Das Herrenrad mit tiefem Einstieg

Ihr Lieben,

letzten Mittwoch habe ich mich mal an Meal-Prep versucht, das ist neudeutsch für Vorräte anlegen. Mein Bruder Oliver kümmert sich ja um so viel, da wollte ich ihm mal ein bisschen Einkauf und Kocherei abnehmen. Und so packte ich alles für Herings– und Krabbensalat zusammen, besorgte Pastetchen und Reis und stand den Abend über am Herd: in einem Topf brodelte ein unscharfes Chili, in dem anderen ein Suppenhuhn, in einem dritten rührte ich die Mehlschwitze als Grundlage für ein Hühnerfrikassee. Am Donnerstag karrte ich das dann alles nach Neuss, wo ich dann Toast Hawai’i für alle machte. Das ist einfach und schmeckt eigentlich immer. Inzwischen wurde mir berichtet, dass man alles essen kann.

Vor einiger Zeit hatte ich ja mein Fahrrad in Poll abgeholt, wo es seit seinem Erwerb vor sich hingammelte. Ich habe es nun etwas aufgepimpt und versuche, es häufiger zu nutzen. Vorteil ist der Stellplatz in der Tiefgarage, da muss ich mit ihm nicht erst durch 10 Brandschutztüren und dann die Treppen hoch. Ich habe dem Fahrrad nach dem Erwerb übrigens den Namen Jan gegeben, weiß nicht, was mich da geritten hatte. Aber ich habe es jetzt umgetauft auf Fiete. Ein schöner norddeutscher Name, und ich kann mir ihn gut merken, da Fahrrad auf niederländisch ja fiets heißt. Mit den zwei neu erworbenen Fahrradkörben sieht Fiete jetzt wie ein richtiges Opa-Fahrrad aus, aber, naja, ich bin ja im Opa-Alter, da passt das schon. Und ja, es ist kein Damenrad, sondern ein Herrenrad mit tiefem Einstieg!

Mein erster Ausflug ging am Samstag dann nach Refrath, zu einem Hofverkauf. Ich schnaufte und stöhnte mich durch Wälder hindurch, an Gutshöfen und Denkmälern und alten Häusern vorbei und dachte schon, dass ich so gar keine Kondition mehr habe, aber zurück raste ich dann wie der Wind. Ich scheine auf dem Hinweg die ganze Zeit einen leichten Anstieg gehabt zu haben. Das war ein netter Kurztrip, bei dem ich eine Handvoll Obst für ein Heidengeld erstand. Aber es war jeden Cent wert, denn die Kirschen, Plattpfirsiche und Pflaumen sind extrem lecker.

Bei Haus Steinbreche in Refrath steht diese interessante Skulptur des Bildhauers Helmut Moos von Anfang der 90er Jahre. Sie zeigt die drei unverheirateten Goudhair-Töchter („die Steinbrechejuffern“), die erfolgreiche und wohltätige Unternehmerinnen waren. Sie liefen täglich zusammen zur Kirche, aneinandergedrückt unter einem großen, roten Regenschirm. Dies wohl, weil eine der Schwestern während der französischen Rheinland-Besetzung verschleppt und misshandelt wurde.

Am Sonntag fuhr ich erneut gen Norden, die Familie wollte in eine Insektenschau, die für einen Tag in der Mehrzweckhalle Holzheim gastierte. Man warb damit, dass es nur Präparate zu sehen gab, da man lebendige Tiere nicht leiden lassen wolle. Je nun, ob sich die aufgespießten Artgenossen mehr an ihrem Schicksal erfreuten? Naja, es waren auch weit über 100 Jahre alte Exemplare ausgestellt, da war man nicht zimperlich. Und natürlich war es interessant. Wo sonst bekommt man Insekten zu sehen, die keinen Zentimeter groß sind, aber einen Haarschweif von 20 cm hinter sich her ziehen. Oder Fluginsekten, die wie kleine Drachen aussehen. Zu Insekten, Spinnen und anderen Krabblern gesellten sich dann auch noch Reptilien-, Fisch- und Kleinsäugetierskelette.

Am Abend gesellten sich Elke und Nora zu uns, und Oliver und Jacob brutzelten für alle einen Haufen Quesedillas (sehr lecker, werde ich demnächst nachmachen) und tischten dann auch noch eine Baileys-Creme auf. Zum Reinknieen! Vollgestopft kugelte ich mit Benjiro nach Hause.

Am Rest des Wochenendes und meinem Urlaubstag-Montag1 versuchte ich dann, liegengebliebene Aufgaben in der Wohnung abzuarbeiten. Immerhin schaffte ich es, drei Bilder aufzuhängen, einen Kabelkanal zu verlegen, eine defekte Steckdose auszutauschen, den Esstisch zu ölen sowie schiefhängende Schranktüren zu justieren. Highlight war aber das Auspacken der letzten drei Umzugskartons. Dreieinhalb Monate nach Einzug. Finde, das ist völlig akzeptabel.

Liebe Grüße, Euer

Frühstück!
Die Angst des Torwarts vor Insekten (deshalb stehen ihm auch die Haare zu Berge).
  1. Den Montag hatte ich ja Urlaub genommen, weil ich eine Kurzreise nach Palma unternehmen wollte. Da habe ich mich aber dann doch gegen entschieden. Die Verluste halten sich aber in Grenzen, nur knapp 30 Euro waren nicht erstattungsfähig. ↩︎

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