Mailand – Tag 1: Tag der Kathedralen

Ihr Lieben,

vom Frühstückstisch aus eilte ich zum Mailänder Dom. Ich erwähnte schon, dass ich dort einen Eintrittstermin hatte, gelle? Aber beginnen wir mit dem Frühstück. Der Frühstücksbereich war überfüllt, ich wurde an ein Gartentischchen an der Bar platziert. Die beiden Servicekräfte waren völlig überfordert, so kamen sie leider kaum mit Nachlegen am Buffett nach. Das klägliche Restchen Rührei, das sich bei meinem Eintreffen noch im Topf befand, war hart und kalt. Das nach 30 Minuten nachgefüllte „frische“ dann aber leider auch. Die Wurstplatte war leergefegt. Es gab zwei Stückchen Käse. Aber für ein Kaffeekränzchen wäre es ein Paradies gewesen. Ein gutes Dutzend Kuchen und Torten (Sachertorte!!!) standen bereit. Ein Fest für jeden Diabetiker. Ich hielt mich an Kaffee, Croissant und Obst.

Der Duomo ist eine Dreiviertelstunde Fußmarsch vom Hotel entfernt; wegen des schlechten Wetters, es nieselte, nahm ich die Metro. Zumal ich direkt vor dem Hotel in eine 10 Zentimeter tiefe Pfütze trat und mir Schuh und Strumpf komplett durchnässte. Zuerst war ich wegen der Menschenmassen vor den Ticketautomaten ein wenig entsetzt, aber dann sah ich, dass man auch einfach mit Kreditkarte durch die Schranken laufen kann. Sehr fortschrittlich! Ansonsten ist die Metro voll und die Laufwege sind verwirrend. Erinnerte mich an Madrid. Wie sagte weiland Andi Möller so schön? „Mailand oder Madrid, hauptsache Italien!“. Aber ich schweife ab. An Köln erinnert mich hier die Nahverkehrsminute, eine nahe Verwandte der Waschmaschinenminute. Auch bei den Mailänder Verkehrsbetrieben sind das dann etwa drei bis fünf.

Am Dom angekommen, pflügte ich mir einen Weg durch Menschenmengen und Taubenpopulationen gigantischen Ausmaßes. Links am Dom vorbei geht es dann zu den Treppen, die auf die Dachterrasse des Domes führen. Eine kleine Schlange gab es auch da, denn man musste sich quasi leibesvisitieren und die Taschen durchsuchen lassen. Ob ich Messer bei mir führte? Die Treppen rauf war dann doch etwas beschwerlicher, als ich dachte, aber nach einer kurzen Reanimation konnte ich den Ausblick auf Kirche und Umgebung genießen. Viel ist eingerüstet und mit Planen verhangen. Dennoch sind Pracht und Schönheit des Domes unschwer erkennbar. Die vielen Farbschattierungen des Marmors, weiß, grau und rosa, verleihen dem Bauwerk einen ganz besonderen Charme. Auch die Ausarbeitungen der gotischen Steinmetzarbeiten – hier insbesondere die Säulen und Bögen – suchen ihresgleichen. Wirklich wunderschön.

Wenn man das Dach verlässt, gelangt man automatisch in das Innere der Kathedrale. Auch das ist bombastisch! Eine offene Säulenhalle lässt alles größer erscheinen als z.B. im Kölner Dom. Die Auskleidung im Innenraum geht dann mehr ins Barock. Der Boden ist ein Wunderwerk! Über allem tönten erbauliche, geistliche Gesänge. Vom Band, aber wer will sich beschweren? Alles in allem war das schon den Besuch Mailands wert. Bei schönem Wetter hätte ich mich gar nicht mehr eingekriegt. Ich zündete ein paar Kerzchen an.

Gegenüber des Duomo befindet sich eine zweite Kathedrale, nämlich die der Mode, des Luxus und des Pr^et-a-Porter. Prada, Gucci, Fendi, Dior, Vuitton, sie sind alle vertreten. Die Galleria Vittorio Emanuele II wurde 1867 eröffnet. Der prunkvolle Bau bildet einen passenden Rahmen für die von zierlichen Kinderhänden getackerten Stofffetzen der Haute-Couture-Giganten. Oooops, da ist gerade was mit mir durchgegangen. Wir kehren übrigens später noch einmla hierher zurück.

Ich lief zur Haltestelle des Sightseeing-Busses und drehte die „gelbe Runde“. Wir sahen vom Oberdeck aus das Kastell der Sforzas, die Abendmahl-Kirche Santa Maria delle Grazie, die Kanäle, Einkaufsstraßen, Fressgassen, das Teatro alla Scala und und und. Es war nur eisekalt im Fahrtwind. Aber drinnen sieht man ja nix, also ließ ich die Eiszapfen im Gesicht zu. Ich stieg wieder am Duomo aus und fuhr mit der Metro ins Hotel, zum Aufwärmen. Und um für weitere Busfahrten einen zweiten Pullover überzuziehen. Um die Ecke gibt es ein kleines Café, da aß ich ein Tramezzino und trank ein kleines Bierchen. Ein bisschen kam die Sonne raus.

Am Hauptbahnhof vorbei fährt die „blaue Route“ des Busses. Die wollte ich dann als nächstes erkunden. Leider fuhr mir einer direkt vor der Nase weg und ich hätte 70 Minuten auf den nächsten warten müssen. Ich lief gute 2 oder 3 Kilometer bis zur nächsten „roten“ Haltestelle, wo ich auch 20 Minuten wartete. Wir fuhren zwei oder drei Etappen und standen dann am Büro der Buslinie wieder eine halbe Stunde. Ehrlich, normalerweise preise ich ja Hoppi-Busse, aber hier ist die Frequenz eindeutig zu niedrig, die Wartezeiten sind zu lang und die Linien überschneiden sich stark, so dass streckenweise Langeweile aufkommt. Die Ansagen sind auch unspannend gestaltet. Und wenn ich dieses Jahr noch einmal das Boccherini-Menuett hören muss, werde ich zum Tier.

Ich stieg am Dom aus und erkundete zu Fuß ein wenig die Gegend. Im Bus hatte ich von dem armen Stier erfahren, dem man auf den Hoden herumtanzen muss, um Glück zu haben. Den fand ich dann in der Galleria VEII, wo ein Pulk von Menschen darauf wartete, auf dem schönen Mosaik Kreisel zu spielen. In den Boden hatte sich schon eine richtig tiefe Kuhle gebohrt. In der Umgebung gibt es schöne Häuser, interessante Museen, alles ist sehr trubelig. Zwar ist auch Mailand nicht von Bausünden verschont, es sind aber gottseidank nur recht wenige. Ich lief an der Scala (die ich mir übrigens wesentlich imposanter vorgestellt hatte, mehr so wie die Dresdner Staatsoper) vorbei in Richtung Brera-Viertel. Auf dem Weg reihen sich Palazzo an Palazzo, einige sehr schöne Höfe gibt es zu entdecken; leider einige nicht begehbar (wofür ich als Bewohner mehr Verständnis hätte, als als Tourist). Das Brera-Viertel ist richtig nett. Schöne Straßennamen (Straße der hellen Blumen, Straße der dunklen Blumen), nette Lädchen, viel Gastronomie, sehr viel Trubel. Aber verkehrsarm. Auf jeden Fall sehenswert und offensichtlich voll im Trend. Vor einigen Restaurants, aber auch vor Modegeschäften haben sich teilweise sehr lange Schlangen gebildet, um eingelassen zu werden.

Ich lief dann am Finanzviertel (grauslich!) vorbei wieder Richtung Hotel, wo ich jetzt meine Tagebuch-Ergüsse bei einem Peroni zu sortieren versuche. Mailand ist übrigens Partnerstadt von Frankfurt. Ich bin nach doch einiger Lauferei zu erschöpft, um noch einmal groß in der Stadt herumzulaufen und nach einem Restaurant zu suchen, daher werde ich mir einen Kebap beim Imbiss um die Ecke holen oder mir eine Lasagne aufs Zimmer kommen lassen. Danach werde ich mir überlegen, was ich morgen veranstalte. Es gibt noch zwei Buslinien, für die mein Ticket gilt und es gibt besagte, interessante Museen. Bin noch unschlüssig. Seid Ihr auch so gespannt, was es letztendlich wird? Dann guckt doch morgen wieder rein, das würde mich sehr freuen. Alles Liebe, Euer

P.S.: Ich liebe die ganzen alten und kleinen Straßenbahnen hier. Vielleicht fahre ich da morgen auch mal eine Runde mit.

Mailand: die Anreise

Ihr Lieben,

klar war ich heute noch im Büro, der Abflug war ja erst um 18:50 Uhr geplant. Und wider Erwarten war es auch etwas hektisch, man tendiert hier gerne (und das seit mindestens 1992) zu Erledigungen in letzter Sekunde; auch wenn man seit Monaten weiß, dass es einen Erledigungstermin gibt. Naja.

Am Flughafen Köln-Bonn dann nahm ich erstmal ein Weinchen zu mir. Das Piccolöchen, das traditionellerweise dran glauben muss, war mir dann doch zu happich. Ich musste weder zum Check-in noch zur Gepäckaufgabe, da ich nur ein Miniköfferchen mitnehmen durfte. In so ein Minigepäck passt ja nicht viel rein, da muss man schon strategisch planen. Insbesondere wegen der Flüssigkeitsregelung an der Sicherheitsschleuse. Minizahnpasta, Mini-Deo, Mini-Duschgel, Mini-dies und Mini-das… Aber da war ich auch in 0,nix durch.

Abflug C in Köln hat ja den Charme der Wartehalle des Einwohnermeldeamtes. Wirklich schöne Restauration, wie an Flughäfen von Großstädten, gibt es hier nicht. Also pichelt man seinen Wein auf einer Bank im Wartebereich, stilvoll aber stiellos im Plastikbecher, misstrauisch (oder missgünstig?) beäugt von den Mitpassagieren.

Am Schalter von Eurowings für den Flug nach Hamburg, der vor unserem boardete, gab es dann ein kleines Drama. Eine Dame hatte wohl auch Minigepäck gebucht, aber einen immens großen Kabinentrolley dabei. Sie musste ihrem Gezeter nach ganz schön nachblechen. Für eine Dame (zumindest erweckte sie den Anschein) kannte sie recht viele ungewöhnliche Schimpfwörter.

Für den Flug hatte man mich übrigens auf einen Mittelplatz gebucht, was ich aber bei der Kürze des Fluges einigermaßen überstanden hätte. Aber die zierliche Dame am Fenster bot mir an, die Plätze zu tauschen. Ist das nicht goldig? Ich lehnte mehrmals ab, aber sie bestand darauf. Bin ich jetzt offiziell ein Tattergreis, für den man im Bus aufsteht? Ist das der Anfang vom Ende? Ich bekam wieder keinen Prosecco, der war ausverkauft, dafür landeten wir aber pünktlich.

Sie sehen nicht die Wartehalle C des Kölner Flughafens.

In Mailand angekommen, nahm ich den Flughafenexpress zum Zentralbahnhof. Die Fahrkarten hatte ich mir schon vorab in Deutschland gekauft. Vor Betreten des Bahnsteiges sollte man sich dann per Code als Ticketbesitzer outen. Das funktionierte nun leider mal gar nicht. 20 Minuten kämpfte ich mit dem Lesegerät, dessen Meldungen immer skurriler wurden, dann kam der Zug Richtung Milano Centrale. Ich stieg scheinbar illegal ein, interessierte aber keinen, das Vorzeigen des unverifizierten Codes reichte aus.

Spät kam ich im Hotel Colombia an, der Zug, der irreführenderweise Malpensa-Express heißt, brauchte fast eine Stunde bis in die Stadt; er hält wirklich an jeder Milchkanne. Das Hotel ist aber quasi direkt am Bahnhof gelegen. Das Zimmer ist klein, aber fein. Es ist ein Viersternehaus mit einem kleinen Hauch Eleganz, was so gar nicht zu der Bahnhofsgegend passt.

Ich hätte jetzt gerne damit gestrunzt, dass ich im Finstern schon einmal zum Dom lief. Aber ganz profan suchte ich den nächsten Minimarkt auf, besorgte ein paar Getränke, zahlte einen irrwitzigen Phantasiepreis und begab mich wieder aufs Zimmer. Wie war das mit dem alten Mann? Hier genieße ich gerade ein leckeres Peroni, während ich Euch hier auf den aktuellen Stand bringe.

Morgen geht es dann aber wirklich los. Um 10 Uhr 30 muss ich am Dom sein, da ist mein Eintrittszeitfenster. Und dann werde ich wohl Bushopping machen, eine der effizientesten Arten, einen ersten Eindruck von einer neuen Stadt zu bekommen.

Hoppt Ihr mit? Bis morgen, liebe Grüße aus Milano, Euer

P.S.: Das Beitragsbild zeigt den Mailänder Zentralbahnhof. Da wollte aber mal jemand so richtig angeben.

Mailand: Das Prolögchen

Ihr Lieben,

muss man einer Zweitagesreise wirklich einen eigenen Menüpunkt gönnen? Ja, machen wir mal ausnahmsweise :-).

Wie früher schon erwähnt, spielte ich bei der Eurowingslotterie namens „Blind Booking“ mit. Man gibt wenige Parameter ein und bekommt dann einen Preis angezeigt, den man annehmen muss. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß man aber noch nicht, wohin es geht. Wenn man verbindlich akzeptiert, bekommt man sein Ziel genannt und kann sich mehr oder weniger freuen. Das habe ich mit einer Reise nach Zürich 2020 schon einmal gemacht. Da wurde dann eine kleine Rundreise draus. Diesmal halt Mailand. Ich vertat mich allerdings im Flugdatum (hab’s gedanklich mit einer anderen Reise vermischt), buchte aber munter für das richtige Wochenende Domeintritt, nicht stornierbares Hotel und 2 Tage Hop-on-hop-off-Bus. Bis ich es merkte, hatte ich schon so viel Geld ausgegeben, da buchte ich dann für teuerst Geld den richtigen Flug nach. Immerhin gab es eine teilweise Erstattung von Eurowings für den falschen Flug.

Karten für die Scala wollte ich auch vorbuchen, aber da war ich zu spät, um einen vernünftigen Sitzplatz zu bekommen. Und es gab an dem Wochenende nur Ballett, da ist ein sichtloser Platz eher unsinnig. Wenigstens habe ich den Fehler vermieden, nicht schon rechtzeitig für den Dom eine Dachbesteigungskarte zu lösen. In Sevilla konnte ich ja fast nichts besichtigen, da alles Wochen im Voraus ausgebucht war.

Ja, und morgen geht es los. Leider sehr spät, dafür aber am Sonntag auch spät wieder zurück. Eigentlich wollte ich ja auch bis Montag bleiben, aber ich habe auch bei den Parametern nicht richtig hingeguckt, da muss man dann auch die richtige Anzahl der gewünschten Übernachtungen einstellen. So, jetzt da ich mich als dumm geoutet habe: Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich auf meiner sehr kleinen Reise wieder begleiten würdet.

Wenn Ihr nichts von mir lesen solltet, wird es eher an technischen Problemen liegen, als dass ich im Kloster Sta. Maria delle Grazie so vom Anblick des Abendmahl-Wandbildes verzückt war, dass ich dort mitsamt Schweigegelübde in den Orden eintrat. Hierfür gab es übrigens keine Karten mehr, daher wäre diese Gefahr nahezu ausgeschlossen. Bis Ende April sind, Stand heute, nur noch zwei Eintrittsslots am 13. März zu haben.

Also, bis morgen vielleicht! Alles Liebe, Euer

P.S.: Nächstes Jahr plane ich die Karnevalsflucht etwas besser! An Weiberfastnacht im Büro zu sitzen, ist eine Tortur! Die Kneipe von gegenüber beschallte mich heute die ganze Zeit mit „kölsche Tön“… PUH!

P.P.S.: Da ich kein Bild von Mailand habe, sehr Ihr eins vom Gardasee, wo ich 2004 mal via Flughafen Mailand Urlaub gemachte habe 🙂

Leber Berliner Art

Repost eines Eintrages von August 2020 (mit Bild von Februar 2025)

Heute sollte es mal wieder einen deutschen Klassiker geben. Berliner Leber. Am besten fängt man mit den Kartoffeln für das Püree an. Ich nehme entgegen der landläufigen Überzeugung festkochende Kartoffeln, die ich aber sehr lange koche. Und zwar in Gemüsebrühe statt in Salzwasser.

Während die Kartoffeln vor sich hinköcheln, brate ich in einer gusseisernen Pfanne Zwiebeln in viel Öl an. Diese würze ich mit Salz und Pfeffer und ein bisschen Zucker. Während ich darauf warte, dass die Zwiebeln so richtig durch sind, heize ich den Backofen auf 100 Grad vor. Die Zwiebeln kommen in eine Metallschüssel und ab in den Ofen.

Die zuvor geschälten und entkernten Äpfel kommen jetzt in Scheiben mit viel Butter in die Zwiebelpfanne. Zwei Esslöffel Zucker dazu und einen Eierbecher Wasser. Die Äpfel karamellisieren lassen und wenn fertig -> ab in eine Metallschüssel und in den Ofen. Nicht zu lange braten, sie sollen noch etwas Biss haben.

Die inzwischen durchgegarten Kartoffeln abgießen, mit einem Schnapsgläschen des Brühkochwassers zurück in den Topf, 100 Gramm Butter dazu, reichlich Muskatnuss, etwas Pfeffer und Salz, und dann unter zugießen von Sahne solange stampfen, bis eine cremige Konsistenz entsteht. Abschmecken und im Metalltopf in den Ofen.

In die inzwischen bekannte Pfanne kommen jetzt die nicht zu dünn geschnittenen Leberscheiben. Die kann man zuvor mit etwas Mehl bestäuben, muss man aber nicht. Anders als bei den Zwiebeln und Äpfeln, die durchgehend scharf gebraten werden, wird die Leber scharf an- und dann bei mittlerer Hitze weitergebraten und mit nur etwas Salz und Pfeffer gewürzt. Kurz vor Fertig kommen die Äpfel und Zwiebeln dazu.

Pü aus dem Ofen, alles auf den Tisch. Legga!

Das Wahlwochenende

Ihr Lieben,

die letzte Woche war wieder gut was los. Ich war beim Hautscreening, alles okay, habe in der Praxis aber noch einen kleinen OP-Termin für mich störende Hauterhebungen ausgemacht. Und nein, ich meine nicht meinen Bauch. Stört zwar auch, fällt aber nicht in das Leistungsspektrum meiner dermatologischen Praxis. Wird auf jeden Fall ein ganz schön teurer Spaß.

Donnerstag waren Luis, sein Freund und Luis‘ Neffe aus Perú, Carlos, bei mir, ich hatte tags zuvor eine riesige Portion Gulasch gekocht, die dann aber auch gut wegging. Carlos ist 16, spricht kein Deutsch und sehr wenig Englisch und ist erst seit einer Woche im Land. Leider ist er bereits rassistisch angegangen worden. Es gibt ziemlich viele Arschlöcher in diesem Land.

In Sachen Bürgerinitiative gegen Raser hat sich auch etwas getan. Montag wurden zwei Schranken auf der Schütte-Allee installiert, die am Wochenende die Straße gesperrt halten sollten. Schon vorher gingen Anrufe der Presse ein, die unsere Meinung dazu hören wollten. Wir baten um Zeit, um sich das vor Ort ansehen zu können. Wir waren zu oft zu früh euphorisch. Und auch diesmal wurden wir von der Stadt nicht enttäuscht. Die Schranken wurden versetzt einbetoniert und übertrieben gesagt, man kann da mit einem Tieflader durch.

Noch bevor das Desaster bekannt wurde, lud Dirk aus der Initiative zu einer Schrankenfeier-Grillparty ein; die fand dann trotzdem statt und war sehr nett.

Samstag hatten wir dann morgens einen Vor-Ort-Termin mit dem WDR, da könnt Ihr mich eventuell Montagabend in der Lokalzeit Köln bewundern, und nachmittags habe ich Orangenschnaps gemacht, meine Vorräte gingen zur Neige und außerdem hatte ich noch kiloweise Orangen zu verarbeiten.

Am Sonntag dann nahm ich meine Bürgerpflichten wahr und arbeitete als stellvertretender Schriftführer im Briefwahlzentrum in Deutz. Darüber darf ich natürlich nicht rasend viel erzählen, wir hatten mächtig zu tun, waren aber gottseidank ein sehr gutes Team! Bis 21 Uhr haben wir gezählt, protokolliert und vom Umschlagöffnen (fast 2.000 Stück!) Schwielen an den Fingern gekriegt. Für Leerlaufzeiten muss ich mich aber nächstes Mal besser rüsten. Kaffee und Essen mitnehmen zum Beispiel. Und Doppelkopfkarten. Meinen Nachbarn Daniel habe ich da noch getroffen, da haben wir direkt mal einen Termin für ein Kaltgetränk ausgemacht.

Ansonsten habe ich die Steuererklärung fertiggestellt, einen Kurztrip nach Sarajevo gebucht und endlich Rahmen für meine spanischen Bilder anfertigen lassen. Rahmen und Passepartouts sind dann teurer als die Bilder. Naja.

Nächstes Mal schreibe ich – wenn nicht ein Rezept dazwischenkommt – aus Mailand, da freue ich mich schon drauf, besonders auf die Domdachbesteigung. Klettert Ihr mit rauf? Würde mich freuen! Euer

P.S.: Das Ergebnis der Wahl freut mich jetzt natürlich nicht, wie Ihr Euch denken könnt…

Zürich sehen und nießen?

Ihr Lieben,

letztens kündigte ich noch großartig an, ich reise nach Zürich, um eine schriftliche und telefonische Bekanntschaft auch zu einer visuellen zu machen. Was soll ich sagen? Wenn der Gastgeber Influenza hat, ist ein Besuch nicht wirklich sinnvoll. Da es ein Billigflug war, bei dem ich ja auch noch Steuern und Gebühren erstattet bekomme (NICHT WAHR, EUROWINGS!?), ist der finanzielle Verlust nicht der Rede wert. Wobei Firmen beim Abbuchen immer besonders flink sind, für den Erstattungsantrag habe ich noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten. Als kleine Entschädigung gibt es ein Bild von meiner Reise nach Zürich in 2020.

Schlimmer wog vielmehr, dass ich nach einem sehr schönen Treffen mit unserem „GRS-Stämmchentisch“ am Dienstag auf dem Nachhauseweg zwei E-Mails bekam, die mir beide mitteilten, ich könne jetzt auf meinen Flug nach Zürich und auf meinen Flug nach Mailand einchecken. Häh?? Zürich, ja. Klar. Da habe ich dann tags drauf den oben erwähnten Erstattungsantrag für Gebühren etc. gestellt. Aber Mailand?

Nun, ich hatte ein „Blind Booking“ für das Karnevals-Wochenende geplant und mir wurde Mailand zugewiesen. Ich buchte Hotel, Domeintritt, Hop-on-hop-off-Bus und bezahlte alles. Allein…. ich vertat mich im Datum. Ich buchte den Flug auf das Zürich-Datum statt auf das Karnevalswochenende. Alles andere auf das Karnevalswochenende. Daran merke ich, dass ich etwas gestresst von meiner Arbeit bin. Gut, ich buchte dann einen regulären Flug nach. Für 200 Euro Lehrgeld. Damit ich Hotel, Domeintritt und Fahrkarte nicht verfallen lassen muss (dazu dann in zwei Wochen mehr – wenn nicht wieder irgendeine Reisekatastrophe eintritt, bin ja gerade damit gesegnet).

Um zu verdeutlichen, wie genau man hingucken muss: Unser kleiner Firmen-Lästerclub (nein, nicht wirklich!!! Oder doch?) wollte sich (s.o.) letzte Woche Dienstag auf meinen Vorschlag hin bei einem neuen Thailänder treffen. Was ich nicht prüfte: der hat dienstags Ruhetag. Wer – umhimmelswillen – hat seinen Ruhetag an einem Dienstag?? Wir gingen dann in die „Kleine Glocke“, da waren wir schon öfter. Das ist eine wirklich nette, kleine Gaststätte bei unserer Firma um die Ecke. Und unser Treffen war sehr kurzweilig. In unserer Firma gibt es sehr viel zu lachen, halt so retrospektiv betrachtet. Wenn man den Wutanfall oder den Herzkasper bereits verarbeitet hat. *räusper*

Ich bin ja zum Wahlhelfer ernannt und habe auch schon eine entsprechende Schulung hinter mich gebracht. Mittwoch kamen dann meine Briefwahlunterlagen und ich war versucht, ein kleines Kennzeichen auf den Stimmzettel zu machen, um zu sehen, ob ich meinen eigenen bei der Auszählung bearbeite. Aber dann dachte ich, dass das ein bisschen albern wäre und unterließ es. Die Auszählung ist – wie ja alle wissen – am 23. Februar. Aber meine Stimme ist abgegeben. Übrigens nicht für meine „favorisierte“ Partei (Wahl-O-Mat: 78%), denn es ist eine Splitterpartei ohne Chance auf Einzug in den Bundestag. Daher muss man heutzutage eben taktisch wählen, um ein Rechtsbündnis zu vermeiden. Wir brauchen keine Wiederholung der Geschichte.

In Sachen Raser-Initiative tut sich seitens der Stadt irgendwie dreiviertelherzig etwas. In der Bezirksvertretung hat zwar mal wieder „schwarz-grün“ gegen unsere Interessen gestimmt (hier ging es allerdings mehr um ein Festivalgelände quasi in unseren Vorgärten), aber immerhin schrieb mich die Amtsleiterin der OB’in an, dass kommende Woche eine Schranke zur zeitweisen Sperrung der Raser-Allee installiert werden soll. Bin gespannt. Die Bundes-SPD (warum Scholz???) ist mir gerade nicht recht, aber kommunal sind sie die einzig vernünftige Partei hier. Daher ging ich Freitag mit einigen Nachbarn zum politischen Mettbrötchen-Treffen (auch in veganer Variante), wo ich die MdB Sanae Abdi kennenlernte, die sich mit unserer Initiative mal zusammensetzen will. Sehr sympathische Person. Anschließend ging es mit Mitstreiter*innen der Initiative ins Alt-Poller Wirtshaus, um einen Absacker zu nehmen. Der liebe Mathi vom Team schenkte mir beim Abschied noch eine rote Valentinstulpe, das fand ich supersüß. Sie steht jetzt in meinem Frühlingsstrauß und wurde dort trotz anderer Blütenfarbe herzlich aufgenommen.

Ein weiteres Highlight des Samstags war der Erwerb einer neuen elektrischen Zitruspresse. 300 Watt! Leute, ich habe Tonnen von Orangen binnen kürzester Zeit ausgepresst und Schnaps und Gelee produziert. Und die Ausbeute war gefühlt 30% höher als bei meiner alten 20-Watt-Presse, die auch nach 3 Minuten anfing zu dampfen. Für das Gelee muss ich noch Etiketten malen. Wer braucht welches?

Das unfreiwillig freie Wochenende nutzte ich weiterhin dazu, meine Steuererklärung anzufangen, meine Kabelschubladen aufzuräumen und Bücher auszumisten. Letzteres ist immer besonders herausfordernd. Wenigstens gibt es jetzt öffentliche Bücherschränke, wo man sie hinstellen kann und muss sie nicht mehr unter Tränen ins Altpapier geben.

Die ESC-Sendungen mit Raab habe ich natürlich auch gestreamt. Viel Licht, viel Schatten. Leider war da ja noch kein ESC-Song dabei, manch Künstly hat ja ein bisschen mit der (Cover-)Songauswahl daneben gelegen. Aber ich habe schon heimliche Favoriten. Eigentlich müsste ich mal wieder eine ESC-Party organisieren. Mal gucken…

So, das war es auch schon für diese Woche, heute Abend ziehe ich mir das Quadrell rein (wo ist mein Baldrian?) und dann lasse ich den Abend auf dem Sofa bei Wein und Schoggi (Eierlikör-Eier) ausklingen.

Liebe Grüße, Euer

Gerrys Wochenbuch

Ihr Lieben,

es schnipselte diese Woche wieder gewaltig. Erst trafen sich am Montag einige Mitglieder der Petition gegen Raser bei mir und wir besprachen weitere Schritte: Wer spricht mit wem, wer nervt wen anders. Dazu gab es Pizza von um die Ecke. Mein All-Time-Favourite: Pizza Marinara! Einen Tag später aber gab es schon Änderungen in unseren Planungen, da Uwe herausfand, dass noch diesen Monat nun endlich eine Schranke als Rasersperre installiert werden soll. Wir sind gespannt. Versprechen und versprechen klingen ja sehr ähnlich. Wir sehen übrigens das nächste Unheil dräuen: die Stadt will ein Gelände am Rhein (bei der Südbrücke) für 10 Jahre an einen Eventveranstalter verpachten. Ohne Auflagen. Wenn das wahr wird, haben wir viele weitere Probleme, die keiner braucht.

Am Dienstag war dann „Pink Tuesday“, unser schwul-lesbischer Stammtisch, diesmal im „Zum Boor“ und ziemlich gut besucht. Der Stammtisch war aber auch zweimal ausgefallen, da gab es wohl Sehnsucht seitens des ein oder anderen. War wie immer sehr nett. Nur die Pommes mit Mayo sind mir an dem Abend gar nicht gut bekommen.

Freitag war ich dann bei meinen Lieblingsneusserinnen. Wir haben chinesisches Take-away-food bestellt und viel gequasselt. Wie immer durfte das Selfie mit Amy nicht fehlen. Sie hasst Fotografieren ja, aber da muss sie durch. Wir haben beschlossen, über Elkes Geburtstag nach Den Haag zu fahren, kleiner City-Trip ist ja immer nett und tatsächlich war ich da noch nie. Die Zugfahrt zurück war dann leider eine mittlere Katastrophe, ohne Erläuterungen oder Alternativvorschläge fielen mehrere Züge aus.

Am Sonntagnachmittag dann war große Kunst angesagt. Tanz und lyrische Prosa in der Kölner Synagogengemeinde. Da bin ich mit Monika und Ruth zu verabredet gewesen. Vor der Synagoge ein Blütenmeer und ein großes Plakat zu den Geiseln der Hamas, innen eine Fotowand dazu.

Die Aufführung hatte dann auch einen politischen Grundton. Leider ist es bei doch mit sehr blumiger Sprache (auch wenn alles sprachlich sehr ausgefeilt klingt) durchsetzem Vortrag immer etwas schwierig, durchgehen zu folgen. Dafür war aber der Tänzer umso erstaunlicher. Sehr beweglich und anmutig, dabei dennoch kraftvoll. Insgesamt eine stimmige Performance, aber in Teilen mit mir unklarer Botschaft.

Im Anschluss gab es israelitisches Streetfood im NishNush. Das war dann ein schöner Abschluss eines launigen Sonntagabends.

Sonntag selbst hatte ich beim Morgenkaffee übrigens wohl zu viel Langeweile. Ich habe aus Versehen eine Blindbuchung bei Eurowings für das Karnevalswochenende getätigt. Tja, jetzt bin ich da drei Tage in Mailand. Auch nett.

Nächsten Freitag geht es aber erst einmal für 3 Tage nach Zürich, wo ich eine Internetbekanntschaft besuchen werde. Klingt geheimnisvoll? Na, lasst Euch überraschen. Bis denn, haltet die Rübe hoch, Euer

Herrentorte

Ihr Lieben,

nachdem ich letztes Mal beim Familientreffen der Männer und Jungs aussetzen musste, weil ich einen mysteriösen Infekt hatte, stand auch dieses Treffen wegen meiner Corona-Infektion auf der Kippe. Dabei war ich als Gastgeber dran. Gottseidank war ich dann aber rechtzeitig negativ, so dass ich grünes Licht geben konnte.

Da ich dann doch ein bisschen rumgeschlappt habe und nicht viel einkaufen konnte, verlegte ich das Treffen aber von mir in das Café Uferglück im Wiesenhaus. Leute, der Name alleine ist doch schon zauberhaft! Ich war da auch schon zweimal mit Nachbarn, es ist wirklich nett dort und alles wird mit Liebe zubereitet und schmeckt!

Ich reservierte für 9 Personen, weil ich auch meine zwei Nichten eingeplant hatte, aber meine Ex-Schwägerin war das Corona-Risiko zu groß. Schade, denn ich habe die Nichten seit langer Zeit nicht gesehen. Naja, vielleicht klappt es ja zum Abitur in 9 bis 11 Jahren.

Es war brechend voll! Aber wir hatten einen Tisch in einer ruhigen Ecke. Etwas problematisch war nur die Selbstbedienung, da die Schlange endlos war. Zudem ging der Kuchen in der Auslage zur Neige. Als ich dran war, kaufte ich kurzerhand den Rest auf (was mir Feinde in der Schlange hinter mir eingebracht haben dürfte). Die zweite Runde gab es dann „nur“ Waffeln. Auch hier löste ich mit meiner Großbestellung keine Freude aus, denn das Ende des Waffelteigs wurde nach mir verkündet.

Das war ein sehr schönes Treffen, Kaffee und Kuchen waren sehr lecker! Und man sitzt einfach sehr schön, mit Blick auf den Rhein, der Caféhund wuselt zwischen den Menschen rum, alle hatten gute Laune. Das Wiesenhaus ist definitiv einen Besuch wert.

Morgen geht es wieder in die Fabrik. Yeah. Und das Programm in der Woche ist stramm. Pinker Stammtisch, Treffen der Bürgerinitiative, Besuch bei Elke, Ausflug mit der Kulturtruppe. Davon dann kommende Woche. Allen bis dahin eine gute und schöne Zeit, Euer

Linseneintopf: Ein Seelentröster

Ihr Lieben,

heute kam der Lieferdienst vom Supermarkt, da hatte ich u.a. eine Gemüserettertüte erstanden, die pickepackevoll mit hervorragenden Sachen war. Jetzt knabbere ich aber Suppengrün, Kartoffeln, Sellerie und Lauch eher selten nebenbei auf der Couch. Ich durchwühlte meine Vorräte und fand ein Paket rote Linsen (2022 abgelaufen), ein Nachbar wurde ausgesandt, Mettenden und Kassler zu besorgen. Dann konnte es losgehen:

Erst einmal wird das verwendete Gemüse ordentlich geputzt und dann in kleine Würfel geschnibbelt. Ohne meinen Nicer Dicer (diese Werbung wurde ohne Gegenleistung geschaltet) hätte ich dafür bis Ostern benötigt, so war ich in einer halben Stunde fertig. Mettenden und Kassler schneide ich dann klassisch auf dem Schneidbrett in passende Happen. Die Linsen werden in einem Sieb gewaschen, bis das Wasser nicht mehr ganz so trübe ist.

Es ist eigentlich fast egal, was man für Gemüse nimmt, aber das oben ist schon klassisch. Kartoffel, Selleriestangen, Stück Sellerieknolle, Petersilienwurzel, Karotten, Frühlingszwiebeln, Lauch.

Jetzt Rapsöl in meinen Mammut-Topf und ein Viertel einer Tube Tomatenmark darin anschwitzen. Das Gemüse dazu und auf hoher Stufe anbraten. Dabei immer fein umrühren. Salzen, pfeffern, zwei Lorbeerblätter, ein paar Pimentkörner, ein paar Chiliflocken sowie extra viel Oregano dazu, die Linsen beigeben, Gemüsebrühe drauf und mit viel heißem Wasser aufgießen. Jetzt solange köcheln lassen, bis die Kartoffeln fast durch sind. Dann das Fleisch zugeben und bei moderater Hitze durchziehen lassen.

Nachwürzen. Fertig. Lecker. Wie von früher gewohnt, kommen auf den Eintopfteller ein bisschen Petersilie und ein Spritzer Weinessig.

Leute, selbst die Corona-Viren haben geschmatzt!

Ein (un)ruhmliches Ende?

Ihr Lieben,

es ist ja bekannt, dass ich mich kürzlich von allen Meta-Plattformen, schon etwas länger von X (fka Twitter) und seit Ewigkeiten von TikTok verabschiedet habe, da sich die jeweiligen Anteilseigner von Anstand und Moral verabschiedet haben. Und nicht nur diese, sondern auch ein nicht unerheblicher Anteil der Nutzer dieser Plattformen. Was war ich beschäftigt, Hasskommentare zu löschen und Nutzer zu blockieren. Und der Algorithmus legte mir das auch noch als Interesse aus und spülte noch mehr von unerwünschtem Content in meine Timeline.

Was soll ich sagen? Ich vermisse die guten Aspekte! Ich hatte so viele Gruppen, alleine bei WhatsApp um die 20, bei Facebook um die 40. Wenn ich dort auf diese meine Seite verlinkte, schauten sich Freunde, Verwandte, Bekannte und Fremde die Ergüsse hier an und die Besucherzahlen meiner kleinen Seite stiegen rasant an. Und so wird es den meisten gegangen sein, die den gleichen „weg von Meta et al.“-Weg gewählt haben, aber inzwischen weiß ich von vielen, die ihre Entscheidung rückgängig gemacht haben und dort wieder aktiv sind. Das werde ich nicht tun. Ich bin nun nur noch auf Bluesky präsent. Viele sind zwar von Threads (ebenfalls Metaverse) aus dorthin gewechselt, aber es ist tatsächlich kein adäquater Ersatz, wenn man es aus rein technischer Sicht betrachtet.

Nun, jetzt ist auf Gerrys Welt inzwischen fast tote Hose. Und ich gebe zu, dass ich natürlich auch für Beachtung poste. Ich werde es hier weiterhin machen – auch, wenn es zukünftig wahrscheinlich fast nur für mich sein wird. Aber ich kann ja nicht auf die Trumpjugend schimpfen und den höchstdekorierten Mitgliedern derselben gleichzeitig die Füße küssen. Immerhin beherrscht einer von ihnen schon irritierend gut „an einen Hitlergruß erinnernde Gesten“. Ein bisschen frustrierend fand ich, dass es für viele meiner Bekannten unzumutbar ist, einen anderen Messenger neben WhatsApp zu installieren, um mit mir in Kontakt zu bleiben, es aber als LGBTQIA++(Zuckerberg: „Call them mentally ill!“), Frau (Zuckerberg: „We need more masculinity!“) oder einfach als Mensch (Zuckerberg: „Sort out the weak!“) völlig normal finden, geschmäht und verunglimpft zu werden.

Dass Queere, Ausländer (und da zähle ich in Augen Elon Musks ja auch zu), Frauen, PoC und Antifaschisten (und das sollte ein jeder aufrechte Mensch sein!) noch auf Musks Plattform zwitschern, ist mir auch ein Rätsel. Genauso, wie besagte Gruppen, wie überhaupt jedermann mit einem Funken Moral, nicht Mitglied in einer Partei sein sollten, die sie grundsätzlich verachtet und über kurz oder lang remigriert, in Lager steckt oder zurück an den Herd schickt. Das sind „Meinungen“ von Würdenträgern aus eben jener Partei! Und was von denen in die Welt posaunt wird, geht weit über sagbares hinaus.

Erstaunlicherweise entlarven sich unsere neuen Neofaschisten selbst aber regelmäßig als uninformiert und schlichtweg dumm. Umso erschreckender, dass sie von ihrer Fanbase trotzdem gefeiert werden.

So, genug ausgekotzt. Ich benenne jetzt noch kurz den Rhein in „Vaterlandsfluss“ um, schmeiße ein paar Meme-Coins auf den Markt, zeige ein paar diskussionswürdige Gesten und erzähle Lügen. Wie die, dass Wählern rechtsradikaler Parteien nicht passieren wird, auch wenn sie eigentlich auf der Abschussliste eben jener Partei stehen.

Mit frustrierten Grüßen, Euer

*Vorschaubild: Skulptur „Mira“ im Parc Central von Andorra la Vella von Àngel Calvente; eigene Fotografie.