Dublin, Tag 7: Es grünt so grün, wenn Dublins Blüten blüh’n

Ihr Lieben,

heute wird es wieder eher kurz und knackig, habe ich doch a) bis in die Puppen geschlafen und b) auch einen Verlust an Wanderlust zu beklagen. Ich beschränkte meine Aktivitäten daher auf Ziele in der Umgebung der DCU. Ca. fünf Busstationen von hier entfernt befindet sich der Botanische Garten, den steuerte ich als erstes an. Auf dem großen Gelände, zu dem der Zutritt frei ist, befinden sich viele schne Gewächshäuser im viktorianischen Stil, die jeweils ein bestimmtes Thema abdecken: Nutzpflanzen, Kakteen, Kräuter etc. Das größte ist dem Ur- bzw. Regenwald gewidmet, mit Palmen und Stauden von beachtlicher Größe. Da herrscht auch ein Urwaldklima drin vor, bisschen wie eine heruntergeregelte Sauna. In einem Gewächshaus fand ich eine Pachira Aquatica, die mehrere Meter maß. Ich musste ja leider eine von meinen beiden entsorgen, da sie einen Schädlingsbefall hatte, den ich nicht in den Griff bekam.

Außerhalb der Gewächshäuser gibt es themenbezogene Gebiete, so einen sehr schönen Rosengarten oder auch einen See für Wassergewächse. Reiher stolzierten an dessem Ufer herum. Auch sonst viel Fauna vertreten. Hummeln summten, Rotkehlchen zwitscherten, Spinnen sponnen ihr Gespinst. Neben dem See gibt es Bachläufe, die malerisch Plätschern. Viele bringen sich eine Decke mit und picknicken oder erholen sich einfach nur. Kann ich verstehen, es ist eine Oase.

Direkt neben dem botanischen Garten liegt die Stadt der Toten. Ein riesiger Friedhof, auf dem auch Prominenz zu finden ist. So jedenfalls eine Info-Tafel am Eingang. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich kaum jemanden davon kenne. Man hat mir erzählt, dass die Zahl der Toten dort die Zahl der lebenden Einwohner Dublins bei weitem übersteigt. Kann hinhauen. Es gibt eine nicht zu übersehende Zahl von Grabsteinen, Mausoleen und Stelen. Von klein-klein hält man hier auch wenig. Wenn der Steinmetz sich von Deinem Auftrag kein Wochenendhäuschen kaufen kann, hast Du gegeizt. So ist das nämlich!

Es gibt natürlich auch Gedenkstätten, z.B. für Revolutionäre. Überragt wird der Friedhof vom O’Connell-Turm. Als ich dort ankam tobte sich da gerade eine Schulklasse aus. Leider wurde dann der Zugang vor meiner Nase abgesperrt. Ich möge mich in das Besucherzentrum begeben. Dort erfuhr ich, dass man den Turm erst kaufen muss, bevor man ihn besteigen kann. Zumindest ließ der Eintrittspreis keinen anderen Schluss zu. Man soll von oben aus einen schönen Blick über Dublin haben. Naja, es war sowieso wieder bedeckt und ich war durch einen heftigen Schauer ohnehin bisserl durchgeweicht (ich hatte den Fehler gemacht, mich auf die Vorhersage zu verlassen und die dünne Jacke angezogen).

Ich setzte mich in einen Bus Richtung Innenstadt, als mich wirklich urplötzlich Unlust überfiel. Ich hatte offenbar den Punkt der Reizüberflutung erreicht. Ich steg aus und fuhr für ein Schläfchen in meine Bleibe zurück, mit dem Vorsatz, dann später noch einmal in die Stadt zu fahren. Allein, daraus wurde dann nix.

Auf dem Campus guckte ich mir nur noch den Souvenirshop an, aß einen Obstsalat (sic!) aus dem Campus-Supermarkt (übrigens ist der hier deutlich billiger als bei uns) und kaufte mir Paninis mit Huhn für den Abend.

Morgen früh um 11 Uhr irgendwas geht der Flieger, da werde ich nichts großartiges vorher mehr unternehmen. Aber der traditionelle Epilog wird morgen natürlich trotzdem noch geschrieben werden.

Liebe Grüße, Euer gerade etwas erschöpfter

Wenigstens war die Sonne zur Stippvisite da.

P.S.: Wittgenstein hat während seiner Dubliner Zeit oft im Botanischen gesessen. Wollte ich noch erwähnt haben.

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