Scharfer Fleischeintopf mit Aprikosen, Erdnuss und Cashews

Ihr Lieben,

heute wollte ich mal wieder komplett am Rad drehen und etwas ungewöhnliches zaubern. Ich kaufte gemischtes Gulasch und überlegte erst daheim, was ich mit vorhandenen Zutaten daraus zaubern könnte.

Wir sehen hier zwei gewürfelte Gemüsezwiebeln, 5 gehackte Knoblauchzehen, zwei gehackte Chilischoten, etwa drei Daumen gewürfelten Ingwer, ein Kilogramm Kartoffeln, eine kleine Packung Kirschtomaten, eine Packung getrockneter Aprikosen, Kokosmilch, Erdnusscreme, gesalzene und geröstete Cashewkerne, Salz, Pfeffer, Zucker und Kreuzkümmel.

Ich briet die Zwiebeln, den Knoblauch, die Ingwerwürfel und die gehackten Chilis in einem Mix aus Sonnenblumen- und Sesamöl an, gab das Fleisch dazu, breit es kurz mit an, dann folgten die Kartoffeln, die halbierten Tomaten, die halbierten Trockenaprikosen, die Dose Kokosmilch, ein Glas Brühe (nicht auf dem Gruppenfoto), ganz viel Kreuzkümmel, Zucker, Salz und Pfeffer sowie ein Glas Erdnusscreme (die grobe) und eine Dose Cashews. Alles gut durchrühren und nicht verzweifeln, wenn die Erdnussmasse sich nicht gut vermengen lässt, das hat sich nach dem Kochprozess dann erledigt. Das alles ließ ich eine Stunde im Dampfkochtopf zusammen garen. Die Erdnusscreme war übrigens schon ein Jahr drüber, das hat man ihr nicht angemerkt. Wohl habe ich aber bemerkt, wie schnell man altert, ging ich doch davon aus, ich hätte die Creme gerade erst vor Kurzem gekauft.

Ich war ziemlich erstaunt, dass ich gar nichts nachzuwürzen hatte, der Eintopf schmeckte wunderbar. Garniert habe ich die Teller mit etwas gehackter Chili und Minzblättern.

Es ist von der Kombi fast so etwas wie ein nordafrikanisches Fleischgericht geworden, hat außer etwas Schnibbelei kaum Arbeit gemacht und kann ohne weiteres auch Gästen vorgesetzt werden!

Tipp, auch an mich selbst: Die Cashews erst nach dem Garen dazugeben und kurz mitköcheln lassen, dann hat der Eintopf auch etwas knackiges. Auch ein Teil der Aprikosen kann erst beim Servieren zugegeben werden.

Antwerpen 2024, Teil 2

Ihr Lieben,

das Haus hat strikte Hausregeln: Keine Partys, keine Musik, kein Lärm, keine fremden Besucher, kein gar nichts. Es gäbe 4 night guards, die gnadenlos durchgriffen, sollte gegen die Regeln verstoßen werden. Was sollen wir sagen: Party, Musik, Besucher, Alkohol im Treppenhaus usw. usf. Heute morgen, ich wollte zum Bäcker gegenüber, latschte ich erst einmal über Gläser und Bierflaschen sowie durch eine klebrige Getränkelache, die vor unserer Tür standen bzw. eben „lachen“… Haben die night guards mitgefeiert?

Wir hatten Tonnen von Lebensmitteln und Getränken ins Auto gepackt, weil wir keine Zeit mit Einkaufen verplempern wollten. Gut, Kaffeepads, Milch, Sekt und Wein haben wir getrunken bzw. genutzt. Ich nehme es vorweg: All die Nüsse, die Chips, das Brot, Marmelade, Käse, Wurst kamen hingegen wieder im Originalzustand mit nach Hause. Wein und Sekt hatten wir sowieso viel zu viel dabei. Aber gegenüber war eine Bäckerei, die fanden wir viel verlockender zum Frühstück als unser gesundes Eiweißbrot. So ein frisches Croissants ist auch viel urlaubsgemäßer.

Wir packten unsere Siebensachen, räumten ein bisschen auf und verließen unsere Bleibe, die gemischte Gefühle hinterlässt. Die Betten waren sehr bequem, die Lage war okay. Demgegenüber das speckige Sofa, der Aufzug des Grauens und die Mitbewohner. Aber im Ernst: Theoretisch hätten in unserer Wohnung 10 Menschen übernachten können, wenn sie sich a) entweder alle furchtbar lieb gehabt oder b) sich dermaßen ins Koma gesoffen hätten, dass alles egal gewesen wäre. Das hieße pro Person etwa neun Euro Übernachtungskosten und das in Antwerpens Zentrum. Klar lockt das ein gewisses Klientel an. Wir haben aber – auch dank Ohrstöpsel – nur am Rande davon mitbekommen.

Wir schleppten uns zum Parkhaus, beluden Cora und entschieden uns, zuerst zum Begijnhof zu laufen. Beginen waren Laienschwestern, die keusch und karitativ in Gemeinschaften zusammenlebten, meist waren es Töchter aus gutem Hause. In den Niederlanden und in Belgien waren sogenannte Beginenhöfe sehr populär. Es gibt übrigens eine ehr nette Romanserie über eine Begine des Mittelalters, die Kriminalfällte löst, habe ich früher gerne gelesen.

Beginenhöfe sind Oasen der Ruhe, meist mit Gärten, klösterlich anmutend. Auch der inmitten von Antwerpen bildet da keine Ausnahme. Sehr ruhig, sehr schön, sehr grün. Ganz wunderbar und einen Besuch wert.

Unser nächstes Ziel war die Sankt-Paul-Kirche. Sie besticht insbesondere durch ihre reichen Kunstschätze im Inneren. Gemälde von Rubens, van Eyck und anderen Berühmtheiten sind zu finden. Wir betraten das Gotteshaus von der Hofseite her und durchquerten es bis zum Haupteingang. Dabei liefen wir an einer Messe vorbei, in der gerade mit voller Wucht ein Teil eines Requiems gegeben wurde. Auch der Altarraum ist außergewöhnlich prachtvoll!

Ein Stück entfernt liegt das sehr moderne Museum am Strom. Das Gebäude liegt am Antwerpener Hafen und hat eine (für mich) anziehende Architektur. Natürlich war die Zeit zu knapp, um die 10 (!) Etagen des Museums zu besuchen, aber man kann ohne Ticketerwerb auf die oben gelegene Panoramaplattform fahren/steigen und hat einen sagenhaften Blick über die ganze Stadt, die Schelde und das Umland. Bei Sonne wären wir wahrscheinlich ausgeflippt, leider war es um diese Zeit noch etwas bewölkt und diesig. Ein Aufstieg lohnt sich aber allemal.

So ein Croissant hält ja nicht ewig und eine von Elkes Klientinnen drängte sie vor Abreise dazu, sie müsse unbedingt Fritten (gestern erledigt), Waffeln und Muscheln essen. Heute waren die Waffeln dran. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu flämischen Waffeln, seit ich mal um die Ecke des Manneken Pis in Brüssel eine so widerlich süße Waffel kredenzt bekam, dass ich den Rest meines Lebens darauf verzichten wollte. Wir ergatterten einen der begehrten Tische am Waffelhuis (vielmehr beim Konkurrenzlokal daneben) gegenüber der Kathedrale und ich entschied mich dann für Pfannkuchen mit Obst und Schokosauce, das ist ja auch sehr flämisch. Es war sehr lecker und nur ein bisschen teuer, und das Probestück von Elkes Waffel hat mich auch wieder ein bisschen mit diesem Gebäck versöhnt. Für den Fall, dass kein Tisch frei gewesen wäre (und es war seeehr voll am Kathedralplatz), hatten wir einen Plan gefasst: Uns ganz eng an einen Tisch zu pressen, auf dem die Teller schon leer waren, und den Leuten intensiv in die Augen zu starren, so dass sie uns freiwillig die Plätze überlassen würden. War aber ja nicht nötig. Und jetzt kam auch endlich die Sonne durch!

Ich wollte unbedingt Pralinen mitnehmen. Jetzt ist es so, dass es an allen Ecken und Enden z.B. Leonidas-Läden gab oder Touristenbuden mit „echt belgischer Schokolade“, aber ich bin da ein verwöhntes Rotzblag. Es muss Pierre Marcolini oder vergleichbares sein. Aus Brügge kannte ich „The Chocolate Line“, den suchten wir dann im Stadtpalais auf. Ich verrate jetzt nicht, was da ein Kilogramm Pralinen kostet, sonst fallt Ihr in Ohnmacht und könnt meinen Blog nicht zuende lesen. Ich werde jetzt, bis die Schachtel leer ist, jeden Tag eine Praline essen, auf Meißner Porzellan, mit Stoffserviette, Silberbesteck und ausgewählten Weinen dazu. Dafür veranschlage ich dann jeweils eine Stunde.

Um die Ecke liegt das Rubenshaus, das zur Zeit aber renoviert wird und bis mindestens 2027 nicht besuchbar sein wird. In Köln könnte man das Datum direkt auf 2127 raufsetzen, vielleicht bekommen die Antwerpener das aber besser hin. Dennoch konnten wir einen Blick von Außen erhaschen. Schon auf dem Weg zum Begijnhof stießen wir auf einen Kunsthandwerksmarkt. In der Nähe des Rubenshauses gab es einen, der eher auf Fressen und Saufen ausgerichtet war und nebenher Plastiktinnef aus Fernost feilbot. Beide Märkte erforschten wir mit Hingabe, ich erstand auf dem ersten ein Armband und auf dem zweiten Tonnen von Käse.

Es wurde Zeit, an die Heimfahrt zu denken, Elke musste noch vor Einbruch der Dunkelheit Amy von ihrer Pflegemami abholen. Wir besuchten noch einmal das Stadtpalais, wo wir beim Besuch der Pralinerie freie Tische im Restaurant des Hofes gesichtet hatten. Ein Kaltgetränk und einen Snack später machten wir uns auf zum Parkhaus, um Antwerpen zu verlassen. Eine Aufgabe hatten wir aber noch: Wir mussten belgisches Bier kaufen. Zwar hatten viele entsprechende Läden geöffnet, aber finde in Antwerpen davor mal einen Parkplatz. Wir parkten dann am Bahnhof in der Tiefgarage, pesten zum DelHaize dort und kauften zwei kleine Kisten. Das Parkhaus war dann noch eine kleine Herausforderung, auf die ich im Detail jetzt aber nicht eingehe. Ich war nervlich aber etwas beansprucht.

Die Heimfahrt verlief stockungs- und störungsfrei, in Poll luden wir die Habseligkeiten um und ich war um 18 Uhr fertig mit Auspacken und Verräumen. Ich finde, das war eine super Idee von Elke, man muss auch mal spontan sein. Antwerpen ist eine Reise wert, das Wetter hat mitgespielt und für nur eine Nacht haben wir echt was gesehen, erlebt, unternommen.

Ich hoffe, unser kleiner Trip macht Euch auch Lust. Wir sehen uns in zwei Wochen wieder, dann in Ostfriesland. Bis dahin alles Gute und noch einen schönen Pfingstmontag! Liebe Grüße, Euer

P.S.: Gestern Abend bei der Weinplörre sprachen uns zwei Frauen an, die wir nur mit allergrößter Anstrengung davon überzeugen konnten, dass wir uns nicht kennen. Sie sind noch nicht einmal darauf gekommen, als sie feststellen mussten, dass wir gar kein Flämisch sprechen. Das war auf jeden Fall genug Stoff, um für den Rest des Trips einen Running Gag zu haben.

Antwerpen 2024, Teil 1

Ihr Lieben!

Vor kurzem fragte Elke an, was ich denn so an Pfingsten triebe. Nunja, freitags hatte ich schon einen Doppelkopftermin, aber sonst… Nach Durchsicht der Preise für Unterkünfte über die Pfingsttage fielen wir erst in Ohnmacht und beschlossen nach Wiedererlangung unseres Bewusstseins, es bei einer Nacht in einer Stadt auf Beneluxgebiet zu belassen. Wir guckten uns Antwerpen aus und buchten dort eine riesige Ferienwohnung für eine Nacht in der Nähe des Bahnhofs. Die war nämlich vergleichsweise preiswert.

Vorher hieß es aber noch eine Woche arbeiten, Reiseführer kaufen und Anreise planen. Ich suchte ein Parkhaus aus, das zwischen unserem Appartement und der Vermietungsagentur lag, bei der wir den Schlüssel abholen sollten. Alles so im 500-Meter-Radius. Das Besondere an diesem Parkhaus war, dass die Einfahrt über Kennzeichenerkennung erfolgen sollte. Wir trugen Coras Daten ein. Elke war zuvor noch nie mit ihr gefahren und die alte Dame will ja noch was von der Welt sehen. Also Cora, nicht Elke.

Ja, und jetzt muss ich mich selbst verpetzen. Seit 3 Monaten fahre ich mit dem Ersatzaußenspiegel im Kofferraum herum, der schon längst sein elendigliches Pendant, das mit Panzertape mehr schlecht als recht befestigt war, ersetzen sollte. Nämliches war ja im Tornado im Dezember quasi getötet worden. Ich stellte mir Elke vor, wie sie auf dem Beifahrersitz sitzend ununterbrochen auf den Trümmerspiegel glotzte und sich fragte, ob ich sie noch alle hätte.

Manchmal meinen die Nornen es aber gut mit einem. Ich hatte am Abend vor unserer Abfahrt ja besagten Doppelkopftermin, dort musste ich aus Zeitnot mit Cora hinfahren. Im Scherz fragte ich Matthias, Petras Mann, ob er nicht mal eben den Spiegel… Er konnte. Ohne zu zögern und im Affentempo tauschte er den Spiegel aus. Obwohl elektrisch und mit Hochtöner über der Verschraubung und Steckverbindung hinter der Türblende. Sagenhaft! Und Petra hatte auch noch eine Spargelquiche feinster Güte gezaubert. Ich werde dann als Rentner zu ihnen ziehen, sie wissen es halt noch nicht. Überraschung. Ich glaube, sie wären vollkommen aus dem Häuschen.

Die Doppelkopfrunde verließ ich dann schon nach 4 Stunden, da ich noch Wäsche im Keller hatte und Pakete aus der Packstation abholen musste. Außerdem spiele ich ohne Alkohol zu gut. 😜Elke kam am darauffolgenden Morgen pünktlich an, wir luden Gepäck um und starteten unseren Kurztrip.

Der Verkehr war bis kurz vor unserer Ferienwohnung völlig okay, insbesondere für ein Pfingstwochenende. Für den letzten Kilometer brauchten wir dann gefühlt allerdings genau so lange, wie von Köln nach Antwerpen. Wir mussten die Carnotstraat Richtung Bahnhof entlang und es ging nur im Schneckentempo voran. Aus den Seitenstraßen wollten Schlangen von Blechkisten auch auf die Carnot, aber alles stand Stoßstange an Stoßstange. Als wir mal einen durchließen, sahen wir in ein sehr glückliches Gesicht. Nach sehr vielen zähen Minuten verkündete Google Maps, wir wären da. Leider war die Einfahrt links und wir durften nicht abbiegen. Elke und ich überlegten, was unsere Strategie sein könnte. Wir hatten ja dank Stau ausreichend Zeit dafür. Ich weiß jetzt gar nicht, wie ich es irgendjemandem erklären könnte. Aber plötzlich erhob sich Cora, schwebte auf die andere Seite und wir standen vor der Parkhauseinfahrt. Ein Wunder. Hüstel. Nur die Nummernschild-Erkennung funktionierte natürlich nicht. Aber dafür hatten wir als Redundanz noch einen QR-Code, der uns einließ. Wir suchten einen Platz in dem überfüllten und engen Parkhaus und schworen uns gegenseitig, den Wagen bis zur Abreise nicht mehr zu bewegen.

Wir suchten die Agentur auf, um die Schlüssel abzuholen. Wir merkten auf dem Weg schon, dass Antwerpen unglaublich voll und entsprechend laut war. Vor der Agentur schon eine kleine Schlange, die sich nach Erledigung unseres Anliegens noch verzehnfacht hatte. Das Gespräch war kurz. Man schicke mir alles per WhatsApp auf das Handy, was ich wissen müsse. Schlüssel in die Hand und Tschüss. Nur bekam ich keine Nachrichten. Mir wurde klar, dass ich ihm die falsche Telefonnummer gegeben hatte. Wieder anstellen? Keinesfalls!!!

Elke war da auch nicht so für und wir holten unsere Plünnen aus dem Kofferraum und schleppten alles zur angegebenen Adresse. Dort nahmen wir einen Aufzug aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, der dann auch prompt zwischendurch steckenblieb. Als wir oben ankamen, war das Licht im ganzen Gebäude aus und wir tasteten uns zur Türe.

Was für ein riiiiiesiges Appartement! Wie heruuuuuuntergekommen. Nicht wirklich dreckig, aber total abgewohnt. Wenigstens mit kleinem Minibalkon für Elke. Die Spülmaschine war funktionslos, dafür klebte ein Zettel dran, sie wäre ja auch nicht als Ausstattung aufgelistet worden. Eins der beiden Sofas wurde wegen Fleckiose als unbesitzbar klassifiziert. Klo und Waschbecken einen halben Kilometer auseinander. Ein Schlafzimmer mit 3 Doppelbetten und zerfledderten Vorhängen, ein kleines mit einem Bett. Was soll’s, für eine Nacht ist es zu überleben.

Wir packten aus, schlabberten einen Begrüßungssekt (mitgebracht!) und begaben uns auf Sightseeingtour.

Beide waren wir schon einmal hier. Wir können uns beide nicht erinnern. Es ist ewig her. Die Stadterkundung brachte auch keine Erinnerung zurück. Aber es ist eine sehr sehenswerte Stadt! Allein der Bahnhof, bei dem wir unseren Spaziergang starteten. Pompös, prächtig, protzig und palastös! So etwas habe ich als Bahnhof noch nicht gesehen.

Weiter über die Haupteinkaufsstraßen, die uns ja eigentlich generell nicht reizen, Richtung Kathedrale und Grote Markt. Eigentlich? Ja, denn die Läden sind nicht anders als in jeder beliebigen Großstadt bei uns; C&A, Drogerien, Handyzubehör. Aber in was für Bauten stellenweise! Historismus, Jugendstil, Klassizismus und und und. Nicht unterschlagen werden darf aber, dass Antwerpen auch sehr hässlich kann.

Der große Marktplatz und seine Umgebung sind dann aber ganz wunderbar. Klar, sehr touristisch, sehr überlaufen, sehr laut. Aber es gibt so tolle Gebäude, Gassen, Geschäfte!

Wir hatten ein kleines Hüngerchen und liefen zur Schelde, da wir dort viel Gastronomie vermuteten. Pustekuchen. An der Scheldeburg, het Steen, wollten wir dann aber auf einer unscheinbaren Terrasse wenigstens mal ein Bier trinken. Das war dann lecker, die Sonne kam durch, der Laden innen ganz toll… Wir beschlossen, sehr früh zu Abend zu essen und uns den Rest des Abends mit Snacks über Wasser zu halten. Bomma heißt das Restaurant und es hat uns gut gefallen.

Wir erklommen het Steen, suchten den Vlaaikensgang auf (eine zauberhafte verwinkelte Gasse mit hochgelobten Restaurants) und strollten durch die Straßen rund um die Kathedrale. In einer sehr netten Restauration tranken wir draußen einen gruseligen Wein und beschlossen darüber, daß Viertel Sint Andries zu erlaufen. Dies war früher ein Armenviertel, ist nun aber gentrifiziert und gilt als hip! Ich musste ein bisschen an Amsterdams Jordaan denken. Es hat uns ganz gut gefallen.

Wir liefen zur Schelde runter, wo die Sonne sich bettfertig machte und wir einen schönen Uferspaziergang machten. Wir sahen über der Stadt mit der Liebfrauenkathedrale im Hintergrund einen Regenbogen auf sich aufmerksam machen.

Wir flanierten dann noch durch Straßen und Gassen zu unserem temporären Zuhause, wo wir einen Absacker nahmen und uns einig waren, dass wir nichts falsch gemacht hatten.

Das Haus ist ultralaut, es gibt Hausregeln, die keiner beachtet, aber wir haben uns ausreichend Müdigkeit erlatscht, um das ignorieren zu können.

Morgen? Wissen wir noch nicht, mal sehen. Schön aber wäre, wenn Ihr uns dennoch begleitetet!

Liebe Grüße, Euer

Frittata

Ihr Lieben,

letztens sah ich einen Film, in dem Harrison Ford für Rachel McAdams eine Frittata zubereitet, und das sogar zwei Mal. Der Film heißt Morning Glory und ist ganz nett (für mich immer noch ein durchaus positives Wort).

Und da es heute ein glory sunday morning ist, gibt es passend dazu eine Frittata. Wahrscheinlich mache ich aus Sicht von Experten dabei so einiges falsch, aber das Ergebnis fällt für mich überzeugend aus.

Frittata wird bei Google mit Eierkuchen oder Omelett übersetzt. Für viele ist Eierkuchen aber gleichbedeutend mit Pfannkuchen und Omelett mit einem geklappten Rührei. Omelett kommt dem dennoch schon sehr nah.

Zuerst werden drei Eier in eine Schüssel gegeben (das reicht dann für 1 bis 2 Personen als Hauptfrühstück oder aber für 4 als Frühstücksbeilage). Diese mit Chilisalz, Pfeffer, Knoblauch und Kräutern der Provence (nicht auf dem Foto oben), einem Spritzer Tabasco und einem Schuss Milch kräftig aufschlagen.

In einer Pfanne werden dann Speck- und Zwiebelwürfelchen angebraten, kleingeschnittene Tomatenstücke dazugegeben (ohne die Kerne, das würde zu sehr verwässern) und alles schön gleichmäßig auf dem Pfannenboden verteilt. Darüber gibt man die Eimasse und belegt – für eine schöne Optik – alles mit großen Petersilienblättern. Die Pfanne kurz sehr heiß werden lassen (damit der Boden schnell fest wird), dann runterschalten, Deckel drauf und alles bis zur gewünschten Konsistenz stocken lassen. Ein- oder zweimal mit dem Pfannenwender am Rand und leicht unter der Masse entlang fahren, damit sich das Ganze nachher besser löst.

Auf einen Teller gleiten lassen und fertig ist ein leckeres Frühstücksgericht! Natürlich kann man eine Frittata auch mit Paprika, Käse, Meeresfrüchten und meinetwegen auch Schlumpfeis machen, der Phantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

Allen einen schönen und sonnigen Sonntag wünscht Euch Euer

Kuba: Der Epilog

Ihr Lieben,

wie soll ich diese merkwürdige Erfahrung zusammenfassen? Man schrieb mir, das sei ja eine grauenvolle Reise, die ich da mache. Man schrieb mir, das sei ja traumhaft, was ich alles erlebe. Nun, es liegt irgendwo dazwischen. Gottseidank bin ich weit vor Abreise einigen Kuba-Foren beigetreten. Wäre ich unbedarft in das Land gereist, ich hätte wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erlitten und wäre dort zudem verarmt. Ich erwähnte es (und ich werde einige Sachen wiederholen, die ich bereits in meinem Reisetagebuch schrieb), wer auf offiziellem Wechselkurs nach Kuba reist, bezahlt einfach auch mal 10 Euro für einen Kaffee. Heute beträgt der offizielle Wechselkurs Dollar/Peso 1:120. Auf der Straße sind es (man nähert sich beim Umtausch der sogenannten „Eltoque-Rate“ so gut es geht) 1:360. Der Durchschnittslohn in Kuba liegt bei vielleicht 4.000 Pesos im Monat. Das entspricht einem touristischen Abendessen. Klar, dass Ärzte lieber Classic Cars fahren anstatt im Bereitschaftsdienst dumm rumzusitzen. Das Geschäft mit den Touristen ist das einzig einträgliche! Und dabei wird hoch gepokert, da können Taxifahrten auch einfach mal teurer sein, als bei uns. Da ist die Versuchung groß, auch mal zu bescheißen. Da werden für alles und jeden Phantasiepreise aufgerufen. Das zehrt an den Nerven, man ist 24/7 auf einem Basar.

Kuba ist ein wunderschönes Land! Was könnte man aus diesem Land machen! Doch Verfall, Armut, Unordnung dominieren. Das ist schwer zu ertragen, wenn sich der siegreiche Sozialismus an jeder Häuserwand selbst bejubelt. Hasta la victoria siempre! Jede Ortseinfahrt preist mit einem Schild die Errungenschaften des Systems, jede Stadt ist irgendwie eine Stadt der Helden, in der die besten Menschen leben. Das verstört, wenn man weiß, dass es keine Medikamente gibt, kein Wasser (!!!!!), keine Hygieneprodukte, keine Babynahrung, keine Milch. Das Netz bricht weg, der Strom fällt aus. Was um Himmels Willen gibt es denn da zu feiern? Ich wollte nicht politisch werden in meinem Tagebuch, ich glaube ich schrieb das schon in meinem Prolog. Ich will es immer noch nicht, ich verstehe zu wenig von den Zusammenhängen. Aber es ist offensichtlich, dass das politische System auf Kuba versagt. Eine Mitschuld der Amerikaner an der desolaten Lage des Landes ist – wegen der Embargopolitik – auch nicht von der Hand zu weisen. Ich werde es übrigens nun, als Kuba-Tourist, wesentlich schwerer haben, nach Amerika einzureisen. Mal eine Frage: Ist es überhaupt erstrebenswert in ein Land zu reisen, das mir vorschreibt, wo ich sein darf und wo nicht? Land of the Free, dass ich nicht kichere!

Kuba ist als Reiseland ein vortreffliches Ziel, wenn man genug Geld hat und sich in geschützten Bereichen aufhält. Ich finde keine Zahlen dazu, wo sich die meisten Besucher der Insel aufhalten, aber mein Ausflug an den Strand von Guardalavaca zeigte mir, dass Touristenhochburgen einer abgekapselten Oase gleichkommen. Es gibt ausladende Buffets, Sonne, Palmen, Meer, kaum Kubaner. Es sei denn als Showtruppe oder Servicekräfte. In einer der Facebookgruppen schrieb eine Amerikanerin, sie sei an 7 Stränden gewesen und würde jetzt mal behaupten, sie kenne Kuba, wie ihre Westentasche. Das bezweifele ich stark. I really doubt that, M’lady! Wenn man untouristische Pfade begeht, erlebt man ein anderes Kuba. Klar, die Städte sind in der ersten Reihe in der Regel prächtig! Restaurierte Kolonialzeitbauten, wunderbare Plätze, erstaunliche Innenhöfe, bunte Häuserzeilen. Die Natur ist spektakulär: Bananenplantagen, Zuckerrohrfelder, Wasserfälle, Strände mit Palmen, Berge, Täler, grün, grün, grün. Alles prima, solange man im potemkinschen Dorf bleibt. Denn es gibt dahinter Müllberge, Verzweiflung und Armut. Wut? Nein, das eher nicht, das ist nicht erwünscht. Wenn in Holguín der Strom ausfällt, ist das Zentrum voller Polizei und Militär.

Ist Kuba ein Land für mich? Definitiv nein! Alle rauchen, das ist schon einmal für einen doch eher militanten Nichtraucher eine Pest. Dann ist es der lauteste Platz der Welt. Man unterhält sich nicht, man schreit. Die Motoren lässt man aufheulen, die Radios bzw. Bluetooth-Lautsprecher laufen am Anschlag. Ich schwamm quasi 500 Stunden im kakophonischen Meer. Bereue ich denn die Reise? Definitiv nein! Ich habe einige tolle Menschen kennengelernt, schätze die Kultur, die wechselvolle Geschichte, die Natur. Ich bin froh, dort gewesen zu sein. Man muss halt vorbereitet sein. Die Reise an sich würde ich von heutigem Standpunkt aus auch anders organisieren. Wenn Ihr also einen Individualtrip planen solltet, dann fragt ruhig nach.

Was Kuba für mich wirklich abstoßend macht, ist die geschilderte Selbstbeweihräucherung der Regierung. Und dass einige der Bewohner nicht erkennen, dass Touristen Bewegung in eine positive Entwicklung des Landes bringen könnten. Stattdessen gibt es mehr als nur einige Gestalten, die es darauf anlegen, Touristen zu vergraulen, indem sie sie verarschen. Man möchte diese Personen am Revers packen und kräftig durchschütteln!

Ihr werdet nicht glauben, was ich jetzt von mir gebe. Besucht dieses Land, es ist sehenswert. Aber seid umsichtig. Das Land gibt viel, die Gauner nehmen viel. Ich habe Medikamente, Schulartikel, Hygieneprodukte und dergleichen mitgenommen und verteilt. Und ich wurde verarscht. Diese beiden Dinge gehören nicht auf die beiden Waagschalen einer Waage. Es sind zwei völlig verschiedene Waagen. Ich weiß, dass mein Resümee für manche verbittert klingt, aber wenn man sich vorbereitet und (vielleicht besser als ich) angemessen reagiert, ist Kuba eine Reise wert.

Viva la revolucion? Nö, denn wenn die so weiterlebt, ist Kuba verloren. Aber nicht dorthin zu reisen, hilft auch keinem.

Noch einmal Danke für Eure Begleitung und bis bald! Seht mir nach, dass ich hier ein wenig aufgeregt durcheinandergeschrieben habe.

Liebe Grüße, Euer

Tag 21 – La Habana: Schluss, Aus, Ende.

Ihr Lieben,

was für eine wunderbare Nacht. Was für wunderbare Ohrstöpsel! Hatte ich schon einmal erzählt, dass ich mal fast alle auf dem Markt erhältlichen Ohrstöpsel getestet hatte…? Dazu kommt, dass das Schlafzimmer im Appartement zusätzlich noch einmal quasi eingekapselt ist. Draußen tobte die Party, ich schnarchte im Takt dazu.

Die Cafetera in der Wohnung gehört eigentlich der Seuchenschutzbehörde überstellt, die Töpfe hatten auch Ablagerungen, die bis ins Pleistozän zurückdatieren. Ich beschloss, auf der Plaza Vieja zu frühstücken. Teuer, aber angenehm. Der Platz war fast leer, ich der einzige Frühstücksgast auf der riesigen Terrasse des Café Bohemia. Daher auch sehr beliebt. Karikaturmaler, Zigarrenverkäufer, Geldwechsler…

Ich schaute mich dann mal nach Rum um, mein Vermieter hatte mir einen Laden empfohlen, die Facebook-Gruppe einen anderen. Leider wurde ich in keinem von beiden fündig, da ich mich auf eine bestimmte Sorte eingeschossen hatte. Aber Havanna Club bekommt man ja auch in Deutschland (zu nur geringfügig höheren Preisen) und wegen des Santiago-Rums (der „Nachfolger“ des Bacardí-Rums) schaue ich noch einmal am Flughafen.

Rum-Tasting im Museo del Ron

Ich streunte über die Plaza San Francisco, entdeckte eine orthodoxe Kirche, schöne Gräber von prominenten Menschen, eine Statue von Mama Teresa, eine lebende Statue eines Piraten, machte einen Schwenk zum Kathedral-Platz und wollte dann daheim eine Siesta machen.

In der Wohnung gab es dann kein Wasser mehr. Eine kurze WhatsApp an Mitchel und er stand vor der Tür. Der Tank auf dem Dach war leer (da war doch gestern was im Treppenhaus?) und es musste Wasser hochgepumpt werden. Nach einer halben Stunde ging wieder alles. Also, es gibt bei AirBnB ja die Auszeichnung „Superhost“ für Vermieter, die sich einen gewissen Ruf im Kümmern erarbeitet haben. In Mitchell habe ich einen Megahost.

Nach der Siesta lief ich den Paseo del Prado hoch, schaute in Galerien vorbei, knipste 2.791 Classic Cars um das Capitolio herum und erwanderte mir den Malecón bis zum Hotel Nacional, heute ohne tosende Wogen an der Wasserlinie und ohne Hochzeit im Hotelgarten, und dann durch das Gassengewirr zurück. An einer Stelle dachte ich kurz, ich sei in Rom gelandet, da starrte mich doch glatt der Mund der Wahrheit an. Naja, um ehrlich zu sein, beschränkte sich die Ähnlichkeit auf zwei Merkmale: Fratze und Loch anstelle eines Mundes. Einer deutschen Reisegruppe lief ich auch noch in die Arme. Ich fragte ein Pärchen, das die Ausführungen des Tour-Guides zu einem Loch im Boden nicht rasend zu interessieren schien, wie es sich denn so in einer Gruppe reise? Jo mei, basst scho. Is hoid wie oiwei mit oan Gruppn (oder so ähnlich).

Es war Zeit, sich um das leibliche Wohlbefinden zu kümmern. Ich war heute wieder viel auf den Beinen und suchte mir die Plaza Vieja aus, das sind nur 50 Schritte. Die Wahl fiel auf das Vitrola. Gestern übrigens war es das Don Julio. Grillteller und Salat. Es gab Bier aus Dortmund. Naja. Ich hatte DAB als Tap (vom Fass) missverstanden.

Morgen dann Rückreise. Es wird einen Epilog geben, für den lasse ich mir aber etwas Zeit, ich muss so vieles sacken lassen.

Es freut mich sehr, dass wieder so viele mitgereist sind und auch hier, bei Facebook, über E-Mail und per WhatsApp kommentiert haben. Besonders habe ich mich über unsere gemeinsame Strandparty in Guardalavaca gefreut. War ja preiswert. Am 11. April 2026 erwarte ich Euch dann aber vor Ort. Vielleicht Grönland oder Perú. Kann aber auch absurd exotisch werden, wie Köln Poll z.B. Ist aber ja noch hin.

Also, danke, danke, danke, schaut die Tage doch noch das Resümee an, wenn Ihr Lust habt. With ❤️ from 🇨🇺,

Euer Gerry

Mein Name soll kommende Woche dazugraviert werden.
Schatte *hicks* tier Vequila…

Tag 20: La Habana al final

Ihr Lieben,

Rückkehr zum Tatort. Alles auf Anfang. Hier hat alles begonnen… Nein, ich habe keine Drogen genommen, aber ich bin auch ohne ziemlich matschig in der Birne. Die Fahrt war natürlich ein Albtraum! Wir fuhren pünktlich und halbvoll los. Dennoch wurden uns feste Plätze zugewiesen, immerhin gab es noch drei oder vier Zustiegsbahnhöfe bis Havanna. Ich saß – natürlich – schräg hinter dem kleinen Mädchen, das beschlossen hatte, die ganze Fahrt wach zu bleiben, und deren gestresster Mutter, deren Rückenlehne so ausgeleiert war, dass sie praktisch auf mir lag. Ich tauschte natürlich sofort meinen Platz. Das ging aber nur bis Bayamo gut, als der nächste Schwung zustieg und ich wieder auf meinen Platz musste. In Las Tunas, ein Stopp, der gar nicht vorgesehen war, stiegen dann mehr Menschen zu, als es Plätze hatte. Ein, sorry, bin ja selbst keine Elfe, seeehr umfangreicher Mann stieg ein und rannte auf den Platz neben mir zu. Mich traf fast der Schlag! Der Chefkontroletti bugsierte ihn dann aber auf den Mittelsitz nach hinten und eine schmale, junge Chica zu mir. Dennoch war ich eingepfercht. Wer mich kennt, weiß, dass ich kleine klaustrophobische Aussetzer habe. Ich steigerte mich in dem Moment in genau so etwas rein. Wir hatten erst drei Stunden Fahrt hinter uns.

Ich om-te 🕉️ mich so gut wie möglich in einen panikarmen, aber fragilen Daseinszustand und hoffte auf Schlaf. Ich resümiere: Eingequetscht. Nachtbus mit ausgeleierten Sitzen. Hyperaktive Kinder. Hyperaktive Kubaner. Es war die Hölle! Ständig klingelte ein Handy und dann wurde nicht hineingeflüstert, sondern -getrötet! Die Kinder spielten Ballerspiele mit eingeschaltetem Ton. Man unterhielt sich lautstark. Jemand pfiff die ganze Zeit Melodien. Ständig wurde irgendwo angehalten, um irgendwas zu erledigen. Ich war ein Wrack schon nach der Hälfte der Zeit. Und wir fuhren nicht 15, sondern fast 17 Stunden. Ich werde im Epilog noch einiges dazu schreiben, was ich falsch gemacht habe, aber schreibt es Euch schon jetzt einmal hinter die Ohren: Kein Bus von Santiago nach La Habana!

Wobei man doch einiges erleben kann: bei einem Stopp erklomm die Polizei den Bus. Ich habe kaum etwas verstanden, aber ein Gepäckstück musste gesucht werden, das zu keinem Passagier gehörte. Oder der Tankstopp: einige Passagiere stiegen am Bahnhof Camagüey aus und der Bus bretterte  ohne sie davon. Wurden wir entführt? Ich wollte rufen, dass da doch wer fehlt, aber alle anderen waren so tiefenentspannt. Ich alter Pointenvermassler nahm es ja schon vorweg. Es wurde getankt. Der Bus fuhr zurück, alle hatten die WCs aufgesucht, Limo gekauft, Empanadas gefuttert. Und ich war bei der „Entführung“ im Bus und konnte nichts dergleichen tun. Super.

Irgendwann kamen wir in Havanna an. Alle prügelten sich um die Koffer. Meiner lag ganz vorne und im Weg. Aber erklär das mal einem Kubaner. Vor dem Busbahnhof die Taximafia. 25 Euro. Hahaha, ich bot 10. Ich mach’s für 10, schrie einer von hinten. Große Rangelei unter ca. 5 erwachsenen Männern. Echt, es ist furchtbar anstrengend. Ich bekam einen Fahrer vom furchteinflößenden Kundenverteiler zugewiesen, der mein Navi brauchte, um die Wohnung zu finden. Einige Straßen in Kuba führen ein Doppelleben. Es gibt den offiziellen Namen und den, den die Bevölkerung benutzt. Das sorgt stets für Verwirrung. Der Fahrer war zuverlässig und nett, und jetzt habe ich wieder eine Taxinummer mehr im Telefon.

Die Wohnung von Carlos Mitchel ist beliebt, sie war bis heute vermietet und noch nicht gereinigt. Er erklärte mir alles, wir richteten das W-LAN ein und ich ließ die Aufräumer allein. Die Wohnung ist direkt an der Plaza Vieja. Schöne Gegend in der ersten Reihe, heruntergekommen in der zweiten. Ich suchte nach einem Laden mit Milch (vergeblich) und ließ mich in der Obispo erst einmal auf zwei Bier nieder.

Dann erlief ich mir „meine“ Plätze noch einmal, fand tatsächlich einen Laden mit Kondensmilch und Bier und nebenher noch einen schönen Markt (einmal Schweinekopf bitte) und stieß auf einen Berliner Buddy-Bären. Ich brachte meine Einkäufe nach Hause und legte mich mal kurz hin. Ja, wirklich, für nur eine Minute. Stunden später wurde ich rechtzeitig für das Abendessen wach.

Ich ließ mich in einem Eckrestaurant mit einer Buena-Vista-Social-Club-Gedächtnis-Band nieder und bestellte etwas teures. Ich habe nämlich zu viel Peso übrig. Apropos, dafür sind die Dollar alle. Man serviert hier wohl nicht oft brutzelnde Schweinelende. Sofort hatte ich einen selbstbewussten Straßentiger als Fan. Der war sehr wählerisch. Karotte? Es guckte indigniert, als hätte ich einen unanständigen Handel vorgeschlagen. Fleisch? Naja, wenn’s denn sein muss.

Als ich fertig war und abgeräumt wurde, war der Fanblock zum nächsten Tisch weitergezogen. Diese Fans sind so wankelmütig! Dafür glotzte mich dann der Kollege Straßenwolf an. Dabei hatte ich ja gar nichts mehr…

Ich gönnte mir noch eine Super-Piña-Colada und wankte dann erschöpft nach Hause. Auf dem Heimweg lief ich noch in meinen Vermieter, kurze Plauderei, und im überfluteten Treppenhaus (wieso, weiß ich jetzt auch nicht) in die Nachbarstochter, die mich gerne massieren wollte. Sehr kurze Plauderei.

Was ich am letzten Tag mache? „Weiß nicht, schlag Du was vor“, heißt es bei den Geiern in Disneys Dschungelbuch. Ich lasse mich von mir selbst überraschen.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Tag 19: Von Santiago de Cuba nach Havanna

Ihr Lieben,

wenn man bis spätestens 12 Uhr sein Zimmer geräumt haben muss, der Bus aber erst gegen 20 Uhr fährt, das ist schon blöd. Klar, das Gepäck kann man an der Rezeption lassen, aber irgendwie sitzt man gedanklich ja doch auf seinen gepackten Koffern. Dazu kommt, dass es heute besonders schwül ist, was das Herumlaufen zu einer Strapaze macht. Plus, dass Montags die meisten Museen geschlossen haben. Gut, nicht so viele, die ich jetzt noch hätte sehen wollen… Vielleicht das Karnevalsmuseum.

Das Frühstück habe ich in die Länge gezogen. Die Steckdose ist ersetzt, die Toasterei läuft wieder. Der Brandfleck bleibt als Mahnmal. Dann habe ich versucht, mein Gepäck clever umzupacken. Ich werde noch so einiges hier auf Kuba lassen, aber erst wieder in Havanna bei meinem letzten Gastgeber. Was soll ich einem Hotel Hygieneartikel, Medikamente und dergleichen geben? Das ist bei der Familie bestimmt besser aufgehoben. Kontakt hatten wir dann auch schon heute früh, damit Carlos Mitchel, mein Host, ungefähr weiß, wann ich aufschlage.

Um 10 Uhr besuchte ich das Büro von Cubana Airlines. 20 Leute vor mir. Ich hoffte ja, doch noch einen Flug zu ergattern. Fehlanzeige. Alle Plätze verkauft. „Ich schaue mal am Freitag…“ – „Neinneinnein, ich muss ja Mittwoch spätestens da sein!“ – „Dauert nur ein Sekündchen.“ – Das bringt mir doch aber… “ – „Nee, auch voll. Wollen wir mal kommende Woche aufrufen?“. Der gute Mann war so bemüht, bei ihm hätte ich bestimmt den Passierschein A38 bekommen. Wie? Ach, Leute, A38 gehört zur Allgemeinbildung!

Ich streunte also einfach erst einmal ein bisschen rum. Der Velázquez-Balkon hatte auf, war aber nicht wirklich spannend. Netter Ausblick. Ich guckte bei einem Domino-Spiel zu, das wird mit sehr viel Ernst und Energie betrieben. Die Steine werden nicht gelegt, sondern auf die Platte geknallt. Ich entdeckte noch eine kleine Touristen-Markthalle mit müder Auswahl, der Obst- und Gemüsemarkt daneben war mangels Ware geschlossen. Eine Seitenstraße parallel zur Enramadas war dann auch noch eine nette Entdeckung.

Ich schaute in das ein oder andere Café rein. Gibt es Milch oder Sahne für den Kaffee? Nö. Flasche Wasser? Nö. Ich blieb dann dort, wo man wenigstens kalten Fantaersatz hatte. So langsam begann ich, mir selbst auf den Nerv zu gehen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich an einem toten Punkt angekommen bin. Ich merke, dass es eben doch eine Reise ist, und kein Urlaub. Bin etwas erschöpft. Naja, die Busfahrt dauert ewige 15 Stunden, vielleicht kann ich dabei etwas schlafen. Ich nahm noch einen Cubata auf der Hotelterrasse (der Kellner hat sich so sehr über das Trinkgeld gefreut, dass ich mit dem Trinkspruch „arriba/abajo/al centro/pa dentro“) einen 11jährigen Rum aufs Haus bekam – sehr lecker) und schrieb dieses kleine Traktat, das jetzt ausnahmsweise sehr früh erscheint…

Wir sehen uns morgen dann wieder in Havanna, mal sehen, wie zerrupft ich dann aussehe. Wie eines der Vogelpräparate im Naturkundemuseum?

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Und weil es so schön ist, noch ein Auto…

Vom Balkon des Gebäudes dahinter hat Castro den Sieg der Revolution verkündet.

Tag 18 – Santiago de Cuba: Geschichts- und Geschichtenstunde

Ihr Lieben,

die Nacht über war Karneval auf dem Céspedes-Platz. Klar, Wochenende und dann zentraler Platz, was kann man da erwarten? Aber mein Oropax reicht völlig. Leider fing der Abfluss im Hotelzimmer an, streng zu riechen, das störte mehr als ein wenig. Ike, weißt Du noch, Türkei 1996? Zweimal bin ich aufgestanden, um da Seifenwasser einlaufen zu lassen. Danach war es erträglich.

Das Frühstück war dann eigentlich schon Aufregung genug für einen Tag. Ein paar verlorene Gäste saßen da nichtsahnend versprenkelt auf der Dachterrasse, als es plötzlich verbrannt roch, ein Frühstücksgast unter dem entsetzten Gekreische seiner Begleitung plötzlich wie von der Tarantel gestochen zum Büfett rannte, um dort die Zuleitung des Toastgerätes aus der brennenden Steckdose zu ziehen, die aber munter weiterbrannte. Mit dem Eierkoch zusammen konnte er den Brand löschen. Der Held des Tages, nur nicht in Augen seiner Frau, die noch eine Weile schwer rumkrakeelte. Man muss es einfach mal sagen: Auch halbwegs hochglänzendes, wie das Hotel, ist auf Kuba marode. Und ich wohne in der vierten Etage; ich muss dringend später noch einmal die Fluchtpläne studieren.

Etwas außerhalb von Santiago gibt es eine geschichtsträchtige Befestigungsanlage, das Castillo de San Pedro de la Roca del Morro. 1638 war Baubeginn, es wurde über die Jahre laufend erweitert. Die Festung diente als Schutz vor Angriffen, als Gefängnis, Folter- und Hinrichtungsstätte. Mit wechselnden Akteuren. Wie hinkommen? Vor dem Hotel lungerten die üblichen Verdächtigen herum, die einen belatschern, sobald man die letzte Treppenstufe hinter sich gelassen hat. Man (das war aber nicht der Fahrer) bot mir Hin- und Rückfahrt für 25 Euro an. Das schien mir okay und ich pflanzte mich in einen maroden 53 Chevy (zwischen Bodenblech und Popo gerade mal 2 Zentimeter), als sich der Vermittler hinten reinsetzte, was dem Fahrer nicht passte. Die beiden fingen lauthals an, zu diskutieren. Ein dritter Mann stürmte von vorne dazu und schrie, man habe mich ihm geklaut. Das allgemeine Durcheinander nutzte eine alte Frau, die sich in das Beifahrerfenster hängte und Geld verlangte. Mit ihr im Fenster konnte ich die Tür nicht öffnen. Ihr glaubt, ich spinne? Ja, das dachte ich dann auch.

Die Frau wurde ich los, indem ich ihr einen Dollar in die Hand drückte, dann stieg ich aus und ging. Alle hinter mir her. Ich wurde laut und sagte, ich würde doch nicht mit einem Haufen Irrer meine Zeit verplempern. Der Fahrer sagte, nur wir beide, der Vermittler wollte noch Geld. Zwei Dollar. Die Fahrt zum Kastell war dann auch prima, der Besuch ist absolut lohnenswert. Die üblichen Erklärhasen vor Ort erklären, ob Du willst oder nicht, aber was machen jetzt zwei Dollar mehr aus? Die Fotografiererlaubnis ist fast teurer!

Wenn Ihr Gelegenheit habt, schaut es Euch an, es liegt wunderschön und ist super erhalten. Von dort aus bot mir der Fahrer an, einen Stopp am Zentralfriedhof Santa Ifigenia zu machen. Ja, klar, liegt ja quasi auf dem Weg. Wir kamen an, ich stieg aus und er meinte, das wird jetzt aber deutlich teurer. Ich so: Es liegt auf dem Weg, aber die Wartezeit bezahle ich und wenn Sie mich auch noch zur Kaserne des 26. Juli fahren bekommen sie insgesamt 40 Euro. Er machte die totale Szene, das sei viel zu wenig (um zu begreifen, dass er völlig absurde Forderungen stellte, müsstet Ihr Euch jetzt den Stadtplan ansehen). Ich wurde auch laut und bezahlte die vereinbarten 25 Euro. Wir standen in einem Kreis anderer Taxistas und er forderte mehr und die anderen rückten näher. Ich warf noch 5 Euro hin und stand dann irgendwo im Nirgendwo. So ein Arschloch.

Der Friedhof aber ist der Hammer. Alle 30 Minuten gibt es den beeindruckenden Wachwechsel vor dem ebenfalls beeindruckenden Mausoleum von José Martí, den konnte ich zweimal verfolgen. Dann darf man da auch nicht einfach so rumlaufen, es ist eine fast heilige Zeremonie. Martí ist DER Nationalheld Kubas. Fast schlicht ist der Grabstein von Fidel Castro, der sich vor den Grabstätten anderer Nationalhelden in bescheidene Szene setzt. Nur ein Wort ziert ihn: Fidel. Compay Segundo und Emilio Bacardí haben auch ihre letzte Ruhestätte dort. Sehr, sehr sehenswert, insbesondere halt auch die Zeremonie!

Jetzt stand ich da in der Pampa. Aber ich habe ja, wie eine Mitwanderin auf Madeira einst bemerkte, erstaunlich stramme Waden (gut, ist auch schon wieder eine Weile her). Ich lief in der Mittagshitze einfach zum Platz der Revolution, jo, abgehakt, und von dort aus zur Moncada-Kaserne, die am 26. Juli von Fidel und seinen Mitstreitern eingenommen werden wollte. Das lief alles kolossal schief, wie man nachlesen kann. Viele Aufständische starben, Fidel konnte fliehen, wurde aber kurze Zeit später verhaftet. Um dann geraume Zeit später im Rahmen einer Generalamnestie wieder entlassen zu werden. Ein Historiker bemerkte dazu einmal: „Eine der fatalsten Fehlentscheidungen des Diktators Batista!“. Leider war ich zu spät für das Museum, es soll sehr eindrucksvoll sein.

Zwischen Revolutionsplatz und Kaserne kreisten wieder Greifvögel über mir und ich begann, zu debirieren. Gottseidank gab es auf dem Weg eine Bar mit schattiger Terrasse, wo ich für 120 Pesos einen Krug Gerstensaft bekam. Die Vororte haben was. Nach weiteren 2 Kilometern war ich dann wieder im Zentrum. Als ich mich die Hoteltreppe hochschleppte, rief von hinten der „Vermittler“, wie es mir, Amigo, denn ginge, hach, einfach toll, diese Deutschen. Da bin ich mal leider laut geworden. Wo er sich seinen Amigo hinstecken könne, er und seine Bande seien Gauner und Betrüger. Die ganze Gruppe war mega aufgeregt. Das könne nicht sein, man kläre das sofort, ich solle mal mitkommen. Was ich natürlich nicht tat. Ich nahm aber einen Cocktail (den einzigen, den es gab) auf der unteren Terrasse des Hotels ein und jedesmal, wenn die Bande Leute ansprach, rief ich runter, lasst es, die betrügen. Das hat mir ein bisschen Genugtuung bereitet.

Ich hatte ausreichend Kilometer gesammelt, wie ich fand, beschloss, es mit weiteren Besichtigungen gut sein zu lassen, und besuchte meine merkwürdige Barterrasse von gestern wieder. Zu meinem Erstaunen gab es Piña Colada. Ein Wunder, bemerkte ich und die Thekenmannschaft lachte sich schlapp und wiederholte „Un milagro, un milagro!“. Schmeckte zwar mehr wie verdünnter Eierlikör, aber ich will mal nicht so pedantisch sein (warste aber grad!).

Ich lief die Enramadas hoch, auf der Suche nach einem Restaurant, das mir in einer Facebook-Gruppe empfohlen wurde. St. Pauli heißt es. Auf dem Weg dahin sprach mich jemand an. Er habe von meinem Problem mit dem Fahrer heute gehört. WHAT? Bin ich jetzt Legende, oder was? Das sei natürlich Mist gewesen, für morgen würde er mir einen tollen Ausflug… Leider hatte ich mich überhaupt nicht im Griff und rastete total aus. Tut mir im Nachhinein fast leid. Ich schrie zwar, aber immerhin mit bitte: „Dejame en paz, por favor! No los necesito, ladrones.“

St. Pauli? Jetzt mal im Ernst, das klingt doch mehr nach Bierkönig, als nach allem anderen… Aber als alter Hamburger konnte ich es ja nun auch nicht links liegen lassen. Fast erwartete ich, Astra zu bekommen. Aber es war dann doch Cristal. Es ist wohl tatsächlich eher ein Nachtclub, dann aber andere Etage, das werde ich leider (oooohhh) verpassen. Aber es gibt hier alles, was auf der Karte steht! Alles etwas teurer, aber eben alles! Ich bestellte Langusten und Salat. Das war soooo lecker!

Also, bis auf das Ärgernis mit diesem Betrüger war das ein lehrreicher und schöner Tag.

Morgen wird ne Katastrophe. Ich muss um 12 Uhr aus dem Hotel raus, mein Bus fährt aber erst um 19 Uhr irgendwas. Und dann 15 bis 16 Stunden (geplant). Ich habe die letzten Tage versucht, doch noch einen Flug zu buchen. Vergeblich, ich soll/muss, so der Cuba Travel-Mitarbeiter, morgen früh noch einmal im Air Cubana-Büro vorstellig werden. Ich habe wenig Hoffnung.

Drückt mal die Daumen, Ihr Lieben. Wir lesen uns möglicherweise erst in Havanna wieder.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Santiago wird auch „Stadt der Helden“ genannt.

Tag 17 – Santiago de Cuba: Eine Reise durch die Jahrtausende

Ihr Lieben,

es gab ein Frühstücksbüffet! Yeah! Naja, jetzt nicht so üppig, wie man das vom Parkhotel Nieder-Trottenheim kennt, aber für mich völlig ausreichend. Alles, was die letzten Tage mehr oder weniger fehlte, war da: Verschiedene Sorten Brot, Käse und Wurst, eine Eierzubereitungsstation! MILCH! für den Kaffee. Erstaunlicherweise haperte es nur an dem, was bisher immer im Überfluss vorhanden vor, nämlich Obst. Hauchdünne Scheiben Ananas waren als einziges im Angebot.

Ich hatte mir meinen Uralt-Reiseführer mit auf die Dachterrasse genommen und versuchte, herauszufinden, was denn die Must-Dos so sind. Und dermaßen gestärkt, fing ich an diese abzuklappern.

Ich startete im Barcadi-Museum. Jetzt denkt Ihr bestimmt, der olle Gerry, typisch, schon morgens Rum saufen. Nein, die Familie Bacardi hat sich auch kulturell (und politisch) sehr hervorgetan, insbesondere in der Person des Sohnes des Firmengründers, Emilio Bacardí Moreau. Er erwirkte, dass der Prado in Madrid Kunstwerke an Kuba übergab, er reiste in den Orient, um dort Exponate für die Sammlung der Familie zu erwerben. Nach der entschädigungslosen Enteignung 1960 emigrierte die Familie. Ihr politisches Handeln und ihr Einfluss auf die Entwicklung Kubas ist megainteressant, führt hier aber zu weit.

Das Museo Emilio Bacardí Moreau besteht aus drei großen Bereichen: Ausstellungsstücke zur Geschichte Kubas, zu Malerei und Bildhauerei sowie  zur Archäologie. Das  ist alles sehr sehenswert und kostete mich 6 Pesos Eintritt. Das sind weniger als 2 Cent. Es gibt – Achtung, gleich kommen Bilder, nix für schwache Nerven – neben wirklich schöner Kunst mehrere Mumien. Über die Frühzeit Kubas erfährt man hier allerdings fast gar nichts, die Highlights der archäologischen Abteilung kommen aus Kolumbien und Ägypten.

Der erste Bau am Platz der heutigen Kathedrale von Santiago stammte aus dem Jahr 1516. Mehrmals wurde sie zerstört und wiederaufgebaut. So, wie sie sich da heute in all ihrer Pracht zeigt, existiert sie seit 1922. Eigentlich wäre sie heute gar nicht geöffnet gewesen, aber ich hatte Glück, ich trampelte mitten in eine Hochzeit hinein. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und guckte von der letzten Reihe aus ein bisschen zu. Highlight Nummer 1 war das wirklich sehr schön vorgetragene „Amazing Grace“ einer Sängerin, Nummer 2 der Auszug der Gesellschaft zu Mendelssohns Hochzeitsmarsch. Da ich nicht versehentlich in ein familiäres Geherze und Geküsse geraten wollte, war das das Zeichen für mich, zu gehen.

Diego Velázques und Hernán Cortéz, die Namen haben wir alle irgendwie schon einmal gehört. Der erste Gouverneur Kubas (und nicht identisch mit dem berühmten Maler) und sein Oberbefehlshaber haben hier in Santiago die Eroberung Mexikos geplant. Das Haus des Gouverneurs von Anfang des 16. Jahrhunderts steht noch fast wie original an der Ecke des Céspedes-Parks. Hier nimmt man dann auch 100 Pesos Eintritt und man wird von aufmerksamen Mitarbeiterinnen belagert, die einem Fakten um die Ohren schleudern und dafür einen Obulus erwarten. Hier stehen, wie in dem Herrenhaus in Trinidad, kostbarste Möbel und Dekorationsstücke. Eine Besichtigung des Hauses sowie des angeschlossenen „Neubaus“ aus dem 19. Jhdt. empfehle ich dringend!

Der Céspedes-Park selbst ist der Mittelpunkt Santiagos. Hier tobt das Leben. Man wird ständig angequatscht (Frauen, Zigarrenverkäufer, Geldwechsler, Restaurantempfehler). Es ist ein kleines bisschen wie Spießrutenlaufen. Hier und da versammeln sich Musiker, um sich ein paar Pesos hinzuzuverdienen. Viele Bänke zum Hinsetzen, wobei es passieren kann, dass sich dann eine Dame neben einen fallen lässt, sich anschmiegt und „¡Hola, guapo!“ haucht. Herrjeh.

Ich freute mich auf einen Kaffee auf der unteren Hotelterrasse. Leider ist die Milch alle, Señor. Wir haben Zitronenlimonade, Kaffee ohne alles, Elchschweiß und Daiquiri. Tja, schwer zu erraten, was ich dann tat. Um übrigens dem Problem mit kanadischem Süßbier aus dem Weg zu gehen, kaufte ich auf meiner Kultur-Tour nebenbei noch einige Büchsen kubanischen Bieres.

Inzwischen war ich gut fertig. Die Busfahrt gestern hat natürlich das bewirkt, was ich erahnte, mir hatte erkältungstechnisch einen schweren Rückschlag. Ẹine Siesta wirkt dann aber meist Wunder (ich glaube, ich bin inzwischen ein bisschen besessen davon) und nach zwei Stunden ohne Klimaanlage (es ist das gleiche Spiel wie in Asien, ich stelle sie aus und irgendein Hotelmitarbeiter stellt sie wieder an!) war ich bereit für weitere Schandtaten.

Zwei weitere nahegelegene Sehenswürdigkeiten zum Abhaken waren der Balcón de Velázquez und die Stufen des Padre Pico. Man sollte einen eindrucksvollen Blick über die Stadt haben. Der Balkon war geschlossen und die Altstadttreppen eher unspektakulär. Aber so kam man mal durch weniger touristische, aber sehr belebte Viertel. Bisschen scheel beäugt wurde ich da zwar schon, aber wohl eher aus Neugier.

Ich fand eine ausschließlich mit Einheimischen besetzte, lieblos eingerichtete Art „Trinkhalle“, bekam dort aber einen Ron Collins. Ein sehr lebhafter Ort.

Ich lief die andere Richtung der Enmaradas, der Hauptstraße, entlang. Ebenfalls sehr belebt, mit interessanten Gestalten auf der Straße, einer Art Minivergnügungspark am Ende und einigen Restaurants. Eine Pizzeria war sehr voll, ich beschloss, das als gutes Zeichen zu werten.

War es irgendwie nicht. Ich hatte verdrängt, das die karibische Pizza nichts mit der italienischen gemein hat.

Auf jeden Fall habe ich heute gut was erlebt, gesehen und gelernt. War ein schöner Tag. Morgen werde ich um Taxis wohl nicht herumkommen. Habe etwas außerhalb Ziele entdeckt, die ich gerne besuchen würde.

Bis denne, sachichma. Euer Gerry

Und die Pariser glauben immer noch, sie hätten das Original…