Barcelona 2026 (6): Ein gegantischer Abschluss

Ihr Lieben,

heute startete ich den Tag mit einem Bummel durch die Altstadtviertel zwischen Sé und Santa Maria del Mar. Neben weiteren Stadtmauerresten, schönen Gassen, kleinen Kirchen gibt es viele lustige und/oder interessante Geschäfte zu bestaunen. Aber keine Sorge, ich geriet in keinen Kaufrausch. Stattdessen besuchte ich das Innere von Santa Maria del Pi, die für 8 Euro Eintritt erstaunlich wenig bietet. Der Turm öffnet nur zu bestimmten Zeiten, ich hätte 1 Stunde verweilen müssen. Immerhin, es gibt einen handtuchgroßen Kirchgarten und drei Vitrinen mit Kirchenschätzen. Neben der Kirche fanden sich ein paar mehr oder weniger begabte Maler zusammen, um ihre Werke zu veräußern, vor der Kirche ein kleiner Markt mit handgefertigten Lebensmitteln. Aber Vorsicht: Wenn man sich etwas genauer angucken will, bekommt man sofort eine Kostprobe ins Gesicht gedeut, ob man will oder nicht. Bin ich nicht so der Fan von…

Ich wuselte mich durch die Gassen zur Santa María del Mar, Ihr erinnert Euch, die aus dem Roman. Vorgestern wollten sie ja 12 Euro Eintritt, heute 8. Merkwürdig. Hier lohnt sich das Ticket aber. Die Kirche ist im spanischen Bürgerkrieg völlig ausgebrannt und gilt als untypisch schlicht. Ich mag sie. Und hier konnte ich auf den Turm kraxeln. Über eine 50cm breite Wendeltreppe. Mit Gegenverkehr von Menschen, die zu doof waren, zu begreifen, dass der eine Turm für den Auf-, der andere für den Abstieg war. Um dann zu schimpfen. Egal. Der Ausblick ist sehr schön! Die berühmte Maria aus dem Roman überthront den Altar und ist nicht zu übersehen.

An der Passeig del Born nahm ich dann ein kleines Mittagessen in einem sehr urigen Restaurant ein. Ich bestellte das Geheimnis des Schweins, „El secreto de cerdo“. Was das Geheimnis war? Das blieb geheim. Direkt gegenüber der Casa Delfin, so hieß das Restaurant, steht ein sehr großer Pavillon, der Ausgrabungen überdacht; wohl ein Teil des historischen Museums von Barcelona. Ich wunderte mich ein bisschen, dass man da so einfach reinspazieren konnte, aber als ich in in eine kleine Ausstellung wollte, bedeutete man mir, ich müsse wegen der Einlasskontrolle ein Ticket kaufen, da aber die Kassen nicht funktionierten, wäre der Eintritt heute frei. So konnte ich auch noch Geschirr und Schmuck und Erläuterungen über die Stadtgeschichte ansehen.

Hinter diesem Pavillon liegen Zoo und Stadtpark, an dessem Ende das katalanische Parlament zu finden ist. Auf dem Weg hinaus kommt man dann noch am berühmten Kaskadenbrunnen vorbei und läuft auf den Passeig de Luis Companys, der zum Triumphbogen führt. Da es gefühlte 40°C waren (es herrschen gerade 69% Luftfeuchtigkeit!), war ich schon nach den vier Stunden hinüber, nahm einen Bus und legte eine Pause in der Casa Rolf ein.

Morgens hatte ich mich mal informiert, was denn heute in Barcelona so los ist. Die ellenlangen Sommerferien enden dieses Wochenende, die Stadt erwacht. Vieles ist in den Sommermonaten einfach zu, auch die Theater und Konzerthäuser schließen ihre Pforten. Immerhin findet zur Zeit das Stadtteilfest „Festa Major de la Bordeta“ statt, da wollte ich mal hin, u.a. weil es Gegants zu sehen geben sollte. Das sind riesige (ach was!) Pappmaché-Figuren, die bei Umzügen mitlaufen, und die von Nachbarschaftsvereinen gebastelt, getragen und musikalisch (naja) begleitet werden. Ihr Lieben, das hat richtig Spaß gemacht. Als ich am Sammelpunkt der Gegants aus Sant Medir, Sants, Poble-Sec, Marina etc. pp. eintraf, fand dort gerade eine riesige Bingo-Party statt, ein ganzer Straßenzug war durch Tische, Stühle und Bänke versperrt und Hunderte saßen bei selbst mitgebrachten Speisen mit ihren Bingo-Karten am Tisch. Es war eine Riesengaudi. Eine Frau rief „linea!“ und die hunderte Meter lange Tischreihe machte eine halbe La Ola-Welle. Die berühmte Paella-Pfanne aus Villabajo war leider – wenn auch ungespült – leer.

Nachdem sich etwa ein Dutzend Giganten versammelt hatten, bewegte sich der Zug der Riesen durch die Straßen, begleitet von Musikgruppen mit quäkenden Instrumenten und Trommeln; inzwischen waren auch etwa fünfhundert Elternkonstellationen mit Buggys und Nachwuchs eingetrudelt, die die Parade jubelnd begleiteten. Es war wirklich toll. Die Riesen springen, drehen sich im Kreis und verbeugen sich, eine Riesen(!)gaudi für die Kinder. Da ich den Zugweg kannte, konnte ich, einen Umweg laufend, den Korso zweimal beklatschen und fotografieren. Einmal brach ein Gigant zusammen, dann wurde der erschöpfte Träger schnell rausgeholt und durch einen anderen ersetzt. Ich fürchte, dass ist eine schweißtreibende Angelegenheit! Hut ab!

Ich fuhr wieder in unser Heim und schrieb schon einmal das bisher Geschehene auf, es kam ja schon einiges zusammen. Dann traf ich mich mit Rolf an der alten Stierkampfarena, die inzwischen ein Einkaufszentrum ist. Spannende Geschichte übrigens, das alte Gebäude wurde zur Sanierung in Gänze angehoben. Da oben gibt es auf jeden Fall ordentliche Restaurants mit moderaten Preisen und wir wären schon in der Nähe des letzten Programmpunkts des Tages: die synchronisierten Licht- und Wasserspiele am Brunnen unter dem Palau Nacional.

Das Essen war okay, Paella de Pollo, wir waren uns beide einig, dass wir das besser könnten, aber egal. Als um 21:30 Uhr die erste von zwei Shows losging, standen wir auf der Dachterrasse der Arena und hatten einen ersten Eindruck. Wir liefen dennoch rüber, denn ohne Musik war das ja kein vollständiges Erlebnis. Natürlich waren Tausende Menschen da, aber wir ergatterten trotzdem einen Platz, von wo aus wir alles gut sehen und hören konnten. Viel Oper, viel Klassik. Nett. Ein schöner Abschluss meines Aufenthaltes hier.

Das war eine wunderbare Woche Urlaub für mich und Rolf ist ein wirklich toller und geduldiger Gastgeber; danke, mein Lieber, an dieser Stelle!

Morgen geht es um halb sieben morgens Richtung Flughafen, dann gibt es einen Zwischenstopp in Holzheim, Oliver macht Mittagessen, und ich muss auch noch Benjiro abholen. Solltet Ihr auch so traurig sein, wie ich, dass der Urlaub schon rum ist: Am 1. Oktober geht es mit Benjiro Richtung Italien. Ich hoffe, wir sehen uns dann wieder, so lange Euch allen alles Liebe und Gute, Euer

Gelle, Ihr wusstet es schon immer!?

P.S.: Ich habe auch Videos der Gigantentänze und der Wasserspiele gemacht, die stelle ich in Kürze mal bei Youtube ein.

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