Barcelona 2026 (5): Die Bären sind los!

Ihr Lieben,

der heutige Tag ähnelte dann tatsächlich endlich mal entfernt an Urlaub. Aber ich bin ja selbst schuld, wenn ich immer wie wild durch die Gegend renne. Nach einer seeehr langen Nacht, Rolf hatte seinen Tag längst begonnen, machte ich ein Rührei für uns beide (die Paprika musste weg) und wir enterten um halb 12 den Bus der Linie 16 nach Sitges. Ich habe ja schon viel über diesen kleinen, sehr schwulen Ort geschrieben. Diesmal saß allerdings kein Bruce-Willis-Doppelgänger am Steuer.

Nach der Ankunft liefen wir zur Clubterrasse unterhalb des San Sebastian-Klosters und schauten auf die schöne Kulisse mit der alten Kirche, an der, wie Rolf zu Recht behauptete, nichts stimmig, die aber dennoch interessant genug für heiratswillige Deutsche ist. Ich trank einen Limoncello Spritz. Leutz, das ist schon lecker. Am Nachbartisch saß eine Gruppe Menschen, die sich auf deutsch unterhielten, aber nur einer davon akzentfrei. Deutsch als lingua franca habe ich so noch nie erlebt. Witzig.

Wir liefen zum Yacht-Club, wo ich ein gutes Essen in Erinnerung hatte. Man brachte uns dort „trotz fehlender Reservierung“ unter (wobei ich glaube, dass da oft auch viel Show bei ist, denn das Restaurant war in den zwei Stunden nie komplett voll), und das Essen war wieder sehr gut. Ich hatte sehr leckeres Rind, bei dem man aber auch was zu kauen hatte, und Rolf Schweinefleisch, das quasi vom Zugucken zerfiel. Eine noch bessere Melonensuppe als vor drei Tagen und ein üppiger Sankt-Jakobs-Kuchen komplettierten mein Festmahl.

Wir liefen die Promenade entlang. Bei 35°C und mit vollem Magen schon eine Herausforderung. Wir beschlossen, uns auf der Plaza de Industria niederzulassen und zu glotzen. Extreme Glotzig. Eines meiner liebsten Hobbies, wie treue Leser wissen. Und Sitges bereitet sich gerade auf ein Großereignis vor, das morgen starten wird: zum 25. Mal jährt sich das internationale Bärentreffen. Bären sind groß- und breitgewachsene, oft sehr behaarte Männer, die einen Teil der gay community ausmachen. Mehr als 8000 Besucher werden zu diesem Event erwartet. Und viele davon waren schon da. Und es war wirklich unglaublich international. Kanadier, Afrikaner, Amerikaner, Nordeuropäer… ein babylonisches Stimmgewirr.

Irgendwann war uns zu heiß und wir sehnten uns nach der klimatisierten Wohnung. Und jetzt der Wermutstropfen: Was ich gestern lobend über die spanische Bahn sagte, gilt nicht für den privatisierten Busverkehr. Wir warteten 40 Minuten in der prallen Sonne auf den viertelstündlich kommenden Bus. Dä!

Zuhause kurz frisch gemacht und dann wieder ins Marcelinos, wo ich das erste Mal in meinem Leben Schwertmuscheln vom Grill gegessen habe. War okay, geschmacklich erinnern sie stark an Miesmuscheln. Leider etwas sandig, die Dinger. Rolf hatte Ternero „Churrasco“, das war auch mit Arbeit verbunden. Wir saßen drinnen, weil es draußen viel zu schwül war, dafür konnten wie aber mit der Dame des Hauses und den beiden liebenswürdigen Kellern plaudern und unser Spanisch aufpolieren.

Wir waren beide „durch“ und gingen nicht mehr weiter aus. Rolf ist nun, da ich das schreibe, auch schon zu Bett. Morgen ist vereinbarter Spätaufstehertag, ich werde den Tag über dann aber allein auf mich gestellt sein, da Rolf arbeiten muss. Ich werde mich – glaube ich – einfach treiben lassen. Treibt Ihr mit? Würde mich freuen. Bis denne, liebe Grüße, Euer

P.S.: Es gibt auch in Sitges eine Turronneria „Vicens“, da habe ich leider auch noch etwas kaufen müssen. Herrjeh!

P.P.S.: Erratet Ihr, wer von beiden der Bär ist?

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