Tag 4: Mein Bier 1 auf Mein Schiff 5

Ihr Lieben,

heute früh wachte ich mit leichten Zahnschmerzen auf, ich muss geknirscht haben wie ein Wilder. Weiß Gott, was ich geträumt habe.
Heute gab es unter anderem Aloo Gobi Masala zum Frühstück. Das liebe ich und so machte ich mir einen komplett indischen Frühstücksteller. Mal was anderes und auch sehr lecker.

Ich packte meinen Pröddel, checkte aus und nahm ein Taxi zum Kreuzfahrtterminal. Dort war ich innerhalb von 5 Minuten eingecheckt, so dass ich ohne Gepäck direkt mit einem Shuttlebus wieder in die Stadt fahren konnte (Ich hätte übrigens auch sofort an Bord gehen, erneut frühstücken oder mit Komasaufen beginnen können, nur die Kabine war noch nicht bezugsfertig.).

Ich fuhr erneut ins Al Seef-Viertel, wo ich im modernen Teil begann, um mich den Creek Richtung Al Shindagha entlang zu schlängeln. Wieder gingen mir die Händler mit ihrer Offensivität schwer auf den Geist. Ich denke, es geht 99% der Touristen so. Warum also wird dieses Vorgehen als zielführend angesehen? Ein Süßigkeitenhändler hat es richtig gemacht. Er hat sich nicht angebiedert, nur gesagt, dass ich Fragen stellen soll, wenn ich welche hätte und mich in Ruhe alles anschauen lassen. Die Ware war ausgepreist und ich habe dennoch einen Nachlass bekommen. Kandierte Pekannüsse und Fruchtsaft-Honig-Nuss-Konfekt landeten in meinem Rucksack. Ich durfte dann noch einen Tee trinken und diverse Kostproben anderer Köstlichkeiten zu mir nehmen. Ein schöner und – aufgepasst, Ihr anderen Kaufleute – UNAUFDRINGLICHER Beschaffungsprozess.

Ich nahm ein Taxi zu Dubais Zentralmoschee. Diese zeichnet aus, dass sie offiziell als einzige Moschee von über 1500 in der Stadt für Nichtmuslime zugänglich ist. Naja, ob das stimmt? Wie soll eine andere Moschee mir denn ansehen, welcher Religion ich angehöre…? Denn die Shahada, das islamische Glaubensbekenntnis, kenne ich ebenso gut wie das christliche. Egal. Die Jumeirah-Moschee betreibt eine Politik der offenen Türen. Sie will explizit offen zugänglich und dafür bekannt sein. Unsere zum Islam konvertierte Führerin Tracy, alias Fatima, gab uns dann tiefergehende Einblicke in ihre Religion und stellte sich auch unbequemen Fragen. Es wurden sogar die Waschungen und Gebete demonstriert. Es war ein lehrreicher Unterricht. Fatima hat sich im Namen ihrer Religionsgemeinschaft vehement gegen religiös verbrämte Morde und Attentate im Namen der Religion ausgesprochen.
Es gab vor- und hinterher arabischen Kaffee, Datteln, Süßigkeiten, man bekam einen Fototermin mit einem Falken (schwerer als gedacht, der kleine Kerl) und konnte zwei Ausstellungen (Moscheen der Welt – mit fantastischen Fotos – und Geschichte des Islam) besuchen. Ich finde, das lohnte sich und war äußerst lehrreich. Man sollte sich natürlich – wie bei so einigen Sachen – über Öffnungs- und Besuchszeiten erkundigen.

Von der Moschee aus lief ich zur Metrostation „World Trade Center“. Das ist eine größere Strecke und ab einem gewissen Punkt sah ich wieder keine einzige verschleierte Frau. Ich sah nämlich gar keine Frau. Was nicht daran liegen konnte, dass ich unbeabsichtigt im Gay District gelandet wäre, obwohl Männer hier Händchen hielten. Ich erinnere in dem Zusammenhang noch einmal an die Todesstrafe. Ich lief wahrscheinlich durch ein sehr konservatives Viertel. Ich weiß jetzt nicht, ob pakistanisch oder indisch, aber ich vermute – auch weil die Herren Kricket spielten – ersteres. Das ist dort dermaßen Nationalsport, dass die Pakistaner 2018 einen Cricketspieler zum Premierminister wählten, Imran Khan.

Ich metrote (könnte jetzt eine Sekunde dauern) zur Station Al Ghubaiba, wo es viele Museen gibt und wo heute die „Shindagha-Tage“ des gleichnamigen Viertels zuende gingen. Es wurde Handwerk ausgestellt (unter anderem das des Austernöffners, er hatte viele Perlen vor sich liegen), es war viel Volk unterwegs und ich bekam eine kleine Fahne der VAE geschenkt.

Inzwischen war ich für den Tag kulturell einigermaßen versorgt und wollte mich in meiner Kabine einrichten. Weit und breit war aber kein Taxi in Shindagha aufzutreiben. Ich seufzte mir einen und machte mich auf den Fußweg, waren ja nur drei Kilometer. Was Google-zu-Fuß offenbar nicht wusste: ich befand mich nach kurzer Zeit in militärischem Sperrgebiet, wo Aufenthalt mit Stockschlägen sowie Fotografieren mit Peitschenhieben bestraft und Gerrys prinzipiell mit einem Gewicht an den Füßen in die See geworfen werden. Ach herrjeh!
War mir aber egal. Was gut war, denn nach kurzer Wanderung hielt ein Taxifahrer neben mir, ob ich zum Schiff wolle, er müsse da ohnehin hin. Ich bin bei so etwas ja prinzipiell misstrauisch, stieg aber ein. Er fuhr mich vor das Terminal und wollte tatsächlich nichts, er lehnte meine 10 Dirham ab, bis ich ihn bat, sie zu spenden. Neben dem Sakat, der Pflichtabgabe an Bedürftige, ist Sadaka eine freiwillige Spende, die im Islam sehr üblich ist. Er war baff erstaunt, dass ich das Wort kannte und nahm an. Wofür so ein Religionsunterricht nicht alles gut ist… 😊

Ich kam mit meinem vorläufigen Bordpass eigentlich zu einfach aufs Schiff, was aber daran liegen könnte, dass ich beim Check-in fotografiert wurde.
Ich suchte meine Kabine auf, duschte und lief zur Rezeption, um mir erklären zu lassen, wie ich mein gebuchtes Internetpaket aktiviere. Das wollten übrigens alle 173 Personen dort wissen, aber ich war vorne in der Schlange. Sehr nette Beratung, klappte nur nicht, da ja gerade alle ins W-LAN wollten. Später passierte das dann übrigens quasi automatisch.

Ich trank ein Willkommensbier auf mich (jeder sollte sich von Zeit zu Zeit selbst feiern) und begab mich ins Restaurant Atlantik, wo sich Max um mein leibliches Wohl kümmerte. Ich glaube, dass das Essen bei Phoenix (meiner bisherigen Haus- und Hofreederei) einen Tacken besser ist, aber man kann auch hier absolut nichts aussetzen! Und alles ist inkludiert. Kaffee, Wein, Brandy. Puh!
Ich machte einen ersten Erkundungsrundgang und stieß auf eine Galerie. Die hatte auch noch echt schöne Bilder. Mist!

Ich nahm mit meinem Handy an der Außenalster platz, der Bar auf dem Oberdeck (der Name gefiel mir als gebürtiger Hamburger natürlich sehr) und von hier aus schreibe ich Euch das gerade hier.
Nach dem sehr durchwachsenen Tag gestern war es schön, heute einen entspannten zu haben und ich freue mich gerade riesig, auf diesem Schiff zu sein, auch wenn ich solche Dimensionen nicht gewohnt bin. Ich glaube aber, dass das Boot nicht ausgebucht ist. Oder es verteilt sich einfach nur prima.
Es gibt immerhin Dutzende Bars und Restaurants.
Jetzt schon steht fest, dass es interessante Menschen an Bord gibt. All inclusive zieht ja vielleicht ein spezielles Klientel an, aber es sind auch kulturinteressierte Personen an Bord, glaubte ich doch zwei aus dem Religionsunterricht wiederzuerkennen.

Morgen liegen wir noch einen halben Tag im Hafen, aber ich werde keine großartige Exkursion mehr machen. Immerhin muss ich ja auch noch die verpflichtende Rettungsunterweisung mitmachen und außerdem gibt es eine Schiffsführung, die man bei einem solchen Riesenkahn vielleicht besser mitmachen sollte.

Auf jeden Fall würde ich mich freuen, wenn Ihr mich weiter auf meiner Tour begleitetet.

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Selbst mit funktionierendem Bord-Internet ist das Online-Schreiben eine Qual. Ich entschuldige mich daher schon jetzt für eventuelle Jskdlxhd und komische Bildausschnitte.

Tag 3: Giraldo al borde de un ataque de nervios en Dubai

Ihr Lieben,

Almodóvar muss mir seinen Filmtitel borgen: Ich stand kurz vor einem Anfall, ich hatte heute einige der schlimmsten Momente meines Lebens und bin gerade auf Dubai nicht wirklich gut zu sprechen. Auch das Hotel hat wieder Minuspunkte gemacht. Okay, ich möchte nicht verhehlen, dass es auch einige wirklich gute Momente gab, aber die hätten den Tag überstrahlen sollen. Sie werden durch Ereignisse überschattet… Ach, ich erzähle mal chronologisch, Ihr werdet das alles zuordnen können.

Schlaf gut, Frühstück gut, Hotelshuttle schlecht. Punkt 10 Uhr fand ich mich an der Rezeption ein, um in die Stadt zu shuttlen. Ob ich denn reserviert hätte, der Bus sei ja ausgebucht? What? Ich fragte gestern früh nach dem Shuttle, der fiel aus. Ich fragte abends, ob er denn heute gehe. Ja, klar! Im Nachhinein tut es mir ja ein bisschen leid, aber da musste ich sarkastisch werden: Ob man vielleicht nachvollziehen könne, dass es möglicherweise eine gute Idee gewesen wäre, mich in meinen vorherigen Gesprächen den Shuttle-Bus betreffend über die Reservierungspflicht aufzuklären? Man guckte betreten und fragte, ob ich denn für morgen eine Reservierung wünsche. „Morgen gehe ich aufs Schiff!“, blaffte ich über den Tresen. „Aber vielen Dank!“.

Ich trippelte also wieder zur Metro „max“ (die heißt wirklich so), wobei es noch heißer war als gestern, was ich kaum für möglich hielt. Wenigstens hatte ich an mein Dubai-Käppi gedacht und das Hirn so vorm langsamen Gartod bewahrt. Naja, zumindest fühle ich nichts, aber das merkt man ja immer als Letzter, wenn im Oberstübchen etwas nicht stimmt.

An der Dubai Mall stieg ich aus und wanderte wieder die 99 Kilometer von der Metro in die Mall hinein. Ich wunderte mich etwas, dass da so viele Absperrgitter standen und so viel Security im Einsatz war. Nun, man wird sich ja was dabei gedacht haben, immerhin ist heute der Nationalfeiertag: Heute vor 52 Jahren haben sich die sechs Emirate zu den VAE vereinigt. Tag der emiratischen Einheit quasi. Da wuchs zusammen, was…. ach jeh, ich schweife ab.

Ich überlegte, erst das VIP-Ticket für meinen Nachtbesuch im Burj Khalifa abzuholen. Die App mit dem Code gab mir eine vage Wegbeschreibung. Untergeschoss der Mall, zum „To-the-Top-Schalter“. Ich irrte wie ein Geisteskranker durch die Mall und fand alles: Ein Polizeimuseum, ein Legoland, einen deutschen Herrenschneider, ein Aquarium, die berühmte „Himmelsscheibe von Dubai“ sowie die verschollene Leiche von Jimmy Hoffa. Nur den Ticket-Counter fand ich nicht. Ich fragte mich mehr als eine Stunde durch, bis ich endlich davor stand. Und er ist so einfach zu finden, wenn man NICHT von der Metroseite her kommt. Vom Brunnen aus oder von den Bussen her ist es nämlich recht simpel. Wenigstens habe ich jetzt ungefähr die Systematik der Mall verstanden. Ich mag sie nicht besonders.

Mit meinem Burj-Ticket in der Hand erklomm ich wieder die Rote Linie, ich war sie ja gestern nicht komplett gefahren und wollte die Route in Gänze gemacht haben. Zudem wollte ich einen Stopp am „Dubai Frame“ einlegen, einer Konstruktion, deren Aufzüge einen auf einen gläsernen Steg in 150 Metern Höhe bringen. Man soll quasi einen durchsichtigen 360°-Rundumblick haben. Ihr wisst ja, auf sowas stehe ich total! Die Fahrt war dann auch ganz nett, vor allem, um noch einmal einen Blick auf die schönen Creek-Viertel zu werfen. Am Frame stieg ich dann aus und wunderte mich ein bisschen über die langen Schlangen an den Kassen. Als ich nahe genug war, um lesen zu können, dass die Wartezeit an den Aufzügen 75 Minuten betragen würden, war der Bus weg. 75 Minuten in der prallen Sonne in einer Warteschlange? Keinesfalls! Dann lieber 30 Minuten auf den nächsten Touristenbus warten und auf die blaue Linie wechseln. Oh, guck mal da! Ein Linienbus, der zu einer Metrostation fährt. Ich wollte ein Ticket lösen, das ging nicht, man brauchte ein schon aufgeladenes Kärtchen, wie weiland meine Tageskarte von gestern. Wo ich denn eines erstehen könne? Na, hier in der Pampa nirgendwo.

Ernsthaft? Was soll das? Was haben sich die hiesigen Verkehrsbetriebe dabei gedacht? Ich versuchte, per App nach der Möglichkeit eines Online-Tickets zu suchen, aber beide SIM-Karten funktionierten mal wieder nicht. Irgendwie hatte ich dem Emirat mehr zugetraut. Touristen in Deutschland geht es mit Nahverkehr und Netzabdeckung ja möglicherweise ähnlich. Ich war zum wiederholten Male an diesem Tag etwas angepisst. Der rote Bus kam dann auch noch mit Verspätung.

Ich wechselte auf die blaue Linie. Die zäh wie Leim vorankam, herrschte doch mal wieder ein unglaublich dichter Verkehr. Immerhin kam ich irgendwann am Souk Madinat an, wo in der Nähe ja der Burj Al Arab steht. Ich hatte allerdings schon so viel Zeit verplempert, dass ich mir den Fußweg dahin schenkte. Man sah ihn aber ab und zu in naher Ferne auch vom Souk-Gelände aus. So, jetzt mal was positives: Verabschiedet Euch von Euren Vorstellungen eines überlaufenen Souk mit drängelnden Händlern. Hier ist alles schickimicki, ausgepreist, edel und einfach nur schön! Beinahe hätte ich meine Koffer abholen lassen und wäre hier eingezogen, denn selbstverständlich gehört auch ein Hotel zu dem Komplex. Kneipen gab es auch, die beschallten mithilfe talentierter Sänger die Gegend mit Coverversionen von Elton-John- oder Billy-Joel-Songs. Echt schön da! Zudem wurde aus Anlass des Nationalfeiertags eine Ausstellung mit Handwerkskünsten präsentiert. Ich fand den Falken sehr interessant, aber nicht sooo interessant, als dass ich ihn auf meinem Unterarm hätte sitzen lassen wollen, wie es der sympathische Herr geplant hatte.

Mein nächster Ausstieg war an der Dubai Marina. Hier war gut was los. Wir erinnern uns: Nationalfeiertag. Ich lief ein bisschen herum, auch mal zum Strand, aber insgesamt war es mir doch etwas zu voll und zu laut und so fuhr ich zur Dubai Mall zurück. So langsam bekam ich von den harten Schalensitzen etwas Rücken. Der Fahrstil der Busfahrer, inklusive der sporadischen Vollbremsungen, tut dazu übrigens sein übriges.

Ich kannte mich ja nun in der Mall einigermaßen aus. Eigentlich kann ich jetzt jederzeit als „Mall-Experte“ in irgendeiner Talkshow auftreten. Und so fand ich problemlos den Weg zum Brunnen von Dubai, der mehrmals am Tag, aber insbesondere abends, eine spektakulär synchronisierte Fontänenshow bieten soll. Hier fing ich schon an, mich zu wundern. Wieder überall Absperrgitter und die Menschmassen, denn das waren sie inzwischen, wurden mit schrillem Gepfeife und Herumfuchteln mittels grüner und roter Stäbe kanalisiert. Als es nicht mehr weiterging und sich die Massen in die Mall zurückstauten, stieß ein Mann plötzlich eines der Absperrgitter um und die Massen quollen durch diese Lücke. Ich war darüber sogar froh, da ich fast direkt hinter dem Übeltäter stand und mich so einer aufkommenden Panik durch Flucht entziehen konnte. Auf dem Platz vor dem Brunnen war es zwar brechend voll, aber irgendwie verteilte sich alles ganz gut. Die Schaulustigen standen maximal in drei Reihen, daher wunderte ich mich über die Steuerungsmaßnahmen schon zu diesem Zeitpunkt etwas.

Die Brunnenshow ist toll. Zu einem fetzigen arabischen Song schossen die Fontänen hoch und wiegten sich zur Musik. Das war schon geil. Ach, das sagte ich ja mit „toll“ bereits. Man kann sogar mit einem Boot auf dem See drumherum fahren, aber dazu fehlte mir die Zeit, denn ich hatte ja ein 19-Uhr-VIP-Ticket für den Burj Khalifa! Yeah!

Tja, was soll ich sagen? VIP? Fürn Hintern! Wir wurden wie auf einem Almauftrieb in einem Affentempo durch eine Ausstellung gejagt (die man auch ohne VIP sehen darf, dann allerdings ohne Erläuterungen, die aber ohnehin so gar keine neuen Erkenntnisse brachten), wir waren zu etwa 100 Menschen, die sich in die Aufzüge quetschten, wir wurden wie Vieh durch die Etagen gelotst, sollten Fotos kaufen, bekamen einen Teelöffel kalten Kaffee und einen zugegebenermaßen leckeren Keks, eine Dattel und sollten dann Souvenirs oder superteure Fake-Fotos kaufen (man wurde vor einem Greenscreen fotografiert und der Burj wurde nachher reinkopiert). Dafür hatten wir das Privileg, statt auf den Etagen 124 und 125 auch noch auf der Etage 148 auf einen Balkon gehen zu dürfen, von dem man aus durch total speckige Glasscheiben auf das Dubaier Lichtermeer glotzen durfte, immer alle zehn Sekunden weggeschubst von Mitmenschen, die bedrohlich mit ihrem Selfiestick herumwedelten. Ungelogen: Die 20 Etagen machen es dann auch nicht mehr. Und 60 Euro Aufpreis für eine Dattel und einen Keks? Nee, das muss nicht. Verglichen mit der Aktion in Saigon ist der Ausblick schöner, aber das Erlebnis an sich deutlich schlechter.

Ich hielt mich nicht lange oben auf, und so konnte ich eine weitere Brunnenshow, diesmal mit Adeles „Skyfall“ untermalt ansehen. Inzwischen standen die Zuschauer in Zehnerreihen. Die Zu- und Abgänge zur Mall waren dem Gutdünken der Sicherheitskräfte unterworfen. Innendrin – ich wollte zur Metro, ich Dummkopf! – war es so voll, dass sich die Menschen wie ein zusammenklebender Lavastrom fortbewegten. Richtung Metro-Footwalk staute sich dieser Strom immer öfter (weil die Sicherheitskräfte Absperrketten bildeten), aber dennoch drückten von hinten ja weitere Leiber nach. Es war schrecklich! Das kann man gar nicht beschreiben. Wenn da eine Panik ausgebrochen wäre, hätte es massenweise Tote gegeben. Ich übrigens hatte Panik und musste mich sehr konzentrieren, nicht auszurasten. Es gibt einige Menschen, die schon einmal Panikattacken wegen Gedränges von mir mitbekommen haben, die werden bestätigen können, dass das kein nettes Erlebnis ist. Und bei allen vorherigen Ereignissen war es deutlich harmloser. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Schleuserei falsch und unnötig war. Stellenweise wurden die Ströme ganz dicht links und rechts der Wände geleitet und die Mittelgasse (doppelt so breit) war durch Absperrgitter nicht zugänglich und menschenleer.

An der Metrostation „Mall“ zankten sich dann die Massen um die Ticketautomaten. Ein Mann der RTA, die sind für den ÖPNV zuständig, muss mir etwas angesehen haben, er prügelte sich mit mir zu einem davon durch und erledigte alles für mich. Ich habe gerade ungelogen Pipi in den Augen, während ich das schreibe. Mein persönlicher Held von heute. Durch die Ticketkontrollen wurden wir einfach durchgewunken, man hatte die Schranken aufgemacht. Die Zustände in den Wagons waren schlimmer als in jedweder denkbaren Dystopie. In der Station „max“ angekommen, habe ich mich erst einmal hingesetzt. Nach 15 Minuten lief ich dann zu Fuß zum Hotel, was aber ganz gut tat, um wieder runterzukommen. Ich zitterte tatsächlich wie Espenlaub und war nervlich am Ende.

Im Hotel habe ich dann nur noch meinen Wein aufgemacht und zu schreiben begonnen. Es tut mir leid, dass ich mich gerade so entblättert habe, aber ehrlich: Ich musste das jetzt im wahrsten Sinne des Wortes „los“ werden. Jetzt geht es auch schon wieder viel besser. Dennoch: Dubai hat heute in meinem Ansehen schwer Schaden genommen.

Es sollen aber heute im Bericht auch die schönen Dinge haften bleiben: Mein Held von der RTA, die Brunnenshow, die freundliche junge Dame, die mir im teuersten Süßigkeitenladen der Welt eine Kostprobe gab: Hafiz Mustafa. Suuuper lecker, eine Art Lokum der Spitzenklasse, aber mit Kilogrammpreisen zum Niederkieen, aber vor Schreck. Übrigens eine total schöne Ladeneinrichtung auch! Was noch? Ach ja, der Madinat Souk. Superschön!

Es wäre gelogen zu sagen, dass Dubai schrecklich sei. Aber im Moment denke ich, dass es okay war, herzukommen, ich aber in Zukunft doch darauf verzichten könnte. Morgen gehe ich ja aufs Schiff und habe noch eine Nacht hier. Aber da versuche ich, mich nicht vom öffentlichen Nahverkehr, ach was rede ich, von gar keinem Verkehr, abhängig zu machen und nur so in den Tag zu leben. Vielleicht eine Bootsfahrt, vielleicht eine Führung durch die für Nichtmuslime einzig zugängliche Moschee in Dubai.

Ich bin so unschlüssig, dass ich mich selbst überraschen werde. Seid Ihr dabei?
Liebe Grüße, Euer inzwischen entpanikisierte Gerry

P.S.: Wer kann dazu schon nein sagen?

P.P.S.: Und ein Bierbild gibt es heute auch nicht, es gab tatsächlich kein Bier, hatte keine Zeit dazu 🙂 Dafür aber ein unscharfes „Jetzt lasst mich doch auch mal ans Fenster-Bild“:

P.P.P.S.: Das Video mit der dreiminütigen ersten Brunnenshow darf ich hier gerade nicht hochladen, wie man mir mehrmals mit „Hoppla, das ist etwas schief gegangen“ mitteilt. Wer es sehen möchte: wieder in D werde ich das auf Youtube hochladen dürfen. Hier darf ich das nicht.

Tag 2: Dubai per pedes, per Omnibus und per Schaluppe

Ihr Lieben,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… Mit der Zusammenfassung? Puh, ich bin alle! Und: Wow, was für eine vielschichtige Stadt! Fast gar nicht zu beschreiben. Aber ich versuche es mal.

In der Nacht wurde ich natürlich doch vom Bum-Bum des Nachtclubs geweckt, aber mit meinen fantastischen Ohrstöpseln – hier könnte IHRE Werbung stehen – war das Problem in Nu gelöst. Etwas zermatscht schleppte ich mich dann um 8 Uhr zum Frühstück, das viel besser war, als ich erwartete. Man kann hier morgens schon eine komplette indische Mahlzeit zu sich nehmen (was ich nicht tat), es gibt eine Eierzubereitungsstation (mit Fotos zum Draufzeigen, was ich tat), Obst, Wurst, Käse, Saft, Filterkaffee mit heißer Milch (!)… Also, hier wird wohl jeder fündig.

So gestärkt eilte ich frohen Mutes zur Rezeption, um den Shuttle-Bus zur Dubai Mall, dem Abfahrtsort der Sightseeing-Busse, zu reservieren. Tja, der fiel heute aus, ob ich ein Taxi nehmen wolle? Vor der Hoteltüre steht der Concierge, der eines gerufen hätte, aber das Hotel liegt inmitten einer riesigen (!) Baustelle, und der Verkehr staute sich dermaßen, dass sich nichts bewegte. Ich beschloss, zu Fuß zu einer der Stopps der Sightseeingtourbusse zu laufen. Was für eine depperte Idee! Es war schon um 9 Uhr früh dermaßen heiß, die Sonne brannte mir auf den Schädel, ich war nach einem Kilometer schon durch. Ich suchte die nächstgelegene Metrostation (anderthalb Kilometer weiter), kaufte mir ein Tagesticket (was Unsinn war, denn ich machte nur diese eine Fahrt – das wusste ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht) und quetschte mich in eine völlig überfüllte selbstfahrende Metro. Ich sichtete eine Menge Menschen mit UN-Bändchen, die für ein gutes Klima auf der entprechenden Konferenz sorgen sollen.

An der Station Burj Khalifa/Dubai Mall stieg ich aus und suchte die Bushaltestelle. Das nahm etwas Zeit in Anspruch, ich musste ewig lange Tunnel entlanglaufen bzw. mich auf Roll…. äh, wie heißen Rolltreppen, die plan sind?, äh… Rollwegen transportieren lassen und durch die rieeeesige Mall irren, um auf die Financial Road zu kommen, wo ich meinen schon in Deutschland gebuchten Voucher einlösen sollte.

Das ging relativ unkompliziert und da die blaue Linie zuerst fuhr, bestieg ich den entsprechenden Bus. Die blaue Linie fährt am Burj Al Arab, dem berühmten „Segel-Hotel“, vorbei über die Insel Palm Jumeirah, streift die Marina und fährt in die Stadt zurück. Auch ohne Baustellen auf der Strecke war der Verkehr so dicht, dass wir sehr lange für den Rundweg brauchten. Diese Strecke ist ein Paradies für Architektur-Liebhaber, die auf spektakuläre Hochhäuser abfahren, zu denen ich mich eigentlich nicht zähle. Aber hier haben sich Architekten mal so richtig ausgetobt. In sich gedrehte Türme, schwebende Legosteine, Disneyburgen. Glas, Spiegel, Marmor, Metall, alles blingblingt um die Wette.

Die Begleitkommentare in den Bussen überschlagen sich entsprechend auch mit Eigenlob. Die gesamten VAE, insbesondere aber Dubai, stampfen einen Superlativ nach dem anderen aus dem Boden. Nichts geht hier ohne Weltrekord. Und wenn die Chinesen sich wagen, einen Rekord zu übertreffen, wie z.B. das größte Indoor-Skigebiet, dann wird eben ein noch größeres geplant. Um so anrührender ist es dann, wenn plötzlich eine kleine Moschee aus dem ganzen Glitzer hervorlugt oder man zwischen zwei Wolkenkratzern einen Blick auf Wasser erhascht, auf dem zwar überwiegend Yachten, aber eben auch traditionelle Dhaus dümpeln. Im Hotel Atlantis am Ende der Palminsel übernachten übrigens die A+++-Promis. In der Suite über dem „Schlüsselloch“ gibt es eigene Köche, Butler, Chauffeure stehen bereit. Man sollte aber sein Scheckbuch dabei haben, eine Nacht soll mit umgerechnet 30.000 Euro zu Buche schlagen.

Ich stieg an keinem der Haltepunkte aus, aber ich fahre eventuell die Tage noch am Burj Al Arab vorbei, wo sich auch der empfehlenswerte Souk Madinat befindet, und/oder zur Dubai Marina, wo man mit den anderen Schönen und Reichen eine nette Promenade entlanglaufen können soll. Wie, höre ich da etwa irritiertes Gemurmel? Jaja, Ihr habt ja recht, so reich bin ich ja gar nicht.

Wieder an der Dubai Mall angekommen, hoppelte ich in die rote Buslinie, die das eher historische Dubai bedient. Historisch ist hier ein vielleicht zu großes Wort. Die VAE wurden ja erst 1971 gegründet. Die Maktum-Dynastie ließ sich erst im 19. Jahrhundert am Dubai Creek nieder. Dafür haben sie es aber wahrlich – zumindest finanziell – weit gebracht. Die Herrscherfamilie ist angeblich sehr volksnah und extrem beliebt. Überall begegnet einem das Konterfei des Emirs Muhammad bin Raschid Al Maktum. Gut, das ist in Nordkorea mit dem dortigen Emir ja auch der Fall, aber hier scheinen die Beweggründe dann doch andere zu sein.

Auf der roten Fahrt sprang ich dann auch mal aus dem Bus. Zum Beispiel im Viertel Al Seef, wo es einen Souk gibt, der in einer Ansammlung von historischen und historisch nachempundenen Windturmhäusern, direkt am Dubai Creek untergebracht ist. Sehr malerisch ist es da. Ich hoppte einen Kilometer weiter wieder on und hoppte am Bur Dubai Souk wieder off. LeuteLeuteLeute! Jetzt wurde es anstrengend. „Hello my friend!“, „Boss, Boss, Rolex?“, „Ich erkenne Dich wieder, mein Freund!“, „Give me High Five!“. Das ist nichts für mich, das zehrt an meinen Nerven! Ich hätte ohne die wirklich aufdringliche Belästigung wahrscheinlich den halben Souk leergekauft. So hastete ich nur wie ein verschrecktes Kaninchen dadurch. Das Schlimme ist, dass man auf den meisten Basaren der Welt ja alle Sprachen spricht. Mein rudimentäres Griechisch, mit dem ich abwimmele, ist aber noch nicht vertreten und so hinterlasse ich doch oft fragende Gesichter.

Ich fuhr weiter, um mich dann am Gold- und Gewürz-Souk auf der anderen Seite des Dubai Creek wieder diesem Stress auszusetzen. Im Gold-Souk ist man aber deutlich dezenter, daher kaufte ich mir einen Schädelschutz, um den ich schwer feilschen musste. Aber die Sonne brannte ja immer noch. Irgendwann ging der Händler nicht weiter runter, da wusste ich, die Grenze ist erreicht. Aber er legte dann noch 6 UNGLAUBLICH! kitschige Kühlschrankmagneten drauf!

Ich lief ein wenig von den Hauptverkehrsadern weg. Hier ist dann nicht mehr ganz so viel BlingBling. Spezialisierte Läden, sehr viel mehr Menschen in traditioneller Tracht (gut, das ist in den Souks auch so, aber es gibt eben einen Unterschied zwischen Oktoberfest-Dirndl und altgedientem Filzjanker in Kombi mit Gamsbart, wenn Ihr versteht, was ich meine). Ein solcher Einblick ist auch mal schön und bietet andere Ansichten.

Gegen 16 Uhr stellte sich Bierdurst ein. In einem Emirat. Und dann ging die SIM-Karte mal wieder nicht. Wie finde ich jetzt eine Bar mit Ausschank-Lizenz? Also, ab ins nächstgelegene Hotel. Dort wurde mit einer Rooftop-Bar geworben. Unten in der Lobby schon ein eher mafiöses Setting. Oben angekommen, musste ich feststellen, dass es vielleicht auch Bier gegeben hätte, die Bar aber wohl ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell verfolgte. In einem muslimischen Emirat! Im nächsten Hotel wurde ich dann im ersten Stock bei einem indischen Buffett-Restaurant fündig. Ich durfte auch ohne Essen ein hochpreisiges Getränk zu mir nehmen.

Der Kleine ist so stolz auf sein neues Käppi! Und ein Bier hat er auch bekommen! Was für ein aufregender Tag für unseren Gerry! Guckt mal, wie er sich freut!

Derart gestärkt lief ich zu den Anlegern der Dhaus zurück. Ich wollte mich übersetzen lassen. Ich wurde schon in Al Seef angequasselt, ob ich für 60 oder 120 Dirham eine kleine Rundfahrt machen wollte. Das entspräche 15 oder 30 Euro für 30 bzw. 60 Minuten. Ich lief aber stattdessen zum Ticketschalter, wo ich für umgerechnet 50 Eurocent ein Ticket erwarb. Hömma! Das war toll. Die Sonne ging gerade unter, die Boote tuckerten hin und her, ich scherzte mit einer pakistanischen Reisegruppe, die Vögel kreischten! Und ein Bühnenbild, das einer venezianischen Ansicht gleichkam.

Auf der anderen Seite besuchte ich dann einen MMI. Das ist ein Shop, der Alkohol verkaufen darf. Übrigens seit neuestem nicht nur mehr an Touristen, sondern an jeden, der eine entsprechende Erlaubnis (bei mir der Reisepass) vorweisen kann. Der Laden war brechend voll. Ich mit meinen zwei Weinflaschen für die beiden kommenden Hotelnächte war da ein Leichtgewicht. Zwei Meter vor mir in der Kassenschlange hatten drei junge Männer 4 Kartons mit Whiskey geladen. Ob das jetzt eine wilde Party geben sollte oder die drei für die Gastronomie einkauften? Niemand wird es je erfahren.

Die Tageshitze hatte etwas nachgelassen und so lief ich die drei Kilometer bis zum Hotel zu Fuß. Wie gestern schon vermutet: Dubai ist kein schöner Fußgängerort. Zumal ich wieder über die riesige Baustelle musste. Übrigens, man hatte mir erzählt, dass die erst seit ein paar Wochen steht und in drei Monaten soll alles fertig sein. Da dachte ich kurz an die Kölner Baustellen, brach in Tränen aus, man klopfte mir mitfühlend auf die Schulter, ich bekam Taschentücher gereicht und beruhigte mich dann aber wieder schnell. Et hätt ja immerhin alles immer noch irjendwie jod jejange. Finde gerade das Kotz-Emoji nicht.

Im Hotel angekommen, warf ich mich erst einmal aufs Bett und machte ein unbeabsichtigtes, einstündiges Nickerchen. Ich schnappte mir danach mein Tablet und begab mich wieder in das Hotelrestaurant. Mein Essen sah fast genau so aus, wie das von gestern, schmeckte aber komplett anders. Außerdem bestellte ich zu dem Murgh Chicken auch noch Aloo Paratha. Das Huhn war lecker, die Kartoffel-Paratha hat mein damaliger pakistanischer Mitbewohner Wahaj aber um Klassen besser hinbekommen.

Nach dem Essen begab ich mich zur Rezeption, da ich nur ein Handtuch, meine Dusche aber ohne Vorhang oder Abtrennung alles durchnässt hatte. Man wolle sich kümmern. Ich fuhr nach oben und das Housekeeping stand schon vor der Tür. Wahnsinn! Ich habe wirklich gemischte Gefühle bei dem Kasten, entwickele aber eine gewisse Sympathie. Es sind aber auch alle so nett! Gut, das ist man/frau hier überall. Der Servicegedanke ist hier philosophisch anders unterfüttert als in Köln. Manchmal geht es sogar schon ein bisschen zu devot zu. Übrigens, jetzt kommt der peinliche Teil, wo ein Deutscher sich über den Emirati an sich Gedanken macht.

Service machen die anderen, selbst an Bord der Emirates Airlines. Das sind Spanier, Filipinas, Holländer und Japanerinnen. Service im Hotel sind indisch- oder pakistanischstämmige Herren. Frauen sind im Service eher selten. Laut Statistik stellen sie aber mehr als 60% der Staatsbediensteten. Die VAE sind bei der beruflichen und akademischen Gleichberechtigung wohl ganz weit vorne mit dabei. Man sieht auch sehr wenig verschleierte Frauen in Dubai (wie es auf dem Land aussieht, weiß ich natürlich nicht). Dennoch gibt es andererseits die Todesstrafe bei Ehebruch, männlicher Homosexualität und Apostasie, dem sogenannten Abfall vom rechten Glauben. Das ganze BlingBling, die fallschirmspringende Instagram-Sheika, das „Boomtownige“ kontrastiert stark damit, wie auch mit den Menschenmassen, die sich dem Ruf des Muezzin folgend zur Moschee begeben, während drumherum alles im Shopping-Rausch ist. Es ist ein sehr widersprüchliches Fleckchen Erde.

Jetzt sitze ich auf meinem Zimmer, erzähle Euch von meinem Tag und versuche später herauszufinden, wie ich abends auf den Burj Khalifa komme und was ich sonst noch unternehmen kann und will. Ich hoffe, ich habe wieder den ein oder anderen Co-Unternehmer und freue mich auf Eure Begleitung!

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Der Muffgeruch im Zimmer war heute übrigens wie weggeblasen. Verhext!

P.P.S.: Wer freut sich denn nicht über solche Schmuckstücke?

P.P.P.S.: Habe gerade massive Probleme mit der Konnektivität, daher habe ich ein bisschen geschludert, was die Fotos und den Text angeht.

Tag 1: Anreise und Ankunft in Dubai

Ihr Lieben,

nach einer unruhigen Nacht – einerseits, weil das frankfurter Hotelzimmer zur Straße in einer belebten Bahnhofsgegend mit viel Volk vor der Tür hinausging, andererseits, weil ich natürlich den Flieger erwischen musste (und solche „unwiderbringlichen“ Termine setzen mich doch arg unter Stress) – fuhr ich frühstückslos (war so gebucht) um 6 Uhr zum Flughafen. Der am Empfang bestellte Weckruf blieb übrigens aus. Man habe aber geklopft, wurde mir aufgetischt. Am Airport kam ich dann wie üblich viel zu früh an, sicherte mir aber so die pole position am Emirates-Schalter. Nach der Passkontrolle besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Starbucks-Café. Für knapp 13 Euro bekam ich einen trinkbaren Cappuccino und ein ziemlich verdächtig aussehendes Laugen-Käse-Sandwich. Gar nicht mal so lecker.

Der Flug war nicht ausgebucht, so hatte ich den Mittelsitz frei, das war sehr angenehm. Die Stewards waren sehr nett und auch sonst war alles sehr angenehm. Bis auf das obligatorische Kreischblag natürlich. Ich hätte auch für ein Drittel des Preises mit einem der beiden berüchtigten türkischen Ferienflieger über Istanbul anreisen können, aber mit beiden hatte ich schon schlechte Erfahrungen gemacht.

Am riesigen dubaier Flughafen klappte alles prima (nur die Erfassung meines biometrischen Gesichts klappte nicht so wirklich – „reißen Sie die Augen auf!“, wurde mir beschieden, „Kinn runter, Schwabbelbacken hoch!“ – aber auch das wurde irgendwann gelöst), ein Taxifahrer brachte mich mit einem seeehr kreativen Fahrstil zum Hotel, wo allerdings das Einchecken drei Tage dauerte. Das Zimmer soll ein Nichtraucherzimmer sein, dafür stehen auffällig viele Aschenbecher herum und es riecht auch ein ganz kleines bisschen verqualmt und muffig. Aber es ist nach hinten raus, ganz oben und damit weit weg von den Nightclubs und daher bleibe ich jetzt da. Es ist übrigens riesig!

Zum Hotel in Dubai gibt es eine kleine Vor-Anekdote: Ich hatte es über ein bekanntes Hotelbuchungsportal gebucht. Dann schrieb mir das Hotel „Sie bekommen eine Rauchersuite.“. Ich schrieb zurück, die wolle ich nicht. Ich bekam eine Woche später Post, meine Kreditkarte sei nicht gültig. Ich schrieb zurück, sie funktioniere sehr gut. Eine Woche später, ich hätte meine Ankunftszeit nicht bestätigt, man storniere jetzt. Ich schreibe an booking, dass man mir seitens des Hotels gehörig auf den Senkel gehe. Diese widerum schrieben sehr böse an das Hotel, sie sollten mich gefälligst in Ruhe lassen! Das Hotel schrieb zurück, die Korrespondenz sei nicht von ihnen aus initiiert gewesen.

Meine Flugzeugninja-Tarnung

Ich hatte fast damit gerechnet, bei Ankunft geteert und gefedert zu werden. Ich vermute mal, sie fanden es doof, mir das Zimmer so relativ preiswert gegeben zu haben. Immerhin ist Weltklimakonferenz in Dubai, da ist es hier fast wie zu Messezeiten. 🙂 Fragt mich bei Gelegenheit mal nach meinem Sicherheitskonventions“hotel“ in Wien. Das eine Monteursunterkunft mit geteiltem Bad war. Wo die Rechnung auf einer herausgerissenen Zeitungsseite notiert wurde. Huch, jetzt habe ich schon alles Wesentliche erzählt. So geht es nämlich zu bei internationalen Konferenzen: alles ist ausgebucht und teuer. Übrigens sollen einige hohe Regierungstiere im Flieger gewesen sein, das schnappte ich am Gepäckband auf.

Am Flughafen bekommt man übrigens eine SIM-Karte mit einem GB Datentraffic geschenkt, das finde ich sehr aufmerksam. Leider funktioniert meine Karte nicht wirklich und so verbrachte ich fast eine Stunde damit, eine eSIM zu installieren. Man muss dafür einen QR-Code abfotografieren. Pech nur, wenn das Foto von dem Gerät aus gemacht werden soll, auf dem man die eSim braucht. Naja, ich hatte ja noch mein Tablet dabei, so mauschelte ich mich irgendwie durch. Das nächste Mal mache ich das wieder schon daheim.

Inzwischen war es 21 Uhr -wir haben drei Stunden Zeitunterschied – und ich hatte Hunger und Durst. Da Dubai in der Nacht nix für Ortsunkundige ist, blieb ich im Hotel und aß beim Inder auf der Dachterrasse ohne Ausblick ein würziges Hähnchengericht, trank für mehrere tausend Euro ein Bier und einen Wein (jaja, Allolol ist teuer hier) und schrieb meinen heutigen Tagebucheintrag. Daher gibt es jetzt noch keine spektakulären Fotos der Stadt, aber ich bereite mich jetzt gleich mal auf die kommenden dreieinhalb Tage vor und stürze mich dann für Euch, jaja, so selbstlos bin ich, voll in die Touristerei.

Wahrscheinlich starte ich mit dem Hop-on-Hop-off-Bus. Hoppelt Ihr mit? Würde mich freuen! Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Wegen Urheberrechtsgedöns poste ich das hier mal nicht, aber googelt mal nach der Bayer und der Dubaier. Sehr lustig, wie ich finde.

P.P.S.: Es ist warm hier! Prost!

Dubai bis Singapur – Der Prolog

Jetzt aber: Ahoi, Ihr Lieben!

Die Hälfte meiner Urlaubszeit ist nun fast schon rum, gefühlt jedenfalls, da ich mit der Deutschen Bahn nach Frankfurt fuhr. Dazu aber später noch ausführlicher.

Und ja, Ahoi!, denn es geht auf eine Schiffsreise. Letztes Jahr waren einige Bekannte im Dezember in Asien, hatten schönes Wetter und tolle Erlebnisse. Da dachte ich mir, dass ich das auch mal buchen könnte. Meine Wahl fiel – auch bestärkt durch positive Berichte – auf „Mein Schiff 5“, welches am 3. Dezember zur großen Fahrt von Dubai nach Singapur aufbricht. Da mir eine Nacht Dubai und eine Nacht Singapur für diese beiden Megastädte nicht ausreichte, habe ich jeweils drei Nächte davor bzw. danach noch zugebucht. So ersparte ich mir die Flüge, die die Reederei gebucht hätte und konnte für den Differenzpreis einen Emirates-Flug nach Dubai in der Economy-Klasse sowie einen Vietnam-Airlines-Flug über Hanoi in der Business-Klasse buchen, ohne, dass mich das wesentlich mehr gekostet hat. Ich habe zwar am Umsteigeflughafen Hanoi mehrere Stunden Wartezeit, das aber immerhin in der Business-Lounge.

Das Schiff wird auch einmal im Oman, zweimal in Sri Lanka (wer hat schon jemals von Hambantota gehört?) und dreimal in Malaysia anlegen. Es mussten also tonnenweise Reiseführer bestellt und durchforstet werden. Leute, ich habe mich selten so intensiv vorbereitet und mich doch selten so unvorbereitet gefühlt. Allein, was man in Dubai, Kuala Lumpur und Singapur alles unternehmen kann! Für die anderen Zwischenstopps werde ich mich großteils auf die vermittelten Ausflüge von TUI verlassen, von denen ich auch schon vorab viele gebucht habe. Wirklich interessante Angebote waren übrigens schon einen Tag nach Freischaltung ausgebucht, wie z.B. der Besuch in einer Orang-Utan-Auffangstation. Für Dubai (wie auch für Singapur) habe ich vorab ein Dreitagesticket im Hop-on-Hop-off-Bus gebucht sowie eine sündhaft teure Eintrittskarte für die Aussichtsplattformen des Burj Khalifa erstanden. Für Kuala Lumpur wollte ich eine Karte für die Petrona Towers erwerben, das war drei Wochen vorher (!!!) leider nicht mehr möglich. Also, man sieht, für die wirklich wichtigen Sehenswürdigkeiten muss man zeitig vorreservieren.

Wovor ich mich ein bisschen fürchte sind die Seetage. Sieben an der Zahl. Was macht man einen ganzen Tag lang auf einem Schiff? Naja, ich habe ein paar Workshops gebucht (z.B. Cocktails mixen, Brot backen, Wein verkosten) und viel Lesestoff eingepackt. Und vielleicht tun mir ein paar Stunden Zwangsentspannung ja auch mal gut. Ob es jemanden stört, wenn ich dann den ganzen Tag im Pyjama rumrenne?

Heute ging es – ich erwähnte es schon – erst einmal nach Frankfurt in ein einfaches Hotel, da der Flug morgen schon um 6 Uhr zum Einchecken bereit steht und ich mich keinesfalls quasi mitten in der Nacht auf die deutsche Bahn verlassen wollte. Mein Gepäck hatte ich schon gestern mit dem Auto in die GRS gebracht (es ist hanebüchen viel Gepäck!), wo ich heute noch bis 15 Uhr arbeitete, um dann aufzubrechen. Der Zug war komplett ausgebucht und pickepackevoll! Wie die Sardinen standen die Passagiere auch in den Gängen. Wenigstens musste ich nicht mit einer 120-jährigen Nonne um meinen reservierten Sitzplatz streiten, das wäre mir schwer gefallen. Man verjagt ja nicht einfach eine potenzielle Mutter Teresa.

Natürlich fuhr kaum jemand außer mir mit Maske, dafür waren aber alle mehr oder weniger verrotzt. Immerhin fuhr der Zug mit nur 10 Minuten Verspätung von Köln ab. Er schaffte es aber dennoch, 99 Minuten zu spät in Frankfurt anzukommen. Kurz vor dem Bahnhof Flughafen stand er und stand er und stand er. Einige Passagiere gaben panische Laute von sich, ich denke, mindestens ein Herr, der sowieso schon einen Zug wegen Ausfalls hat sausen lassen müssen (naja, da sauste eigentlich ja gar nichts), wird es nicht mehr geschafft haben, da wir auch wieder eine Teilstrecke zurückfuhren und dann nicht am Fernbahnhof, sondern am Regionalbahnhof hielten. Ich sag Euch, wer sich auf die Bahn verlässt, der ist verlassen. Und ich bin früher mal so gerne Zug gefahren.

Das Hotel ist simpel, der Teppich durchaus einer Betrachtung durch die Seuchenbehörden würdig, es liegt dafür aber nah am Bahnhof. Und falls eine Schneeflocke auf dem Gleis den Schienenverkehr in Frankfurt lahmlegen sollte, kann ich immer noch mit dem Taxi fahren. Meine grenzenlose Begeisterung für das Frankfurter Bahnhofsviertel ist ja vielleicht bekannt, daher ging ich auch nicht mehr aus, sondern deckte mich bei einem REWE to Go mit einem sehr leckeren Salat ein.

Ich werde morgen, wenn alles planmäßig verläuft, erst am späten Abend im Hotel in Dubai ankommen und daher dann noch nicht so viel zu berichten haben. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mich wieder auf meiner Reise begleitet. Wenn Ihr mal nichts von mir hört, dann liegt das eher an den technischen Gegebenheiten und nicht daran, dass ich mich in der Wüste verlaufen habe und fürderhin mein Leben als Nomade in einfachen Zelten fristen werde.

Ick freu mir! Bis bald! Euer

Demnächst bekommt auch noch die winzigste Handtasche Rollen und einen Griff…

Kartoffel-Räucherlachs-Auflauf

Ihr Lieben,

bevor es dann ab nächster Woche wieder mit Reiseberichten losgeht, heute noch ein Rezept für einen leckeren Auflauf, denn ich muss ja anfangen, meine Vorräte auszumisten.

Es fehlt der Spinat. Die Kartoffeln sind schon angekocht, die Sauce angerührt.

Ich schäle eine Handvoll Kartoffeln, schneide sie in dünne Scheiben und koche sie für etwa zehn Minuten in Salzwasser. Eine rote Zwiebeln wird geschält und ganz dünn gehobelt! Eine Packung Spinat wird gewaschen und geputzt. Dann verrühre ich einen Becher saure Sahne mit drei Eiern und einem Glas Milch, zwei bis drei Esslöffeln Meerrettich aus dem Glas, drei zerdrückten Knoblauchzehen, viel Pfeffer, Cayennepfeffer, etwas Zucker und wenig Salz. Die Sauce wollte ich nicht zu dickflüssig haben, daher war sie mir am Ende leider einen Tacken zu flüssig! Ich habe übrigens noch drei Stangen in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln untergehoben.

In einer gefetteten Auflaufform schichte ich nun die Kartoffel- und Zwiebelscheiben mit Spinat und Lachs und gebe ab und zu ein wenig der Sauce darüber. Gekrönt wird das Ganze mit Reibekäse und Butterflöckchen.

Ab in die vorgeheizte Röhre bei 180 bis 200°C, für so etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde. Dazu gibt es etwas Salat mit einer einfachen Vinaigrette. Persönlich denke ich, es ist sehr lecker geworden.

Zwiebelkuchen

Ihr Lieben,

heute ist Tag der Singles, für die gibt es – da die Folgen ja keinen stören – Zwiebelkuchen…

Aber im Ernst. Gestern sollte bei der lieben Petra eigentlich Doppelkopf gespielt werden und sie kündigte Zwiebelkuchen und Federweißen (den ganz jungen, noch gärenden Wein) an. Leider kamen bei zwei Mitspielerinnen familiäre Probleme dazwischen, so dass der Abend ausfiel. Ich hatte mich sehr auf Zwiebelkuchen gefreut, daher bereitete ich ihn mir nun selbst zu.

Wirklich aufpassen muss man eigentlich nur bei dem Teig, der sollte mit abgewogenen Zutaten geknetet werden. Mit der Füllung kann man herumspielen, sie sollte nur nicht zu flüssig sein.

Der Teig: 225 Gramm Mehl mit 150 Gramm kalter Butter in Stückchen, einem Ei und einer guten Prise Salz schnell mit der Hand verkneten, bis ein glatter Teig entstanden ist und das Mehl komplett aufgenommen wurde. Zu einer Kugel formen und in Frischhaltefolie gewickelt in den Kühlschrank stellen. Die Buttermenge ist hoch, aber das sorgt für einen sensationell buttrigen Geschmack!

Für die Füllung habe ich 150 Gramm gewürfelten Schinken, 5 kleingewürfelte große Zwiebeln, eine in dünne Halbringe geschnittene Stange Lauch sowie 4 gepresste Knoblauchzehen in wirklich viel Butter angedünstet und mit Salz, Pfeffer, Rosenpaprika, Kümmel und Majoran sowie etwas Rohrzucker gewürzt. Nach 20 Minuten ist diese Masse in der Regel fertig. Sie muss dann auskühlen.

Wenn dies geschehen ist, werden ein Becher Schmand sowie drei ganze Eier untergerührt. Nun eine Tarte- oder Springform fetten, den Teig darin verteilen, so dass der Boden einigermaßen gleichmäßig dick und ein Rand vorhanden ist, mit einer Gabel Löcher in den Teig stechen und dann die Füllung darauf geben. Ab in den vorgeheizten Ofen für circa 40 bis 45 Minuten bei 180°C Ober-/Unterhitze. Aber schon vorher ab und zu mal nachsehen, nicht dass da was verbrennt.

Dazu passen natürlich prima ein Federweißer (oder ein roter Sauser) und ein einfacher Salat. Achtung: Die Mischung Zwiebelkuchen und gärender Wein ist definitiv nicht für ein erstes Date geeignet! 🙂

Tirana – Wien – Köln: Der Epilog

Ihr Lieben,

es ist wieder passiert. Das Bett ist erneut zusammengebrochen. Diesmal habe ich das fotografiert. Warum ich es wieder zusammengebaut habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich wollte es jetzt nicht nach Vandalismus aussehen lassen.

Das Hotel und ich haben uns nicht mehr lieb, wahrscheinlich, weil ich gestern beim Bezahlen über die Inkompetenz des Managements geschimpft habe. So stand dann für mich zur Strafe heute früh keine Frühstückbox im Gemeinschaftsraum bereit. Wie kindisch.

Geschlafen habe ich nicht. Stattdessen habe ich mich um 23 Uhr aufs Bett gelegt und krampfhaft darauf konzentriert, nicht wegzudösen. Um 2 Uhr bin ich dann aufgestanden (mit bereits erwähntem Tschingderassabums), habe mich fertig gemacht und stand 45 Minuten später auf der Straße, wo mich Klodi, der Fahrer vom Samstag wieder in Empfang nahm. Diesmal haben wir über sein Land gesprochen und den Fußball außen vor gelassen.

Am Flughafen lief alles bestens, ich trank einen Kaffee und investierte meine letzten Lek in Spirituosen. Ich gehe davon aus, dass sie daheim vergammeln werden, wie die Getränke aus Riga, den Kanaren, Südafrika, Madeira und was weiß ich. Andererseits, was soll ich mit Fremdwährung zuhause?

Wir hoben pünktlich nach Wien ab. Bis kurz vor Boarding-Schluss blieb der Platz neben mir frei. Der allerletzte Passagier ließ sich dann leider dort nieder. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass mein Sitznachbar auf seinem Handy Reden islamischer Geistlicher und Videos zum Thema Palästina schaute. Das hat mich mehr als nur ein bisschen beunruhigt. Aber kurz nach dem Start zog er eine Schlafmaske auf und schlummerte friedlich. Gott, was bin ich manchmal überspannt.

Die Umsteigezeit in Wien hatte Austrian Airlines mit 50 Minuten sehr sportlich gestaltet. Zumal man keinen regulären Transit hat, sondern durch die Passkontrolle muss, dann das Terminal wechseln sowie anschließend erneut durch eine Sicherheitskontrolle. Dort wurde ich als mutmaßlicher Terrorist identifiziert (jaja, so schnell kann das gehen) und man untersuchte meinen Rucksack mehr als gründlich und nahm an allen möglichen und unmöglichen Stellen Abklatschproben. Gott, waren die vielleicht was überspannt. Mit Ach und Krach und einem Schlaganfall nah kam ich zum Boarding ans Gate. Man muss dazu wissen, dass ich in Wien wegen einer solchen Umsteigezeit tatsächlich mal meinen Anschluss verpasst habe, dann 6 Stunden in Schwechat verbringen musste, um dann nach Düsseldorf geflogen zu werden. Aber heute alles pünktlich. Wo es dann wieder hakte, war natürlich in Köln. Die eine S19 fuhr mir gerade vor der Nase weg, d.h. 30 Minuten Wartezeit. Dann die Durchsage: „Wegen eines Polizeieinsatzes…“ Was bedeutet eigentlich DB? Desaster-Bataillon? Debiles Bündnis? Dauer-Blockade? Ich nahm eine RB in die Innenstadt und fuhr von dort mit der Straßenbahn nach Hause.

Ja, Ihr Lieben, das war es auch schon. Nix is mit den gestern angekündigten Enthüllungen.

Wie war Albanien denn nun? Ja, super, auch wenn sich das ein- oder zweimal vielleicht anders angehört hat. Tirana ist definitiv eine Reise wert und ich wette, es gibt einiges mehr zu entdecken. Mein Guide Koli empfahl zum Beispiel Besuche von Berat, Shkodra und Gjirokastra.
Jetzt hocke ich seit 10 Uhr daheim, morgen geht es wieder in die Fabrik. Da muss ich dann dringend mal mit Kolleginnen und Kollegen über Brückentage diskutieren… 🤣

Danke fürs Mitreisen und Eure lieben Kommentare auf WhatsApp, Facebook sowie auf meiner kleinen Heimseite. Nächsten Monat geht es mit dem Schiff von Dubai nach Singapur. Ich freue mich schon jetzt über Begleitung.

Liebe Grüße,
Euer Gerry

Tirana – Durrës (der alte Mann und das Meer)

Ihr Lieben,

heute früh gab es Special Eggs. Also, wer damit seinen Tag startet… Kein Mensch könnte das alles ohne Probleme essen. Ike, erinnerst Du Dich noch an Schottland? Es war ein kleines bisschen bewölkt, dennoch warm und jetzt schon schwül, so dass ich auf der Terrasse frühstücken konnte. Aber gerade wegen der aufkommenden Schwüle beschloss ich, trotz des Zeitaufwands an die Küste zu fahren.

Erst aber, ich hatte noch Zeit, lief ich noch einmal durch die Straßen in meiner Nachbarschaft. Das Viertel ist echt nett.

Um nach Durrës zu kommen, muss man erst zum Flughafen und dort dann umsteigen. Die Umsteigezeit beträgt leider 40 Minuten, die man auf einem Parkplatz verbringt. Die Abfahrtszeit an Tiranas Busbahnhof ist übrigens auch eher eine Empfehlung. Der Bus fuhr 10 Minuten eher bzw. 20 Minuten zu spät ab, ich weiß es nicht genau. Das Vehikel nach Durrës stand am Airport schon bereit und war fast schon komplett belegt (40 Minuten vor Abfahrt!!!!!). Ich legte daher mein Handtuch auf einen der Sitze und…. Nee, Spaß! Ich zählte die freien Sitze und schnappte mir 15 Minuten vor Abreise den letzten.

So durch die Gegend zu kurven, ist zur Abwechslung eigentlich ja auch interessant. Mal die Vororte, die Landschaft, die Berge sehen. Meistens fuhren wir allerdings durch Gewerbegebiete, die die gleiche Tristesse ausstrahlten, wie alle anderen ruralen Gewerbegebiete dieser Welt. Zudem fuhren wir auf eine Regenwand zu, yippieh!

Durrës ist leider ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es gab sowohl auf dem Flughafen als auch in der Innenstadt von Tirana auf großen Werbemonitoren eine Lobpreisung dieses Ortes sondergleichen. Ätherische Schönheiten schweben mit einem Cocktail in der Hand am Strand entlang, Yachten konkurrieren im Hintergrund um die dezenteste Protzigkeit, alle Menschen sind glücklich, sie liegen unter schneeweißen Schirmen auf fein geharktem Sand und sind einfach nur schön, schön, schön!

Die Wirklichkeit kommt leider nicht so ganz an dieses Paradies heran. Und ich fürchte, es ist nicht nur der Wetterlage geschuldet, dass ich so denke.

Vom zentralen Busbahnhof lief ich zuerst zum venezianischen Turm, einer der Hauptattraktionen von Durrës. Der ist eigentlich ganz nett, man kann sogar hineingehen und das Dach erklimmen. Aber als eine der beiden Hauptattraktionen des Ortes sagt das schon viel über selbigen aus. Das Amphitheater soll zu einem der größten des mediterranen Raums zählen, es ist in einem undefinierbaren Erhaltungszustand. Angeblich wurde es erst 1966 entdeckt. Ich frage mich, wie man eine Fläche von einer solchen Größe schlichtweg übersehen kann. Mitten in der Stadt! Man knöpfte mir 300 Lek Eintrittsgeld ab, dabei gab es noch nicht einmal eine Vorstellung. Ich hatte auf Shakespeare gehofft.

Gut, hatte man das also auch gesehen. Eine unspektakuläre Moschee und eine unspektakuläre Kirche (die „Katedrale“ genannt wird) später begab ich mich zum Strand. Herrjeh, da möchte man nicht tot überm Zaun hängen, geschweige denn seinen Urlaub verbringen. Es ist dort dermaßen heruntergekommen und trist. Die ganze Stadt unterscheidet sich stark von Tirana. Die Lokale sind leer, kaum Menschen auf der Straße, viele verfallene Häuser, auch in quasi erster Reihe, eine Art Seebrücke, die einsturzgefährdet aussieht…

Entgegen meiner ursprünglichen Planung fuhr ich schon 2 Stunden früher wieder zurück nach Tirana. Das war eine ganz gute Entscheidung, denn eine Minute nach unserer Abfahrt fing es an zu regnen. Vielleicht war ich an den falschen Ecken der Stadt, aber sie hat definitiv nicht das Flair von Tirana und übte auf mich keinerlei Reiz aus.

Die Rückfahrt war elendiglich lang, wieder mit Umstieg am Flughafen Tirana. Wenigstens war der zweite Bus sehr komfortabel. Aber durch das hohe Verkehrsaufkommen und mehrere Unfälle mit jeweils mehreren Beteiligten (an einer Stelle etwa waren 6 oder 7 Autos ineinandergefahren) dauerte die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum fast dreimal so lang wie angegeben. Mein Sitznachbar war ins Parfumtöpfchen gefallen, da war ich froh, eine Covid-Maske dabeizuhaben. In der Sitzreihe vor mir ein stark alkoholisiertes Damengespann, das in einer unerfindlichen Sprache brabbelte und alle 2 Minuten in hysterisches Gelächter ausbrach. Puh! In Tirana angekommen brauchte ich erst einmal, wer hätte es gedacht, ein Bier.

Was übrigens meine Schwierigkeiten mit Flug und Hotel angeht, damit war ich wieder den halben Tag beschäftigt. Immerhin konnte ich irgendwann dann doch auf der Busfahrt für meinen Rückflug einchecken. Wegen der Rechnung bedurfte es noch einiger Dutzend Nachrichten, bis der Reiseveranstalter mir versicherte, er würde mir die Kosten zurückerstatten, falls ich vor Ort bezahlte. Alles sehr nervtötend! Gottseidank ist das Netz in Albanien flächig und stabil. Aber wie machen das technisch nicht so ausgestattete Menschen? Zuhause werde ich mich wahrscheinlich noch wegen der Rückzahlung herumschlagen müssen.

Ja, und nun geht es mitten in der Nacht zurück. Um 3 Uhr werde ich abgeholt, um 5 Uhr geht der Flieger. Ihr müsst nicht extra aufstehen, aber vielleicht guckt ihr morgen noch schnell in meinen Epilog rein, da enthülle ich Geschichten zum Staunen. Oder aber auch nicht. Wer weiß 🙂

Bis denne, liebe Grüße
Euer Gerry

Habe hier den Lehrstuhl für vergleichende Literaturwissenschaften angenommen.
Und wenn das nicht klappt, verkaufe ich halt Schuhe.

Tirana – Der Mann in den Bergen (und dann wieder im Tal)

Ihr Lieben,

ein bisschen musste ich schon überlegen, ob ich euch dieses Ereignis erzählen soll. Gegen 5 Uhr morgens klingelte mein Handy, ich setzte mich abrupt im Bett auf, dann sprang der Lattenrost aus seiner Führung, um mich völlig verdattert und mit einem Puls von 120 dem Erdkern noch ein wenig näher zu bringen als gestern. Ich hatte den berühmten Schreck meines Lebens. Es ließ sich natürlich alles sehr einfach wieder zusammenbauen und als ich fünf Minuten später alles wieder gerichtet hatte, setzte der Muezzin zu seinem Gebetsruf an. Was sagt mir das bezüglich meines waghalsigen Vorhabens, mit der Seilbahn zu fahren? Ach, ich weiß es doch auch nicht. Den Rest der Nacht verbrachte ich dann eher unruhig. Geklingelt hatte übrigens meine Überwachungskamera daheim, die eine Fliege oder Motte erfasst hatte. Na, wenigstens funktioniert sie.

Das Frühstück nahm ich morgens bei prächtigstem Wetter auf der Straßenterrasse des Hotels ein. Filterkaffee und Eggs Benedikt. Weltpremiere, denn die hatte ich noch nie. Ist aber wegen der Hollandaise etwas gewöhnungsbedürftig, wie ich finde.

DIe Taxifahrt zur Seilbahnstation war recht abenteuerlich. Der Taxistand ist quasi vorm Hotel, und als ich einstieg und mein Ziel nannte, schien der Fahrer sehr erfreut und drückte aufs Pedal. Leider vergaß er, den Taxameter anzustellen. Als ich ihn daraufhin ansprach, tat er natürlich so, als würde er mich nicht verstehen. Ich sagte Stopp, er stoppte, holte 1200 Lek aus der Tasche und wedelte resigniert damit vor meinem Gesicht rum. Mit dem Fahrpreis war ich einverstanden (regulär wären es ca. 15 Euro gewesen) und so konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Unbeschadet der Tatsache, dass viel Verkehr herrschte, hupte er wie wild und schlängelte sich rechts und links an den Wagenkolonnen vorbei, gerne auch mal ein Stoppschild oder eine rote Ampel ignorierend. Am Ende gab ich ihm dann 1300 Lek und es fehlte nicht viel, fast hätte er einen Freudentanz aufgeführt. So haben der alte Gauner und ich (auch irgendwie ein alter Gauner) beide gespart.

Ihr Lieben, ich weiß nicht, welche Art von Todessehnsucht mich immer dazu treibt, Seilbahnen oder Sessellifte zu besteigen. Insbesondere die von Tirana hat es in sich, die Fahrt dauert ewig und drei Tage, es herrschen Abstände zwischen den Pylonen, die möchte man sich nicht im Traum vorstellen, kurzum: eine Fahrt des Grauens! Gerne hätte ich die Ausblicke genossen, aber ich war zu fokussiert darauf, nicht in Ohnmacht zu fallen. Ganz schlimm wurde es, als ich glaubte einen Piepton zu hören, ALARM!, es stellte sich dann als irgendein merkwürdig kreischender Vogel heraus.

Von oben hat man dann spektakuläre Ausblicke, es lohnt sich daher wirklich, 1000 Tode zu sterben. Spektakulär! Spektakulär!!! Oben gibt es ein Hotel, es gibt Wanderwege, es gibt eine Paraglidingstation (das ist mir definitiv ein Fünkchen zu viel), Restaurants, ein lost place in Form eines verlassenen Hotels, Aussichtspunkte natürlich, eine Minigolfanlage, man kann Quad fahren oder auf Leute schießen. WAS? Ja, es gibt Schießstände, einige mit Flaschen oder Ballons, aber auch mit Schaufensterpuppen. Das finde ich ehrlich gesagt mehr als befremdlich.

Ich lief ein bisschen herum, genoß die Sonne auf dem kühlen Berg, trank einen Kaffee und trat dann die Talfahrt an. Herrjeh, es war ein wenig windig und die Kabine schaukelte ziemlich. Aber meine Höhenangst wird immer schlimmer und ich vermute, dass ich, wenn ich mich nicht ständig überwände, inzwischen nicht mehr problemlos auf einem Schwebebalken für Vorschulkinder sitzen könnte.

Im Tal angekommen machte ich mich zu Fuß auf zum BUNK’ART, einem unterirdischen Museum für Geschichte und moderne Kunst. Enver Hoxha hat schätzungsweise 170.000 Bunker in Albanien errichten lassen, seine Angst vor einem Krieg nach der Lossagung von Russland war offensichtlich sehr groß. Diese Bunker haben ein Vermögen verschlungen, heute weiß man nicht, was man damit tun soll. Einige dienen der Champignonzucht, andere als Lager, hier in Tirana 2 als Museum. Man muss es sich vorstellen: Je ein Bunker für 11 Bewohner damals!

Am Eingang des Museums wird darauf hingewiesen, dass der Besuch nichts für Klaustrophobiker ist. Manch einer wäre also vom heutigen Programm doppelt herausgefordert, ich bin gottseidank nur in gläsernen Aufzügen klaustrophobisch. Fotografieren und filmen sind eigentlich nicht erlaubt, ich habe dennoch ein paar Bilder gemacht (wie alle anderen Besucher auch), die allerdings nicht wiedergeben können, wie bedrückend so ein Bunker sein kann. In sehr vielen Räumen gibt es Informationen zur Geschichte Albaniens unter dem italienischen Faschismus, unter der deutschen Besatzung und der kommunistischen Ära. Vor allem Fotos und Dokumente sowie Nachbildungen von Kommandozentralen, Schlafräumen, Konferenzimmern, aber auch eines für die Zeit üblichen Wohnzimmers werden gezeigt. Ein halbes Dutzend moderne, mehr oder weniger künstlerische Installationen unterbrechen die Ausstellungsräume, die Hälfte davon habe ich allerdings nicht verstanden. Die Anlage ist ziemlich weitläufig, es gibt deutlich mehr zu erlaufen, als z.B. beim Regierungsbunker an der Ahr.

Zurück in die Stadt wollte ich dann den Bus nehmen. Nun ist es so, dass es meistens keine klassischen Bushaltestellen gibt. Zumindest hat nicht jede eine Beschilderung. Man muss raten, wissen oder einen Bus davonfahren sehen, um sich dann genau dort hinzustellen, um auf den nächsten zu warten. Eine Fahrt kostet umgerechnet 40 Cent, das Fahrgeld wird ganz klassisch noch von einem Ticketverkäufer eingesammelt. Das finde ich sehr sympathisch! Und vor allen Dingen zeigte der Mann eine unglaubliche Gedächtnisleistung, denn er erkannte auf Anhieb, wer zugestiegen war, obwohl es mehrere Türen gibt.

Ich fuhr bis zur Station Biblioteka, dem zentralen Busbahnhof, um von dort aus weiter zum Stadion zu fahren, weil ich den großen Park mit seinem See besuchen wollte. Ein hoffnungsloses Unterfangen, sich dort zurechtzufinden. Es gab zwar Ticketschalter, an denen man hätte fragen können, aber davor drängelten sich Menschentrauben unvorstellbaren Ausmaßes. Also weiter per pedes. Auf dem Weg machte ich einen kleinen Abstecher in die Et’hem Bey-Moschee, die zwar sehr klein, dafür aber außerordentlich hübsch ist. Gerade die Innendekoration ist besonders kunstvoll.

Gegen 15 Uhr kam ich dann am See an und es wurde es nach einem kurzen Rundgang Zeit für ein kleines Bier. Direkt am Ufer liegt ein sehr hübsches Lokal, in dem es dann sogar Tirana-Bier gab. Muss man dann ja. Der Park ist sehr nett, es gibt ein chinesisches Häuschen, ein Amphitheater, diverse Lokale, Spiel- und Sportplätze; offensichtlich, gemessen an der Zahl der Besucher, ist es ein beliebter Naherholungsort. Auch eine Bimmelbahn stand bereit, allerdings wollte der Fahrer nur mit mindestens 10 Passagieren losfahren. Wir waren bei meinem Eintreffen zu viert. Ich schenkte es mir.

Während ich dort so saß und auf den See starrte, erhielt ich eine Nachricht, ich könne für den Rückflug einchecken. Ich mache es kurz, ich konnte nicht. Also schrieb ich an CHECK24 eine Mail, dass ich nicht weiterkäme. Diese schrieben mir zurück, ich möge mich bitte an Aurumtours wenden, sie hätten aber auch einen anderen Buchungscode für mich. Nach Deutschland zu telefonieren, kam mir jetzt nicht in den Sinn, und der andere Buchungscode funktionierte auch nicht. So macht Reisen Spaß! Ich schrieb eine weitere Mail an Aurumtours. So kann man auch seine Zeit verbringen…

Ich erkundete weitere Teile des Parks, lief ein bisschen am Seeufer entlang und nahm an der Akademie der Künste einen weiteren Bus, zurück in die Stadt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie heiß es inzwischen geworden war. Etwa jemand neidisch? Koli sagte mir gestern übrigens, jetzt und im April wären die besten Reisezeiten für Tirana.

Ich besuchte endlich den Basar, der nicht ganz so ausgestorben war wie gestern, und nahm u.a. an einer Weinprobe für eine Person teil, bei der ich die Weine aus dem Plastikverschluss der Plastikflasche, in dem der jeweils kostbare Tropfen lagerte, trinken sollte. Ich hoffe inständig, dass kein Kunde vor mir Herpes oder Schlimmeres hatte. Ganz schlecht war der Wein dann nicht, aber der Händler wollte mich beim Preis gehörig über den Tisch ziehen, da suchte ich eilends das Weite. Er rief mir noch einen wesentlich günstigeren Preis hinterher, aber da war ich schon angenervt. Sorry, ich kann das einfach nicht, auf Basaren handeln. Ich mag Preisschilder. Sehr gerne sogar.

Ich kehrte zum Hotel zurück, setzte mich auf die Terrasse und bestellte einen Rotwein. Irgendwann hat man ja auch mal Urlaub, man muss ja nicht die ganze Zeit durch die Gegend rennen. Und während ich da so sitze und an meinem Weinchen schlabbere, erreicht mich die E-Mail der Hotel-Managerin Katie, sie hätten keinen Vertrag mit Aurumtours, ich müsse die Rechnung vor Ort begleichen und mir das Geld zu Hause zurückholen. Diese Nachricht habe ich auch umgehend an Aurumtours weitergeleitet, mit der Bitte um Klärung. Aber ich bin schon ziemlich angepisst!

Es gingen dann mehrere E-Mails hin und her, ohne, dass es zu einer Klärung kam. Bei einer so kurzen Reise dann mehrere Stunden mit solchen Problemen zu verschwenden, ist schon eher zum Brechen, und damit meine ich nicht das Brot des Friedens. Ich bin gespannt, wie es morgen weitergeht.

Mein Abendessen nahm ich wieder in einem Lokal mit einheimischer Küche ein. Diesmal tischte man mir, natürlich nach Rücksprache, einen Innereienauflauf und Ofenschmorfleisch auf. Das war eigentlich alles ganz lecker, aber man musste schon auch mal seinen Kopf ausschalten. Das Stückige im Auflauf war Leber, damit kann ich prima leben. Von dem Rest wollte ich gar nicht wissen, was es war. Prinzipiell finde ich es gut, dass man, wenn man es schon schlachtet, ein Tier auch komplett verwendet. Aber die Tradition, sprich Erziehung, macht es einem schon schwer. Der Hauptgang war dann Schmorfleisch mit Kartoffeln, mit Knochen und Fett und Haut. Ich sage mal so: Es war mir dann doch einen Tacken zu traditionell. Aber das Ambiente im Restaurant ODA ist sehr nett und der Service sehr aufmerksam. Einziges Manko war ein Tisch voller schlecht erzogener und – trotz der vielen kleinen mitgebrachten Kinder – kettenrauchender Däninnen und Dänen, die sich natürlich genau neben mich setzen mussten. Ich bin dann samt Essen umgezogen.

Im Hotelzimmer angekommen, fand ich den Schriftverkehr zwischen Hotel und Reiseveranstalter vor, Katie hatte es per WhatsApp angekündigt, dass sie mir den unter der Tür durchschiebt. Sie schrieb mir dann noch, sie hätte einen Geldtransfer eingefordert, der auch meine Taxikosten enthielte. Bin gespannt, ob sie damit durchkommt.

Ja, wieder ist ein aufregender Tag zuende, ich sitze schon früh im Hotelzimmer und bin fix und alle. Meine SmartWatch zeigt 30.870 Schritte und 32 Etagen an. Hat sich mein Fazit verändert? Nö, bin immer noch in einer tollen Stadt und weiß, dass auch die Umgebung stimmt. Den Ärger mit dem Reiseveranstalter hätte es nicht gebraucht. Für morgen hatte ich eigentlich Durres an der Küste eingeplant, aber ich fürchte, das ist zu zeitaufwändig mit Bus und zu teuer mit Taxi. Mal sehen, was ich stattdessen für Kapriolen schlage.

Kapriolisiert Ihr wieder mit?

Liebe Grüße
Euer Gerry