Tag 17: All by myself

Ihr Lieben,

was für ein schönes Hotel, was für ein tolles Frühstück! Austern und Champagner. Abenteuer und Lodges im „Outback“ sind ja ganz nett, aber so Warmduscher wie ich finden ein bisschen Luxus auch nicht verkehrt. Apropos Luxus: Da ich keine Aktivität gebucht hatte, konnte ich etwas ausschlafen, mal ohne Hektik, aber mit den sympathischen mitreisenden Schwestern frühstücken und dann gaaaanz alleine durch Swakopmund schlendern. Denn die Gruppe ist zwar immer noch grandios, aber es tut gerade gut, mal etwas in eigenem Tempo in aller Ruhe zu tun.

Das Restaurant gestern war sehr schön, das Essen okay (es war dann doch etwas zu viel Bierteig im Spiel), aber es war auch sehr laut und wir warteten zwei Stunden auf das Essen. Das war ein bisschen too much.

Swakopmund. Ich besuchte das alte Gefängnis, das immer noch in Betrieb zu sein scheint, den alten Bahnhof, nun ein Luxushotel, und erklomm den Turm des Woermann-Hauses. Sehr schöne Ausblicke hat man von dort. Auch einen Hindernisparcour über den Africa Handicraft Market brachte ich hinter mich.

In der Innenstadt gibt es ein ein wenig reißbrettanmutendes Dorf im Dorf mit Boutiquen, Souvenirshops und Restaurants. Sehr nett. In den Läden stellte ich fest, dass einige Souvenirs, die ich erstand, dort preiswerter waren als bei den fliegenden Händlern. Aber nicht so sehr, dass es schmerzte.

Gegen Mittag setzte ich mich in ein zu einer Buchhandlung gehörendes Café und genoß die kühle Brise in schönstem Sonnenschein mit frischgepresstem Orangensaft und einem wunderbaren Latte Macchiato.

So gestärkt klapperte ich eine Sehenswürdigkeit nach der anderen ab: Die Mole, die alten deutschen Häuser (u.A. Hohenzollernhaus und Altes Amtsgericht) und sogar das Aquarium. Das allerdings ist etwas deprimierend, u.a. wegen des völlig verstörten Adlerrochens, der in einem viel zu kleinen Becken lebt und ständig gegen die Wände schwimmt. Er machte den Eindruck, er wolle rausspringen.

Was ebenfalls etwas irritiert, ist das Marinedenkmal, das an die „glorreichen Helden“ erinnert, die gegen die Herero und Nama gekämpft haben. Da es ein Nationaldenkmal ist, scheiterten bisher alle Bemühungen, es zu entfernen. Auch Straßennamen wie Richthofen Av. passen möglicherweise nicht mehr so richtig in die heutige Zeit.

Aber: es gefällt mir hier ausnehmend gut. Ich sitze gerade im Farmhouse Deli an der Mole, glotze bei einem Hansa Draught aufs Meer und habe Urlaubsfeeling. Vorher war halt Reise, jetzt ist Urlaub. Morgen wieder Reise. Wenn Ihr versteht, was ich meine.

Auf dem Weg zum Hotel besuchte ich kurz noch das – man wird mir den Ausdruck nachsehen, wenn ich sage, dass es wirklich ganz toll ist – Mischmasch-Museum für…. äh, ja, Völkerkunde, Geschichte, Natur, und allem sonstigen. Immerhin gab es dort auch „the fifth of the big five“, den Leoparden, zu sehen.

Für das Abendessen hatten einige von uns eigentlich ein „Contemporary African Cuisine“-Restaurant ausgesucht, das aber viel zu früh die Pforten schloss. Unsere zweite Wahl war scheinbar ganz geschlossen und unsere dritte Wahl, zu der wir unreserviertermaßen aufbrachen, war völlig ausgebucht. Wir zogen zum Farmhouse Deli, wo ich mein Nachmittagsbier hatte und wo wir freudestrahlend begrüßt wurden. Wir, das sind übrigens die Schwestern, das Jungspundpaar und der Alleinreisende. Wir hatten den Abend des Jahres, mindestens! Die Kellnerinnen und wir hatten unendlich viel Spaß, wir haben uns gegenseitig Lieder vorgesungen und Sprachunterricht gegeben. Eine A-Capella-Band trat auf, deren CD ich erstand, und das Essen war – bis auf eine Portion versalzene Nudeln – wirklich gut, ebenso wie die Weine. „|namtsita ge a.“ heißt auf Khoekhoegowab übrigens „Ich liebe Dich“. Ich habe dazu noch ein Video gedreht…. 🤣

Meine Gesangseinlage „Sah ein Knab‘ ein Röslein steh’n“ wurde dafür von der Kellnerin gefilmt. Es war ein wirklich witziger Abend!

Wir kamen im Hotel an, wo weitere Mitreisende inzwischen eine Art Kampftrinken veranstalteten (was daran lag, dass die Bar verlauten ließ, dass es mit steigender Taktzahl auch überproportional mehr Freigetränke gäbe) und da hatten wir auch noch mal mächtig Spaß.

Morgen fahren wir über Solitaire nach Sesriem. Fahrt Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

Tag 16: Deutschtown

Ihr Lieben,

die Party auf der Straße und die Rennen gingen die ganze Nacht lang weiter. Am frühen Morgen kam dann noch Schwerlastverkehr dazu. Der Bungalow an der Straße ist definitiv nicht zu empfehlen. Es sagt schon viel aus, dass die Riesenspinne neben der Eingangstür mein kleinstes Problem war.
Das Frühstück war auch eher mau und es gab viel Trubel bei der Abrechnung. Wirklich fast jeder sollte mehr bezahlen, als er hatte. Ich konnte aber klar machen, dass ich der Gast mit der Flasche Wein war, man erinnerte sich dann. Das Kartenlesegerät war dann auch noch defekt und ich musste mir Geld leihen, um zahlen zu können.

Wir brachen wieder um 8 Uhr auf, Richtung Küste. Unterwegs kamen wir an einer großen Herde Giraffen vorbei. Das sind schon sehr anmutige und elegante Tiere. Mitten im Nirgendwo hielten wir an einem Kunsthandwerksmarkt, der von Herero-Frauen betrieben wird. Sie tragen eine sehr elegante und würdevolle Tracht. Leider habe ich wieder ein Stehrümchen erstanden, eine schlanke Schnitzerei einer Wasserträgerin. Ich konnte nicht widerstehen.

Ein weiterer Stopp wurde eingelegt, um einen Blick auf die Brandberge zu erhaschen. Die Landschaft wird immer karger.

An einem Himba-Dorf wurde ein weiterer Marktstopp eingelegt. Hier kaufte ich ein Armband und zahlte Fotografiergebühr. Die Himba laufen mit deutlich weniger Tracht herum, als die Herero, man sieht doch so einiges an Haut; da ist das Knipsen der Menschen schon ein wenig merkwürdig. Die Himba sind eigentlich Nomaden aus Angola. Sie leben noch teilweise noch traditionell, sind aber auch der Zivilisierungswut der Regierung zum Opfer gefallen.

Durch die Wüste ging es dann weiter bis Joachim’s Bay, wo wir ein von Kormoranen bevölkertes Schiffswrack bestaunten und anschließend zu Mittag aßen. Auch hier liefen wieder Souvenirverkäufer herum, denen ich ein paar Kleinigkeiten abkaufte. Daheim gründe ich dann die Germibia-Im-&Export GmbH & Co. KG. Ausreichend Ware habe ich schon. Dumile musste einen ziemlich ramponierten Reifen wechseln. Der arme Kerl. Die Souvenirverkäufer halfen ihm aber und bekamen dafür Essen. Ab nun folgten wir der Küste südwärts bis Swakopmund, unserem Ziel für die kommenden zwei Nächte.

Das Hotel „The Delight“ ist sehr nett, das Zimmer groß und freundlich. Wir haben hier stabiles W-LAN und eine Wäscherei gibt es auch. Heißa! Nachdem ich mich ein bisschen eingerichtet hatte, schlenderte ich durch die nahegelegene Innenstadt. Swakopmund ist sehr großzügig angelegt und erstaunlich deutsch. Es gibt Buchhandlungen, Schreinereien, Goldschmieden und und und, alles in deutsch. Selbst hinter englischsprachigen Werbungen stehen Meiers, Lehmanns und Engelberts. Am Zoll, Bismarckstraße und Löwenhof sind Beispiele für Straßennamen. Ich lief zum Leuchtturm, zum Pier und durch die Straßen der Stadt. Sehr schön alles. Morgen habe ich den ganzen Tag hier für mich, da ich keine der Aktivitäten gebucht habe (Wüstenjeepfahrt oder Delphintour hätten u.a. zur Auswahl gestanden); ich werde mich also ganz gemütlich durch die Sehenswürdigkeiten bummeln können.

Heute Abend gehen wir auf Empfehlung einer Mitreisenden fast alle in das Restaurant Jetty 1905 am Pier. Davon und was ich alles hier angestellt habe, berichte ich dann morgen.

Bis denne, liebe Grüße
Euer Gerry

Tag 15: Der Brunnen des Zweifels

Ihr Lieben,

das Frühstück war super. Und wir hatten ein unglaublich schnelles W-LAN. Ein Bild für die Götter: fast die ganze Reisegruppe starrte auf und tippte in ihre Handys.

Eigentlich hatte ich mit unserem sympathischen Jungspundpaar aus unserer Gruppe um 6 Uhr 30 ein Date am nahegelegenen Wasserloch, aber in der Nacht fing es an zu schütten und um die Zeit regnete es immer noch. Und ich bin ja bekanntlichermaßen aus Zucker. Muss aber toll gewesen sein, es gab wohl ein Gerangel zwischen einem Elefanten und einem Rhinozeros.

Wir brachen pünktlich um 8 Uhr auf nach Outjo, um dort einzukaufen. Es gab eine fantastische Bäckerei, ich hätte mich durch die ganze Theke futtern können.
Der Ort ist insofern auch ganz interessant, weil man schon viel Deutsch lesen kann (und wenn es auch nur „Bitte Drücken“ ist). Der Mann an der Eierstation beim Frühstück glänzte übrigens auch mit seinen Deutschkenntnissen.

In einen seeeehr schönen Souvenirladen erstand ich ausnahmsweise mal keinen Tinnef, sondern nur Postkarten und Briefmarken, muss ich doch die Tradition des Kartenschreibens mit bestimmten Verwandten und Freunden aufrecht erhalten. Ich gehe aber davon aus, dass sie nicht vor Weihnachten angekommen sein werden.

Wichtig war heute auch noch, daran zu denken, dass ab Samstagmittag wieder das Alkoholverkaufsverbot greifen würde. Ich beschloss, bis Montagabend zu planen und da es keine reißfeste Tasche gab, packte man mir im Liquor-Store meine Flaschen und Dosen in einen riesigen Karton, den ich dann zum Bus spedierte. Ich musste kurz überlegen, ob mein Ruf eigentlich noch mehr leiden könnte, kam aber zu dem Schluss, dass dem nicht so sei….

Um 13 Uhr kamen wir dann in der heutigen Lodge an, mitten in Khorixas. Sie ist ganz nett, und während die anderen ihr Mittagessen genossen, besuchte ich mit einer Mitstreiterin den hotelansässigen Holzschnitzer und erstand die Figur eines sitzenden Himba-Mannes. Wir trafen in der Werkstatt auf eine Gruppe Studenten, die hier mehrere Wochen verbringen und Nachhaltigkeitsprojekte fördern wollen. Das war schon ein interessantes Gespräch.

Nach kurzer Ruhepause, um sich frisch zu machen und die Zimmer zu beziehen, brach ein großer Teil der Gruppe auf, um die Felskratzereien (ich bin sicher, es gibt einen wissenschaftlicheren Namen dafür!) in Twyfel Fontein zu besichtigen, die vor mehreren Tausend Jahren dort von Buschvölkern hinterlassen wurden. Erst stand dieser optionale Ausflug auf der Kippe, zeichnete sich doch ab, dass das Interesse eher mau war. Aber das mittelprächtige Wetter – es war wolkenverhangen – und die zwar nette, aber auch nicht wirklich mit Alternativmöglichkeiten glänzende Lodge füllten den Bus dann doch ganz gut. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass Dumile nicht wirklich erpicht auf diesen Ausflug war. Er peste die Buckelpiste mit einem Affenzahn entlang, aber das machte allen Beteiligten einen Heidenspaß. Hühüpf, sach ich mal so.

Es war toll! Allein wegen der Szenerie hatten sich die 250 namibischen Dollar gelohnt. Es war eine zerklüftete Gebirgslandschaft vulkanischen Ursprungs mit vielfältigen Formationen, ein Setting wie aus einem Western. Und die oben erwähnte Achterbahnfahrt auf der Buckelpiste war der Hit! Und dann kamen noch die unglaublich interessanten Felsschnitzereien dazu, die von unserer ortskundigen Führerin Thekla mit Erläuterungen präsentiert wurden. Wir waren uns alle einig, dass es auch mal richtig gut war, sich zu bewegen, mussten wir dann doch immerhin ein paar Höhenmeter überwinden. Aber ehrlich, wir sitzen im Bus, wir sitzen im Heli, wir sitzen im Flugzeug, wir sitzen in Restaurants, wir sitzen, sitzen, sitzen. Das war mal Zeit, etwas zu laufen und zu kraxeln.
Dumile schien aufrichtig erfreut, dass wir so begeistert waren und erzählte uns, dass sich viele Gruppen beschwerten, dass der Besuch oft als Zeit- und Geldverschwendung empfunden würde. Das verstehe ich überhaupt nicht. Naja, Motzköppe gibt es immer und überall.

Auf dem Rückweg hielten wir noch an einer bemerkenswerten Pflanze, der Welwichia. Dieses Gewächs sprießt nicht nach oben, sondern zuerst nach unten, um auf Wasser zu stoßen. Die Wurzeln Graben sich angeblich bis zu 90 (!) Meter tief in den Boden und ermöglichen ihr so, jahrelang ohne Wasser auszukommen. Die Ausleger (heißt das so?) werden bis zu zwei Meter lang.

Das Abendessen war sehr nett, nachdem wir darum gebeten haben, etwas anderes als Game-Steak und Schnitzel vorbestellen zu dürfen, wie es eigentlich vorgesehen war. Die Rezeptionistin holte dann eine viel ansprechendere Karte hervor. Ich hatte Boerewurs, die zwar kalt, aber schmackhaft war, und einen riesigen Salatteller. Irgendwann verschwand das Restaurant-Personal und wir saßen immer noch zusammen. Einige holten aus ihren Zimmern und Zelten Weinflaschen herbei und so verbrachten wir noch eine angenehme Stunde. Ich muss es noch einmal erwähnen: Ich bin sehr glücklich mit der Gruppe. Das ist schon sehr viel wert, dass wir uns verstehen und teilweise sogar sehr mögen.
Nachts war es etwas unangenehm, da Dumile schon ausrichten ließ, dass Jugendliche über die Mauer der Anlage klettern könnten, um im Bus Wertgegenstände zu suchen. Wir haben die aber inzwischen wohl alle am Körper, irgendwie. Aber nachts klopfte es an meine Tür (während ich dies schrieb) und Männerstimmen baten mich, die Tür zu öffnen. Ich scheuchte sie mit meinem bassiglastigsten Organ weg und schob dann einen Tisch vor die Tür. Vor der Lodgeanlage gingen dann Straßenrennen los, ich fühlte mich an die Raserszene in Köln erinnert. Es war eine aggressive Grundstimmung draußen wie ich sie in Paternoster in Südafrika einmal erlebt hatte.

Morgen geht es nach Swakopmund, dem, gerüchteweise zusammen mit Lüderitz (wo wir nicht hinkommen werden), wohl deutschesten Ort Afrikas. Ich bin gespannt! Irgendwo essen wir auch noch den besten deutschen Apfelkuchen, wenn ich es richtig verstanden habe.

Wir sehen uns morgen, oder? Würde mich freuen!
Euer Gerry

Tag 14: The big Two

Ihr Lieben,

die Anlage ist wirklich schön, aber seitens des Service und der Leitung weiß man, dass man sich keine Mühe geben muss. Das Haus wird ja immer irgendwie voll sein, denn es gibt im Etosha Nationalpark nicht viele Lodges. Das Essen im Restaurant war daher auch nur auf Kantinenniveau. Kudu als Pfefferschnitzel, darauf muss man erst einmal kommen. An der Kasse habe ich dann Essen und Getränke mit Karte bezahlt (das zog sich hin, da die Dame recht träge war) und wollte das Trinkgeld in die Tip Box geben. Da wurde die Gnädige mal ganz flott, riss mir den Schein aus der Hand und bellte, sie kümmere sich darum. Nun ja.

Heute war auf jeden Fall Safari angesagt. Unser Weg sollte uns von der Namutoni-Lodge über die Halali-Anlage (jep, die heißt so und ziert ihr Logo mit einem Post- bzw. Jagdhorn) zu unserer nächsten Unterkunft, der Okaukuejo-Lodge bringen. Wir standen mal wieder mitten in der Nacht auf, gerieten mehr oder weniger in Hektik (ich sehr!), um dann eine halbe Stunde auf die Jeeps zu warten, die uns durch den Nationalpark bringen sollten.

Ich nehme es vorweg: Die Erwartungen an eine solche Safari sind in der Gruppe sehr hoch gewesen. Es gibt die berühmten „Big Five“, die man gesehen haben sollte. Elefant, Rhinozeros, Büffel, Löwe und Leopard (und nicht etwas das Hippopotamus, wie viele glauben). Wir haben im Etosha-Park zwei davon gesichtet. Elefanten sind ja auf der ganzen Reise allgegenwärtig, aber ein Rhino war heute auch dabei. Den Löwen hatten wir ja vor ein paar Tagen bzw. die Safari-Gruppe von gestern bei eben diesem Ausflug. Aber wir haben dennoch rasend viel gesehen!

Kuhantilopen, Orix-Antilopen, Impalas, Springböcke, Zebras, Gnus, Hyänen, Schakale, Strauße, Giraffen, und massenweise Vögel, deren Namen Legion sind und die ich mir nicht merken konnte. Trappen, Kiebitze und und und.

Unser Guide hieß Gerhard und hat sehr viel zu allen möglichen Sichtungen erklärt. Wie erkennt man Männchen und Weibchen, wer ist monogam, wer ist Beute, wer Jäger…. Das hat er sehr gut gemacht. Wir haben im Jeep ein wenig rotiert, was ganz nett war, da es auch da ja beliebtere und unbeliebtere Plätze gibt. Ich saß einmal hinten links, dann auf dem Beifahrersitz und zum Schluss vorne links. Und es war eine nette Truppe von 10 Leuten. Pech hatte der andere Jeep, in dem die anderen – natürlich ebenfalls netten – Personen saßen. Der Jeep muckte andauernd auf und am Ende hatte er auch noch einen geplatzten Reifen. Unser Jeep lieferte uns daraufhin im Halali ab und holte die anderen. Das Mittagessen war heute wunderbar, Käsenudeln und eine Hackfleischsoße sowie griechisch angehauchter Salat.

Wir kamen nach extrem langer Fahrt, die 70 Euro haben sich gelohnt, im Camp für heute an und hatten wieder eine sehr eingeschränkte Speisekarte. Internet auch nur rudimentär, daher also auch verspätet. Das Wild des Tages war heute Orix, dass ich mit der Auflage bestellte, es wirklich medium zu servieren und nicht in einer Tütensoße zu ertränken. Es hat geklappt und war um Klassen besser als gestern.
Ein paar von uns liefen noch zum Wasserloch der Lodge und erspähten ein weiteres Rhino. Danach tranken wir noch ein Gläschen Rotwein vor meiner Butze, wozu sich später zwei der Camper gesellten. Deren Zelte wären heute fast weggeweht worden, weil ein kleiner Sturm über das Camp hinwegpeste. Jetzt ist es aber eher windstill und ich bin sicher, dass wir morgen immer noch 22 Personen sind.
Wir fahren in eine angeblich sehr nette Lodge, aber wieder ohne Internet, und haben theoretisch als einzigen Programmpunkt Felsmalereien, die mich eigentlich interessieren würden, die aber nur über endlos lange Schotterpisten zu erreichen wären. Ich lasse mich mal überraschen, ob die erforderlichen 4 Personen, die das buchen müssen, zusammenkommen.

Seid Ihr auch so gespannt? Dann sehen wir uns ja morgen!

Liebe Grüße, Euer Gerry

Wir leben gefährlich: Wilde Tiere auch in der Lodge
Gerry (links) und Gerry (rechts) lotsen die Gruppe durch den gefährlichen Dschungel

Tag 13: Etosha

Ihr Lieben,

das Abendessen war recht gut, wobei insbesondere das Ambiente sehr nett war, mit einem großen Feuer bei den Tischen. Nach dem Abendessen nahm ich mit ein paar anderen Mitreisenden einen Absacker vor meiner Hütte und am Ende des Tages war ich wesentlich versöhnlicher gestimmt.

Morgens versuchte man gegen 5 Uhr den Generator anzuschmeißen, woraufhin Klimaanlage und Kühlschrank piepten, dann schaltete sich der Generator wieder ab, und so ging das Spiel bis nach dem Frühstück weiter. Kein Strom bedeutet in Lodges kein W-LAN, aber auch manchmal keine Wasserpumpe. Das rückt Prioritäten irgendwie ins rechte Licht, wie ich finde.

Wir brachen etwas verspätet auf, weil zuerst auch das Kreditkartenlesegerät nicht ging und alles wild mit Devisen bezahlt wurde. Nach einem kurzen Einkaufsstopp in Grootfontein, einem Ort, von dem wir wieder wenig sahen, steuerten wir den 60 Tonnen schweren Hoba-Meteoriten an, der vor rund 80.000 Jahren hier heruntergekommen sein soll und in den 1920er Jahren entdeckt wurde. Eine Führerin gab Erläuterungen ab und sang anschließend „Happy Birthday“ in ihrer Klicklautsprache, was passte, da heute ein weiterer Mitreisender Geburtstag hatte.

Dann durften alle mal auf den Brocken klettern; wenn man draufsteht und spricht oder ruft, resoniert es im Körper, das ist eine interessante Erfahrung.
Weiter ging es Richtung Etosha Nationalpark. Der Großteil der Reise führte ja bisher durch flache Landschaften. Jetzt gesellen sich Berge dazu, das bringt etwas Abwechslung in die sonst oft eintönigen Strecken.

Unsere Unterkunft „Namutoni Rest Camp“ erreichten wir gegen 13 Uhr. Wir fuhren zuerst zum Zelt-Camp, wo es endlich einmal wieder nett auch für die zeltenden Mitreisenden ist. Die letzten Plätze waren wirklich nicht schön, und es wurde viel upgegradet. Nur ist das ja nicht Sinn der Sache. Am Zeltplatz gab es dann Lunch, das ich aber ausließ, da es zum wiederholten Male belegte Milchbrötchen geben sollte, das ist ja nicht so mein Ding.

Die Chalets sind super. Sehr geräumig, sogar mit Badewanne und zwei Trerassen. Einen Kühlschrank gibt es auch. Yeah! Nur für W-LAN muss man entweder an die Rezeption oder ins Restaurant, wo ich gerade ein Bierchen zische und Euh auf dem laufenden halte. Viele Mitreisende sind jetzt auf der Minisafari mit dem Djoser-Bus, aber ehrlich? In dem sitze ich den ganzen Tag und zudem habe ich morgen eine ganztägige Jeep-Safari gebucht. Stattdessen erkundete ich ein wenig die Anlage, die sehr nett ist.

Ein Fort steht hier, welches 1904 von 7 deutschen Soldaten gegen 500 Owambo-Krieger verteidigt wurde. Als ich dieses Schild las, kam eine deutsche Reisegruppe, die sich lautstark über die tapferen Soldaten ausließ. Ich bemerkte lakonisch, dass ja vorher quasi die Kolonialmächte Namibia überfallen hätten. Ich wurde angeschnauzt und ein Mann empörte sich „Jaja, die Deutschen sind IMMER an allem schuld!“. Eine merkwürdige Äußerung, wie ich finde.

Den spaeten Nachmittag habe ich mit ein paar Mitreisenden geplaudert, wir liefen dann noch zur Wasserstelle, aber da gab es nur Zweibeiner zu bewundern, die Vierbeiner bewundern wollten. Daher heisst es jetzt erst einmal frischmachen und dann auf zum Abendbrot.

Morgen gehen wir dann auf Safari. Bin gespannt wie ein Flitzebogen.

Bis denn, Euer Gerry

Tag 10 bis 12: Digital Detox Days

Ihr Lieben,

wir waren im NoLanLand. Daher gibt heute gleich drei Geschichten auf einmal. Und das zusammengestückelt aus kleinen Notizen, die ich mir unterwegs gemacht habe. Ich hoffe, es ist nicht zu wirr und zu viel. Los geht’s.

Am Sonntag fuhren wir wieder früh ab, um zu verhindern, dass 3 andere Tourbusse uns bei den zahlreichen Grenzübertritten und anderen Kontrollen in die Quere kamen. Wir verließen Simbabwe und reisten auf direktem Wege durch Botswana nach Namibia, dabei passierten wir Kontrollposten für Maul- und Klauenseuche und die Nationalparkkontrollen, denn wir fuhren wieder durch den Chobe Nationalpark. Die Dame der Gesundheitsbehörde fand Obst im Bus, das war nicht gestattet, und so musste Dumile löhnen. Wir hatten zuvor aber eine Gemeinschaftskasse aufgemacht, so dass es nicht an ihm hängen bleibt.

Wir steuerten Katima Mulilo an, um einzukaufen, und, oh Schreck, es war ja Sonntag, also gab es kein Alkohol. Wir blieben auch nicht in Katila, sondern fuhren noch 140 Kilometer weiter in die Sharwimbo River Lodge, wo es kein Restaurant, keine Bar, kein W-LAN und kein Nichts gab. Tja, Digital Detox Days waren angesagt.

Das Mittagessen fand dann auf dem Weg dahin wieder an einem Rastplatz statt und war sehr simpel. Die Lodge ist sehr einfach und liegt direkt am Kwando-Fluss. Was an Annehmlichkeiten fehlt, macht die Lage wieder wett. Wir haben Flusspferde beobachtet, Vögel fotografiert, abends lecker gegessen – Jenny kann gut kochen – und dann einen unglaublichen Sternenhimmel inklusive Milchstraße genießen dürfen.

Die Geräuschkulisse in der Nacht war unglaublich. Gequake, Gegrunze, Gepfeife, Gezwitscher, Geblöke… und nichts davon kam von mir selbst. Flusspferde z.B. können echt laut sein. Das war zwar superspannend, aber ich musste dann doch Ohrstöpsel nehmen.

Zu meinem Schnupfen gesellte sich übrigens anderntags auch noch ein Husten. Doch die Mitreisenden sind hervorragend mit Medikamenten ausgestattet, dass sie mich mit Pillen und Pastillen förmlich überschütteten, wie weiland Nofretete ihren Architekten Numerobis mit Gold. Auch für meine Nagelhautentzündung ist bestens gesorgt. Der reinste Apothekenbus.

Am nächsten Morgen kamen wir in den Genuss von Jennys Frühstück, wie es die Camper seit Beginn der Reise haben. Das kann locker mit jedem Hotel und jeder Lodge mithalten. Dass ich kein Porridge-Fan bin (neudeutsch für teuren Haferschleim), dafür kann sie ja nichts. Aber das Rührei und der Obstsalat waren der Hit. Beim Frühstück sahen wir in der Ferne auch Hippos an Land.

Wir brachen auf nach Rundu am Ende des Caprivi-Streifens, das ist der schmale nördliche Teil Namibias, der bis kurz vor den Victoria-Fällen nach Westen ragt. Die Fahrt dauerte sehr lange. Kurz nach Aufbruch bevölkerten Menschenmassen die Straßen, die von bestimmten Sammelpunkten aus in alle Himmelsrichtungen pilgerten. Sohlen sind wohl immer noch das Fortbewegungsmittel Nr. 1 hier. In Divundu legten wir einen Zwischenstopp ein, um einzukaufen. Eine trostlose Mall mitten im Nirgendwo, viele Pröddelläden, aber auch ein gutsortierter Supermarkt. Wir kauften ihn fast leer… Am Ausgang musste man seinen Kassenzettel vorzeigen, der dann mit dem Inhalt der Einkaufstüten verglichen wurde.

Wir hatten Sonntag von Dumile gesagt bekommen, wie viel Bargeld wir für diverse Aktivitäten bräuchten und sollten daher bei dieser Mall entsprechend Geld am Automaten ziehen. Nachdem aber der erste Mitreisende Geld gezogen hatte, war die Maschine leer. Nunja. Hakuna Matata, sach ich da mal. Ich hätte auch welches gebraucht, habe mir aber von dem „Lostopfgewinner“ etwas ausgeborgt.

Mittags bereitete Jenny Hot-Dogs vor und sofort hatten wir Besuch von richtigen Hunden und einem schwer angetüterten Zeitgenossen, der Dumile beschimpfte. Dieser nahm es gelassen hin. Eine Vollbremsung musste er später auch mal hinlegen, als unvermittelt ein Rind aus eine Gruppe am Seitenstreifen ausbrach und plötzlich quer zum Bus stand. Ich nehme an, das Tier war suizidal veranlagt.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die N’Kwazi-Lodge, die wunderschön am Okavango gelegen ist. Man blickt dort von Namibia auf Angola.
Die Hütten sind sehr schön eingerichtet, es gibt eine Bar und ein Restaurant, aber wieder keine Internetverbindung. Wir sollten uns schon bei Ankunft überlegen, ob wir eine traditionelle Tanzveranstaltung am Abend sehen oder uns nach Angola schippern lassen wollten. Für beide Aktivitäten fanden sich leider nicht genug Interessierte. So faulenzten wir ein bisschen und glotzten auf den Fluss, in dem sich Krokodile und Hippos tummeln sollen. Wir sahen keine, aber das Setting ist dennoch sehr schön.

Das Abendessen und das anschließende Beisammensein fanden bei Feuerstellen im Restaurant und der Bar statt. Es war ganz wunderbar. Eine Art Wildkatze beanspruchte viel Aufmerksamkeit. Sie hatte einen endlos langen Schwanz und war das Fotomotiv des Abends. Wahrscheinlich doch ein Marsipulami.

Diese Abwesenheit von Kontaktmöglichkeit war anfangs gar nicht mein Ding, aber man kommt schnell runter und genießt irgendwie mehr. Wir leben inzwischen unter vielleicht einfach anmutenden Umständen, aber in Wirklichkeit ist es der reinste Luxus.
Bei mir hat sich inzwischen eine mir völlig fremde Art des „Hakuna Matata“ breit gemacht. Ich weiß gar nicht, was die kommenden Tage passiert, es ist aber auch nicht mehr so wichtig. Das ist für meine Verhältnisse mehr als skurril!
Ja, und nun ist der Montag rum, ich sitze im Zimmer und lasse die beeindruckende Geräuschkulisse auf mich wirken und fühle mich gerade ziemlich gut.

Nach einem sehr leckeren Frühstück fuhren wir wieder endlos lange, um dann zu einer Lodge im Nirgendwo, 20 Kilometer entfernt von Grootfontein unterzukommen. Hier ist aber nun wirklich gar nichts. Keine schöne Gegend, kein Fluss, keine Aktivitäten und die Netzverbindung ist wieder Grotte. Wir sind leider wieder an einem Tiefpunkt der Reise angelangt. Das einzig erwähnenswerte ist ein halbwegs funktionierender Kühlschrank auf dem Zimmer.

In der Nähe soll es eine Schlucht geben, über die man mit einer „Zipline“ hin- und herfliegen kann, aber die ist nur 120 Meter lang. Da sitzte ich jetzt lieber in Dieseldampf und dem Geknarre des Generatoren, der ausgerechnet zwischen Pool und Bar aufgebaut werden musste. Ihr hört schon raus, die Begeisterung ist groß.

Viel mehr gibt es bisher von Tag 3 der Netzlosigkeit nicht zu berichten. Ich sach jetzt mal, dass es auch heute sinnlos ist, Fotos hochzuladen und melde mich dann morgen mal wieder.

Also: Gestern und vorgestern waren schöne Tage, der heute stört die guten Eindrücke leider etwas.

Bis morgen dann mal, wenn es die Technik es zulässt und mich kein sibirischer Tiger frisst, denn wir haben die kommenden Tage ein paar Safari-Einlagen.

Liebe Grüße
Euer Gerry

Tag 9: Dr. Livingstone, I presume…

Ihr Lieben,

was habe ich da gestern von Regen geschrieben? Heute war Wolkenbruch. Wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne. Aber von Anfang an.

Ich bin irgendwann eingeratzt, obwohl ich mir noch ein Weinchen eingeschenkt hatte. Ich war wohl einfach platt. Da konnte auch die feiernde und johlende Jugend vom Zeltplatz nichts dran ändern. Geweckt wurde ich von einer Melange aus Vogelstimmen und kreisenden Helikoptern. VicFalls, wie wir Kenner den Ort nennen, ist extrem trubelig. Nach einem guten Frühstück in der ansprechenden Hotelanlage brachen wir zu unserem Rundflug auf. Ich fasse mich kurz: Sensationell! Es war teuer, es war recht kurz, es war sensationell! Man hat einen ganz anderen Blick auf das Geschehen. Erst aus der Luft erschließt sich die ganze Imposanz dieses Naturwunders. Spektakulär! So, ich denke, ich habe mich verständlich machen können. Zur Sicherheit: FANTASTISCH!

Wir haben uns danach zu viert aufgemacht, den Nationalpark zu Fuß zu besuchen. Der Eintritt ist gepfeffert, 50 US-Dollar. Aber auch das muss man hinnehmen, denn… also, das muss man doch nicht erklären, es sind die Falls! Es gibt 16 Aussichtspunkte, beginnend bei einer Statue des Missionars und Entdeckers David Livingstone, der eine Zeit lang als verschollen galt, und der angeblich von Henry Morgan Stanley mit eben den Worten aus der Überschrift beim Wiederfinden begrüßt wurde. Livingstone gilt als Entdecker der Fälle. Ich bin sicher, die Einheimischen freuten sich auch über Sir Davids Entdeckung; ihr ahnt, was ich meine.

Aber zurück zum Thema: Je weiter man auf dem Pfad entlang der Fälle kommt, umso stärker sind die Auswirkungen der Gischt zu spüren. Später hat man das Gefühl in einem Wolkenbruch zu sein. Ich hatte mir, nachdem ich sah, wie klatschnasse Menschen den Park verließen, zu Beginn gottseidank ein Regencape gemietet, damit meine neue Kamera nicht schon wieder ersäuft wird. Das war klug, denn ich war von oben, von vorne und von unten komplett nass, aber der Rucksack blieb trocken.Interessanterweise ist es auch ein Rain Forest National Park. Nur hatte ich mir darunter immer etwas anderes vorgestellt.

Alles in allem ein Highlight, nicht nur bezogen auf diese, sondern auch auf andere Reisen. Wahnsinn. Wo kommt bloß all das Wasser her? Ich setzte mich mit dem anderen Alleinreisenden auf ein Bier in das Parkcafé, um zu trocknen, den beiden Begleiterinnen war mehr nach Hotel. Wir trafen dann noch auf viele andere Mitreisende der Gruppe, die durch das Restaurant liefen und allesamt genauso begeistert von dem Erlebnis Victoriafälle waren.

Am Abend trafen A. (wie anderer Alleinreisender) und ich uns mit einem Zeltcamperpärchen außerhalb des Hotels zum Essen. Mit Beiden hatte ich zwar schon ab und zu geplaudert, aber es war richtig schön, mal ein längeres Gespräch zu führen. Mich hat dabei natürlich auch interessiert, wie die Zeltvariante der Reise sich so anfühlt, aber das hat am Ende nur einen Bruchteil der kurzweiligen Unterhaltung ausgemacht. Die Beiden reisen auch viel und bekanntermaßen kann man mit solchen Menschen immer ein tolles Gespräch führen.

Unsere Reiseroute hat sich etwas geändert. Laut Hotelliste wären wir eigentlich morgen wieder in Botswana, laut korrigierter Reiseroute sind wir aber in Namibia. Ich bin völlig ahnungslos, was morgen passieren soll. Ich weiß nur, dass die Unterkunft keine Verpflegung anbietet und wir uns bei den Campern einkaufen müssen. Aber da freue ich mich drauf, denn dann sind auch alle mal beim Abendessen zusammen.

Ihr Lieben, es läuft vielleicht nicht immer alles rund (heute musste ich z.B. wegen Störungen dreimal zur Rezeption [Dusche kaputt, Wäsche falsch, WLAN-Passwort falsch]), aber ich kann nur jedem raten, den Weg seines Traums anzutreten! Das muss ja nicht, wie bei mir, eine Reise sein. Ich habe zwei Ziele meiner sich ständig ändernden „Top-10-Löffelliste“ besucht (Botsuana und Victoriafälle; und Namibia wäre ohnehin ein Nachrücker gewesen) und es fühlt sich sagenhaft gut an, wenn man seine Träume wahr macht und dann auch noch alles andere als enttäuscht ist.

Sehen wir uns morgen in Katima Mulilo? Ich würde mich freuen!

Liebe Grüße
Euer Gerry

Tag 8: Ein unerwarteter Regen

Ihr Lieben!

Die botswanische Währung heißt ja Pula. Pula ist auch das Setswana-Wort für Regen. Ich lasse das mal so unkommentiert hier so stehen. Zum Regen in der Überschrift kommen wir später, und, NEIN, ich nehme es vorweg, es ist keine Anspielung darauf, dass ich plötzlich reich geworden bin.

Nach einer sehr kurzen Nacht in der wirklich schönen, wenn auch einfachen Lodge wurde ich durch ich durch das Gewusel meiner linken und rechten Zimmernachbarn wach. Die Wände waren etwas dünn, aber ich schlief den 5-Stunden-Schlaf meines Lebens. Oder fast. Oder eben…. ach, was soll ich lügen, ich quälte mich aus dem Bett. Mitten in der Nacht fuhren wir mit Robert, unserem „Game-Drive-Driver“ in den Chobe Nationalpark. Ihr würdet gerne wissen, was ein Spielfahrfahrer ist? Ja, da habe ich vollstes Verständnis für. Game Drive ist ein anderes Wort für Safari. Game ist das entsprechende Getier, was man dabei mehr oder weniger gesichert antrifft.

Es gab kein Frühstück, es war kalt und es war finster. So fangen zwar Horrorfilme an, aber auch unsere Fahrt. Ich nahm mir das Badetuch aus der Lodge mit und wickelte es um meinen Hals als Schnupfenverstärkungsverhinderungsmaßnahme. Robert fuhr uns gemütlich in den Park und wir dachten schon, er sei ein eher vorsichtiger Fahrer. Nun, wir kommen gleich darauf zurück.

Wir fuhren an vielen Impalas vorbei zum Chobe-Fluss, wo wir schlafende Flusspferde endeckten. Baboons turnten am Flussufer herum, es gab viele Vögel zu sehen. Warzenschweine wurden gesichtet (spart Euch Eure gar nicht witzigen Kommentare!) und interessante Gewächse. Sogar ein Ent war dabei! Und dann gab es Löwenalarm. Robert war entfesselt und peste über die Sand- und Buckelpisten wie weiland Juan Miguel Fangio. Wie auch die anderen Park-Ranger. Zuerst erfolglos.

Weiterer Sichtungsalarm. Robert und sein Fliwatüt wuchsen über sich hinaus. Er bretterte durch die Pampa, dass selbst eher zurückhaltende Mitreisende ihre Begeisterung… Wie? Ne, dochdoch, ich bin ein ganz Stiller! Was? Unverschämtheit!

Wir waren quasi nach der internen Ranger-Rallye direkt vorm Löwen. Zwischen gefühlt 50 anderen Jeeps waren wir einfach am nächsten dran. Mr. Lion legte sich dann vor unseren Augen gemütlich ins Gras. Ach, was ein friedlicher Zeitgenosse. Ach, guck mal, eine Herde Warzenschweine, die haben wir wegen der Aufregung um den Löwen völlig übersehen…. Und dann rannte die Wildkatze los! Die potentiellen Opfer auch. Das Ende der Geschichte ist ungewiss. Die Quoten stehen hoch, dass Blut im Spiel war.

Leute, das war ein Erlebnis. Zurück in der Lodge bekamen wir Frühstück und danach begaben wir uns auf den Weg Richtung Simbabwe. Dank der weisen Voraussicht unseres Reiseleiters, im Vorfeld unsere Pässe einzusammeln und schon einmal bearbeiten zu lassen, blieb uns eine ähnlich nervenzerreibende Wartezeit wie am 9. April erspart. Dafür gab es auch verdienten Szeneapplaus, als wir Simbabwe enterten.

Wir waren dann recht schnell im Hotel, dem Shearwater’s Explorer Village. Die Zimmer sind nett, die Dusche funktionierte prima, und die Präsentation der Möglichkeiten, was hier zu unternehmen ist, zeigte schier endlose Möglichkeiten auf. Nun, ich bin aus dem Bungeejumping-Alter heraus, auch möchte ich nicht an einer Seilrutsche über einen Canyon segeln. Das morgendliche Aufstehen ist schon Bungeejumping genug. Ich buchte für viel Geld wenig Flug im Helikopter für morgen früh und habe nette Begleitung aus der Gruppe.

Mit insgesamt 6 Personen beschlossen wir, nach Sambia zu wandern. Es ist möglich, die Grenze mit einem Brückenpass zu übertreten, ohne ein Visum kaufen zu müssen. Das war wirklch so simpel, wie es klingt. Und was für ein Spektakel! Der Weg war trist, das Ziel einmalig!

Mittendrin auf unserem Spaziergang fing es an zu regnen! Lange vor der Brücke. Die Gischt der Victoria-Fälle spritzt extrem weit. Von Weitem schon Regenbögen! Ihr Lieben, Worte können nicht ausdrücken, wie beeindruckend es ist, auf dieser Brücke zu stehen und diese tosenden Wassermassen zu beobachten. Die Bilder werden nicht wiedergeben können, wie es ist.

Auf der Brücke viele Touristen (mit riesigen Rollkoffern!? Häh?), viele Paviane und auch Meerkatzen, potentielle Bungeejumper und Touristen wie Du und ich. Dazu der Schwerlast-Grenzverkehr. Die Brücke ist Anfang der 1900er-Jahre gebaut worden. Und hält. Vertreterinnen einer christlichen Gruppe („Show me thy way, O LOrd“ auf allen T-Shirts) fanden uns so interessant, dass sie uns mit sich ablichten lassen wollten.

Zurück im Zentrum ging ich mit meiner Fast-Zimmerteilungs-Person in ein Restaurant nahe des Hotels und wir aßen eine Kleinigkeit dort. Auf dem Rückweg in unsere unterkunft wurden wir von zwei Verkäufern bedrängt, ihnen etwas abzukaufen. In der Hoffnung, dass sie von uns ablassen, erstand ich zwei Holzmasken. Dadurch machte ich es leider schlimmer. Wir hatten nun noch mehr Verehrer, die sich aus dunklen Ecken lösten. Nun bin schon so alt und checke manche Dinge immer noch nicht. Ich wimmelte die anderen, multipenetranten Verkäufer dann mit hysterischem Gequieke nach Polizei ab. Reife Leistung, Mr. Gerry.

Insgesamt ist dieser Ort unglaublich touristisch, gar nicht preiswert und sehr trubelig. Aber das erträgt man gerne, wenn einem schon von der Brücke aus das siebte Naturweltwunder … mir fehlen die Worte.

Es ist heute so viel passiert. Wir haben so viel gesehen. Wir haben einiges erlebt. Ich könnte noch lange weiterschreiben. Aber das Bett ruft. Sehr laut!

Bis morgen, Ihr Lieben!
Euer Gerry

Tag 7: Über das Verhalten von vier- und zweibeinigen Tieren

Ihr Lieben,

gestern war insgesamt ein Traum. Am Wasserloch zu sitzen und den grauen Riesen zuzuschauen, das hatte etwas wirklich erhabendes! Das hervorragende Abendessen nahmen wir auf der Terrasse ein, keine paar Meter von der Herde entfernt.

Ich wollte nach dem Essen den fantastischen Sternenhimmel fotografieren, die Milchstraße hinter dem Kreuz des Südens war zu sehen, musste aber dafür ein paar Meter vor meiner Hüttenterrasse mein Stativ aufbauen. Kaum geschehen, kam ein Elefantenbulle auf mich zugeschlendert. Ich alles wieder abgebaut und in die Hütte. Der Elefant verschwand. Ich wieder raus, das Setting wiederholt. Ach, dachte sich der Graue, das sehe ich mir näher an. Ich wieder mit dem ganzen Equipment in die Butze. Er verschwand wieder. Ehrlich, ich brach das Spiel beim dritten Mal ab, setzte mich auf meine Veranda und glotzte einfach in die Gegend. War auch schön.

In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Die Geräusche der Wildnis waren allgegenwärtig. Es fing mit der Horde Betrunkener an, die als letzte aus der Bar torkelte, zudem lag die Hütte an der Hauptverkehrsader der umliegenden Wasserlöcher und Klein- und Großgetier machten sich ununterbrochen bemerkbar. Es war total aufregend! Am Morgen zwitscherten die Vögel gefühlt 20-stimmig, lange bevor mein Wecker klingelte. Das bescherte mir eine unglaubliche Morgendämmerung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Von Nata aus fuhren wir dann nach Kasane im Chobe-Nationalpark. Wir stoppten kurz vor Erreichen unserer Lodge, um Vorräte aufzufüllen, und dort endlich konnte ich einen Souvenirstand stürmen, um Kühlschrankmagneten zu besorgen. Man macht in den Lodges und auch Shoppingcentern wenig Gewese um Souvenirs. Eigentlich eine Goldgrubenidee, hier mal aktiver mitzumischen.

Wir enterten die Thebe River Lodge, hatten einen kleinen Snack am Tourbus und bekamen anschließend unsere Zimmer zugewiesen. Wieder recht einfach, aber sehr nett. Nur hatten wir nicht allzu viel davon, denn, Ihr ahnt es bereits, dann ging wieder alles Schlag auf Schlag. Damen und Herren, los geht’s, einsteigen und miterleben.

Wir fuhren nach kurzer Rast zu einer Bootsstation, um drei Stunden auf dem Chobe-Fluss zu kreuzen. Wir sahen Hippos, Krokodile, Kudus, Impalas, jede Menge Elefanten und Vögel. Zu den sogenannten „Big Five“ gehört auch der Wasserbüffel, selbst den haben wir gesichtet. Im schönsten Sonnenuntergang fuhren wir zurück zum Bootsanleger und dann zurück in die Lodge.

Für heute Abend bestellte ich mir eine Chobe-Brasse, die war sehr lecker, dazu gab es den bisher besten offenen Wein der Reise. Was soll ich sagen, man gewöhnt sich an die Einschränkungen auf und die Widrigkeiten bei einer solchen Reise und tut einfach gut daran, sich auf die schönen Erlebnisse zu konzentrieren. Dann ist es alles einfach nur WOW. Ich habe inzwischen gar keine Ahnung mehr, was ich als Highlight empfinden soll, und es kommt ja noch so viel auf uns zu.

Die Gruppendynamik wird interessanter. Es wird viel geschimpft und gemotzt (ich sage nur Sitzordnung im Bus, das habe ich aber von vielen Gruppenreisen gehört) und es gibt hie und da den kleinen Egotrip. Aber im großen und ganzen ist es immer noch eine gute Truppe. Diejenigen, die sich die Reise durch Adelung von Kleinigkeiten verderben lassen wollen, müssen damit ja hauptsächlich selbst zurechtkommen. Ich hatte heute auch meine tollen 5 Minuten (meine Kamera soff vermeidbar ab) und daher kotzte ich mich auch mal über das Depperl aus, dass den Wasserkanister unverschlossen in eine der Busfächer gestellt hatte (kann das leider nur schlecht erklären, fragt mich!), aber man muss sich dann auch wieder einbekommen.

Ach, Ihr Lieben, ich hätte so viel zu erzählen… Ihr müsst Euch halt jetzt doch auf einen mehrstündigen Diaabend einstellen. Bei dem berichte ich dann über Land und Leute, bringe Euch das Fährtenlesen bei und wir werden bei uns gegenseitig die Medizin der Buschleute anwenden. Es wird diverse geographische Belehrungen geben und wir werden die wichtigsten Vokabeln in SeTswana, Khoisan, Afrikaans, Shona und dergleichen lernen. Ich serviere dann gerne Schnittchen dazu.

Morgen ist dann – um mal wieder zum Thema zu kommen – der Tag des Grauens. Wir fahren um 5.40 Uhr (!!!) los, um die einheimischen Wildtiere bei ihrer Morgenroutine zu beobachten. Also, mir wäre das unangenehm. Lauter Giraffen vor meinem Badezimmer oder Löwen am Frühstückstisch. Aber die Tiere, die hier übrigens „Game“ heißen, können sich ja nicht wehren.

Seid Ihr wieder dabei? Das wäre echt super.
Liebe Grüße, Euer Gerry

Ich mag die neue Kamera mit Zoomobjektiv. Ich war in Botswana, der Vogel saß auf einem Baum in Niederdollendorf.

Tag 6: Meine riesigen Nachbarn

Ihr Lieben,

ich habe seit gestern einen veritablen Schnupfen. Man ist aber auch einem ununterbrochenen Wechsel von Temperaturen ausgesetzt. Fahrtwind, Hitze, Klimaanlagen, Ventilatoren… Aber solange es beim Schnupfen bleibt. Der Bus hat übrigens keine Air-Con, sondern Win-Con. Je nachdem, wie viele Fenster geöffnet sind, fliegt einem schon mal Toupet vom Haupt.

Pünktlich zur vereinbarten, unchristlichen Zeit fand ich mich zum Frühstück ein. Zeitgleich mit dem Restaurant-Personal. Ich hätte locker 20 Minuten länger schlafen können. Als die erste Thermoskanne Kaffee dann kam, stürzten wir uns wie die Geier darauf. Und es gab heute auch etwas Obst.

Nach der Abfahrt gab es einen kurzen Stopp in Maun, um Eis für die Kühlbox zu kaufen und allen die Möglichkeit zu geben, Geld zu ziehen. Ich habe ja inzwischen den Überblick über meine Devisen verloren. Man konnte bisher überall mit Karte zahlen und ich werde mit sehr viel ausländischem Geld zurückkehren, wenn ich nicht aufpasse. Naja, notfalls kaufe ich am letzten Tag geschmackvollst hergestellte Dekorationsobjekte für Euch. 😁

Nach einigen Kilometern kamen wir an einen Seuchenkontrollpunkt. Hier musste jeder – zusätzlich zu denen an den Füßen – ein paar Schuhe in der Hand halten und diese durch eine Flüssigkeit ziehen sowie dann durch diese Flüssigkeit laufen. Von diesen Kontrollstellen gibt es einige. Schuhe im Koffer hingegen spielten keine Rolle. Es geht wohl um die Maul- und Klauenseuche.

Auf der Strecke sahen wir Dutzende Elefanten, bei einigen gab es einen kleinen Fotostopp. Es waren auch Babyelefanten dabei, die sind wirklich zum Knuddeln! Also im übertragenen Sinne. Einen weiteren Stopp legten wir bei einem Baobab-Baum mit beeindruckendem Stammumfang ein. Einige haben beim Kratzen ihres Namens in die Rinde mehr als übertrieben.

Irgendwann dann kamen wir in Elephant Sands an. Es wurde uns schon vorher erklärt, dass die Zelte und Hütten dort sehr einfach seien, keine Stromanschlüsse hätten, keine Aircondition und kein gar nix. Dem ist auch so, aber ich fand zu meiner Überraschung ein besseres Zimmer als in der vorigen Lodge an. Und was alle fehlenden Annehlichkeiten wett macht: Die Lodge ist um ein Wasserloch gebaut, an dem sich Dutzende von Elefanten tummeln. Ich sitze etwa 20 Meter von diesen interessanten Riesen entfernt. Yeah! Den ganzen Tag auf Elefanten glotzen.

Mittags gab es noch Burger aus der Busküche, dann war das Pflichtprogramm für den Tag vorbei. FREI! YEAH! Beim Herumlaufen muss man ein bisschen aufpassen: Die Elefanten haben immer Vorfahrt und es sind und bleibenwilde Tiere, die im Zweifelsfalle stärker sind als Du. Und schneller.

Ihr Lieben, ich genieße jetzt diesen meditativen Urlaub von der Reise und melde mich morgen dann wieder.

Hier kommen aber noch ein paar Impressionen.

Viele Grüße
Euer Gerry