einfach mal ausschlafen, einfach mal so in den Tag hineinleben. Wie schöööön! Die Durchfahrt durch die Schleuse von Assiut habe ich im wahrsten Sinne des Wortes verpennt, dabei war die erst um 11 Uhr. Kurz danach erhob ich ich dann aber doch, ließ es mir auf dem Oberdeck gut gehen und war wieder ganz verzückt von den beiden Nilufern. Es wird geheimnisvollerweise gar nicht langweilig, obwohl sich naturgemäß viel wiederholt: Rufende Kinder, Landwirtschaftsszenen, Berge, viel Grün. Aber jede noch so banale Kuh lässt die Passagiere, mich inklusive, zur Reling rennen und ie unter euphorischen Ausrufen knipsen. Zwischendurch dann aber immer wieder Abwechslung in Form einer Brücke, eines Ortes, einer Moschee oder aber eines mehr als überdimensionierten Klosters mitten im Nirgendwo. Hier einmal ein paar Impressionen:
Damit uns nicht etwa langweilig wird, bietet der Manager heute eine Menge von Unterhaltung an. Besichtigung der Schiffsbrücke, Kochkurs, Sprachkurs und und und. Die Brückenbesichtigung habe ich mir gespart, aber Willy hat Fotos gemacht. Ich war dann im Gegenzug beim Kochkurs. Es gab Molokhya (einen ägyptischen Gemüseeintopf) und Baba Ghanoug (Auberginen-Sesam-Püree).
Da man heftig darum bemüht ist, uns nicht vom Fleisch fallen zu lassen, gibt es nachmittags an Deck immer eine Teestunde. Meist mit Kuchen und Keksen, heute mit Pfannkuchen mit Obst und Schokoladensauce. Wir lagen da schon in Tell-Amarna, hatten aber keinen Landgang. Ich suchte daher den Sprachkurs von Achmed II auf, der uns die Grundlagen der altägyptischen sowie arabischen Sprache und Schrift nahebrachte.
Meinen Namen kann ich jetzt schreiben. Blöderweise kommen darin ein Schmutzgeier und ein Löwe vor. Das Ergebnis ist daher nicht wirklich prädikatsträchtig.
Das Abendessen war dann fast durchweg ägyptisch. Leider waren einige Sachen mit Koriander verseucht. Aber jeder wurde satt. Ich werde demnächst mal versuchen, Om Ali nachzukochen, das war ganz lecker. Morgen hat das Faulenzerdasein leider wieder ein Ende, ganz früh geht es zu den Felsengräbern von Beni Hasan.
in der Nacht habe ich dann doch noch versucht, die Durchfahrt durch die Eisenbahnbrücke mitzuerleben, denn die Konstruktion versprach, dass es interessant sein könnte. Um Mitternacht sollte es ja soweit sein. Es kamen auch Menschen, die irgendwie Poller installierten, dann wieder abbauten, dann kam doch noch ein Zug und wieder passierte nichts, dann hektische Betriebsamkeit auf dem Schiff, dann wieder nichts. Ich fing an zu frieren und es wurde halb zwei, als die Crown Vision die Motoren stoppte; da beschloss ich, es gut sein zu lassen!
Der erste Ausflug heute ging zu ziviler Zeit (10 Uhr) zum Tempel des Sethos in Abydos. Wieder wurde der Tempel als ganz anders als die anderen gepriesen, und wieder war er auch anders, aber auch wieder gleich. Erbaut hat die ganze Chose Sethos, der Vater des großen Ramses. Unter Sethos waren erhabene Reliefs der Hit, Ramses kehrte wieder zu den Tiefenreliefs zurück. Die Mythologien über die Isis-Geburt und die Verwandtschaft zu Horus etc. wurden aber wieder gleichsam den anderen Dynastien dargestellt. Viele der Mythologien lassen sich ja im Christentum analog wiederfinden. Aber definitiv ein schöner Tempel, vieles noch original ausgemalt.
Die Bilderüberarbeitung zwischen Sohn und Vater (ich sprach es an, jeder Pharao wollte seinen Namen noch verewigter wissen als den seines Vorgängers) führte im Tempel von Abydos zu so skurrilen Gravuren, dass Verschwörungstheoretiker wieder Stoff haben. Sieht man doch in alten Reliefs Panzer, Hubschrauber und U-Boot: Ein klares Zeichen für das Wirken Außerirdischer!
Am interessantesten an diesem durch Polizeieskorte begleiteten Ausflug war die mehr als halbstündige Fahrt zum Tempelbezirk. Wir haben sichtlich die touristischen Hauptpfade verlassen. Die Straßen sind Pisten, die Ufer der Kanäle sind Müllkippen. Es ist eher überall ärmlich, man kann Menschen bei der Bestellung ihrer Felder beobachten, beim Flachsen, beim Backen, in Autowerkstätten arbeiten Kinder… Es gibt viele Obststände, das Land an sich ist nicht arm, es gibt viel Gemüse und reichlich Obst.
Achmed II erzählte auf der Fahrt nach Abydos viel über das ägyptische Schulsystem. Die Alphabetisierungsrate ist erschreckend niedrig, Bildung ist nur für wenige zugänglich. Auch über infrastrukurelle Probleme und die politische Geschichte der Neuzeit verlor er ein paar Worte. Er fand dabei durchaus kritische Töne.
Den Nachmittag über kreuzten wir wieder und konnten viele interessante Szenen am Ufer beobachten, oft untermalt von frenetischem Kindergeschrei, von dem wir hoffen, dass es Laute der Freude waren und keine Flüche à la „Ungläubige, möget Ihr verrotten!“.
Mindestens genauso lästig wie frühes Aufstehen sind die spät terminierten Ausflüge, die fast mitten in der Nacht enden (ich übertreibe gerade nur ein bisschen…), daher überlegte ich lange, ob ich den Ausflug zu weißem und rotem Kloster buchen sollte. Kurz: Es lohnt sich sehr, alleine schon, weil man mal etwas anderes als einen Tempel sieht.
Im weißen Kloster kamen wir rechtzeitig zu einem Gottesdienst an. Bei melodischen Gesängen (aus einer Zeit ohne überlieferte Notation) und einer Weihrauchdichte von 99% war das schon ein Erlebnis. Obwohl nur wenige Gläubige anwesend waren. Das weiße Kloster ist mäßig erhalten, verfügt aber über eine lange Geschichte und eine der größten Basiliken ihrer Zeit (die ist gut erhalten). Das rote Kloster besticht durch seine einzigartigen, hervorragend restaurierten Fresken aus dem 5. Jahrhundert. In beiden Klöstern erläuterten uns Mönche die wichtigsten Fakten. Ein Fresko im roten Kloster zeigt einen Stifter, das ist im Gegensatz zu den Stifterfiguren des europäischen Mittelalters nachgeradezu niedlich. Es ist der Mann mit den erhobenen Händen in der Bildergalerie. Die Fresken sind übrigens dergestalt in ca. 15 Jahren freigelegt worden, dass übermalte Schichten nicht entfernt wurden, sondern ebenfalls noch sichtbar sind. Wenn ich es richtig verstanden haben, blicken wir zugleich auf Fragmente des 5., 6. und 7. Jahrhunderts! Eine Meisterleistung italienischer Restauratoren.
Hier ein paar Eindrücke vom weißen Kloster:
Hier ein paar vom roten Kloster:
Bevor es dann zu einem sehr späten Abendbrot zurück an Bord ging, zündete ich in der Marienkapelle noch eine Kerze an.
Am Abend wurde ein Spaziergang an der Uferpromenade angeboten. Heutiges Begleitpolizeiaufgebot 20 Personen. Die Uferpromenade von Suhag ist jetzt nicht besonders einladend, es ist vor allem eine Verkehrsader, auf der das Lieblingsinstrument der Ägypter gespielt wird: die Hupe. Wir haben uns allesamt dagegen entschieden. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass ich es schätze, dass der Staat Ägypten so bemüht ist, uns zu schützen. Denn tatsächlich stehen unsere Beschützer nicht nur dekorativ in der Gegend herum, sondern sind, ich übernehme mal den Begriff, den Willy benutzt hat, sehr alert! Persönlich fühle ich mich nicht besonders gefährdet, aber koptische Kirchen und Klöster zu besuchen erfordert möglicherweise doch einen gewissen Schutz. Nicht, weil man es auf Touristen abgesehen hat, sondern auf Religionsminderheiten. Die koptische Gemeinde, ich fragte den Mönch danach, umfasst alleine in der Provinz Suhag 2,5 Millionen Mitglieder. Dennoch ist es eine Minderheit.
Den Abend ließen wir am Monddeck (Flachwitz, wer versteht ihn?) ausklingen. Einer der Kellner ließ Monika und mich, nachdem alle anderen zu Bett gegangen waren, an seinem Leben teilhaben, indem er von seiner Familie erzählte und Fotos zeigte. Ein interessanter Einblick in die Widrigkeiten des Lebens, mit denen man hier konfrontiert wird.
Morgen, Ihr Lieben, ist Flusstag! Ohne Ausflugsprogramm! ABER: Wir werden gezwungen, Baba Ganoush zuzubereiten, Hieroglyphen zu schreiben und zu lernen, im Nil mit Krokodilen zu kämpfen. Wer errät, was davon nicht stimmt, darf sich auf einen Kühlschrankmagneten freuen! Den Gewinner bestimmt das Krokodil!
Ich würde mich freuen, wenn Ihr morgen wieder zuschaltet 🙂 Liebe Grüße, Euer Gerry
auch die läppische Show gestern konnte uns nicht davon abhalten, heute sehr früh aufzustehen, um dem Karnak-Tempel einen dreistündigen Besuch abzustatten. Eine Viertelstunde vor Abfahrt quälte ich mich aus dem Bett, schlüpfte in die Sachen von gestern und wankte todmüde zum Ausgang. Hinter dem Schiff stieg eine Armada von Heißluftballons in den Himmel.
Wieder schlossen wir uns Achmed 2 an. Und es hat sich sehr gelohnt! Ich hatte Karnak von 1998 her in allerbester Erinnerung und es hat sich seitdem viel getan. Einiges mehr ist über die Jahre wieder hergestellt worden und auch diesmal hatten wir – aufgrund der frühen Uhrzeit – die Anlage fast für uns alleine.
Achmed ist ein sachkundiger, sehr empathischer Reiseleiter, der Rundgangverging wie im Flug und ich habe wieder so einiges gelernt. Ja, lieben Leute, man ist ja nicht zum Vergnügen hier!
Am Souvenirshops der staatlichen ägyptischen Altertümerverwaltung erstand ich noch ein bisschen Tinnef, wahrscheinlich etwas teurer als im Bazar, dafür aber ohne stundenlanges Verhandeln. Und dann konnte ich endlich frühstücken, während die Crown Vision Richtung Qena ablegte.
Erwähnte ich schon an irgendeiner Stelle, dass ich besonders die Fahrtzeiten… ach so, hatte ich wohl schon. Ja, das war dann die Beschäftigung bis zum Mittagessen. Danach ging es auch munter weiter im Programm. Der Tempel der Hathor in Dendera stand auf dem Programm. Ich glaube, mir droht eine chronische Tempelitis. Aber auch hier versicherte man uns, dass er ein absolutes Must-see ist.
Vorher eine kleine Exkursion. Wir stehen ab jetzt bis Kairo unter massiver Polizei- und Militärbewachung. Also im Sinne von Schutz. Das bedeutet unter anderem, dass wir ab jetzt an einen viel strengeren Zeitplan gebunden sind. Hintergrund ist, dass früher auf der Strecke Luxor – Kairo wohl Boote beschossen wurden und daher diese Reisestrecke für Touristen bis 2013 verboten war. Sie konnte nur wieder ins Programm genommen werden, weil die Veranstalter sich verpflichteten, strenge Auflagen zu akzeptieren. So sind z.B. jetzt 10 Polizisten an Bord und unser morgige Stadtspaziergang wird von 100 (sic!!!) Polizisten eskortiert. Bezahlt wird das nicht vom Reiseveranstalter, sondern aus dem Haushalt Ägyptens. Nur zwei Phoenixschiffe fahren diese Route, was aber auch mit dem niedrigen Wasserstand zusammenhängt.
Aber zurück zu Dendara: Der Tempel ist unter anderem sehr sehenswert, weil er ptolemaische Pharaonentempel, eine frühkoptische Kirche und ein Sanitarium vereint. Zwei Mamisi, Geburtshäuser, mit Geburtsmythosdarstellungen, mit denen Thronansprüche hergeleitet wurden, die in der christlichen Tradition in der Weihnachtsgeschichte ihre Entsprechung finden, komplettieren das Ensemble.
Es finden sich Darstellungen von diversen Ptolemaiussen (jemand bewandt in Plural Bildung?), von Hadrian, Nero, Nofretete; dies ist eine zusätzliche Besonderheit. Der Hathortempel ist dazu noch recht bunt und hat einzigartige Säulenaufbauten und eine Dachterrasse, auf die man durch reich verzierte Treppenhäuser gelangt.
Besonders gut gefallen hat mir übrigens die Skulptur des rotwangigen Gottes des Lachens und des Spaßes, Bes.
Am Nachmittag wurden auf dem Sonnendeck, das Schiff hatte Qena schon wieder verlassen, die Schiffsverantwortlichen vorgestellt, vom Chefkoch über Manager, Housekeeping bis zu unserem in traditioneller Djellabija gekleideten Kapitän, der sein Handwerk von seinen Vorfahren gelernt hat und nach Gefühl fährt. Einen Echolot oder ein Navigationssystem sucht man wohl vergeblich an Bord.
Wir haben einen Barkellner, dem wir besonders zugetan sind, ich habe mich gefreut, zu erfahren, dass er stellvertretende Baraufsicht ist. Gefühlt 70 Prozent der Crew heißen Mohamed, 25 Prozent Achmed. Wer glaubt, das mache die Unterscheidung einfacher, irrt. Es war eine durch Achmed 1 sehr schön moderierte Vorstellungsrunde!
Nach dem Abendessen wurde auf unsere Anregung hin der Film „Tod auf dem Nil“ gezeigt. Das war ein passender Abschluss des Tages, weil Teile des Films in Assuan und in Karnak gefilmt wurden.
Gleich fahren wir noch unter einer ganz besonderen Brücke her, aber mein Bedarf an Erlebnissen ist für heute gedeckt.
Morgen gibt es einen weiteren… wer weiß es?… zu sehen, wenn man möchte, auch ein paar Klöster. Wie schaut’s aus, schaut ihr mit?
der heutige Vormittag war Theben West gewidmet. Es gab Ausflugsoptionen ins Tal der Könige mit Hatschepsut-Tempel oder ins Tal der Arbeiter mit Tempel von Ramses III. Da ich schon – wenn auch schon vor etwa 30 Jahren – im Tal der Könige war, entschloss ich mich für das Tal der Arbeiter. Monika war so lieb, mich zu begleiten. Wir waren eine Gruppe von nur 6 Personen, fuhren mit einem Minibus und waren entsprechend schnell unterwegs.
Unser erster Halt war bei den Memnon-Kolossen. Diese gigantischen Statuen sind Überreste des Totentempels von Amenophis III. Der soll bei einem mächtigen Erdbeben zerstört worden sein, das den biblischen Plagen zugeordnet wird. Naja. Eine der Statuen muss zwischen Erdbeben kurz vor Christus und einer Restaurierung im Jahr 200 nach Christus einen Pfeifton von sich gegeben haben, der Pilger anzog, die dann dort Agamemnon huldigten.
Von da aus ging es nur eine kurze Strecke zu den Gräbern der Künstler, Arbeiter und deren Anghörigen. Die Erbauer und Ausstatter von Totentempeln und den Adelsgräbern lebten hier in einer Siedlung mit ihren Familien und arbeiteten 8 Tage auf Baustellen und hatten dann 2 Tage frei. Begraben wurden die höheren unter ihnen in Gräbern, die noch original mit Szenen ihres Lebens ausgestaltet sind. Natürlich findet man auch hier Götter aller Couleur in den Bildern wieder. In die Gräber zu kraxeln war ziemlich anstrengend, die Zugänge sind sehr klein und steil. An einer Stelle musste ich auf allen Vieren durch einen tunnelartigen Gang kriechen, um in die Grabhöhle zu gelangen. In den Kammern standen auch Ägypter bereit, die gegen ein kleines Bakschisch bei Auf- und Abstieg halfen und Erläuterungen zu den Wandmalereien abgaben. Wenn man wildes Rumfuchteln mit den Armen und unkontrolliertes Ausrufen von Namen denn als Erläuterung verstehen will. Wenn das Bakschisch zu großzügig ausfiel, hinderten sie nachfolgende Touristen daran, in die Kammer zu gelangen, bis man selbst in Ruhe alles studiert hatte.
Unser letzter Tagesordnungspunkt für diesen Ausflug war der Tempel Medinat Habu, der ursprünglich unter Ramses III erbaut, aber von Hatschepsut und Thutmosis III erweitert wurde. Hier gibt es außerordentlich viel zu sehen, aber letztlich entdeckt man zu 90 Prozent die sich wiederholenden Szenen aus den bisher besuchten Tempeln. Charakteristisch für diesen Tempel sind die seeehr tiefen Gravuren, mit denen verhindert werden sollte, dass das Leben von Ramses III hier – bei anderen, lang verschollenen Pharaonen und Königinnen – von Nachfolgern einfach „ausradiert“ wird. Und so erzählen die Wände, teilweise in Farbe, prächtige Geschichten! Noch eine Besonderheit: Wir konnten das Klo des Ramses III besichtigen. Ja, auch Menschen im Range eines Gottes blieben niedere Verrichtungen nicht erspart.
Zurück auf dem Boot stürzten die Touris sich wie Heuschrecken auf das Buffet. Der Nachmittag wurde dann auf dem Sonnendeck verbracht, ein kleines Schläfchen auf der Kabine war auch noch drin. Einige Passagiere unternahmen die Kutschfahrt durch Luxor. Nach dem Abendessen ging es dann zu einem weiteren, kostenpflichtigen Highlight: Der Sound and Light-Show im Tempel von Karnak. Zwar warnte Otto uns vor, dass schon vor 30 Jahren sein Reiseführer von einem Besuch abriet, aber wir erstanden dennoch allesamt Karten. Ja, was soll ich sagen. Ich war total ergriffen, ja, zu Tränen gerührt! Fast wahllos wurden Schalter an- und ausgeknipst, mit getragener Stimme wurden dazu verquaste Texte vorgetragen, dazwischen sprintete die Gruppe von der Umfassungsmauer in die Säulenhalle, dann in den Vorhof und anschließend im Schweinsgalopp zu einer Tribüne, wo alles nur noch viel schlimmer wurde. Wir starrten auf ein als Weihnachtsbaum verkleidetes Minarett und über einen See auf die hinteren Umfassungsmauern, wo wieder ohne Sinn und Verstand Spotlights gesetzt wurden, die in keinerlei Zusammenhang mit den schwülstig vorgetragenen Texten standen. Die Stimmen erinnerten an die Off-Erzähler aus Monumentalfilmen. Wir verbuchen das jetzt einfach mal unter einzigartiger Erfahrung.
Abends war wieder Sonnendeck angesagt. Morgen soll es schon wieder um sechs Uhr zur Tagesbesichtigung des Karnak-Tempels losgehen. Irgendwie scheint mir das hier mehr Boot-Camp als Urlaub zu sein. Aber ab Dendera, wo wir dann morgen Nachmittag mal etwas ganz Neues erleben (wir besichtigen einen Tempel!), haben wir auch sehr viel Flusszeit, auf die wir uns freuen können.
Also, wenn Ihr noch keinen Tempel-Burnout habt, würde ich mich freuen, wenn Ihr wieder mitreistet. Liebe Grüße, Euer Gerry
Dieser Herr hat vielleicht einmal zu viel die Lichter-Show gesehen. Daraufhin ist sein Haar plötzlich ergraut.
P.S.: Im Tempel Ramses III gibt es ein Wandbild, das einen Beamten des Hofes zeigt, der abgehackte Hände zählt. Für eine abgetrennte Hand eines Feindes erhielten Soldaten als Belohnung eine Münze. Um das Geschäft einträglicher zu gestalten, hackten sie dann auch irgendwann ihren gefallenen Kameraden die Hände ab. Der Pharao befahl daraufhin, ihm die Glieder der erlegten Widersacher zu bringen, denn diese konnte man aus religiösen Gründen unterscheiden. Diese werden auf dem gleichen Wanrelief gezeigt. Man erzählt, dass verklemmte Reiseleiter „steif und fest“ (Schenkelklopfer!) behaupten, es handele sich um Finger.
eigentlich hatte ich ja einen Tempel-Overload und wollte heute nur ein bisschen durch Esna laufen. Zusammen mit der Ausflugsgruppe verließ ich das Boot und war schon nach der ersten Kreuzung umschwärmt von Händlern; spontan beschloss ich, doch bei der Gruppe zu bleiben. Das erwies sich als kluger Schachzug, da der Chnum-Tempel wirklich sehenswert ist, obwohl nur die Eingangshalle erhalten geblieben ist. Allerdings mit großteils ursprünglicher Bemalung, die durch Ruß – ich habe vergessen woher der kam – über zweitausend Jahre geschützt wurde. Chnum ist der Ortsgott von Esna und ein Schöpfergott. Er formt auf einer Töpferscheibe die Natur, die Götter und die Menschen. In Tiergestalt wird er als Widder verehrt und da ich Widder bin, war da natürlich sofort eine Connection. Tempel und Ort: Absolute Empfehlung!
Am Morgen übrigens sprach unser Ahmed 1 uns an, ob die Niederländer nicht lieber zur Achmed 2 gehen wollten, da dieser auch Niederländisch spricht. So gab ich mich als Niederländer aus, indem ich laut und vernehmlich „Daaaach!“ in die Runde rief, und konnte heute bei Achmed 2 in der Gruppe sein. Mit dessen Vortragsstil kam ich auch wesentlich besser zu Rande. Allerdings erzählten später die anderen, dass Achmed 1 sich heute nicht wiederholt hat.
Der Weg zum Tempel führte durch eine touristische Basarstraße, in der viele Läden auf deutsch damit warben, das man nicht belästigt werde. Das trifft ja nun so nicht wirklich zu. Nach dem Tempel allerdings liefen wir durch den örtlichen Basar für die Einheimischen. Hier wird man in Ruhe gelassen. Vielleicht, weil der durchschnittliche Tourist keine halbe Kuh oder eine handgenähte Matratze mit aufs Schiff nimmt. Man war aber durchweg freundlich und grüßte in gebrochenem bis hervorragendem Deutsch. Wie soll man einen solchen Basar beschreiben? Na, ich lasse mal Bilder sprechen:
In einer Karawanserei waren wir übrigens auch noch. Vom Dach aus hat man einen guten Blick über den Tempelbezirk und die umstehenden, verfallenen Häuser. Verfallen sind diese, weil ein Abriss und Neubau zu einer möglichen Enteignung zwecks Rückgewinnung von noch vergrabenen Tempelresten führen könnte. Das möchte wohl keiner riskieren. Die Karawanserei, das waren übrigens Beherbergungsstätten für reisende Händler, ist saniert und renoviert.
Was überrascht ist, dass das Panorama in Esna von vielen Glockentürmen mit Kreuzen darauf dominiert wird. Das liegt daran, das sich in Esna seit frühchristlichen Zeiten christliche Gemeinden niederließen und immer noch sehr viele Kopten hier leben. Dennoch sah man keine unverschleierte Frau auf den Straßen.
Wir verließen Esna gegen 12 Uhr und fuhren durch die alte Nilschleuse kurz hinter der Stadt. Diese ist außer Funktion, da ein wenig weiter nilabwärts eine neue Schleuse errichtet wurde, in der wir mehrere Meter auf das neue Nilniveau hinuntergelassen wurden. Ich erfreute mich wieder sehr an den Uferpanoramen, jetzt auch mit Gebirgsketten, und dem vielfältigen Treiben am Nilufer. Schrieb ich schon, dass es suuuuuuuperschön ist? Als zusätzliches Highlight gab es zu Mittag dann ein Barbecue auf dem Sonnendeck.
Ich gönnte mir dann ein wenig Verschnaufzeit auf der Kabine, bevor ich am Nachmittag einen Cocktail zur Stärkung zu mir nahm, denn nun hieß es, per pedes zum Tempel von Luxor zu laufen, wo wir in der Zwischenzeit in zweiter Reihe angelegt hatten. Zwar gab es die Tempelbesichtigung auch organisiert mit Bustour, aber einige aus unserer Truppe wollten sich mal bewegen. Die Corniche, die Uferpromenade Luxors, ist sehr edel und modern und fast schlepperfrei. Irgendwann mussten wir dann eine Treppe hoch auf die Straße, wo dann die Kutscher etwas lästig waren, aber ansonsten war es nicht so schlimm wie in den anderern Städten bisher. Wir waren von Achmed 1 vorgewarnt, dass sich Menschen auf der Straße als Mitarbeiter des Schiffes ausgeben und uns vergackeiern würden. Prompt lernten wir „unseren Bäcker“ kennen und „unseren Tellerspüler“. Wer fällt denn eigentlich auf so etwas rein? „Jaja, und ich bin Deine Mutter!“ ist die probate Antwort auf so etwas.
Wir liefen von außen um das Tempelgelände herum, das ist schon spektakulär. Rolf lud uns in den Tempel ein und wir erorberten das Gelände. Die Gebäude waren durch das späte Nachmittagslicht in Rottöne getaucht und wir konnten gar nicht mehr aufhören zu aaaahen und zu ooohen und zu fotografieren. Nach einem Tempeldurchlauf liefen wir einen kleinen Teil der berühmten Sphinx-Allee hinunter und warteten darauf, dass die Sonne untergeht und die Beleuchtung angeschaltet wurde. Das hat noch einmal einen ganz anderen Oh- und Ah-Faktor.
Wir liefen die Corniche zurück und ich entdeckte eine Boutique mit Festpreisen, wo ich einige ziemlich kitschige Kühlschrankmagneten entdeckte. Und sie waren definitiv nicht teuer, da dir mir bisher zugerufenen Preise auf den Basaren deutlich höher waren. An Bord gab es dann ein thailändisches Buffett, das von einer extra aufs Schiff geholten thailändischen Köchin zubereitet wurde.
Den Abend verbrachten wir wieder auf dem Sonnendeck, denn der als Sensation angekündigte Bauchtanz war nicht nach unserem Gusto. Ruth und Willy haben wenigstens mal kurz geguckt und hielten keine 5 Minuten aus. Insgesamt wieder ein toller Tag. Morgen erkunden wir dann die berühmten Täler, weitere Tempel, die Memnos-Kolosse… Luxor hat viel zu bieten.
Einige müssen wieder früh aufstehen, Ihr könnt ausschlafen und dann später virtuell nachreisen, wenn Ihr mögt. 🙂 Liebe Grüße, Euer Gerry
P.S.: War also doch kein so unruhiger Tag, wie gestern vermutet. Die versprochenen Anekdoten folgen dann auf einem der bevorstehenden ausflugsfreien Tage. Versprochen!
Die Aufnahme von Deckenmalereien erfordert ein Höchstmaß an Konzentration!
von wegen „nicht mehr früh aufstehen“… Für 7 Uhr (jaja, ich weiß, das geht ja noch) war ein Spaziergang zum Doppeltempel von Kom Ombo angesetzt. Ich war fast versucht, im Pyjama dorthin zu gehen. Der Mitmenschheit zuliebe habe ich mich aber doch entschlossen, etwas anderes anzuziehen. Das Schiff hatte schon um 4 Uhr früh Assuan verlassen, davon wurde ich denn auch wach, denn unten im Schiffsrumpf, wo ich zu Hause bin, plätschert es bei Fahrt melodisch, aber auch deutlich hörbar.
Vom Doppeltempel ist nicht nicht viel erhalten geblieben, dennoch ist es eine sehr interessante Anlage; der Tempel ist zwei Gottheiten gewidmet: dem krokodilköpfigen Gott Sobek und dem falkenköpfigen Gott Horus. Da der Tempel in Edfu ebenfalls dem Horus geweiht war, nannte man den hiesigen Doppelhaushälftengott „den kleinen Horus“. Unser heutiger Reiseleiter war wieder Ahmed. Er hat zu großen Teilen leider fast wortwörtlich Vortragsinhalte wiederholt, die wir auch schon am Philae-Tempel gehört hatten. Er ist bestimmt kein schlechter Reiseleiter, aber wir hoffen inständig, dass wir am Ende der Reise seinen Vortrag nicht auswendig können. (Ich schreibe dieses Tagebuch ja in Etappen, daher Spoilerwarnung: auch in Edfu hörten wir das gleiche!)
Eine Besonderheit des Tempels des Sobek ist, dass man dort viele mumifizierte, in Sarkophagen beigesetzte Krokodile fand. Diese kann man jetzt im Krokodil-Museum um die Ecke besichtigen. Anschließend ging es dann zum Frühstück, heute wurden auch arabische Spezialitäten präsentiert, wie z.B Shakshuka oder Baba Ganoush. Etwas ungewöhnlich für Frühstück, aber sehr lecker. Nach dem Frühstück fuhr das Schiff weiter Richtung Edfu.
Am Nilufer vorbeizugleiten, hatte ich mir in etwa fast so erträumt, nur dass es in Wirklichkeit noch viel, viel schöner ist! Man sieht Fischer, Landwirte, Tiere, Tempel, Ansiedlungen, alles eingebettet in eine prächtige Landschaft aus viel Grün, mit einem bisschen Gebirge und einem bisschen Wüste. Und allesbestimmend der mächtige Strom! Es ist einfach nur wunder-, wunder-, wunderschön!! Ich hatte fast Pipi in den Augen. Vielleicht auch, weil dieser langersehnte Wunsch sich endlich erfüllt hat.
Fast vier Stunden schipperten wir nach Edfu, in der Zeit kamen uns Dutzende Schiffe entgegen (es gibt etwa 300 touristische Kreuzfahrtschiffe auf dem Nil!), oft tröteten sie sich gegenseitig an. In einem Ort standen Dutzende Kinder am Ufer, die uns quasi frenetisch zujubelten. Auch von Baustellen am Ufer winkte man uns wild zu. Bei der Masse der Schiffe ist das natürlich eine zeitraubende Aufgabe. Ich hoffe, man hat sich gefreut, ein so besonders schönes Schiff zu sehen, sonst wären man ja den ganzen Tag mit Winken und Rufen beschäftigt.
Ja, und dann kamen wir in Edfu an und es wurde ein bisschen problematisch. Man wisse, dass einige Gäste das nicht goutierten, aber es gäbe nicht genügend Tuk-Tuks und einen Bus sowieso nicht, also hätte man sich entschlossen, für die Fahrt zum Tempel Pferdedroschken anzumieten, so die Reiseleitung. Zu Fuß sei die so wichtige historische Stätte von der Anlegestelle zu weit entfernt. Unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber der Horus-Tempel von Edfu ist tatsächlich ein Highlight der Reise. Wir nahmen die Kutschen. Die Pferde sind ausgemergelt, man kann die Rippen zählen; auf der Fahrt zum Tempel hat das Pferd von Ottos und Rolfs Kutsche den Dienst verweigert, man musste eine neue Kutsche rufen. Unser Pferd (ich teilte mir die Kutsche mit Monika) war auch in bedauernswertem Zustand, aber unser Fahrer peitschte es wenigstens nicht brutal aus, wie es andere berichteten. Long Story short: Die nächste angebotene Kutschfahrt mache zumindest ich (aber ich denke, auch die anderen) nicht mit und werde auch einen entsprechenden Hinweis an Phoenix-Reisen schicken. Klar sollen Kutscher und Pferde nicht ihren Lebensunterhalt verlieren, aber es muss verplichtende Regeln für einen Mindeststandard geben. Dann kostete die Fahrt halt 10 Euro mehr.
Aber zum Tempel: Der ist ein Highlight. Kein Highlight war, dass wir tatsächlich zu 80 oder gar 90 % wieder den gleichen Vortrag hörten. Begründet damit, dass ja nicht alle Mitreisenden an allen Tempeln zugegen waren. Das war dann so ermüdend, dass ich Teile des Gotteshauses des Horus auf eigenen Pfaden erkundete.
Schon das Eingangsportal ist imposant! Die anderen Gemäuer hier stehen dem aber fast nichts nach. Viele der Reliefs sind allerdings durch die ersten ägyptischen Christen als verfluchte Götzenbilder zerstört worden. Es gibt dennoch ausreichend Stoff zum Staunen! In einer der inneren Kammern kann man noch außergewöhnlich gut erhaltene Farben an den Wänden erkennen. Es gibt wundersam schöne Reliefs (eine für mich sehr ungewöhnlich intim anmutende Umarmung zwischen Mutter und Sohn), eine Nachbildung der in der Mythologie bekannten Götterbarke, die Hallen sind imposant wie nix… Ich würde mal sagen: „Prädikat äußerst sehenswert“.
Der Reiseleiter entließ uns mit dem Zuruf „Wir treffen uns draußen“, was bei einigen Mitreisenden zu Verwirrung führte. Draußen könnte ja der Hof sein, der Kutschplatz oder sonstwo. Monika und ich verstanden dies als Aufforderung, nach Hause fahren zu dürfen, da waren andere schüchterner. Wir mussten aber auch noch an Mustafa Ali vorbei, der uns bei der Ankunft am Tempel sofort mit Tüchern behängte, seine Manager-Business-Card in die Hand drückte und auf ein ertragreiches Wiedersehen hoffte. Also, das blaue Tuch mit güldenen Plastikpailletten stand Monika (wir hießen bei bei Mustafa „Heidi Klum“ und „Rambo“) zwar ausgesprochen gut, aber wir wollten dann nichts kaufen, was M.A. sehr enttäuschte. Das Tuch gaben wir natürlich zurück. (Ich werde jetzt nicht wieder über meine Liebe zu Festpreisartikel sprechen…. ups, schon geschehen.)
Mit der Kutsche ging es zurück zum Schiff, wir gaben unserem Fahrer ein paar ägyptische Pfund als Trinkgeld und er war zufrieden. Andere Mitreisende berichteten, dass eine gleiche Summe Trinkgeld beim Fahrer für Unmut gesorgt hatte. Verstehe das einer…
Der Abend gehörte – nachdem das Schiff wieder ablegte – dem Sonnendeck, dem Speisesaal, der Entspannung. Wir legten nach einiger Zeit mitten in Esna an, wo eine rege Betriebsamkeit herrschte. Zwischendurch gab es wieder sehenswerte Sonnenuntergänge, auch vor Industrielandschaft, viel Schiffsverkehr und den ein oder anderen Ort zu bestaunen.
Das war wirklich ein genialer Tag. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie begeistert ich gerade von der Schiffspassage bin! Dazu noch Tempel und ägyptische Küche, Mythologie und eine fantastische Schiffscrew. Ein Träumchen!
Es ist wieder spät geworden. Aber da morgen kein strammes Programm ansteht, kann ich einen gemütlichen Tag verbringen und vielleicht noch die ein oder andere Anekdote der letzten Tage für Euch und mich aufschreiben.
um 3.45 Uhr klingelte der Wecker, genau meine Zeit! Das Frühstück und das Lunchpaket schenkte ich mir, duschte stattdessen übermäßig lang, um wachzuwerden. Merkposten für Warmduscher wie mich: funktioniert mit heißem Wasser nicht.
Heute also Abu Simbel. Die Tempel von Ramses II und seiner Lieblingsgattin Nefertari wurden im 12. Jahrhundert vor Christus von Erstgenanntem mitten in der Wüste errichtet, wahrscheinlich vorrangig als Protzdemonstration, aber auch, um zahlreiche Gottheiten zu ehren. Dort standen sie selig herum, bis das Staudammprojekt Formen annahm. Die Tempel mit den übergroßen Statuen (Ramses misst hier 22 Meter) mussten weichen oder untergehen. Die UNESCO schlug Alarm und man entschied sich, den Tempel in Häppchen zu zerteilen und an sicherer Stelle, u.a. mit Hilfe deutscher Firmen, wieder aufzubauen.
Das Blöde ist nur, dass man das nicht touristenfreundlich in Assuan machte, sondern 200 Meter vom ursprünglichen Standort, also 4 Stunden von unserem Schiff entfernt. Man fährt daher 8 Stunden Bus, um vor Ort anderthalb Stunden zu verbringen. Verkauft wird einem das vorher aber mit nur 5 Stunden Fahrt. Es lohnt sich aber so oder so. Außerdem schüchtern mich lange Busfahrten seit Kuba ja auch nicht mehr ein… Los ging es um 4 Uhr 30. Und der Bus war fast leer. Yeah! Dann kann ich mich ja auf der Rückbank lang machen! Aber schon nach ein paar hundert Metern stoppte der Bus wieder, der Fahrer stieg aus, quarzte sich eine nach der anderen… Wieso? Und dann kam der Grund: Eine Armee unausgeschlafener Zombies von einem anderen Schiff torkelte auf den Bus zu und belegte die ganzen schönen, freien Plätze. Und sie brachten ihren General, Reiseleiter Ihab, mit.
Eine Pinkelpause gab es in Toshka, wo mitten im Nirgendwo in 800 Metern Tiefe das Grundwasser angezapft wird, um den Boden urbar und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dort sahen wir einen sehr schönen Sonnenaufgang. Ein Stück weiter Richtung Abu Simbel findet sich das Projekt Palmengarten. Ein ummauertes Areal von enormer Größe, das mit Millionen von Palmen bepflanzt werden soll.
Nach etwas mehr als vier Stunden Fahrt erreichten wir das Gotteshaus. Der Busparkplatz war schon gut besucht. Vor dem Tempel des Ramses erläuterte Ihab anhand von Postkarten, auf was wir in beiden Tempeln achten sollten und dann wurde die Meute losgelassen. 90 Minuten Freizeit zur Erkundung. Also, die Anlage ist schon beeindruckend. Von außen imponieren die riesigen Statuen. Die Innenhallen sind eigentlich nicht klein, aber durch die Masse der Besucher schwer zu erkunden. Sehr sehenswert sind die Gravuren in den Kammern, reichhaltig und kunstvoll. Wenn man davon Bilder machen möchte, muss man aufgrund der Menge der Besucher ein wenig Geduld mitbringen. Ich wurde einmal angeblafft, ich sei ins Bild gelaufen. Tja, Lieslotte, war voll, was? Fazit: Sehr sehenswert, aber viel Anfahrt. Gelernt haben wir durch die Erläuterungen auch wieder einiges. Wie übrigens auch gestern von Achmed. Die Götternamen und ihre Tierzuordnungen, viel über die Seelenwanderung und die altägyptischen Vorstellungen von Leben und Tod. Die Mythologie ist rasend interessant und … äh… ja, mythisch. Gut zu erkennen in den Steinen der Tempel sind auch Gravuren à la „ich war hier“. Das ist übrigens keine Erfindung der rüpelhaften Jugend von heute, das hat selbst der ehrenwerte Herr Brehm vom gleichnamigen „Tierleben“ schon Mitte des 19. Jahrhunderts getan.
Was man über ägyptische Busfahrer wissen sollte: Sie fahren mit Schmackes auf Bodenschwellen zu, bremsen kurz davor abrupt ab, um dann wieder Vollgas zu geben. Der Fahrgast ist geschüttelt, nicht gerührt. Was man über Reisegruppen wissen sollte: Die Klimaanlage ist nie richtig eingestellt. Leider hat sich ein krakeelender „Zug“-Vogel durchgesetzt, so dass wir alle wie doof schwitzen mussten. Aber wenigstens haben wir morgen kein Halsweh.
Auf dem Rückweg hielten wir wieder an der „Raststätte“ in Toshka, wo wir zu viert für einen Euro die Toiletten benutzen durften, das hatte Willy ausgehandelt, und ich einen Guavensaft für einen exorbitanten Preis erwarb. Beim Blick in die Wüste sahen wir eine Fata Morgana, das ist auch mal interessant, aber viel weniger spektakulär, als ich dachte. Keinesfalls – obwohl heute ja lohnenswert – stehe ich aber auf dieser Reise noch einmal so früh auf, selbst wenn Tut-anch-amun höchstpersönlich die Reiseleitung übernehmen sollte.
Da wir ja Vollpension auf dem Schiff haben, gab es bei der Rückkehr selbstverständlich noch Mittagessen. Um 14.30 Uhr. Da beißt die Maus kein‘ Faden ab, wie Ihab zu zitieren wusste. War dann halt mein Frühstück. Lecker. Unsere „Crown Vision“ war inzwischen auf die Außenposition gewechselt, so dass jetzt wir durch vier fremde Schiffe laufen mussten. Dabei verschätzte sich ein Mitpassagier und hing plötzlich nach unfreiwilligem Spagat mit einem Bein im Nil. Er tauchte aber später im Speisesaal wieder auf und scheint sich nicht verletzt zu haben.
Um halb sechs tappte das ganze Schiff (ohne Crew natürlich) zum Segelbootanleger, denn nun stand eine Felukenfahrt an. Kreuzen vor der Kulisse von Assuan bei Sonnenuntergang. Das war sehr malerisch, bis zu dem Zeitpunkt, als ein Motorboot beilegte, besetzt mit enthusiastischen Crew-Mitgliedern, die Cocktails servierten und mit Tambourinen und Gesang zum Tanz aufforderten. War dann auch ganz nett. Wir dümpelten anschließend ruhig zurück zum Schiff und stiegen dort über den flussseitigen Einstieg wieder an Bord. Die Atmosphäre auf der Fahrt war trotz der Partymusik sehr stimmungsvoll. Ein schöner Abschluss für Assuan.
Morgen heißt es dann Leinen los, Richtung Kom Ombo und Edfu. Fahrt ihr mit? Wir würden uns freuen! Euer Gerry
das Schiff ist schön! Natürlich ist die Kabine nicht riesig, aber man kann es gut zwei Wochen aushalten. Es riecht leider ein bisschen nach Schiffsöl und es ist sehr hellhörig, aber an das erste gewöhnt man sich vielleicht, und für, oder besser gegen das zweite gibt es Ohrstöpsel.
Das Frühstücksbuffet ist ausreichend, es gibt Obst, frische Eierspeisen und der Kaffee ist trinkbar; mehr braucht man ja eigentlich nicht. Geschlafen habe ich nicht so gut, nur etwa drei Stunden. Da wir aber morgen sehr früh aufstehen müssen, ist es ja nicht schlecht wenn ich heute Abend früh müde bin. Während des Essens zogen Karawanen von Touristen und Lebensmittellieferanten an uns vorbei. Ist so, wenn 5 Schiffe gleichzeitig hintereinander vertäut am Ufer liegen. Geschätzt liegen hier 28.207 Schiffe mit je 75 Passagieren. Die verbrauchen eine Menge Tomaten und Zwiebeln!
Nach dem Frühstück erkundeten Rolf, Otto und ich ein wenig die Umgebung des Schiffes. Man kann leider keine 5 m weit gehen, ohne dass man bedrängt wird, eine Feluken-Fahrt zu machen, eine Pferdedroschke zu mieten oder zum Basar geleitet zu werden. Das ist schon arg lästig. Eine durchgehende Uferpromenade gibt es irgendwie nicht. Schon morgens ist es hier brüllend heiß, so dass wir auf unserem Spaziergang vom Fluss zur anderen Seite wechselten, um im Schatten zu sein. Haben wir ein paar schöne allererste Eindrücke von Assuan und dem Nil gewonnen. Auf dem Rückweg erlebten wir einmal das heimische Temperament, als – wohl bei einem Streit um ein Taxi – eine Handvoll Menschen einen Streit anfingen, der sich dann zu einer Massenkundgebung ausweitete. Wir zogen es vor, nicht zu fragen, ob wir behilflich sein könnten.
Vor dem Mittagessen versammelten wir uns auf dem Oberdeck, hier kann man sehr gut verweilen. Das Mittagessen wurde sehr früh angesetzt, damit wir alle um 13 Uhr zum fakultativen Ausflug bereit waren. Da ich erst zwischen 9 und 10 Uhr gefrühstückt hatte, habe ich mich beim Mittagessen zurückgehalten.
Ziel des ersten Ausflugs war der Steinbruch mit dem sogenannten unvollendeten (beziehungsweise misslungenen) Obelisken. Wenn ich es richtig verstanden habe, ein von Königin Hatschepsut in Auftrag gegebener, 30 Meter langer Monolith, der bei der „Aushebung“ barst und daher unbrauchbar war. Heute kann man an den Ausgrabungen sehen, wie ägyptische Steinmetze gearbeitet haben: man hat mit weichem Stein Granit aus dem Gebirge durch pure Muskelkraft freigestellt. Schon eine Meisterleistung und definitiv nicht mein Job.
Zweiter Stopp war der neue Staudamm, der den Nil zum Nassersee staut. Der Stausee ist so riesig, dass er bis in den Sudan reicht. Wir reden über durchchnittlich 150 Kubikkilometer Wasser! Früher konnte die im Turbinenwerk gewonnene Elektrizität ganz Ägypten versorgen, heute reicht es für 10% der Grundversorgung. Wir sind über diesen neuen Hochdamm gefahren und konnten auch einen Blick auf die alte Staumauer werfen. Von userem Reiseleiter Achmed erfuhren wir viel über die Politik der Entstehungszeit und wie viel Einfluss das Land hat, das die Hoheit über das Wasser besitzt. Das zieht sich bis in die heutige Zeit, in der Äthiopien theoretisch in der Lage wäre, Ägypten das Wasser abzudrehen. Die stationieren dafür Truppen in Somalia (mit dem Wissen, die arabische Liga hinter sich zu haben). Über die internationalen Verwicklungen in diesem Zusammenhang kann man wahrscheinlich Buchreihen schreiben. Auf jeden Fall ein kolossales Bauwerk mit tollen Ausblicken auf den Nassersee. Eine architektonische Besonderheit dann das Monument der ägyptisch-russischen Freundschaft, das aus 5 Pfeilern besteht, und von oben betrachtet einer Lotusblume gleicht.
Ausflugshöhepunkt war der Besuch des Philae-Tempels, auf einer vorgelagerten Insel vor Assuan, zu der wir mit einem Boot transportiert wurden. Das ist ein wirklich schöner Tempel, hat aber furchtbar viele Gravuren, von denen wir gefühlt jede erklärt bekommen haben. Götter, Pharaonen, Symbole, Kartuschen; das ist bis zu einem bestimmten Punkt noch ganz interessant, wird aber sehr schnell ermüdend. Am Abend war ich dann auch entsprechend überinformiert und erschöpft. Auch hier Händler, die sich sehr gefreut hätten, wenn ich Eure Mitbringsel bei ihnen besorgt hätte. Ja, und Ihr hättet Euch bestimmt auch mega gefreut! So schön waren die angebotenen Preziosen! Erstaunlich war übrigens noch, dass, sobald Katzen auftauchten, alle Touristengruppen vergaßen, dass es hier um Götter, Gräber und Schriftgelehrte geht und miaulauteimitierend um die possierlichen Tierchen umherschlichen. Skurril!
In 30 Minuten ging es dann wieder Richtung temporärer Heimat. Auf dem Sonnendeck haben wir die Erfahrungen des Tages bei einem Getränk ausgetauscht, das dauerte bei einigen von uns ein bisschen, so dass wir nahtlos zum Abendessen gehen konnten. Das war erfreulich lecker. Den Absacker des Tages nahmen wir wieder auf dem Sonnendeck. Ohne Sonne natürlich.
Morgen wird es für mich problematisch. Wir sollen um 3:30 Uhr aufstehen, um um 4:30 Uhr Richtung Abu Simbel zu fahren. Kurzerhand mal einfach die Zeit ein bisschen nach vorne verlegt. PUH! Aber Abu Simbel ist ja ein Muss.
Sehen wir uns vor den Tempeln? Würde mich freuen. Ich erkläre dann auch gerne jede einzelne Schnitzerei!
Liebe Grüße, Euer Gerry
P.S.: Unser Reiseleiter behauptete, die Theorie, dass die Pharaonen Aliens gewesen wären, könne nicht aufrecht erhalten werden. Ich aber habe einen aztekischen Alien-Gott in den Felsschnitzereien hier entdeckt. Ich denke, ich bin einer großen Sache auf der Spur! Von welcher außerirdischen Macht wird unsere Reiseleitung gesteuert?
mein Koffer wiegt 22 Kilogramm, dabei habe ich nur je zwei paar Socken, T-Shirts, Jeans und Unnerbuxen eingepackt. Unerklärlich! Gut, mein Kulturbeutel wiegt 5 Kilogramm. Immer noch rätselhaft. Ach so, die Tasche mit den Ladekabeln….
Übernachtet hatte ich in Frankfurt im sogenannten Gutleutviertel. Den Namen hatte ich vorher noch nie gehört, es ist die Gegend um den Bahnhof und paradoxerweise für eine hohe Kriminalitätsrate bekannt. Ich fühle mich da auch nicht sonderlich wohl, aber es ist eben auch die Gegend mit der besten Anbindung zum Flughafen und man bekommt auch immer etwas zu essen. Mein Blick auf Frankfurt bezüglich des „lebenswerte-Stadt-Niveaus“ ist leider stark geprägt von der usseligen Bahnhofsgegend, die ich schon vor Jahrzehnten einfach schmutzig und unangenehm fand. Da kann auch eine Stippvisite ins Ausgehviertel Sachsenhausen nichts raushauen.
Mein Hotel war spottbillig und spottbillig habe ich auch bekommen. Aber immerhin gab es eine Tee- und Kaffee-Ecke mit sage und schreibe… aber seht selbst:
Das Wetter war schön, der Zug pünktlich und so konnte ich ein bisschen durch Frankfurt strollen. Es war überall bumsvoll! Besonders stachen einige Restaurationen hervor, vor denen sich unglaublich große Menschentrauben tummelten. Was ist das mit diesen In-Restaurants, die so brechend voll sind, dass Menschen bereit sind, sich vor der Tür die Beine in den Bauch zu stehen?
Ich lief durchs Römerviertel, vorbei an Dom, Paulskirche (wo angeblich mal ein Vorfahre in der Nationalversammlung saß), der „falschen“ Oper (denn es war nicht die alte), Europlatz (der wahrscheinlich gar nicht so heißt) und ein Stück den Main entlang. Irgendwann muss ich noch einmal hierher kommen, nur um mit dem Ebbelwoi-Express und mit dem Schiff auf dem Main zu fahren.
Im Hotelzimmer trank ich stilvoll Rotwein aus einem Kaffeebecher, bevor ich unruhig bis nur 7 Uhr schlief, wollte ich doch einer der Ersten im Frühstücksraum sein. Der Frühstücksraum wird geführt wie eine Großkantine, war entsprechend voll, laut und unruhig. Von wegen einer der Ersten… Vor den zwei extrem lahmen Kaffeeautomaten standen jeweils mindestens ein Dutzend Menschen; wirklich jeder zog sich wegen der langen Wartezeit direkt mehrere Tassen und jeder schaute jeden deswegen böse an. Ich machte da keine Ausnahme.
Check-out ist in diesem Hotel schon um 10 Uhr! Ich persönlich denke, das grenzt schon an Menschenrechtsverletzung. Aber in einer Internetrecherche fand ich heraus, dass ich am Flughafen schon vor der Sicherheitskontrolle in eine Lounge gehen konnte. So machte ich mich früh auf zum Flughafen, nur um festzustellen, dass diese Information falsch war. Der Check-in-Schalter war noch geschlossen, so war ich gezwungen, meinen Kaffee selbst zu bezahlen. Eine grenzenlose Unverschämtheit! Immerhin konnte ich zwei Mädchen belauschen, denen die Mitnahme ein auf einem Flug nach Kanada verweigert wurde, sie hatten sich auf einer Fake-Internetseite ein Visum besorgt, dass natürlich nicht gültig war. Das Leben kann schon ganz schön beschissen sein!
Drei Stunden vor Abflug konnte ich einchecken, die Lounge besuchen und mich bei einem Glas Sekt und Chicken Curry mental auf den Flug vorbereiten. Einen kleinen Schrecken bekam ich noch, als mich eine Nachricht erreichte, der Anschlussflieger höbe eine Stunde eher ab. Das stellte sich gottseidank als Ente heraus, das hätte ich nie geschafft. Im Gegenteil, wir hatten noch gut Verspätung bei der Weiterreise, da die Maschine nach Assuan auf einen verspäteten Flieger aus wasweißichwo warten musste.
Das Businessticket hat sich nicht wirklich bezahlt gemacht, aber wenigstens hatte ich einen Einzelliegeplatz (halt sehr bequem), Loungezutritt, bevorzugte Warteschlangen und den ganzen anderen Tinnef. Jedoch – schockschwerenot! – gibt es keinen Alkohol bei Egyptair. Dabei hätte ich mich über einen Schampus schon gefreut.
In Kairo landete ich zeitgleich mit den „Düsseldorfern“, unsere unter Tränen der Wiedersehensfreude ausgetauschten Schluchzer rührten den ganzen Flughafen. Saied von Phoenix empfing uns und lotste uns bis zur Einreisekontrolle. Erneut mussten wir durch eine Sicherheitskontrolle, die allerdings der totale Witz war. Ja, und der Businesssitz auf dem zweiten Flug war dann auch eher mau. Pappiges Brötchen und warmes Seven-up. Aber wieder breiter Sitz ohne Nebenmann.
In Assuan erwarteten uns weitere Reiseleiter, die uns wohl den Rest der Reise auf dem Nil begleiten. Auch hier am Flughafen gab es wieder einen Security Check. Frank wurde sein Fernglas abgenommen, das stellte scheinbar ein Sicherheitsrisiko dar. Spionage. Absurd. Als könne man mit Handys nicht auch ranzoomen. Der Bus musste auserdem noch ewig warten, weil auch ein Koffer nicht mitkam und sich die Formalitäten deswegen hinzogen wie nix.
Die Fahrt zum Schiff dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Kabinenkarten hatten wir schon vor dem Flughafengebäude bekommen, so konnte ich mich kurz frisch machen, bevor es zum Weit-nach-Mitternachts-Snack ging. Endlich ein Bier!Um 4 Uhr früh packte ich dann aus. PUH! Ein Angebot zu einem Kamelritt um 7 Uhr hatten wir dankend abgelehnt. So, Ihr Lieben, das war schon eine erschöpfende Anreise, muss schlafen! Morgen dann mehr, wenn Ihr mögt.
Euer Gerry
P.S.: Was ein teilweise wildes Geschreibsel. Morgen gibt’s auch mehr Bilder.
gestern wurde ich angeschrieben, wo denn der Prolog für die kommende Reise bleibe. Ich fühlte mich wie Ken Follett, der nach seinem nächsten Roman gefragt wird! Yeah! Hier ist er. Der Prolog, nicht Ken Follett.
Vor Äonen schrieb ich mal über meine Bucket-List, also, was zu erledigen ist, bevor der Löffel abgegeben wird. „To kick the bucket“, wie man im englischen Sprachraum sagt, hat nämlich eine ähnliche Bedeutung. Unter den im P.S. aufgeschriebenen Zielen listete ich auch eine Nilkreuzfahrt. Tscha, was soll ich sagen…
Im Frühjahr 2023 saßen wir gesellig in unserer Doppelkopfrunde beisammen und quasselten nach Spielende wie üblich noch ein bisschen herum. Ob wir nicht mal wieder zusammen wegfahren wollten? Wir waren schon einmal drei Tage an der Ahr oder ein Wochenende in Brüssel, wollten mal – da kam Covid dazwischen – drei Nächte in Brügge verbringen… Joooo, könne man mal wieder machen. Wir wälzten Kalender und fanden einen Termin anderthalb Jahre in der Zukunft. Dann wurden wir albern. Alle auch zwei Wochen Zeit? Joa. Na, wieso denn dann nicht vierzehn Tage auf den Nil? Was wie ein großer Witz anfing, wurde sehr schnell ernst. Im Mai buchten wir zu acht (vier Stammspieler, zwei Partner und zwei Freunde eines Partners) unsere Kabinen auf der MS Crown Vision und sind somit quasi temporäre Mehrheitseigner des Schiffes. Hah! Da werden sich noch Leute umschauen. Viva la revolucion! Wehe, einer klaut einem aus unserem Stamm das letzte russische Ei vom Buffett!
Morgen geht es für mich los. Ich fliege von Frankfurt, die Mitreisenden von Düsseldorf. Und da mein einst tiefes Vertrauen in die deutsche Bahn ja schwerst erschüttert ist, reise ich wie immer einen Abend vor Abflug an und mache es mir in einem kleinen Hotel gemütlich, damit ich auch ja nicht den Abflug verpasse. Übermorgen denn steige ich in den Flieger nach Kairo, von wo aus wir dann alle zusammen nach Assuan weiterreisen. Egyptair war so freundlich, mir gegen Gebot für die Hinreise ein Upgrade zu geben, ich fühle mich deswegen gerade ein wenig dekadent.
Ich bin schon sehr gespannt und freue mich extremst auf diese Reise. Zweimal war ich schon in Ägypten, einmal Anfang 1998 in Hurghada am roten Meer, ein schreckliches Nest, das nur durch Ausflüge ins Tal der Könige und zum großen Tempel von Karnak aufgewertet werden konnte. 2013 war ich dann auf einer Kreuzfahrtetappe in Alexandria. Von dort aus machten wir damals auch einen Abstecher zu den Pyramiden von Gizeh. Da entstand das Titelbild zu diesem Text. Ich sehe übrigens nahezu unverändert aus. 🙂
Ja, ab Montag (wir entern das Schiff seeeehr spät in der Nacht) also 14 Tage Geschichten, Gerüchte und Geschwafel vom Nil. Über virtuelle Begleitung samt Kommentaren würde ich mich wie immer außerordentlich freuen!
Und wenn mal nix kommt, dann liegt das wahrscheinlich eher an technischen Problemen, als daran, dass der Krokodilgott Sobek mich in die Nilfluten gezogen und der schakalköpfige Anubis mir am Portal zu seinem Reich mein Tablet weggenommen hat.
Liebe Grüße, أتمنى لك كل خير! Euer
P.S.: Erwähnte ich irgendwann schon irgendwo mal, wie sehr ich packen hasse? Ach. Ehrlich? Doch so oft? Nunja.