Tag 25: Ofenhitze

¡Felices fiestas, guapos!

Heute hat Gran Canaria ja geschlossen. Es gibt nur wenige Tage im Jahr, wo hier wirklich fast nichts geht (und irgendwie geht dann doch wieder was, aber man muss wissen, wo). Also war Wandern angesagt. Dazu braucht es keine Öffnungszeiten. Leider war heute früh das Wetter ein bisschen diesig und bewölkt. Das verleitete mich zum Bummeln und völlig erschreckt stellte ich um 10 Uhr 30 fest, dass ich die geplante lange Wanderung nicht mehr schaffen würde. GOTTSEIDANK!!! Denn ich machte mich dann auf zu nur einer Teilstrecke. Ihr Lieben. Ich weiss definitiv, was ich heute getan habe.

Zuerst fuhr ich durch das untere Agaete-Tal. Das ist wirklich wunderhübsch. Es ist sehr grün, es blüht hier und da, die Ziegen blöken in den Hängen und bimmeln „Leise rieselt der Schnee“ mit ihren Glöckchen. Die vielen Früchte, die man sehen kann, zeugen von landwirtschaftlichem Reichtum. Es gibt viele produzierende Fincas. Ein etwas verfallenes Restaurant und kurz vorher eine Finca stehen zum Verkauf. Sofort hatte ich wieder Flausen im Kopf. Tststs.

Im Reiseführer wird der Wanderweg von El Sao nach El Hornillo als anfangs etwas steil, dann abflachend beschrieben. Die Abflachung muss ich irgendwie übersehen haben. Leute. In meinem ganzen Leben war ich noch nie so froh, einen Ort erreicht zu haben. Mein Puls war auf 140 und ich war – nun ja – ein klitzekleinwenig derangiert. Wie aus dem Hornillo gezogen quasi. Vielleicht bin ich irgendwie aus dem Alter für solche Bergtouren raus. Fataler Fehler war auch, mit Turnschuhen und ohne Stöcke zu laufen.

Aber die Wanderung ist fantastisch. Auch bei so trübem Wetter. Nur das Refugio Hornillo war leider geschlossen. Die hätten mit mir einen Megaumsatz an Getränken gemacht. 25. Dezember, was willste machen? Es ging wieder ein bisschen durch Waldbrandgebiet, mehrere verlassene Fincahäuser lagen auf dem Weg. Ich hoffe, die Gegend regeniert sich wieder schnell! Auch lagen Höhlen auf dem Weg, in der letzten von mehreren ein Buch zum Eintragen, habe ich dann auch gemacht. In El Hornillo sind auch viele Häuser in den Berg gebaut.

Der Rückweg ging sich natürlich dann viel pulsschonender, hier war nur Aufmerksamkeit gefordert, da die Strecke teils wirklich steil und geröllig war. Während ich so abstieg, lief ein Mann mit einem Affenzahn an mir vorbei. Wie eine kleine Bergziege hüpfte er den Weg hinunter. Ich hatte etwas ähnliches bei meiner Gebirgstour letzte Woche schon von weitem gesehen. Muss eine Sportart sein. Gebirgsrennwandern oder so.

Auf der Rückfahrt nach Hause machte ich noch einen Zwischenstop in Agaetes Zentrum. Vor der Kirche war Weihnachtstrinken angesagt. Es schien, als hätte sich der ganze Ort dort zum Feiern versammelt. Sehr nett.

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Eigentlich wollte ich noch abends nach LPGC rein, aber es hat sich so zugezogen, dass ich mir einen Fernsehabend gönne. Abgesehen davon ziepen meine Oberschenkel auch ein bisschen. Geübte Trecker, Hiker und Alpinisten werden sich jetzt totlachen, aber ich hatte 250 Höhenmeter auf den ersten anderthalb Kilometern zu erkraxeln. Für so einen Sesselfurzer ist das ’ne ganze Menge.

Ich hoffe, Ihr hattet alle einen wunderbaren 1. Weihnachtstag! Mir hat meiner gefallen.

Bis bald, hasta luego!

Euer Gerald

Día 24: ¡Feliz Navidad!

Frohe Weihnachten, Ihr Lieben!

Heute – ganz im Sinne der Weihnacht – sollte es ein ruhiger und friedlicher Tag werden. Zum Sonnenaufgang hatte ich mir den Wecker gestellt und saß dann kurz vorher mit Kaffee am offenen Fenster, es fehlte nur das Kissen mit den Bommeln dran. Es war dann aber ein eher unspektakuläres Ereignis. Ich legte mich dann nochmal ein bisschen hin.

Im Osten geht die Sonne auf…. Wer kennt den Teil über den Norden?

Am späten Vormittag fuhr ich dann mit Bussen bis zum nördlichsten Haltepunkt von Las Palmas (der letzte hat im Leerlauf so vibriert, dass ich nie im Leben jemals eine Hautstraffung benötigen werde). Dort befindet sich der Mirador de Las Coloradas. Ein Aussichtspunkt in einem kleinen Ort auf einem Mondlandschaftshügel. Früher war rundherum und ist heute noch teilweise militärisches Sperrgebiet.

Las Coloradas. Nicht ganz so farbenfroh, wie der Name es vermuten lässt.

Ich kraxelte auf den Mirador de la Cruz, von dem aus man perfekte Fernblicke genießen kann. Ich wanderte weiter Richtung Canteras-Strand. Es wurde leider immer schottiger und steiler. Kurz hinter dem Confital-Strand musste ich nachgeradezu alpine Fähigkeiten beweisen, bis mich nur noch 5 Meter von der Promenade trennten. Leider komplett steil und mit Kakteen in Sprungweite. Zwei schon erlittene Bänderrisse reichen mir für mein Leben und so alpinierte ich zurück. Einen ziemlichen Umweg, diverse Schürfwunden und einen Riss in der Hose später stand ich auf der Promenade, schaute die Gefahrenstelle hoch. Maximal 2 Meter und durchaus machbar. Jeder Pekinese hätte das geschafft! Aber Kiste ist ja bekanntlicherweise die Vorsicht der Porzellanmutter!

Auf dem Weg liegt übrigens eine archäologische Stätte. Höhlen der Canarios. Jetzt offensichtlich bewohnt von Aussteigern, die natürlich und ökologisch leben wollen und so herrlich unkonventionell sind.

Man beachte die Müllberge!!!

Ich hatte Bärenhunger! Jetzt schnell in ein Restaurant, etwas totaaaal leckeres essen. Puh! Alles voll. Alles! ALLES!! Ratet mal, in welchen drei Raststätten es Plätze gab! Burger King, die vegane Saftbar und der All-you-can-eat-Chinese hätten mich gerne willkommen geheißen.

Am Ende von Las Canteras bin ich dann in eine Seitenstraße, dort fand ich eine Avocado-Bar. Prima. Arrugadas mit Guacamole! „Guacamole ist aus…“ Manchmal hat man so einen Lauf… Also einen Wrap mit Salat, aber dazu als Weihnachtsgeschenk noch Sticks mit Hummuspaste. Und das Bier war extrem lecker! Nach Wanderungen ist es das eigentlich immer! Der Kellner ein Fan von Basquiat. Sehr sympathisch. Das ist übrigens kein Fußballverein, sonst hätten wir uns darüber nicht unterhalten können.

Wegen einer einzigen Tomate bin ich dann noch in den Supermarkt. Die brauchte ich dringend für meine Wanderung morgen. Ich nehme mir nämlich einen dreistöckigen Bocadillo mit.

Abends habe ich mich dann wieder auf die Klippen gesetzt. 17 Uhr. Da wurde es dann sentimental. Es bin ich. Damals haben wir zuhause immer so ziemlich genau gegen 17 Uhr die Kerzen im Baum angezündet. Dann wurden – früher wild durcheinander, später gesittet nacheinander – die Geschenke ausgepackt und dann wurde zusammen sehr einfach gegessen. Toast mit Räucherfisch z.B.

Vorher natürlich immer das Drama, wer geht zu wem, wer muss bestimmte Verwandte ertragen, wer kocht, wer räumt auf… Und der Stress mit den Geschenken! Jetzt saß ich einfach auf den Klippen, es war Heiligabend und ich… fand es unglaublich friedvoll und schön!

Der Autor hat ein Sentiment oder so.

Hier und da saßen andere Leute in den Klippen und schauten verträumt aufs Meer. Manche knutschten. Ich chattete ein bisschen mit einer Klassenkameradin aus dem Spanischkurs und einer Freundin aus Köln. Die Sonne ging unter. Ich blieb sitzen. Das Meer brandete gegen die Felsen. Mir wurde klar, dass ich hier leben will. Auf den Kanaren.

Sentimentaler alter Wirrkopp! rief ich mir zu und begab mich in mein Appartement. Dort warteten kühler Wein und eine Empanada de Carne auf mich, mein Weihnachtsmenü. Ähm… kann ein Gericht alleine eigentlich ein Menü sein?

Morgen ist eine Megawanderung geplant, von der ich noch nicht weiß, ob ich sie schaffen werde. Die Australierin aus dem Kurs hat eine ähnliche gemacht und musste ein Taxi rufen, weil sie sich verirrt hatte. Sollte ich Silvester nicht bei Rolfs Party sein, dann sucht mich im Tal von Agaete.

Ihr Lieben! ¡Felices Fiestas! Ich wünsche Euch alles erdenklich Liebe und Gute und sende Euch ganz viele Grüße aus Costa Ayala!

Euer Gerald

Wir wurden hier geboren, wir leben hier und ich gedenke hier zu bleiben, bis sich die Augen schließen.
Carmen Jiménez

Tag 23: Unentdecktes Las Palmas

Buenas tardes de la Costa Ayala, Ihr Lieben!

Heute hatte Sora frei und ich blieb in Las Palmas. Hier gibt es doch tatsächlich Ecken, die ich noch nicht gesehen hatte. Mit dem Guagua ging es erst einmal nach San Telmo und von dort aus in 45 Minuten zu Fuß die Küstenpromenade hinunter nach San Cristóbal, einem Fischerdörfchen im Süden von Las Palmas. Direkt an der Küste verläuft die Hauptautobahn der Insel, die GC-1. Also hat man rechts Verkehrs- und links Meeresbrandung.

Das kleine Örtchen ist einerseits wegen seiner bunten Bemalung, andererseits wegen eines kleinen Türmchens sehenswert. Letzteres war Teil einer Befestigungsanlage, die Angreifer von See abhalten sollte. Francis Drake und Pieter van der Does fügten der Festung aber dennoch massive Schäden zu, so dass sie wieder aufgebaut werden musste. Jetzt erinnert nur noch das gestutzte Türmchen an diese bewegte Zeit. Bei Flut, wie bei meinem Besuch, steht el Torreón de San Pedro Mártir mit den Füßen im Wasser.

Mit dem Guagua ging es nach Santa Catalina. Im Bus zahlte eine alte Dame ihre 1,40 Euro Beförderungsentgelt in Eincentmünzen. Die Freude beim Fahrer war groß. Sie entschuldigte sich dann bei allen Niños und Caballeros wortreich für die Verzögerung.

In La Isleta schaute ich mir die Hafenmarkthallen und die Festung La Luz an. Beides ganz nett. Die Markthalle war leider nur teilweise in Betrieb und das Kastellchen geschlossen.

Von dort lief ich zum Las Canteras-Strand, um zu Mittag zu essen. Es war brechend voll! Da ich unbedingt draußen sitzen wollte, ließ ich mich bei einem Italiener nieder, weil dort justament ein Tischchen frei wurde. Das Essen war aber leider versalzen und teuer und das Personal sehr muffelig. Aber die Aussicht war nett.

Ich lief die Promenade runter und tätigte meinen Festtagseinkauf, schleppte ihn nach Hause und setzte mich dann mit einem Feierabendbierchen auf die Klippen. Das ist ja so viel besser als Dachterrasse. Leider sind sie ein bisschen vermüllt.

Am zweiten Weihnachtstag hat quasi ganz Gran Canaria geschlossen, wie ich heute im Carrefour in Erfahrung brachte. Das schreit geradezu nach einem Wandertag. Apropos Carrefour… Ich mausere mich zu einem Couponspezialisten. Heute habe ich ca. 20% auf meine Einkäufe gespart.

Zu Weihnachten wünsche ich mir jetzt nur noch, dass das Wetter so schön ist wie heute.

¡Hasta mañana, wenns ihr mögt !

Euer Gerald

Tropische Grüße von den Klippen!
Sin título…

Tag 22: Der Süden im Recall

Estimados Sras. y Srs.

Fröhlichen 4. Advent Euch allen!!!

Heute also die zweite Chance für den Süden. Wobei – war ja beim ersten Erkunden nicht alles schlimm.

Also, heute gibt es Punkte für das Wetter. Hier im Norden war es heute früh und ist es immer noch zugezogen. Im Süden supersonnig und sehr gut warm!

Punkte gibt es auch für Arteara, eine Nekropole der Canarios. Sie liegt umrahmt von mächtigen Felsmassiven nördlich von Maspalomas. Diese Gebirge sind im Gegensatz zum üppigen Norden karg und schroff, fast unwirklich. Hier kann man Western drehen und Episoden für Raumfahrtserien. Ich meine sogar, dass Sioux City, ein Vergnügungspark im Süden, ursprünglich mal ein Filmset war – ich müsste das nochmal nachschlagen.

Die Nekropole selbst wird von einem sehr überschaubaren Museum eingeleitet. Dann folgt man gekennzeichneten Pfaden durch das Gräberfeld. Also, das ist hochinteressant! Haufenweise (im wahrsten Sinne des Wortes) Gräber in der gleichen Grundstruktur, doch in unterschiedlichsten Ausarbeitungen. Was diese Art der Bestattung für eine Mühe gemacht haben muss!

Gräberfeld

Es gibt zwei Palmenhaine an den Rändern der Stätte, Bienenstämme werden angesiedelt und Gehege für Tiere wurden angelegt. Noch vor hundert Jahren (so ein Schild, das weiß Gott wie alt ist) wurden hier ertrunkene Seeleute bestattet. Leider sind einige der Erklärungstafeln unleserlich geworden. Auch gibt es keine Waschräume und dergleichen. Wenigstens war es aber, vielleicht wegen der 4 Euro Eintritt, wirklich fast wie ausgestorben. Was ja zu so einem Ort durchaus passt.

Unangenehm war nur die Fahrt auf der GC-60 dorthin. Nicht ganz so kurvig, aber eng und bevölkert von zweien meiner Lieblingsgeschöpfe: Irrsinnige Motorradfahrer und lebensmüde Radrennfahrer. Wobei erstere noch die schlimmeren sind. Die zischen dreistellig durch 30er-Kurven. Und treten in röhrenden Horden auf. Und wenn dann bergab völlig unvermittelt ein Radfahrer im Rückspiegel auftaucht, der quasi am Heck klebt… tatsächlich bin ich an einer Unfallstelle vorbeigekommen, wo ein Radler scheinbar frontal auf ein Auto draufgefahren ist. Wer jetzt in der falschen Spur fuhr? Naja, zwar kotzte der Radfahrer gerade über die Leitplanke, aber scheinbar haben es alle überlebt.

Ich fuhr zum berühmt-berüchtigten Yumbo-Center. Punkte? Nö. Aber auch kein Abzug. Durch gruseligste Schilderungen – auch von großen Fans – war ich auf das allerschlimmste gefasst! Was soll ich sagen? Nicht gerade ein Traum, aber jo mei. Hunderte Fressbuden und Kneipen, die meisten um diese Zeit geschlossen. Souvenirläden und Parfümerien. Massagesalons und Ärzte. Also, etwas trist, aber man hat alles an einem Platz. Die Empanadas zum Lunch konnte ich allerdings nicht zuende essen. Die waren sehr merkwürdig. Und wegen der Fahrerei konnte ich mir die auch nicht schöntrinken. Andere Gäste haben das nämlich offensichtlich mit aller Macht versucht.

Yumbos Innenhof

Ein geschichtsträchtiger Platz befindet sich kurz vor Santa Lucia. Auf dem Heimweg wollte ich dort, an der Fortaleza, vorbei. Hier wurde – vermutet man – 1483 die letzte Schlacht zwischen den Canarios und den spanischen Besatzern geschlagen. Vernichtend für die Canarios, deren Anführer sich anschließend vom Fels gestürzt haben sollen. Die restlichen Überlebenden wurden gemetzelt oder versklavt. Aber die Policia machte mir einen Strich durch die Rechnung. Nachdem ich fast 20 Minuten auf kurvigen, engen Strecken Richtung Santa Lucia unterwegs war, wurde ich von ihr gestoppt. Es ginge wegen Bauarbeiten nicht weiter, ich müsse zurück oder nach rechts abbiegen und einen riesigen Umweg in Kauf nehmen. Naja, ich finde ja, das hätte man schon früher irgendwie andeuten können. Ich fuhr zurück zur Küste und nach Hause. Wieder in die Wolken rein.

Und so rein punktetechnisch? Ja, da hat der Süden was gutgemacht.

Einen Besuch im Arenas-Einkaufszentrum habe ich mir gespart, als ich von der Straße oben das Gewusel auf dem Kreisverkehr unten sah. Aber ich fürchte, morgen muss ich dringend Großeinkauf machen. Weiß ja nicht, wie das hier mit den Feiertagen so ist.

Auf der Klippe vorm Haus stehen wieder viele Meeresanbeterwagen. Irgendwie witzig. Ich würde ja aussteigen und mich auf die Felsen hocken. Aber die Mehrheit sitzt bei hochgekurbeltem Fenster (selbst die Raucher) im Auto und schaut zur Frontscheibe raus.

Heute Abend gibt’s wieder Sangria, ich habe noch so viel Obst. Da erscheint Trinken ja auch gleich als überaus gesundheitsfördernd!

Ihr Lieben, bis morgen vielleicht. Ich verabschiede mich für heute mit einem lautstarken ¡Eviva España!

Euer Gerald (der hofft, dass Ihr jetzt nicht alle einen schlimmen Ohrwurm habt)

Besuchen Sie Tunte… Hm. Was mag da so interessant sein?
Der Autor im Grand Canyon

Tag 21: Steilige Stätten

Guten Abend aus dem bis vorhin noch sonnigen Norden, liebe Leser!

„School’s out forever“, wie schon Alice Cooper seinerzeit lautstark grölte. Trotzdem wachte ich theoretisch rechtzeitig auf. Drehte mich dann aber nochmal rum. Und forever? Hm. Wer weiß, wo ich meinen B2-Kurs mache… Vielleicht in einer Schule in Sevilla? Oder auf El Hierro? ¿Quién sabe?

Heute war Hauptprogrammpunkt der Besuch „eines der schönsten Dörfer Spaniens“, ein Prädikat, das von allerhöchsten Stellen vergeben wird und man sich schwer verdienen muss. Geschafft hat dies unter anderem das Dorf Tejeda im Inselinneren. Na, da wollen wir doch mal sehen… Die Fahrt dorthin war auf jeden Fall wieder einmal spektakulär! Ganz tolle Aussichten! Und diesmal bin ich durch Waldbrandgebiet gekommen. Der Boden grünt schon wieder, Rankzeug bemächtigt sich der toten Stämme. Aber eine Erholung wird noch dauern.

Tejeda begrüßte mich dann mit einer festlichen Hochzeit. Hui, hatte man sich da rausgeputzt! In Italien nennt man das ja „fare una bella figura“, ich nehme an, da gibt es auch einen feststehenden spanischen Ausdruck für. Da muss jedes Haar sitzen und alles glänzen, außer der Stirn. Der Ort ist bis auf eine zentrale Großbaustelle wirklich wunderschön. Alles ist so gepflegt und aufgeräumt. Es gibt keine Werbung und kein Plastik. Es gibt nur Schönes! Ich war sofort hin und weg. Und die Menschen: Die Dame im Souvenirshop, der Kellner auf der Aussichtsterrasse, die Mitarbeiter des Delikatessengeschäftes. Alle zum Liebhaben!

Auf der Aussichtsterrasse habe ich zum Kaffee ein Pan Tomate gegessen. Also, dass etwas so Simples so toll schmecken kann. Das geröstete Brot ein bisschen mit Knoblauch eingerieben und mit Olivenöl beträufelt, dann Tomatenpüree drauf und das ganze verziert mit ein paar Klecksen Honig. Ein Traum. Das Öl habe ich sofort erstanden, dazu Bienmesabe und einen Mandelkuchen, alles mit Zutaten aus der unmittelbaren Gegend. Man schenkte mir dann noch ein Glas Pflaumenmarmelade und bastelte mir eine Papierrose. Die Marmelade ist zwar schon über dem Verfallsdatum, aber wird an sich ja nicht schlecht, wenn sie noch nicht geöffnet ist. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut.

Weiter ging es zum nahegelegenen Roque Bentayga. Eine heilige Stätte der Canarios. Man kommt mit dem Auto bis zum dazugehörigen Museum, klein und fein und Eintritt frei, und muss dann den Rest per pedes erklimmen. Was der Onkel Gerald immer wieder vergisst ist, dass der Aufstieg zwar anstrengender, der Abstieg aber immer schwieriger ist. Besonders bei Höhenangst. Oben angekommen war ich etwas aus der Puste. Unten angekommen war ich klatschnass vor Stress. Aber es hat sich gelohnt! Wenn man sich überlegt, dass die Canarios mal eben so ohne vernünftige Schuhe und ohne Hyundai Tucson auf 1414 Meter Höhe gekraxelt sind, um wem auch immer zu huldigen. Teilweise haben sie dort in Höhlen gewohnt. Der Platz ist aber auch wirklich magisch.

Artenara – nächster Punkt der Reise – zählt als das höchstgelegene Dorf der Insel. Auch hier ist es sehr schön, prima Ausblicke, alles so idyllisch! In Artenara kann mann dann nordwestlich zu einem Christus hinaufkraxeln, dann wieder ins Tal, um dort ein Höhlenmuseum zu besichtigen, um anschließend wieder einen Berg im Südosten zu erklimmen, wo sich die Ermita de la Cuevita befindet. Warum muss alles Heilige so weit oben liegen? Also, meine Waden wissen, was sie am Tag geleistet haben.

Das Höhlenmuseum war übrigens überraschend gut besucht. Es handelt sich um Höhlen, die noch aus vorhispanischer Zeit stammen und seit ihrer Wiederentdeckung als Heimatmuseum für typische Einrichtungsstücke des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts dienen. Auch hier freier Eintritt, man darf aber eine Spende hinterlassen. In der Ermita kann man einen Euro in einen Apparat schmeißen, dann geht für drei Minuten das Licht an.

Es wurde schon spät, und ich wusste, dass Sora nicht im Dunkeln die Serpentinen bergab fahren wollte. Vollstes Verständnis! Ich glaubte, ich fände den Weg auch ohne Navi, da ich mich ja jetzt so dolle auskenne. Naja, kurz vor der Küste war ich unentrinnbar in einem mir völlig unbekannten Ort gefangen, aus dem ich nicht mehr rausfand. Nachdem ich dreimal um den selben Platz herumgekurvt war, schaltete ich doch wieder das Navi an, was dieses mit einem höhnischen Kichern quittierte. Innerhalb von 6 Minuten war ich dann von dort aus zuhause.

Diesmal versammelten sich die Wolken an der Westküste.

Also, der Tag heute hat definitiv dazu beigetragen, dass meine Liebe zu dieser Insel einen Quantensprung gemacht hat. Das Inselinnere ist ein Traum!!! Leider nur nix für alte Knochen. Es ist doch alles überall sehr steil. Und man braucht Ewigkeiten, um selbst kurze Strecken zu überwinden.

Morgen geht es nach Maspalomas, ich habe eine Verabredung zum Mittagessen dort. Ich bin gespannt, ob der Süden nicht doch noch Überraschungen für mich bereithält. Ich werde gleich noch einmal den Reiseführer konsultieren.

Ich hoffe, es geht Euch allen gut und sende viele liebe Grüße!

Euer Gerald

Señor Unamuno und ich sind uns einig. Schön hier. Er hat eine sehr interessante Biographie!
Ruhestand hier oben? Man muss sich das dann so vorstellen: Das Blümchen steht in meinem Vorgarten und der Lebensmittelladen ist im Bild Mitte links.

Tag 20: Weihnachtsferien!

Schulferien! Wie lange ich das in meinem Leben nicht mehr hatte! Aber der Reihe nach: Nur die Schweizerin hat die Prüfung abgelegt, die restlichen fünf haben sich den Film angesehen. Auf Spanisch mit spanischen Untertiteln. Es war zwar ganz hilfreich, dass ich „Pans Labyrinth“ schon zweimal gesehen hatte, aber trotzdem hätte ich, oh Wunder!, den Film auch so verstanden. Wir sprachen dann noch einige Zeit über die Symbolik des Films und über den spanischen Bürgerkrieg. Der Abschied heute war nicht ganz so sentimental, wie ich es befürchtet hatte, aber es wurde ein bisschen geherzt und gedrückt. Wir waren -natürlich !- der beste B1-Kurs ever! Kurz überlegte ich noch, ob ich Nummern tauschen sollte – besonders drei der Mitschüler fand ich extrem nett – beließ es dann aber bei Luftküssen und Schulterschlägen.

Wo sind all die Schüler hin…?

Nach der Schule suchte ich mir erst einmal eine Tapas-Bar und aß Tortillas. Die waren ganz anders als ich erwartet hatte, mehr so wie Reibekuchen und nicht wie die sehr festen Gebilde, die man sonst so kennt. Dazu noch Pâté de Perdiz, Pastete vom Rebhuhn. In Spanien enden die Märchen oft entweder mit „Colorín colorado, este cuento se ha acabado“ oder mit „vivieron felices y comieron perdices“ (in etwa: „Farbiges Bunt und das Märchen hat geendet“ bzw. „Sie lebten glücklich und aßen Rebhühner„). Da musste ich das doch mal probieren! Alles sehr lecker.

Dann besuchte ich das Museum der Kanaren, el Museo Canario. Hier gibt es Informationen zu Ausgrabungen, Ausstellungsstücke die dort gefunden wurden, Informationen über die Lebensweise und, und das ist die Hauptattraktion, massenweise Knochenfunde. Dazu noch ein Dutzend Mumien! Ein sehr morbider Saal ist voller Schädel und besagter Leichen. Jemand mokierte sich im Internet über eine Vitrine, in der haufenweise Knochen übereinander liegen, so könne man mit Toten doch nicht umgehen! Also, ich fände es ja ganz witzig, in Zukunft von Touristen begafft zu werden. Aber wenn das jemals eintreten sollte, wäre das ja erst in ein paar tausend Jahren. Ein sehenswertes Museum, mit Audioguide und einer Virtual-Reality-Brille, durch die man sich die Behausung einer Canario-Familie ansehen kann.

Sehr sehenswert finde ich die keramischen Götzenfigürchen, die von den Canarios hergestellt wurden. Ich habe für meine kleine Sammlung von Gottheiten im Museumsshop ein Replikat des „Idolo von Tara“ erstanden. Eine Rekonstruktion der Höhlenmalereien der Cueva Pintada aus Galdár ist ebenfalls zu sehen.

Mein Feierabendbierchen nahm ich dann am Canteras-Strand ein, bei überwältigend schönem Wetter und einem Blick bis nach Teneriffa, vom mächtigen Teide überthront. Im Gegensatz zu unserem Sturm-Tag ist die Promenade heute fast überlaufen. Hier gibt es massenhaft Lästerpotential, aber wie schon früher erwähnt, macht man das ja nicht. Auch nicht über die eigentlich furchtbar blasse blondhaarige Dame, deren Haut schon einen mittelschweren Rotton hatte, und deren falsche, tiefschwarze Wimpern mit mindestens 5 cm Länge in einem unglaublichen Kontrast zu ihrer Haut standen. Genausowenig wie über den unglaublich behaarten und sehr fetten Mann, der quasi splitternackt die Promenade entlang stolzierte wie ein Gockel. Denn ihr müsst mir das glauben, ich lästere ja nie!

Im Hintergrund schemenhaft Teneriffa; nicht der erste Gipfel links, der gehört noch zu uns.

Auf dem Rückweg nach Hause lief ich noch beim Einkaufszentrum vorbei. Kurz davor sehr viele Wellenreiter, die mit einer Geschicklichkeit sondergleichen die Wellen bezwangen. Ein faszinierendes Bild. Vielleicht sollte ich das auch mal versuchen… Oh. Huch! Die Midlifecrisis lässt grüßen! Im Carrefour habe ich dann noch Brot und Wein eingekauft. Auf den Kanaren gibt es eine unglaubliche Coupon- und Rabatttradition. Aus dem Kassenbondrucker rattert es dabei nur so. Manchmal sind die Bons so lang wie meinereiner selbst. Und was man alles sparen kann, wenn man ein bisschen aufpasst! Kaufe dies zweimal, dann kostet Nummer 2 nur ein Viertel. Kaufe diesen Schinken, morgen bekommst Du dafür Schokolade geschenkt. Aber nur, wenn Du den Bon für den Käse nicht benutzt, den Du für den Weinkauf erhalten hast.

Morgen werde ich erst einmal die Möglichkeit zum Ausschlafen nutzen. Und dann weiter die Insel erkunden. Nur noch eine Woche. Ist das zu fassen?

Vale, ¡hasta mañana, chicas y chicos!

Muchos abrazos von Eurem Gerald

Dr. Chil, der Erfinder der nach ihm benannten Entspannungsmethode, ist ebenfalls in Las Palmas geboren.

Tag 19: In Rum, um Rum und um Rum drumrum

¡Hola chicos!

Wie hier die Zeit verfliegt. Der Tag ist schon wieder `RUM. Um den vorletzten Schultag kam ich auch nicht drumRUM. Heute wieder neue Gelegenheiten, den vielgeliebten Subjunktiv einzusetzen. Ich freue mich auf meine Freizeit, habe aber dennoch schon jetzt sentimentale Anwandlungen, weil der Unterricht zu Ende geht.

WoRUM ging es denn nun bei unserem Ausflug heute? Hmmm… Ach ja. Um Rum. Ron de Arehucas, der hier in Arucas aus Zuckerrohr destilliert wird. Arehucas ist der kanarische prähispanische Name des Ortes.

Diesen Kölner Dom kennt ihr ja auch schon…. ?

Wir fuhren mit zwei Klassen im Kleinbus in die Fabrik und hatten eine spanisch-englische Führung durch die Bodegas, die Produktionseinrichtungen inklusive Erklärvideo und verkosteten anschließend – theoretisch ohne Limit – die in der Destillerie produzierten 21 Produkte. Alle? Nein… auch nur theoretisch bis zum Leberversagen.

Hier wird mit Zuckerrohr rumgemacht…

In der Bodega 1 lagern unter anderem Fässer, die von Prominenten signiert wurden, die die Fabrik schon besucht haben. Julio Iglesias, César Manrique, Plácido Domingo, Carlos und Sofía de España; aber auch Willy Brandt hat hier ein Fass. Er wird während der ansonsten perfekten Führung als former prime minister vorgestellt und man hat in seinem Nachnamen das D unterschlagen. Y que? Igual.

Reicht für eine ziemlich wilde Party.

Bei der Verkostung war trinken satt gestattet. Nur für den 1983er musste man 5 Euro pro Glas löhnen, was okay ist, wenn man sich vor Augen führt, dass die Flasche ab Fabrik 105 Euro kostet. Trinken satt ist aber nicht wirklich drin, denn das Zeug schlägt gnadenlos zu! Ich habe die 5 Euro investiert und hatte nach dem einen Glas schon eine Kerze am Brennen. Dann noch kurz mal diesen, ein Schlückchen von jenem, ach, den da hinten hatte ich ja noch nicht… *hicks*. Kompositionen wie Bananen- oder Erdbeerrum ließ ich mal links liegen. Das fällt für mich unter Wirtschaftskriminalität!

So schmeckt 105-Euro-Rum.

Wir aßen dann noch zusammen in einem Restaurant in Arucas – De Enyesque -, ich hatte croquetas mixtas und pulpo. Dazu mal einen kanarischen Wein, den ich mochte. Und ich konnte endlich mal Gofio probieren, das Röstmehl der Canarios, das zu allem möglichen verarbeitet wird. In meinem Fall zu einer Paste. Interessant…

Polpo con mojo rojo. Im Norden das/der/die Gofio.

Ich saß mit einem Einwochenkurs A1 zusammen. Ein Franzose war dabei, mit dem man sich auch prima über Essen unterhalten konnte. Mein Lieblingsthema. Ein Braunschweiger, der mit dem Elektrorad auf dem Pico de las Nieves war und eine Mülheimerin, mit der ich Essen tauschte, komplettieren diesen Kurs.

Die südlandische Sitte, die Kellner nicht mit Einzelrechnungen zu überfordern, zeigte heute wieder deutlich, dass dies in Zeiten der Kartenzahlung nicht sinnvoll ist. Das eingesammelte und per Karten bezahlte Geld stimmte angeblich hinten und vorne nicht mit der Rechnung überein. Nach langen Diskussionen (die Taschenrechner glühten, wir waren immerhin 10 Personen) stimmte es dann doch. Also, die mitteleuropäische Methode hat auch Vorteile.

Von Arucas aus bin ich mit dem Guagua nach Hause, das war weniger kompliziert, als mit den anderen wieder in die Stadt reinzufahren und teils zurück, da der gecharterte Kleinbus nicht über Cruce Casa Ayala fuhr. Ich kaufte noch schnell ein Baguette und etwas Wein und dann ging es von der Haltestelle „Rentnerclub“ (sic!) aus heimwärts. Die Fahrt die Berge runter aufs Meer zu, bei strahlend blauem Himmel: Genial!

Wir hatten wieder viele Hausaufgaben, die den Film betreffen, den wir morgen ansehen werden. „Pans Labyrinth“ von Guillermo del Toro. Noch nicht gesehen? Dann aber mal los in die gute alte Videothek! Ich garantiere Gänsehaut! Ein Meisterwerk!!

Wieder einmal habe ich es nicht zur Noche de Tapas geschafft. Irgendwie ist das ein sehr anstrengender Urlaub, in dem man zu nix kommt. Aber ich liebe es.

Hoffentlich seid Ihr alle wohlauf! Ich sende viele liebe Grüße! WaRUM auch nicht? ?

Euer Gerald

Stachelige Weihnachten….

Die Señora war heute wieder hier, da nutze ich mal die Gelegenheit, Euch Teile meiner Bleibe zu zeigen…

Tag 18: No quiero hacérmelo a mí – eigentlich

Hallihallo aus der Calle Mar Caspio!

Heute früh war – ¡claro! – wieder Schule. Heute lag der Schwerpunkt auf direkten und indirekten Objektpronomen und der Konjugation des Futur. Kommen da nicht Erinnerungen an Eure Schulzeit hoch, wenn ihr diese schaurigen Begriffe lest? Und was wir bisher schon alles hatten: pretérito perfecto, pretérito pluscuamperfecto, pretérito indefinido und imperfecto, imperativo afirmativo y negativo, condicional, subjuntivo presente… Und dazu Syntaxregeln, Pronomina und natürlich Vokabeln. Wenn Ihr demnächst denkt, dass ein Bienenkorb in der Nähe ist, wenn ich neben Euch stehe: Nein, das ist mein Kopf, in dem es nur so summt und brummt. Adrián hat uns heute einen Berg Aufgaben mitgegeben. Die Prüfung naht ja.

Nach einer kurzen Siesta wollte ich eigentlich wieder in die Stadt, aber mir war ein bisschen blümerant, so à la drohende Erkältung. Ehrlich, mich wundert das nicht. Es ist ja nun nicht tropisch heiß hier, aber überall läuft die Klimaanlage und in den Bussen sind immer alle Fenster aufgerissen. Ich hatte tatsächlich schon einmal darüber nachgedacht, mir eine Mütze zu kaufen, diesen Gedanken aber als übertrieben abgetan und wieder verworfen. Naja, ich beschloss auf jeden Fall, zuhause zu bleiben und mich einzukuscheln. Nur noch zwei Schultage und dann habe ich richtigen Urlaub, den will ich nicht verschnupft verbringen!

Also habe ich nur Aufgaben gemacht und mir noch einmal alle Konjugationstabellen angesehen. Einige Sachen klappen schon ganz gut, so dass ich vielleicht doch die Prüfung mitmache; ist ja nicht so, dass man bei Nichtbestehen die zu lernende Sprache wechseln muss. Im Mandarinchinesisch habe ich nämlich einen so komischen Akzent.

Was ich den ganzen Tag sonst so in der Bude so gemacht habe? Ich habe Kreuzfahrtschiffe gezählt und die Leute beim Hundeausführen beobachtet. Die Klippe ist dafür nämlich ein begehrter Platz. Und ich habe mir einen mehrstöckigen Bocadillo gebastelt. Das ist das indigene Wort für Sandwich. Mit jamón serrano, cebolla blanca, tomate y queso de cabra. Hmmm. ¡Que rico!

Morgen geht es nach dem Unterricht mit der Schule in die inseleigene Rumfabrik in Arucas. Zudem kommt die Señora wieder zum Reinigen.

Also, drückt mal die Daumen, dass der Anflug sich nicht manifestiert.

Espero que estéis (<- subjuntivo!) bien y os (<- indirektes Objektpronomen!) envio muchos saludos! 🙂

Euer Gerald

Und das soll Urlaub sein?

Tag 17: Tamadabapark

¡Buenas tardes de la isla!

In der Nacht hat es noch ganz schön gestürmt, aber im Laufe des Vormittags wurde es wieder richtig schön. Nur die schwere Brandung ist geblieben.

In der Schule wird das Tempo jetzt etwas angezogen. Heute waren wir mal eben in zwei Lektionen parallel unterwegs. Es wird zuhause einiges nachzubereiten sein. Am Freitag wollen ein paar Kommilitonen die B1-Prüfung ablegen, aber ich bin noch nicht soweit. Ich mache das dann mal irgendwann im Frühjahr, wenn ich die (zwar) verstandene Theorie (aber) ohne ellenlange Denkpausen umsetzen kann.

Blick aus den Bergen auf Puerto de las Nieves

Am Nachmittag wollte ich zum Naturpark Tamadaba, der bei uns wegen der schweren Waldbrände in den Medien war, aber zu den schönsten Wandergebieten der Insel zählt. Nun, ich war irgendwie nicht richtig drin, mein Navi hat mich mal wieder gefoppt. Aber durchgefahren bin ich. Diese Navis sind ja ein immer wiederkehrendes Thema bei mir in den Reisetagebüchern. Auch hier auf der Insel stand ich mit Sora, meinem koreanischen Ross, schon vor einer Felswand und das Ding plärrte, ich möge doch jetzt endlich weiter geradaus fahren.

Auf jeden Fall war das Wetter ein Traum. Und somit auch die Fahrt nach La Aldea de San Nicolás. Von der atemberaubend (!!!) schönen Küstenstraße aus konnte ich Teneriffas Teide sehen! Und dann diese majestätischen Berge und der blaue Himmel und das azulene Meer! Nach jeder Ecke, um die ich bog, juchzte ich. Leider musste man sich sehr auf den Verkehr konzentrieren, denn es ging auf und ab und rechts und links und eng und noch enger. Vier- oder fünfmal juchzte ich daher wegen Sattelschleppern und Gelenkbussen. Auf der Strecke gibt es einen fast 4 Kilometer langen Tunnel, der die inzwischen gesperrte alte Küstenstraße teilweise ersetzt. Das ist schade, denn auf der alten Strecke lag der berühmte Mirador del Balcón. Und Haltebuchten sind auf der neuen rar gesät.

Mühle in Aldea

Ob es hier jetzt vor den Bränden anders ausgesehen hat? Viel Baum ist nicht, aber trotzdem ist es ganz grün. Aber ich habe den Park ja auch nur gestreift.

Ich überlegte kurz, ob ich mich weiter in die Berge reinwagen sollte, aber obwohl die Strecken kurz sind, sind sie doch sehr lang, wenn Ihr versteht, was ich sagen will. Für 10 km Luftlinie sind eine Stunde Serpentinen zu bewältigen. Daher beschloss ich, zum Strand von Aldea zu fahren. Sehr leer und sehr schön ist es dort. Von dort aus könnte man dann wohl prima in den Park hineinwandern. Aber dazu fehlten mir das Rüstzeug und auch die Zeit.

Am Strand von Aldea

Ich tankte vorsichtshalber in Aldea. Und hier noch etwas, um den Neid zu füttern. Ein Liter 95er kostet knapp über einen Euro. Und die Tankstellen haben oft noch Service, was ich persönlich sehr nett finde. Dann fuhr ich die gleiche schöne Straße wieder zurück. Eine wunder-, wunderbare Strecke, erwähnte ich es bereits?

Ich hielt noch kurz in Puerto de las Nieves, wo wir ja schon mal mit der Schule zum Fischessen waren. Diesmal reihte ich mich in die Massen der Brandungsschaulustigen ein. Aber das ist ja auch ein Spektakel. Wer sich mit Social Media auskennen sollte: Heute sind wohl mehrere hundert Selfies von der Insel gepostet worden.

Auf den Fotos sieht das gar nicht so spektakulär aus, wie in der Wirklichkeit!

MItten im Nichts steht hinter Agaete ein riesiger Supermarkt auf einem Berg. Dort stoppte ich noch einmal kurz und stockte meine Saft-, Milch und Wasservorräte auf. Das Personal in diesen Märkten ist eine Freude! Kann ich Ihnen helfen? Suchen Sie etwas Bestimmtes? Ich bringe Sie dorthin. Und alle wünschen einem einen guten Tag. Ich liebe das!

Am Abend machte ich mir eine Paella, die man hier auch vorbereitet kaufen kann. Ich bin von der Auswahl der vorgekochten Sachen völlig begeistert. Ich frage mich, ob in einem spanischen Reisetagebuch folgendes stehen könnte: „Da gibt es Rouladen und Klöße! Und Gulasch! Nicht nur so eine Fisch- und Reispampe wie bei uns!“ Naja, Zweifel dürften angebracht sein, die Spanier sind, besonders was ihre kulinarischen Errungenschaften angeht, sehr patriotisch eingestellt. Selbst in diesem Hyper-Mega-Supermarkt gab es nicht eine Flasche französischen, italienischen oder gar deutschen Weins.

Einen kleinen Umweg machte ich noch über „El Atlante“, eine Skulptur die zwischen Costa Ayala und Las Palmas über den Atlantik wacht.

Was für ein schöner Tag. Erwähnte ich schon, dass ich hierbleibe? Wie ich das anstellen will? Das verrate ich dann in einem der kommenden Tagebucheinträge! 🙂

Muchos besos y abrazos von Eurem Gerald

Vor der Haustür ist wieder mächtig was los…
Sora lässt auch schön grüßen!

P.S.: In Puerto de las Nieves gab es mal DIE Sehenwürdigkeit der Insel: Den „dedo de dios“. Dieser Finger Gottes – eine Felsformation – wurde bei einem Sturm vor mehreren Jahren zerstört. Man kann, wenn man will, die Überreste, die jetzt, statt in die Luft zu ragen und zu ermahnen, auf dem Meeresgrund liegen, noch immer betrachten.

Tag 16: Waschtag

¡Hola hola a todos de Las Palmas!

Irgendetwas war gestern Abend dann nicht richtig. Ich hatte ziemliche Magenbeschwerden, die mich von Abendbrot und Wein, aber leider auch vom Schlafen abhielten. Wie gerädert stand ich morgens auf und bekam den nächsten Schreck. Regen und Sturm. Ich packte meine Wäsche zusammen und brach zur Schule auf.

Der Verkehr war heute chaotischer als sonst, man ist Regen hier ja nicht sooo gewohnt. Im Bus hörte ich dann von Unwetterwarnungen. Na, prima!

Aber dann, in der Frühstückspause: Als wäre nix gewesen. Und nach der Schule: kein Wölkchen am Himmel und schön warm. Verstehe einer das Klima hier.

Trotz des schönen Wetters musste ich ja nun in den Waschsalon. Vieles hier ist ja wesentlich preiswerter als daheim. Busfahren oder Taxi z. B. Oder Brot und Gemüse. Waschsalons fallen aber nicht in diese Kategorie. Für einmal waschen und trocknen latzte ich 10 Euro. Puh. Als meine Waschmaschine im Frühjahr kaputt war, habe ich in Köln 6 Euro bezahlt.

Mit meinen frühlingsfrischen Klamotten auf dem Buckel wollte ich jetzt nicht so wirklich durch die Gegend promenieren, und so blieb mir gezwungenermaßen erst einmal nur, nach Hause zu fahren. Dort angekommen ein kleines Sandwich sowie eine kurze Siesta und dann nach Canteras an den Strand. Denn es herrschte hier ein Stürmchen mit einer sehenswerten Brandung. Also wow. Das war mal eine steife Brise.

Boote wie Nussschalen hin- und hergeworfen. Die Möwen ohne Flügelschlag im Rückwärtsgang. Windfanfaren. Und lauter begeisterte Touris, die mit Kamera im Anschlag auf die nächste Monsterwelle warteten, wie auch ich. Und dabei teilweise kalt erwischt wurden. Ich nicht. Aber man knipst nie den Höhepunkt einer Welle.

Und dann diese Farben und Lichter. Dunkles schweres Grau mit blauen Inseln und weißer Gischt. Die farbigen Häuser und Boote setzten bunte Kontraste. Ziemlich weit nördlich am Canteras-Strand eine riesige Krippe aus Sand. Spektakulär. Das war ein wirklich schöner Spaziergang.

Am Ende des Spaziergangs setzte ich mich vor ein Restaurant und trank ein Bier. Kurze Zeit später nahm am Nachbartisch ein älteres Ehepaar Platz, die ca. 2 Minuten nach Bestellung eines Grillfisches und des Huhns mit Pilzen ihr Essen bekamen. Was sagt uns das über die Küche? Meine Güte, wird da aber schnell gekocht, sagt uns das! Wieder zuhause habe ich mir eine Empanada aufgew…. äh, unter viel Aufwand zubereitet. Lecker.

Die Rolladen sind jetzt hier unten, aber es stürmt so sehr, dass ich sie wahrscheinlich wieder hoch ziehe. Die machen nämlich einen ziemlichen Radau. Von unseren Geheimdienstkontakten auf Fuerteventura weiß ich übrigens, dass es da auch ganz schön weht.

Morgen soll – hahaha, lacht da der Wetterfrosch – es sonnig werden. Ich verlasse mich da jetzt mal nicht drauf. Ich ziehe einfach alles an, was ich habe, dann bin ich für alles gerüstet.

Buenas noches a todos y buenos sueños.

Hasta mañana, si quieren.

Euer gut gelüfteter Gerald

Welcher der gezeigten Bäume gab der Inselhauptstadt ihren Namen? Richtig, der blaue im Hintergrund!