Ihr Lieben,
wenn einer eine Reise tut… dann sollte er sich auch informieren, ob man einen Adapter für Strom braucht. Sonst hat man später zuhause Dutzende davon liegen. Woher ich das weiß? Ach, habe ich mal irgendwo aufgeschnappt.
Das Frühstücksbuffet im Hotel war erstaunlich anständig. 67 Euro für Doppelzimmer inkl. Spa-Benutzung und Frühstück, da kann man nicht motzen. Aber Ohrstöpsel gegen Verkehrslärm braucht man! Um 8 Uhr ging es dann zum Flughafen, wo ich erst meinen Koffer aufgab und sodann einen Adapter erstand. *räusper*.





Der Flug war pünktlich, der Mittelsitz war frei, es gab keine Turbulenzen. Am Flughafen selbst irrte ich ein wenig rum, um die Bushaltestelle zu finden, die mir als erste Verbindung zur Fahrt auf das Unicampus von Dublin angezeigt wurde. Dann musste ich noch einmal umsteigen und irrte dann auf dem Campus herum, um die Rezeption des DCU Guest Rooms zu finden. Dort konnte ich meinen Koffer lassen und fuhr mit einem weiteren Bus zur ersten Stadtbesichtigung. Das Dublin City University Campus (DCU) ist nur etwa 5 Kilometer vom Zentrum entfernt, aber die Busfahrt zieht sich; es herrscht auch viel Verḱehr. In Dublin fahren Doppeldeckerbusse, da hat man denn wenigstens eine schöne Aussicht. Ach ja, die Touri-Karte von TfI fuktioniert wunderprächtig.
Ich stieg bei „The Spire“ aus, das ist im Zentrum nördlich des Liffey. Die Stahlkonstruktion sieht aus wir eine überdimensionierte Stecknadel, die auf dem Kopf steht. Sie ragt 120 Meter in den Himmel und steht an der Stelle einer von der IRA gesprengten Nelson-Säule. Das Monument erregte den Unmut vieler Dubliner. Und die haben mein vollstes Verständnis. Das Ding verschandelt tagsüber die Stadtsilhouette, aber wenigstens leuchten die obersten Meter nachts. Zu Fuß begab ich mich dann zur Connell-Brücke, als es anfing, zu regnen. Und zwar nicht zu knapp.








Es kommt ein heißer Tipp für Reisende: Wenn Du eine Regenjacke und einen Regenschirm eingepackt hast, weil Du weißt, dass es am Nachmittag in Dublin regnen soll, dann gib beides nicht bei der Hotelrezeption mit Deinem Koffer zusammen ab! Denn sonst musst Du Dir in einem Sportartikelgeschäft eine Regenjacke kaufen. Woher ich das weiß? Ach ja…
Es war ein wirklich wetterwechsliger Stadtrundgang. Mal schien die Sonne, plötzlich schüttete es, dann war wieder eitel Sonnenschein, dann nieselte es sich ein. Jacke aus, Jacke an, Jacke aus, Jacke an. Denn die berühmte Atmungsaktivität dieser Jacken ist nur eine Verschwörungstheorie! Ich lief grob zielstrebig an den beiden Kathedralen und dem Stadtschloss (das wegen Sanierung und EU-Ratspräsidentschaft bis Januar 2027 nicht zugänglich ist) vorbei, dann durch den Temple Bar-Bezirk, um am Trinity-College zu enden, von wo aus ich mit dem Bus wieder auf den Campus fuhr. Ach ja, am (alten?) Rathaus gab es eine Hochzeit. Den Bentley würde ich auch gerne mal steuern.









Die Kathedralen beherbergen beide einen Rattenschwanz von zubuchbaren Attraktionen, so dass der KI-Reiseführer empfohlen hat, einen ganzen Kathedralen-Tag einzulegen. Beide Gotteshäuser sind aber auch nur von Außen schon sehr sehenswert. Drumherum war dann auch so einiges los. Touristisch geht es gerade noch so, viele Reisegruppen, viele Führungen, viele Kegelclubs. Was ich sonst so von der Stadt gesehen habe, stimmt optimistisch. Viele superschöne, kleine Läden, Multikulti-Gastronomie (ein befreundeter Brite sagte mal zu mir, die britische Küche sei die weltweit Beste, solange kein Brite vor dem Herd stünde (und ja, ich bin in Irland und weiß es!)), entzückende Wohnhäuser, selbst einige moderne Bauten. Klar, es gibt natürlich auch Schandflecke. Ganz wichtig: die Iren sind ein freundliches Volk. Jaja, ich weiß, ich kenne nicht alle (wäre ja auch absurd!), aber die, die ich kennengelernt habe, waren sehr zuvorkommend und höflich. Und die zuvorkommenden Busfahrer fahren wie gesengte Säue.
Temple Bar heißt ein ganzer Stadtteil und nicht etwa nur die eine berühmte Bar, die auf jedem Reiseführer über Dublin prangt. Das war mir neu. Die Bar ist dennoch Touristenmagnet, daneben ein Merchandise-Shop, wo man durch den Erwerb von Kühlschrankmagneten über lustige Hüte bis zu Hoodies seine Hingebung zu dieser Institution sichtbar machen kann. Aber es gibt auch viele andere schöne Pubs in diesem Viertel. Ich ließ mich auf ein Pint Lager namens Harp im Storehouse nieder, wo es auch gute Livemusik gab. Als der Kellner mir die Rechnung reichte, fiel ich vom Barhocker, wurde zügig reanimiert und zahlte. 9 Euro und 5 Cent. Aber ich habe gestern noch die ein oder andere Attraktion gebucht und muss leider konstatieren, dass Dublin alles andere als billig ist. Auf dem Weg in die Unterkunft kaufte ich noch in einem Supermarkt ein, da habe ich auch nicht schlecht gestaunt, was so eine Packung Käse kostet. Und auch das Zeuch, das aus Trauben gemacht wird. Eine Flasche Bier war da mit 3 Euro nachgeradezu geschenkt.













Bei den DCU Rooms angekommen holte ich meinen Koffer ab, ließ mir den Weg beschreiben und bezog im Hampstead House No. 2 eins der Erdgeschosszimmer. Puh, seeeeehr spartanisch. Fühlte mich sofort an meine erste eigene Studentenbude in Bielefeld erinnert. Vielleicht schreibe ich über diese Zeit noch ein paar Sonette oder Lieder. Mögliche Titel: „Kein Damenbesuch erlaubt“, „Raindrops keep falling on my Hausarbeit“ oder auch „Dosenravioli zum Frühstück“. Jedenfalls schaue ich auf den Campusparkplatz und das Fußballfeld, wo es gerade auch heiß hergeht. Die Mathematiker unterliegen den Sozialwissenschaftlern zur Halbzeit mit 1:2, können aber im Gegensatz zu diesen errechnen, dass sie ein Drittel der Tore geschossen haben.
Der Campus ist ja nicht nur ein Tempel der Bildung (wobei er eher modern als templig daherkommt), sondern gleicht auch einer kleinen Stadt in der Stadt. Es gibt Campus-Restaurants, Campus-Supermärkte, schöne Parks, Sportstätten, ein Theater und ein Museum. Eine wirklich schöne Uni. Da fällt mir ein, ich habe ja gar nicht wirklich über das Trinity-College im Zentrum gesprochen. Ja, Ihr Lieben, das mache ich morgen, denn am Vormittag habe ich eine Trinity Trails Campus Tour gebucht, das ist eine Führung durchs College von Studierenden, wenn ich das richtig verstanden habe. Danach schaue ich mir das wohl kostbarste Buch Irlands an. Und nein, dies ist nicht von Wilde, Joyce oder Shaw. Neugierig? Na, dann schaut doch gerne morgen wieder rein.
Bis denne, Euer


P.S.: In ganz Dublin wurde zum Start des Pride Month entsprechend geflaggt. Am Ufer des Liffey, am neuen Rathaus riesig auf der Fassade, vor Pubs, in Läden, in öffenlichen Einrichtungen. Was für ein starkes Zeichen! Wenn es hier nicht so teuer wäre, würde ich sagen: Rente im Sommer in Irland, im Winter in Spanien. Dass zwei erzkatholische Länder erfolgreich (und das auch wirtschaftlich) vormachen, wie Integration und Fortschritt gehen.