Kunst, Kuchen und Keller

Ihr Lieben,

der noch nicht erfolgte Wohnungswechsel hält mich immer noch auf Trab. Am Montag letzter Woche war abends ein Umzugsfirmenvertreter bei mir, der sich angeschaut hat, was ich alles mitnehmen möchte. Und obwohl Küche (bis auf die Elektrogeräte, die an die Neffen gehen), Bett und Wohnlandschaft auf den Sperrmüll wandern, zahle ich zweieinhalb mal so viel, wie bei meinem letzten Umzug, und der war mit doppelt so vielen Plünnen. Ob ich gedenke, ein Gegenangebot einzuholen? Echt, ich habe keine Nerven mehr und beiße in den knapp 2.500 € teuren Apfel. Dann Sperrguttermine ausgemacht, dann versucht, einen Ummeldetermin bei der Stadt Köln zu bekommen… tja, Ende Mai wäre da was frei. Sachma. Geht’s noch? Dieses kleine, piefige Provinzkaff, dass sich so selbstbesoffen in Selbstüberschätzung feiert, bekommt nix, aber auch wirklich NIX auf die Kette.
Gestern war dann Luis da, der hilft mir mit seinem Freund, Dinge zu verscherbeln und hat auch beim Ausmisten des Kellers und diverser Schränke schon gut mit angepackt. Aber es werden definitiv mehr als die von mir geschätzten 50 Kartons.

Letzte Woche brauchte ich eine Verschreibung für ein Medikament, das auszugehen drohte. Da ich auch noch auf eine Rechnung wartete und Untersuchungsergebnisse abholen sollte, fuhr ich in die Praxis. „Der Herr Doktor ist in Urlaub, eigentlich müssten Sie zum Vertretungsarzt, aber ich will mal nicht so sein. Außerdem sind Sie ab 1. April nicht mehr unser Patient, der Herr Doktor nimmt ab da nur noch Privatpatiententermine wahr!“ WHAT??? Ich habe mir sofort einmal alles an Pillen aufschreiben lassen, was mir einfiel. Was ich denn nun tun solle? Wisse man auch nicht. Nach mindestens 25 Jahren kann ich jetzt von vorne starten. Ich sollte wegen meiner multiplen Erkrankungen in eine Kur, das war alles in Vorbereitung. Ich bin wie vor den Kopf gestoßen. Streicht das „wie“. So einen Mist kann ich gerade nicht wirklich gebrauchen.

Die KVB haben mal wieder gestreikt (man merkt den Unterschied zum Regelbetrieb aber kaum), da war ich froh, dass ich Benjiro hatte. Es kümmert mich nicht mehr. Ich würde gerne ein Fahnenträger der Verkehrswende sein, aber da ist ja keine in Sicht. Und unsere Regierungen auf allen Bundes-, Landes- und Kommunal-Ebenen sind so zugelobbyt, dass ich die in 300 Jahren nicht sehe. Aber auch mit Auto sieht man, was für ein Wrack unser Land geworden ist. Schlaglöcher ohne Ende, unbesetzte Baustellen, defekte Verkehrssteuerungen… Erwähnte ich, dass Benjiros rechter Außenspiegelblinker seine Abdeckung verloren hatte? Ich habe das Ersatzteil im Internet bestellt, eine YouTube-Video zur Montage angeguckt und tatsächlich alleine geschafft, es einzubauen. Das Ersatzteil, nicht das Video. Mannmannmann! (Ja, ich schaue gerade mal wieder „Mord mit Aussicht“). Dann bemerkte ich, dass der Blinker an sich aber auch defekt war. Grmpft. Aber ist ja wohl keinesfalls TÜV-relevant, so ein Außenspiegelblinker, oder?

Mit Ruth war ich schon vor zwei oder drei Wochen fürs Museum verabredet. Da kam auch ein KVB-Streik dazwischen und ich hatte Benjiro noch nicht. Wir holten den Termin dann letzten Donnerstag nach. Sebastiao Salgados AMAZONIA im Rautenstrauch-Joest-Museum. Als Kölner kommt man ja am ersten Donnerstag im Monat immer für umme in die Kölner Museen. Dementsprechend voll war es. Ruth als Auswärtige, die einen ganz schönen Happen Geld für den Eintritt blechen musste, durfte dann auch kommentieren, dass der eher träge Kölner immer ganz schön flink ist, wenn es etwas umsonst gibt.

Die Ausstellung war sehr schön aufgemacht. Salgado ist ein unglaublich guter Fotograf! Wir beide waren uns aber einig, dass Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Regenwaldes nur bedingt etwas für uns transportieren, während die Portraits und Gruppenfotos in s/w eine unfassbare Begreifbarkeit ausstrahlten. Dazu Videodokumentationen, Reliefs für Sehbehinderte, Musik und eine Dokumentationsecke über die Regenwaldstiftung der Salgados. Wirklich, wirklich sehenswert. Leider nur noch bis 15. März, Ihr müsstet Euch sputen.

Ich habe bestimmt schon einmal über „Toogoodtogo“ berichtet, die App, in der vor allem Lebensmittelhändler ablaufende oder nicht mehr verkaufbare Ware zu einem i.d.R. Drittel des Preises anbieten. Ich hole mir öfter solche Tüten. Und da am Tag des Museumbesuches eine Konditortüte fällig war, aßen wir dort auch zusammen zu Abend. Strammer Max für 18 Euro. Ich meine, wie reden von einem belegten Brot mit Kartoffelsalat. Aber sehr lecker! Habe übrigens vorhin bei einem anderen Konditor wieder eine Tüte Kuchen abgeholt. Habe jetzt drei Stücke Schokotorte; da Mittwoch aber Luis wieder kommt, teile ich das natürlich mit ihm. So jedenfalls die Planung, *räusper*.

Freitag war ich dann bei meiner Gattin, der lieben Elke. Es gab einen leckeren Nudelauflauf und natürlich wieder Selfies mit Nora. Da wir immer ein Gläschen Sekt trinken und ich eine Null-Alkohol-am-Steuer-Politik bevorzuge, fuhr ich mit der DB. Den Rückweg musste ich mir mit Umwegen zusammenbasteln, es war wieder chaotisch ohne Ende. Erinnert Ihr Euch noch an die Odyssee mit Longerich letztes Jahr? Wäre heute wieder so weit gewesen. Hat dann aber mit Umwegen ganz gut geklappt. Elke sehe ich schon am Donnerstag wieder, aber ich verrate nicht, wie alt sie wird.

Auf der Arbeit kann ich mich über Langeweile nicht beklagen. Naja, wird ja jeder behaupten, der seinen Job behalten möchte. Aber ich muss mal über das Phänomen Sitzung berichten: das ist ein Konstrukt, das mir zusehends auf die Nerven geht. Alles ist eigentlich nach 10 Minuten gesagt worden, aber noch nicht von jedem und in aller Ausführlichkeit, was die Sitzung immer zu einem stundenlangen Ereignis aufplustert. Ich plane daher eine Eingabe, Sitzungen zu verbieten. Mal sehen, mit den Rasern war ich ja nicht ganz erfolglos. Am Montag habe ich auch auf dem Dach eine Handwerkertruppe begleitet. Da war das Wetter so schön, da musste ich mich mal mit dem Dom…

Ihr Lieben, lange habe ich überlegt, ob ich diese schreckliche Nachricht in einen „Schnipsel“ packe, denn es ist ganz und gar nicht nur ein Schnipsel. Aber da Ike in meinem Blog ab und zu vorkam, sollte ich auch hier berichten, dass sie im Alter von 61 Jahren zu unserer aller Bestürzung den Kampf gegen den Krebs verloren hat und letzten Mittwoch verstarb. Wir kannten uns etwa 30 Jahre, waren in unzähligen Urlauben zusammen (Portugal, Türkei, Südafrika, Schottland usw.) und haben so einigen Blödsinn, aber auch ernste Sachen erlebt. Sie war eine lebenslustige, witzige, warmherzige Freundin, und am Ende eine tapfere Person, die eine schmerzliche Lücke hinterlässt. Ich weiß, sie ist jetzt an einem besseren Ort.

Alles Gute Euch, Euer

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