Ihr Lieben,
vor 25 Jahren war ich das erste Mal an der Sagrada Família. Damals eine riesige Baustelle, man zahlte auch für gar nichts irgendeinen Eintritt, wenn ich mich richtig erinnere. Inzwischen ist die Kirche Weltgeldruckerbe, was aber völlig okay ist, denn die noch ausstehenden Baukosten des Hauptportals werden über die Eintrittsgelder getragen. Durch den Erwerb meines 40-Euro-Tickets bin ich jetzt quasi Anteilseigner. Für die 40 Euro bekommt man in einer noch überschaubaren Gruppe eine dreiviertelstündige Führung, man darf einen der Türme besteigen und das Museum sowie die Gaudi-Schule besuchen.
Die „Heilige Familie“ ist schon damals ein Wunderwerk gewesen. Heute gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken. Die Baumeister haben nicht mit Wow-Momenten gespart. Die Fassaden geschmückt wie nix, die Türen eine Entdeckungsreise, die Fenster eine Wucht. Innen ist die Kirche eher schlicht, aber bei Sonnenschein verbreitet sich ein tolles Licht. Ich war im allerersten Schwung in der Kirche, man hat sie also tatsächlich für ein paar Minuten fast für sich allein. Im Laufe des Vormittags strömen dann die Massen.








Die Führung war ganz ordentlich, es ging viel um Erklärung der Figuren und Türme. Das Museum ist der Entwicklung des Gotteshauses gewidmet und die Schule ist, nunja, eine kleine Schule. Gaudi war sehr gläubig, aber legte auch viel Wert auf Bildung und ließ die Kinder der Bauarbeiter unterrichten. Die Krypta kann man zwar besuchen, aber nur zu Gottesdiensten. Hinter dem Altar gibt es aber Fenster, durch die man dort hineinsehen kann. Gaudi liegt dort begraben, nachdem er 1926 von einer Straßenbahn überfahren wurde.
Die Turmbesteigung? Pft. Man fährt mit einem Aufzug hoch, muss sich dann über einen Turmsteg von 10 Metern Länge auf die andere Seite bemühen und eine seeehr enge Wendeltreppe wieder runterkraxeln. Angeblich kann man mit der App der Sagrada Familia oben ein „immersives Erlebnis“ haben, aber ich habe nicht gerafft, was ich in der App machen soll und zudem drängten von hinten die Massen nach. Meiner Meinung nach ist der Turmbesuch daher verzichtbar. Insgesamt aber ist die Sagrada Familia ein Muss! Während meines Besuches wurde sogar Orgel gespielt, das war eine nette Abrundung.

Mit Rolf traf ich mich dann zum Mittagessen am Strand von San Sebastian. Die Snacks dort waren teuer, dafür hatten wir einen schönen Blick über den Stadtstrand und die Skyline der Stadt. Es war kaum etwas los im Viertel „Barceloneta“, daher wurden wir von aufmerksamen Kellnern quasi wie Könige umsorgt. Das war sehr nett. Rolf hatte dann Termine und fuhr mit dem Bus davon, während ich in die Seilbahn einstieg, um mit dieser bis zum Mirador Miramar zu gondeln. Ihr wisst ja, dass ich trotz meiner Absturzängste immer wieder Seilbahn fahre, auf Glasaussichtsplattformen rumrenne und auf Türmen rumturne. Diese Seilbahn ist mit zwei dreieinhalb Minuten langen Teilstrecken definitiv auch etwas für Feiglinge! Kostet halt 12,50 Euro für eine einfache Fahrt. Vom Mirador aus könnte man auch weiter mit einer anderen Seilbahn zur Stadtburg fahren, aber da war ich ja schon 2025. Ich lief stattdessen (man kommt kaum anders weg – aber es gäbe Taxis) den Berg hinunter bis zur Parallel, von wo ich weiter bis zur Rambla lief. Dort stieß ich auf einen Ale-Hop.







Vorletztes Jahr kaufte ich in einem Ale Hop, das ist eine sehr erfolgreiche spanische Tinneffkette, Fächer mit einem lustigen Spruch drauf: „Abanicando mis problemas“, ich fächele meine Probleme weg. Den wollte ich wieder erwerben, aber leider ist er offensichtlich nicht mehr im Programm. Ich lief weiter bis zur Plaza Real, wo ich mich auf einen Stuhl fallen ließ und auf eine Sangria hoffte. Allein, es gab keine Kellner. Hm. Meine Quanten qualmten, ich war verschwitzt, ich hatte Durst! Ich beschloss, nach Hause zu fahren und Sprudel, Bier und Wein einzukaufen. Rolf hatte offensichtlich exakt die gleiche Idee, zu trinken gibt es erst einmal genug.
Nach dieser Wanderung in der Hitze war ich erst einmal fix und fertig und ich musste eine Siesta einlegen. Rolf hatte auswärts zu tun, ich legte mich kurz hin. Aus dem geplanten kleinen Nickerchen wurde ein veritabler Tiefschlaf. Irgendjemand klingelte an der Haustür, das ignorierte ich und baute es in wirre Träume ein. Dann klingelte mein Handy: „Wollen wir uns bei Zian treffen?“. Fast zweieinhalb Stunden geratzt!
Wir trafen uns im Restaurant und aßen zusammen Gambas, Rolf Paella und ich einen Iberico-Burger, der ging fast als Nachtisch durch, denn durch den Cabra, Tomatenconfit und ein Brioche als Bun war er eher süß. Ich fand das prima, ist aber bestimmt für andere gewöhnungsbedürftig. Wir bekamen noch einen Drink aufs Haus und schauten dann in einigen Bars vorbei. In Köln ist die Gay-Bar-Szene ja zu einem jämmerlichen Resthaufen geschrumpft, wo kaum etwas los ist. In Barcelona kann man jeden Tag ausgehen, man muss nicht bis Mitternacht warten und es ist überall sehr nett.




Naja, aber auch Rolf muss morgen wieder raus, ich habe auch etwas vor, daher liefen wir zurück. Rolf in die Heia, ich zum Tagebuch.
Es war wieder ein toller Tag. Barcelona ist schon einfach mal eine Nummer. Dennoch werde ich „Barna“ morgen fremdgehen. Und ich hoffe, Ihr seid dabei! Liebe Grüße, Euer


P.S.: Die Tage sind so gefüllt. Ich könnte dreimal so viel schreiben, aber die Tage sind so gefüllt. 🙂
P.P.S.: Der Architekt der kantigen Passions-Fassade der Sagrada heißt Subirachs. Ich musste immer an ein ähnlichlautendes Medikament denken. Ich mag persönlich seine künstlerische Art nicht, erkenne aber sein Talent an. Passion halt.