heute mal einen Braten, da ich so selten welche mache und ich sie eigentlich ja liebe. Wir hatten früher oft Sonntagsbraten. Freitags Fisch, Samstags Eintopf, Sonntags Fleisch, das war der Wochenendhattrick. Dann montags die Reste von Samstag, dienstags die vom Sonntag und Mittwoch und Donnerstag was einfach und schnell Zuzubereitendes.
Den Braten mariniere ich schon am Samstag. Er wird – sofern erforderlich – pariert, abgewaschen und mit Salz und Pfeffer eingerieben. An Gewürzen gebt Ihr dann drauf, wozu Ihr Lust und Laune habt. Bei mir sind es die klassischen, leicht angequetschten Beeren , Stangen, Blätter und Kapseln von Tellycherry-Pfeffer, Wacholder, Kardamom, Sternanis, Koriander, Nelke, Lorbeer, Zimt. Dazu ein paar Knoblauchzehen. Darüber gieße ich etwas Öl, einen guten Schuss Weinbrand, darüber dann eine halbe Flasche Rotwein. Bis zum nächsten Nachmittag unter zwei- bis dreimaligem Wenden im Kühlschrank ziehen lassen. Das alles am Freitag schon vorzubereiten, schadet übrigens nicht.
Und jetzt noch der RotweinGut mariniertAnbraten
Am großen Tag in einem Bräter in reichlich Butterschmalz 10 Schalottenhälften sowie dann den abgetrockneten Braten von allen Seiten anbrutzeln. Heiße Gemüsebrühe angießen, die durchgeseihte Marinade dazu und die Lorbeerblätter, die Zimtstange und die Knoblauchzehen wieder dazugeben. Je nach Größe (1,5 bis 3 kg) für 3 bis 5 Stunden in den auf 100°C vorgeheizten Ofen geben.
Den Braten aus dem Sud fischen, in Alufolie einrollen und warm stellen. Die Sauce noch einmal durch ein Sieb passieren und im Topf aufkochen lassen. Mit Mehlbutter (oder Speisestärke) leicht abbinden und abschmecken.
Den Braten in Scheiben schneiden, mit Sauce begießen und alles mit Spätzle oder Knödeln und Gemüse oder Salat servieren.
ich bin weiß Gott nicht katholisch, aber ich nutze die Freitagstradition des Fischessens gerne dazu, auch mal Abwechslung auf meinen sehr fleischlastigen Speiseplan zu bringen. Heute gibt es eine Forelle, deren Zubereitung nicht einfacher sein könnte:
Die küchenfertige(n) Forelle(n) werden abgespült, innen und außen gesalzen und gepfeffert, der Bauch wird mit Salzzitronenstücken, Basilikumblättern und Knoblauchzehen gefüllt. Alles mit ein bisschen Ras-el-hanout würzen. Dann etwas Weißwein angießen und Butterflocken drüber. Süße Kirschtomaten putzen, waschen und gesalzen, gepfeffert, gechillit und gezuckert mit in die Auflaufform geben.
Ab in den auf 200°C vorgeheizten Ofen für ca. eine halbe Stunde. Dann werden Teile der Haut kross und das Fleisch ist dennoch saftig und zart. Nach Herausnehmen gezupfte Salatblätter unter die Butter-Weißwein-Knoblauchsoße mischen (quasi als Dressing-Ersatz) und in der Auflaufform servieren.
Ihr wisst um meine Vorliebe für entzückende Namen von Gerichten, nicht wahr? Potjiekos heißt soviel wie Essenstöpfchen und entsprechende Gerichte werden klassisch im dreibeinigen Gusseisenkessel über Holzkohlenfeuer zubereitet. Ich glaube, dass dieser gusseiserne Topf, den die Niederländer vor 400 Jahren nach Südafrika mitbrachten, seine Renaissance im „Dutch Oven“ hat, der gerade so einen Hype erlebt.
Um es kurz zu machen: Es ist eigentlich nichts anderes als ein Schmortopf, der aber im geselligen Kreis über dem Lagerfeuer zubereitet wird. Und Variationen gibt es unzählige. Wir machen heute das ganze deutschküchig nach, da ich meiner Vermieterin bei Auszug nicht den lagerfeuerinduzierten Brandfleck auf dem Laminat erklären möchte.
Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Eintopf unserer Hemisphäre besteht in der Würzung und darin, ihn ungerührt (in beiderlei Hinsicht) einige Zeit vor sich hin schmoren zu lassen. Es ist also ein – nachdem Zwiebeln und Fleisch angebraten wurden – ruhender Schichteintopf, der lange gart. Wir machen ihn heute ohne Antilope und Süßkartoffel so:
Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Zucchini schälen und putzen. Die Zwiebeln in Öl bei mäßiger Hitze anbraten, und zwar in einem ofengeeigneten Schmortopf, bis sie ganz leicht gebräunt sind. Herausnehmen und das Fleisch anbraten. Ich wollte eigentlich Lamm haben, aber das war heute bei meinem Metzger des Vertrauens aus, da habe ich Bio-Rindergulasch genommen. Nur kurz anbraten. Darauf dann schichten: Kartoffelwürfel, Karottenwürfel, Zucchiniwürfel. Gewürze drauf. Das sind (vorher zusammengerührt) Salz und Pfeffer, Kreuzkümmel, Zimt, Korianderpulver, gepresster Ingwer, Knoblauch, Chili, Zucker, jeweils ein Teelöffel davon (bei folgenden Mengen: 800 Gramm Fleisch, 5 kleine Kartoffeln, eine Megazucchini, 4 Karotten und eine große weiße Gemüsezwiebel). Mit einem halben Liter trockenem Rotwein angießen und noch einem halben Liter Gemüsebrühe ergänzen. Dann ab in den Ofen damit. 3 bis 4 Stunden etwa bei 150°C. NICHT UMRÜHREN! Das macht dieses Gericht aus. Ab und zu mal nachsehen, ob ausreichend Flüssigkeit im Topf ist, ansonsten mit Wasser, das zuvor in Wein verwandelt wurde, nachgießen.
Wenn die Eieruhr plärrt, abschmecken (auch gerne mit Sojasauce und Zitrone), in der gusseisernen Kasserolle auf den Tisch stellen, man soll helles Brot oder Maisbrei dazu reichen (Reis ginge auch), und rumkleckern. Wir hatten Fladenbrot und es passte. Das Fleisch hätte zarter sein können, die Sauce fand ich prima.
Warum es kein Foto vom fertigen Gericht gibt? Äh…. vergessen und dann:
manchmal schaue ich mir gerne die Geschichte von Rezepten an; wer hat was zu welchem Zweck erdacht und wo findet man den Ursprung und dergleichen. Ja, ich weiß, aber es gibt auch noch viel seltsamere Hobbys.
Wenn ich im Restaurant Nizza-Salat bestelle, ist es jedes Mal ein anderer. Manchmal gleicht das auf dem Teller eins zu eins einem griechischen Choriatiki, manchmal wird einfach eine Dose Thunfisch auf lieblos arrangierte Salatblätter gestürzt, garniert mit dem zerfallenen Achtel eines zu hart gekochten Eis.
Ich habe gelesen, dass der ursprünglichste Salade Niçoise einfach nur aus Tomatenvierteln, die mit Anchovis garniert sind, besteht. Dazu etwas Olivenöl. Einer der ersten, der ein Rezept schriftlich festhielt, war mein verehrter Auguste Escoffier (jetzt mal nicht meine Küchenmaschine gleichen Namens). In seinem Guide Culinaire legt er – wie üblich in seinem Küchenstenografieton – fest:
Aus Escoffiers „Guide Culinaire“ von 1903
Ihr müsst zugeben, dass dies jetzt nicht vor akribisch erklärter Zubereitungsmethodik sprudelt. Ich schildere etwas ausführlicher, wie ich das nachzumachen gedenke und werde auch noch zwei Zutaten dazu mogeln. Schande über mein Haupt.
Ich koche ein paar mittelgroße Kartoffeln in der Schale, lasse sie abkühlen, pelle sie und schneide sie in Würfel. Eine große Handvoll grüner Bohnen koche ich mit etwas Natron (das soll die Farbe erhalten), schrecke sie kalt ab (auch das soll die Farbe erhalten) und schneide sie in etwa so große Stücke wie zuvor die Kartoffeln. Die Tomaten wasche und putze ich und achtele sie. Alles arrangiere ich nett auf einem Teller mit Kapern, schwarzen Oliven und Anchovisfilets. Ich mogele wie angekündigt noch Eierviertel und ein paar Zwiebelstreifen dazu.
Angemacht wird das ganze (bei mir) mit einer einfachen Vinaigrette: 2 EL Öl, 1 EL Weinessig, Salz, Pfeffer, Zucker und ein TL Senf, damit sich Essig und Öl besser verbinden, sowie einen Schluck Wasser kräftig in einem geeigneten Behälter schütteln.
Und das war es dann auch schon. Natürlich steht es jedem frei, einen Nizzasalat mit Rotkohl, Erbsen, Räucherlachs und Feta zu machen (nein, so wild habe ich es dann doch noch nicht aufgetischt bekommen), aber ich mag dieses etwas bodenständige Original mit den Bohnen und Kartoffeln sehr.
Ich bin bekennender Cocktail- und Longdrinkliebhaber. Was nicht heißt, dass ich von früh bis spät am Strohhalm nuckle. Aber ein- bis zweimal pro Woche hatte ich mir mal einen Aperol oder einen Mai Tai in meinen bevorzugten Restaurants und Bars gegönnt. Und dann kam Corona.
Kurz: Ich stockte meine Barvorräte etwas auf und zaubere mir seitdem daheim mehr oder weniger gelungene Kopien klassischer Cocktails. Manchmal schütte ich einfach nur zusammen, was mir passend erscheint.
Hier ein paar meiner Versuche (fast alle für 2 Personen), die neueste Kreation steht dann immer oben:
Poller Pflaume
(Eigentlich müsste es Schwarzwälder Pflaume heißen, den Schnaps habe ich in Staufen gekauft…)
Eine (ungesüßte) Pflaumenhälfte aus der Dose in ein Cocktailglas geben, einen Schuss Zibartenbrand (das ist eine wilde Pflaumenart) darüber und mit Sekt auffüllen.
Das geht natürlich genau so gut mit Kölner Kirschen, Merheimer Marillen oder Ehrenfelder Erdbeeren. 😉
Agua de Valencia 200 ml frisch gepresster Orangensaft mit 4cl Gin, 4cl Wodka und 2cl Zuckersirup auf Eis shaken. Zu gleichen Teilen in 2 Gläser mit Eiswürfeln und Orangenstückchen abseihen und mit je 100 ml Sekt aufgießen.
Spanisches Sommerfeeling garantiert!
Frozen Pineapple Margarita Zuerst wird 1 Limette ausgepresst und die Flüssigkeit abgemessen. Genau so viel Triple Sec und Zuckersirup und doppelt so viel Tequila abmessen. (bei mir 40/40/40/80ml)
In einen Shaker Eis nach Belieben geben (je mehr, desto sorbetiger und leichter), dazu zwei in Würfel geschnibbelte Ananasscheiben. Mischung drüber und ab die Luzie!
In einem Glas mit Salzrand servieren.
Maibowle Auf dem Großmarkt fand ich Ende der Woche ein Töpfchen mit Waldmeister, auch Maikraut genannt. Daraus lässt sich prima eine Maibowle zaubern, die von dem Fertiggesöff geschmacklich doch sehr weit entfernt ist. Wichtig ist angeblich, keine blühenden Pflanzen zu verwenden. Auch sollte das Kraut nicht im Übermaß verzehrt werden.
Man schneidet 5 bis 6 Stängel vom Maikraut ab und lässt es kopfüber für 2 Tage welken. Dann schüttet man kühlen Wein (mein Favorit für Bowlen aller Art ist Müller-Thurgau) in eine Karaffe, rührt 3 Esslöffel Zuckerrohrsirup unter (oder süßt den Wein anders) und hängt das inzwischen intensiv duftende Kraut hinein. Ca. 1 Stunde lang.
Ab ins Glas, mit Sekt und Eis auffüllen. Frühling lässt sein blaues Band….
Erdbeer Daiquiri Erdbeerzeit ist Daiquirizeit! Für 2 Gläser 8cl weißer Rum 4cl Limettensaft 2cl Zuckersirup und 10 mittelgroße Erdbeeren. Die flüssigen Zutaten mit vieeel Eis shaken, alles (auch das Eis) mit den Erdbeeren in den Mixer und so lange röhren lassen, bis das Eis geschreddert ist. Ab ins Glas, mit Minze und Erdbeeren garnieren.
Sehr lecker, sehr sommerlich. Wenn der kommende Tag arbeitsfrei sein sollte, kann man auch etwas mehr Erdbeere und Rum und dafür weniger Eis nehmen. Dann am besten die geputztem Erdbeeren einfrieren.
Rote Ostern Mein Basilikum blüht. Das sieht doch bestimmt gut in einem Getränk aus, dachte ich mir. Ein bisschen selbstaufgesetzten Himbeerschnaps ins Glas und mit Johannisbeersaft aufgießen. Ein paar Himbeeren und die Blüte dazu. Nett anzusehen und lecker. 🙂
Whisky sour Früher mochte ich keinen Whisky. 6cl Whiskey 3cl Zitronensaft 2cl Zuckersirup und 1 Eiweiß in einen Shaker geben und kurz shaken. Crushed Ice dazu (4EL) und nochmal etwas länger shaken. Ab ins Glas, mit Zitrone garnieren und einen Spritzer Angostura Bitter drüber. Erkenntnis: Ich mag immer noch keinen Whisky.
Geschüttelt oder gerührt? Der ultimative James-Bond-Test: Was unterscheidet einen gerüttelten von einem sentimentalen Wodka-Martini? Beide Mixturen sind im Verhältnis 4:1 (Wodka zu Wermut) gemixt. Klassisch wäre – glaube ich – 5:1 (Gin zu Wermut). Beide sind sehr stark; Martinis wurden wohl für Extrem-Alkoholiker erfunden, die dies verschleiern wollen 🙂
Auflösung: Man erkennt einen geschüttelten Martini daran, dass er trüb ist. Ein gerührter ist klar. Und die Zitronenschale gibt natürlich einen anderen Geschmack ab, als eine Olive.
Man macht ja viel Buhei um den richtigen Martini, aber wisst Ihr was? Wenn Euch danach ist, eine Sardelle reinplumpsen zu lassen…. Prösterchen!
Silvesterlikörchen Etwas Erdbeersirup in eine Sektflöte, seitlich Eierlikör reinlaufen lasse, darüber etwas Kalhua, ein Pinchen Triple-Sec, alles mit Sahne aufsprühen und mit Schokoraspeln bestreuen. Wilde Mischung…. Das neue Jahr kann nur besser werden 🙂
Frosty the red-nosed Snowman Glas/Gläser mit Crushed Ice füllen, darauf jeweils: 4cl Blue Curaçao 4cl Mangaroca und mit Orangensaft auffüllen.
Es handelt sich übrigens um frische Litschis, nicht etwa um Jakobsmuscheln oder dergleichen. Erstaunt, wie lecker die sind, kannte nur die Dosenvariante aus dem chinesischen Obstsalat.
Laue Liebesnacht im Latium Ihr denkt es Euch schon: noch einmal eine Sex-on-the-Beach-Variante, diesmal aufgegossen auf Crushed Ice: Saft einer halben Limette 3cl Pfirsichlikör 3cl weißer Rum Orangensaft drauf und Grenadine durchsickern lassen.
Blue Monday (mir gehen die Namen aus 🙂 ) 4cl Tequila 4cl weißer Rum 4cl Blue Curaçao 150 ml Frischmilch auf Eis mixen und auf zwei Gläser mit je 1 Eiswürfel verteilen. Sahne darüber sprühen und fertig.
Red Cloud 4cl Melonenlikör 4cl weißer Rum 4cl Mangaroca Batida 100 ml Kokosmilch sowie den Saft einer kleinen Limette auf Eis mixen und auf zwei Gläser mit Eiswürfel verteilen. Aufgießen mit Kirschsaft und zum Schluss je einen Spritzer Grenadine rein.
Swimming-Pool -Imitat II 6cl Blue Curaçao 4cl Wodka 4cl Mangaroca Batida und 100ml Kokosmilch auf Eis shaken. Ins Glas abseihen und mit Ananassaft aufgießen. Südseefeeling!
Pink Paule 4cl weißer Rum 4cl Wodka 4cl süße Sahne 20cl Kirschsaft auf Eis shaken und auf Eis abseihen. Die Lücke bis zum Glasrand mit Kirschsaft schließen.
KiKokoCo 4cl weißer Rum 4cl Bacardi Mangaroca 4cl Wodka shaken und mit Kirschsaft aufgießen. Eis weder beim Mixen noch im Glas vergessen.
Mit Kokosrand und Beerengarnitur endlich mal wieder ein gelungenes Gesöff. 🙂
ALAAF!
Manchmal muss es einfach auch mal nur PLOPP sein… 🙂
Heidelbeerzombie 4cl 54%iger Rum 4cl weißer Rum 4cl Triple Sec
wie angekündigt, hier der Heidelbeerzombie…
… trotz des starken Unterbaus eher langweilig. Der Saft ist irgendwie … aber immerhin jetzt alle 🙂
Also, Heidelbeersaft ist so gar nicht unser Favorit. Die Drinks sind okay, aber geschmacklich doch etwas dünn. Aber der Saft muss ja irgendwie weg. 🙂
Aus dem letzten Rest werde ich einen Heidelbeerzombie machen, da fällt der dünne Saft nicht so ins Gewicht.
Green Friday 8cl Malibu 8cl Blue Curaçao auf Eis shaken, auf Eis gießen, mit Maracujasaft auffüllen.
Kokosnuss und Orange passt prima zusammen!
Caribbean Passion 4cl weißer Rum 4cl Triple Sec 4cl Malibu 2cl Orgeat shaken und mit Maracujasaft (eine Passionsblumenfrucht, daher „Passion“) aufgießen.
Die Garnitur (von unten nach oben): Weinbeere, Kiwibeere, Physalis.
Sehr lecker!
Heidelmelone 4cl Wassermelonenlikör 4cl London Dry Gin 4cl Wodka 1cl Vanillesirup mit Eiswürfeln shaken und in 2 Gläsern auf Eis verteilen, mit Heidelbeersaft aufgießen.
Maracuja Magic 4cl Pfirsichlikör 4cl Malibu 8cl Jamaica-Rum shaken auf Eis gießen und mit Maracujasaft auffüllen. Einen Schuss Grenadine rein und schwups ist man am Strand 🙂
Eilima Elke und ich haben einen running gag. Man muss jeden Tag etwas Verwegenes tun. Da kommen manchmal lustige Dinge bei heraus. Heute habe ich einfach ein kleines Glas zu einem Drittel mit Eierlikör gefüllt und dann mit Mangosaft aufgegossen. Kräftig gerührt und dann… Nein, es hat mich nicht geschüttelt, aber ein Träumchen? Ich sag mal so: Für Liebhaber 🙂
Green Mango 4cl Wodka 4cl Malibu 4cl Blue Curaçao und Saft einer Limette auf Eis shaken. Auf zwei mit Eiswürfel gefüllte Gläser verteilen, je 100ml Mangosaft auffüllen und einen Spritzer Grenadine dazu.
Brandy au lait Die Kapselmaschine einen starken Caffè Latte zubereiten lassen, einen guten Schuss Brandy hinein, ein Sahnehäubchen aufspritzen und mit feinem belgischen Kakaopulver bestreuen. Genau das richtige für verregnete Herbsttage! 🙂
Ginger Lemon 8cl Rum 8cl Wodka 4cl Zuckerrohrsirup ein daumengroßes Stück zeriebenen Ingwer shaken und auf Eis in zwei Gläsern verteilen. Mit Zitronenlimonade aufgießen. Wir sind große Fans von Ingwer im Cocktail! Das schmeckt immer gut! Die Deko ist übrigens Zitronengras mit aufgepfropftem Rosmarin. Wenn das eine neue Pflanze gibt, wird sie vielleicht nach mir benannt. 🙂
Poller Sangria „Poller Sangria“? Wat soll dat dann? Ja, Ihr Lieben, wenn man vermeiden will, dass einem jemand sagt, das die bestimmte Zubereitung eines Rezepts ja VÖLLIG FALSCH! ist, muss man sich einen anderen Namen ausdenken, ohne dabei zu verhehlen, dass es nicht die eigene Erfindung ist. Ich jedenfalls bereite diese Art Sangria schon seit 1743 genau so zu: 1 Orange filetieren, die Filets teilen. 1 Banane in dünne halbe Scheiben schneiden. Einen Apfel in kleine Würfel würfeln :-). Eine Handvoll Weinbeeren halbieren. Alles in eine Schüssel und 4cl Cointreau und 1EL braunen Zucker drüber. Verrühren und kalt stellen. Zum Verzehr auf Eis gießen und mit Don-Simon-Sangria auffüllen. Ja, das ist ein Fertigprodukt, aber das ist mein Rum ja auch (der Zuckerrohr aus meinem Garten war letztes Jahr nicht gut genug). Salud!
Brandy Giraldo Legga!!!: 8cl Osborne Veterano, 4cl London Dry Gin, 4cl Wodka, 2cl Holunderblütensirup shaken, auf zwei Gläser mit Eis seihen, mit je 150ml Erdbeersaft auffüllen. Und es ist immer noch Erdbeersaft da! Ich brauche mehr trinkfreudige Mitverkoster.
Watermelon Star Heute wurde wieder einfach drauflos experimentiert. Ich hatte Wassermelonenlikör erstanden und der musste jetzt mal ausprobiert werden. Der Ananassaft musste auch weg, daher: 8cl weißer Rum 8cl Wodka shaken und auf Eis gießen mit Ananassaft auffüllen und einen guten Schuss Wassermelonenlikör drüber. Gibt ein schönes Farbspiel und schmeckt sehr gut!
Caribbean Sunrise In zwei Gläser Mandarinensaft auf Eiswürfel gießen, etwas Platz für die Spirituosen lassen. Mithilfe eines Löffels langsam je Glas 2cl weißen Rum 2cl Malibu 2cl Blue Curaçao und 2cl Grenadine hineingleiten lassen. Bisschen stehen lassen, bis die Farben sich schön vermischt haben.
Long Island Ice Tea Es musste jetzt mal wieder ein Klassiker her. Ich habe den -glaube ich – seltenst getrunken. Ich weiß jetzt auch, warum. Die Mischung ist mir zu wild. 2cl Gin 2cl Triple sec 2cl Tequila 2cl Wodka und 2cl Rum durchshaken und auf Eis gießen. Cola drüber. Fertig. Aber wie gesagt: Nicht so wirklich mein Fall. Dann doch lieber einen Cuba Libre (Rumcola) oder wenn wild gemixt, einen Zombie. 🙂
Signature „Erika“ Nun also Erika. Gottseidank gibt es ja so Spirituosen wie „Klarer Ostfriesen-Tee“, die kann man dann für K, T und O einsetzen. Ich mochte jetzt nicht Kaffeelikör mit Erdbeersaft mischen. Den bekommen wahrscheinlich alle mit einem E im Namen, denn es gibt da nicht viel Auswahl. Eckes Edelkirsch oder Eierlikör halt.
Erdbeersaft zum Aufgießen 8cl Rum ein daumengroßes Stück geriebenen Ingwer (Saft auffangen!) 4cl Klarer Ostfriesentee 2 cl Amaretto
Signature „Petra“ Petra meldete sich auf WhatsApp, ich könne doch mal ihren Cocktail kreieren. Ich dachte sofort an Eierlikör und Rum und experimentierte ein bisschen für einen „Shot“. Leider passt zu Eierlikör nicht so rasend viel und Pfirsichlikör, Eierlikör, Ron Miel, Triple-Sec und Ahornsirup sieht zusammen auch überhauptnicht appetitlich aus. Daher Planänderung:
6cl Pfirsichlikör 6cl Triple-Sec 6cl Rum ein paar Spritzer Angostura dazu, shaken, auf Eis gießen und mit Erdbeersaft auffüllen.
Mexikanischer Mandarin Heute wollte mein Mitbewohner mal mixen. Hier das Rezept:
6cl Tequila 6cl Triple Sec 2cl Ahornsirup
Shakin‘ Stevens imitieren, auf Eis gießen und mit Mandarinensaft auffüllen. Garniert wurde mit Trauben und einer Thymiangirlande.
Erster Versuch: Guter Versuch! ?
Signature „Gerald“ Gestern kam ich auf die Idee, Cocktails aus Namen zu kreieren. Zuerst habe ich mir mal etwas für meinen eigenen Namen ausgedacht. War nicht einfach. Eierlikör und Gin Tonic? PUH! Und was gibt es mit „D“? Datteln? Dörrfleisch? Duschdas? Ich fand eine Lösung. Los geht’s: 4cl Grenadine, 6cl Rum (weiß), 4cl Ahornsirup, Saft einer Limette, 6cl Dry Gin. Auf Eis shaken, in Gläser mit Eiswürfeln füllen und mit Erdbeersaft aufgießen. Minze passt als Deko prima zu Erdbeere. Sehr lecker. Wer will auch gesignatured werden? 🙂
Gerrykiller Heute sollte mal Brandy in den Cocktail. Da aber reine Alkoholcocktails wie Sidecar mich stante pede umhauen, musste es auch etwas mit Saft sein. Ich stieß auf den „Ladykiller“, den ich aber dann doch abwandelte. – 4cl Blue Curaçao – 4 cl Osborne Veterano – 4cl Pfirsichlikör und – 4cl London Dry Gin mit Eis shaken und mit Ananassaft-Saft aufgießen. Mit Minze dekorieren.
Sehr süffig mit Killerqualitäten! *hicks*
Sex op dä Poller Wiese 4cl Rum, 4 cl Pfirsichlikör, 4 cl Wodka mit Eis shaken. Auf zwei beeiswürfelte Gläser verteilen und je 8 cl Ananas- und Cranberry-Saft darüber. Minze rein. Nicht ganz original, aber lecker.
Lila Laune-Beere Heute war mir nach lila, also ab in die Giftküche und – 6cl Blue Curaçao – 6 cl Malibu und – 2cl Rohrzuckersirup shaken und mit – 16cl Cranberry-Saft aufgießen. Dekorieren und gute Laune bekommen.
(auf dem Bild sieht es dunkler aus, als es war 🙂 )
Long Cosmopolitan (meine persönliche Abwandlung vom Klassiker) 6cl Wodka 4cl Cointreau 4cl Limettensaft mit Eiswürfeln shaken und auf zwei Gläser mit je zwei Eiswürfeln verteilen. Den Rest des Glases je zur Hälfte mit Cranberry-Saft und Soda aufgießen. Herb und frisch!
Poll Pride Ich wollte unbedingt mal einen Schichtcocktail hinbekommen. Dies ist Versuch Nummer 1: 2 Eiswürfel ins Glas, Maracujasaft bis Oberkante Eiswürfel, in die Mitte 2cl Grenadine, darauf vorsichtig 2cl Blue Curaçao, etwas Mineralwasser, 2 cl Wodka, noch einmal 2cl Blue Curaçao. Wenn man es umrührt sieht es allerdings nicht mehr so schön aus. Schmeckt aber trotzdem gut 🙂
Green Almond Für den Mai Tai hatte ich vor einiger Zeit Orgeat besorgt, einen Mandelsirup. Ich wollte mal wissen, wie der in anderer Kombination wirkt: in den Shaker kommen zwei Eiswürfel 1cl Orgeat 4cl Blue Curaçao 4cl Malibu – shaken und umfüllen, dann mit Ananassaft aufgießen.
Big Ben Ich suchte nach Cocktails mit Bitter Lemon und fand „Big Ben“, einen scheinbaren (mir aber bis dato unbekannten) Longdrinkklassiker: 10cl London Dry Gin, 4cl frisch gepressten Zitronensaft, 8cl frisch gepressten Orangensaft und 2cl Grenadine mit viel Eis in einem Shaker Disco tanzen lassen. Auf zwei Gläser mit Eiswürfeln verteilen und mit je 10cl Bitter Lemon auffüllen. Sehr sommerlich-frisch-säuerlich.
Mokka-Tee-Cocktail In jedes Glas kommen zwei dicke Eiswürfel. Auf diese gießen wir: je 4cl Mokka-Likör 2cl Ostfriesentee-Likör sowie 100ml kalte Milch. Das ganze wird mit einem Sahnehäubchen gekrönt und mit Zimtzucker bestreut. Denn man Prost, nech?
Vanodka-Tonic Da ich Vanille-Sirup vorrätig habe, wollte ich auch damit mal einen Cocktail machen. Eigentlich hätte Rum ja gut gepasst, aber ich wollte mit Tonic auffüllen, da ich eine angebrochene Flasche davon hatte. Hier meine Idee: Je 2 Eiswürfel in die Gläser. Mit je 4cl Wodka auffüllen, einen Teelöffel Vanille-Sirup darüber und mit Tonic Water aufgießen. Dann einen Schuss Grenadine hineinlaufen lassen – wegen der Farbe. Die Rosmarin-Verzierung passt vom Duft her prima. Salute!
Masala Chai Cocktail Zuerst habe ich einen kalten Masala Chai zubereitet. Dafür habe ich 5 Teebeutel Schwarztee mit 5 Teelöffeln Masala Chai Mischung in einem Liter Wasser aufgekocht und mit einem Liter heiße Milch aufgegossen. Da hinein 5 Esslöffel braunen Zucker und diesen durch Umrühren auflösen lassen. Von diesem gekühlten Tee habe ich 300 ml in einen Shaker mit Eiswürfeln gefüllt, 4 cl Cointreau und 6cl braunen Jamaika-Rum dazu sowie 2cl Zuckerrohrsirup. Shakin‘ Stevens imitiert und ab mit je zwei Eiswürfeln in Gläser. Ich fand es ganz okay, werde damit aber noch experimentieren. 🙂
TeLiBaZuGra Jau, Ihr Lieben. Heute habe ich einfach mal unüberlegt eine Zutat nach der anderen zusammengemischt. Einen vernünftigen Namen dafür habe ich nicht. Pro Glas je 4 Achtel Limetten ins Glas darauf einen Esslöffel Rohrzucker. 4 bis 5 Basilikumblätter dazu, mit einem Stößel quetschen, bis gut Flüssigkeit ausgetreten ist. Darauf viel crushed Ice, und mit je 4cl Tequila aufgießen. Mit Grapefruitsaft (wir hatten Granini) aufgießen und mit Basilikum garnieren. Hat ein bisschen was von einer Art Basilikummojito. Motto: Sauer macht lustig!
Mangoçao Der Name dieser Improvisation lässt sich prima zum Song „Bamboleo“ schmettern! Eine reife Mango schälen, Fruchtfleisch in Stücke schneiden, ab in den Standmixer. Dazu kommen 4 Eiswüfel 8cl weißer Rum 4cl Blue Curaçao Saft einer Limette 12cl Orangensaft Knopf drücken!!!
Banana-Colada Die Banane sollte eher matschig als unreif sein! 1 Banane 8cl Malibu 4cl Bacardi white 4cl Schlagsahne 2cl Zuckersirup mit Eis im Mixer pürieren Ab ins mit crushed Ice gefüllte Glas und mit Ananassaft aufgießen.
Wenn man mal Gäste hat…. jeder durfte sich einen Cocktail bauen. Dann kommt so etwas bei raus!
Ingwer-Cocktail mit Gin In einen Shaker 2 Eiswürfel 8cl Gin 4cl Zitronensaft 2cl Zuckersirup und 1 gehäuften TL geriebenen Ingwer geben und schütteln, bis die Hände frieren. In mit crushed ice gefüllte Gläser abseihen und mit Ginger Ale auffüllen.
Mein Tai Kommt schon nah an einen Mai Tai dran. Reklamationen bitte an meintai@istmiregal.de 6cl Jamaica-Rum 40% 2cl Cointreau 1cl Mandelsirup 1cl Zuckerrohrsirup mit zerstoßenem Eis im Shaker mixen, in Gläser füllen und mit 20cl Orangensaft auffüllen Genießen!
Mit weißem Rum und Blue Curaçao sieht der dann übrigens so aus:
Kokonas Piña-Colada-Fake 🙂 3 Scheiben frische Ananas 4cl Bacardi 4cl Malibu 4cl süße Sahne und 2cl Zuckerrohrsirup durchmixen, in Gläser auf Eiswürfel füllen, mit Ananassaft aufgießen.
Mojito – ein Klassiker pro Glas 4/8 einer Limette zerdrücken, Saft einer Limette hinzugeben 4-5 Minzblätter dazu 1 gehäufter EL brauner Zucker drauf, zerstoßenes Eis bis zum Rand des Glases und mit weißem Rum auffüllen.
hier schon etwas derangiert, ich habe vergessen, den Drink frisch zu fotografieren…
Erdbeer-Daiquiri 1 Dutzend geputzte Erdbeeren in den Standmixer Saft einer Zitrone, 2 gehäufte Esslöffel Rohrzucker, 8 zerstoßene Eiswürfel und 10cl weißen Rum dazu. Mixen, ins Glas, mit Minze oder Basilikum verzieren.
Bei einer Wiederholung habe ich mal ca. 5 Basilikumblätter mit in den Mixer geworfen. Das fand ich extrem lecker!
Rheinufer (angelehnt an Swimming Pool) So lecker, dass man drin baden möchte! Aber wie beim Vater Rhein ist das gefährlich. 4cl Blue Curaçao 8cl weißer Rum 5cl Kokosmilch 5cl süße Sahne 12cl Ananassaft Mixen und auf Eis gießen.
Aperol Spritz Oh Gardaseeeeeeeeeee!!!!!!!!!!!!! Dicken Eiswürfel ins Glas, 4cl Aperol drauf mit Sekt auffüllen (für die harmlosere Variante kann beliebig viel Sekt durch Soda ersetzt werden), Orangenscheibe rein. Lekka auch mit Campari statt Aperol!
Long Island Water Melon Nichts für ungeduldige Menschen. Wegen der Kerne. Ein Achtel Wassermelone, kernbefreit und vorgekühlt 4cl Jamaika-Rum 40% 4cl Wodka 4cl Gin 4cl Cointreau 2cl Zuckerrohrsirup 4 Eiswürfel Alles in den Mixer und ab die Luzie!
Tequila Sunrise
Dieser Cocktail heißt Sunrise, weil man ihn morgens direkt nach dem Aufstehen zu sich nehmen sollte. Die Welt wird dadurch bunter.
Zwei große Gläser zu je zwei Dritteln mit Crushed Ice befüllen. Bis zum Eisrand mit Orangensaft aufgießen, je den Saft einer halben Zitrone drüber. Dann in beide Drinks einen Schuss Granatapfelsirup (Grenadine) in die Mitte, der rote Sirup setzt sich besonders gut unten ab, wenn man ihn an einem Löffelstiel o.Ä. entlanglaufen lässt. Dann zur Krönung obenauf je 4cl Tequila. So erhält man ein nettes, an Sonnenaufgang erinnerndes Farbenspiel.
White Russian Eiswürfel ins Glas, darauf je 4cl Eiskalter Wodka plus 2cl Kaffeelikör (im Original Kalhua, ich nahm Keuck Mokka) mit Milch oder leicht angeschlagener Sahne nach Geschmack aufgießen. На здоровье!
Baby Blue 4cl Blue Curaçao 4cl Malibu 4cl weißer Rum und 12cl weiße Milch 🙂 mit Eis shaken und in zwei Gläser mit je zwei Eiswürfeln abseihen.
ich bin wieder hier, in meinem Revier…. Heute früh habe ich noch schnell das Goethe-Schiller-Denkmal besucht, das ist mir gestern völlig durchgegangen, lief einmal um das Schloss Belvedere herum und schaute mir auf fast halber Strecke noch Alsfeld an. Lutherstadt. Wer hätte es gedacht? War nett dort, zumal gerade ein Riesen-Tamtam gemacht wurde wegen irgendeines Laufereignisses.
Es hat die ganze Zeit abwechselnd geschüttet und klarte dann wieder auf. Ich hatte Glück, dass ich immer in eine Regenpause kam, wenn ich irgendwo aussteigen musste oder wollte.
Zahlen? 15 Städte, 7 Hotels, 6 mal Frühstücksei unterschiedlicher Qualität :-), zweieinhalb Tankfüllungen für knapp 1.400 Kilometer Strecke. Mehrere Biere und ein Mitbringsel, nämlich Spielkarten aus Altenburg. 1 sehr lieben Freund getroffen. Ca. 20 Parktickets und fast ebenso viele Eintrittskarten (und man nimmt gerne viel und auch gerne noch mal extra für eine Fotografiererlaubnis). Zwei Stadtführungen. 7 Brötchen, die allesamt total lecker waren. Wieso bekomme ich im Rheinland nicht so gute Qualität?
Rangfolge der Städte: 1. Platz: Erfurt, Weimar, Wittenberg 2. Platz: Alsfeld, Eisenach, Gotha, Marburg 3. Platz: Gera, Halle, Leipzig, Torgau Der Rest hat es nicht ganz aufs Treppchen geschafft.
Würde ich die Luther-Reise wieder machen? UNBEDINGT! Ich würde mir aber mehr Zeit in den topplatzierten Städten nehmen und z.B. Eisleben und Mansfeld maximal für je 30 Minuten anfahren (es sei denn, man möchte in das beste Hotel der Reise :-))
Und was kommt jetzt? Ein kleine Kurzreise über das letzte Septemberwochenende vielleicht, am 8. Oktober ein Tagesausflug in die Niederlande (unsere Bilder sind bereit zum Abholen) und im Dezember zum Relaxen auf die Kanaren.
Schön, dass Ihr dabei wart. Bleibt gesund und munter und immer neugierig!
Reformation, Reformation, Reformation, überall! Auch in Gera, Jena, Weimar. Aber ganz ehrlich, jetzt hat es sich ausgeluthert. Jetzt ist mehr Lotte als Luther angesagt. Aber wie üblich von vorne…
Ich gehe davon aus dass ihr ausführlichst über mein Frühstücksei… Wie, nein? Also wirklich. Nee, jetzt braucht ihr auch nicht betteln.
Mein erster Halt galt den „roten Spitzen“, die hatten wir gestern in Altenburg nicht mehr geschafft. Die roten Spitzen sind das Wahrzeichen von Altenburg, was sich mir nicht ganz erschließt. Altenburg verfügt über ein Schloss in der Größe von 3000 Fußballfeldern und wählt als Wahrzeichen einen Doppelturm mit unterschiedlichen Mützen auf. Wenn das nicht mal Understatement ist.
Weiter ging es nach Gera, wo ich ziellos durch die Altstadt streunte. Das Zentrum ist ganz nett, es ist eine typische mitteldeutsche Stadt, alte und neue Bausubstanz wild durcheinander gemischt. Auch hier einiges an Leerstand und einiges dem Verfall preisgegeben. Gestern bei der Stadtrundfahrt in Leipzig habe ich aber gelernt, dass das nicht unbedingt mit Spekulation zu tun haben muss, sondern dass oft die Eigentumsverhältnisse völlig ungeklärt sind. Auch nicht besonders in Schuss ist das bei Gera liegendes Schloss Osterfels, das ich danach ansteuerte. Aber man hat einen sehr schönen Ausblick über die Weiße Elster hinweg nach Gera.
Da das Wetter immer unbeständiger wurde, es regnete dauernd, ließ ich eine ausführliche Besichtigung von Jena aus und entschied mich stattdessen, dort nur das Gartenhaus von Schiller zu besuchen. Das war ganz hübsch. Ich möchte auch einen Gartenhäuschen! Mit Bediensteten und Köchen und einem Gärtner.
Das letzte Ziel meiner Reise, Weimar! Einfach nur schön! Obwohl ich im Regen ankam. Ich fuhr sofort in ein Parkhaus beim Goethehaus, denn was kann man bei Regen Besseres tun, als ein Museum zu besuchen? Jetzt ist es ja so, viele dieser Museen, das Bachhaus, die Lutherstube, das Goethe-Wohnhaus, Schillers Gartenhaus… es sind ja mehr oder weniger Museen, die überhaupt nicht darstellen, wie unsere Komponisten, Dichter und Denker gelebt haben. Ich möchte auf jeden Fall nicht glauben, dass Luther von sich selbst 300 Büsten in seiner Wohnstatt aufgestellt hat. Aber wie ich schon zum Bachhaus in Eisleben bemerkte, es ist schon etwas Besonderes, den Fußstapfen dieser berühmten Personen zu folgen. Und ganz unlehrreich sind die Besuche ja nun auch nicht.
Inzwischen war die Sonne wieder durchgekommen, daher entschloss ich mich zu einem kleinen Stadtrundgang. Ich kam am Schillerhaus vorbei, lief über den Rathausmarkt, besuchte die Bastille – wo ich erfuhr, dass Johann Sebastian Bach einmal vier Wochen wegen Halsstarrigkeit eine Haftstrafe absitzen musste, der alte Schlingel – erkundete den Schlosshof, und wollte anschließend die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek besichtigen. Man beschied mir, dass die Führungen und Einzelbesuchstermine bis morgen Mittag ausgebucht seien. Das gibt ja Anlass zur Hoffnung, dass unser Volk doch nicht vollkommen verblödet ist. Ach herrje, das ist jetzt aber gerade sehr selbstgefällig. 🙂
Ich suchte mein Hotel auf, wo ich nicht das Zimmer bekam, dass ich eigentlich bestellt hatte, aber in diesem Fall erwies sich das als gut, da das Zimmer womöglich kleiner ist, aber ich jetzt kein Etagenbett in meinem Raum stehen habe. Das Hotel ist ganz in Ordnung und liegt relativ zentrumsnah. Von dort aus lief ich durch den Park an der Ilm zu Goethes Gartenhaus. Dabei passierte ich das sogenannte römische Haus.
Just, als ich die Sonnenblumen, die Goethe wahrscheinlich noch selbst von Hand gepflanzt hat, bewundert habe, rief ein Redakteur von WDR an, ich möge doch am Montag in die Lokalzeit kommen, um über unsere Bürgerinitiative zu berichten. Ach du jeh!!! Das ist ja nun leider so gar nicht meins. Ich werde versuchen, jemand anders aus der Initiative dafür zu gewinnen. Aber wenn ihr Pech habt, dann könnt ihr mich nächsten Montag im Fernsehen bewundern. Schreckliche Aussicht!
Ein Bier war dringend von Nöten, das nahm ich im schwarzen Bären am Rathausplatz ein. Dieses Wirtshaus soll das älteste am Markt sein, und datiert zurück auf 1540. Dafür schmeckte das Bier erstaunlich frisch. Hatte ich schon erwähnt, dass ich immer versuche, lokale Biere zu trinken? In manchen Gegenden Deutschlands sollte man dies tunlichst sein lassen. Aber hier in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt war nicht eine einzige Verirrung dabei. Alles sehr süffig, alles sehr bekömmlich, alles sehr lecker.
Derart gestärkt erlief ich mir noch die Wielandstatue, das Liszt-Haus, die Bauhaus-Universität, den alten Friedhof mit der Fürstengruft, wo auch die mehr oder weniger bestückten Särge unserer beiden Dichterfürsten Johnny und Freddy stehen. Ja, in Schillers Sarg lag wohl kein Schiller. Zu guter letzt, bevor ich mir im Restaurant „36 Pho Co“ einen vietnamesischen Burger gönnte, sah ich mir noch die Stadtkirche Peter und Paul an, vor der das Herder-Denkmal steht.
Was Luther angeht, fühle ich mich jetzt fit für „Der große Preis“, ältere Semester erinnern sich noch an Wum und Wendelin und Thööööölke? Aber es ist jetzt auch gut mit großer Kultur. Morgen freue ich mich auf mein Zuhause und werde den ganzen Sonntag NIX und WIEDERNIX machen. Herrlich! Auf dem Weg nach Hause werde ich möglicherweise noch ein oder zwei Besichtigungspausen machen und morgen Abend dazu und über die Reise insgesamt noch einen kleinen Epilog verfassen. Aber dennoch möchte ich mich schon jetzt verabschieden und herzlichen Dank für Eure Begleitung sagen!
Ich hoffe, diese kleine Reiseschilderung war Euch nicht zu datenlastig und ich freue mich, wenn Ihr bei meiner nächsten Reise wieder dabei wärt.
Wieder einmal gab es keine Rührei… und ja, ich bin besessen! Aber dafür hatte ich wieder ein verhältnismäßig großes Zimmer und die schlechten Bewertungen trotz derer ich das Zimmer buchte, konnte ich nicht nachvollziehen. Ich war zufrieden.
Tagesordnungspunkt 1 heute war die Leipziger Stadtführung ab der Touristen-Information. Unser Stadtführer hat das wirklich sehr gut gemacht, wir liefen erst eine knappe Stunde durch die Innenstadt, um dann mit dem Bus noch anderthalb Stunden lang auch entferntere Ziele zu besichtigen. Wir lernten sehr viel über die Messestadt Leipzig, Stichwort Mustermesse, über den radikalen Stadtkernabriss Anfang des 20. Jahrhunderts, der dafür sorgte, dass kaum ein barockes, klassizistisches, geschweige denn Renaissancegebäude stehen geblieben ist und so einiges mehr. Dafür gibt es jetzt sehr viele Gründerzeitbauten, und Leipzig strahlt einen hanseatischen Charakter aus, da trotz der großflächigen Zerstörung im Krieg einiges stehenblieb und zerstörte Gebäude wieder rekonstruktiv aufgebaut wurden. Es ist eine ganz angenehme Stadt. Eine solche Stadtführung ist auf jeden Fall jedem zu empfehlen, man bekommt einen guten ersten Einblick, der weit über das Innenstadtzentrum hinaus auch in die Vororte gewährt wird. Sogar das Völkerschlachtdenkmal wurde angefahren.
Nach Beendigung der Stadtführung eilte ich zum Café Central, wo mein Freund Matthias schon auf mich wartete. Wir wollten zusammen nach Altenburg fahren, der nächsten Station auf der Lutherreise. Luther hat hier sehr oft gepredigt, und sein guter Freund Georg Burkhardt, der sich selbst den Namen Spalatin gab, hat Altenburg quasi reformiert.
Unser erster Halt galt unserem Hotel, von dem wir nicht wussten, ob es über unsere Zimmerbuchungen informiert war, denn ich bekam keine Antwort auf meine Anfragen, und als ich das Hotel noch einmal wegen der Parkplatzsituation anschauen wollte, teilte mir das Buchungsportal mit, dass das Hotel nicht mehr angeboten wird. Wir waren sehr erleichtert, dass wir herzlich willkommen wurden. Die Maisonette-Wohneinheit ist groß, sehr liebevoll, wenn auch nicht nach unserem Geschmack eingerichtet, aber wir fühlen uns wohl hier.
Wir liefen zum Schloss. Das Altenburger Schloss ist riesig. Der Altenburger Adel spielte eine wichtige Rolle in der Region und hat maßgeblich dazu beigetragen, die Regionsgrenzen so zu formen wie sie jetzt sind. Hier wurde 1820 auch das Kartenspiel Skat erfunden. Im Schloss gibt es ein entsprechendes Spielkartenmuseum. Das besuchten wir, zudem auch eine Ausstellung über den Umgang mit Tod an den ernestinischen und albertinischen Höfen sowie die herzoglichen bzw. kurfürstlichen Gemächer.
Wir liefen an der Bartholomäikirche vorbei, in der – wie könnte es anders sein – Luther gepredigt hatte, bestaunten die vielen denkmalgeschützten Häuser und suchten unseren Weg zum Marktplatz, um unseren Hopfenpegel auszugleichen. Wir wurden im Ratskeller fündig. Über den sehr schönen Rathausmarkt liefen wir dann zur Brüderkirche, um das Glockenspiel anzuhören. Wir streunten weiter ziellos durch den Ort, um dann ein schönes Restaurant zur erreichen, in dem wir dann auch gut gegessen haben. Ich hatte thüringischen Rostbrätel. Lecker.
Wieder in unserer Wohnung angekommen plauderten wir noch über dies und das und dann war es auch Zeit, mit diesem Bericht anzufangen. Matthias muss morgen früh sehr früh zum Bahnhof, ich werde mir noch die roten Spitzen (das Wahrzeichen von Altenburg), ansehen, um dann weiter zu meiner letzten Station der Reise, nach Weimar zu fahren. Da wird es dann nicht mehr nur um Luther gehen, denn die Stadt hat ganz andere berühmte Söhne und Töchter. Bis morgen also, wenn ihr mögt.
Am späten Abend rumorte es in der Gemeinschaftsküche. Als ich mir meinen Wein aus meinem Kühlschrankfach abholte, stolperte ich eine riesige Gruppe fremdländischer Menschen, die dort gemeinsam ein Abendessen zubereitete. Als ich einen guten Abend wünschte und sie meiner gewahr wurden, schauten sie dermaßen verschreckt, ich bin froh dass niemand ein Tintenfass nach mir geworfen hat. Dieses Cranach-Haus gefällt mir ganz gut. Es ist relativ einfach, hat aber viel Charme, auch dadurch, dass es als Begegnungsstätte international besucht ist.
Beim Besuch des Lutherhauses war ich fast alleine, das war eigentlich sehr schön, denn so konnte ich alles genau anschauen, ohne im Weg zu stehen oder warten zu müssen. Hier ist natürlich Luther satt. Es gibt gefühlte 50.000 Gemälde und 20.000 Büsten. Dazu Bildnisse von allerlei anderen Theologen, Landesherren, Mitgliedern der Universität und so weiter und so fort. Als einzige Frau war Katharina von Bora vertreten. Jedenfalls soweit ich das beobachten konnte. Dann die Lutherstube, das bekannte Portal, die Handschriften… Definitiv ein Muss auf einer Lutherreise!
Weiter ging es nach Torgau, wo Luther, Bugenhagen, Melanchthon, Jonas und andere die sogenannten Torgauer Artikel veröffentlichten, die in das Augsburger Bekenntnis mündeten. Torgau ist gleichzeitig die Geburtsstätte Friedrichs, des Weisen, als auch die Grablegungsstätte der Katharina von Bora.
Mein erster Halt hier war Schloss Hartenfels, welches nicht nur eine von Luther geweihte Schlosskirche aufweist, sondern im dritten Reich auch das Reichskriegsgericht beherbergte. Es ist laut Wikipedia „das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance Deutschlands“. Und wer DEFA-Filme mag: Hier wurde „Dornröschen“ gedreht. Ich erklomm die gefühlten 5.000 Stufen des Hausmannsturms, es sind natürlich nur 164, um auf einer 5 cm breiten Austrittsplattform wegen der Anstrengung reanimiert zu werden, wieder in Ohnmacht zu fallen, diesmal wegen des Höhenkollaps, um dann einen wunderbaren Ausblick zu genießen. Warum tue ich mir solche Sachen eigentlich immer wieder an? Es ist und bleibt ein Mysterium.
Im Graben des Schlosses werden übrigens Bären gehalten. Wahrscheinlich auch nicht schlechter als im Zoo, aber irgendwie sitzen die ja ewig auf diesem kleinen Areal fest.
Die Stadtkirche St. Marien bewahrt die sterblichen Überreste der Katharina von Bora, von ihrem Mann liebevoll „Herr Käthe“ genannt. Sie floh zum wiederholten Male aus Wittenberg vor der Pest und starb sechs Jahre nach ihrem Mann in Torgau. Als einziger Besucher der Kirche bekam ich eine kleine Privatführung vom Aufpasser, der mir geduldig sehr viele Dinge erklärte, so z.B. warum man nicht weiß, wo genau Katharina von Bora begraben liegt; das lag an vandalisierenden napoleonischen Soldaten. Er erklärte einige kunstgeschichtlich wichtige Objekte in der Kirche, zeigte mir noch das Grab von Sophie von Mecklenburg und erzählte mir von Berichten seiner Großmutter über die schrecklichen Geschehnisse während der NS-Zeit. Torgau war berüchtigt für die Brutalität, mit der Häftlinge behandelt wurden. Ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte.
Torgau verfügt auch über eine wundervolle kleine Altstadt, die musste ich natürlich auch besuchen. Auch hier ist wieder der Rathausplatz besonders sehenswert. Der Besuch von Torgau hat mir sehr gut gefallen.
Weiter ging es nach Leipzig. Luther war dort nach einer theologischen Disputation, die dem Herzog Georg nicht behagte, nicht mehr gern gesehen. Aber Leipzig war Handelsmetropole und eines der Zentren der Buchdruckkunst. Von hier aus verbreiteten sich seine Schriften rasant. Sein Widersacher, der Ablasshändler und Dominkanermönch Tetzel hatte sein Grab in der Paulinerkirche, die aber Ende der sechziger Jahre durch das DDR-Regime gesprengt wurde. Ob Tetzel vorher umgebettet wurde, entzieht sich jetzt meiner Kenntnis. Aber vielleicht hat er sich ja selbst einen Ablassbrief gegönnt und ist so zumindest dem himmlischen Fegefeuer entkommen.
In Leipzig kam ich etwas später an als geplant, so dass ich meinen Schlüssel fürs Hotel aus einer Box holen musste. Ich musste allerdings auch mindestens 30 Minuten durch die Straßen kurven, um einen Parkplatz in der Nähe des Hotels zu finden. Vielleicht hätte ich einfach in den sauren Apfel beißen und einen Parkhausplatz für zwei Tage bezahlen müssen. Naja, so stehe ich halt zwei Blocks weiter.
Nach kurzer Rast lief ich auf gut Glück in die Innenstadt und schaute mit das ein oder andere an. Neues Rathaus, altes Rathaus, Thomaskirche, Auerbachs Keller…
Da ich aber für morgen früh eine Stadtführung gebucht habe, lasse ich es dann für heute auch gut sein, und trödele mich so in den Abend hinein. Ehrlich gesagt, es ist ja nach gewisser Zeit bei einer solchen Reise auch der Punkt erreicht, wo man vom Sightseeing die Schnauze gestrichen voll hat. Diesen Punkt habe ich scheinbar heute Mittag erreicht. Es gab vor langer Zeit im Stern mal einen Cartoon von, ich meine es sei Neugebauer gewesen, der den Untertitel trug „Es hat sich ausgekathedrahlt!“. Morgen Mittag treffe ich mich nach der Führung dann mit Matthias, und wir werden zusammen nach Altenburg fahren. Fahrt ihr weiter mit?
Liebe Grüße, Euer Gerry
Bach, Diepolder, Goethe, Schiller – in alphabetischer ReihenfolgeTierbilder erhöhen bekanntlicherweise die Klickzahl
Was für ein wunderbares Hotel das war. Wenn es Euch je nach Eisleben verschlägt: Graf von Mansfeld. Vorzugsweise eine der Suiten. Nur das Rührei war irgendwie… jaja, ich weiß, ich bin davon besessen. Ich hör ja schon auf.
Wittenberg! Schlosskirche! Das ist wie Amerika, das ist wie Buchdruck, das ist wie Kartoffel! Das hat unser Leben verändert. Klar, in Polen werden mehr Kartoffeln pro Kopf verzehrt als hier und es soll immer noch Katholiken geben. Und was Amerika und Bücher angeht, läuft ja auch gerade einiges nicht rund, gelle? Aber von vorne:
Leider sah es mit dem Wetter nicht besonders gut aus, die Biker hatten beim Frühstück alle ein langes Gesicht. Man beruhigte uns, es würde im Laufe des Tages besser. Und so war es dann auch. Kurz vor vor meinem ersten Stop klarte es deutlich auf.
Halle an der Saale. Was hat unser Reformator hier getrieben? Wenig eigentlich. Nicht er, sondern einer seiner mächtigsten Gegenspieler residierte hier: Kardinal Albrecht von Brandenburg. Er war einer der größten Nutznießer des Ablasshandels. Er hatte es halt gerne prächtig. Kommt ja auch in den besten Familien, z.B. am Bischofssitz in Limburg oder dem Sitz des RBB in Berlin, vor. Zudem wohnte in Halle ein Freund Luthers, Justus Jonas, in der Schmeerstraße 2. Na, wer horcht noch auf? Justus Jupiter Jonas heißt der Chef der 3 ???. Ob sich der amerikanische Autor Robert Arthur bei der Namensfindung etwa von der deutschen Reformationsgeschichte hat inspirieren lassen? Eher unwahrscheinlich, denn im Original heißt der junge Jonas nur Jupiter. Ja, und Luther hat dann auch noch – nachdem Albrecht aus der Stadt vertrieben worden war – gegen Ende seines Lebens mehrmals hier gepredigt.
Und ich? Ich kurvte erst einmal durch Halle, das durch seine stellenweise extravagante Verkehrsführung auffällt, um am Händel-Carrée zu parken. Und dann liegt eigentlich alles in Fußweite, was man sehen möchte. Halle ist im Krieg schwerer beschädigt worden als Erfurt, das fast gänzlich von Bomben verschont blieb. Aber es gibt noch etliche interessante Gebäude. Halle wirkt auch wieder viel geschäftiger. Ich lief am Händel-Haus vorbei – DEM großen Sohn der Stadt, Hallelujah! -, bestaunte die eigenartige Architektur des Halleschen Doms (es könnte von außen, wenn die Kirchenfenster nicht wären, auch der Sitz der Halleschen Turbinen-Fabrik KG&Co. aus 1894 sein), besuchte eine sonderliche Ausstellung mit dem Namen „Weltall-Erde-Mensch“ mit sehr exzentrischen Exponaten im Hof der Neuen Residenz und beendete meinen Rundgang an der Moritzburg. Dieses Museum beherbergt u.a. moderne Kunst. Hat mich gereizt, aber die Zeit, die Zeit. Insgesamt habe ich schlicht zu viel Aktion und zu wenig Zeit geplant.
Ich lief am Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus vorbei zum Hallmarkt und Markt, wo sich die Marktkirche befindet. In dieser viertürmigen Kirche bewahrt man die Totenmaske Luthers auf. Ich fragte die Dame am Informationsschalter danach und sie wollte mir die Sakristei dafür sogar aufschließen, damit ich nah herangehen hätte können, aber eine Schulklasse war im Weg. Ob ich Zeit hätte? Hah! Ich begnügte mich daher mit einem Blick durch das Sakristeifenster. Ein Funfact ist, dass man früher die Totenmaske dazu benutzt hat, um Luther wie in einem Wachsfigurenkabinett auszustellen. Mit Hut auf, Glasaugen und Talar. Irgendwann merkte man wohl, dass das nicht angemessen war und unterließ es. Den fünften Turm des Marktplatzensembles bildet dann der rote Turm, alles zusammen dann das Wahrzeichen Halles. Mit einem letzten Blick auf die Händel-Statue auf dem Markt, die eine Regenbogenbrillebrille trug, verabschiedete ich mich von Halle und nahm Kurs auf Wittenberg.
Was Wittenberg mit Luther zu tun hat, muss meines Erachtens niemandem mehr erklärt werden. Er zog 1511 in das dortige Augustinerkloster und lebte quasi den Rest seines Lebens dort, selbst als das Kloster aufgelassen wurde, später auch zusammen mit seiner Frau, Katharina von Bora, die mit Leidensgefährtinnen aus einem Kloster bei Grimma mithilfe Ḷuthers nach Wittenberg floh. 1525 heirateten die beiden, ein ketzerischer Mönch und eine entlaufene Nonne. Skandal! Bild und Bunte hätten sich nicht mehr eingekriegt. Kurz, ich verweise auch auf die ausreichend vorhandene Literatur, Luther hat den zentralen Teil seines Lebens hier verbracht und mit dem Thesenversand (die Hammer- und Nagel-Geschichte am Schlosskirchentor ist fraglich) im Jahre 1517 die lutherische Reformation eingeleitet. Unwillentlich eigentlich, er suchte nur die theologische Disputation und konnte nicht ahnen, dass seine lateinischen Thesen übersetzt und gedruckt wurden und sich wie ein Lauffeuer verbreiteten.
Garten meines Hotels „Cranach-Herberge“
Ich war anfangs, bei Ankunft in Wittenberg, etwas skeptisch. Aber die Stadt ist sehr weitläufig und wenn man dann in das historische Zentrum kommt… es ist einfach wunderschön! Der Rathausplatz und die Schlossstraße erstrahlen in renovierter bzw. sanierter Pracht, überall kann man sich draußen hinsetzen, die Kirchen sind mehr als sehenswert, überall schreit es Kultur, Kultur, Kultur! Heute sah ich mir die Marienkirche und die Schlosskirche an – Cranach-Altäre, Thesentür, Luthers und Melanchthons Gräber – und machte einen Rundgang durch die Altstadt. Ich liebe es hier!
Die Thesentür – nicht das Original aus 1517.
Der Schlosskirchenturm ist übrigens monströs. Er könnte gut für den Wohnsitz eines bösen Zauberers für eine Herr-der-Ringe-Fortsetzung herhalten. Es könnte aber auch eine außerirdische Rakete sein. Wie kann das eigentlich sein, dass ich weiß, wie das Tadsch-Mahal aussieht, ich aber zum ersten Mal die berühmte Schlosskirche sah?
Ich nahm übrigens Logis im Hotel Cranach-Herberge. Yep! Da wo der Meister gepinselt hat. Die Cranachs sind eine bemerkenswerte Künstlerfamilie und wenn man dann an deren Wirkstätte sein Haupt bettet, umweht einen ein gänsehauterzeugender Wind der Geschichte. Also wohne ich auch noch in einer Sehenswürdigkeit. Die Suite ist zwar keine richtige Suite, aber geschenkt.
Mein erstes Bierchen (alles nur für die Forschung!) nahm ich dann am Rathausmarkt, um dann noch am Melanchthon-Haus vorbei zur Luthereiche zu laufen. An diesem Ort hat Maddin u.a. die päpstliche Bulle „Exsurge Domine“ verbrannt, in der er unter Androhung der Exkommunikation aufgefordert wurde, seine Thesen zu widerrufen. Das Lutherhaus (und ehemaliges Kloster) hebe ich mir für morgen auf, das will ich ausgiebig besuchen.
Am Abend besuchte ich die laut Eigenwerbung einzig lokale Brauerei, um dort im Innenhof zu essen. Ein halbes Dutzend Menschen saß da ungefüttert und ungetränkt herum. Eine tapfere Dame ging dann rein, kam wieder raus und verkündete, draußen würde nicht bedient. Ich ließ mich also etwas weiter bei einem Italiener nieder, der sich als halber Grieche herausstellte, was für eine schöne Überraschung! So konnte ich einen Grillteller mit Tzatziki und Pommes bestellen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, denn mir blieb ja nichts anderes übrig. Irgendeine höhere Macht musste da ihre Finger im Spiel gehabt haben.
Also, Wittenberg hat den Punktewert der Reise enorm hochgepusht. Hatte ich an irgendeiner Stelle schon erwähnt, wie schön ich es hier finde? Wie denn der Punktewert ist, fragt ihr euch? Das verrate ich euch dann ganz am Schluss der Reise.
Sehen wir uns morgen in Torgau und in Leipzig? Liebe Grüße, Euer Gerry
In Wittenberg wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auch das „Lied der Schlümpfe“ geschrieben.Diese Skulptur heißt „Die unerträgliche Leichtigkeit“ und streckt dem geneigten Betrachter im Schlosskirchenmuseum den Hintern hin. Man erzählte mir, man nenne sie hier auch „Brandleiche“.