Ihr Lieben,
ich habe mich beim Aufstehen ein winzig kleines bisschen schwergetan. Aber nur ein winzig kleines bisschen! Rolf musste schon arbeiten, aber er hat mir Kaffee mitgemacht und Brot hingestellt. Das fand ich sehr lieb. Da ich nun auf mich alleine gestellt war, plante ich beim Frühstück den Tag. Nationalpalast, Mediamarkt und das Viertel um Santa Maria del Mar sollten es werden.
Ich kaufte mir als erstes ein Mehrfahrtenticket (ÖPNV ist hier wirklich billig!) und erklomm sodann den Hügel an der Plaza Espana, auf dem majestätisch der Nationalpalast thront. Der beherbergt Kunstschätze ohne Ende, aber mir war mehr nach nur rumlaufen. Dafür kann man die Entrada Basica erwerben, die nur 2 Euro kostet. Damit darf man zwar nicht in die Ausstellungen, aber weite Teile des Palastes besichtigen und sogar das Dach besteigen! Man hat einen tollen Ausblick von dort. Einen kleinen Abstecher zum genialen, mies-van-der-roheschen Deutschen Pavillon der Weltausstellung machte ich natürlich auch. Und gerade wird mir klar, dass ich hier natürlich vieles zum wiederholten Male beschreibe und zeige. Aber: Auch einen Tatort schaut man sich ja gerne mehrmals an. 🙂








Wieso, liebe Gemeinde, ist der Mediamarkt eine Attraktion? Ja, Ihr fragt zu Recht: Es ist keine. Aber ich hatte meine Bluetoooth-Tastatur daheim vergessen und Reiseberichte auf einem Bildschirm tippen ist eine mühsame Angelegenheit. Insbesondere, wenn der Touchscreen jeden Schatten der Hand als eine Aktion interpretiert und Fenster aufpoppen lässt. PUH! Ich fuhr zur Plaza Catalunya, wo der Elektronikriese beheimatet ist, wurde schnell fündig und lief zur Kasse. Wo schon 20 Menschen anstanden. Eine Kassiererin. 3 oder 4 Kolleg*innen plaudernd dahinter. Hm. Das kam mir bekannt vor. Erinnert Ihr Euch an meinen Fernsehkauf? 20 Minuten später war ich erst aus dem Laden raus. Die Plaza Catalunya ist übrigens voller Tauben, die eine kleine Touristenattraktion darstellen. Man stellt sich mit ausgebreiteten Armen mitten auf den Platz, die Tauben fliegen einen an (sie denken, es gibt was zu essen), und dann kacken sie einen voll. Naja, wer es mag.



Rolf schrieb, er habe seine Dinge erledigt. Wir beschlossen, ein Menu del Dia zu uns zu nehmen. Rolf hatte Arroz Cubano, ich hatte kalte Melonensuppe mit Schinken, wir beide Steinbutt in Zitronenöl, ein Eis und einen Flan. Dazu eine Flasche Wein und ein kleines Wasser. Alles sehr lecker und alles für 40 Euro inkl. Trinkgeld. Ich glaube, ich lasse den Rückflug einfach sein.





Wir liefen in das gothische Viertel. Rolf zeigte mir die wuchtigen Überreste der Stadtmauer und anschließend einen kleinen Geheimtipp: Man schleifte im Mittelalter viele der römischen Bauten, um Häuser daraus zu bauen. Von dem antiken Augustustempels ließ man aber vier Säulen stehen, die sich jetzt quasi im Hinterhof eines Wohnhauses befinden. Das fand ich megainteressant und überraschend. Auch in der Nähe der Kathedrale gibt es ein Mosaik, das – aus lauter kleinen Bildern bestehend – zwei sich küssende Münder zeigt. Das erkennt man faszinierenderweise besser, wenn man es durch eine Kamera betrachtet. Es ist ein Instagram-Hotspot. Ein Schaulauf von… äh… räusper… neinneinnein, wir wollen nicht über Leute lästern. Ich konnte gottseidank damit leben, dass ich mich nicht lasziv-räkelnd von Rolf da habe fotografieren lassen können. Das Motiv ist dennoch spannend, aber lustiger ist natürlich die Masse von Influencern, die da posieren.






Weiter ging es zu Santa Maria del Mar. Vielen vielleicht auch bekannt aus Ildefonso Falcones grandiosem Roman „Die Kathedrale des Meeres“. Leute, lesen!! Ist auch als Miniserie verfilmt worden, aber das Buch ist fesselnder. Hat mir übrigens vor Jahren mal Ike zum Geburtstag geschenkt. Da Rolf die Kirche in- und auswendig kennt, sparten wir uns den Eintritt von 8 Euro, das Innere des Gotteshauses besuche ich dann mal, wenn ich alleine bin.
Ein weiterer Grund, das Viertel zu besuchen, war übrigens ein Bild, das ich vor kurzer Zeit zufällig entdeckt hatte. „El Beso“. Eine Wandmalerei eines nach vorn gebeugten Mannes, der einen Kuss zu geben scheint. In der Regel stellten sich dann o.g. Influencerinnen davor, um sich so abbilden zu lassen, dass der Eindruck enstand, man küsse sich. Rolf und ich liefen auf und ab, fanden besagtes Mural aber nicht. Ich fragte in einem Restaurant nach und bekam die Antwort, es sei nicht mehr da, man habe es übermalt. Hm. Naja, die KI warnte schon, man stünde da Schlange. Und wenn Anwohner da Tag und Nacht das Gegiggel und Geschnatter von Hobbyfotografen ertragen müssen… Ich hätte vielleicht auch zu Farbtopf und Pinsel gegriffen.







In dem Viertel rund um die Kirche gibt es wunderschöne Läden. In einer Galerie konnte ich mich nur aus Mitleid mit Rolf (inklusive Mühe und Not) von den Bildern losreißen. Aber ich kehre wieder. Ansonsten Kerzenzieher, Naturprodukte, Schinkenläden, ganz tolle Restaurants (ich musste mal), Tinneffläden (einer hatte sich auf Kühe spezialisiert!). Ein Träumchen.
Uns war nach einem Bier. Das bekamen wir am Hafen, wo wir neidlos auf fette Yachten glotzten (Rolfs Freund hat ein kleines Boot in Amsterdam, das ist schöner als jede Yacht) und von sehr netten Kellnern mit Nachschub versorgt wurden. Dann gings mit dem Bus nach Hause, Rolf hatte noch zu tun und ich wollte das Tagebuch beginnen. Tja, und dabei erwischt Ihr mich gerade. Und Ihr erwischt mich mit ziemlich guter Laune. Kaum eine Stadt kann einen so schnell in Urlaubsmodus versetzen, wie Barcelona.




Am Abend waren wir im Restaurant Marcelino, wo uns ein wirklich reizender Kellner aufwartete, Jameson, genannt Jaminho. Wir hatten wieder Chipirones, Insalata Atun, Steaks und Schweinespieß. Alles sehr lecker. Was einem das Essen auf den kleinen Terrassen ab und an verleidet, sind die vielen Raucher. Hatten wir auch dort. Wir baten, wenigstens während unseres Essens nicht ununterbrochen zu quarzen. Sie fragten, ob wir Spanien lieben, wir bejahten, sie rauchten fortan abseits der Terrasse. Das fand ich sehr nett. Es gibt die Diskussion in Spanien, das absolute Rauchverbot an bestimmten Stellen wieder einzuführen. Die Initiative scheitert wahrscheinlich an zu vielen Interessengruppen, die dagegen ankämpfen.





Was soll aber nun diese mysteriöse Überschrift? Naja, Madrid wirbt ja mit dem Spruch „De Madrid al cielo“. Und das lasse ich mal so stehen. Wer beide Städte kennt…
P.S.: Die Bluetooth-Tastatur ist auf Spanisch. Da jetzt rumzufummeln, um Accents und dergleichen zu finden, war mir zu anstrengend.
Also, das war ein superschöner Tag. Morgen wird es hoffentlich genau so schön, ich habe zwei, drei nette Sachen vor. Seid Ihr gespannt? Ich auch 🙂 Bis morgen, Euer


P.S.:
