Tag 1: Ziemlich viele Buddhas

Sabaidee, Ihr Lieben!

Nach einer kurzen, aber ausreichend erholsamen Nacht brach ich viel zu früh zum Bahnhof Deutz auf, um viel zu früh in Frankfurt zu sein. Aber das es ja eben nicht um Berlin oder Paris ging, wollte ich auf Nummer Sicher gehen.

Am Check-in-Schalter bat ich um einen Sitz mit Beinfreiheit, notfalls gegen Mehrpreis, um belehrt zu werden, ich hätte mir selber einen Notausgangssitz schon kostenfrei gebucht. Das nahm ich verwundert, aber auch erfreut zur Kenntnis. Ich schlug ein paar Stunden am Flughafen tot, unter anderem mit Zeitungslektüre in einem Liegestuhl. Die Lektüre musste ich öfter unterbrechen, um einer sehr übergewichtigen Dame zu lauschen, die lauthals in ihr Handy schrie. Meistens ging es darum, wie schlecht die Welt zu ihr ist (z.B. hatte sie nicht genug Kleingeld für einen Kaffee und  kein Verkäufer gebe ihr einen billiger. Auch würde sie gegenüber nicht näher genannten immer benachteiligt.) Irgendwann schrie sie, ihr Gegenüber müsse deutlicher  sprechen, es sei so laut im Terminal. Da hatte sie dann die ganze Aufmerksamkeit des Frankfurter Flughafens. In Form sehr erstaunter Blicke und Gelächter.

Das Boarding startete pünktlich, war etwas unkoordiniert, aber jeder fand seinen Platz. Ich meinen mit Beinfreiheit, allerdings nicht am Notausgang, sondern vor einer Trennwand. Aber auch ok, zumal sich nach dem Boarden zeigte, dass sich zwischen mir und einem asiatischen Reisenden ein freier Platz befand. Wir breiteten uns schneller aus als Läuse im Kindergarten.

Dann kam auch schon das „Abendessen“. Danach ging das Kabinenlicht aus und die Sonnenschutzblenden wurden geschlossen. Es war eigentlich erst später Nachmittag, aber so simuliert man eine frühe Nacht, um 6 Stunden Zeitunterschied zwischen Start und Ziel auszugleichen. Ich versuchte, zu schlummern, aber der hinter mir sitzende Passagier litt sehr unter seiner Erkältung. Und zwar mit gefühlten 180 Dezibel beim Niesen, Husten und Tröten. Dann kam auch noch irgendwann eine Stewardess und forderte uns auf, den Mittelplatz zu räumen, sie hätte da eine Dame, der es sehr schlecht auf ihrem anderen Sitzplatz gehe.

Ich denke, ihr ahnt es schon. Ja, sie war es. Sie quoll leider über die Sitzlehnen in unsere Sitze über und wollte zu einer Jammertirade ansetzen. Wir, denn auch der Asiate merkte schnell, worauf es hinauslaufen sollte, simulierten plötzlichen Gehirntod. Trotzdem war an Schlaf nicht zu denken. Von hinten angerotzt, von der Seite in die Seite gehauen… Ich beneide Menschen, die in allen Lebenslagen wegdämmern können. Um vier Uhr gab es Frühstück und ich unterhielt mich dann doch mit der Frau, die vielleicht ob der Zuwendung dann ganz vernünftig reden konnte.

Um 6 Uhr früh kamen wir pünktlich in Bangkok an. Ein Ameisenhaufen. Völlig überfordertes Flughafenpersonal, das nur noch rumblaffte, genervte Passagiere und eine kilometerlange Schlange vor dem Transit-Checkpoint. Dann wieder Zeit totschlagen. In einer in die Jahre gekommenen Propellermaschine wurden wir dann weiter nach Luang Prabang spediert. Leider auch hier kein Schlaf, obwohl ich meinen Sitznachbarn erfolgreich vertreiben konnte, indem ich dreimal ihn wieder aufstehen lassen musste, weil ich etwas aus dem Gepäckfach brauchte. Denn ich lernte ein Ehepaar der Reisegruppe kennen, denen ich beim Ausfüllen der Visaanträge und Einreisekarten helfen sollte, meine eigenen musste ich dann ja auch noch fertigstellen. Schräg hinter mir turtelte ein Paar, wobei er wohl Witze erzählte, was sie dauernd zum Kreischen und Gackern brachte.

Die Einreise verlief dann unproblematisch und es stellte sich am Ausgang heraus, dass die Vorprogrammgruppe aus nur 4 Personen besteht. Ein Ärztepaar im Ruhestand und eine Dame, die seit 13 Jahren in Spanien lebt sowie meiner einer.

Wir wurden zum Hotel gebracht, das leider nicht das schöne aus dem Internet in der Innenstadt war, sondern das Schwesterhaus ein paar Kilometer außerhalb. Die Anlage schön, die Unterkunft mit deutlichem Verbesserungsbedarf (als erstes kam mir eine Schranktür entgegen). Das Ehepaar nebenan hatte keinen Strom, der Safe ging nicht, das Telefon nicht und das Wasser lief nicht ab.

Farbenfrohes Tuk Tuk

Nach kurzer Dusche ging es dann mit unserem Reiseführer Nan und dem Fahrer in die Innenstadt, die Unseco-Weltkulturerbe ist. Es ist schon sehr speziell hier und erinnert mich nicht an die asiatischen Länder, die ich bereits kenne. Sehr wuselig, sehr offen und vieles improvisiert, chaotischer Verkehr. Aber schon so, wie man es sich vorgestellt hat. Die Innenstadt ist dann sehr schön, mit viel Patina. Wir besuchten zwei Tempel, Vat Visoun Narath und Vat May, in denen wir viel über den laotischen Buddhismus erfuhren.

Der Mann des Ärztepaares ist Kambodschaner, der damals vor den roten Khmer geflohen war, und konnte zu dem dortigen Buddhismus Parallelen und Unterschiede beitragen. Wir haben gefühlte 230.582 Buddhas gesehen. Und Mönche in ihren roten Roben. Und haben viel über die laotische Geschichte gelernt.

Ein buddhistisches Horoskop habe ich mir auch erschüttelt. Das war so lala, aber seht selber:

Mittags und abends gab es Mehrgängemenüs, die ganz schmackhaft waren. Beim Essen muss ich aber auf die Fressbremse treten! Einigermaßen zeitig ging es dann zurück ins Hotel. Die Straßen, insbesondere am Mekong, sind abends sehr schön illuminert. Hier sitze ich nun, schreibe dies und trinke Beerlao. Fast nach dem Reinheitsgebot gebraut. Und ich bin todmüde.

Morgen kommt Nans Bruder, um die Gruppe zu übernehmen. Nan ist sehr nett, aber man muss sich arg konzentrieren, um ihn zu verstehen, besonders, wenn es um Religion oder Geschichte geht, wo einem die fremdländischen Namen nur so um die Ohren fliegen. Wir werden einen weiteren Wat sehen, den alten Königspalast, heute das Nationalmuseum, einen Wasserfall und den Nachtmarkt besuchen.

Und jetzt noch ein Beweis für die Richtigkeit der Überschrift :-):

Die Nacht vor der Abreise

Liebe Mitreisende (naja, noch sitze ich zu Hause),

Packerei finde ich stressig. Besonders, wenn man 20 Tage unterwegs ist, man nur 20 kg Freigepäck hat und von diesen 20 kg schon zehn für Kulturbeutel und Ladegeräte draufgehen.

Ladegeräte! Man muss die Akkus der Kamera laden, den des Tablets, das Handy nicht zu vergessen. Nehme ich den Kindle mit? Dann müsste ich noch Bücher runterladen. Hat die Taschenlampe noch ausreichend kraftvolle Batterien? Wo ist das Kartenlesegerät? Apropos! Haben alle Geräte noch ausreichend Speicherplatz?

Gestern habe ich doch Sonnenschutz gekauft! Wo ist der hin? Wieso ist mein Lieblings-T-Shirt nicht gewaschen? Reichen die Blutdrucktabletten?

Packen ist Stress! Aber meine geniale Reisetasche wiegt jetzt gut gefüllt unter 17 kg (der Rucksack dafür acht) und ich habe wohl mehr als alles Lebensnotwendige dabei.

Erzählen muss ich noch von einem anderen Stress. Wobei das womöglich kein gutes Licht auf meine Verfassung wirft 🙂

Mein Haushaltsbetreuer fliegt für drei Wochen in seine Heimat. Ich wollte nicht, dass meine Schlüssel mit dorthin fliegen, außerdem brauchte ich sie zum Hinterlegen. Leider kam ich nicht rechtzeitig aus der Firma weg, um die Schlüssel persönlich in Empfang zu nehmen. Ich schrieb eine WhatsApp, dass ich es nicht schaffe, und er die Schlüssel auf den Tisch legen und die Tür zuziehen solle.  Er schrieb zurück „Alles OK Schlüssel stecken.“ Ich bekam umgehend einen Infarkt. Von der Arbeit bis nach Hause hatte ich nur diesen einen Film laufen: Ich komme nicht in meine Wohnung, weil der Schlüssel von innen steckt, und ich werde 4729 Euro an eine erpresserische Türöffnungsmafia zahlen müssen und den Frankfurter Flughafen nieeee rechtzeitig erreichen. Nun ja, was soll ich sagen? Der Schlüssel lag auf dem Sideboard. Freunde, ich muss dringend an meiner Contenance arbeiten!

Auf jeden Fall sitze ich jetzt auf gepackten Utensilien und meine größte Sorge ist, dass ich kein Jackett dabei habe und ich es möglicherweise brauchen würde. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es auf einem 40-Personen-Boot in einer schwül-heißen Region kein Captain’s Dinner mit Anzug und Fliege geben wird. Und selbst wenn! Ich habe meine italienische Strickweste dabei, die ich einst in Rom auf der Via Nazionale für 10 Euro kaufte. Die macht auch ein Heavy-Metal-T-Shirt (schreibt man das so?) gesellschaftsfähig.

Ich freue mich auf rege Begleitung und Eure Kommentare. 🙂

Bis bald, Euer Gerald

P.S.: Ich habe Tagträume von netten Check-In-Mitarbeiter/innen, die mir zuraunen, dass sie noch einen zuschlagsfreien Sitz in der First Class für mich hätten…..

Indochina 2018: Prolog

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich habe eine TOP-10-Liste für Reiseziele. Die chinesische Mauer stand schon drauf und der Tempel von Karnak, Jerusalem und Kapstadt. Immer, wenn ich dann eines dieser Ziele besucht habe, wird es durch ein anderes Traumziel ersetzt. Immer ganz weit oben, und das schon lange, stand die Tempelanlage von Angkor Wat in Kambodscha.

Durch Zufall stieß ich schon vor Jahresfrist auf ein Angebot von Phoenix-Reisen, mit denen ich schon das östliche Mittelmeer und die ost- und südafrikanische Küste bereist habe. Eine Reise von Bangkok über Siem Reap (Angkor Wat) und dann mit dem Boot über den Mekong-Fluß bis nach Ho-Chi-Minh-Stadt, auch bekannt als Saigon.

Ich buchte eine Einzelreise mit Vorprogramm Laos und fing dann an zu sparen. 4 Länder in 20 Tagen, 4 Flüge, 11 Tage auf der MS Lan Diep (mit diesem Namen MUSSTE ich ja quasi buchen!). Ich freue mich sehr.

Und ich würde Euch gerne wieder mit auf meine Reise nehmen, indem ich kleine Erlebnisberichte schreibe, die ich – wenn möglich – täglich hier mit ein paar Aufnahmen einstelle.

Sollte mal nichts von mir gepostet werden, dann liegt das voraussichtlich an der Technik und nicht daran, dass ich in den Mekong gefallen und in das südchinesische Meer gespült worden bin, wo ich dann mit Delphinen lebe.

Also, ich hoffe, Ihr werdet ab und zu mal vorbeischauen, um zu sehen, was ich so treibe und dabei Spaß haben.

Am 28.11. geht die Reise los und am 29.11. lande ich nach Plan nachmittags in der Stadt mit dem verheißungsvollen Namen Luang Prabang.
Ob Gelsenkirchen oder Hannoversch Münden für Laoten auch so exotisch klingen?

Liebe Grüße

Euer

P.S.: Für die Neugierigen unter Euch… (nach heutiger Laune und ohne Wertung)

  • Transsibirische Eisenbahn, kombiniert mit Überfahrt nach Japan und Besuch der alten Kaiserstädte
  • Nilkreuzfahrt
  • Iguazu-Wasserfälle
  • Machu Picchu
  • Okawango-Delta und Victoriafälle (evtl. in Kombination mit dem Etosha-Nationalpark)
  • Grönland
  • Tadsch Mahal
  • Angkor Wat (bald erledigt 🙂 , möglicher Nachfolger die Felsenstadt Petra in Jordanien)
  • Neuseeland mit dem Auto von Nord nach Süd
  • Havanna

Tag 8: MOCAA und Abreise

Liebe Lesenden!

Heute letzter Tag. ?

Gegen 10 Uhr kamen Lance und sein Reinigungstrupp. Unsere Koffer wurden in einen abgeschlossenen Raum in einem anderen Gebäude verfrachtet, zu dem wir den Schlüssel erhielten. Das Auto konnten wir vor der Tür parken.

Nach der tränenreichen Abschiedszeremonie ( 😉 ) beschloss Stephan in die Stadt zu laufen, während ich meinen noch offenen Programmpunkt Museum of Contemporary Art Africa (MOCAA) abhaken wollte.

Das Museum ist sehr schön und hat auf 5 Etagen viele interessante Werke  ausgestellt. Insgesamt habe ich zweieinhalb Stunden dort verbracht.

Besonders beeindruckt hat mich eine Videoinstallation, von der ich nur einen kurzen Ausschnitt fotografiert habe. Ich hoffe, dass ich im Netz die gesamte Installation mal zum Abspielen finde.

In einem Bereich war eine mehrzimmrige Installation untergebracht, die etwas gruselig war. Düstere Laute, düstere Stimmung, ein bisschen wie ein Gruselfilm. Als ich in das letzte Zimmer ging, sprang ein anderer Besucher aus einem Versteck und schrie „Boooh!“. Ich hatte fast einen Infarkt. Er fand das aber ganz lustig und schlug vor, ich solle das beim nächsten Besucher auch machen. Ich habe es mir verkniffen.

Das Zeitz, wie das Museum auch heißt, von innen zu sehen, war auch interessant, da es ja zeigt, wie die alten Silos entkernt wurden. Alles in allem ein lohnenswerter Besuch.

Mit Stephan verabredet ich mich dann zu einem Snack im Quay 4 an der Waterfront. Ich aß ein Hähnchen mozambikanischer Art, das sehr scharf war. Als ich geendet hatte, habe ich den Teller beiseite gestellt. Sofort stürzte (!) sich eine Möwe drauf und entführte Teile der Reste, um die sie dann mit anderen Möwen kämpfen musste. Auch hier war ich ziemlich erschrocken. Und ist das eigentlich Kannibalismus, wenn Möwen Hühnchen essen? Und ich frage mich, ob die mosambikanischen Gewürze auch bei denen im Hals gekratzt haben.

Da wir nun nicht Stunden an der Waterfront verbringen wollten, beschlossen wir, noch einmal Richtung Green Market zu gehen. Ich erstand eine kleine Skulptur und Stephan nach langwierigen Verhandlungen ein weiteres Bild und ebenfalls eine Skulptur. Ehrlich, ich bin immer froh, wenn Sachen ein Preisschild haben. Diese Basarmentalität liegt mir nicht sehr.

Essen wollten wir dann abends in Camps Bay. Da es aber noch zu früh war fuhren wir noch in einen Ort namens Llandudno zu dem gleichnamigen Strand dort. Der ist sehr schön.

Ein paar mutige waren auch im Wasser, das hier ganzjährig sehr kalt ist.

In Camps Bay aßen wir dann zu Abend, Fisch und Burger und haben noch einmal einen Sonnenuntergang genossen.

Dann suchten wir das Haus mit unseren Koffern. Trotzdem es inzwischen dunkel war, haben wir es gut gefunden und die Koffer auch schnell verladen können. Nur die Fahrt zum Airport war dann etwas anstrengend, da ich ja nachts nicht so rasend gut sehe und wir uns leider verfahren haben. Wir bzw. vielmehr das Navi hatte(n) Schwierigkeiten, die BP-Tankstelle zu finden. Naja, irgendwann hatte auch das geklappt und Wagenrückgabe, Einchecken und Passkontrolle liefen dann wie geschmiert. In 30 Minuten geht es an Bord. Das war’s dann für dieses Mal in Kapstadt. Eine wunderbare Woche war das.

Wenn ich die Fotos mal gesichtet habe, wird es hier einen link zu der entsprechenden Google-Fotoseite geben.

Danke für Eure virtuelle und an Stephan für seine reale Begleitung.

Alles Liebe und Gute

Euer Gerald

Nein, es ist nicht das, wonach es aussieht 🙂

Tag 7: Flora und Fauna

Good evening, ladies and gentlemen!

In der Nacht hat es hier richtig geregnet und am Morgen sah es grau und diesig und tröpfelig aus, bei 13°C. Regenwahrscheinlichkeit den ganzen Tag bei 70%. Was für Aussichten!

Ich schlug vor, den Tag wettergeschützt im Auto zu verbringen, und mit Luise nach Betty’s Bay zu den Pinguinen zu fahren und im Anschluss einen nassen Spaziergang in Hermanus auf dem Cliff Trail zu machen.

Wir fuhren in dramatischem Licht- und Schattenspiel die Küstenroute entlang. Die Straße ab Gordon’s Bay ist sogar bei schlechtem Wetter ein Traum. Natürlich wären blauer Himmel und Sonne auch willkommen gewesen. Aber dann, wie durch ein Wunder, brach in Betty’s Bay der Himmel auf und die Sonne kam durch. Es wehte zwar ein starker und eisiger Wind, aber wir konnten dennoch trocken durch den Kogelberg Nationalpark gehen. Es waren nicht so viele Pinguine da, wie letztes Jahr im November. Wahrscheinlich war denen auch zu kalt. Aber wir sahen auch viele Dassies, die ja wirklich niedlich sind, und ein paar Gänse und anderes Getier. Die Fahrt hatte sich da schon gelohnt.

Weiter ging es nach Hermanus. Der Himmel zog sich wieder zu und es war stellenweise tiefschwarz dort. Auch hat es zwischendurch immer wieder geregnet. Und das glaubt jetzt wahrscheinlich niemand…. Aber kaum in Hermanus angekommen, brach der Himmel wieder auf und wir hatten tolle Aussichten und sogar ein bisschen Wärme durch die Sonne. Schon als wir den Clifftrail ein paar Meter gegangen waren, sahen wir Wale. Leider nur die Rücken und ab und zu einen Blas. Aber das fanden wir schon sehr aufregend! Dazu diese tolle Landschaft dort und die schönen Häuser und das Licht und die Farben. Das Licht ist in Südafrika wirklich besonders!

Nach einer Weile mussten wir umdrehen, da wir ein begrenztes Parkticket hatten. Wir suchten uns einen anderen Parkplatz und gingen in das direkt an der Küste in die Felswand gebaute „Bientang’s Cave“ (siehe auch Reisebericht aus November 2017 😉 ). Dort aß Stephan einen kleinen Salat und ich trank Kaffee. Ab und zu guckten wir aufs Meer, auch mit Fernglas, aber es tat sich nichts. Aber wir waren ja schon happy. Dann ging ein Raunen durch die Gästeschar. Ein Wal sprang mehrmals in die Luft. Alles in heller Aufregung! Mir ist sogar eine Aufnahme geglückt. Das ist ein unbeschreiblich schönes Erlebnis, so ein majestätisches Wesen so spielerisch leicht Salti schlagen zu sehen. Wunderbar!

Wir schlenderten dann noch über den Kunsthandwerksmarkt, der sehr übersichtlich ist, und brachen dann wieder nach Kapstadt auf. Diesmal über die Pässe. Dort hat man stellenweise dramatische Ausblicke. Zum Beispiel am Sir Lowry Pass. Wir kamen ganz gut durch, vor Somerset West nur ein kleiner Stau, aber 700 m vor unserer Straße war dann nur zentimeterweises Vorankommen möglich. Den Grund sahen wir kurz vor der Vesperdene Road. Eine Hauptwasserleitung musste geborsten sein, denn die Straße war über hunderte von Metern überschwemmt. Und das bei dieser Wasserknappheit hier (die Dämme lagen vor ein paar Monaten mit nur 6% Füllstand auf dem schlechtesten Wert ever). Zuhause haben wir dann festgestellt, dass wir kein Wasser mehr haben. Aber wen wundert’s?

Zum Abendessen wollten wir in das Restaurant „Mano’s“ gehen, das um die Ecke liegt. Aber es war brechend voll und ganz schön laut. Daher sind wir in das Restaurant neben dem Karibu gegangen, dem City Grill, wo wir Boerewors, Krokodil und Steak hatten. Wir waren auch dort zufrieden, obwohl ich das Karibu einen Tacken besser fand. Krokodil ist aber auch nicht wirklich etwas Besonderes, was den Geschmack angeht. Stephans Filet war aber Spitzenklasse.

Wie haben übrigens einen 2018er Wein getrunken. Lecker. Hier halt schon in unserem Frühjahr gekeltert.

Jetzt sind wir zuhause und vernichten die Weinreste. 🙂

Also, das war ein ganz wunderbarer Tag!

Morgen werden wir um 10 Uhr hinauskomplimentiert und müssen mal sehen, wie wir die Zeit bis zum Abflug um 23:20 Uhr umbekommen. Das Wetter soll wieder eher schlecht sein. Ihr werdet es dann ja…. übermorgen lesen, da Air France kein WLAN an Bord hat 😀 .

A very nice and beautiful evening and Friday for all of you!

Cheers, Gerald

Tag 6: Südafrikanische Geschichte

Goeie Aand!

Heute war In-den-Tag-schleichen angesagt. Erst um 11 Uhr habe ich es aus dem Haus geschafft (wobei ich vorher schon kurz bei Woolworth weinkaufen war), wollte Richtung Waterfront und dort ins Museum für moderne Kunst – auch MOCAA oder Zeitz genannt. Stephan nahm sich vor, stattdessen im Zentrum rumzulaufen. Beim Frühstück habe ich noch geguckt, wann Touren nach Robben Island gehen, wo Nelson Mandela 18 seiner insgesamt 27 Jahre Haft verbrachte. Laut Internet waren viele Touren schon ausgebucht. Daher nahm ich mir vor, im „Mandela Gateway“ Tickets für morgen oder Freitag zu erstehen. Aber zuerst ging ich zum African Trading Port, einem Verkäufer für Tinnef, aber auch für afrikanisch-folkloristische Kunst kontinentweit. Das ist fast wie ein Museum. Masken, Waffen, Kultgegenstände, Skulpturen. Wahnsinn! Da ich ethnologisch ja ein bisschen interessiert bin, war das ein Fest für die Sinne.

An der Schwenkbrücke musste ich warten und schaute zufällig auf den Signal Hill, als genau um 12 Uhr die tägliche Kanone abgefeuert wurde und ich den Rauch sehen konnte. Auch schön.

Auf dem Weg ins MOCAA hüpfte ich dann kurz in das Ticket-Centre für Robben Island rein. Warum ich denn nicht sofort fahren wolle, wurde ich gefragt. Nur die Onlinetickets seien ausverkauft. Da bis zur Abfahrt des nächsten Bootes nur 15 Minuten Wartezeit waren, habe ich ein Ticket gekauft. Mit der Madiba 1 (das ist der Clanname Mandelas) fuhren wir bei ruppiger See ca. 25 Minuten, Innenraum, bleiche Gesichter und Würgegeräusche inklusive. Selbst mir wurde etwas blümerant. Bei der Einweisung über Sicherheitsmaßnahmen berichtete der Offizier, dass es an Bord keinen Alkohol gäbe, nur Kaffee und Softdrinks. Was das für einen Grund hätte? Er wisse es nicht. Er hatte ein paar Lacher.

Dann auf der Insel erst einmal Massenabfertigung. Im Bus angekommen hatten wir einen Guide, der von der Geschichte der Insel und derjenigen einzelner Insassen berichtete. Das war stellenweise erschreckend, aber auch bewegend. Er hat das aber gut und sogar mit Humor vorgetragen.

Wir fuhren mit dem Bus mehrere Stationen ab. Man darf aber seit einiger Zeit nicht mehr aussteigen, um Fotos zu machen, weil einige Touristen ihren Namen überall einritzten oder Dinge mitgenommen haben. Ehrlich, das finde ich zum Kotzen. Auch im Kölner Dom sind ja auf dem Weg zu den Türmen hoch massenweise Spackos verewigt.  Aber wir haben viel über die Geschichte der Insel erfahren. Leprakolonie, Militärstützpunkt, Psychiatrie, Gefängnis. Heute ist die Insel Weltkulturerbe.

Am Hochsicherheitstrakt angekommen, empfing uns ein ehemaliger politischer Gefangener, der von 1983 bis 1991 auf Robben Island einsaß. Er hatte Mitglieder für den bewaffneten Arm der ANC geworben und sollte 20 Jahre bleiben. Er hat kurz und prägnant über den Gefängnisalltag berichtet. Das war stellenweise erschütternd. Er habe seinen Frieden mit dieser Zeit und den Wärtern gemacht. Er sei mit einigen Wärtern sogar befreundet. Fast nicht zu glauben.

Wir hörten seinen Ausführungen in der Zelle zu, in der er selber einsaß. Bis zu 60 Menschen mussten sich eine solche Zelle teilen. Auch Mandelas Zelle sahen wir.

Eine bewegende Erfahrung, auch wenn die Art und Weise der Abfertigung so gar nicht zur Atmosphäre des Ortes passt. Man kann gar nicht alles berichten über diesen Ort, es waren zu viele Informationen. Aber ich lege jedem ans Herz, sich mal mit dieser Epoche und Namen wie Kathrada, Sisulu oder Sobukwe zu beschäftigen.

Übrigens gibt es auf der Insel massenweise Ibisse, die diesen Winter das erste Mal nicht weggezogen sind, wie uns der Guide berichtete. Daher konnten wir wahrscheinlich den einen Vogel am Hafen vor ein paar Tagen sehen.

Die Fahrt zurück habe ich auf dem Oberdeck verbracht. Zum Glück, denn die Fahrt war noch ruppiger und unten hätte ich möglicherweise eine Tüte gebraucht. Am Pier standen nachher einige grüngesichtige Menschen. Ein Mitglied der Crew berichtete dann auch, dass für morgen alle Touren zur Insel wegen der unruhigen See ausgesetzt wurden.

Stephan traf ich dann vor dem Seitz. Wir wollten dort nämlich im Silo-Hotel in der 6. Etage einen Aperitif zu uns nehmen, da Lance den Ausblick dort so gelobt hat. Die Silos waren 2013 noch eine Attraktion auf der Busrundfahrt, weil sie mal das zweithöchste Gebäude auf dem Kontinent waren. Jetzt ist nach einem rigorosen Umbau dieses architektonische Prachtstück 2017 als Museum und Hotel eröffnet worden (und ich bin normalerweise ungnädig, wenn es um moderne Architektur geht).

Übrigens war der Aperitif ein schlichtes Windhoek Lager für mich und ein Castle Lager für Stephan.

Da wir schon an der Waterfront an einem Ort mit mehreren dutzend hochgelobter Restaurants waren, entschieden wir uns, ins Karibu zu gehen, obwohl es noch früh war. Eine gute Wahl. Biltong-Salat und Bobootie für Stephan und Butternut-Suppe und Steaks von Springbok, Kudu und Impala mit Chakalaka für mich. Dazu Amarulasoße.

Jetzt sitzen wir im Haus und es regnet draußen.

Zu wissen, dass die Woche bald rum ist… Es gibt kein anderes Wort dafür als „Scheiße“! Verzeihung. Kapstadt nimmt einen gefangen. Wir könnten noch viel länger hier bleiben.

Gerade habe ich Stephan aufgefordert, einen Gastbeitrag über seinen Tag zu verfassen, aber er bevorzugt die Gesellschaft der Couch.

Sien jou gou.

Gerald

P.S.: Gestern bei der Autofahrt war ich glücklich, endlich Blinker und Scheibenwischer unterscheiden zu können. Also verkündete ich stolz „Klappt doch mit dem Blinker!“ um an der nächsten Kreuzung wieder den Wischer zu betätigen.

Tag 5: Luise

Sawubona, umfundi othandekayo!

Heute war Putztag – Chimango war gestern per WhatsApp angekündigt worden und außerdem wollte Lance nach dem WLAN sehen und einen zusätzlichen Radiator vorbeibringen – und daher sind wir früh aufgestanden, um nicht im Wege zu sein.

Luise, unser Renault Kwid, sollte heute ausgiebig beschäftigt werden. Unser Plan war, ein bisschen die Region zu erkunden. Ziele waren Kommetjie, Simon’s Town und evtl. sogar Hermanus. Das wollten wir von der Zeit abhängig machen.

Wir fuhren zunächst über den Chapman’s Peak Drive, einer wirklich lohnenswerte Küstenstraße, die von Sklaven damals in die Berge gesprengt wurde. Sie bietet traumhafte Ausblicke auf die Berge und das Meer und die Vegetation. Ich bin sie schon letztes Jahr entlang gefahren, da aber in strömendem Regen und Nebel. Daher hat mich das tolle Wetter heute besonders gefreut.

Auf Empfehlung eines Freundes von Stephan (Hallo Mark!) sind wir nach Kommetjie gefahren. Dort gibt es einen fast menschenleeren Strand, an dem sich nur ein paar Surfer auf Ihren Ritt auf den Wellen vorbereiteten. Wenn man also eine schöne abgelegene Badegelegenheit sucht, wird man dort fündig.

Von dort aus sind wir über Simon’s Town, Fish Hoek, Kalk Bay und St. James nach Muizenberg gefahren. In Simon’s Town erstand ich ein paar Blechtrophäen (einen Wasserbüffel und eine Antilope) und wir aßen im Bertha’s Nudeln und Fisch. Kommentar des Kellners: „Sie fahren ans Meer, um Nudeln zu essen?“

Stephan fand ihn gar nicht lustig. Auch nicht, als er von einem Sturm fabulierte, der unser Bargeld davontragen würde und ihn nötigen würde, ins kalte Hafenbecken zu springen, woraufhin ihn alle auslachen würden. Ja, ich weiß, schwieriger Sachverhalt. Bei Rückfragen einfach fragen. 🙂

Unser nächster Halt war Kalk Bay. Dort gibt es zwei sehr schöne Galerien und einige Hippie-Läden. Auch ein paar Boutiquen, wo ich fast ein T-Shirt erstanden hätte, da ich mich beim Verzehr meiner Fischplatte so gaaar nicht bekleckert hatte.

Nur wenige Minuten entfernt gibt es die für Reisführerfotos sehr beliebten bunten Strandhäuser von St. James. Der Zugang dazu ist etwas versteckt, aber auffindbar. Das Problem war nur, auf der Durchgangsstraße zu wenden und das auch noch zweimal. Man lässt hier ungern mal jemanden mal abbiegen oder wenden. Aber abgesehen von Umgangsformen im Straßenverkehr sind die Südafrikaner sehr zuvorkommend und freundlich!

Diese bunten Badehäuschen gibt es auch in Muizenberg, unserem nächsten Ziel. Man muss übrigens, wenn man so oft kurze Stopps einlegt, immer ein Bündel 20-Rand-Scheine bei sich haben, da sich immer ein halboffizieller Parkwärter findet, der good after the car lookt. 😀 Aber das tun sie dann in der Regel auch und man kann beruhigt parken.

Unser Vorhaben, nach Hermanus zu fahren, ließen wir aufgrund zeitlicher Bedenken bleiben. Schon in Simon’s Town wies unser redseliger Kellner darauf hin, dass eine Rückfahrt nach Kapstadt am späten Nachmittag langwierig werden könnte, egal von wo. Wir beschlossen trotzdem kurzerhand, ohne weiteren Stopp nach Stellenbosch im Weinland durchzufahren, um dort kurz durch die Innenstadt zu flanieren und Kaffee zu trinken. Auf der Fahrt dorthin ist Stephan auch mal kurz eingepennt, obwohl er am Anfang unserer Fahrt um sein Leben fürchtete. Er behauptet von sich selber (wie ich übrigens auch von mir), dass er ein schlechter Beifahrer sei. Das Nickerchen nahm ich daher als Kompliment. Oder aber die Aufregung über meinen Fahrstil hat ihn doch schwer erschöpft. 😉

Ike und Vera habe ich sehr kurzfristig angeschrieben, dass wir in ihrer Nähe wären (die beiden verweilen ja gerade in Franschhoek), aber leider hatten sie schon eine andere Verabredung.

In Stellenbosch sind wir erst einmal zur Kirche gelaufen und haben dann ein paar Läden inspiziert, um dann in einem Bistro einen Café au lait zu uns zu nehmen. Das interessante an diesem Bistro war das zahlenmäßige Verhältnis von Kellnern und Gästen. Die meisten schwarzgeschürzten standen auch plaudernd auf der Straße.

Als wir Luise aus der Parkzone abholen wollten, war unsere Parkwächterin nicht mehr da. Sofort stürzten sich zwei andere auf uns, die beide den erfolgreichen Schutz unseres Wagens für sich reklamierten. Ich drückte einem davon das Geld in die Hand, woraufhin der andere anfing, diesen unflätig zu beschimpfen. Wir haben Schlichtungsversuche unterlassen.

Die Rückfahrt war dann teilweise zähflüssig, aber mit einer Stunde Fahrtzeit durchaus erträglich.

Nach einer kurzen Besinnungszeit in der Vesperdene Road haben wir uns ins Ausgehviertel Waterkant aufgemacht und aßen erst einmal im ältesten Gay-Restaurant Kapstadts (Eigenwerbung) zu Abend. Es gab für mich Straußensteak, das war sehr gut. Stephans César-Salad plus sah auch sehr gelungen aus. Wir versuchten dann per Google zu erfahren, wo wir noch eine nette Bar finden könnten, aber zogen es dann doch vor, den Abend „zuhause“ ausklingen zu lassen. Trotz aller kleinen Mängel ist das Haus nämlich sehr schön.

Alles in allem war das ein wunderbarer Tag und wir sind beide froh, dass wir an einem der schönsten Orte sind, die wir kennen. Wir sind ja beide zum jeweils dritten Mal da. Und es wird nicht das letzte Mal sein.

Abends zuhause sind wir übrigens mit einem zweiten Radiator und einem WLAN-Repeater überrascht worden. Lance kümmert sich wirklich sehr um uns.

Sikubona kusasa!

Gerald

Tag 4: Hop on Hop off, die zweite

Moin moin!

Wir sind uns beide einig, dass man hier sehr gut schläft. Die Betten sind wirklich bequem und gemütlich. Aber man muss dann ja trotzdem irgendwann raus, um nicht zu viel Zeit zu verplempern.

Also, kurz gefrühstückt und dann stadtfein gemacht. Dann die Handtücher auf die hintere Terrasse zum Trocknen aufgehängt. Lalülalü! Ach ja, die hintere Tür ist ja auch gesichert. Ja, wir wären rechtens hier etc. pp.

Wir fuhren mit der blauen Linie von der V&A Waterfront bis zum botanischen Garten in Kirstenbosch. Auf der Strecke gab es auch einiges zu sehen und zu erfahren. Der Garten ist sehr groß und mehr ein Park als eine Belehrungsanlage (wie das ja leider oftmals der Fall ist). Wir konnten nur einen Bruchteil des Parks sehen. Man müsste quasi einen ganzen Tag einplanen, um nur das Wichtigste gesehen zu haben. Am Ausgang kauften wir ein paar Samen. Mal sehen, was daraus erwächst.

Die nächste Station war – nach einem Buswechsel – Groot Constantia. Dort sollten, so haben wir es zumindest verstanden, Gruppenverkostungen stattfinden, jeweils zur vollen Stunde. Demnach wären wir 10 Minuten zu spät angekommen. So entschlossen wir uns, zum Eagles‘ Nest-Weingut zu fahren. Schöner kleiner Garten, aber leider auch keine Verkostungen, sondern nur wine by the glass. Wir tranken einen preisgekrönten Viognier und fanden den auch OK; dazu hatten wir eine Käseplatte.

Wir sind dann zurück zur Bushaltestelle, um dort festzustellen, dass die Zeiten im Prospekt von denen an der Haltestelle stark abweichen und wir daher eigentlich 20 Minuten blöd dort rumstehen hätten müssen. Während wir noch überlegten, ob wir nicht zu Fuß zum Umsteigepunkt laufen sollten, kam dann der Bus. Es scheint, dass Fahrpläne hier eher eine Empfehlung sind… Schon am Morgen kam der Bus 15 Minuten abweichend. Aber im Urlaub ist das ja nicht so wichtig.

Unser nächster Stop war Hout Bay. Vorher fuhren wir aber durch eine wunderschöne Landschaft. Dabei kamen wir an Imizamo Yethu vorbei, einer illegalen Siedlung, die aber inzwischen einen Bleibestatus hat. Die Geschichte dieses Townships hier wiederzugeben sprengt den Rahmen, aber Stephan und ich waren beeindruckt. Auf der Tour wurde ohnehin – wenn auch nur anrissweise – über die Überwindung von Apartheid, den Kampf der Klassen und die junge Vergangenheit Südafrikas berichtet, so dass man das Bedürfnis bekam, sich doch intensiv mal mit diesen Kapiteln auseinanderzusetzen.

Hout Bay war ja letztes Jahr mein Abfahrtshafen zur Seehundinsel. Und das in strömendem Regen. Wir blieben eine halbe Stunde dort, damit ich es auch mal im Sonnenschein sehen konnte. Aber das Wetter spielt dort offensichtlich keine Rolle: Es ist ein trister Ort. Armut spielt hier eine große Rolle. Man lebt von den Touristen, dem Fischfang und dem Souvenirverkauf. Touristen sind wenige, der Fischfang wurde reguliert (Quoten in den letzten Jahren rigoros gemindert, so dass jetzt illegaler Fischfang und Schmuggel betrieben werden) und die Souvenirs bekommen die Touristen in Kapstadt preiswerter. Die Immobilienpreise hier sind trotz der Nähe zu Kapstadt wohl noch im Rahmen.

Wir fuhren dann in die Vesperdene Road, um Sachen für ein Picknick vorzubereiten. Denn wir wollten mit einem Uber-Car auf den Signal Hill, um den Sonnenuntergang zu sehen und einen Blick auf das illuminierte Kapstadt zu werfen. Das wäre beinahe in die Hose gegangen, da ich – trotzdem ich mich schon längst bei Uber angemeldet hatte – noch einmal ca. 200 Informationen eingeben sollte, damit der Wagen käme. Naja, es hat geklappt. Wir saßen mit vielen anderen Menschen auf dem Hügel und waren begeistert. Wir haben einen Pinotage getrunken, eine rote Traube, die es so nur hier gibt. Lecker! Dazu haben wir uns Baguette und Käse und Salami und Obst mitgenommen. Das hat interessante und interessierte Vögel angelockt. Eigentlich wundert es mich, dass es dort noch keine Paviankolonie gibt.

Mit einem weiteren Uber-Taxi sind wir dann wieder zurück in die Villa und ich schreibe und Stephan geht noch einmal um den Block, um sich umzugucken.

Morgen werden wir Luise, unseren Renault, mal bewegen und ein bisschen raus aus Kapstadt fahren. Übrigens haben wir beide trotz Creme eine veritable Gesichtsröte. Diese offenen Busse sind gefährlich!

Es war ein sehr schöner Tag!

Sänk ju vor rieding! Alles Gute! Bis denne! Gerald

Tag 3: Hop-on Hop-off, die erste

Liebe Gemeinde,

habe gestern ganz vergessen zu erzählen, dass, als wir aus der Stadt zurückkamen, das Haus unscharf geschaltet war (man erkennt das an einer Leuchte im Fenster). Gut, dass uns das aufgefallen ist, denn sonst hätten wir mit der Fernbedienung scharf geschaltet und hätten wieder den Wachdienst hier gehabt. Erklären können wir uns das nicht. C’est la what?

Heute war Hopping angesagt. Wir erstanden zwei Zweitagespremiumtickets, die zu den Fahrten auf allen Linien (insgesamt 3), einer Hafenrundfahrt und einer Führung berechtigen. Heute haben wir erst einmal die City-Linie genommen und sind zunächst die ganze Runde gefahren. Das war schon sehr informativ. Wieder am Einsteigepunkt, der V&A Waterfront, haben wir dann die Hafenrundfahrt gemacht und waren fast die einzigen Passagiere an Bord.

Der Vorteil, wenn man im Winter fährt, ist, dass Kapstadt noch nicht so überlaufen ist. Die Kopfhöreransagen stimmten aber leider nicht so wirklich mit der Route überein, so dass wir vergeblich nach dem Turm links und den Lichtern rechts Ausschau hielten. Aber wir haben Seehunde gesehen, auch nett.

Zu Mittag stärkten wir uns im Victoria & Alfred Hotel mit einer Aufschnittplatte und Bier für mich und einem Kaffee für Stephan. Ich hatte nicht gefrühstückt, daher… Als die Platte kam, dachte ich, der Kellner hätte sich verhört, denn davon wären zwei Personen satt geworden. Aber hatte er nicht. Man isst hier wirklich preiswert und gut.

Es gibt hier unten ja verschiedene Dialekte des Englischen. Unseren Lance verstehen wir ausgezeichnet, seine Großeltern kamen aus England hierher. Einen Mann, den wir nach dem Weg fragten, war wohl australischer Herkunft, das ging auch. Unser Kellner heute….. Wir haben mehrmals nachfragen müssen, so unverständlich war das für uns.

Im Anschluss schlenderten wir durch die Shopping Mall am Hafen, aber die ist eher besetzt durch hochpreisige Designerläden und nicht so rasend interessant für uns gewesen.

Auf zur zweiten Runde City-Line. Diesmal wollten wir auch offhoppen, und zwar am Bo Kaap mit den bunten Häusern, am Tafelberg wegen der Aussicht und an Camps Bay, dem hauseigenen Strand der Kapstädter. Wir liefen zwar durch das Kapmalayen-Viertel, fanden aber nicht die berühmte Szenerie aus den Reiseführern. Aber es war trotzdem ein netter Spaziergang. Zudem waren wir beide schon mehrmals da.

Am Tafelberg stiegen wir dann nicht aus, aber der Bus hielt so lange, dass wir von der Aussicht viele Fotos machen konnten.

An der Camps Bay haben wir uns für anderthalb Stunden in eines der Strandrestaurants gesetzt und haben die Leute beobachtet und kommentiert („lästern“ darf man ja nicht mehr sagen 🙂 ). Dazu gab’s einen leckeren Wein. Als wir zurück zur Bushaltestelle gingen, wurden wir von vielen Künstlern angesprochen, die ihre Werke verkaufen wollten. Stephan erstand nach wirklich guten Verhandlungen ein kleines Bild, dass eine Townshipansicht zeigt. Sehr schön ist das.

Am Hafen wieder angekommen, haben wir uns für ein paar Minuten Ruhe in die Villa begeben.

Eine lustige Info von der Busfahrt war, dass es in Clifton wohl mal einen Schwulenbadestrand gab, der ummauert war und uneinsehbar. Man hat die Mauer inzwischen wegen unzüchtiger Umtriebe abgerissen. Zuvor erreichte eine Kapstädter Zeitung ein Leserbrief einer empörten Anwohnerin, dass sie nackte Männer beobachten könne, wenn sie auf den Küchentisch steige. Das wäre ja wohl untragbar. 😀

Abends ging es – auch wegen hochgradiger Erschöpfung unsererseits (Urlaub macht schlapp) – nur um die Ecke ins „Hudsons, The Burger Joint“, wo eine nette deutschsprachige Kellnerin uns sehr leckere Burger kredenzte. Die Auswahl ist prima dort. Stephan hatte Avocado/Feta und ich Ananas/Spiegelei.

Jetzt hängen wir am Esstisch noch ein bisschen ab, und morgen früh geht es auf die zwei anderen Bustouren.

Cheerio, Euer Gerald