Barcelona 2026 (4): Ausflug nach Westeros

Ihr Lieben,

gestern sind wir fast beraubt worden, das hatte ich völlig unterschlagen. Wir haben den dreisten Taschendieb allerdings ohne Beute in die Flucht gejagt. Und Dienstag lief ein offensichtlich unter Drogen stehender Mann auf mich zu und holte zu einem linken Haken aus. Er hat mich verfehlt. Also, aufpassen muss man schon noch…

Also, heute ging es mit dem Zug nach Königsmund. Aka Girona. Dort wurden Teile von „Games of Thrones“ gedreht. U.a. die berühmte Treppenrittszene. Auch andere Filmproduktionen nutzten die wunderprächtige Kulisse dieser mittelalterlichen Stadt.

Von Barcelona aus gibt es einen Schnellzug, für den man sich anmelden muss. Das bedeutet, man hat automatisch einen Sitzplatz. Die Abfertigung vor Betreten des Bahnsteigs gleicht der an einem Flughafen, nur nicht ganz so streng. Billig (13,50€ in der 1. Klasse) und zuverlässig ist es zudem auch. Ach, tu felix España. Die Strecke führt zu großen Teilen durch Tunnel, es gibt ein Bordrestaurant und Getränkeverkäufer. Das einzig negative: auch in den Zügen der renfe gibt es die unheimlich wichtigen Businessleute, die unentwegt in ihr Telefon plärren. Bzw. die, die so stark auf Ihre Laptoptastatur einschlagen, als wollten sie sie töten.

Der Bahnhof liegt etwas außerhalb, aber es sind nur 10 Minuten bis zur ersten Sehenswürdigkeit, der Pont de Pedra, mit dem Ausblick auf die von Gustave Eiffel erbaute Pont de les Peixateries Velles, im Vordergrund die bekannten bunten Häuser am Ufer des Rio Onyar, im Hintergrund die mächtige Kathedrale, die alles überthront.

Ich lief an der linken Uferseite bis zur roten Metallbrücke, querte den Fluss und tauchte in die Gassen der Altstadt ein. Im Mittelalter befand sich hier das Judenviertel. Es gibt eine Menge verwinkelte Gassen, Durchgänge, Treppchen und Treppen. Irgendwann gelangt man dann an den Fuß der Kathedrale, zu der 90 Stufen hinaufführen.

Die Kathedrale hat das mit 23 Metern breiteste einschiffige Gewölbe Europas. Ein Kreuzrippengewölbe, um genau zu sein, ich weiß, das würde Euch interessieren! Es ist ein dunkles Loch. Riesig, aber dunkel. Die Seitenkapellen sind halbwegs ansehnlich. Berühmt sind der Schöpfungs-Wandteppich und der Thron Karls des Großen. Die Grablege von Ermessenda von Carcassonne ist für Historiker von besonderem Interesse, ich brauchte 20 Minuten, um ihren Sarkophag zu finden. Man beachte auch das Jesuskind aus der Glasfensterausstellung. Manche sehen Jesus in der Krippe, ich sehe einen alten Mann in Bondage. Der Kreuzgang ist übrigens ausch ganz nett und natürlich ist der Ausblick von der Treppe oben ein Traum.

Hinter der Kathedrale liegt der Passeig arqueològic. Hier kann man sich über die alten deutschen Kasernen bis zur Stadtmauer durchwursteln, die man dann in einem 20-minütigen Spaziergang bis zur Plaça de Catalunya entlanglaufen kann. Dort angekommen war ich fix und foxy. Ich ließ mich sofort auf einer Restaurant-Terrasse nieder, wo ich erst einen halben Liter Wasser soff (!), um dann eine Jarra zu genießen. Gottseidank hatte ich das Wasser bestellt, da waren genug Eiswürfel drin, um das warme Bier runterzukühlen. Der Spaziergang ist aber sehr schön, man hat wirklich tolle Sicht auf die Stadt.

Ich lief diesmal die rechte Uferseite entlang, um über die Eisenbrücke zu wechseln, weil sich dort eine weltberühmte, sensationell eingerichtete Eisdiele eines Michelinsternekochs befinden sollte. Hm. Von der sensationellen Einrichtung war nichts zu sehen, aber es standen lange Schlangen davor. Die Rezensionen im Netz fallen gar nicht gut aus. Ich schenkte mir das Erlebnis.

Wieder zurück ins Altstadtgewimmel. Ich lief kreuz und quer, kaufte ein paar T-Shirts meines Lieblingsherstellers (hier könnte Ihre Werbung stehen!!), trank noch ein Bier, diesmal kalt, lief erneut rum (und Leute, hier gibt es NUR Treppen und Steigungen!), kaufte eine Turroneria leer (heißen die so?), plünderte ein Käsegeschäft und überfiel eine Metzgerei, um regionale Dauerwürste für zuhause zu haben.

Irgendwie hatte ich mich inzwischen etwas vertrödelt; als ich auf die Uhr schaute, überkam mich ein Schaudern: ich hatte noch 15 Minuten Zeit, um zum Zug zu kommen, der Weg wurde mit 10 Minuten berechnet. Wir erinnern uns, man muss durch ein Check-in. Da habt Ihr aber mal einen Gerry sprinten sehen können. Ich meine, ich war schon den ganzen Tag vom Trepp-auf-trepp-ab völlig durchgeschwitzt (pralle Sonne und um die 34 Grad), da machte ein bisschen Extra-Jogging auch nix mehr aus. Aber ich war rechtzeitig da. Und der Zug um 5 Minuten verspätet. Skandal!

Eine Stunde später war ich wieder bei Rolf, wo wir uns stadtfein machten, um eines der vielen Restaurants auf der Avinguda Mistral auszuprobieren. Was soll ich sagen, nicht ein einziger Tisch war frei! Dann eben um die Ecke. „Ohne Reservierung läuft heute nichts“. Wir liefen zum Faisal, alles voll. Wir setzten uns rein. wir waren beide zu kaputt, um jetzt noch einen Platz an der Sonne zu suchen. Es gab ganz unprätentiöse Burger. Mein Chicken Burger war nix, der Ternero von Rolf ganz gut. Aber Hauptsache war, wir wurden satt, denn ich hatte nicht gefrühstückt und in Girona etwa 10 kleine Oliven gegessen. Zwei Absacker später waren wir für unsere Verhältnisse seeeehr früh daheim.

Das war es schon für heute. Girona ist nicht nur einen Abstecher wert, es lohnt sich, auch für es selbst anzuschauen. Und eigentlich hatte ich mit Trillionen von Touristen gerechnet, aber es war, siehe Fotos, angenehm leer. Für Fremdscham sorgte eine Gruppe Landsleute, die sich auf der Kathedraltreppe verteilten und zotige Lieder grölte, um sich dabei filmen zu lassen. Ich hatte nicht den Nerv, sie anzukacken. Leider.

Morgen schlafen wir auf jeden Fall mal so richtig aus! Es wird dann auch für Euch nur ein kurzer Bericht, wir fahren in die Sommerfrische. Bis morgen dann, Ihr Lieben, Euer

P.S.: Auf dem Weg zum Jardin Alemanlys gibt es eine kleine Christophoruskapelle. Da hat sich aber ein Obdachloser eingerichtet. Nun ja, Christophorus ist der Schutzheilige der Reisenden und ist einer der vierzehn Nothelfer. Passt dann wohl irgendwie.

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