Tag 2: Viele Siele

Moin moin zusammen!

Heute zeichnete sich ab, dass öfter mal die Sonne durchkommen sollte. Daher entschieden wir uns, nachdem Elke mit Amy spazieren war und wir ein unspektakuläres Frühstück hatten, ein paar Küstenorte zu besuchen. Diese enden hier gerne auf -siel, was dazu führt, dass man immer kurz überlegen muss, wo man gerade in welchem Siel steckt.

Dieser Strahl da in der Mitte… ist das ein sogenannter Lichtblick?

Wir wählten als Start das ca. eine Stunde Fahrzeit entfernte Harlesiel und wollten uns dann sukzessive wieder zurück nach Norddeich sielen. Die Fahrt war schön. Ich mag das flache Land ja sehr. Man kann morgens schon sehen, wer abends zum Essen kommt. Man sieht viele gemütliche Dörfer, grasende Kühe, weidende Schafe und stolze Friesenpferde. Wir Städter sind ja gerne verzückt, wenn wir Tiere in fast freier Natur sehen. Wir erleben sie ja sonst nur auf Tellern. Naja, Friesenpferde vielleicht seltener.

Harlesiel. Nun ja. Hier muss für Parken, Strandbegehung und Hund am Strand erst einmal gelöhnt werden. Eigentlich wird ohnehin viel gelöhnt in dieser Gegend hier. Man holt eben das beste aus dem Tourismus raus. In Harlesiel gibt einen großen Campingplatz, der auch schon gut besucht war, und ein riesiges Terrassenrestaurant, das aber bei dieser Witterung ein gaaaanz schlechtes Geschäft machte. Vollbeladene Fähren fuhren nach Wangerooge und die bei kaltem Wind und Sprühregen in Harlesiel umherirrenden Touristen machten einen ratlosen Eindruck. „Warum sind wir eigentlich hier?“ stand in ihren Gesichtern geschrieben. Immerhin konnte man nach Wangerooge rüberschauen.

Friederichsschleuse in Carolinensiel

Harlesiel gehört zu Carolinensiel, unserem nächsten Anlaufpunkt. Dieser Ort ist sehr nett, es gab einen kleinen Markt mit hauptsächlich heimischen Produkten (wie z.B. der weltberühmten Pümmelwurst), ein paar Schiffe lagen am Ufer, und es gibt ein paar schöne Gebäude, wie die Kirche und eine Mühle und friesische Häuser. Greetsiel – wo wir vor 5 Jahren waren – in klein.

Carolinensiel

Die nächste Etappe ging nach Neuharlingersiel. Hier gefiel es uns besonders gut, da auch die Sonne durchkam und wir auf einer Terrasse etwas trinken und dabei sogar unsere Jacken ausziehen konnten. Trotzdem fast zu verwechseln mit anderen Siels. Ich bestellte einen Ostfriesentee. Ich mag diese traditionelle Art des Teetrinkens so sehr, dass ich nach dem letzten Besuch in Ostfriesland Tee und Kluntjes kaufte, mit dem festen Vorhaben, jedes Wochenende mindestens einmal diese Art Teeverzehr zu zelebrieren. Sowohl Tee als auch Kandis sind noch original verpackt. Das war vor, wie bereits erwähnt, 5 Jahren. So geht es einem ja auch mit portugiesischen Fado-CDs, dem kanarischen Honig-Rum-Likör oder dem korsischen Käse. Irgendwas ist dann anders an diesen Sachen, wenn man zuhause ist.

Neuharlingersiel

Wir besuchten auch noch einen Souvenirladen, deren Besitzerin jedem eintretenden Gast ein „Moin“ zurief und jedem scheidenden Gast ein „Ich wünsche Ihnen noch einen wunderbaren Tag!“. Das war zwar sehr nett, aber dadurch, dass die Besucherzahl hoch war, hatte es auch etwas staccatohaftes. Die Souvenirs selber sind in allen Läden dergestalt, dass man sie irgendwie nett findet. Aber – siehe oben – wenn man dann zuhause einen Stein mit einem aus Muscheln eingelegten Sinnspruch auspackt…..

In Dornumersiel wurden wir dann etwas enttäuscht. Wir haben wahrscheinlich den eigentlichen Ort verfehlt und landeten in einer Feriensiedlung, die wie eine Retortenstadt aussah. Gleiche Häuser, gleiche Gärten und gleiche SUVs vor der Tür. Man kann das mögen. Muss man aber nicht. Menschen haben wir aber keine gesehen. Vielleicht gut so. 🙂

Die Rückfahrt dann wieder durch die schöne Landschaft, wegen des Wetters mit dramatischen Lichteffekten, was besonders mit den gelben Rapsfeldern wunderbar aussah.

Zurück in unserem schmucken Heim schien die Sonne auf unsere Terrasse, was wir ausnutzten, um dort eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken, bevor es mit Amy zum Hundestrand ging. Auf dem Weg dorthin mit einem Stopp am Kolk-Fischteich, wo Mücken uns umschwirrten, wie Teenies den Bieber (für ältere Generationen: Das ist ein Geräuschemacher, manche nennen sein Tun ja Singen). Am Hundestrand ist so einiges los: kleine und große Kläffer, die ihre Hunde ausführten. Letztere sind erstaunlich friedlich miteinander umgegangen. Amy zeigt sich ja bei aufdringlichen Artgenossen so dermaßen gekonnt desinteressiert, dass diese die Lust verlieren.

Hier ist der Hund begraben….

Wir nahmen unseren Aperitif auf der Terrasse des „Diekster Köken“ ein; Elke einen Wein, ich einen Aperol Spritz. Als der Kellner das brachte, kommentierte Elke den Aperol als „Mädchengetränk“, was unseren sympathischen fremdländischen Kellner sehr erheiterte. Leider fing es dann an, zu regnen. Wir hatten uns auf Spargel in der Friesenkate eingestellt und eilten in einer Regenpause dorthin. Die Pause hielt aber nur zwei Minuten, so dass wir schon durchfeuchtet dort ankamen, nur um festzustellen, dass Hunde nicht erwünscht waren – man muss aber dazu sagen, dass das Restaurant gleichzeitig auch eine Verkaufstheke betreibt, vielleicht also deswegen. Also durch das Geniesele weiter zum Pfannkuchenhaus. Dienstags dort Ruhetag. Yippieh! Wir flüchteten in in ein italienisches Restaurant gegenüber, das „Al mare“. Dort aßen wir zwei Pizzen, die ganz lecker waren, tranken seit dutzenden von Jahren mal wieder einen Frascati (den Lambrusco konnten wir uns mit Mühe und Not verkneifen!) und dann gings ohne Regen ab nach Hause.

Hier sitzen wir und freuen uns über eine trockene Bleibe, trinken unsere/n Wein/schorlen mit Eiswürfeln, deren Besorgung einer Miniodyssee gleichkam, und sind uns einig, dass dieser Tag zwar auch trockener hätte sein können, aber nur deswegen nicht wirklich viel schöner.

Tschüüüüss, bis morgen!

Euer Gerald

Der Autor beim Tee

Tag 1: Wenn einer eine Reise tut…

Moin moin, Ihr Lieben!

Das Wetter an unserem Bestimmungsort wurde ja als eher mau vorausgesagt. Daher herrschte heute früh Packstress pur! Die ganz dicke Daunenjacke oder nur die dünne, dafür aber mit Strickjacke drunter? Soll die kurze Hose mit? Oder gar die Badehose? HAH! Schenkelklopfer! Am Ende der Packorgie wog meine Reisetasche gefühlte 30 kg. Wie hatte ich es bloß geschafft, mit 10 kg nach Mallorca zu fliegen?

Dann mal kurz checken, ob die Bahn irgendwelche Vorkommnisse meldet. Nee, alles okay. Wobei… Wie? Wagen 5 fährt heute nicht mit? Das war doch der wo ich einen Sitzplatz hatte. „Bitte reservieren Sie einen Sitzplatz. Wir rechnen mit einem hohen Fahrgastaufkommen!“ HAH! Wieder 4,50 € für einen anderen Platz bezahlen? Schnell die FAQs gecheckt (oder prosaisch: Fragen und Antworten gelesen). Aha: Man kann einmal pro Fahrt kostenfrei den Sitzplatz wechseln. Wagen 7, Platz 115 gebucht. Am Bahnhof angekommen stellte sich raus, das wäre nicht nötig gewesen, da alle Reservierungen auf Wagen 9 umgebucht waren. Zusätzlich stellte sich aber auch raus, dass der Zug einen technischen Defekt hatte, der eine Verspätung von 10… Moment… 20…. ach nee…. jetzt 30 und am Schluß 35 Minuten bedingte. Dafür war der Zug aber fast leer und ich hatte Platz ohne Ende.

Eigentlich könnte die Bahn ja auch ehrlicherweise durchsagen: „Wir wissen eigentlich nicht wirklich, ob und wann ein Zug kommt, nehmen Sie einen Bonbon und üben Sie sich in Demut.“

Aber okay, nach einer eher gemächlichen Schleichfahrt kam ich fast zeitgleich mit Elke in Norddeich am Haus an, wo sie schon alle Formalitäten erledigt hatte. Die Wohnung entspricht vollkommen unseren Erwartungen und ist sehr schön, sauber und gut eingerichtet. Es ist ein bisschen was weit weg vom Deich, aber wir sind ja schließlich auch hier, um uns ein bisschen zu bewegen.

Nach einer kurzen Einrichtungszeit sind wir – wie es bei alten Ehepaaren so ist – erst einmal getrennte Wege gegangen. Ich kaufte das Nötigste ein und Elke ging mit Amy zum Hundestrand. Im Netto vor Ort hatte ich dann eine befremdliche Begegnung: Ein älterer Herr bat mich, ihn nach seinem Namen und seiner Adresse zu fragen. Dies tat ich und er bedankte sich für die „wunderbare Erfahrung“. ????? Er ging von dannen und pfiff ein unmelodisches Lied. Im Laufe des Einkaufs stellte sich heraus, dass der gute Mann das auch mit anderen Kunden machte und an der Kasse wurde wild über ihn getuschelt. Als er mir dann auf seinem Fahrrad die Norddeicher Hauptstraße pfeifend im Schrittempo folgte, erläuterte ich ihm, dass es für eine tiefergehende Freundschaft noch nicht die Zeit sei. Man ist ja hin- und hergerissen, ob man Mitleid haben sollte oder nicht. Aber der Kerl war scheints bester Laune. So what?

Elke und ich trafen uns dann auf der Terrasse des „Haus des Gastes“. Es war klirrend kalt und ungemütlich, aber es gab Decken und Heizstrahler. Dazu zwei lecker Bier und dann brach auch noch die Sonne durch. Wir werteten das als gute Omen. Die Kellner freuten sich riesig über die paar verstreuten Gäste auf der Terrasse, trugen sie doch Poloshirts mit kurzen Ärmeln. Also die Kellner, nicht die Gäste, die eher wie Yetis anmuteten in ihren dicken Verkleidungen.

Auf dem Weg zum Haus kauften wir noch Matjes und Krabben und hatten eine nordische Brotzeit mit viel Fisch in unseren selbstkreierten Burgern. Pläne machten wir noch keine, denn das Wetter wird da oft ein Wörtchen mitreden. Aber wir werden schon noch das ein oder andere mit uns anzufangen wissen.

Jetzt erstmal ankommen und sacken lassen und morgen sehen wir weiter.

Dann gibt es auch wieder Klönsnack vonner Waterkant.

Euer Gerald

Damit man mal sieht, wer Amy ist 🙂

Prolog

Moin moin!

Es wurde mal wieder Zeit für einen Urlaub mit Elke, diesmal mit Amy!

Da es uns vor ziemlich genau 5 Jahren in Norddeich ganz gut gefallen hat, haben wir dort in „Mien Hus“ ein Appartement gemietet. Elke wird kommenden Montag mit Auto anreisen, ich mit dem Zug. Meine Eltern beziehen schon am Samstag davor eine Wohnung in Deichnähe und bleiben im Gegensatz zu uns zwei Wochen; wir reisen nämlich schon nach 7 Tagen wieder zurück.

Wir müssen mal sehen, wie Amy sich beim Fahrradfahren und bei längeren Spaziergängen macht. Denn das ist hauptsächlich das, was wir so vorhaben. Ansonsten soll es gemütlich zugehen. Der Wein ist schon gekauft, den leckeren Fisch gibt es ja vor Ort!

Also, wenn Ihr mögt… ab Montag gibt es dann jeden Abend einen Bericht, wenn das W-LAN mitspielt. Würde mich wieder sehr über Eure virtuelle Begleitung freuen.

Euer

Tag 7: Palma per pedes

Hola de Palma de Mallorca a todos!

Heute waren wir ja autofrei und hatten gestern locker beschlossen, uns zur Mittagszeit in Palma zu treffen. So bin ich nach dem Frühstück erst einmal zur Stierkampfarena gelaufen, um mir die mal aus der Nähe anzusehen. Das Gelände war abgesperrt, aber man bekam trotzdem einen Eindruck davon, wie so etwas aufgebaut ist. Diese Arena wurde in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut und steht jetzt unter Denkmalschutz.

Links von den Toren steht übrigens eine Kasse für Schattenplätze, rechts eine für Sonnenplätze. Die Ticketpreise sollen nicht ohne sein. Aber ich bezweifele, dass ich selbst an einer unblutigen Variante des Stierkampfs einen Gefallen fände. Dann doch lieber ein Konzert, die hier auch stattfinden. Joe Cocker war z.B. schon hier.

Colisseu Balear an der Plaza de Toros

Im Anschluss wollte ich mal sehen, was im Mercat de l‘ Olivar so los ist, wenn die Stände noch alle geöffnet haben. Liebe Güte! Was für eine wunderbare Auswahl an wunderbaren Lebensmitteln. Wenn ich so etwas in der Nachbarschaft hätte, wäre ich sowohl arm als auch unglaublich fett. Und bitte spart Euch jetzt jeden Kommentar!

Durch die Gassen der Altstadt führte mich der Weg dann zum Museo Es Baluard, einem Museum für zeitgenössische Kunst. Interessanterweise ist freitags der „Was-auch-immer-Du-zahlen-willst-Tag“. Man schmeißt in eine Box auf der Theke, was einem der Eintritt wert ist. Das ist ja nun leider schwer zu beurteilen, wenn man noch nie da war und ich hatte auch noch das Problem, entweder einen Fuffi in die Box zu stecken, was mir mehr als übertrieben vorgekommen wäre, oder aber mein ganzes Kleingeld dort zu deponieren, das sich aber nur auf 3,42 Euro summierte. Nun ja. Ich entschied mich fürs Kleingeld. Das Museum ist sehr übersichtlich. Ein paar bekanntere Künstler sind mit wenigen Exponaten ausgestellt (Picasso, Modigliani, Léger, Miro), die Sonderausstellung hat mir nicht so zugesagt (Thema „gekritzelte Gesichter“) und das Gebäude ist eher trist. Ein tanzender Roboter war noch nett, eine Installation über verschwundene mexikanische Studenten berührend… Highlight ist aber der Blick von der oberen Terrasse auf die Stadt.

Der Roboter führt verschiedene Choreographien aus, je nachdem, auf welche Matte man tritt.
Blick von der oberen Terrasse des Museums

Inzwischen war es Mittag und ich verabredete mich mit Stephan an der Plaza de la Reina, wo ich bis zu seinem Eintreffen Extrempeopleglotzing praktizierte. Ja, ein bisschen Sport muss auch mal sein; schadet bekanntlicherweise ja nicht! Auf dem Weg dorthin habe ich noch eine sehr schöne Bäckerei fotografiert, die ganz wunderbare Küchlein im Schaufenster hatte. Man konnte im Laden bei der Fertigung zusehen.

In der Nähe des Es Baluard hatte ich kurz vorher einen Platz überquert, wo mir ein sehr nettes Restaurant mit Terrasse aufgefallen war. Es handelte sich um die Bar Coto, von der wir auch schon gelesen hatten. Dort wollten wir dann Tapas zu uns nehmen. Die Terrasse war brechend voll, jeder Zentimeter Platz wurde genutzt. Aber trotzdem war die Atmosphäre ganz wunderbar. Besonders, weil das Personal so unglaublich gut gelaunt und herzlich war. Das Essen war auch okay (Tapasteller des Hauses) und wir hatten gute straßenmusikalische Untermalung. Kann man wirklich hin!

Wir flanierten danach durch Palma, guckten in ein paar Geschäfte, liefen an Kirchen vorbei, schauten uns Bilder von auf der Straße ausstellenden Künstlern an, tranken noch einen Kaffee auf der Rambla, guckten hier, guckten da, bis wir uns vorm Palau March trennten. Denn ich wollte in das dortige Museum, Stephan einen Strandspaziergang machen.

Die Familie March wurde mit einigen nicht wirklich astreinen Geschäften in den Weltkriegen und im Franco-Regime steinreich. Aber es gibt auch eine Stiftung, die Kunst und Wissenschaft etc. fördert. Im Palau in Palma gibt es einige Dalí-Bilder zu sehen und eine riesige neapolitanische Krippe. Dann noch Skulpturen (u.a. Rodin und Moore), kartographische Kostbarkeiten und Ölgemälde. Und natürlich den Palast selber, der schon sehenswert ist.

Der Palau March, in der Mitte vor dem Tor ein Torso von Rodin.

Der Palau March befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kathedrale, und da ich beim Vorbeigehen sah, dass vor dem Eingang keine Schlange stand, beschloss ich, hier auch noch einen Blick zu wagen. Zwar kannte ich die Kathedrale schon von meinem ersten Besuch auf Mallorca, aber der Besuch lohnt sich sehr. Unter anderem wegen des üppigen Eintritts von 8 Euro. Denn, im Gegensatz zum Kölner Dom als Beispiel, hier halten sich keine randalierenden Kulturbanausen auf, die zu tausenden durch die Gänge quillen, lärmen und die Sicht versperren. Vielleicht sollte Köln auch mal einen saftigen Eintrittspreis für den Dom in Erwägung ziehen. Könnte man dann ja vielleicht spenden, mir fielen da sofort ein paar Verwendungszwecke ein.

Kapelle des heiligen Petrus, erst 2007 neu gestaltet

Am Abend saß ich wieder auf meiner Dachterrasse in der Abendsonne und freute mich über den nachlassenden Schmerz in meinen Füßen. Ein bisschen „Ooooch-Menno“ war auch dabei, weil die Woche nun herum ist. Es war schön und hat sich gelohnt. Mit dem Wetter hatten wir ja doch irgendwie Glück und ich habe mich – neben meiner Zeit für mich – ja auch über Momente mit Martina, Britta und Stephan freuen können.

Danke, dass Ihr mich wieder virtuell begleitet habt! Im Mai geht es an die Nordsee, vielleicht sehen wir uns dann ja wieder hier.

Euer Gerald

Das ist nicht Blutdruck, das ist Sonne 😉 Und auch keine Falten, sondern Lebenszeichen! 🙂
Bocadillo mit Schrumpeltomate, weißer Zwiebel, mallorquinischer Wurst und menorquischem Käse.

Tag 6: Jebootsdaach!

Liebe Lesenden und Lesendinnen!

Heute geht der erste Gruß an meine Tante Ute, die – wie ich übrigens auch 🙂 – heute Geburtstag hat. Alle guten Wünsche für das kommende Lebensjahr, liebe Ute!

Geschenke für mich müssten dann übrigens per Eilpost hierher geschickt werden, damit sie noch rechtzeitig ankommen. Ach, am besten direkt einfach nur etwas überweisen! 😉

Heute sind wir in die Touristenhochburgausflugszielstädte Deià und Valdemossa gefahren. Das war für Stephan ein bisschen stressig. Mehrere tausend Radrennfahrer hatten nämlich, neben anderen Auto- und Motorradfahrern, die selben Ziele. Wie schon letztlich beschrieben, herrschen bei diesen ganz eigene Regeln. Am Abend habe ich mal versucht, Unfallstatistiken zu finden. Einige Zeitungsberichte, z.B. in der mallorcazeitung.es, führen da Zahlen über Unfälle mit Radfahrern auf, die einen zwar zuerst erschrecken, aber dann, nachdem man das ganze quasi live miterlebt hat, auch wieder wundern lassen, dass es nicht noch viel höhere sind. Im April 2018 über 100 Vorfälle, und das sind nur die gemeldeten! Man kommt eben nur sehr langsam voran und muss höllisch aufpassen!

Kirche von Deià

Kurz vor Deià, unserem ersten Ziel, kam es zum quasi Ganzstillstand, als mehrere Busse und LKWs, jeweils mit Massen anderer Verkehrsteilnehmer hinter sich, an einer Haarnadelkurve aufeinander trafen. Da konnte man mal spanisches Temperament beobachten, denn zwei oder drei Autos vor uns fluchte und schimpfte der Fahrer eines Wagens wie ein Rohrspatz, mit fast dem ganzen Oberkörper aus dem Fenster hängend und wild mit den Armen rudernd. Ein paar andere begnügten sich mit Hupen, was ja in solchen Momenten bekanntlich Wunder wirkt. Der einzige Dorfpolizist stand verloren in dem ganzen Chaos.

Deiàs Unterstadt

Naja, wir fanden – nachdem sich das Gewirr entknäuelt hatte – durch glückliche Fügung einen freien Parkplatz und schlenderten durch das Dorf. In der Kirche zündete ich ein paar Kerzen an, wir besichtigten den Friedhof, auf dem es ziemlich turbulent zuging („Bitte respektieren Sie die Würde des Ortes!“ HAH!) und kehrten auf einer Terrasse mit Aussicht ein, wo wir Kaffee orderten, aber stattdessen eine scheinbar nur dort erhältliche Spezialität kredenzt bekamen, von der wir bis jetzt nicht wissen, worum es sich handelte. Das Gebräu war braun, kalt und bitter. Aber es muss etwas besonderes gewesen sein, denn es war recht teuer.

Sa Foradada

Nachdem wir mit unseren Erkundigungen, ich erwähnte es noch nicht, aber es ist ein wirklich schöner Ort!, fertig waren, wollten wir zur Sa Foradada, wo man, wenn man oberhalb der Küste den Wagen abstellt, theoretisch ein paar Kilometer schön laufen kann, um zu einer Landzunge zu kommen, die ein meterhohes Loch aufweist. Leider war aber der Weg dorthin schon bald abgesperrt und Schilder warnten vor Unfallgefahr nach Regen. Naja, wir konnten von oben einen Blick erhaschen und statt zu wandern fuhren wir halt nach Valdemossa, der wunderschönen Stadt, in der Frédéric Chopin und George Sand eine gewisse Zeit zusammen verbrachten. Auch hier Menschenmassen, aber ebenfalls Parkplatzglück. Und ebenso ein wunderschöner Ort, den wir uns aber im (Alb-)Traum nicht im August vorstellen mögen. Da muss Valdemossa ja aus allen Nähten platzen!

Valdemossa bei Geburtstagswetter

Hier wollten wir dann eigentlich einen Geburtstagskuchen essen, aber die Preise haben uns zuerst abgeschreckt und als ich dann nachher die Kuchentheke sah… es war schon eine richtige Entscheidung, das sah alles schwer nach aufgetaut aus. Immerhin erinnerte der Kaffee zumindest entfernt an Kaffee.

Beide Städtchen liegen ganz bezaubernd in den Berghängen und bieten auch wunderbare Ausblicke. Ein Besuch lohnt sich, auch wenn mit etwas Anreisestress verbunden. Nur essen und trinken sollte man dann in einem der unbekannten kleinen Orte auf dem Weg, wo es in den Bars keine Speisekarten gibt.

Was ich übrigens erst heute realisiert habe: Nur 50 Meter von meiner Unterkunft entfernt fährt die alte Bahn nach Sollér vorbei. Das war vor drei Jahren eine sehr schöne Tour, die wir unternommen hatten, zumal man in Sollér ja dann auch noch eine historische Straßenbahn nach Port de Sollér nehmen kann. Und dann: keine 500 Meter von hier befindet sich die balearische Stierkampfarena, in Deutschland hauptsächlich durch die Sommersendungen von „Wetten, dass…?“ bekannt. Man streitet aktuell darum, ob das erst kürzlich ausgesprochene Verbot des blutigen Stierkampfs wieder gekippt werden soll.

Morgen ist letzter Urlaubstag und Palma-Day. Es ist schon irre, wie die Zeit verfliegt. Diese Woche, aber auch die Zeit zwischen meinen Urlauben auf Mallorca… Schon drei Jahre her???? Ja, in der Tat. Puh!

Allen einen schönen Abend und hasta pronto!

Euer Gerald

P.S.: Hörte gerade beim Durchlesen das Regentropfen-Prélude von Chopin, das er hier komponiert hat. Zu diesem Stück gibt es einen interessanten Wikepedia-Artikel.

Tag 5: Noch mehr Markt, noch mehr Meer

Buenas noches, Señoras y Señores!

Zuallererst einmal einen herzlichen Glückwunsch an meinen Papa, der heute in Lüneburg und Umgebung seinen Geburtstag feiert. Alles Liebe und Gute Dir für das neue Lebensjahr!

In der Nacht und in der Früh hat es wieder geregnet und es sah auch nicht vielversprechend für den weiteren Tag aus. Unabhängig voneinander sind Stephan und ich daher schwer in die Gänge gekommen und haben uns erst um 11:15 Uhr auf den Weg nach Sineu gemacht, wo mittwochs einer der größten und in sämtlichen Reiseführern empfohlenen Märkte der Insel stattfindet.

Mercat de Sineu

Sineu liegt in Zentralmallorca, eine größere Stadt, die sich aber nicht wirklich von anderen hier unterscheidet. Man baut in Ocker, man baut eng, man baut rund um die Kirche. Aber sehr schön. Und es war natürlich recht voll an diesem Tag. Der Markt ist auch wirklich attraktiv, zumal es etwas aufklarte; es gibt allerhand Tinnef, aber auch hochwertige Waren und Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Honig und Marmeladen und Schnäpsken. Wir liefen alles ab, aßen im Vorbeigehen eine Ensaimada „Lisa“ mit Orangenmarmelade, wagten einen Blick in die Kirche, stöberten in einigen Geschäften und…

Achtung! Fake news! Dieses Auto steht nicht in Sineu, sondern in Colònia de Sant Jordi! Aber Ihr solltet ja mal unseren Westentaschenporsche sehen.

…fanden dann am Ende unser Auto nicht auf Anhieb wieder. Bisher haben wir immer eine Markierung in Google Maps gesetzt, wenn wir irgendwo parkten, aber diesmal… nunja. Aber gemeinsam haben wir uns an Punkten, die wir erkannten („Guck mal da, die alte Ente“ – hier ist übrigens die von Citroën gemeint, obwohl die Vorstellung einer alten Ente, die dort den ganzen Tag sitzt und sich die Federn putzt auch etwas hat – oder „Hier ist die Schreinerei“) Gasse für Gasse zu unserem Auto zurückerinnert. Also, liebe Kinder, immer besser eine Markierung vornehmen!

Gasse in Sineu

Wir fuhren dann an die Ostküste nach Portocolom, wir haben uns aber mehr oder weniger wahllos für diesen Ort entschieden als ein Beispiel für einen der vielen kleinen touristischen Flecken dort. Er ist ganz nett, eine Bucht, ein paar Schiffchen und ein bisschen Gastronomie.

Portocolom

Wir aßen wirklich leckere Tapas im Restaurant Florian. Insbesondere die Lammspießchen mit Soße fand ich unglaublich gut. Noch während des Essens wurde es sehr dunkel am Horizont, Blitze zuckten und es donnerte dann auch entsprechend. Wir wurden von der Chefin des Restaurants informiert, dass es in Bälde sehr, sehr nass werden würde und so entschlossen wir uns, weiter zu fahren.

Más tapas: Boquerones de bacalhau, chorizo con cebollas caramelizadas, sardinas en vinegra y pinchos de cordera

Auf dem Weg nach Colònia de Sant Jordi hat es dann auch mal etwas heftiger geregnet, aber wir fuhren dann doch wieder Richtung blauer Himmel und Sonnenschein. Colònia de Sant Jordi wurde in meinem Reiseführer wegen der schönen Promenade gelobt. Ansonsten ist es ein reiner Touristenort. Wir mochten es dort. Wir nahmen einen Kaffee zu uns und glotzten den vorbeiflanierenden Menschen hinterher. Das Lästerpotential war eher gering, was aber ja auch mal ganz schön ist.

Colònia de Sant Jordi

Dann fuhren wir wieder nach Palma, wo Stephan mich vor der Haustüre absetzte und direkt weiter nach Can Pastilla fuhr. Ich habe mich bei strahlendem Sonnenschein dann wieder auf die Dachterrasse gesetzt.

Alles in allem war es ein sehr entspannter Tag. Man ahnt auch gar nicht, wie befreiend es sein kann, zu wissen, dass man nichts kaufen darf, weil man kein Aufgabegepäck gebucht und das Handgepäck schon das maximale Gewicht hat. Also keine Vasen, keine eingelegten Nüsse und keine von mallorquinischen Designern unter Wasser geklöppelten Weihnachtspullis. Mal gucken, wie das am Freitag wird, wenn wir – da das Auto dann nicht mehr zur Verfügung steht – in Palma eine Shopseeingtour machen. Ob es da beim Seeing bleiben wird? Es werden noch Wetten angenommen!

Morgen geht es aber erst einmal – so zumindest die Planung – zur Westküste nach Deià und drumherum.

Hasta mañana, si queréis!

Euer Gerald

Das war gestern 🙂 Heute bin ich schon wieder einen Tag älter.

Tag 4: Meer und Märkte

Hola guapos!

Heute war wirklich schon morgens erkennbar, dass es wettertechnisch ganz schön werden würde. Also entschieden wir uns für eine Fahrt nach Port d’Andratx, wo die Schönen und Reichen wohnen. Immerhin erfüllen wir ja Teil 1 dieser Voraussetzungen. Stephan wollte mich um 10:30 Uhr abholen, was dieser auch versuchte, aber das Navi spielte ihm Streiche und ließ ihn quasi Karussell fahren. Nun, über Navigationsgeräte habe ich mich ja schon öfter lustig gemacht, und auch hier wieder – nebst irreführenden Anweisungen – merkwürdige Ansagen („füge Dich auf M1 ein“) und Sprachfehler („linksssss“ und „rechtssssss“, als wäre die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch verschluckt worden).

Wir fanden dann trotzdem einander und dann auch noch den Weg nach Port d’Andratx und schlenderten dort ein bisschen rum. Alle Parkplätze waren voll, aber es war trotzdem erstaunlich leer in den Gassen und den Bars und Cafés. Wir nahmen noch einen Milchkaffee auf einer Außenterrasse, wo wir mit unseren kurzen Hosen und den T-Shirts zwischen befrackten Kellnern und der High Snobiety in ihrem lässigen aber hochpreisigen Chic ein bisschen aus der Reihe tanzten. Als untrügliches Zeichen auf die bevorstehende Saison, quasi die Vorhut, das manch einem der Cafébesucher wahrscheinlich einen resignativen Seufzer entlockte.

Modisches Understatement in der Welt der Reichen.

Wir fuhren dann nach Andratx selber. Hier das gleiche Bild: Parkplatz notgedrungen vor den Toren der Stadt, aber die Stadt selber fast wie ausgestorben. Wir liefen ein große Runde, über den zentralen Platz zur Hauptkirche und zum Kastell und wieder zurück, und stärkten uns dann auf dem Platz. Hier kostete dann übrigens alles nur ein Drittel, aber dafür trägt auch leider niemand einen Frack. Als wir die Bedienung nach der Karte fragte, sagte sie „Soy el menú / Ich bin die Karte“. 🙂

Andratx
Castell

Stephan wollte den Nachmittag dann dazu nutzen, sich ein bisschen am Strand zu sonnen, was ich ja a) optisch keinem mehr zumuten will und da ich b) auch nicht wirklich lange am Strand liegen bleiben kann… Ich ließ mich dann am Passeig Maritimo absetzen und besuchte in Santa Catalina die Markthallen. Natürlich waren schon viele Stände zu. Aber in den offenen Geschäften sah man, wie toll man hier essen und trinken kann. So viele appetitliche Kleinigkeiten! Mittags für abends einkaufen und dabei ein paar kleine Tapas und ein Weinchen zu sich nehmen, so wird das hier gemacht. Ich kaufte ein bisschen Brot und Schinken für die Wohnung. Und ja, Essen ist hier ein Problem, man findet es an jeder Ecke und ich und es finden dann auch oft zusammen. Und dann findet es sich auf der Hüfte…. ach jeh…

Mercat de l’Olivar

Ich lief dann noch quer durch die Altstadt zum Mercat de l’Olivar, der etwas größer ist. Aber auch hier waren nur noch ein paar Läden geöffnet. Dieser Markt liegt nahe an meinem Appartement. Wenn ich länger bliebe, würde ich den regelmäßig heimsuchen.

Um die Ecke des Marktes gibt es einen großen Corte de Inglés, das ist eine riesige Kaufhauskette in Spanien, europaweit die größte, was den Umsatz angeht. Dort musste ich mir ein Ladekabel kaufen, da ich meins im Auto gelassen hatte. Aber ich habe einen Rabatt bekommen. Weiß zwar nicht warum, aber: Nett.

Frutas y verduras… Sehen die nicht zum Anbeißen aus?

Den Spätnachmittag brutzelte ich dann, dabei ein Käse-Schinken-Zwiebel-Tomaten-Boccadillo (so nennt man hier belegte Baguettes) verzehrend, auf dem Balkon, der ja zwischen 17 und 19 Uhr Sonne hat, und las Zeitung. Dazu ein Glas Marqués de Cáceres, der wegen seiner Massenproduktion (man bekommt ihn in 219 von 204 Ländern dieser Welt) bei Weinkennern verpönt ist, mir aber mit viel Eis sehr gut schmeckt und keine unangenehmen Überraschungen bereit hält. Zu erwähnen auch noch die süßlichen weißen Zwiebeln, die es rund ums Mittelmeer gibt. Ich liebe sie. Immer häufiger bekommt man sie auch in Deutschland in normalen Supermärkten zu Gesicht.

Spätabends kam Stephan wieder nach Palma, denn wir wollten mal sehen, wie man in Palma „gay-friendly“ ausgehen kann. Die Auswahl ist, wenn man dem Internet glaubt, mager. Wir entschieden uns für den Besuch der Bar „The 2“ in der Nähe meines Appartements. Auf dem Weg dahin wollten wir uns von Google Maps leiten lassen und erfuhren dort, dass die Bar nur wochenends geöffnet hat. Wundersame, aber hilfreiche Welt des Internets. Also liefen wir durch den Park, weil unser Plan B vorsah, dass wir uns bei den an der Bushaltestelle Plaza de España Wartenden zu einem anderen Viertel durchfragen wollten. Das klappte dann ganz gut und wir waren nach 12 Minuten Fahrt in der Nähe dreier anderer Bars. Im „Havanna“ war es nett, aber sehr laut. Ein alkoholfreies Bier, einen Wein und wech. Im „Item“ ein paar Meter weiter saß genau eine Gästin. Hm. Also auf ins „Lab“; und das hat uns auch sehr gut gefallen. Plüschig modern mit gut gelaunten, sehr sympathischen Bartendern. Aber auch hier laut, nur ein Getränk und dann wieder nach Hause. Gelernt haben wir auf der Rückfahrt, dass man den Flughafenbus Linie 1, der normalerweise pauschal 5 Euro kostet, auch mit einer Tarjeta (also 10er-Ticket) nutzen kann, wenn man vorher entsprechende Knöpfe auf dem Lesegerät drückt. Leider halfen hier zuerst keine Sprachkenntnisse (ich vermute es war mallorquín, was wir hörten), aber Hände und Füße haben es dann auch getan.

Morgen planen wir, nach Sineu zu fahren. Dort soll es DEN Markt schlechthin geben. Wir lassen uns überraschen.

Ich hoffe, Euch morgen hier wiederzusehen und sende viele liebe Grüße aus der Stadt der Palmen.

Euer Gerald

Palma steht Kopf 🙂
So viele schöne Läden…. statt 1-Euro-Shops!
Mr. Lecter lässt grüßen!

Tag 3: Kloster und Strand

Bienvenidos oder auch ben vinguts, Ihr Lieben!

Insbesondere natürlich ein herzliches Willkommen an meine zweite Nichte Theresa Katharina, die gestern am Anfang des dritten Aktes von Madama Butterfly zur Welt kam (natürlich nicht vor Ort). Wir freuen uns alle sehr über Dich und wünschen Dir alles Liebe und Gute!!! Und ich wünsche Inga, dass sie sich schnell von den Strapazen erholt. Und beiden Eltern und den Geschwistern einen herzlichen Glückwunsch!

Heute war ein eher ruhiger Tag angesagt; zumindest hatten wir keine Pläne. Ich kam recht schnell aus dem Bett, da wohl quer über den Hinterhof ein Kindergarten oder eine Schule ist. Das glockenhelle Lachen trieb einen quasi selber ins Leben hinaus. Glockenhell und mit der Wucht des großen Pitters vom Dom zu Köln.

Nach dem Frühstück lief ich zur Plaza España und suchte dort das Büro der städtischen Nahverkehrsbetriebe EMT auf, um mir ein 10er-Ticket für die Buslinien zu besorgen. Das Büro war ganz gut versteckt. Die Damen hatten dann aber viel Spaß mit mir. Ich weiß nicht genau, ob sie sich freuten, dass ich Spanisch versuchte zu sprechen, oder weil es so erbärmlich war. 🙂

Dann schlenderte ich durch einen anderen Teil der Altstadtgassen, den ich noch nicht kannte. Es gibt schöne Plätze und Gässchen hier! Mit Orangenbäumen voller Früchte und schattigen Plätzchen mit einladenden Cafés. Ich mag diese Stadt.

Orangenbäume – ich liebe sie 🙂

Stephan meldete sich, und fragte, was wir machen wollten, er hätte das Auto. Wir einigten uns auf einen Besuch von Llucmayor und trafen uns am Parc de la Mar zum Zusteigen. Die Fahrt zum Kloster ging zuerst über Autobahn, nach der Abfahrt über eine Landstraße und verlief problemlos. Wir mußten ein bisschen durch den Ort kurven (eigentlich ja Stephan, aber ich habe alles schön vom Beifahrersitz aus kommentiert), bis wir einen Parkplatz fanden. Wie mag das erst in der Hochsaison sein? 😉

Llucmayor

Es ist ein schöner Ort, schmale Gassen prägen ihn. Der zentrale Platz wird von einer Kirche dominiert und hat recht viele gastronomische Betriebe zu bieten, von denen aber noch nicht alle geöffnet hatten. Dominiert haben neben der Kirche auch Rennradfahrer den Platz. Ganz ehrlich, Mode ist ja Geschmackssache. Aber kann sich mal einer hinsetzen und sich Gedanken zur Optik der Funktionskleidung von Rennradlern machen? Und nebenbei auch Überlegungen dazu anstellen, warum für diese spezielle Gruppe bestimmte Regeln des Umgangs nicht gelten? Es wird getrötet, geschubst, gefläzt… Und auch noch, warum Verkehrsregeln für sie nicht gelten?

Denn nach einem kleinen Snack fuhren wir nach Randa, um dort das obere Kloster, Santuari de Nostra Senyora de Cura, zu besuchen. Auf der Strecke dorthin…. also, man müsste mal die Unfallstatistik untersuchen. In Serpentinen werden Kurven geschnitten, es wird im Pulk nebeneinander die Berge hoch gestrampelt oder aber auch im Pulk mit ca. 80 bis 120 km/h den Berg runtergerast. Und wir reden hier von Hundertschaften. Naja, Stephan sei Dank kam durch uns keiner zu Tode.

Das Kloster ist sehr nett, Ramon Llull war hier tätig und wird hier sehr verehrt. Die Ausblicke von dort oben sind wahnsinnig schön. Ein Besuch lohnt definitiv.

Blick vom Kloster
Ramon Llull

Wir beschlossen, nach Can Pastilla zu fahren, damit ich mir den Ort und Stephans Unterkunft mal ansehen konnte. Sehr touristisch, aber schöne Strände und wir fanden auch einen Platz in der Sonne, um ein Bierchen zu zischen. Von Can Pastilla aus fuhr ich abends mit dem Bus nach Hause und habe dort ein paar letzte Sonnenstrahlen auf dem Balkon genossen.

Das Wetter war am Nachmittag sehr schön, aber es ist dann doch insgesamt sehr durchwachsen. Für morgen ist ein kompletter Sonnentag vorhergesagt, daher haben wir uns Outdooraktivitäten vorgenommen.

Allen liebe Grüße aus Palma!

Euer Gerald

Tag 2: Blasen und Kultur

Hola! y buenas noches mis queridos!

Heute Nacht hat es so geschüttet, dass ich davon wach wurde. Ganz wunderbar, dachte ich natürlich. Habe dann, auch wegen des ungewohnten Bettes, nicht so wirklich gut zuende geschlafen.

Am Morgen habe ich mir erst mal einen italienischen Kaffee gemacht. Den hatte ich schon ewig nicht mehr. Aber in der Wohnung steht so eine Maschine, die man auf die Herdplatte stellt, herum. Wahrscheinlich hat die auch einen Namen. Also nicht Wilfried oder Dagmar, Ihr wisst schon… Lecker!

Dann musste ich doch noch mal in den Supermarkt, da ich meine Zahnbürste in Köln vergessen hatte. Das Ladegerät habe ich aber sinnigerweise eingesteckt. Aber in dem Supermarkt gab es auch Eiswürfel, daher hat sich der Weg doppelt gelohnt.

Gegen 10 Uhr bin ich dann in die Stadt gelaufen. Über die Plaza de España und die Gassen dahinter bis zur Plaza Mayor.

Plaza Mayor

Dann wurden ausgiebig die Gassen um diesen Platz erkundet. Viele schöne Delikatessenläden, Souvenirnepp und ein paar offene Modegeschäfte, ab und zu ein paar wirklich schöne, aber leider heute fast durchweg geschlossene Galerien.

Über die Plaza de la Reina ging es dann zur Kathedrale Sé. Das Wetter wurde auch immer besser und der Wind flaute ab, so dass es nicht mehr so kalt war. Und durch die Wolken brach die Sonne durch. Die Kathedrale ist ein so schönes Bauwerk… Ich bin froh, dass es Digitalfotografie gibt, sonst wären heute fünf 36er-Filme draufgegangen.

Plaza de la Reina
Die Sé bzw. Seu

Inzwischen hatte sich Stephan gemeldet; er war in sein ursprünglich gebuchtes Hotel umgezogen und ist dann mit einem proppevollen Bus fast 40 Minuten in die Stadt gefahren. Ich holte ihn am Aussteigepunkt ab und wir gingen erst einmal einen Kaffee trinken. Dann schlenderten wir wieder durch die Gassen der Altstadt. Es ist erstaunlich, entweder sind diese zugestopft mit Touristen (also Leute wie Du und ich) oder aber menschenleer. Es gibt schöne Ecken, die sehr ruhig und schön einsam sind. Ein paar Häuser haben mir sehr gut gefallen, besonders jene aus der Zeit des Modernisme, wie der Jugendstil in Spanien genannt wird, und der auch von der Optik ganz eigen ist.

Haus aus der Zeit des Modernisme

Wir tranken dann noch einen weiteren Kaffee auf dem der Kathedrale gegenüberliegenden Ufer und – nanu!? – hatten einen deutlich teureren und auch nicht ganz so guten Kaffee. Aber klar, der Blick will bezahlt sein.

Wir stapften dann zusammen zu meiner Wohnung, die ich Stephan zeigte und dann musste ich mich auf Kultur vorbereiten. Stephan nahm den Bus nach Can Pastilla (er freut sich sehr auf das Auto morgen) und ich machte mich im Rahmen meiner beschränkten Möglichkeiten hübsch 🙂

Das Teatro Principal ist speziell, aber sehr schön. Es gibt kein riesiges Foyer, enge Gänge, die Decken auf den Etagen zu niedrig für mich. Ich tippe 180 +-2 cm hoch. Ich hatte einen Platz ganz oben auf der 4. Etage, die Beine stießen ans Geländer und der Sitz war nicht wirklich gut für meinen Rücken.

Das Teatro Principal von Außen, schon wegen des Wegs dorthin am Nachmittag erkundet.
… und von innen.

Ich hatte mich auf eine eher bescheidene Aufführung eingestellt. Ich weiß gar nicht genau, warum. Weit gefehlt! Es war Bombe! Die Oper an sich sticht schon aus dem klassischen Repertoire heraus. Und dann: Cho-Cho-San alias Butterfly war Weltklasse (Sae Kyung Rim), der Dirigent auch (Antonio Méndez, er lebt einen Großteil seiner Zeit in Berlin und lehrt dort an der Universität) und das Orquestra Simfònica de les Illes Baleares gilt als eins der besten Spaniens. Der Rest des Ensembles stand den Stars in nichts nach. Übertitelt wurde die Oper in Katalanisch, Kastilisch und Englisch und gesungen natürlich in Italienisch. Ganz großes Ki…. äh… ganz große Oper! Es gab Gänsehaut bei mir und tosenden Applaus vom ausverkauften Haus. Und das zu Recht!

Trotz Blasen an den Füßen: Das war ein sehr schöner Tag, an dem sich jeder Schritt gelohnt hat.

Hasta pronto, Ihr Lieben und guads Nächtle!

Euer Gerald

Bitte recht neutral….

Tag 1: Die Anreise

Ihr Lieben!

Aufgestanden um 8 Uhr, bis 9 Uhr fertig gemacht und dann ab zum Flughafen, wo ich dann zwei Stunden nutzlos rumsaß. Eigentlich sind die zwei Stunden „vorher da sein“ nicht mehr zeitgemäß. Man fliegt oft nur noch mit Handgepäck und hat schon seit Wochen eingecheckt, man muss nicht mehr zum Schalter etc. Naja, so gab es noch Kaffee und eine Zeitung und ein bisschen Zeit, um Leute anzuglotzen.

Der Wartebereich füllte sich auch schnell und leider waren auch ein paar Ballermänner dabei, die schon dort schwer auf sich aufmerksam machen mussten. Ein Junggesellenverein hatte seine prächtigsten Exemplare auf die Insel geschickt. Laut und rüpelhaft.

Um 11 Uhr gab eine Dame von der Bodencrew durch, man könne sich schon mal in die richtige Boarding-Schlange stellen. Darauf hin brach ein wilder Tumult aus und fast alle eilten zum Ausgang. Naja, da habe ich Verständnis für. Nachher sind womöglich alle Plätze weg und man muss zuhause bleiben. Oder auf den Tragflächen sitzen, was ganz schön ungemütlich werden kann, wenn man keinen Schal dabei hat.

Die Leutchen standen dann da – zwar möglicherweise richtig – aber auch noch mal 45 Minuten rum, bevor dann die Bordkarten gecheckt wurden. Dann stand man einträchtig 30 Minuten im Turm zum Flieger, der da gerade erst gelandet war. Mit 30 Minuten Verspätung ging es dann los. Man nennt das übrigens Priority Boarding. 😉

Im Flieger übernahmen dann die hirnamputierten Jungesellen. Sie grölten zotige Lieder („Zack, da fällt der Schlüpfer“, „Trinken bis zum Kotzen“ und dergleichen frommes Liedgut), belästigten alle Frauen, die den Gang lang gingen (einige junge Mädels fanden das wohl auch noch ganz entzückend) und trompeteten ihr Geistesgut durch die Kabine. U.a. „Die Deutschen sterben aus, wir müssen uns fortpflanzen.“ Etwa 15 bis 20 Männer. Da hat keiner sich getraut etwas zu sagen. Auch die Stewards nicht. Dafür haben diese den Pulk im Minutentakt auch noch mit Bier versorgt. Eine Stewardess erkundigte sich bei den vorderen Gästen, ob wir wünschten, dass sie einschreite. Wir rieten ihr dann davon ab.

Also, ich hoffe inständig, dass dieses Gesocks junggesellig bleibt und sich nicht fortpflanzt.

Nach einer ruppigen Landung ging es dann aber mit dem Bus recht schnell in die Stadt und nach einem kleinen Spaziergang traf ich dann zeitgleich mit meinem Vermieter Reggie an der Wohnung ein. Er hat einen mallorquinischen Wasserhund, der mich an einen Rastafari erinnerte. Alles wurde gut erklärt, das Appartement ist schön, es liegt zentral und ich denke, ich werde mich hier wohlfühlen. Nur die riesige Dachterrasse wird wohl nicht so oft zum Einsatz kommen, da es doch eher kühl und windig hier ist. Und bewölkt!

Mi casa es mi casa 🙂

Obwohl mir Reggie einige Lebensmittel zur Begrüßung besorgt hatte, ging ich noch in den Nachbarschaftssupermarkt, um mich mit Milch, Käse, Wein, Nüssen, Wasser etc. zu versorgen. 50 Meter von hier ist übrigens ein großer Park, der auf der anderen Seite bei der Plaza España endet.

Parc de les Estacions

Danach lief ich in die Stadt, um mich mit Schwägerin Martina und deren Schwester Britta zum Essen zu treffen. Sie hatten einen Kurzurlaub von Donnerstag bis Sonntag gebucht. Wir wollten in das Restaurant Bòveda, in dem ich meinen 50. Geburtstag gefeiert hatte, und dort hatte ich auch reserviert. Leider war es aber trotz Zusage noch nicht auf, so dass wir kurzerhand ins Gaudeix auswichen, das aber um diese Uhrzeit nur eine beschränkte Essensauswahl bereit hielt. So gingen wir wieder und suchten etwas aufs Geratewohl. Und was soll ich sagen? Es geriet wohl. Kleiner, netter Laden mit sehr gutem Essen und gutem Wein. 13% heißt das Bistro in der Sant-Feliu-Straße. Eine absolute Empfehlung! Aber ab 20 Uhr wohl durchreserviert, worauf wir aber sofort hingewiesen wurden. Wir konnten trotzdem etwas länger bleiben, der Spanier isst dann doch gerne später.

Unas tapas muy ricas!

Wir spazierten dann noch bis zum Mercado de Santa Catalina, wo der Wagen der beiden stand – wir sind dafür durch eine Art Partymeile der Einheimischen gelaufen – und von dort aus hatte ich noch eine gute halbe Stunde bis nach Hause, wo ich jetzt den Tag Revue passieren lasse.

Inzwischen weiß ich, dass Stephan derweil angekommen ist, wenn auch nicht im gebuchten Hotel. Aber die Alternative macht auf den Bildern definitiv was her.

Ja, jetzt freue ich mich sehr auf Palma und die Insel. Und ich hoffe, Ihr begleitet mich auch morgen weiter en mi diario pequeño de viaje.

Hasta mañana !

Gerald

Brücke westlich der Bastió de Sant Pere