ganz anderes Geschmackserlebnis. Hier konnte man wieder heiteres Nationalitätenraten betreiben. Die Deutschen habe ich ja an der Sprache erkannt, sie waren in der Regel sehr, sehr laut. Vor allen Dingen, wenn sie in reinen Männergruppen unterwegs waren. Man hätte sich vielleicht etwas schämen können. Aber die Briten oder Iren die ihnen folgten, mit nacktem Oberkörper laut grölend durch die Straßen torkelnd, haben die Scham schnell vertrieben. Irgendetwas skandinavisches torkelte hinter den Briten oder Iren hinterher. Auch hier von Benehmen keine Spur.

Um die Ecke der Bar lag das lettische Kriegsmuseum. Der Eintritt war frei, ich musste dringend, so kam eins zum anderen. Denn Achtung, Geheimtipp: Die Toiletten in Museen sind in der Regel immer besonders sauber. Die Ausstellung ist sehr gut gemacht, war aber deprimierend. Ist ja auch ein deprimierendes Thema.

Plakatwerbung für deutsche Kriegsanleihen

Am Nationalmuseum kam ich dann auch noch vorbei, aber es hatte nur bis 17 Uhr geöffnet und es war schon 15 Uhr 30. Also habe ich es mir nur von außen angesehen. Mir fiel auf, dass ich in der Nähe des Jugendstilviertels war und machte mich dorthin auf, denn beim ersten Besuch hatte ich es nur durch Regenschleier wahrgenommen.

Dann noch schnell die deutsche Botschaft fotografiert, zurück zum Hotel, Koffer abholen und auf zum Flughafen. Der Bus fährt samstags nicht so wahnsinnig regelmäßig, daher hat man mal einen kleinen dicken Gerald rennen sehen, als der Bus an ihm auf dem Weg zur Haltestelle vorbei fuhr. Aber hat geklappt! Der kann nämlich für sein Alter noch ganz schön flink sein. 🙂

Natürlich bin ich wie üblich viel zu früh am Flughafen, aber hier gibt es ein schönes Restaurant, ich hatte außer den angebissenen Sachen vom Frühstück ja noch nichts gegessen. Nicht, dass ich noch vom Fleisch falle…

So, das war dann mein Besuch im Baltikum. Es war, wie Ihr hoffentlich herauslesen konntet, ein tolles Erlebnis. Die Länder sind schön, die Leute sind nett, und selbst ein paar sehr gelungene Unterkünfte waren ja dabei. Und ich hatte mit dem Wetter wirklich Glück, es hätte ja 14 Tage lang so sein können wie gestern. Zwei Wochen sind eigentlich nicht genug, um alles in Ruhe zu erforschen. Die braucht man fast schon für jedes einzelne der drei Länder.

Im Laufe der nächsten Woche werde ich noch einen Link zu einem Fotoalbum hier einstellen, aber es wird dauern, die vielen Fotos, die ich gemacht habe, zu sichten. Ich hoffe, es hat Euch ein bisschen gefallen, mich zu begleiten. Und immer daran denken: freiwilliges Lesen des Reisetagebuchs befreit von der ansonsten verplichtenden Teilnahme am Dia-Abend mit 54.290 Bildern.

Bis zum nächsten Mal, Euer Gerald

Das Google-Street-View-Auto ist wieder unterwegs
Manchmal ergeben 2+2+1 eben 7

Tag 14: Der größte Wasserfall des Baltikums

Laipni lūdzam atpakaļ Rīgā!

Was für einen Unsinn habe ich da gestern geschrieben! Wettertechnisch schlechtester Tag! Ein Witz!!! Und was für Unsinn in den Reiseführern steht! Der größte Wasserfall des Baltikums, der ist nicht wahlweise 8 Meter hoch (Estland) oder 153 Meter breit (Litauen). Durch den größten Wasserfall des Baltikums bin ich heute stundenlang gefahren!

Während ich nach dem Aufstehen und beim Frühstück noch kurz überlegte, welche Schönheiten des Landes ich heute besuchen soll (das Schloss in Palanga oder das Schloss Rundale, den schönen Fischerort Ventspils oder den nordwestlichsten Zipfel der Rigaer Bucht bei Kolka), seufzte der Kellner etwas, das sich wie ein litauisches „ach du jeh“ anhörte, starrte aus dem Fenster, wir anderen dann auch und sahen…. den Wolkenbruch unseres Lebens. Naja, wird schon wieder vorbei gehen, wie immer an diesen Tagen. Hustepiepen! Es hatte sich eingeschüttet und hörte nicht auf. Ich hatte keine Lust auf Schlossparkbesuche, bei denen ich drohte, ins Meer gespült zu werden, und dachte, ich bringe besser den Wagen jetzt einfach zurück nach Riga, checke in meinem 4-Sterne-High-Level-Upper-Class-Palast ein, den ich mir extra für die letzte Nacht gegönnt habe. Und vielleicht ist es bis dahin schöner und ich kann einfach noch einmal gemütlich durch Riga gehen.

Die Fahrt war nicht wirklich entspannend. Schon in Klaipeda auf den Ausfallstraßen in vierspurigen Kreisverkehren, in denen man die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr erkennen konnte, litt mein sensibles limbisches System unter den Belastungen sehr. Dazu die bereits angedeutete forsche Fahrweise der ansässigen Katholiken. Puh!

Und es hat 350 Kilometer und genauso viele Minuten lang mehr oder weniger wie aus Eimern gekübelt!

Wenigstens hat die Wagenrückgabe sehr gut geklappt. Schon heute morgen rief ich Hertz an, dass ich um 18 Uhr kein „meet and greet“ in einer obskuren Tiefgarage haben wolle, sondern den Wagen beim offiziellen Büro am Flughafen abgeben, damit ich zeitlich flexibler sei. Dies wurde sogar ausdrücklich begrüßt. Und als ich in Riga in strömendem Regen am Flughafen ankam, der Rent-a-Car-Parkplatz natürlich jwd, stand dort erfreulicherweise schon ein Mitarbeiter, der sofort den Wagen abnahm und mich dann mit seinem Auto auch noch zur Bushaltestelle brachte, von wo aus ich nach 30 Minuten in der Stadt war. Er bedankte sich vieltausendmal, dass er nicht wegen meines Autos extra in die Stadt musste.
Ich bin übrigens 2315 Kilometer gefahren. Ich werde dafür viele Ave Gretas beten müssen. Aber man kommt so schlecht mit der Yacht von Tallinn nach Vilnius.

Das Hotel? Doppeltes Hustepiepen! Mein High-Class-Zimmer, das ich für immerhin 100 € im Voraus gebucht hatte, entpuppte sich als absolut winzige Abstellkammer. Ich habe in meinen Buchungsunterlagen nachgesehen und dort steht „kleines Doppelzimmer“. Nun ja, es ist ein kleines Doppelzimmer; wenn man sich sehr, sehr, sehr lieb hat, dann bringt man sich dort auch nicht gegenseitig um. Auch der Zustand ist keine drei Sterne wert. Die Rixwell-Hotels werde ich in Zukunft sowas von weiträumig umfahren – wie das Kamener Kreuz bei Stau noch niemand so weiträumig umfahren hat. Eine so besch… Hotelkette – ich kann es nicht anders sagen…. Halt leider beide schon früh von Deutschland aus gebucht, ohne Stornomöglichkeit. Die positiven Bewertungen müssen gekauft worden sein. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Jetzt stellte sich die Frage, ob ich auf meinen drei Quadratmetern den ganzen restlichen Tag hier sitze und greine oder was ich sonst mit dem Tag anzustellen gedenke. Ich plünderte erst einmal die Minibar, um dann nach einer halben Stunde zum Schirm zu greifen, um durch die Stadt zu schwimmen. Ihr merkt, die Plünderung hielt sich in Grenzen.

Es war witzig, durch eine Stadt zu laufen und oft zu denken: „Hey, das kenne ich!“ Ich setzte mich sogar in die Kreisch-Bar, wo aber statt des Elvisimitators diesmal eine talentierte Frau gecoverte Soft-Pop- und R&B-Songs vortrug. Dann enterte ich diverse Souvenirgeschäfte. Es ist absolut unheimlich. Mir gefällt hier nichts, aber auch gar nichts. Ich werde morgen mal auf die Suche nach der berüchtigten Laima-Schokolade gehen. Vielleicht passt die gut zum Tallinn-Schnaps, den ich in Estland erwarb.

Und dann kam endlich die Sonne durch. Leider ein bisschen spät, Monsieur Soleil! Aber immerhin hatte ich meine 15 Minuten blauen Himmel.

Essen war ich dann in einem Self-Service-Pelmeni-Laden. Man schaufelt sich russische Suppen auf den einen Teller und auf einen anderen Salate und auf einen dritten Pelmeni, das sind die gefüllten Teigtaschen, die es in allen möglichen Variationen gibt. Und schwupps ist man für 4,32 Euro satt. Und es war auch noch ganz lecker. So eine Kette würde bei uns bestimmt auch gut laufen.

Pelmeni-Variationen, Salat und Apfelschorle.
Mehr Fotos? Wie, Ihr habt noch nie einen Wolkenbruch gesehen??

Dann schnell auf die Uhr geguckt. Wir erinnern uns. Kein Wein darf sein nach acht im Mondenschein. Glück gehabt. 19 Uhr 30. Schnell in den nächsten Shop und einen Rosé de Hagueboutte gekauft.

Morgen soll das Wetter auch nicht so wirklich… daher werde ich ausgiebig schlafen, spät frühstücken und die lange Zeit bis zum Abflug im Lettischen Nationalmuseum verbringen. Das wird sehr gelobt. Ich bin gespannt.

So, ich suche jetzt mal bei Google nach „Wie werde ich Schwimmhäute los in nur 10 Tagen“ und hagebutte dabei ein bisschen.

Bis morgen, wenn Ihr mögt.

? ? und ? , Euer Gerald

In Bäckereien gibt’s schöne Souvenirs. Das Brot ist hier wirklich lecker. Und auch die Erste-Hilfe-Kekse sind außergewöhnlich gut. Erste-Hilfe-Kekse? Elke fragen!

Wer findet den Fehler? (Leider verfälschen die Aufnahmen den Eindruck, denn nur ein Zimmer hat ganz aufs Foto gepasst)

Tag 13: Memelland

Sveiki visi!

Heute war wettertechnisch der bisher schlechteste Tag meiner Rundreise, und ausgerechnet heute wollte ich ja auf die Kurische Nehrung. Die ist bei Regen natürlich nicht ansatzweise so schön wie bei Sonnenschein. Also frühstückte ich erst einmal in aller Ruhe und ganz gut, denn laut Wettervorhersage sollte es besser werden, und das schon bald. Es war zudem zu überlegen, ob ich mit dem Auto fahre, oder mit der Fußgängerfähre übersetze und auf der Nehrung die Buslinien nehmen sollte. Bei der Sichtung der Fahrpläne wurde mir allerdings schnell klar, dass ich mit dem Bus nicht glücklich werden würde. Also mit dem Auto hinüber; das tat ich dann gegen 10 Uhr. Ich stellte mich auf sehr hohe Kosten ein, da die Fähre 12,30 € kosten sollte und zusätzlich eine Maut von 20 € für die Insel fällig sein sollte. Erstaunlicherweise waren die 12,30 € aber für Hin- und Rückfahrt, und die Maut betrug nur 5 €. Man kann sich auf keine Internet-Informationen mehr verlassen, das hat schon der alte Goethe gewusst.

Wann kann man beim Autofahren schon mal gefahrlos ein Selfie schießen? Auf der Fähre natürlich!

Ich wollte erst einmal ganz durchfahren bis fast an die russische Grenze zum Oblast Kaliningrad. Einen kleinen Stopp machte ich in Juodkranté, als ich an Sandskulpturen vorbeifuhr. Nett. Dann nach Nidden, das ist ein sehr pittoresker Ort, selbst im grauen Gewand. Viele hergerichtete Holzhäuser, einige stehen sogar unter Denkmalschutz, alles ein bisschen aufgehübscht, alles ein bisschen trostlos. Trostlos heute, weil sich nur ganz wenige Menschen hierher verirrt haben. Hier ist richtiggehend Nachsaisonsdepression. Und dann bei diesem Wetter: ein Fest! Aber ich kann mir vorstellen, dass man im Sommer hier ganz wunderbar Zeit verbringen kann. Der Blick aufs Haff ist sehr schön, es gibt dort ein ganz besonderes Licht, dass schon viele Künstler hierher gelockt hat. Unter anderem Berühmtheiten wie Lovis Corinth.

Auch die anderen Orte auf der Kurischen Nehrung sind recht ansehnlich. Die Dinge die ich mir ansehen wollte, natürlich die Häuser, dann aber auch die für diese Gegend einzigartigen Grabtafeln, die es hier auf den Friedhöfen gibt. Der von mir besuchte Friedhof war fast schon ausschließlich deutsch. In der dazu gehörigen evangelisch-lutherische Kirche hält man auch deutsche Gottesdienste ab, es liegen sehr viele deutschstämmige Menschen auf dem Friedhof, es gibt sehr viele Inschriften auf deutsch. Wen wundert’s, war hier doch alles mal sehr deutsch. Hierzu empfehle ich den Interessierten einmal die Geschichte über Memel zu lesen, so hieß Klaipeda bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Dann habe ich natürlich die große Düne erklommen, da hat es mich fast weggeweht! Ich weiß nicht genau, wann ein Orkan anfängt, aber es fühlte sich an, als wäre es nicht mehr weit weg davon. Am Ostseeufer war ich selbstverständlich dann auch noch. Die See war heute natürlich rauh wie sonst was, aber auch hier ein toller Ausblick über kilometerlange weiße Sandstrände, hohe Dünen, Nadelwälder, die bis zum Strand stehen.

Es gibt hier außerdem einige Märchen- und Hexenwälder, aber leider ist das für mich nicht von Interesse, handelt es sich dabei doch vorrangig um eine Ansammlung dieser gruseligen „skandinavischen“ Holzfiguren, die mir ein wenig zu altbacken sind.

Es gibt diverse Skulpturenparks sowohl in Klaipeda, als auch auf der Nehrung. Aber auch hier ist meine Begeisterung nicht besonders groß, alles sieht ein bisschen aus wie ein billiger Henry Moore. Und selbst den finde ich nicht besonders erwähnenswert. Man staple drei große runde Steine aufeinander, haue eine Eisenstange mittdurch und nenne das Ganze die drei Grazien (wahlweise die Musen, Nornen oder die Drei von der Tankstelle), schon ist die Kunst fertig? Nein, liebe Leute, so einfach ist das nicht. 🙂

In Nidden gehört sich natürlich auch ein Besuch des Thomas-Mann-Hauses. Der Nobelpreisträger (ich liebte die Buddenbrooks!) verbrachte hier drei Sommer hintereinander und schrieb „Joseph und seine Brüder“. Das heutige Museum ist ein bisschen schlicht. Paar Tafeln an der Wand, ein paar Installationen. Ich meine, es ist spannend, sich vorzustellen, wie der Übervater der Mann-Familie sinnierend auf der Terrasse stand und auf das Kurische Haff heruntersah. Aber man hätte hier mehr draus machen können. Was bleibt ist der Wunsch, sich noch einmal mit dieser sehr interessanten Familie auseinanderzusetzen.

Als sehenswert waren noch diverse Naturparkteile angegeben, so z.b. der Wald der Kormorane und Graureiher. Auf der Aussichtsplattform für das von diesen Vögeln bewohnte Gebiet standen 20 Touristen und schnatterten „Wo sind denn die Vögel, ja, wo sind denn die Vögel?“. Die Vögel waren natürlich nicht da, aber ich würde mich auch unter meinem Bett verkriechen, wenn lauter Touristen vor meiner Tür stehen und nach mir riefen. Aber man sah doch viele Nester und man sah doch viele weiße, tote Bäume, denn der Vogelkot bedeckt und erstickt alles. Zudem gibt es noch einen Elchbruch. Aber da ich ja vor kurzem erst Elch… habe ich mich da nicht hingetraut.

Es gibt über Kormorane übrigens einen netten Vers von Robert Gernhardt, unserem Dichter aus Tallinn. Aus seinem Tieralphabet. Ist aber nicht pc. 🙂

Nach fünf Stunden Aufenthalt hatte ich genug von wechselhaftem Wetter, Kälte, Wind und Regen, so dass ich wieder Richtung Fähre fuhr. Was soll ich sagen? Kurz bevor ich dort ankam, brach der Himmel auf und die Sonne schien durch und es wurde warm. Aber deswegen jetzt wieder zurückfahren, um den ganzen Kram noch einmal zu machen: nein danke.

Ich beschloss dann – statt wie ursprünglich geplant, ein kleines Nickerchen zu machen – mir doch noch einmal Klaipeda anzugucken. Und es gibt hier doch schöne Ecken; es gibt Fachwerkhäuser, es gibt es einen schönen Theaterplatz, es gibt den völlig überbewerteten und trotzdem netten Ännchen-von-Tharau-Brunnen, und die Altstadt ist an sich auch ganz okay. Zu diesem Brunnen, an dem ich in einem Restaurant mein Bier zu mir nahm, wurde eine Reisegruppe nach der anderen angekarrt. Alle staunten ehrfürchtig die kleine Bronzefigur an, durften sich dann um die Ecke ein Eis holen, konnten an den völlig überteuerten Ständen Souvenirs erstehen und wurden wieder in den Bus verfrachtet. Und das vier oder fünf Mal in der einen Stunde.

Heute hatte ich – glaube ich – das erste Mal ein veritables Rundreisenerschöpfungssyndrom. Ich vermute, man merkt das auch meiner mäkeligen Art der heutigen Schilderungen. Es prasselt ja doch so einiges auf einen ein. Ich wusste heute Abend nicht mehr, ob nun Richard Wagner hier am Theater eine Saison lang dirigierte (tat er) oder ob er nackt im Brunnen gebadet hat (tat er [wahrscheinlich] nicht). Ein Informationsfluss sondergleichen, dazu die langen Fahrten und die Vorbereitungen eines jeden Tages. Gleichzeitig überkommt mich aber doch Wehmut, dass ich mich morgen von Ludwig Zisch trennen muss und dann in Riga meine letzte Nacht im Baltikum verbringe.

Naja. Erstmal wieder morgen zum Ausgangspunkt der Reise, und noch ein paar kleine Dinge erleben. Ihr seid doch wieder dabei?

Pasimatysime rytoj! Euer Gerald

Scheibe. Geblitzt. Nee. Nur Spaß! 😉
Udo, das bist ja Du in 20 Jahren! Und jetzt schon ein Denkmal? Wow!