Tag 14: Los Canarios

¡Buenas noches, queridos!

Zuallererst einmal die herzlichsten Glückwünsche an meinen Neffen Christian, der heute seinen neunten Geburtstag feiert! Alles Liebe und Gute für Dich!

Heute war es zwar wieder bewölkt, aber nur leicht, mit gut blauem Himmel dazwischen. Dafür war die Brandung heute extrem. Nach einem sehr umfangreichen und ausgedehnten Frühstück lief ich daher erst einmal zu den Klippen. Da spritzte das Meer hoch wie was und beim Fotografieren wäre ich beinahe auch durchnässt worden, hätte ich mich nicht mit einem Hechtsprung zur Seite gerettet; was übrigens auf einer Klippe eine sehr törichte Idee ist, aber der Gedanke kam mir erst später.

Es ist ein wenig so wie beim Whale- oder Sonstwas-Watching. Gute Aufnahmen gelingen selten.

Mein Hauptausflug heute galt der Stadt Galdár. Dort kann man die „cueva pintada“ besichtigen, eine Höhle mit Felsmalereien inmitten einer archäologischen Stätte von Ausgrabungen einer Ansiedlung der Ureinwohner von Gran Canaria, den Canarios (die übrigens nicht zu den Guanchen gehörten!).

Santiago de los Caballeros in Galdár

Die Küstenstraße nach Galdár ist gut befahrbar und bot wegen der immer wieder hochpeitschenden Gischt sehr schöne Ausblicke. Ich liebe Brandung!! In Galdár selbst steuerte ich einen zuvor ausbaldowerten Parkplatz an, der unabhängig von der Parkdauer nur einen Euro kosten und sehr groß sein sollte. Zu diesem Parkplatz gibt es nur eine Zufahrt, die gleichzeitig auch als Ausfahrt dient. Und da eine Menge los war, war schon hunderte Meter vorher pures Chaos.

In der Nähe gibt es eine Sportarena, vor der es nur so wimmelte, etwas weiter die Straße hinauf fand eine wohl riesige Hochzeit statt, wenn man die Menschenmassen als Maßstab nimmt, die aus der Kirche strömten. Zudem war Woche der Blumen und in der ganzen Altstadt waren zahlreiche Pavillons aufgestellt unter denen sich hunderte Menschen beköstigen ließen. Also, kein Wunder, dass es auf dem Parkplatz so trubelig zuging.

Vor der Kirche wurde Markt abgehalten, den guckte ich mir dann auch zuerst einmal an. Dann schlenderte ich die Straße Capitán Quesada rauf und runter, die zum Blumenfest völlig verkitscht geschmückt war. Aber das hat mir gefallen. Auffällig auch eine große Kunstinstallation mit lauter Augen am Anfang der Straße. Lautes Stimmengewusel sowie Musikbeschallung bildeten eine große Klangglocke über allem.

Im Museum war es dann ziemlich ruhig, zu Beginn nur vier oder fünf andere, und am Ende war ich der einzige Besucher. Zuerst habe ich mir einen 3D-Film über die „Eroberung“ Gran Canarias angesehen. Mein erster 3D-Film überhaupt. Ein bisschen schwindelig war mir dabei. Und, nunja, Eroberung… Die allerhöchstkatholischen Könige Kastiliens, allen voran Isabella, haben eher eine Ausrottung befohlen, da die Canarios sich nicht unterwerfen wollten.

Die Stätte veranschaulicht sehr gut, wie eine Ansiedlung ausgesehen haben muss. Die Höhle mit den Wandmalereien war wohl eine Kultstätte, wie entsprechende Funde belegen. Die Höhle selbst wird nur zu bestimmten Zeiten geöffnet und ist nur durch Fenster zu besichtigen. Früherer unkontrollierter Zugang hat wohl zu starken Schäden der Malereien geführt. Eine Museumsmitarbeiterin erläuterte, was wir sahen. Fotografieren war in der Höhle auch ohne Blitz verboten. Aber man kann die geometrischen Malereien im Internet ansehen. Nachbauten der Häuser gibt es auch, sowie diverse Videostationen, die Einblicke in das Leben der Canarios geben. Es lohnt sich, über das Thema nachzulesen, die Geschichte der Canarios ist sehr interessant.

Nach dem Besuch der Höhle erkundete ich noch ein bisschen die Altstadt rund um die Kirche, wobei ich auf das Museum des Malers Antonio Padrón Rodríguez stieß. Bei freiem Eintritt kann man viele seiner Werke und sein Atelier besichtigen. Er wurde leider nicht sehr alt, nur 48 Jahre. Aber sein Oeuvre ist dennoch beträchtlich. Mir gefallen viele seiner Werke, die dem indigenistischen Expressionismus zuzuordnen sind. Einige Bilder wirken picassoesk, aber er hatte auch Talent zum Realismus. Es ist schade, dass er nicht bekannter ist.

Vor dem Haus waren im Innenhof in Vitrinen Krippenfiguren aus aller Welt ausgestellt. Das war auch mal interessant! Eine Krippe aus lauter Inuit- oder Aztekenfiguren hat schon was.

So, das war es schon wieder für heute. Ich hoffe, Ihr befindet Euch alle wohl!

¡Mis mejores deseos! Euer Gerald

Dieser Dino lebt auf den Klippen vor meiner Haustüre
Teile der oben erwähnten Augeninstallation

Tag 13: Freitag der 13. auf spanisch

„Conforme voy conociendo mejor el idioma, padezco más“
B. Perez Galdós

¡Hola hola de la Costa Ayala!

Was für ein trübes Wetter heute früh. Das hatte ich nicht bestellt. Ich musste mal in die Sonne…

Aber erst einmal Exkursion. Mit der Guagua um 9 Uhr aufgebrochen. Guaguafahren ist ja immer ein höchst kakophonisches Erlebnis! Der Busfahrer hat seine Musik aufgelegt, der tätowierte Bushido-Klon nebenan hört Gangsta-Rap, die toupierte Dame drei Reihen hinter einem schreit in ihr Handy, dass sie eigentlich keins bräuchte, dazu munter durcheinander quasselnde Gruppen.

Das Geburtshaus des Meisters

Unsere heutige Exkursion seitens der Schule führte uns zum Museo Benito Perez Galdós, dem wohl berühmtesten Sohn der Insel, der uns auch schon hier im Tagebuch begegnet ist. Der bekanntermaßen nach Miguel Cervantes meistgelesene spanische Autor! Natürlich bekamen wir für diesen Besuch auch wieder Aufgaben auf, sonst wäre es ja kein Unterricht gewesen.

Es galt Erinnerungstafeln in in den Straßen Las Palmas bestimmten Werken zuzuordnen, Inhalte aus der Führung durch das Museum wiederzugeben, Dinge aus dem Haus zu beschreiben, Einschätzungen über die damalige Zeit zu geben und dergleichen mehr.

Galdós war ein unglaublich vielseitiger und unermüdlicher Autor. Sein Hauptwerk, die Episodios Nacionales, besteht aus 46 Bänden. Dazu kommen noch unzählige andere Novellen, Dramen, Artikel, Kurzgeschichten etc pp. Zudem zeichnete er ausgezeichnet und war ein einflussreicher Politiker. Eine beeindruckende Persönlichkeit.

Diese Skulptur sollte nach Willen des Schöpfers völlig verwittern. Die Inselregierung (oder wer auch immer) hat diesen Akt unterbrochen.

Um der Kultur einen Kontrapunkt zu setzen, beschloss ich, nach Maspalomas zu fahren. Sonne! Meine erste Haltestelle war der berühmte Playa del Inglés. Ach du jeh! Dass die meisten Menschen, die sich dort aufhalten, den ganzen Tag besoffen sind, wundert mich absolut nicht. Dieser Ort ist nüchtern nur schwer zu ertragen! Viele nackte Körperteile, die man nicht gesehen haben möchte, viel Gegröle, in fast jeder Kneipe eine mehr oder weniger talentierte Showgröße, die auf Playback rockige Weihnachtslieder, deutsche Countrysongs oder herzzerreißende Schmachtfetzen intoniert. Aufdringliche fliegende Händler, aufdringliche schleimige Kellner, billige vietnamesische Ramschläden vervollständigen das Bild.

Aber dann: Las Dunas, die Dünen. Toll! Ganz toll! Eine wunderbare Naturlandschaft, die unter besonderem Schutz steht. Man fühlt sich ein bisschen wie in der Sahara. Dieser Naturpark ist riesengroß und wird auf der einen Seite von Maspalomas, auf der anderen Seite von Meloneras begrenzt. Ich lief tief in die Dünen hinein, wo ich fast einsam war. Anschließend fuhr ich noch nach Meloneras, um die Dünen von der anderen Seite zu erobern.

Meloneras ist etwas schicker als Maspalomas, es geht hier wesentlich zivilisierter zu. Und es sieht auch alles ein bisschen netter aus. Aber auch hier riesige Shoppingcenter, die zu zwei Dritteln leerstehen und verzweifelte Tristesse ausstrahlen. Wer kennt nicht Loriots Sketch von der Familie, die durch das Gran Paraíso irrt? So fühlte ich mich dort. Nur ohne Esel.

Schau mal, Mutti: ein Esel!

Von Meloneras aus kann man Pasito Blanco sehen, von weitem sieht das ganz nett aus, es wird wohl ähnlich sein wie Puerto de Mogán. Richtig gute Laune hat natürlich die Sonne gemacht, denn ich bin in trübstem Wetter losgefahren und in wunderbarstem Urlaubswetter angekommen. Eigentlich wollte ich auch ein oder zwei Nächte bleiben und mir dafür ein Hotel suchen. Aber, habe ich mich gefragt, was willst Du morgen und Sonntag den ganzen Tag hier tun?

So ein Strandhase bin ich ja schon lange nicht mehr.

Durch allerschönsten Feierabendverkehr fuhr ich also wieder nach Costa Ayala. Hier ist der Himmel immer noch grau, aber der Ort wird zumindest nicht von Truck-Stop-Liedern überschallt. Man möchte eben nicht immer Dave Dudley hören, Hank Snow und Charlie Pride. Und ich habe eine wahrscheinlich viermal so große Unterkunft, wie in einem Hotel an der Südküste.

Das klang jetzt nach sehr viel Gemotze, glaube ich. Aber auch der Nachmittag war wunderschön, denn die Dünen alleine sind einen Besuch des Südens wert. Jetzt stehe ich vor dem Problem, dass ich morgen auch gerne wieder Sonne hätte, was für hier nicht vorhergesagt ist. Mal sehen wie ich den Wolken hier anders entkommen kann. Notfalls lege ich einen dringend erforderlichen Vokabel- und Grammatiktag ein.

Ich wünsche allen ein wunderbares Wochenende und sende viele liebe Grüße.

Hasta luego, Euer Gerald

Einen Brief an Santa muss ich ja auch noch schreiben!
Dieser Schlingel. Dauernd eine andere Frisur

P.S.: Freitag der 13. heißt übrigens auf spanisch „Viernes Trece“

P.P.S.: Dem Zitat am Anfang des Textes kann ich nur vollinhaltlich beipflichten! Je mehr ich die Sprache kenne, umso mehr leide ich.

Tag 12: Comidas y bebidas

¡Buenas tardes de la isla!

Heute haben wir in der Schule Doktorspiele gemacht. Thema ist ja das spanische Gesundheitswesen und was man so beim Arzt alles erzählen können sollte. Ihr Gleich- und Älteraltrigen! Das vermisse ich hier so, die Menschen, mit denen ich hier zu tun habe, sind ja alle so jung, da kann man mit keinem stundenlang über Krankheiten plaudern. Heute dann endlich die Erlösung. 4 Stunden lang Krankheiten, Schmerzen, Therapien und dergleichen!

Das Wetter heute mehr als bescheiden. Sehr grau, frisch (18°C) und nieselig, dazu weht ein flotter Wind. Im Süden ist es natürlich schön, aber da sind wir ja nun mal nicht. Die Aussichten für die kommenden Tage sind auch eher mau, wobei die Vorhersage sich hier ja stündlich oft massiv ändert.

Ich beschloss, einen Großeinkauf zu starten, auch T-Shirts und dergleichen, da ich zwar eine Waschmaschine habe, aber keinen Trockner und die Wäsche im Innenhof heute und morgen wahrscheinlich keine Chance zum Trocknen hätte. Und ich hatte nur für zwei Wochen gepackt.

Den Nachmittag verbrachte ich dann mit Siesta und Rumgammeln. Ich habe mir eine spanische Klatschzeitung gekauft. Ich verstehe ein bisschen was, kenne aber kaum jemanden. Das Titelblatt zieren die unglaublich berühmten Jesulín und María José. Nach Jahren brechen sie endlich ihr Schweigen. Eugenia Osborne kocht für uns ihr Weihnachtsmenü und Cayetano – der von Eva und Cayetano – kam alleine zur Hochzeit. Tragisch! Aber wer, zum Henker, sind diese Menschen bloß??? Naja, Veronika Pooth wird hier in Spanien auch nicht besonders bekannt sein.

Heute Abend soll seitens der Schule eine kleine Stadtführung im Vegueta-Viertel stattfinden, danach ein gemeinsamer Besuch der noche de las tapas. Aber das Wetter und meine schmerzenden Beine von der gestrigen Wanderung halten mich im Haus.

Einkäufe: Also, was es hier alles tolles gibt! Ich kann mich hier dumm und dusselig fressen (bitte unkommentiert lassen!). Das Obst ist eine Wucht. Es gibt einheimische Orangen, die teurer sind als die importierten, aber eher gelblich-grün-schrumpelig daherkommen. Die würde man in Deutschland nicht kaufen. Sie sind köstlich. Man erhält überall Arroz Negro oder Paella, Tortillas und Empanadas, Meeresfrüchtesalat und Croquetas. Käse in hunderten Sorten, genau wie Schinken und Chorizo. Nur das Brot… das ist hier nicht so der Hit. Man muss suchen, bevor man eines bekommt, dessen Konsistenz nicht an Schaumstoff erinnert. Und das hat dann einen Namen wie z.B. „el Meclenburgo“.

Wein ist natürlich auch ein Thema. Klar, Spanien ist Weinland. Aber irgendwie bin ich doch von den erhältlichen Produkten nicht so wirklich überzeugt. Ich kann mich ja schlechterdings nicht durch das ganze Sortiment saufen (Kommentare: s.o.). Zweimal habe ich einen Mutkauf getätigt, beide Male ein Reinfall. So bleibe ich beim Marques de Caceres hängen, das ist zwar nicht mein Liebling, aber ich weiß, dass ich ihn trinken kann und darüber nicht verarmen werde.

Morgen fängt der Tag ein bisschen später an, denn wir machen mit der Klasse eine Exkursion in das Museo Benito Perez Galdós, dem berühmten Schriftsteller zum Gedenken in seinem Geburtshaus errichtet. Und das öffnet erst um 10 Uhr.

Am Wochenende will ich dann in den Süden, um mal etwas Sonne zu tanken.

Ihr Lieben, morgen mehr, wenn es Euch gelüsten sollte.

¡Buenas noches y que duermen bién!

Euer Gerald

Tag 11: Schlucht ohne Ausgang

Heute in der Schule sind wir bei einem Schreckensthema angekommen, dem sogenannten subjuntivo. Aber wir haben erst unsere Zehen in das tiefe kalte Wasser dieses Themas gesteckt und haben mit dem negativen Imperativ angefangen. Tief reinspringen werden wir dann im Laufe der restlichen Woche. Es gibt einfach zu viele Zeiten und zu viele Ausnahmen in der spanischen Sprache.

Nach der Schule fuhr ich mit dem Bus zum botanischen Garten. Es ist eher ein Park als ein Garten, aber ganz sehenswert. Es gibt viele Themenbereiche zu den verschiedenen Arten der Fauna auf der Insel, Lorbeerwald, Kiefernwald, Küstenfauna etc. Nur rasend viel blühendes gab es nicht zu sehen. Der Eintritt ist frei, also für einen erholsamen Kleinspaziergang ein wunderbarer Ort.

Die paar verstreuten Sehenswürdigkeiten des Parks sind schwer zu finden, die Beschilderung ist nicht wirklich optimal. Der Brunnen der Weisen war übrigens versiegt, naja, wen wunderts.

Während meines kleinen Spaziergangs kam ich auch an einem österreichischen Ehepaar vorbei, sie keifte ununterbrochen auf den auf einem Mäuerchen sitzenden Mann ein, der nur resigniert den Kopf hängen ließ. Er hat ihr wohl das ganze Leben verdorben, leider hörte ich nicht heraus, wie.

Im botanischen Garten lief ich von oben nach unten, das heißt von den Bergen ins Tal. Am Talausgang gab es leider keinen Bus. Ich beschloss daher spontan, eine Wanderung durch den Barranco de Guiniguada zu machen. Ein kleiner unvorbereiteter Schnellschuss, denn der Barranco war extrem lang und nahm quasi kein Ende. Zudem waren meine neuen Turnschuhe eine Qual.

Aber am Ende habe ich doch herausgefunden und war wieder in der Stadt und bin so immerhin heute – behauptet zumindest meine Zeitachse – fast 25 km gelaufen. Ich finde, das ist für so einen alten Knacker wie mich schon was.

Am Abend fuhr ich noch mal in die Stadt rein, und habe mich in einer Bar am Las Canteras-Strand mit einem jungen Mann unterhalten, das war ganz nett. So richtig flüssig will das noch nicht so aus mir raus, ich fürchte fast, es ist eine kleine Qual, mir beim Ringen nach Worten zuzuhören. Das hat den guten Mann aber nicht abgeschreckt und so plapperten wir zwei Stunden lang. Dann lief ich die Promenade einmal hoch und wieder runter. Abends zumindest schon einmal sehr nett da. Meine Kilometerbilanz heute ist más que extraordinario.

Jetzt bin ich wieder zu Hause, sehr, sehr müde, schreibe noch schnell diesen kleinen Text zu Ende und freue mich dann auf mein Bett!

Bis morgen, wenn es wieder heißt, Nachrichten aus Las Palmas – Noticias de las Palmas.

Euer Gerald

Und hinterher behauptete der Friseur noch, ich hätte mehrmals deutlich „Marge Simpson“ gesagt…
Das ist dann übrigens Costa Ayala

Tag 10: O dolce far niente

Liebe Leserschaft!

Heute ist es passiert. Heute habe ich einen Gammeltag eingelegt. Außer Schulbesuch und einem kleinen Spaziergang (incl. Tinnefeinkauf) habe ich nichts Berichtenswertes gemacht. 2 Stunden Siesta auf der Couch. Ich beginne offensichtlich, mich zu hispanisieren. Oder muss es kanarisieren heißen? Man grenzt sich hier ja von der Peninsula, wie man die unbedeutende Landmasse um Madrid herum nennt, gerne ab.

— kurze Werbepause —

Beim Schreiben überkam es mich. Du bist ’ne faule Sau! frohlockte mein innerer Schweinehund. Da beschloss ich spontan, meinen „Heimatort“ zu erkunden. Es folgt also Wissenswertes über Costa Ayala:

Ich bin gerne hier.

Mein Ausblick

Aus meiner Wohnküche blicke ich aufs Meer. Manchmal stehen auf dem Plateau Autos, deren Insassen nicht aussteigen, sondern einfach aufs Meer glotzen. Es erinnert ein bisschen an die Knutschszenen aus amerikanischen Teeniefilmen. Nur dass ich bisher keine wilde Sexszene beobachtet habe und auch kein wilder Axtmörder sein Unwesen trieb. Nicht, dass ich wüsste.

Man kann die Klippe nicht durchweg entlanglaufen, aber mit ein paar Schlenkern gelangt man zu einem Vorsprung im Osten von Costa Ayala, von dem aus ganz Las Palmas einem zu Füßen liegt.

Zurück im Ort fällt auf, dass alle Straßen nach Meeren benannt sind. Ich wohne in der Calle Mar Caspio. Es gibt noch die Calles Atlántico, Negro, Rojo, Cantrábico etc.

Costa Ayala hat beim letztjährigen Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ganz knapp einen Platz verpasst. Leider weiß ich nicht genau, welchen. Aber ich bin gerne hier. Es gibt sogar eine Apotheke und eine Imbissbar. In die habe ich mich aber noch nicht getraut. Es riecht sehr nach altem Frittenfett, also glückverheißend und abstoßend zugleich.

Der Nachbarort – ich habe auf dem Spaziergang versäumt, ein Foto von CA zu schießen.

Im nahegelegenen Stadion wird gerade der Fußballnachwuchs trainiert und im Ökoladen um die Ecke gibt es glückliche Äpfel. Ich denke nicht, dass dieses Geschäft für die gestandene Inhaberin des kleinen Kioskes in der Parallelstraße große Konkurrenz bedeutet.

Während meines kleinen Spaziergangs wich ich einem Auto aus. Der Fahrer hupte und winkte ausgelassen. Die Menschen auf der Straße ¡Hola!en mich. Ich höre immer das Meer rauschen. Manchmal auch die Möwen plärren.

Ich bin gerne hier.

Meine Tante und meine Cousine sind gestern auf den Kanaren angekommen. Sie haben sich Fuerteventura ausgesucht. Da war ich mal mit Elke, es hat uns gut gefallen dort.

Gestern Abend habe ich noch mit einem Bekannten gechattet, mit dem ich vor mehr als 15 Jahren mal befreundet war. Nach seinem Wegzug aus Köln hatten wir nur selten mal schriftlichen Kontakt. Er und sein Freund kommen über Weihnachten und Silvester nach Maspalomas. Da haben wir spontan beschlossen, einen Abend zusammen essen zu gehen.

Das war es mal wieder für heute. Morgen werde ich dann wieder mal touristen (ich touriste, Du touristest, er/sie/es touristet…). Nach der Schule natürlich.

Muchos besos y saludos cordiales! Elijan, que prefieran.

Euer Gerald

Meine Schule. Muss doch mal Werbung machen!
Man kann dem Ganzen nicht entkommen

P.S.: Der Erste, der ohne zu googlen weiß, wo sich das Mar Cantrábico befindet, gewinnt einen Preis. Aber nicht schummeln!

Tag 9: Schatten im sonnigen Süden

¡Hola hola a todos zum heutigen Tagebuch!

Ich weiß gar nicht, warum ich früher nicht gerne zur Schule gegangen bin. Hat heute wieder sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe. Aber ich bilde mir zumindest ein, dass es besser und besser wird. Heute haben wir quasi geholfen, ein schweres Verbrechen aufzuklären. Aber obwohl wir wissen, dass die Schwestern ein Komplott geschmiedet hatten: Das Collier bleibt verschwunden. Kann der Detektiv seine Unschuld beweisen? Und was wird der Mafiaboss unternehmen?

Ich beschloss, sofort nach der Schule von San Telmo aus nach Puerto de Mogán zu fahren. Am Busbahnhof nahm ich die Linie 1, die direkt dorthin fahren sollte. Um es vorwegzunehmen: das war eine sehr, sehr, sehr, um nicht zu sagen SEHR dämliche Idee! Dieser Bus hielt so ziemlich an jeder Milchkanne, die es je auf Gran Canaria gegeben hat und die es je auf Gran Canaria geben wird, nicht zu vergessen an allen aktuellen, die gerade hier rumstehen. Für die Fahrt brauchte ich weit mehr als 2 Stunden.

Der Vorteil dieser ellenlangen Fahrt war natürlich, dass man sehr viel sehen konnte. Allerdings nicht viel Schönes. Die Strecke den Osten entlang war etwas trist, wir sind durch viele nichtssagende Orte gefahren. Schön waren natürlich die Blicke aufs Meer, wenn wir in Küstennähe fuhren. Je weiter wir aber Richtung Süden kamen, umso schlimmer wurde die Bebauung. Was eine Bettenburg ist, kann man am besten hier an der Südspitze der Insel erklären. Selten gab es architektonische Lichtblicke. Und die Strände erst… ein Sonnenschirm neben dem anderen, eine Liege neben der anderen, ein Touri brutzelt neben dem anderen in der Sonne. Auch die Landschaft ist oft eher dazu geeignet, einen in depressive Stimmung zu versetzen. Manchmal durchbricht das Grün eines frisch angelegten Golfplatzes die Ödnis, aber auch das selten. Da waren die langen Tunnel auf der Strecke fast ein Highlight.

Das nicht so schöne Puerto de Mogán.

Puerto de Mogán ist mir ja von einem Mitschüler (w/m/d) empfohlen worden. Als sehr attraktives Touristenörtchen. Ich war zuerst geschockt, wie unterschiedlich Geschmäcker sein können. Am Strand Tristesse, Schmutz, völlig überlaufen, aufdringliche Kellner… Aber dann: vorgelagert ist eine künstliche Touristeninsel, die sogar einen gewissen Charme hat. Man hat versucht, alles sehr mediterran zu gestalten, es gibt einen sehr schönen Yachthafen, es wurde viel gepflanzt und begrünt, überall Blüten und Blumen. Da habe ich mich dann gerne auf ein Bier niedergelassen.

Das dann doch ganz nette Puerto de Mogán (der Hundehaufen unten links ist übrigens eine Taube).

Besuchen wollte ich eigentlich noch die Ausgrabungsstätte Cañada de Los Gatos, eine frühkanarische Siedlung samt Begräbnisstätte. Aber die hat montags leider geschlossen. Steht übrigens auch so im Reiseführer. Hmmm. Tja. Ja ja.

Also zurück zum Busbahnhof und die Schnellverbindungen rausgesucht. Yippieh. Formel 1 ist nix dagegen. In Windeseile war ich wieder in Las Palmas, trotz zweier Umstiege. Einen nutzte ich noch zu einem Einkauf. In der Grünzeugabteilung muss man sich hier übrigens nicht tausend Nummern merken (oder gar für jede Banane zur Waage rennen). Das machen die Gemüsewieger für einen. Heldinnen des Alltags!

Zu Hause angekommen bin ich im Dunkeln. Hat sich das Ganze denn nun gelohnt? Ich würde sagen, nein. Die Busfahrt war einfach viel zu lang. Aber ich werde noch einmal mit dem Auto in den Süden fahren, und mich ein bisschen besser vorbereiten. Was man aber auf jeden Fall bemerken konnte, ist, dass das Wetter im Süden deutlich besser als im Norden ist. Die berühmte Wetterscheide existiert! Aber trotzdem bin ich lieber in der Nähe von Las Palmas, als unten im sonnigen Süden, der schlimmere Schattenseiten hat als ein paar Wolken.

Vorhin habe ich noch kurz mit meinem Vermieter gewhatsappt, er wird mir eine Dame vorbeischicken, die mal die Wohnung sauber macht. Wunderbar, auch darum muss ich mich nicht kümmern! Ein Traum!

Man kann sich ja sehr schnell an ein so leichtes Leben gewöhnen. Und damit ich nicht völlig den Realitätsbezug verliere, mache ich jetzt noch ein paar Hausaufgaben.

Bis morgen, Ihr Lieben, ich hoffe Euch dann gesund und munter wiederzusehen.

Viele liebe Grüße von der Insel, Euer Gerald

Ich könnte mich ja als Lektor hier niederlassen.
Busfahren macht sehr durstig. Noch ein Schatten: das Bier ist im Süden teurer.

Tag 8: Märkte

Liebe Leserschaft!

Zuallererst einmal einen schönen zweiten Advent allen. Heute bin ich zum Sonntagsmarkt nach Teror gefahren, der laut Reiseführer nachgeradezu spektakulär sein sollte. Nun ja, das war nicht so ganz der Fall. Viel billiger Tinnef, Touristenkitsch, schäbige Anziehsachen und nur ganz wenige Stände mit einheimischen Produkten; von denen hätte ich mir mehr gewünscht.

Aber in Sachen Obst wurde ich fündig; ich erstand ein paar Kaktusfeigen, Orangen, Äpfel, Trauben und Tomaten und zahlte dafür ’n Appel und ’n Ei, die Tüte war voll und ich schuldete nur knapp 3€ – ganz wunderbar!

In der Kirche wurde Messe gefeiert, das habe ich mir ein kleines Weilchen angesehen. Danach setzte ich mich auf den Kirchplatz, trank einen Milchkaffee und aß ein Boccadillo mit Schinken, das warm serviert wurde und ganz hervorragend schmeckte. Das Lästerpotenzial bzgl. der vorbeiströmenden Menschenmassen war übrigens enorm. Aber das tut man ja bekanntlicherweise nicht :-).

Geparkt hatte ich auf einem kostenlosen Parkplatz kurz vor der Altstadt, dort stand ein Mann, der Lose für den örtlichen Sportverein verkaufte. Viele parkende Touristen zahlten die auf einem an der Zufahrt auf einem Schild ausgewiesenen 2 €, aber ich bin mir nicht sicher, ob jeder wusste, dass er nur ein Los gekauft hat. Als ich zum Parkplatz zurück kam, war dieser schon wegen Überfüllung gesperrt, wie auch der gegenüberliegende. Es war doch so einiges los.

Teror

Ich beschloss, als nächstes nach Santa Brigida zu fahren, einem Ort, der in meinem Reiseführer erwähnt wurde, von dem ich aber vergessen hatte, was die Attraktionen sein sollten. Und der Reiseführer lag zu Hause auf dem Tisch, er hatte seinen freien Tag… Ich glaube Luftlinie lag der Ort 10 km weit weg, gebraucht habe ich aber über eine Stunde. Ich bin eine Strecke gefahren, die noch engere Straßen als neulich aufwies. An manchen Stellen hatte ich Zweifel, ob ich überhaupt mit meinem Wagen alleine durchkomme, so schmal waren einige Gassen. Und diesmal waren die Ausweichmanöver keine Ausweichmanöver mehr, denn ich bzw. der Gegenverkehr war mehrmals gezwungen, so lange zurückzusetzen, bis man eine breitere Stelle antraf. Das war schon ein wenig nervenzehrend, da hinter einem ja auch oft Autos waren. Aber irgendwie hat das alles geklappt. Und es boten sich spektakuläre Ausblicke.

Was mich irritiert hatte, war, dass der Wagen in Teror bergab drei- oder viermal von sich selbst aus bremste. Dieses Phänomen ist mir bisher noch nie untergekommen und eine kurze Internetrecherche zuhause half hierbei auch nicht weiter. Aber da es nach ein paar Minuten Fahrt nicht mehr auftrat, ignoriere ich das jetzt erst einmal.

Markt Sta. Brigida

In Santa Brigida stellte ich den Wagen unterhalb der Casa de Vino ab und besuchte dort auch erst einmal den kleinen Markt. Hier gab es viel schönere Produkte als in Teror. Ich kann jedem nur raten, für seinen Lebensmitteleinkauf lieber hierher zu fahren (wobei Teror an sich ja einen Besuch wert ist!). Anschließend schlenderte ich noch ein bisschen durch den Ort, der ist ganz nett, hat schöne Gässchen und eine Kirche, von der man einen schönen Ausblick über das Tal hat. Wieder über schmale Serpentinenstraßen ging es zurück nach Hause.

Dort baute ich mir mit den gekauften Tomaten einen riesigen Bocadillo, und schnibbelte Obst für eine Sangria, die wird es nachher geben. Auch aß ich meine erste Kaktusfeige. Achtung: Das knallrote Fruchtmark ist ähnlich penetrant wie das der roten Bete.

Morgen ist wieder Schule und wir hatten eigentlich eine Hausaufgabe. Leider habe ich nur vergessen, was wir machen sollten. Ich hoffe trotzdem, ich komme um den blauen Brief drumrum.

Die besten Wünsche von der Insel sendet Euch Euer Gerald

Hier wohnt die Frau aus dem berühmten Lied…
¡Salud!

Tag 7: Bei den Ossis

¡Saludos de la isla!

Heute habe ich bei allerschönstem Wetter den Osten der Insel erkundet. Normalerweise verbindet man ihn ja nur mit dem Flughafen, aber es gibt hier einiges zu entdecken.

Mein erster Weg führte nach Telde in die Stadtteile San Juan und San Francisco, die beide seit mehreren Jahrzehnten unter Denkmalschutz stehen und daher nicht durch Neubauten oder Hochhäuser verunstaltet werden können. In San Juan flanierte ich erst einmal durch den Park und den angrenzenden Friedhof, bevor ich zur Kirche lief. San Juan hat mir schon sehr gut gefallen, mit seiner Basilika San Juan Bautista, die eine der ältesten Kirchen auf den Inseln ist, aber San Francisco mit seinen weißen Häusern im Mudejar-Stil mit den grünen Fensterläden und Türen hat da noch mal einen drauf gesetzt. Leider hatte die Kirche nicht geöffnet, die hätte ein paar interessante Details zu bieten gehabt. Ein wirklich sehr schöner Ort.

Von Telde aus fuhr ich nach Ingenio, wo ein Besuch des alten Ortskerns empfohlen wurde. Leider hat mein Navigationsgerät mich ungefähr dreimal um den gleichen Block fahren lassen und dann habe ich keinen Parkplatz finden können, so daß ich auf eine Besichtigung verzichtete und direkt nach Agüimes durchfuhr.

Ingenio

Der Reiseführer bezeichnet Agüimes als einen der schönsten Orte der Insel. Dem kann ich nur beipflichten, es ist eine Augenweide. Man gibt sich sehr viel Mühe, alles in bestem Glanz erscheinen zu lassen, überall stehen Skulpturen, die Häuser sind in einem exzellenten Zustand. Über Agüimes thront die kathedralenartige Kirche San Sebastián, vor der sich ein sehr schöner Platz befindet, auf dem man die Seele baumeln lassen kann.

Ganz in der Nähe liegt der Barranco de Guayadeque. Barrancos sind Schluchten, durch die in regenreichen Zeiten Wasser fließt, welches so Canyons formt. Die Fahrt durch diese Schlucht hält spektakuläre Aussichten bereit.

Barranco de Guayadeque

Mein letzter Halt für den Tag war Arinaga, ein Küstenort südlich des Flughafens. Je näher man dem Meer kommt, desto schöner wird es. Hauptattraktion von Arinaga ist eine kilometerlange Promenade, in deren Norden Kalköfen stehen, die von einem Aussichtspunkt überragt werden, von dem aus man bis zum Leuchtturm gucken kann. An dieser Stelle zieren große bunte Keramikskulpturen in Form von Fischen die Promenade.

Im Zentrum habe ich dann noch einen Kaffee mit Blick auf das Meer getrunken und mir die Sonne auf mein Haupt scheinen lassen. Ein entspannter und sehr schöner Ausflugstag! Auf dem Weg zurück durch las Palmas gab es ein bisschen Verkehr, aber inzwischen habe ich mich sehr an Sora gewöhnt, so dass mir sogar die steilen Serpentinenstraßen von einem Meter Breite keine Panik mehr verursachten, ja, ich habe mich sogar zu einem regelrechten Gegenverkehrsausweichexperten entwickelt.

Es ist jetzt früher Abend und gleich werde ich doch noch ein paar spanische Vokabeln pauken. Morgen werde ich dann noch einmal Teror und Umgebung unsicher machen.

Es ist unglaublich, dass jetzt schon eine Woche um ist. Die Zeit vergeht hier wie im Fluge!

Allen viele liebe Grüße, hasta mañana, sí quiereis

Euer Gerald

Nur für Elke…. ?

Tag 6: Klassenfahrt

¡Hola hola a todos!

Wie gestern schon erwähnt, ist heute in Spanien Nationalfeiertag, der Tag der Verfassung, el día de la constitución. Nikolaus wird hier nicht besonders groß geschrieben, man feiert hier dafür mehr den Tag der heiligen drei Könige am 6. Januar.

Alle Geschäfte waren heute geschlossen, so auch die Schule. Man hat aber beschlossen, uns während der eigentlichen Schulzeit eine Schnitzeljagd durch das Viertel Vegueta anzubieten, um anschließend eine Exkursion in die Stadt Agaete zu machen, um dort eine Finca zu besuchen, die Orangen, Wein, Kaffee, Avocados und andere Dinge anbaut und verkauft.

Blick von Santa Ana über die Stadt.

Die Schnitzeljagd war sehr abwechslungsreich, wir mussten diverse Wahr- bzw. Unwahrheiten über den Stadtteil Vegueta herausfinden, den Kathedralturm hochklettern, um die Aussicht zu beschreiben, vor der Büste eines berühmten Schriftstellers ein Selfie machen, uns vorstellen und aufschreiben, wie die Stadt in 100 Jahren aussehen wird und diverse andere Aufgaben mehr. Ich war zusammen mit der Kroatin und dem Iren in einer Gruppe.

Einer der beiden ist ein berühmter Schriftsteller….

Zu einer bestimmten Uhrzeit trafen wir uns mit den anderen zur Auswertung wieder. Auch die A-Kurse haben teilgenommen. Es gibt hier sogar eine Schülerin aus Mauretanien. Russland und die Schweiz waren auch vertreten. Es ist wirklich eine kunterbunte Schule. Ich habe auch die Professoren und Schulgründer Monika und Àngel kennengelernt, sie sind sehr sympathisch, und unser Professor Adrian war auch dabei. Natürlich hat unsere Gruppe die Aufgaben am besten gemeistert. Wer will uns auch das Gegenteil beweisen?

In den Bergen von Agaete

Gegen Mittag brachen wir dann nach Agaete im Nordwesten der Insel auf. Es hat wieder sehr viel geregnet, trotzdem war die Fahrt wegen der schönen Ausblicke sehr kurzweilig. Auf der Finca wurde uns erklärt, wie Kaffee wächst, wie er verarbeitet wird und konnten ihn dann auch probieren. Quasi mein erster Kaffee, den ich vorher persönlich kennengelernt habe. Wir probierten zudem das dort fließende Wasser aus vulkanischen Quellen, das nicht jedermanns Sache war, sehr mineralhaltig. Ich fand es eigentlich sehr schmackhaft. Wir aßen Orangen der Finca, die unglaublich saftig und lecker waren, wir hatten eine Weinverkostung mit fünf verschiedenen Weinen, diese waren jetzt nicht ganz so mein Fall, begleitet von Käse, Chorizo-Aufstrich, Kaffeemarmelade und Gebäck. Ich erstand die unglaublich interessante Marmelade und einen Laib Käse, denn Käse ist ja nie verkehrt.

Von der Finca aus fuhren wir zum Hafen in ein Fischrestaurant, wo wir auf Empfehlung der Lehrer einfach die große gemischte Fischplatte bestellten, dazu gab es Wein und es war alles sehr lecker. Es gab auch ganz wunderbare Nachtische, die ich mir dann aber verkniffen habe.

Zum Abschluss des Besuches machten wir noch einen kleinen Spaziergang, knipsten den Sonnenuntergang und fuhren dann wieder Richtung Heimat, wo mich der Busfahrer Paco freundlicherweise in Costa Ayala absetzte, so dass ich nicht von der Innenstadt von Las Palmas wieder zurückfahren musste. Agaete gefällt mir sehr, ich werde bestimmt noch einmal dort vorbeischauen.

Ein sehr abwechslungsreicher, sehr spanisch-deutsch-französisch-griechisch-russisch-englisch-dänischer Tag (huch, jetzt habe ich etwas übertrieben), der mir sehr viel Spaß bereitet hat. Natürlich haben alle wieder ein bisschen mehr über die anderen Mitschüler erfahren können. Was soll ich sagen? Ein Haufen sehr aufgeschlossener, intelligenter und sympathischer Personen. Es ist eine Freude, mit ihnen Zeit zu verbringen!

Jetzt gibt es noch ein paar Käsewürfel und ein Glas Wein, und damit gleite ich ins Wochenende. Wir wurden zwar freundlich ermahnt, das Wochenende auch zum Lernen zu nutzen, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dieser Ermahnung Folge leisten werde.

Ich hoffe, Ihr hattet alle einen schönen Nikolaustag und Eure Stiefel waren mit etwas anderem als schmutzigen Socken gefüllt.

Viele liebe Grüße von der Insel, von eurem Gerald

Hier hängt ein zukünftiger Schmetterling
Der Autor mal nicht geselfiet… ?