Tag 16: Ene Besuch em Zoo

Ihr Lieben,

heute früh kam um 9 Uhr Nadia, die Besitzerin der Wohnung, um sich anzusehen, was ich zu bekritteln hätte. Sie war nach eigenen Angaben lange nicht da und hat sich auf Ihre Angestellten verlassen. Sie war ausreichend peinlich berührt über die vielen Mängel und bat vielmals um Entschuldigung. Sie wird einige Dinge sofort richten lassen und Ihre Leute dazu anhalten, genauer hinzusehen. Ich bekomme unter anderem bis spätestens Montag eine neue Kaffeemaschine, einen anderen Terrassentisch und einen vernünftigen Schirm. Bin gespannt.

Nach dem Gespräch fuhr ich dann… nein, nicht wirklich in den Zoo, sondern in den Cocodrilo Park (cocodrilo, wir erinnern uns doch hoffentlich!). Werbetafeln hatte ich dafür ausreichend gesehen, aber es für einen Vergnügungspark gehalten. Gestern dann fand ich heraus, dass der Park eine staatliche Auffangstelle für gerettete Tiere ist. Na, da musste ich als Eselmensch doch hin.

Um es vorwegzunehmen: Es ist natürlich auch ein Vergnügungspark, u.a. mit Fütterungsvorführungen. Aber ich hatte den Eindruck, dass es den Tieren dort einigermaßen gut geht, auch wenn ich den Stresslevel nicht beurteilen kann. Sie stammen zum größten Teil aus illegalem Handel, sind ausgesetzt gefunden worden, wurden von überforderten Besitzern selbst abgegeben oder von der Polizei beschlagnahmt, wie z.B. die vier Schimpansendamen, die als Fotomotiv für Touristen bis zu ihrer Beschlagnahmung wohl kein erfreuliches Leben hatten.

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl von Tieren. Von Affen über die namensgebenden Krokodile bis hin zu Zebus. Ich nahm an der Krokodilfütterung und der Fütterung der fleischfressenden Vögel teil. Es gab dreisprachige Erläuterungen zu den Tieren. Hier einmal ein paar Bilder:

Am Nachmittag machte ich dann ein kleines Nickerchen, die Bauarbeiten ruhten gerade. Leider nicht für lange. Dennoch ist Siestamachen eine wirklich sinnvolle Erfindung.

Gleich habe ich eine astronomische Lehrstunde in der Fundación Canaria Observatorio de Temisas. Sie startet um 21 Uhr und wird auf Spanisch gehalten, eine andere Sprache wird zur Zeit nicht angeboten. Ich hoffe, ich verstehe zumindest ein bisschen was. Ein bisschen Sorge macht mir, dass es total bewölkt ist und ich im Dunklen durch die Berge kurven muss. PUH! Ich erzähle dann morgen, wie es war.

Liebe Grüße
Euer Gerald

Tag 15: Das Wandern ist des Geherryhys Lust… oder Frust…

Ihr Lieben,

die Baumaschinerie startete heute schon um viertel vor 8. Große Freude. Dennoch drehte ich mich nochmal um und trödelte auch beim Frühstück. Nebenher googelte ich nach interessanten Orten auf der Insel. Und fand den Arco del Coronadero. Einen durch Erosion geformten Gesteinsbogen. Ach, wie nett, da fahre ich dann doch mal hin. Gesagt, getan, gescheitert. Wie das?

Das Navi führte mich bis hinter Agüimes, wo ich dann auf eine Schotterstraße einbiegen sollte, 6 Kilometer entfernt vom Ziel. Neee, mein Lieber, da fahre ich dran vorbei. Der Alternativabzweig dann war noch schotteriger als der erste und die dritte Alternative war gar nicht vorhanden. Das Navi bat mich, quasi auf einen Acker zu fahren. Hm, zurück zur ersten Schotterstraße, die Manuel dann mit Tempo 3 entlangzuckelte. Bis die Schlaglöcher immer größer und größer wurden und mich jedwede Lust verließ. Ich zuckelte zurück und machte mich nochmal mit der Karte vertraut. Wenn ich bei Bahía Feliz parken würde, müsste ich nur viereinhalb Kilometer laufen. Gesagt, getan, gescheitert. Wie das?

Die von der Wanderapp vorgeschlagene Route führte mich an „betreten verboten“-Hinweisen vorbei, in einen Tunnel unter der Autobahn und dann die Berge hoch, bis zu einem kleinen Stausee, der im Barranco Berriel von einem kleinen Wasserlauf gespeist wurde, den ich weiter entlang laufen sollte. Aber die Berge rückten immer näher zusammen, der Fluß wurde immer breiter und das Schilf immer dichter. Nach zweidrittel der Wegstrecke war kein Durchkommen mehr. Das kann auch daran liegen, dass die App mich ver-APP-elt hat. Manchmal spinnt die ein bisschen, was Wege angeht.

Dennoch war es eine schöne Wanderung, ich war ganz alleine, am Stausee herrschte eine schöne Stimmung und das plätschernde Wasser entlang des Weges beruhigte auch ungemein. Ich sah bzw. hörte einige Tiere, sogar ein Raubvogel war dabei. Insgesamt eine schöne Wanderung. Später studiere ich mal auf Satellitenkarten, wie ich vielleicht besser zum Arco kommen könnte.

Da ich schon einmal in Bahía Feliz war, schaute ich es mir kurz an, auch dem Nachbarort San Agustín stattete ich einen Besuch ab. Sagen wir mal so: Wenn man einfach mal eine Woche All-inclusive mit Bespaßung haben möchte, ist man hier wohl nicht ganz falsch. Aber wirklich ansprechend ist anders. Von vielen Hotels schallt zu viel Musik überall hin.

Um halb 6 war ich wieder daheim. Die Baumaschinerie lief immer noch, wieder ohne erkennbaren Grund. Ein herrenloser Generator ohne ein stromabnehmendes Gerät. Ich bin zwar kein Experte, aber: Ach herrjeh.

Gleich gehe ich nochmal in den Ort und schaue mir die flanierenden Menschen an. Es ist so geil (sorry, musste sein!), am Meer sitzen zu können und die Wellen rauschen zu hören. Ich kann meine Muschelschubsergene nicht verleugnen.

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Und ganz spezielle Grüße heute mal an meine lieben Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung, die den ganzen Tag gewerkelt haben, um uns auf dem Betriebsweihnachtsmarkt super zu präsentieren. Danke, Ihr Lieben!! Erholt Euch gut von mir!

Tag 14: Tobas de Colores del Barranco de las Vacas

Ihr Lieben,

manchmal koche ich ja irgendetwas nach, weil ich den Namen so ansprechend finde. Und manchmal besuche ich Orte, weil es mir mit Ortsnamen genau so geht. Also, ich finde „tobas de colores del barranco de las vacas“ (in etwa: Farbiges Tuffgestein in der Schlucht der Kühe) schon witzig. Zudem wollte ich mir etwas in der Nähe suchen, da ja meine Nachbarn auf Stippvisite vorbeischauen wollten. Also, nix wie hin da. Mini-Wanderung. Und klein und voller Menschen. Ein Instagram-Hotspot. Es haben sich Frauen beim Tanzen filmen lassen oder beim Lasziv-Rumräkeln auf den Felsen. Immer mit einem „Aufpasser“ dabei, damit die elenden Touri-Pisser nicht ins Bild laufen. Naja, wer mich kennt…. Hier mal ein paar Impressionen von der Schlucht (ohne Rumgeräkel):

Da ich da so schnell durch war, beschloss ich noch, in die Guayadeque-Schlucht zu fahren und das Casa Cueva Canaria zu besuchen. Das hatte ich beim Surfen zufällig entdeckt und es wurde als Neuheitenshop gepriesen. Mitten in der Pampa. Na, wenn das nicht neugierig macht, was dann???

Der Barranco del Guayadeque ist ein erstaunliches Naturwunder. Man fährt durch und ist von allen Seiten von hunderten von Metern hohen Bergen umgeben. Eine Traumkulisse. An den Höhlenhäusern angekommen, besuchte ich den Souvenir-Shop (denn als das erwies sich der Neuheitenshop) und kaufte unter anderem einen Stier aus Metall. Muss ich nachher alles mit in den Flieger schleppen, aber ich konnte mich nicht beherrschen. Ich habe ja auch zuhause so gar keine Skulpturen. Meine Schwägerin nennt so etwas übrigens gerne Stehrümchen.:-) Die Höhlenwohnungen kann man wohl als Unterkunft mieten. Für Wanderer bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Was auffällt, auch auf anderen Strecken, ist, dass mitten im Nirgendwo ein Restaurant steht. Meistens für Barbecues. Und die Parkplätze immer gerammelt voll, bei wenigen Mietwagen. Sie können also nicht allzu schlecht sein. Für mich wäre das eher selten was. Die Promillegrenze in Gran Canaria liegt quasi bei Null, d.h. 0,25 % in der Atemluft. Das ist nix. Aber ehrlich, ich möchte hier auch nicht angetütert fahren. Mir kamen heute wieder diverse Busse und LKWs entgegen, bei zweien musste ich zurücksetzen, bis eine Ausbuchtung kam. Manuel liebt das, rückwärts den Berg hoch. Und ich noch viel mehr.

In Arinaga angekommen, legte ich dann meine Gardeuniform an. Staatsbesuch war angesagt. Arturito und Hubertus aus Maspalomas hatten ihren Besuch ja angekündigt. Als sie eintrafen, besichtigten sie erst einmal mein trautes und sehr lautes Heim (auf der Baustelle lärmten die Motoren, aber wieder einmal ohne erkennbare sinnvolle Tätigkeiten dabei) und so beschlossen wir, unser Pläuschchen an gemütlicherem Ort abzuhalten. Wir liefen einmal die Promenade rauf und wieder runter und bereicherten dann den Salon de la Sal mit unserer Anwesenheit. Gegen Abend verabschiedeten sich die Beiden dann wieder, leider ohne die Abschiedsmusik der von mir bestellten Blaskapelle. Die wird morgen was von mir zu hören bekommen!

Am Abend wollte ich dann mal wieder 3 Stunden am Stück Spanisch lernen. Wurde aber wie immer nix. Ich ging lieber aus und aß ein paar Tapas und lief noch einmal die Promenade auf und ab. Das war nett.

Ich habe für die kommenden Tage ein paar Dinge geplant. Unter anderem einen Besuch des Observatoriums bei Temisas, freitagnachts. Wohl wissend, dass alles nur auf Spanisch erläutert wird und ich nichts verstehen werde. Aber Sterne…. Hey! Die sind so magisch!

Dann treffe ich mich noch mit der Vermieterin am Freitagmorgen, um ihr mal zu zeigen, was alles in der Wohnung nicht stimmt. Ich möchte betonen, dass sie das wissen möchte (okayokay, ich schrieb ihr, dass Beschreibung und Realität keine gute Bewertung zuließen). Sonst wäre es mir etwas zu deutsch 🙂 Hier mal ein Bild des Schirms auf der Terrasse. Ich passe da leider nicht drunter.

Ansonsten bin ich – wenn das Wetter schön ist – morgen im Norden. Und wenn es da nicht so schön ist im Süden. Und wenn es überall nicht schön ist, in Las Palmas. Oder in Arinaga. Kleine Insel, große Vielfalt!

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Das Kreuz im Beitragsbild steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem tödlichen Unfall. Auf den Gebirgsstrecken gibt es Verkehrsschilder, die die Anzahl der tödlich verunglückten Radrennfahrer über die letzten 5 Jahre des jeweiligen Streckenabschnittes anzeigen. Das ist schon spooky.

P.P.S.: Das ist übrigens die Kirche in Arinaga… Wollte aber eigentlich nur mal wieder mit dem blauen Himmel Neid schüren.

P.P.P.S.: Von den beiden Fotos hier (ich nenne sie Qualle und Krabbe) zeigt nur eines ein Tier. Wer weiß, wieso?

Tag 13: Halbzeit

Ihr Lieben,

ja, ich weiß, es ist Jammern auf aller-, aller-, allerhöchstem Niveau. Aber ich habe schon den halben Urlaub rum. Heul! Zeit, in sich zu gehen oder aber in den Waschsalon; ich hatte nur für zwei Wochen gepackt. Also war letzteres gerade wichtiger. In mich gehen kann ich ja auch später im Leben noch. Oder danach.

Zwar hat das Haus eine Gemeinschaftswaschmaschine, aber weiß Gott, wie viele Parteien darauf Zugriff haben. Hier wohnen nur ich und nebenan eine Familie, aber die Maschine läuft ununterbrochen. Und einen Trockner gibt es auch nicht. Theoretisch ein Wäschereck, aber das habe ich nur einmal flüchtig gesehen. Wer weiß, wo es sich sonst aufhält!? Vielleicht fährt es genau so gerne auf der Insel herum, wie ich.

Also Waschsalon. Da geht es schneller und – haltet mich für bekloppt – ich finde Waschsalons ja auch irgendwie beruhigend. Dass ich nicht ganz alleine mit dieser merkwürdigen Vorliebe bin, bezeugen BAPs Song „Ich geh‘ so unwahrscheinlich gern mit Dir in den Waschsalon“ und der tolle Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ von Stephen Frears und Hanif Kureishi. Um die Ecke des Salons gibt es ausreichend Cafés und Bars, die morgens schon geöffnet haben, so dass ich auch mit Kaffee und Gebäck versorgt war.

He leido todo sobre la Reina Letizia…

Die Benutzung der Maschinen wurde mir von einem sehr freundlichen jungen Mann erklärt; ein älterer Herr, der vor Dutzenden von Jahren in Köln einmal gekellnert hatte, unterhielt sich mit mir über die Schönheiten der kanarischen Inseln. Auf Spanisch mit nur ganz wenigen englischen Einsprengseln! Gerry voll integriert 🙂

Nachdem ich die saubere Wäsche in meinem Refugium verstaut hatte, fuhr ich nach Telde, der zweitgrößten Stadt der Insel. Früher Sitz einer der beiden Guanartemes der Insel, so hießen die altkanarischen Herrscher. Der andere Sitz war übrigens in Gáldar und die Herrschaftsgrenze war ziemlich genau in der Mitte der Insel. Das passt ja ganz gut zum Thema Halbzeit.

Telde hat eigentlich keine großartigen Sehenswürdigkeiten, aber es gibt die beiden wunderbaren Stadtteile San Juan und San Francisco. Über diese beiden Stadtteile schrieb ich schon 2019. Heute schaute ich mir neben den beiden auch einmal die Innenstadt, die größtenteils verkehrsberuhigt ist, an. Für eine untouristische Stadt ist Telde wirklich nett. Es gibt schöne Parks, eine nette Fußgängerzone, die allerdings am frühen Nachmittag wie ausgestorben dalag, und vor der Kirche San Gregorio steht eine meterlange Krippe zum Bestaunen.

Heute war strahlenblauer Himmel und es war sehr heiß. Die Thermometer in Telde zeigten zwischen 30 und 32°C an. Und da ich mir wieder einen Wolf gelaufen habe, war ich am Ende des Tages mal wieder ausreichend erschöpft. Als Belohnung machte ich meinen ultrateuren Wein aus Santa Lucia auf und aß ein Arroz Negro, dass ich an einer der Essenstheken im Supermarkt erstanden hatte. Legga!

Morgen kommen die Herren Nachbarn zu Besuch. Da freue ich mich drauf und habe den Cava schon kalt gestellt. Trinkt Ihr ein Schlückchen mit?

Alles Liebe
Euer Gerry

P.S.: Gestern gab es übrigens Randale vor dem Haus. Drei Jugendliche rissen Teile des Bauzauns um und schmissen mit Rohrteilen, die dort verlegt werden sollen herum. Das war vielleicht nicht besonders schlau, weil die halbe Straße am Fenster hing und von denen nochmal die Hälfte das ganze mit Handy filmte. Und einer der Bubis verschwand dann auch noch in einem Hauseingang in der Straße. Seeehr gerissen!

Tag 12: Inselrundfahrt

Ihr Lieben,

heute war mir mal wieder nach Wandern. Und Wasser. So googelte ich „Wasserfall auf Gran Canaria“ und erhielt als ersten Treffer „Charco Azul“. Das liegt auf der westlichen Seite von Gran Canaria und ist mit einer Menge Autofahrt verbunden. Hm, ich machte eine Inselrundfahrt draus.

Ich nahm die nördliche Route an Las Palmas vorbei, über Arucas, Gáldar und Agaete. Hinter Agaete beginnt das wunderschöne Naturschutzgebiet Tamadaba. Die Fahrtstrecke ist – mal wieder – spektakulär! Man möchte am liebsten alle 20 Meter anhalten und die Blicke einfangen. Aber es gibt nur wenige Haltebuchten und die sind meist schon hoffnungslos überfüllt. In El Risco, wo meine „einfache“ Wanderung starten sollte, gäbe es einen Parkplatz, da solle man das Auto abstellen. Hm, den gab es. Aber auf den vielleicht 10 Plätzen standen schon 40 Autos. Ich kurvte ein bisschen rum, es war aber kein freier Stellplatz in Sicht. Da erwachte der Rebell in mir. Ich klebte…. ach nee, Moment, ich stellte Manuel Benicio Bolsoblanco einfach an ein Ende einer sehr großzügig dimensionierten Bushaltebucht und hoffte, ihn am Ende der Wanderung wiederzufinden. Vorher schärfte ich ihm ein, sich nicht ohne Gegenwehr abschleppen zu lassen.

Einfache Wanderung. Ja, was muss man sich darunter vorstellen? Hm, also ich war bei den Wasserfällchen, war aber völlig hinüber, als ich wieder am Auto war. Es ging über Stock und Stein und das stellenweise recht steil. Aber es hat gut getan und die Strecke war auch sehr schön. Klar, auf einer solchen Insel sind das natürlich keine Iguazu-Fälle, aber andere haben in Rezensionen geschildert, dass sie nur auf eine kleine Pfütze gestoßen sind. Bei mir hat es wenigstens etwas geplätschert. Auf dem Rückweg in den Ort kam mir eine Ambulanz entgegen, die – weil Sackgasse – nur in das Wandergebiet vordringen wollen konnte. Hm, wundert mich nicht.

Von meiner kleinen Wanderung aus fuhr ich nach Süden über Aldea de San Nicolas und Mogán (netter als gedacht) nach Puerto de Mogán. Auf dem Weg liegt der größte Kaktuspark Europas, zu dem ich abbog. 8 Euro Eintritt wollte man. Das an sich hätte ich auch noch gehabt, aber während ich vor der Kasse stand, wechselte die das Gelände beschallende Musik von „Feliz Navidad“ zu „It’s beginning to look a lot like Christmas“. Puh, da erwachte der Grinch in mir. Das wollte ich nicht. Abgesehen davon ist ja ganz Gran Canaria ein großer Kaktus- und Sukkulentenpark. Also, wech hier.

Puerto de Mogán ist der Bilderbuchküstenort schlechthin. Regeln, die Art und Weise der Bebauung festlegen, tragen dazu bei, dass Puerto de Mogán zwar touristisch, aber tatsächlich ganz hübsch ist. Am Yachthafen reihen sich Restaurant an Restaurant. Die bunten Häuser mit den üppigen Bepflanzungen dazwischen kann man wohl mieten. Seeeehr, sehr nett da.

Ganz anders dagegen Puerto Rico, mein nächster Haltepunkt. Da wollte ich eigentlich den Sonnenuntergang abwarten und ein kleines Essen einnehmen. Hach, hätte ich das mal in Puerto de Mogán gemacht und Puerto Feo…. äh….. Rico ausgelassen. Eine Bettenburg der Superlative. Ich kann verstehen, warum man so etwas baut. Denn es gibt Menschen, die wünschen sich das so. Ich fand es deprimierend und verließ den Ort nach 30 Minuten wieder Richtung Heimat.

Zuhause machte ich mir dreistöckige Bocadillos und trank erst einmal eine eiskalte Cerveza. Und freute mich, dass ich in einem netten und unauffälligen kleinen Ort hause. Wobei ich PdM schon…. 🙂 Vor allem wegen der vielen Fressbuden. Und wenn Ihr jetzt mal auf die Karte der Insel schautet, stelltet Ihr fest, dass ich tatsächlich einmal drumherum gefahren bin. Die Strecke in Kilometern ist gar nicht so viel. Aber wegen der Berge, Serpentinen und der wunderbaren Ausblicke zieht sich das in Stunden ganz schön.

Und jeder Part der Insel hat seine sehenswerte Besonderheit.

Außer Puerto Rico vielleicht.

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Die griechische Ex-Vizepräsidentin des EU-Parlaments hat mich drauf gebracht. Liebe zuständigen Stellen von Puerto Rico, ich würde den Eintrag über Euren komischen Ort gegen ein paar Geldsäcke umformulieren. Was sagt Ihr?

P.P.S.: Ich trinke ja lieber Bier oder Wein….

P.P.P.S.: Es folgen verstörende Szenen! Bitte schauen Sie nicht weiter, wenn Sie empfindlich sind.

Ich war klatschnass nach dieser Anstrengung.

P.P.P.P.S.: Ihr habt ja doch geguckt. Na, dann zum Abschluss noch was Schönes!

Tag 11: Auditorio Alfredo Kraus

Ihr Lieben,

kennt Ihr das, wenn Ihr morgens nach einer Feiernacht aufwacht, in den Spiegel guckt und dann seht Ihr ein Tattoo auf Eurer linken Brust: „I luv Playa del Inglés“? Nee, ich gottseidank auch nicht.

Dennoch war es eine der Bier-auf-Wein-lass-das-Sein-Nächte, die erforderten, dass ich mich erst gegen Mittag aus dem Bett schälte. Ich gönnte mir ein Frühstück deluxe mit allem Zipp und Zapp und gammelte den Nachmittag herum.

Am Abend dann das große Event in der Konzerthalle von Las Palmas: Das Orquesta Comunitaria de Gran Canaria spielt Film- und Videospielmusik mit Unterstützung des dazugehörigen Chores im Auditorio Alfredo Kraus (der bekanntlich auf Gran Canaria geboren wurde).

Ich wollte eigentlich ausreichend früh losfahren, um stressfrei in Las Palmas anzukommen. Leider war dann unterwegs so viel los, dass ich erst gegen viertel vor 6 am Parkhaus des Zentrums Las Arenas ankam, wo schon eine lange Schlange Autos Einlass begehrte. Dann suchte ich ewig und drei Tage nach einem Parkplatz, so voll war das. Die erste Schweißperle rief „Grüß Gott!“. Dann finde mal in einem Einkaufszentrum von der Größe Mexico-Citys den Ausgang. Ich bin Punkt 18 Uhr am Eingang gewesen und war gestresst hoch 10. Völlig unnötig, denn die einheimischen Besucher ließen sich Zeit wie sonst was und das Konzert ging erst eine viertel Stunde später los. Davor spielten sich lorioteske Szenen an, denn die Bestuhlungsnummerierung im Auditorio ist etwas verwirrend und einige Personen mussten Ihre Plätze wieder wechseln.

Das Konzert war in zweierlei Hinsicht beeindruckend. Erstens war die Bühne vollgepackt. Alleine ca. 75 Sängerinnen und Sänger, dazu das gesamte symphonische Aufgebot in Höchstbesetzung. Alleine 7 Schlagzeuger!!! Zum zweiten dachte ich, ach, so Filmmusik, da kannste bestimmt viel mitsingen. Nee, ich kannte kaum ein Stück. Zwei kamen mir vage bekannt, eins deutlich bekannt vor. Man sieht, Filmmusik läuft irgendwie immer nebenher, dabei waren die Kompositionen alles andere als larifari. Zwei Stücke wurden mit einer Inbrunst (und Orgelbegleitung) vorgetragen, dass ich Gänsehaut bekam.

Zu jedem Musikstück gab es einen kleinen Vortrag vorab, der aber leider keine Hinweise auf das Stück an sich gab. Es gab auch eine Sopranistinneneinlage und einer der Posaunisten wurde frenetisch gefeiert, weil…. tja, da reichte mein Spanisch nicht für aus, aber er hatte – so erläuterte der Dirigent – mit irgendeiner Komposition direkt zu tun. Alles in allem ein sinnvoll verbrachter Abend. Ich gucke später nochmal nach, ob noch was nettes ausgeführt wird.

Eigentlich wollte ich noch im Arenas-Zentrum einkaufen. Aber es war so dermaßen wuselig da. Ich besorgte mir dann lieber in Arinaga noch eine Kleinigkeit. Ein (bis auf den Parkhausstress) entspannter und gemütlicher Tag und das auch noch mit Kultur. Was will man mehr?

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Da ich gefragt wurde… die Taxifahrt kostete 36 Euro, das finde ich völlig okay. Preise an sich sind ja auf der Insel viel niedriger als daheim. Die Konzertkarte kostete 10 Euro, das Benzin ist bis zu 50 Cent preiswerter. Die Kanaren werden aber auch stark vom spanischen Festland subventioniert. Ich würde mal, auch was Supermarkt- und Ausgehpreise angeht, behaupten, dass ein „deutscher Euro“ hier die Kaufkraft von etwa 1,40 € hat. Vielleicht gibt es da ja Erhebungen zu.

P.P.S.: Die kanarischen Parkhäuser haben alle!! einen Belag, der die Reifen quietschen lässt, und zwar immens laut. Wenn man gestresst ist, ist das nicht besonders hilfreich…. 🤣

P.P.P.S.: Der Autor ist in feierlicher Stimmung….

Tag 10: Paaaaaady!!!!!

Ihr Lieben,

das „Salteado del Mar“ gestern Abend war köstlich. Das kanarische Essen ist ein weiterer Grund, den Archipel zu lieben. Auf dem Rückweg vom Restaurant beschien der Vollmond die Silhouette von Arinaga. Das war schon ein schöner Anblick:

Während ich morgens dann mal wieder so gar nicht in die Pötte kam, hörte ich von draußen plötzlich eine Blaskapelle. Schnell mal auf die Dachterrasse: Tatsächlich, eine kleine Prozession von Bläsern und Schlagzeugern, nur für mich. Ich war ganz gerührt. Leider bogen sie recht schnell um eine Hausecke, so dass das Vergnügen nur kurz war.

Mir gingen so langsam ein paar Dinge zur Neige, so startete ich morgens erst einmal einen Großeinkauf. Auf dem Weg zum Auto kam die Blaskapelle wieder vorbei und intonierte unter anderem Jingle Bells. Man bot mir Lose an, aber ich verstand nicht, wofür die waren. Ich spendete ein bisschen und verzichtete auf die Zettel. Als Supermarkt suchte ich mir einen ganz edlen Mercadona aus. Ehrlich. Ich bin so aufgeräumte und appetitliche Supermärkte nicht gewohnt. Auch der Carrefour ist ein Traum. Mitarbeiter wiegen das Obst für einen ab, es gibt Frischetheken, die selbst für Spontanmegafêten alles vorrätig hätten und alles ist so …. ja eben appetitlich. Ich möchte so etwas in Poll!!!! Ich musste nur höllisch aufpassen, dass sich nicht schon wieder irgendwelches Gebäck von selbst in meinen Einkaufswagen legte. Jaja! Das passiert öfter, als man denkt. Meist versteckt es sich dann auf dem Kassenband noch unter anderen Dingen, so dass man erst zuhause merkt, wie sich die kleinen Biester wieder einmal unbemerkt in Deine Tasche haben schmuggeln können.

Wieder daheim, lud ich alles aus (dem Gebäck hatte ich heute ausnahmsweise mal ein Schnippchen geschlagen!) und machte mich partyfein. Ich hatte mit Artur und Hubertus verabredet, dass wir uns im Café Wien im Einkaufszentrum CITA verabreden, danach bei ihnen im Hotel essen und dann das Yumbo-Center mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel unsicher machen. Also, auf zum Centro Polideportivo, wo sich die Bushaltestelle befindet. Dort wartete und wartete ich. Der Bus fährt übrigens nur einmal in der Stunde. Und es warteten andere Menschen. Die ließen sich irgendwann mit Autos abholen. Ich schrieb Hubertus, dass der Sch…. Bus nicht käme, wir müssten uns vertagen, schwupp, da kam er. Der Bus, nicht Hubertus. Man muss nur meckern, dann tut sich was.

Mit einer halben Stunde Verspätung traf ich im CITA-Zentrum ein. Puh. Ein wildes Durcheinander von Läden in fast dystopischem Setting. Ich fragte mich zum Café Wien durch, es ist offenbar eine Institution. Dort warteten meine beiden lieben Nachbarn schon und während wir dort unsere Kaltgetränke zu uns nahmen, tauchten auch die ein oder anderen Bekannten dort auf. Ich entwickele so langsam ein Gefühl, wie dieses „Wir sehen uns in Maspalomas“-Gefühl funktioniert. Das war schon ein sehr netter Auftakt.

Centro CITA

Das Hotel von meinen Lieben ist sehr schön und man hatte uns vorher informiert, dass Gäste 25 Euro für das Büffet zu zahlen hätten. Das hat dann Arturito (so heißt er halt in Spanien) für mich übernommen. Das fand ich nett und an dieser Stelle mal Danke an Eure Reisekasse, Ihr Beiden! Und es hat sich gelohnt. Das Essen war wirklich eins der besseren, verglichen mit denen, die ich in meinen Urlaubshotels so bekommen habe. Paella de Sepia, Ropa Vieja, Kaninchen kanarischer Art. Legga!

Wir zogen ins Yumbo-Center. Das Epizentrum der schwulen Gemeinschaft im Süden der Insel. Wir saßen auf der unteren Ebene in einer Bar, Freunde von Hubertus und Artur kamen dazu. Die Bedienung verlor nach der Erstbestellung zeitweise das Interesse an uns, ging aber um so flotter dabei vor, eine Zikade im Gebüsch hinter uns zu jagen, die wirklich bis zur westafrikanischen Küste zu hören gewesen sein musste. Mit vier Mann hoch (davon zwei Frauen, so sie sich nicht anders identifizieren) schlugen sie mit Speisekarten in die Botanik…., das erinnerte schon schwer an Slapstick. Ein Straßenverkäufer wollte uns eine Art Lichthubschrauber zum Sonderpreis von nur 2000 Euro pro Stück verkaufen, und selbst als ich dann 4 für 10 Euro erstand, waren wir uns alle einig, dass er das Geschäft seines Lebens gemacht hatte. Alle paar Minuten lief…. nennen wir ihn Herbert… Herbert vorbei, der uns schon im Café Wien angesprochen hatte. Er sei seit drei Wochen hier und würde das erste Mal Menschen kennenlernen. Damit meinte er uns. Herbert hat uns aber dann bei seinen Runden nicht wahrgenommen, obwohl wir zu Anfang noch nach ihm riefen.

Jetzt wollte ich, wo ich schon einmal da und der Bus nach Arinaga längst abgefahren war, auch die legendäre „Hier bin ich immer“-Kneipe eines anderen Freundes kennenlernen. Die war dann auch ganz nett (90er-Jahre-Mucke). Nur waren der Wirt – den ich kurz von diesem Freund grüßen wollte – und ich kurz irritiert, dass wir zwar von der gleichen Person sprachen, sie aber offensichtlich zwei unterschiedliche Berufe hat. Hm. Der Wirt war möglicherweise aber schon angeheitert, ich denke, der hat da vielleicht etwas verwechselt.

Es wurde seeeehr spät und wir verabschiedeten uns. Ich nahm ein Taxi zurück nach Hause und war vorbereitet worden, dass es nicht ganz so teuer werden würde. Und ja. Mit Trinkgeld und Nachtzuschlag gerechnet kam ich erstaunlich preiswert weg. Der Fahrer, der kein Navi hatte, war ganz begeistert davon, dass ich rechts, links und geradeaus auf Spanisch beherrschte und ihn ans Ziel navigierte.

Was meine Fortschritte in Spanisch angeht: mir wurde von einem Westsaharer gesagt, dass mein Spanisch ein völlig anderes sei, als seins, dafür sagte mir eine Kubanerin, ich spräche ein niedliches Spanisch. Was bedeutet das alles? Ansonsten muss ich mein Geschmipfe über den Süden der Insel mal revidieren: Wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist, ist das sehr schön da. Also, Hubsi und Arturito: Danke für den schönen Abend!

Morgen muss ich ja ins Auditorio Alfredo Kraus. Ich werde daher tagsüber nichts machen. Und deswegen gibt es abends nur eine kleine Konzertkritik.

Hasta luego, Ihr Lieben!
Euer Gerry

P.S.: Besonders mein Nachbar Hubertus lieeebt Fotografien!

P.P.S.: Ich habe nach langjähriger Forschungsarbeit endlich den geheimen Schiffsfriedhof der Armada gefunden:

P.P.P.S.: Es ist 3 Uhr früh, wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Tag 9: Wieder in der Hauptstadt

Ihr Lieben,

nach meiner Veröffentlichung von vorgestern hatte ich Kontakt mit Monika von der Academia El Capitán und wir verabredeten uns auf einen Kaffee. Das hieß für mich, wieder rein nach Las Palmas de Gran Canaria. Ich wollte zeitig losfahren, denn ich wollte im Norden der Stadt parken und südwärts bis zu Schule laufen. Deshalb stellte ich mir meinen Handywecker. Als es klingelte, schüttelte ich das Handy ein bisschen, was normalerweise dazu führt, dass ich 10 Minuten weiterpennen kann. Heute aber ertönte ein ohrenbetäubender Lärm, ich versuchte schlaftrunken zu verstehen, was vor sich geht und sah auf dem Handy in großen, roten Buchstaben NOTRUF 112 blinken. Ach herrjeh. Ich war sofort glockenwach und brach den Notruf ab. Kann mir mal bitte jemand erklären was da vor sich gegangen ist? Ich muss nachher mal googlen, wie das passieren konnte.

Schnell einen Kaffee getrunken und dann zum Parkhaus am Poema del Mar, das immer 4 Euro kostet, egal wie lange man da parkt. Auf dem oberen Parkdeck ein vollkommen beladenes Auto nach Obdachlosenart (mir fällt leider kein passender Begriff ein), davor eine Frau, die in diesen Habseligkeiten wühlte. Wahrscheinlich ist ein Monatstarif noch preiswerter und dies eine Möglichkeit für die Dame, zu „wohnen“. Ich lief durch die Straßen Santa Catalinas. Ein unglaublicher Verkehr mit erstaunlich viel Lärm und Gehupe und eine abgasverpestete Luft. Die Hauptstadt hat auch nicht so schöne Seiten. Auf dem Weg stieß ich auf das Centro de Arte La Regenta, mit einer Ausstellung von Werken von Jose Rosario Godoy, einem Künstler aus Agaete. Sehr nette Kunstwerke in ansprechenden Formen und Farben. „En el borde de una isla“ heißt die Ausstellung.

Viele, viele Gehminuten später gelangte ich an das Pueblo Canario, welches mit dem Hotel „Santa Catalina“ und dem Museum Nestór einen Komplex bildet, der einen Nachbau eines traditionellen Dorfes darstellen soll und für Touristen dort – ich sach mal – hingeklatscht wurde. Die Läden im Pueblo sind verwaist, das Museum ist wegen Renovierung geschlossen, einzig eine Bodega wartet auf den großen Ansturm am Mittag. Das Hotel ist eine Augenweide. Ich hatte gestern kurz überlegt, dort ein Zimmer zu buchen, wenn ich Sonntag das Konzert im Auditorio besuche, aber 250 Euro ist mir der Spaß dann doch nicht wert.

Dieser ganze Komplex gehört zum Parque Doramas, einem Stadtpark, der nach einem kanarischen Krieger benannt ist, der gegen die spanischen Invasoren kämpfte. Vor dem Hotel dazu passend dann der Brunnen, der den Sturz von Bentejuí und Faycán Tazadre von den Felsen Fortalezas in ihren Freitod thematisiert. Ich kletterte dann noch gefühlte 3921 Stufen die Treppen im Park hoch und hatte vor dort dann einen sehr schönen Blick über Las Palmas. Schnappatmung inklusive. Und das bei ziemlich schwülem Wetter. Da oben gibt es übrigens eine kleine improvisierte Siedlung von, na, ich würde sagen Aussteigern. Bin erstaunt, dass das an einem solchen Ort geduldet wird, freue mich aber für die kleine Gemeinschaft.

Viele, viele weitere Gehminuten später kam ich ziemlich pünktlich an der Schule an und Monika und ich setzten uns in Triana auf einen Kaffee zusammen. Das war eine sehr nette Begegnung. Der Schule geht es nach Covid gottseidank sehr gut und sie wächst, blüht und gedeiht. Monika wird mich über eventuelle Ausflüge der Klassen informieren, mal sehen, vielleicht gehe ich dann mit. Ein paar Restauranttipps habe ich auch noch mitbekommen.

Ich fuhr, da meine Sohlen brannten, mit dem Bus von Triana zum Hafen und schaute noch schnell beim Castillo de Luz vorbei, bevor ich wieder Richtung Arinaga düste. Auf dem Weg tankte ich. Für 1,239 Euro pro Liter. Muss man sich mal reinziehen! Die Wohnung strahlt dank Lilis Einsatz und sie war auch so freundlich, einige der ranzigen Deckchen und in Auflösung befindlichen Handtücher durch ansehnlichere Ware zu ersetzen. Ich hatte übrigens vorgestern nach Rückfrage, ob alles okay sei, an Nadia geschrieben, dass ich sie schon jetzt informieren wolle, dass ich keinesfalls eine gute Bewertung abgeben könne, damit sie nicht überrascht sei. Sie will deswegen Anfang kommender Woche mal vorbeischauen.

Jetzt gleich will ich wieder „mein“ Ohasis besuchen, denn vorgestern hatte ich da am Nachbartisch eine sehr appetitliche Meeresfrüchteplatte erspäht, die wollte ich mir dann auch mal gönnen.

Und Hauptstadt ist jetzt erstmal durch. Ich muss ja am Sonntag zum Konzert noch einmal hin und am 21. Dezember findet ein öffentliches Weihnachtskonzert auf dem Kathedralplatz statt, da würde ich auch gerne hin.

Morgen fahre ich evtl. nach Maspalomas um meine lieben Nachbarn zu treffen, die heute für ein paar Tage angekommen sind. Der Plan ist, sich zivilisiert daneben zu benehmen. 🙂

Liebe Grüße
Euer Gerry

Graffito in Vercindario

Tag 8: Santa Lucia und La Fortaleza

Ihr Lieben,

Lili schrieb mir gestern am späten Abend noch, dass ja „la Fiesta de la Virgen del Pilar“ sei. Sie komme daher jetzt Freitag. Ich habe das Gefühl, dass es sehr viele Feiertage hier gibt. Aber die Wohnung ist jetzt ja auch nicht sooo dreckig, das passt schon. Ich finde ja ohnehin, man sollte auch feiern, was geht. 🙂

Feiertag, wie schön. Also keine Baustelle. Ja, keine Baustelle, aber Marias Empfängnis (wir erinnern uns, die fleckenlose) hinderte irgendwen im Haus nicht, den Bohrhammer anzuschmeißen. Die Villa vibrierte! Und ich auch ein bisschen.

Ich trödelte dennoch ein bisschen herum, um dann gegen 11 Uhr Richtung Santa Lucia de Tirajana aufzubrechen. Da war ich noch nicht und zudem mag ich Ortsnamen, die mir Ohrwürmer verschaffen. Elke wird sich bestimmt noch mit großer Freude daran erinnern, wie ich auf Mallorca tagelang „Santa Maria“ schmetterte. Wir kamen aber auch ständig an Hinweisschildern dahin vorbei. Nun also Santa Lucia. Die Fahrt dorthin war wieder spektakulär. Es war so eine typische „bittebittekeinLastwagen-Strecke“ und sehr kurvig. Schon als Fahrer war mir achterbahnig-blümerant zumute, als Beifahrer hätte ich wahrscheinlich mindestens gejammert. Aber tolle Aussichten.

Santa Lucia ist sichtlich der Stolz ihrer Bürger, viele Häuser sind mit dem Konterfei der Heiligen geschmückt und man legt sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Hoch über allem thront die wunderschöne Kirche, in der Musik vom Band läuft und deren Innenraum mit expressionistischen Wandbildern gestaltet ist. Sehr nett. Im Ort gibt es Conchitas Supermarkt, der es sogar in meinen Reiseführer geschafft hat. Ich kaufte eine Flasche Wein, ein Fläschchen Olivenöl und eine Flasche „Mejunje“, der örtlichen Schnapsspezialität, und war auf einen Schlag 40 Euro los. Man schenkte mir aber noch eine getrocknete Feige, die ganz köstlich, aber auch ein billiger Trick war, um mich zu weiteren Einkäufen zu verleiten. Ein sehr schöner Laden mit sehr präsenten und lustigen Damen.

Ich verstaute meine neuen Errungenschaften im Auto und wanderte am Sorrueda-Stausee vorbei zum altkanarischen Siedlungsberg La Fortaleza. Dort sollen die Altkanarier ihre letzte Schlacht geschlagen und gegen die spanischen Eroberer verloren haben. Der Anführer und sein Schamane begingen daraufhin Suizid. Es ist ein mit Höhlen durchwachsener Berg, der spektakuläre Ausblicke bietet. Mitten durch den Berg geht ein großer Tunnel. Auf dem Rückweg kehrt ich in das kleine, zugehörige Museum ein. Dort sah ich mir einen Film über die Altkanaren an und lief dann einmal durch die Ausstellung, die sich mit archäologischen Aspekten der Anlage befasst und einen Nachbau einer altkanarischen Unterkunft bietet. Es gibt angeblich zwei „Mumien“ zu sehen, es sind aber „nur“ Skelette. Dennoch interessant. Wenn man gerne Skelette bestaunt.

Zurück am Auto fuhren Manuel und ich noch zu einer Eselsfarm, wo es selbstgemachte Produkte geben sollte. Leider waren aber die Tiere der Farm (auch Vögel, Kaninchen und Schafe etc.) in einem bedauernswerten Zustand. Vernachlässigt, dicht zusammengepfercht und mit sichtbaren Krankheiten gezeichnet. Es stellte sich heraus, dass die Haupteinnahmequelle wohl darin besteht, dicke Kinder auf den Eseln reiten zu lassen. Ich verließ die Farm verschreckt und verärgert.

Auf dem Weg zurück nach Arinaga kam ich an einer Ortschaft vorbei, in der eine Häuserzeile mich stark an das Bo-Kaap in Kapstadt erinnerte. Da machte ich noch einen kurzen Fotostopp.

Wieder daheim gab es erstmal ne dicke Stulle. Ich war vielleicht was hungrig. Gleich räume ich noch ein bisschen für die Putzfrau auf und dann vertrödele ich den Rest des Tages mit Videos und Spanischlektionen. Ich habe mir sogar eine Klatschzeitung auf Spanisch gekauft, aber ich kenne mal wieder keine der angeblichen Berühmtheiten. Dafür weiß ich jetzt aber, was die den ganzen Tag so treiben.

Morgen geht es wieder nach Las Palmas, ich bin verabredet. Neugierig? Na, dann müsst Ihr mitkommen!

Liebe Grüße
Euer Gerald

Und den Tafelberg hat’s hier auch noch….

Tag 7: Besuch in der Hauptstadt

Ihr Lieben,

erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Das Wetter war jetzt doch eher so durchwachsen, dass ich von einer Wanderung absah (ich hatte der App mit der besseren Vorhersage vertraut – macht mich das zu einem Optimisten?) und lieber nach Las Palmas fuhr, um im Triana- und Vegueta-Viertel zu flanieren. Im Falle von Regengüssen kann man dann immerhin noch einkehren oder sich in zahlreichen Läden das Portemonnaie leerkaufen.

Vorher gab es ein sehr angestrengtes Käffchen, denn die Baustelle ist in vollem Gange. Die ganze Baustelle? Nein, denn die unbeugsamen Bauarbeiter stehen einfach nur herum, rauchen und diskutieren gestenreich irgendwelches Zeug. Nur die Kompressoren arbeiten. Warum ? Damit es einen Grund gibt, lauter diskutieren zu müssen, vielleicht…. Puh. Nix wie wech hier.

Ich suchte mir ein gut bewertetes Parkhaus aus, damit Manuel keinen Schaden nahm. Aus Erfahrung weiß ich, dass kanarische Parkhäuser nicht für Lenkradlegastheniker wie mich ausgerichtet sind. Als wir ankamen, stellte sich das als gute Wahl heraus, denn vom Parkhaus aus war ich in Sekundenschnelle in Vegueta. Ich nehme es einmal vorweg, ich hätte besser wieder eine Unterkunft in bzw. nahe bei der Hauptstadt gebucht. Auch wenn das Wetter hier durchschnittlich schlechter ist als auf dem Rest der Insel, so hat man denn, wenn es schlecht ist, wenigstens genügend Auswahl für schöne Aktivitäten.

Vegueta und Triana sind zwei wunderschöne Viertel mit alter Architektur, schönen Läden und einem ganz besonderen Flair. Ich war sofort um 3 Jahre zurückversetzt und mal wieder begeistert! Allein eine ganze halbe Stunde verbrachte ich in einem Gemischtwarenladen, der als Saisonartikel den grässlichsten Weihnachtskitsch der Welt verkaufte. Leider konnte ich nicht an mich halten… ihr werdet es dann rechtzeitig sehen!

An der Kathedrale und dem Museum Colón vorbei lief ich in die Einkaufsstraßen von Triana. Eigentlich wollte ich kurz vorher im Restaurant „Te lo dije, Pérez“ einkehren, aber zu meinem Entsetzen war es geschlossen. Auch die Internetseite ist abgeschaltet. Ich hoffe nicht für immer, denn man konnte dort wunderbar draußen sitzen und gutbürkanarisch essen.

Na ja, irgendwie bleibt ja nichts, wie es ist, denn auch in einem meiner Lieblingspröddelläden, dem Ale-Hop, fand ich nicht, wonach ich suchte. Da habe ich im Pleistozän einmal einen ganz tollen Rucksack erstanden.

Natürlich machte ich einen kleinen Abstecher zu meiner alten Schule, bin aber nicht hinein gegangen, ich war recht überzeugt dass man mich nach so langer Zeit nicht wiedererkannt hätte. Und selbst wenn, ich wollte mich nicht fragen lassen, warum ich denn um Himmels Willen immer noch nichts dazugelernt hätte!

Unbezahlte Werbung: Wenn Ihr Spanisch im Urlaub lernen wollt, dann besucht die Academia El Capitán in Las Palmas! Ich hatte damals viel Spaß!

Natürlich musste ich unbedingt die Markthallen besuchen, die zwar zu dieser Uhrzeit schon im Schließen begriffen war, aber einige Stände boten noch kleine Proben ihrer Waren an; so bekam ich ein Stückchen Apfelbanane, oder aber auch ein Bisschen einer superreifen, süßen Mango, für die ich töten würde! Das war Gott sei Dank nicht erforderlich, denn ich konnte sie ja kaufen.

Ich will in einer Markthalle wohnen!!!!!!

Nun wurde das Wetter usseliger und ich wollte ja nicht den Rest meines Lebens in Läden oder Markthallen verbringen, deshalb beschloss ich, nach Hause zu fahren. Dort waren die Bauarbeiten erstaunlicherweise zu einem Stopp gekommen, denn auch hier regnete es. Dennoch war ich nicht scharf darauf, den Rest des Tages in dieser ungemütlichen Butze zu verbringen. Ich machte mich auf zur Promenade, um dort bei einem Kaltgetränk mein kleines Tagebuch zu schreiben. Meine Überraschung war groß, als es schon im Salón de la Sal brechend voll war. Auch das Ohasis platzte aus allen Nähten und die kleineren Kneipen hatten alle geschlossen, was wegen des Wetters nicht verwunderlich war.

Ich erhaschte ein kleines Eckchen auf der Ohasis-Terrasse, es regnete mir aber quasi in den Nacken. Es fing an, stärker zu stürmen und zu schütten, was viele der einheimischen Gäste veranlasste, irgendwen anzurufen und sich mit dem Auto einsammeln zu lassen. So kam ich zu einem etwas trockeneren Plätzchen. Ich fand es total nett, dass ich wiedererkannt und mit einem Schulterklopfen vom Padron begrüßt wurde.

Am späten Nachmittag kehrte ich zurück in mein Heim, wo ich abends eine Tortilla in die Mikrowelle schob (ich vermisse den Ofen) und spanisches Radio hörte. Ich kann jetzt den Jingle von Radio Cazadores mitsingen, weiß aber nicht, was er bedeutet.

Also, das war trotz Regen und Wind ein wunderbarer Tag und ich bin sehr, sehr glücklich, hier zu sein. Was mich dazu bringt, zu erzählen, dass ich unter einer gaaaanz plötzlich aufgetauchten Flug- und Schifffahrtsangst leide. Sieht so aus, als müsste ich quasi ärztlich attestiert hier bleiben. Wie doof ist das denn?

Morgen kommt Lili, die Reinigungskraft, da muss ich früh aus dem Haus, damit sie werkeln kann. Steht Ihr mit mir auf und erlebt was?

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Meine liebe Freundin Erika hat wahrscheinlich herausgefunden, wie man die Himmelsbröckchen macht. Sie mögen nämlich in Tejeda“ Trocitos de Cielo“ heißen, aber die Zutaten für Polvorones de Almendra klingen genau so. Und die gab es heute auch im Markt zu kaufen. Nicht ganz so lecker wie die aus Tejeda. Ich versuche die mal nachzumachen, wenn ich wieder daheim bin… was ja wegen der Krankheit…. schade für Euch.

P.P.S.: Es wird auch diesmal wieder sehr schwer, geeignete Mitbringsel auszusuchen, die Auswahl ist einfach zu verführerisch!

P.P.P.S.: Heißt Camille Saint-Saëns auf spanisch eigentlich Manzanilla Santo-Saentos? Und warum steht eine Skulptur von ihm vor dem Teatro Peréz Galdos?