Harz, 3. Tag: Geschlossene Gesellschaft

Ihr Lieben,

„Ich hasse Montage“, deklamiert Garfield in einer seiner bekanntesten Comic-Strips. Ich nehme an, er ist gebürtiger Harzer. Heute war ein ganz kleines bisschen der Wurm drin, was auch mit dem Wochentag zu tun hat.

Beim Frühstück war ich zuerst alleine, es scheinen einige Gäste abgereist zu sein. Ich war allerdings auch schon sehr früh unten, hatte ich mir heute doch ein strammes Programm vorgenommen. Mr. Spannleggings samt Frau und Tochter kamen dann später aber auch noch dazu.

Das Wetter war trüb, ich beschloss, ausgedehntere Fahrten zu interessanten Punkten zu unternehmen, das kann man bei Regen und Kälte ja ganz gut tun. Mein erstes Ziel sollte Stolberg (Harz) sein, abzugrenzen vom nordrheinwestfälischen Stolberg. Hier, also im Harz, wurde die Stammmutter der niederländischen Royals geboren. Gut, das war jetzt nicht mein Beweggrund für den Besuch, sondern dass es sehr hübsch da sein soll. Bevor ich aber überhaupt ankam, ging schon das erste Drama los. Ich war gerade 10 Minuten unterwegs, da teilte mir Bibi mit, sie habe Durst. Kein Problem, dachte ich, Tankstellen gibt es wie Sand am Meer. Ich mache es kurz: das ist ein fataler Irrglaube! In Stolberg angekommen, verfranste ich mich erst einmal im Ort, ich wurde hektisch und wollte endlich das Tankproblem lösen. Ich googelte. Ah, 5 Kilometer, kein Problem. Angekommen stellte sich heraus, es war eine Tanke für Landmaschinen. Bibi exklamierte theatralisch, dass sie bald nicht mehr könne. Nochmal Google. Ah, in sieben Kilometern. Diese Tanke hatte dann auch ein Hinweisschild, das etwa 150 Meter in den Himmel ragte. Wundert mich nicht. Aber wir hatten Benzin! 12 Kilometer hinter Stolberg, die ich wieder zurückgurken musste. Eine halbe Stunde habe ich dadurch verloren, da ich bis zur Shell-Station hinter einer Kolonne Kieslaster hergefahren bin.

Stolberg ist sehr nett. Wieder hunderte Fachwerkhäuschen. Aber Stolberg hat ein Problem: Es besteht quasi nur aus drei oder vier Straßen, an denen sich die Schmuckstücke aneinanderreihen. Direkt an der Straße, die auch als Durchgangsstraße dient. Da ist nichts mit Flanieren und Verweilen. Schade eigentlich. Zwar haben ein paar kleinere Lädchen ein Paar Stühle vor dem Geschäft stehen, aber bei nasskaltem Wetter ist das nix. So hatte auch einiges geschlossen. Ich fuhr noch zum Schloss hoch, da waren aber Bauarbeiten zugange und man winkte mich ebenso zurück, wie die schon dort befindlichen Wagen, die jetzt eine diffizile Choreographie aus wenden, zurücksetzen, drehen und absaufen zum Besten gaben.

Ziel Nummer 2 war das Kyffhäuserdenkmal. Das wollte ich damals schon auf meiner Lutherreise besuchen, es hatte aber nicht geklappt. Durch Nieselregen fuhr ich also in den Südharz. Bei Nieselregen kam ich an. Vom Parkplatz zum Denkmal sind es etwa anderthalb Kilometer, es geht dabei schon ganz gut aufwärts. Der Eintritt betrug anderthalb Dönertaschen. Und nun etwas Hintergrund: Der Kyffhäuser ist ein kleines Gebirge im Harz, namensgleich mit einer seiner höchsten Erhebungen. Dort stand einmal eine größere Burganlage (und zum Teil immer noch), bis nach dem Tode vom ollen Kaiser Willem I. (bekannt aus dem Lied mit dem Wiederhabenwollen) beschlossen wurde, ihm dort ein Denkmal zu errichten, und dies mit tatkräftiger Unterstützung des Kyffhäuserbundes. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann zum Ruhme des verblichenen Kaisers und des deutschen Volkes dieses fast schon monströs-pompöse Monument errichtet. Hm. Und warum thront Willi über einem 6-Meter-hohen bärtigen Zausel? Nun, dieser Zausel ist Friedrich I. Rotbart, der im Kyffhäuser ruhen soll. Barbarossa sollte nämlich nach der Volkssage gar nicht in Italien dahingegangen sein, sondern seiner Wiederkunft im Kyffhäuser Berg harren. Interessante Sage, kann man mal bei Gelegenheit nachlesen.

Das Monument ist gewaltig. Ich bin ins Museum, in das Denkmal selbst hinein und auf den Turm gekraxelt. Ich verfüge übrigens über ein besonderes Talent. Ich zähle immer die Stufen und dann verzettele ich mich. Ich bin auf jeden Fall seeehr viele Stufen nach oben gekraxelt, wo es ganz schön geweht hat und wo ich auch nicht allzu lange über die Brüstung gucken konnte. In einem der Showräume sollte man eine Schachtfahrt mit einer VR-Brille simulieren können. Yeah! Mein erstes VR-Erlebnis!!!! Und dann funktioniere der Mist nicht. Aber insgesamt ist der Kyffhäuser definitiv einen Besuch wert.

Von Kaiser Friedrichs Wartezimmer aus fuhr ich dann nach Straßberg, wo es eine bezaubernde kleine Kirche mit Fachwerktürmchen gibt (geschlossen) sowie die Grube Glasebach (geschlossen). Naja, beides von außen gesehen. Dann eben zur Burg Falkenstein. Hier gibt es einen Wanderparkplatz, von dem man aus über den sogenannten Eselstieg hinaufkraxeln kann. Angeblich 1.200 Meter. Gefühlt aber 5.000! Und steil wie nix. Oben angekommen konnte ich noch durch Tor 1 und 2 gehen, Tor 3 war dann verriegelt. Montags geschlossen. Leute, was soll man denn montags im Harz machen??? Den ganzen Tag auf dem Kyffhäuser verbringen? Sorry, aber dafür ist mir das Museumscafé zu trist. Immerhin hatte ich noch eine spannende Begegnung auf dem Abstieg: Ich sah einen Feuersalamander (sind doch die gelb-schwarzen, oder?), der sich auf dem Weg merkwürdig hin- und herräkelte. Ach herrjeh, der Arme ist verletzt, dachte ich. Bis sich herausstellte, dass Lurchi auf einer Lurchine lag und ich beide bei der Fortpflanzung störte. Ich empfahl mich unverzüglich.

Bibi brachte mich nach Meisdorf, dem „Tor zum Selketal“. Dort wollte ich mir das alte Schloss der Nachfahren derer vom Falkenstein ansehen, das heute ein Hotelbetrieb sein soll. Wegen umfangreicher Umbaumaßnehmen geschlossen. Na, wenigstens konnte ich ein paar Blicke auf ein Wildgehege erhaschen. Der Reiseführer empfahl das Mausoleum des Grafen im Wald. Ach nee, danke. Ich googelte nach der Konradsburg, die mein nächster Anlaufpunkt hätte sein sollen. Montags geschlossen. Ich wurde langsam ungehalten und beschloss, zum Abendessen ins Hotel zu fahren. Scheibe! Das muss man ja bis 16 Uhr ankündigen! Jetzt ist 17:30 Uhr. Dann ist der Speisesaal für mich wohl heute geschlossen. Auf dem weiteren Heimweg kurvten wir durch Ballenstedt. Auf braunen Schildern lockte man mit weißer Schrift: „Ey, Gerry, wir haben hier ein ganz tolles Schlossensemble! Willste gucken kommen?“. WISST IHR WAS? IHR KÖNNT MIR MAL AM DIENSTAG BEGEGNEN!

Am Ende von Ballenstedt gab es dann einen großen Rewe („Heute für Sie geöffnet!“), wo ich mir eine Käsestange und einen exotischen Nudelsalat sowie ein Stück „Schneewittchenkuchen“ (erinnert an Donauwelle) fürs Abendessen kaufte. Nach einem langen Tag kam ich endlich wieder im Hotel an. Was für ein bescheidener Montag. Hm, war es das? Naja, ich habe mich selten so sportlich betätigt, ich habe kopulierende Reptilien gesehen, und immerhin hatte das Kyffhäuserdenkmal auf. Alles in allem dann halt doch nicht so übel. Ne Seilbahn wäre noch nett gewesen. Und das mit dem Stück Zahn heute morgen beim Frühstück hätte es auch nicht gebraucht.

Morgen soll es wieder schön werden. Lust, mit mir in der Sonne ein wenig lustzuwandeln? Wird bestimmt lustig! Liebe Grüße, Euer

Harz, 2. Tag: Von tanzenden Hexen, ungestümen Gäulern und der schönen Aurora

Ihr Lieben,

das Hotel ist gut gebucht, der Frühstückssaal war entsprechend voll. Ich hatte meine Brille auf dem Zimmer vergessen und konnte so meinen Reiseführer nicht lesen, so schaute ich mich ein bisschen um. Was man ja morgens bei Rührei und Kaffee keineswegs sehen möchte, sind barfuß laufende Männer, Männer der Konfektionsgröße XXL in Leggings der Größe S und Damen die mit einem angebissenen Brötchen in der Hand zum Buffet eilen, um sich mit der anderen Hand ein weiteres Brötchen zu sichern, und derweil munter schmatzend Krümel zu versprühen.

Es war leider etwas bewölkt, auch die Temperaturen waren der Kategorien „frisch“ zuzuordnen, so beschloss ich, nach Thale zu fahren, um dort mit dem Sessellift auf die Roßtrappe und anschließend mit der Kabinenseilbahn zum Hexentanzplatz hochzufahren. Ich kaufte ein Kombiticket, das auch eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn beinhaltete und trat meine erste Fahrt mit dem offenen Sessellift an. Wer mag, ich kann ein kleines Video zur Verfügung stellen, das ich während meiner Nahtoderfahrungen gedreht habe. Oben ist es sehr schön, man sieht quasi auf den Grand Canyon des Harzes über den weiland Königin Brunhilde auf der Flucht vor Ritter Bodo mit ihrem Pferd übersetzte, das beim Aufsetzen auf der anderen Seite einen tiefen Hufabdruck hinterließ, die sogenannte Roßtrappe. Bodo stürzte in die Schlucht und hinterließ einen Fluss, die Bode. Man muss ein bisschen laufen, um zu diesem Naturdenkmal zu kommen, angegeben sind von der Seilbahn aus ein paar hundert Meter, aber das stimmt im Leben nicht (man lügt uns doch die Hucke voll!!!). Mir entgegenkommenden Wanderern musste ich auch mehrmals versichern, dass es die Rosstrappe wirklich gibt und dass sie nicht mehr weit sei. Es ist übrigens eine kleine, unspektakuläre Vertiefung, in die man, so man möchte, Münzen werfen kann, die dann in der Brackwasserpfütze vor sich hingammeln.

Mit dem Sessellift ging es wieder hinunter ins Tal, dort wurden die Stationen gewechselt, um mit der Kabinenseilbahn wieder nach oben zu fahren, diesmal zum Hexentanzplatz. Mit mir in der Kabine ein Paar mit Hund, die etwas überrascht, aber belustigt waren, als ich (nach Vorwarnung und Erlaubnis) mein übliches „Absturz-mit-der-Seilbahn-Selfie-Video“ drehte. Ich habe es aus Rücksicht sehr kurz und undramatisch gehalten. Ich weiß nicht genau, was das Areal früher einmal gewesen sein mochte, aber jetzt ist es ein Disneyland für Arme. Lieblose Bretterbuden, alles noch im Bau irgendwie. Nein, ich muss mich korrigieren, es ist für Reiche. Für Familien ist es eigentlich sehr nett, es gibt viele Spielplätze und interessante Attraktionen für Kinder, es ist auch bumsvoll, aber die Preise für Kleinigkeiten aus den vielen Lebensmittelbuden oder den wirklich schauerlichen Souvenirs zahlreicher Lädchen sprengen jede Vorstellungskraft! Aber ich sage ja immer, solange es Menschen gibt die das Bezahlen… ein Highlight ist tatsächlich die Sommerrodelbahn, mit der ich eine Runde drehte, leider kann ich euch nicht sagen, ob es mir gefallen hat, ich musste mich zu sehr darum kümmern, nicht in Ohnmacht zu fallen. Das Maskottchen des Bodetalspaßimperiums heißt übrigens Gondolina und ist – wer errät es? – eine Hexe.

Nach der anschließenden Talfahrt lief ich noch ein bisschen durch Thale. Auch da ist es ganz nett, es gibt eine interessante Kirche (St. Petri), eine Menge holzgeschnitzter Fabelwesen (nicht wirklich meine präferierte Art der Bildhauerei) und Skulpturen, noch ’ne Kirche und hier und da einen Batzen Grün. Das Denkmal gegen den Faschismus möchte ich auch – gerade in der heutigen Zeit – besonders hervorheben.

Vom Bodetal aus fuhr ich nach Quedlinburg. Hier krichste Pippi inne Augen, so schön ist dat hier! Quedlinburg ist ja Weltkulturerbe-Stadt. Unter anderem liegt das daran, dass es hier mehr als 1.300 Fachwerkhäuser gibt. Dazu das sehr imposante Stiftskirchen-/Schlossberg-Ensemble, viele andere sehenswerte Kirchen und Kulturdenkmäler. Inzwischen hatten wir auch strahlend blauen Himmel und es war wärmer geworden, so machte die Stadtbesichtigung natürlich doppelt Spaß.

Ich erlief mir Schlossberg mit seinen Gassen drumherum, enterte die kathedralhafte St.-Servatii-Kirche und kam pünktlich zu einer Führung, der ich mich anschließen konnte. Nach sehr vielen Ausführungen zu den ganzen Heldentaten der Gebeineinhaber unter dem Kirchenboden trennte ich mich aber wieder von der Gruppe: Es war nicht uninteressant, es zeichnete sich aber ab, dass wegen der zahlreichen Erläuterungen zu jeder Grablege der Tag dann um wäre. So erlief ich mir die kleine, übersichtliche Domschatzkammer alleine (das wäre mit der geführten Gruppe auch sehr kuschelig geworden!), guckte hier und da und verließ das Gebäude schon nach 20 Minuten wieder. Zugeben muss ich, dass die Geschichte der wunder-, wunder-, wunderschönen Aurora von Königsmark, die selbst als Mumie noch wunder-, wunder-, wunderschön war, mir völlig neu war. Der restliche Schlossberg steckt gerade in umfangreicherer Sanierung und war leider nicht zugänglich. Von oben aus hat man aber einen tollen Blick über die Stadt.

Durch zauberhafte Sträßchen lief ich über den Markt zum Rathaus, weiter zu St. Benedicti, über die Insel „Zwischen den Städten“ und zu St. Nikolai, eine Kirche die von einem schönen Platz umgeben ist. Mittendrin gönnte ich mir in der „Romantik-Ruine“, einem sehr netten Lokal, ein Forellenpanini. Die Forelle soll aus dem Bodetal kommen und hat daher möglicherweise noch homöopathische Dosen von Ritter Bode in sich.

Das Abendessen im Hotel fiel aus, weil der Nachwuchs der Wirtsleute in das Musical „Tanz der Vampire“ nach Hamburg spediert werden wollte. So suchte ich mir etwas im Ort aus. Hier wird einem leider nicht wirklich viel geboten. Vieles hat geschlossen, alles macht früh dicht. Im Herbst in einem Kurort! In Badenweiler, wo ich früher gerne war, boxt zwar auch nicht der Papst im Kettenhemd, aber man hatte ausreichend Gastronomie. Naja, Bad Suderode sieht auch nicht wirklich nach Kurbetrieb aus, das Kurhaus steht leer da herum, am Calcium-Brunnen gibt es kein Wasser. Einige einstmals seeehr schöne Häuser am Rande des Kurparks verfallen. Ich landete schlussendlich um 19 Uhr 30 in einem Restaurant, das bis 21 Uhr geöffnet sein sollte. Man wusste aber nicht, ob man für mich noch etwas kochen wollte, war ja schon spät… nur wenn es schnell ginge. Ich nahm Würzfleisch und eine Kartoffel mit Salat. Die Mutter des Wirtes löste Kreuzworträtsel, ein Ehepaar am Nachbartisch hatte sich nichts zu erzählen. Fliegen summten zwischen den Tischen herum. So etwas tristes! Aber das Würzfleisch war lecker. Man isst es mit Worcestershiresauce „Dresdner Art“. Was es alles gibt!

Morgen soll es nicht so schön werden, ich muss mir möglicherweise eine Indoor-Aktivität suchen. Genug zu sehen gibt es hier auf jeden Fall.

Habt noch einen schönen Restsonntag, vielleicht bis morgen, Euer

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Harz, 1. Tag: Ankunft in Bad Suderode (hexhex)

Ihr Lieben,

ich weiß nicht, warum manche Menschen sich so darüber freuen, bei einer Autovermietung ein Upgrade zu bekommen. Einmal habe ich ja auf den Kanaren für vier Wochen einen Hyundai Tucson für 18 € bekommen, obwohl ich einen Fiat 500 bestellt hatte. Es hat ziemlich gedauert, bis ich mich an das Schlachtschiff gewöhnt hatte. Heute wurde mir mitgeteilt, ich bekäme statt meines Kompaktwagens einen nigelnagelneuen Tiguan SUV, mit gerade erst 15 km auf dem Buckel. Ach herrje! Aber inzwischen bin ich ja etwas versierter am Steuer, da habe ich dann mal nicht protestiert. Außerdem nehme ich ja auch immer alle Versicherungen, die es gibt, ich alter Feigling. Meine neue Vertraute für neun Tage taufte ich Bibi. Wie Blocksberg.

Bibi kann anscheinend so einiges, nur verstehe ich nicht, was. Da gibt es Millionen von Knöpfen, deren aufgedruckte Symbole mir leider überhaupt nichts sagen. Erstaunlich nur die beiden Aufkleber „Bitte nicht schneller als 210 Stundenkilometer fahren“ sowie  „Bitte nach 50 km Fahrt die Radmuttern neu anziehen lassen“. Ich bin in meinem Leben noch nie 210 Stundenkilometer schnell gefahren, und während der Fahrt Radmuttern anzuziehen gehört auch nicht zu meinen favorisierten Hobbys. Muss ich da jetzt anrufen, 500 km sind schon drauf auf dem Tacho, und nach der nächsten Europcar-Werkstatt fragen?

Mit einer kurzen Unterbrechung auf Hälfte der Strecke (Burgerkette, auf dem Foto sah das ganz anders aus) waren Bibi und ich nach ziemlich genau 5 Stunden im Hotel am Kurpark in Bad Suderode, wo ich die nächsten vier Nächte verbringen werde. Es ist etwas altmodisch, sauber, gemütlich und betulich. Ein Gemeinschaftskühlschrank steht im Flur, wenn man zu Abendessen möchte, muss man dies bis 16 Uhr ankündigen, und schon wissen was man essen möchte. Ich habe mich für das Geschnetzelte entschieden, weil es gerade frisch in der Mache war, wie mir erklärt wurde. Ich bekam schon einige gute Tipps, was ich in der kurzen Zeit bis zum Abendessen unternehmen könnte und begab mich dann auch nach einer kurzen Inbeschlagnahme meines Zimmers auf Entdeckungstour.

Der grüne Erker plus die beiden Fenster rechts daneben gehören zu meinem Zimmerchen 🙂

Bad Suderode und Gernrode sind Stadtteile der Weltkulturerbestadt Quedlinburg. In Quedlinburg selbst hatte ich kein bezahlbares Zimmer bekommen, das größer als 6 Quadratmeter gewesen wäre. Aber es ist nicht weit von hier.

Ich lief nach Gernrode, wo die sehr beeindruckende Kirche St. Cyriakus steht. Man bekommt ein laminiertes Blatt mit den Sehenswürdigkeiten in die Hand gedrückt und wird dezent auf eine mögliche Spende am Ende des Besuchs hingewiesen. Es gibt ein sehr kunstvolles, restauriertes Grab, eine wirklich wunderschöne Orgel, die Apsiden sind wunderbar ausgestaltet. Wenn man durch den Kreuzgang geht hat man vom Klosterhof aus ein wunderbaren Blick auf die wirklich schöne Architektur des Gotteshauses.

In der Nähe befindet sich das größte Wetterhaus der Welt, das sogar Eingang in das Guinessbuch der Rekorde gefunden hat. Es ist Teil der gernroder Uhrenfabrik mit angeschlossenem Uhrenmuseum. Das hatte aber leider schon geschlossen. Zurück lief ich einen anderen Weg. Es ist ein wirklich bezaubernder Ort. Ganz viel Charme, sehr aufgeräumt, mit einem Hauch von Wohlhabenheit. Hier stehen Villen, mein lieber Scholli!

Bad Suderodes Wahrzeichen ist der Preußenturm, eine Holzkonstruktion, von der aus man einen ziemlichen Weitblick hat. Nur der Weg dorthin ist etwas beschwerlich, es geht schon stramm steil bergauf; und wenn man dann auch noch – Achtung, es folgt das beliebte Google Maps-Bashing – einen primitiven Navigator dabei hat… Gott sei Dank bekam ich über meine Wander-App ein Satellitenbild gezeigt, anhand dessen ich mich dann orientieren konnte. Nach etwa 324 Flüchen kam ich dann endlich auch an und wurde durch wirklich schöne Ausblicke belohnt. Im Harz kann man übrigens Wanderstempel an ausgesuchten Stellen bekommen, mit elf Stempeln wird man auf irgendeiner Wanderprinz-/prinzessinenliste geführt.

Zurück im Hotel genehmigte ich mir das wohlverdiente Wanderbier und zog ein erstes Resümee. Ja, ist echt nett hier im Harz. Dazu gottseidank wieder besseres Wetter. Die Leute auf den Straßen sagen sich die Tageszeit. Das Abendessen war ganz lecker, die Tischunterhaltungen an den Nebentischen skurril.

So, jetzt muss ich gleich mal gucken, wie ich die nächsten Tage rumbekomme. Zu sehen gibt es einiges, sogar eine Seilbahn gibt’s in der Nähe, dann kann ich wieder eines meiner berüchtigten Nahtoderfahrungsvideos drehen. Ich könnte auch auf dem Hexentanzplatz eine Tarantella für Euch hinlegen. Na, mal sehen.

Wäre schön, wenn Ihr mich morgen wieder begleitet. Liebe Grüße, Euer

Eine kleine Hexengalerie:

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Die mysteriöse Formation des als Treehenge bekannt gewordenen Baumkreises in Gernrode lässt seit Jahrzehnten Forscher und Wissenschaftler über ihre Bedeutung rätseln.

Ab in den Harz: der Prolog

Ihr Lieben,

nicht missverstehen, keinesfalls möchte ich ein überdimensionaler Bernsteinfund sein. Noch nicht. Wenn ich vom Harz rede, meine ich nicht das Baumharz, das uns jahrtausendalte Insekten konserviert hat, sondern das nördlichste deutsche Mittelgebirge, in dem ich ab morgen mein Unwesen treiben werde. Aber wie kam es dazu?

Ihr wisst, dass ich auch mal gerne durch Deutschland reise oder meinen Urlaub verbringe. Lutherreise durch die östlichen Bundesländer, Nordsee, Eifel, Ostsee, Städtereisen… Der Harz (Ost wie West) stand diesbezüglich schon lange auf meiner Löffelliste*. Ein Nachbar, Bürgerinitiativegegenrasermitglied und inzwischen Freund ist gebürtig aus Goslar. Bei einem Gespräch der Initiative bot er uns allen – nur halb im Scherz – mal an, seine Heimat zu zeigen. Große Überraschung: Eine gemeinsamer Termin wurde noch am selben Abend gefunden und die gemeinsame Reise einiger Mitglieder schon nach zwei Tagen beschlossen. Und zwar von Mittwoch bis Sonntag kommender Woche mit unterschiedlichen An- und Abreiseterminen. Dieser Beschluss ist schon eine Weile her.

Zwischenzeitlich hatte ich dann aber überlegt, warum ich Montag und Dienstag eigentlich noch arbeiten gehen sollte und nahm auch diese beiden Tage kurzerhand frei. So habe ich das Vergnügen, den Westharz mit Nachbarschaftsfreunden zusammen – mit Unterkunft in Goslar – zu erkunden (ab Mittwoch) und vorher den Ostharz rund um Quedlinburg für ein paar Tage alleine aufzumischen. Also, altersgemäß halt aufzumischen. Also, Logis zu nehmen und zu gucken. Nix mit Disco und grüner Wiese**! Also „aufmischen possible“ halt.

Ein Mietwagenschnäppchen hatte ich dann auch fast gemacht (Cora ist ja leider nicht mehr bei mir), und so werde ich ab Samstagfrüh eine neuntägige Reise per carro (klingt ja fast wie Cora) unternehmen und würde mich mega darüber freuen, wenn ihr mich wieder begleitetet. Seid ihr dabei? Das wäre ein Träumchen!

Übrigens machen wir beim Italiener heute Abend schon ein bisschen Reiseplanung!

Liebe Grüße und bis Samstagabend! Euer

P.S.: Das Bild hat mir ChatGPT gemalt 🙂 Mein erster Versuch!

*) die Löffelliste ist das deutsche Pendant zur amerikanischen „bucket list“. Was hat/will man zu tun, bevor man den Löffel abgibt?!

**) Grüne Wiese ist ein Getränk aus Blue Curacao und Orangensaft.

KunstKulturWeinundBier

Ihr Lieben,

neinneinnein, meine Leertaste funktioniert noch, wie man sieht. Ich komme später noch zur BedeutungdiesermysteriösenÜberschrift.

Diese Woche ist unglaublich viel passiert. Ich bin in ein neues Büro gezogen (Domblick und Taubenplage), habe Vorstellungsgespräche geführt, eine neue Brille bekommen, den Stromanbieter gewechselt, ich habe alles für meinen Spanienurlaub im Dezember gebucht, meine Auszeit kommende Woche im Harz geplant und mich mit der Nilkreuzfahrt im November beschäftigt. Und zwischendurch mehreren Menschen erklären müssen, dass ich gar nicht so oft Urlaub mache. Wie kommen die darauf (ist alles nur eine Frage präziser Planung)? :-). Ach, und ich habe Windräder als Taubenabwehr gebastelt und vor den Bürofenstern angebracht.

Okay, „KunstKulturWeinundBier“ ist der Name einer kleinen, aber feinen WhatsApp-Gruppe, die sich dem genannten verschrieben hat, mit mehr oder weniger wechselnden Schwerpunkten, wenn ihr versteht, was ich meine… So versuchen wir, an jedem ersten Donnerstag im Monat, eine kulturelle Veranstaltung oder eine Ausstellung zu besuchen, um dann im Lokal das Erlebte zusammen zu verarbeiten. 🙂 Diesmal haben wir es wegen der Kunsttage Rhein-Erft auf heute verschoben, die haben sich doch glatt geweigert, wegen uns früher anzufangen. Und das, obwohl wir schon so oft da waren und eigentlich auch immer etwas erwerben.

Getroffen haben wir uns erst einmal beim Italiener, um etwas zu essen. Da war es ganz lecker, aber die Preise zur Zeit in der Gastronomie sind schon gruselig. So habe ich für vier (sic!) Garnelen mit Haselnusskrümeln mal eben 18 Euro gelatzt. Ich wusste um den Preis, hatte mir aber eine größere Portion versprochen. Naja, Glas Wein 7,30 Euro, Nudeln mit Ragú 18,50 Euro. Aber lecker und in schöner Runde kann man das ja mal machen! Musikalische Untermalung hatten wir kostenfrei durch eine plötzlich auftauchende Brass-Band.

Dieses Mal war die Ausstellung besonders vielseitig und ansprechend, mir haben ganz viele Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler sehr gefallen. Die Messlatte für eine Erlaubnis zur Teilnahme sind auch extrem hoch. Gut, das merkt man jetzt nicht bei JEDEM Aussteller. Mir war aber sofort klar, dass mein Plan, mal nichts zu kaufen (wohin auch mit all dem Zeug???), nicht aufgehen würde. Wir sahen Fabelwesen, Klecksereien, Glaskunst, langweilige Moore-Imitationen, ausdrucksstarke Großformate, die mir Sorgen um den psychischen Zustand des Künstler bescherten, wir erfuhren komplette Lebensgeschichten mit lückenloser Aufzählung des Werkverzeichnisses, wir staunten über die Kunst der Schülys der Donatus-Förderschule (sie sind jedes Jahr vertreten und machen großartige Sachen!), wir rätselten, manchmal verstanden wir, wir glucksten und wir hatten auch durchaus ernste Gespräche.

Ich habe ein sehr schönes Bild erstanden, der Entscheidungsprozess hat gefühlt ein Erdzeitalter gedauert, aber jetzt zuhause, da freue ich mich, dass ich mich durchgerungen habe. Und darüber, dass es bei einem Bild blieb, zu dem es dann auch beim Kauf noch eine wirklich nette Anekdote zur Entstehung gab.

Wir ließen den Nachmittag in einer Brauweiler Schenke ausklingen, dessen Wirt ein sympathischer Kauz ist und in dessen Gastwirtschaft auch Bilder verkauft werden. Sowas.

Brauweiler Kunsttage, wie ich sie nenne: Immer einen Besuch wert, erst recht mit lieben Freundinnen und Freunden. Morgen könnt ihr noch hin.

Liebe Grüße, Euer

P.S.: Hier meine kleinen Neuerwerbungen:

Bericht aus Bonn

Ihr Lieben,

alte Knacker wie ich erinnern sich noch an die Fernsehsendung „Bericht aus Bonn“, ich mit den Moderatoren Nowotny und später Lueg. Jeden Freitag kam das. Mein Bericht aus Bonn ist dann halt vom Sonntag und ist auch wenig politisch.

Das Wochenende habe ich dazu genutzt, Papiere zu sortieren (ungelogen geht ein 30cm-Stapel in den Schredder), Wäsche zu waschen, das Gefrierelement abzutauen und all das, was man eben so gerne mag. Sonntag dann beschloss ich, einen kleinen Ausflug zu machen, anstatt die Abstellkammer und die Küchenschränke auszumisten. Nach einem leckeren Omelett gings dann Richtung Bahnhof Deutz, wo ich mich in den ersten Zug mit einem interessanten Nahziel werfen wollte. Das war dann einer Koblenz über Bonn. Und da ich bei dem letzten Treffen der Namibia-Connection schon beschlossen hatte, mich mal ausführlicher umzuschauen, stieg ich da kurzerhand aus.

Über den Münsterplatz, mit einer Stippvisite von Kirchenschiff und Krypta, ging es durch die Altstadtsträßchen über den Marktplatz zum Beethovenhaus. Dort löste ich für den Preis eines Kleinwagens eine Eintrittskarte, um auf den Spuren des ollen Ludwig zu wandeln. Das Haus ist erstaunlich groß, mit einem schönen Hinterhof, aber etwas lieblos eingerichtet. Unspannend museal würde ich das nennen. Interessante Ausstellungsstücke findet man dennoch.

Die gesammelten Eindrücke musste ich dann vor dem historischen Rathaus erst einmal bei einem Bier verarbeiten. Ich gebe es mal zu, es war jetzt keine Spitzenidee, in der Mittagshitze durch Bonn zu latschen, ich war nach zwei Stunden schon völlig hinüber. Dermaßen gestärkt fuhr ich dann mit der Straßenbahn in die Rheinauen.

Die Rheinauen sind wirklich nett. Ich war versucht, mir ein Tretboot zu mieten, aber knapp 10 Euro für eine halbe Stunde war mir dann doch zu üppig. Das muss man dann mal zu viert machen. Ich guckte mir stattdessen den Blindengarten, den japanischen Garten sowie ein paar Skulpturen an. In einem Ausflugsrestaurant stärkte ich mich ein weiteres Mal und fuhr dann wieder nach Hause.

Ein kurzer, netter Ausflug, um die ehemalige Bundeshauptstadt mal besser kennenzulernen. Bonn konnte nach dem Krieg einiges besser als Köln, und das hat sich bis in die Neuzeit gehalten. Natürlich stößt man auch hier nicht ständig kleine Schreie der Verzückung aus, aber es ist ein sehr hübsches Städtchen mit netten Fußgängerzonen, schönen Parks und einer ansprechenden Außengastronomie.

So, allen noch einen schönen Restsonntag und bis denne, gelle? Euer

Das Unbekannte im Bekannten entdecken: Ein ungeplanter Tagesausflug nach Köln

Ihr Lieben,

das war wieder einmal ein schönes Wochenende, auch wenn nicht alles nach Plan verlief. Samstag kam Elke schon nachmittags vorbei, wir wollten am Rhein ein wenig spazieren gehen und im Fischerhaus etwas essen und trinken. Die Portionen dort sind ja riesig, wir haben nicht alles geschafft. Kurz hatte ich überlegt, mein Holsteiner Schnitzel in XXL zu bestellen, aber der Service riet mir dringend davon ab. Gottseidank, sag ich da nur. Die Sonnenblumenfelder in Poll haben ihre beste Zeit leider schon hinter sich, aber der Spaziergang war dennoch schön. Rechtzeitig vor dem Gewitter haben wir es dann auch noch nach Hause geschafft.

Sonntag dann war ich am späten Nachmittag mit Rolf verabredet, der ja nach Barcelona auswandert. Da dachte ich, ich nutze den Tag, um mit der Regionalbahn nach Bad Honnef zu fahren, wo ich nach meinem Kenntnisstand noch nicht war. Am Deutzer Bahnhof fand ich dann aber bürgerkriegsähnliche Zustände vor. Die Bahn kam zwar pünktlich, war aber schon brechend voll. Die in Deutz Zusteigenden bemühten sich nach Leibeskräften (!), auch noch in den Zug zu passen. Und da kennt der Deutsche ja nix! Ich wartete noch 5 Minuten auf eine Bahn ins Siegerland, aber da sah das nicht anders aus.

Der Tagesausflug war schon im Ansatz gescheitert. Da ich aber nun schon in Deutz war, verlegte ich ihn halt nach Köln. Ich lief die Hohenzollernbrücke rauf und runter und fuhr zwischendurch auf die Aussichtsplattform des KölnTriangle (5 Euro und 30 Sekunden Liftfahrt für 28 Etagen). Der Ausblick von dort ist fantastisch!

Mir fiel ein, dass es an der Bastei ein Mettbrötchenfestival geben sollte. Durch einen ellenlangen Flohmarkt am Rheinufer lief ich dorthin, kaufte bei einem Wurstmacher ein und fand an der Bastei… nix! Da war immer noch Flohmarkt, kein Mett in Sichtweite. Ich traf aber auf ein paar andere Menschen, die ebenfalls enttäuscht waren, dass die Veranstaltung noch nicht einmal abgesagt wurde. Ich lief zurück in die Innenstadt und strollte ziellos durch die Altstadt, stolperte am Hänneschen-Theater in ein kleines Fest und entdeckte Gassen und Hinterhöfe, in denen ich wahrscheinlich noch nie war. Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, versuchte ich ein Plätzchen vor einem Restaurant am Rhein oder am Alter Markt zu finden. Leider waren alle Terrassen total verqualmt. Ist rauchen wieder hip? Ich dachte, die Leute haben alle kein Geld mehr! Ich suchte ein abgelegenes Systemrestaurant auf, wo ich eine wagenradgroße Pizza bekam, die wirklich gar nicht schlecht war.

Dann war es auch schon soweit, Rolf zu treffen. Wir pichelten uns in den Abend hinein. Ich hatte einen kleinen sentimentalen Anfall, als mir klar wurde, dass er jetzt wirklich wegzieht. Naja, wir sehen uns Ende Oktober auf dem Nil wieder und bei meiner Spanienrundreise im Dezember werde ich auch Halt in Barcelona machen. Das war trotz der Abschiedsstimmung ein schöner Ausklang. Weniger schön war, dass dann 50 Minuten (!!!) keine Bahn mehr für mich fuhr, was mir einen sehr langen Spaziergang nach Hause bescherte. Ich muss jetzt mal abschweifen und mosern: Die KVB hat beschlossen, dass meine Straßenbahnlinie tagsüber im 20- bis 50-Minutentakt oder eben auch gar nicht fährt. Selbst abends nach der Arbeit warte ich manchmal bis zu 45 Minuten! Da wünscht man sich gelegentlich doch seine Cora zurück. SO jedenfalls geht Verkehrswende nicht.

Alles in allem war es trotz des ungeplanten Verlaufs ein schönes Wochenende. Auch als hundertjähriger Bewohner Kölns kann man noch eine Menge entdecken. Zwischendurch habe ich auch immer wieder bekannte Gesichter gesehen und einen kleinen Plausch gehalten. Köln ist halt auch ein Dorf.

Liebe Grüße und allen einen guten Wochenstart, Euer

P.S.: Der Bericht ging erst heute online, weil – auch nicht geplant – ich gestern zuhause keine Internetverbindung hatte und zu faul war, das technisch anders zu regeln 🙂

Wir haben sie gerettet und gehen davon aus, dass sie noch ihren Enkeln von diesem Aperol-Bad erzählen wird.

Wochenendgeschichten

Ihr Lieben,

manchmal gibt es so Tage… Samstagmorgen bin ich nach seltsamen Träumen hochgeschreckt und dachte, es wäre schon Mittag. Aber es war erst 9 Uhr. Wow. ich machte mir Kaffee und Rührei, las die Nachrichten und erhielt um etwa 11 Uhr die Mail, dass eine Weinlieferung in der Packstation sei. Diesmal sogar in der richtigen. Vorgestern erhielt ich nämlich eine Nachricht, dass ich eine andere Bestellung in einer Packstation abholen könne, die sich leider 20.000 Meilen unter dem Meer (Idee: J. Verne) befindet.

Ich meine Mietwagen-App aufgemacht und zu meiner großen Freude gesehen, dass der Kilometer heute nur 1 ct. kostet. Na, das kann man ja mal ausnutzen. So holte ich den Wein ab, machte einen Großeinkauf und begab mich sogar zum Baumarkt, um einen Absperrhahn zu kaufen, um einen defekten in der Küche zu ersetzen. Insgesamt habe ich dann, weil man bei der Firma fürs Tanken mit Guthaben belohnt wird, für das Auto alles in allem nur etwa 3 Euro bezahlt (Mietgebühr und Parkzeit mit eingerechnet). Aber an einem Samstag zum Baumarkt zu fahren erwies sich im Nachhinein als ziemlich dumm. Auf dem Parkplatz spielten sich Szenen wie aus dem wilden Westen ab. Fehlte nur, das geschossen wurde.

Im Baumarkt erstaunlich viele Berater. Die vom Sanitär schickten mich zu Eisenwaren, die zu Werkzeugen und die zum Sanitär. Aber immerhin gab es welche. Zuhause stellte sich dann aber heraus, dass man mir das falsche Teil verkauft hatte.

Am Abend buk ich dann noch ein paar sehr einfache Nussstangen: Hefeteig aus dem Kühlregal auf einem Backblech ausbreiten, mit dem Mixer weiche Butter, Zucker und die schokolierten Nüsse vom Albert-Süd zermantschen, draufschmieren und ab in den Ofen. Kam aber gut beim Männertreffen der Diepolders an.

Das war dann am Sonntagnachmittag bei den ältesten Neffen in Grevenbroich und sehr nett. Hier zeigte sich nur mal wieder, das man ohne Auto logistische Probleme hat, mein Bro musste mich am Bahnhof abholen, da der nächste Bus erst gefühlt zum Tag der deutschen Einheit erwartet wurde.

Alles in allem aber ein beschauliches Wochenende, das jetzt mit Wein und Huhn aus der Röhre ausklingt.

Allen morgen einen guten Wochenstart!

Liebe Grüße, Euer

Doradenfilet auf scharfem Reis

Ihr Lieben,

mir fällt heute kein vernünftiger und griffiger Titel für das Essen ein. Das muss den 550° im Dachgeschoss geschuldet sein. Wie, übertrieben? Neinneinnein, exakt 550°Ra habe ich gemessen, das ist die in 1859 vom Engländer William Rankine vorgeschlagene Temperaturskala.

Ich nahm vietnamesischen Klebreis, wusch ihn gründlich und ließ ihn eine Stunde einweichen. Dann kochte ich ihn in anderthalbmal so viel Brühe.

Danach setzte ich eine Marinade aus Sesamöl (sparsam!!!), Sojasauce, Reisessig, Pfeffer, Zucker, Chiliflocken an und rieb einen Zentimeter Meerrettich, eine Karotte, etwas Ingwer und etwas Knoblauch hinein und gab noch eine halbe gewürfelte grüne Paprika sowie ein halbes Dutzend halbierte Kirschpaprika dazu.

Während man den Reis solange kocht, bis er die richtige Konsistenz hat (ggf. etwas Wein angießen), salzt und pfeffert man die Doradenfilets, spritzt etwas Zitronensaft darüber und brät sie sehr kurz scharf auf der Hautseite an. Den FAST garen Reis vermischt man zuerst mit einem Gramm Safranfäden, die man im Mörser mit etwas Öl und Salz aufgestoßen hat, dann mit dem marinierten Gemüse, gibt ihn in eine Auflaufform, legt die Filetstücke mit der Haut nach oben darüber und stellt das ganze für etwa 3 Minuten in den auf 190°C (ja, diesmal Celsius, sonst wären es 830°Ra) vorgeheizten Ofen unter den Grill. Auf tiefen Tellern anrichten und mit Deko verzieren (in meinem Fall Chilifäden und in Streifen geschnittene Basilikumblätter).

Kann man sehr gut essen :-). Tipp: Nicht den Fisch mit Reis zusammen essen, sondern immer abwechselnd, dann hat man den sanften Fisch in besserem Kontrast zu dem würzigen Reis.

Viel Spaß beim Nachkochen!

P.S.: Hinterher ist man immer einen Tacken schlauer: Ich würde beim nächsten Mal den Ofenteil weglassen und die Filets hautkross angebraten (vorher dezent eingeschnitten) direkt auf den fertigen Reis geben und dann auch das Foto mit Haut nach oben schießen. Aber geschmacklich ist das für mich auch so der Hammer!

Leaving Leuven

Ihr Lieben,

man hat im Hotel wohl meinen gestrigen Blogeintrag gelesen, denn das Spiegelei war heute eine Tränen in die Augen treibende Prachtkreation. Nur mit dem nicht-schalen Sekt, das müssen sie noch lernen… 🙂

Schon der belgische Häuptling der Bellovaker, Correus, wusste: Wo es einen großen Beginenhof gibt, da gibt es auch einen kleinen. Den suchten wir dann nach dem Frühstück auf. Dieser besteht aus nur einer Straße, die aber wie die große Schwester auch Würde und Ruhe ausstrahlt. In der Nähe steht die große Sint-Geertruikerk, die mit mächtigen Glockenschlägen auch die letzte Schlafmütze im Umkreis von 50 Kilometern aus dem Bett scheuchte. Über dem Viertel waberte ätherischer Gesang, von dem wir jetzt nicht sicher sagen konnten, ob das ein Kirchenlied oder eine keltische Beschwörungskantate war.

Auf dem Weg zu den kleinen Beginen haben wir dann auch in den Straßen und Gässchen die Geschäfte gefunden, die wir bisher vermisst hatten. Boutiquen, Delikatessen, Tinneff. Nur Souvenirgeschäfte gibt es keine. Nicht ein einziges! Ich war deswegen sogar in der Touristeninformation, um nachzuforschen. Nein, nichts, nada, niente, nitschewo! Ich meinte zu dem Mann hinterm Tresen, dass sich da ja eine Geschäftsidee auftäte, aber er erwiderte lakonisch, dass die Stadt einfach zu klein sei. Ich denke aber noch darüber nach. Wer gibt mir Startkapital und erklärt mir das Geschäftsleben?

Als wir gestern so durch die Sträßchen strollten, kam uns ein Pärchen entgegen, das etwas in unsere Richtung radebrechte, was wie „Where are you from?“ klang. Ruth krähte fröhlich, das wir from Germany wären, was das Paar sichtlich irritierte. Es stellte sich heraus, dass sie den botanischen Garten suchten. Wir konnten ihnen den Weg weisen und kamen lange nicht mehr aus dem Lachen heraus. Heute machten wir uns dann selbst dorthin auf. Der Eintritt ist frei, der Garten ist nicht zu groß, aber mit Bedacht ein wenig verwildert angelegt. Seeehr sehenswert. Es gibt Obstgärten, Gewächshäuser, Kräutergarten, Teiche und und und. Eine kleine Wohlfühloase inmitten der Wohlfühlstadt.

Es war Zeit, uns vor der Rückfahrt noch einmal zu stärken. Auf dem Alten Markt war es uns zu laut, man baute immer noch die Bühnen und Absperrungen des Festivals ab. Wir liefen zum Großen Markt, wo wir ein Restaurant bemerkten, dass deutlich besser besucht war, als die anderen. Wir ließen uns nieder und vom Kellner beraten, was man denn so hier essen müsse. Nudeln aus dem Wok, wurden wir beschieden. Naja, klang jetzt erst einmal nicht so spektakulär, aber ich bestellte sie und es war wirklich ein Gedicht! Also, klare Empfehlung für das Restaurant „Agora“. Man sitzt schön, der Service ist total nett, das Essen eine Wucht!

Wir machten uns auf Richtung Hotel. Ich bin zwar Mitglied im Pentahotel&Friends-Club, was mir gestattet hätte, erst um 15 Uhr auszuchecken, aber mein Zug fuhr ja auch irgendwann und die Damen mussten ja ebenfalls noch eine kleine Strecke fahren. Die Tage zuvor kamen wir mehrmals an einer Eisdiele nahe des Hotels vorbei, vor der immer endlose Schlangen standen. Eine Recherche im Internet ergab, dass sie scheinbar zu den TOP-Eisdielen der Welt zählt, und so waren wir dankbar, dass wir kurz vor Abreise dort vorbeikamen und nur ein paar Personen anstanden. Spontan kauften wir uns je eine Kugel und diese war riesig und saulecker! t’Galetje heißt der Laden.

Ja, und dann war schon die Zeit für den tränenreichen Abschied gekommen. Schluchzend lagen wir uns in den Armen, versprachen uns, dass wir zusammen den Weihnachtsmarkt in Ahrweiler besuchen würden, und dann gingen wir unserer Wege. Diesmal lief auch mit den Zügen alles wie geplant und nachmittags kam ich wohlbehalten zuhause an.

Leuven/Löwen/Louvaine ist definitiv eine kleine Reise wert, es ist eine unglaublich friedliche, schöne und ruhige Stadt mit mehr Fressbuden als Belgien Einwohner hat. Es gibt architektonische Perlen, Parks, schöne Gassen und freundliche Menschen. Das Preisniveau ist etwas höher als bei uns, insbesondere bei Getränken. An den Touri-Hotspots gibt es Kaschemmen und Perlen, da muss man halt genauer hinschauen. Mir hat es auf jeden Fall ausnehmend gut gefallen! Zwei Nächte sind auch prima geeignet, um einen nicht allzu oberflächlichen Eindruck zu gewinnen.

Danke für Eure virtuelle Begleitung und das Feedback auf allen Kanälen. Bis bald, Euer