Dublin, Tag 5: Cliffs of Moher und Galway

A fellow from Cologne sought the sun,
Said, "Dublin's wet weather's no fun!"
He reached Galway Bay,
And discovered that day
The rain there was second to none.

Ihr Lieben,

wenn man früh einschlafen soll, klappt es immer dann ausgerechnet nicht, das ist ja altbekannt! Der Wecker war auf 5 Uhr morgens programmiert, ich hatte am Vorabend schon geduscht und alles zurechtgelegt (Miederwaren, Strapse, Karohemd, Pollunder, Fliege, Knickerbockers) und dann ist man einfach nicht bettschwer! So ein Mist! Gegen 1 Uhr machte ich erst die Knöpfe zu. Vier Stunden. Entsprechend gerädert schleppte ich mich unbefrühstückt (!) durch strömenden Regen zur Bushaltestelle. So mitten in der Nacht braucht der Bus tatsächlich nur etwas über eine Viertelstunde bis in die Stadt.

Am vereinbarten Treffpunkt standen dann zwei riesige Busse, in denen die Sitze nach einem komplizierten mathematischen Verfahren vergeben wurden, damit alle Gruppen irgendwie zusammen sitzen konnten. Zwei weitere identische Busse fuhren nach Belfast, was zu zusätzlicher Verwirrung beitrug.

Nach anderthalb Stunden gab es die erste Pinkelpause bei Portlaoise (Aussprache Port-liesch). Im strömenden Regen. Ich war vom morgendlichen Spaziergang noch nicht getrocknet. Da beschloss ich, 5 Minuten vor Ende der Frist, die Fahrt nach Kilkenny für Morgen zu stornieren. I am tired of the rain! Dann lieber in Dublin dumm rumsitzen oder Museum No. 10 besuchen. Und wenn es wider Erwarten doch schön ist, auch gut.

Die Cliffs of Moher, unser erstes Ausflugsziel, sind beeindruckend. Das fanden dann auch 300.000 andere Touristen, die sich wie ein sehr dicker Lindwurm die Klippen hochwanden. Das bei Nieselregen und orkanartigen Böen. Die Regentropfen treffen einen dann wie Nadelstiche. Hier half nur Komplettvermummung und laufen im 45°-Winkel, um sich gegen den Wind zu stemmen. Aber schön ist es da! Als wir ankamen, waren schon Teile des Südtrails gesperrt. Als ich vom Nordtrail zurückkam, wurde auch die Turmplattform aus Sicherheitsgründen gesperrt. Da war ich dann gottseidank schon gewesen. Jedes Jahr sterben an den Cliffs Menschen, die sich überschätzen und die die Absperrungen ignorieren. Wildes Irland, ich flüstere es Euch. Hübsch, wenn auch kurz, ist ein 4D-Filmchen im Visitor’s Centre. Mit Wind- und Regen-Simulation. Hahaha. Ansonsten gibt es noch komplett überlaufene Cafés und einen völlig überteuerten Souvenirshop.

Weiter ging es die Küstenstraße am Atlantik entlang nach Galway. Leider saß ich auf der Landseite des Busses. Aber dennoch war die Fahrt traumhaft schön. Das Meer, Burgen, Cottages, Menhire, Felsformationen, Seen… und Grün, Grün, Grün! Gottes gut gewässerter, grüner Garten, gelle? Aufnahmen aus fahrenden Bussen sind ja nie wirklich ansprechend, aber ich habe mal ein paar „Unterwegs-Aufnahmen“ für Euch (der blaue Himmel dann auf der Heimfahrt):

Teilweise sind die ohnehin sehr engen Straßen durch handaufgeschichtete Steinmauern begrenzt, eine kleine Herausforderung für unseren Busfahrer, eine große Herausforderung für die von Touristen gesteuerten PKWs. Manchmal ging es auch sehr kurvig zu. Empfindliche Leser*innen bitte zum nächsten Absatz springen… so kurvig, dass die Dame vor mir sich übergeben musste. Ohne Beutel oder ähnlichem Hilfsmittel zur Hand. Das war ihr den ganzen Rest der Reise unglaublich peinlich, aber wir beruhigten sie, sie solle sich deswegen keine Sorgen machen. Naja, um ehrlich zu sein, schön war es selbstverständlich auch nicht!

Unser Reiseleiter hieß Caolán, was man Käilahn ausspricht. Sehr netter und attraktiver Mann, Historiker und angehender Archäologe; allerdings redete er sehr schnell, sehr viel und ohne Punkt und Komma. Aber da er Gedichte vortrug, Lieder sang, Witze erzählte (über die er selbst am lautesten lachte), war es abwechslungsreich. Und Wissenswertes erfuhren wir allenthalben. Auf der Rückreise gönnte er allen eine Hörpause, lief aber durch den Bus und unterhielt sich hier und da, von mir wollte er einiges über Deutschland wissen, er war bisher nur in Berlin. Ich habe ihn nach Hamburg geschickt, da macht man ja nie etwas mit falsch.

Waschechter Ire in der hundertsten Generation ist unser Caolàn, sein Urgroßvater war bei den 1916-Aufständen dabei und ist zum Tode verurteilt worden. Wenn Ihr jetzt glaubt, er sei rothaarig und hätte ganz viele Sommersprossen, irrt Ihr Euch aber. Den Klischee-Iren habe ich in 5 Tagen vielleicht dreimal erblickt. Ich denke, man kann sagen, jeder rotbärtige Leprechaun ist Ire, aber nicht jeder Ire ist rotbärtig.

Aber ich habe ja Galway übersprungen: Hier hatten wir, wie auch an den Klippen, 2 Stunden Freizeit. Caolán bot eine kleine Stadtführung an, die ich gerne mitgemacht hätte, aber ich war so vertieft darin, mir den Busstandort auf Google Maps zu markieren, dass ich den Abmarsch verpasst hatte. Blöd. So erkundete ich Galway auf eigene Faust. Ich fand die Kathedrale, die Nikolauskirche, die Shop Street, ich lief am Corib entlang, bestaunte die Galwaygirl-Statue sowie das Doppelmonument von Oscar Wilde und Eduard Vilde, Ruth, jetzt bitte zum nächsten Abschnitt springen…, und kaufte einem Straßenmaler ein paar kleine Bilder ab. Sehr kleine! Ein Kanadier mit deutsch-italienischen Wurzeln in Irland. „Was kostet denn dieses hier?“ – „Ach, gib, was Du willst!“. Ihr wisst, darauf stehe ich ja nun gar nicht. „Äh… soundsoviel für die drei?“ – „Ja prima, dann gebe ich Dir die anderen aus der Serie noch obendrauf.“.

Die oben erwähnte Statuen-Bank von Wilde und Vilde steht exakt so auch in Tartu; auf der saß ich 2019 einmal. Die Replik war ein Geschenk von Lettland an Irland. Ihr müsst jetzt raten, von wann bzw. wo welches Foto ist.

Galway ist insgesamt ein hübsches Städtchen, die Mitreisenden berichteten von exzellentem Essen (dabei haben alle vom Einstieg an ununterbrochen im Bus gefressen, ein internationales Phänomen), ich fand viele nette Lädchen. Außerdem kam ENDLICH mal die Sonne raus.

Die Fahrt zurück nach Dublin verlief ereignislos, es gab einen kurzen Stopp in Kinnegad, wo ich ein Bier kaufen wollte. Das interessante Konzept des Tankstellensupermarktes  war leider, zwar Wein zu verkaufen, aber kein Bier. Hm. Trinkgeldgeber bekamen noch zum Dank eine alte irische Münze (als Glücksbringer) und dann trollten sich alle. Ich war so blöd, mir noch ein kaltes Bier für die Unterkunft zu organisieren, so sah ich drei (!) Bussen zum DCU hinterher und der nächste kam erst 12 Minuten später. Als es soweit war, drängelten sich 1.592 Menschen zu den bereits dort befindlichen hinein und wir fuhren 25 Minuten länger als heute Morgen. Ich hatte KVB-Vives. Lieber Magistrat, liebes Bürgermeisteramt von Dublin! Wie auch immer Ihr Euch nennt: IHRBRAUCHTEINEMETRO!

Caolán fand es schade, dass ich die Kilkenny-Tour beim gleichen Unternehmen abgesagt hatte. Ob ich denn die Natur auch so möge wie er? Ja, natürlich, schmachtete ich zurück. Ja, und jetzt muss ich an einem der nächsten Tag nach Howth oder so ähnlich fahren. Oder einen ganzen Tag im Phönix-Park verbringen. Seine beiden Lieblingsspots bei Dublin.

Ihr Lieben, ich schlafe morgen erstmal lange aus und werde mir keine Pläne zurechtlegen. Wettervorhersagen für hier sind unberechenbar. Ich schlage vor, wir treffen uns nach dem Frühstück und erleben spontan etwas. Okay? Liebe Grüße, Euer inzwischen trockener*

*) regentechnisch

Wie sieht es auf dem Olymp 2026 eigentlich aus? Patrick Loewen hat sich Gedanken gemacht:

P.S.: Ich bin bisserl erschlagen. Rechtschreibkorrekturen bitte per PN. 🙂

P.P.S.: Wir sind heute an Limerick vorbei gefahren. Daher als Einleitung ein kleiner Limerick 🙂

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