Port Klang mag zwar schön klingen, aber man legt dort an, um ins gefühlt 1000 Kilometer entfernte Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, zu fahren. Dennoch fragte die Stimme des Schiffes bei ihrer Abendansage ernsthaft, ob wir in Port Klang einen schönen Tag verbracht hätten.
Meine Vermutung von gestern, dass wir nur einen weiteren Mitreisenden bei unserem Ausflug nach Kuala Lumpur zu ertragen hätten, erwies sich als Denkfehler. Es waren nämlich mehr als ein Bus in „kleiner Besetzung“ unterwegs. So waren wir zu neun Personen und mehr hätten aus meiner Sicht auch nicht in den Bus gedurft, auch wenn noch drei Plätze frei geblieben waren. Denn die Sitze sind eher für Hobbits ausgelegt und für Hagrids wie mich ungeeignet. Jaja, ich weiß, dass die auf verschiedenen Hochzeiten tanzen! Ich brauchte halt zwei Plätze!
Es war eine gute Entscheidung, die kleine Runde zu buchen, man kommt einfach schneller voran, es muss nicht dauernd jemand aufs Klo, es werden nicht so viele depperte Fragen gestellt und alles lässt sich viel schneller kommunizieren. Unsere Reiseleiterin Pyu-chin und Ihre Kollegin Zetti betreuten die kleine Gruppe. Nach etwa einer Stunde Fahrt, auf der uns viel über Malaysia, dessen Geschichte und dergleichen erzählt wurde (das meiste kannten wir ja schon) erreichten wir unser erstes Ziel, den neuen Königspalast. Dort hielten wir uns aber nur 10 Minuten für Fotos auf. Selbst wenn wir geklingelt hätten, wären wir wohl auch nicht zu einem Tee geladen worden.
Eine der Hauptattraktionen dieser Tour war unser nächster Anlaufpunkt: die Batu-Höhlen mit ihren vielen hinduistischen Tempeln drumherum und innendrin, der turmhohen Statue des Gottes Murugan und der berüchtigten Treppe mit 272 Stufen, die in eine imposante Höhle führt. Man kann nicht beschreiben, was da für ein Gewusel war. Touristen, Gläubige, Affen, Priester, Tempelgehilfen, Musikanten, Souvenir-, Lebensmittel-, Opfergaben- und Devotionalienhändler. Die Musiker machten auf dem Vorplatz und im Haupttempel viel Krach, alles ist – wie in hinduistischen Tempeln üblich – seeehr, seeehr bunt, die Priester sammelten Opfergaben, die Gläubigen führten Rituale auf und ich… ja ich staunte einfach nur.
Die 272 Stufen haben mich fast geschafft, ich war klatschnass geschwitzt. Die Temperaturen heute waren deutlich über 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit lag bei über 90%. Aber es hat sich gelohnt. Hier noch ein paar mehr Impressionen:
Von den Höhlen aus fuhren wir zu den Petronas-Towers, den berühmten Zwillingstürmen, die einmal das höchste Gebäude der Welt darstellten. Die Tickets für die Fahrt auf die Aussichtsplattformen waren schon lange ausverkauft, dennoch ist es imposant, davorzustehen, durch den Park dahinter zu flanieren und die Einkaufsmeile zwischen den Türmen zu besuchen. Ich erlief mir ein bisschen die Gegend und kaufte mir in einem Supermarkt eine gestückelte Mango für einen Spottpreis, denn jeder war angehalten, für sein Mittagessen selbst zu sorgen, und besuchte den Weihnachtsmarkt im Untergeschoss. Nebenbei, in Malaysia gibt es kaum Christen. Weihnachten ist irgendwie deren Halloween!
Von den Türmen aus fuhren wir zum Freiheitsplatz, wo wir wieder ein wenig über die Architektur und die Geschichte lernten. Kirchen im Tudorstil, langgezogene Gebäude im Mogul-Stil, natürlich die ganze Moderne dazwischen. Am Zusammenfluss der beiden Flüsse Klang und Gombak (früher Lumpur) sowie der Altstadt von Chinatown vorbei und über den Petaling-Street-Market spazierte unsere Gruppe zum Zentralmarkt, wo wir eine Stunde Freizeit hatten.
Auf dieser Route besuchten wir noch einen daoistischen Tempel, wo ich Opfergaben erstand, um eine gute Weiterreise zu erbitten. Kann ja nicht schaden.
Eine Mitreisende hatte sich in der Petronas-Mall eine originale Prada-Tasche gekauft. Ich möchte nicht wissen, was die gekostet hat. In der Petaling-Straße gibt es die auf jeden Fall preiswerter. Man muss nur darauf achten, dass die nicht etwa „Parda“ oder „Pradda“ heißt, denn damit kann man daheim nicht punkten.
Uns war in Zentralmarkt nicht nach Shopping, so ließen wir uns in einem Food Market nieder, als wir um die Ecke eine Bierbar entdeckten. Yeah! Tiger Beer musste her! Und Eistee, aber das nur am Rande. Die Bedienung war über die Störung offensichtlich gar nicht begeistert, was uns aber nur geringfügig belastete. Wir sind Hunnen, wir dürfen das.
Um 16:30 Uhr standen wir am vereinbarten Treffpunkt zur Abholung und fuhren an vielen Sehenswürdigkeiten zum Schiff zurück. Wieder lernten wir einiges, z. B. über das Brickfield-Viertel, die Nationalmoschee, die Sprache. Und wir (bis auf einen, wer mag das gewesen sein?) sangen auf Bitte von Pyu-chin deutsche Schlager. PUH! Wir waren uns trotzdem einig, dass wir sehr viel Glück mit unseren Reiseleiterinnen und dem Fahrer Vikra hatten!
Wir haben wohl insgesamt auch sehr viel Glück mit dem Verkehr gehabt, da die Transferzeiten vom Hafen in die Hauptstadt deutlich kürzer als ausgewiesen ausfielen. Was vielleicht auch den Tatsachen geschuldet war, dass Sonntag war und dass wir einen wendigen Kleinbus mit einem furchtlosen Fahrer hatten, denn ich traf abends ein Pärchen, dass den identischen Ausflug mit dem großen Bus gemacht hatte, die waren deutlich länger unterwegs und hatten auch weniger Freizeit an den Höhlen und auf den Märkten. Sie waren aber nicht nur deswegen aufgebracht, sondern auch, weil sie des Restaurants verwiesen wurden, da sie Zehensandalen trugen. Prinzipiell finde ich es ja okay, dass auf Etikette geachtet wird, aber Kleiderordnung interessiert die meisten Verantwortlichen hier doch überhaupt nicht. Wir sahen selbst einige unappetitliche Füße im Speisesaal, bei denen diese Regelung keine Anwendung fand. Lag es daran, dass es sich um einer eher schrilles, homosexuelles Pärchen handelte? Ich hoffe nicht.
An dem Abend stimmte ohnehin so einiges nicht im Restaurant. Unser heutiger Tischkellner war dermaßen schlecht gelaunt, so ein unprofessionelles Auftreten habe ich selten erlebt. Weder ich noch meine Begleiter hatten bisher mit ihm zu tun. Mein immer sehr gut gelaunter Kabinenservice hat mir am frühen Abend erzählt, dass er heute von Bord gehen wollte, man es ihm aber quasi verweigert habe, er müsse bis Singapur an Bord bleiben. Er war traurig, aber nahm es dennoch halbwegs gefasst; er sei froh, dass er so dann von seinen Kabinenpassagieren noch Abschied nehmen könne, da wir gemeinsam von Bord gingen. Traf diese Entscheidung auch andere? Insgesamt ist die Stimmung beim Personal furchtbar. Wenn man aber mitbekommt, wie hier hierarchisch ausgetretene Pfade aus 2000 Jahren Marinegeschichte immer tiefer getreten werden, verwundert einen das eigentlich nicht wirklich.
Nach dem Essen, bei dem nur drei von uns zusammensaßen, trafen sich alle noch in der Galeriebar, da wir den Tag für morgen ein wenig strukturieren wollten. Ich hoffe, es klappt alles so, wie wir uns das vorstellen. Wenn ja, dann geht es u.a. hoch hinaus. Allen eine gute Nacht, oder einen guten Tag oder einen guten Morgen, ich blicke bei der Zeitverschiebung nicht mehr durch 🙂
Liebe Grüße, Euer Gerry
Damit ich nicht verloren ging, wurde ich markiert.
heute liefen wir im Hafen von Georgetown ein, der Haupstadt des Bundesstaates Penang. Auch die Stadt selbst wird oft Penang genannt. Ich musste kurz nach Anlandung von Bord, um rechtzeitig zu meinem historischen Stadtrundgang aufzuschlagen. Also, mindestens beim Frühstück spart TUI schwer an mir. Wobei ich das ja abends an den Bars wieder ausgleiche 🙂
Unsere Reiseleiterin hieß Loh und sie ist eine chinesischstämmige, malaiische Buddhistin, die ihr Deutsch auf einer saarländischen Schule gelernt hatte. Warum ich das erwähne? Penang ist ein Schmelztiegel der Kulturen, Religionen, Weltanschauungen und Sprachen. Ein kunterbunter, aber wohl dennoch friedlicher Bevölkerungs-Mischmasch.
Unsere Tour startete am Hafen, wo wir das alte Fort von Außen besichtigten und dort auch einiges über die Geschichte Penangs erfuhren. Am Stadtverwaltungsgebäude vorbei, vor dem alles für ein großes Fest vorbereitet wurde, führte unser Weg uns weiter zur Kirche St. George, die eigentlich noch verschlossen war, aber ein auf dem Gelände tätiger Mitarbeiter ließ aufschließen. Die Kirche war jetzt nicht spektakulär von innen, aber ich fand diese Geste sehr nett.
An dieser Kirche beginnt die Straße der Harmonie, die wegen der Vielfalt unterschiedlicher Religionsstätten so heißt. Wir besuchten einen daoistischen Tempel, kurz darauf einen hinduistischen, um dann wieder vor einem buddhistischen Tempel zu stehen.
Dazwischen viel Kolonialarchitektur in mehr oder weniger gutem Erhaltungszustand, viele Läden, Garküchen, Cafés und Saftbuden.
Wir liefen durch einen unscheinbaren Torbogen und standen unversehens auf dem Gelände des Leong San Thong Khoo Kongsi, einem der größten chinesischen Klans in Penang. Die Geschichte, die Funktion und den Aufbau dieser Klans zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Grob aber bestimmt der Klanvorstand die Geschicke aller verwandschaftlich Verbundener der jeweiligen Familie, deren Ursprünge dutzende Generationen zurückgehen kann. Manche Klans umfassen mehrere zehntausende Mitglieder. Es gibt Ahnenschreine, Versammlungsstätten, Museen, Wohnstätten, religiöse Orte. Alles zeugt von immensem Reichtum, was sich an dem Prunk der Schnitzerein, den Steinmetzarbeiten und an der Innendekoration gut ablesen lässt. Daher ist das Clangelände auch durch Security gesichert. Sehr interessant! Ach, nur, um mal wieder zu lästern: An diesem Punkt gab es den dritten Toilettenstopp auf der Route.
Wir pausierten an zwei Garküchen, wo Loh uns Proben der dortigen Spezialitäten erstand, auf die ich vorsichthalber verzichtete, da eine in Fett ausgebacken und die andere an einem sehr unaufgeräumten Tisch mit sehr unaufgeräumten Händen zubereitet wurde.
Rund um die Ecke befindet sich die Armenische Straße. Neben den Malaien, den Engländern, den Indern und Chinesen bildeten auch sie eine große Händlergruppe im frühen Penang. Diese Straße ist nun das touristische Zentrum der Stadt und ist – neben den ganzen Shops – insbesondere wegen ihrer Wandmalereien bzw. Street Art berühmt. Einige dieser Malereien funktionieren nur mit einem dreidimensionalen Gegenstand davor: das berühmteste Kunstwerk ist ein echtes Fahrrad, das vor einer Wandmalerei lehnt, die fahradfahrende Kinder darstellt. Nähme man das Fahrrad weg, würden die Kinder sinnbefreit in der Luft schweben.
Das war das Ende unseres Rundganges und Loh erklärte, wie man zum Schiff zurückkäme, bot aber an, gerne noch mit ihr in ein Teehaus zu gehen. Das wäre bestimmt sehr interessant gewesen, aber ich war voller Erkundungsdrang. Ich lief erst einmal ziellos durch die Gegend, fand und besuchte weitere Gotteshäuser, Klanhäuser und natürlich auch den ein oder anderen Laden.
Als mir die Sonne zu sehr auf die Birne brannte, setzte ich mich in den Schatten der Markise eines Cafés und orderte Wasser und einen Tee. In der Nacht hatte ich nämlich vergessen, die Klimaanlage auf der Kabine auszuschalten und wachte heute Morgen mit Halsschmerzen auf. Und Tee ist ja gut für solche Malaisen. Nein, Malaisen haben nichts mit Malaien zu tun. Der Tee war wirklich gut. Irgendwie aufgeschäumt und schon gesüßt und seeehr lecker!
Dennoch war mir danach, eine Apotheke zu suchen, um die Halsschmerzen quasi im Keim zu ersticken. Ich fragte hier und wurde nach dort geschickt, ich fragte dort und wurde woanders hingeschickt. Im Woanders fragte ich erneut und lief wieder ins Leere. Entweder bin ich zu dumm, oder aber man möchte nicht unhöflich sein und erklärt einfach irgendetwas, auch wenn es nicht stimmt.
Aber immerhin ist man so auch einmal ein bisschen rumgekommen. Durch Little India zum Beispiel, wo man schlagartig in einer anderen Welt ist. Überall ist Bollywood. Zumindest musikalisch. Die Klamottenläden reizten mich wirklich, mir indische Anziehsachen zu kaufen, aber ein Seidenhemd in 3XL hier passt bei uns einer 1 Meter 50 großen Kontorsionistin.
Ich muss zugeben, dass mir Georgetown total gut gefällt! Es ist eins der Highlights dieser Reise. Und ich kenne nur die Altstadt. Die anderen Mitglieder „meines“ MeinSchiff5-Klans waren im Kek Lok Si-Tempel, das muss der Hammer gewesen sein.
Irgendwann war ich kurz vor gar am Hirn und meine zierlichen Ballettfüßchen schmerzten. Ich begab mich zum Schiff zurück, wo ich dann ausgiebig Nachmittagsfrühstück zu mir nehmen wollte. Kurz auf die Kabine, nur gaaanz kurz aufs Bett… Ihr ahnt es.
Kurz vorm Auslaufen traf ich mich mit den anderen auf Deck, um die Abfahrt des Schiffes mitzuerleben. Anschließend gingen wir geschlossen zur Landgangsabteilung, um unsere Ausflüge anzupassen. Wir wollten ja alle unsere gebuchten Ausflüge für den ersten Tag Port Klang stornieren und gemeinsam einen anderen buchen. Port Klang ist der Hafen, von dem aus man nach anderthalb Stunden Fahrt die Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur, erreicht. Ich hatte fest damit gerechnet, dass es wieder Probleme geben würde, insbesondere da – während wir in der Warteschlange standen – ein wütender Mann mit den Worten „Dann habt Ihr halt einen Kunden verloren!“ an uns vorbeihastete.
Jeder berief sich auf die unzuverlässige App, eine Stornierung aus diesem Grunde wurde aber in der Regel abgelehnt. Umso schöner, dass bei uns alles gut lief. OK, der Ausflug ist um einiges teurer als die stornierten und es gab bisher erst eine Anmeldung dafür. Dieser Person haben wir ihren Traum von einem Privatausflug jetzt natürlich gründlich zunichte gemacht. Der/die Arme tut mir jetzt schon leid.
Am Abend hatte der Clan über das Genusspaket das Schmankerl gebucht, ich schloss mich als Selbstzahler an. Es lief ein bisschen chaotisch mit den Bestellungen und wir warteten auch viel zu lange auf die Getränke. Irgendwann spielte es sich dann aber ein und man hat mir auch einen teureren Drink erlassen, so dass meine Rechnung erfreulich moderat war. Und das Essen war insgesamt auch wieder gut. Erstaunlich ist – aber das gilt für das gesamte Schiff – die üppige Verwendung von Salz. Es ist nie völlig drüber, aber ich kenne Personen, die so salzig nicht essen wollen würden.
Inzwischen beschäftigt alle, wie man in Singapur an Land kommen kann. Täglich gibt es neue Formulare und Informationen, was man alles zu tun habe, eine Einreise scheint nicht einfach zu sein. Aber erst mal noch zwei weitere Tage Malaysia. Morgen geht der Bus um 8:30 Uhr und wir werden neuneinhalb Stunden unterwegs sein. PUH! Aber das wird bestimmt toll, denn wir fahren unter anderem zum berühmten… Ach was, das erzähle ich Euch morgen.
ich bin mitten im Monsun! Ich bin auf alle erdenklich möglichen Weisen nass geworden: durch Starkregen, durch Salzwasserwellen und Schwei…. gen wir darüber. Ich nehme die Aussage einer Mitausflüglerin vorweg und komme dann zum Geschehen des Tages. Es sei ja alles okay, aber bei schönem Wetter wäre es ja tausendmal schöner gewesen. Wir kommen darauf zurück.
Heute wieder kein Frühstück, mir stand schließlich ein 8-Stunden-Ausflug bevor. Die Anlegezeit war auf 9 Uhr terminiert, wir waren auch pünktlich, und von meinem Balkon aus hatte ich einen wunder-, wunder-, wundervollen Ausblick auf eine Ansicht, die ich nur aus Filmen kenne. Ha Long Bucht oder südchinesisches Meer. Inseln über Inseln, Wasser, Klippen. Alles diesig und wolkenverhangen, dadurch gerade etwas mystischer.
Der Bus zu meinem Ausflug sollte um 9 Uhr 30 vom etwa einen Kilometer weit entfernten Busparkplatz starten. Entsprechend war ich um kurz nach 9 Uhr auf Deck 2, wo sich in der Regel der Ausstieg zum Land finden lässt. Es war die Dubai-Mall! Die Behörden hatten den Landgang noch nicht freigegeben, aber alle drängten an Land. Leider bei geschlossener Luke. Immer mehr Aufzüge spuckten Menschenmassen aus, die nicht etwa so gescheit waren, festzustellen, dass hier nichts mehr ging, sondern Ihre Leiber auch noch in die bereits vorhandenen Massen pressen mussten, hing doch Ihr Lebensglück davon ab.
Der Bordoffizier, der das alles im Griff haben sollte, kreischte, wir sollten doch um Himmels Willen die ankommenden Aufzugsmenschen bitten, wieder nach oben zu fahren. HAH! Da kennt er die deutsche Seele aber schlecht. Ich hatte wieder so etwas von Panik! Irgendwann durften wir an Land und dann strömten die Massen ohne Rücksicht auf Verluste auf den Pier.
Man kommt an einem etwas renovierungsbedürftigen Hotel- und Geschäftskomplex vorbei und endet an einem Parkplatz. 4 (!) große Busse bedienten haargenau den gleichen Ausflug, den ich auch gebucht hatte. Andere hatten prinzipiell einen anderen Ablauf, aber mindestens 3 fuhren auch erst einmal zum SkyCab.
SkyCab, das ist mal wieder eine mir selbst gesetzte Herausforderung zur Bekämpfung meiner ständig sich ausweitenden Höhenangst. Angeblich mal die längste Seilbahn einer bestimmen Bauart in der Welt (oder die steilste, oder die mit den längsten Warteschlangen oder die mit den meisten Todesfällen… man blickt ja bei den ganzen Superlativen, die einem auf Reisen begegnen, nicht mehr durch!).
Ich saß in Bus Nummer 6 und unsere Reiseleitung hieß Ning. Ning ist Muslima und sprach mehr als passabel deutsch. Sie hatte in Amerika Computertechnologie studiert und sich – wieder daheim in Malaysia – am Goethe-Institut in Kuala Lumpur für drei Semester auch der deutschen Sprache bemächtigt. Sie kokettierte gerne damit, dass ihr Deutsch ja furchtbar sei, dafür kannte sie aber erstaunlich interessante Wörter. Ihre Erzählungen über die malaiische Kultur haben mich teilweise auch sehr irritiert. Welche Strafen auf welche Vergehen wie Ehebruch, Homosexualität und Händchenhalten mit dem Busfahrer hinter verschlossener Tür nach sich ziehen würden. Dabei lachte sie gerne aus voller Brust. Dass ein Mann vier Frauen haben dürfe, eine Frau aber nur einen Mann, fand sie völlig vernünftig. Sie parlierte ein paar andere Merkwürdigkeiten mehr, die den Rahmen sprengen würden. Fragt mich zur Not.
Wir kamen irgendwann an der Seilbahn an, es regnete auf der Fahrt dahin ein bisschen. Erst einmal musste wieder der halbe Bus austreten. Dadurch verpassten wir unsere eigentliche Einstiegszeit. Egal, wir hatten ja Fast-Lane-Tickets und durften uns am Plebs vorbeischleichen. Äh. Hm. Achso.
Es gab vier Schlangen: Lane 1, Lane 2, Lane 3 und Fast Lane. Die ersten drei waren qausi entvölkert, auf der vierten Spur standen etwa 2,5 Millionen Besucher. Geschenkt, es ging dennoch einigermaßen voran. Man musste sich zu sechs Personen eine Kabine teilen. Ich saß mit Finnen und Polen zusammen in einer Gondel. Die hatten vielleicht einen Spaß! Ich, wie üblich so gar nicht! Es war wieder mal ein Monodrahtseilkonstrukt (wie in Tirana) und es lagen zwischen mir und dem Abgrund gefühlte 5 Kilometer. Und das über eine ewig lange Strecke. Heißa!
Auf der Strecke gibt es eine Mittelstation. Uns wurde eingebläut, da ja nicht auszusteigen, sondern durchzufahren. Das taten dann wohl auch brav alle. Problem: FAST alle. Die Dummen, die ausgestiegen waren, konnten nur über die Gipfelstation wieder ins Tal. Und sie schrien „Get off, get off!“ Jedoch vergebens. Jede Kabine war voll besetzt. Niemand stieg aus. Wahrscheinlich stehen diese armen Seelen seit Ostern dort und werden dort auch noch Silvester feiern. Ich hoffe, jemand bringt dann Sekt vorbei. Wobei unwahrscheinlich, es ist ein muslimisches Land. Ich unterhielt mich an der Gipfelstation mit einer malaiischen Touristin. Englisch ist zweite Amtssprache und fast jede/r beherrscht sie. Freitag ist Feiertag und dieser Freitag auch noch Start der Schulferien, die bis Februar dauern. Daher war es so übermäßig voll auf dem Machinchang. Ja, so heißt der Berg.
Ich hatte im Tal, dem Oriental Village, einem etwas in die Jahre gekommenen Dorf, das die spektakulären Attraktionen umrahmen sollte, an einem ATM Ringgit gezogen. Nein, das ist kein Kaubonbon, ATM ist international für Geldautomat. Und Ringgit die malaiische Währung. 50 Ringgit sind etwa 10 Euro. Zu dieser Maßnahme hat der Bordlektor angeregt, da nicht immer alles mit Kreditkarte bezahlt werden könne. Unsere Reiseleiterin war da anderer Meinung und irgendwie hatten beide Recht. Aber einer eben mehr. Wie das?:
Man musste sich an der Bergstation entscheiden, ob man einen beschwerlichen Weg mit 325 (glaube ich) steilen Stufen für 6 Ringgit laufen oder eine Standzahnradbahn für 16 Ringgit nutzen wollte, an der aber viele Menschen anstanden. Ich entschied mich fürs Schlangestehen, viele andere für den Fußweg, der ja auch erst einmal abwärts ging. Die Skybridge ist dann noch einmal ein Highlight! Auf der hatte ich auch kaum Angst, da sie zwar ein winzig kleines bisschen schaukelte, aber einen stabilen Eindruck machte. Ich finde, dass das ein MUSS ist!
Die Zeit drängte und ich musste mal wieder Schlange stehen für die Zahnradbahn nach oben. Dutzende Menschen, die zu Fuß nach unten gekommen waren, den Aufstieg aber nun als zu beschwerlich empfanden, mussten jetzt lernen, dass sie für die Nutzung der Kabinenbahn die zehn Ringgit Differenz zahlen sollten, dies aber nur in bar und in Landeswährung ging. Lektor sticht Reiseleitung. Die Leute, die Ringgit hatten, halfen natürlich aus und ließen sich das Geld in Euro wiedergeben. Aber sinnvoll ist das Ganze ja wohl nicht.
Ich mache es kurz: Es war wolkenverhangen, von Zeit zu Zeit regnete es, es war voll, wir hatten zu wenig Zeit… aber es war sooo toll da oben! Für das Erlebnis kann man einfach auch mal dreitausend Tode sterben!
Im Tal angekommen (ich hatte Glück und erwischte für die Talfahrt eine Panoramakabine, wo man sechstausend Tode stirbt, konnte mich aber ablenken, indem ich mit der Bordgaleristin plauderte, die ich zuerst gar nicht erkannte) fing es an, wie aus Eimern zu schütten. Ich erstand einen Regenschirm mit der Aufschrift „Langkawi“, das ist jetzt mein örtliches Souvenir, und kam mit Ach und Krach rechtzeitig am Bus an. Dort war mein vorher innegehabter Platz besetzt und so setzte ich mich halt woanders hin.
Unschuldig glotzte ich aus dem Fenster, als sich plötzlich die Frau vor mir umdreht und mich anblafft, ich möge endlich damit aufhören! Es brächte sie um! Ich guckte fragend und sie klopfte mit ihrem Zeigefinger auf meinen Klimaanlagenauslass. „Das bläst mir in den Nacken, ich werde krank!“. Ich klappte den umgehend zu und drehte ihn von der Dame weg, was sie mit einem Schnauben quittierte, bevor sie sich wieder in ihren Sitz fallen ließ. Ich war total perplex! Hatte ich mich doch gerade erst an einen mir völlig unvertrauten Platz gesetzt. Ich war angepisst, klopfte Ihr auf die Schulter und sagte „Bitte sehr, gern geschehen.“ Sie sagte nichts, was mich verleitete, ihr (leider lautstark) mitzuteilen, dass es mit ihrer Erziehung wohl leider nicht gut bestellt sei. Ich denke, ich habe eine neue Freundin an Bord!
Wir machten halt an einem Hotelkomplex, der zur Zeit der Briten bestimmt ein Hingucker war. Inzwischen war der Lack, im wahrsten Sinne des Wortes, ab. Dort sollten gefühlte 84.291 Touristen aus 17.274 Bussen massenverköstigt werden. Es fing damit an, dass für unseren Bus 40 Plätze reserviert, wir aber ohnehin nur 38 Personen an Bord waren. Dennoch war der Bereich für den Bus 6 voll. Statt sich nun woanders hinzusetzen, wurde an jedem Tisch akribisch abgefragt, wer denn nun falsch säße. Ja, geht es noch? Ich stellte mich kurz am Buffett an, wo sich – da dieses mittig von zwei Seiten begehbar war – zwei Touristen um die verbleibenden 10 Gramm kalter und trockener Nudeln stritten. „Die liegen doch auf meiner Seite!“, skandierte einer von Beiden. Das hätte sich selbst Loriot so nicht ausdenken können!
Ich beschloss, im Foyer einen Kaffee zu trinken. „Not included, not included!“ schallte es mir entgegen. Ich ging raus und erkundete die wirklich, wirklich trostlose Gegend! Es nieselte, aber anders als daheim, wo ein Guss Abkühlung verspricht, verstärkte der Regen die Luftfeuchtigkeit nur noch umso mehr. Ich war regendurchnässt und schwitzte (ach, wir wollten doch nicht darüber sprechen) wie ein, äh, ja eben.
Nach trostlosen 50 Minuten ging es weiter zum Kilim Geoforest Park. Dort sollten wir die salzwasserhaltige Mangrovenlandschaft erkunden und dabei auch noch die ein oder andere Überraschung erleben. Wir teilten uns auf. Die deutschsprachige Ning übernahm eine Gruppe (und somit ein Boot) und die englischsprachige Sarah führt die andere Hälfte des Busses in ein anderes Boot. Es regnete und regnete und regnete unterdessen weiter munter fort. Wir enterten unser zugewiesenes Boot und unser erster Stopp war ein Rundweg, der durch eine Fledermaushöhle, an einem Mangrovenwald entlang und durch Tropfsteinhöhlen führte. Die Fledermäuse waren zahlreich, aber es durfte nicht geblitzt werden. Aufnahmen mussten gemacht werden, während die Reiseleitung mit einer funzeligen Taschenlampe in bestimmte Ecken der Höhlen leuchtete. Wir verließen die Höhle, versammelten uns auf einer Plattform, wo man prima die merkwürdigen Mangroven bestaunen konnte. Es folgte ein sehr spezieller Vortrag über die Faserstruktur der Mangrovenäste, über die Beschaffenheit der umgebenden Sümpfe und dergleichen, die mich von der Gruppe Abstand nehmen ließ.
Dadurch landete ich bei einer kleinen Affenfamilie mit einem Neugeborenen. Nun wurden wir extra darauf hingewiesen, dass es immer noch wilde Tiere sind, Augenkontakt als bedrohlich empfunden würde, was in einen Angriff resultieren könnte und dergleichen. Ich glotzte demonstrativ woanders hin, versuchte aber ständig, ein Bild zu erhaschen. Ich denke, es ist mir gelungen. Inzwischen kamen die Gruppenmitglieder näher. Eine Dame trug – man hatte uns im Boot noch gebeten, alles dort zu lassen! – einen Rucksack und schwupps, öffnete ein Affe den Reißverschluss und hatte ihn halb geplündert. Leute, so schnell konnte man gar nicht gucken! Angeblich hat das gewitzte Tier aber nur Tempos und feuchtes Toilettenpapier erwischt.
Wir bestiegen wieder das Boot und fuhren weiter durch die Mangrovenlandschaft. Wir kamen an Fischaufzuchtfarmen vorbei, an „Floating Restaurants“, ab und zu wurde gehalten, um Samen aufzusammeln oder nach Schlangen zu suchen. Manchmal peste der Bootsführer in einem unglaublichen Affenzahn über die Meeresflussarme, dass einem schwindlig wurde. Einmal geriet er dabei in die Heckwelle eine vorausfahrenden Bootes, was dazu führte, dass unser Kahn in Schräglage geriet, die Relingkante die Wasseroberfläche schnitt und wir alle von einer riesigen Salzwasserwelle überschwappt wurden.
Platschnass waren wir ja ohnehin schon, obwohl das Boot überdacht war, aber nun bekam Technik im Wert von mehreren Tausend Euro eine Salzwasserdusche ab. Mindestens 4 Personen hatten ihre Canon-Spiegelreflex, ihre Sony Alpha oder ihre Hasselblad von 1936 in den Händen. Mein Handy steckt ja gottseidank in einer sehr „umgebenden“ Hülle. Man moserte viel, den Schiffsführer interessierte es wenig bis gar nicht. Er gab wieder Gas.
Wir erkundeten den Krokodiltunnel (der nur der Form wegen so heißt, nicht etwa wegen eines entsprechenden Vorkommens dieser Reptilien), konnten Wracks bestaunen („German owner!“) und kamen auf einen größeren See. Dort waren nur wir und ein anderes Boot. Beide ließen plötzlich ihre Motoren aufheulen und uns umschwirrten auf einmal Dutzende von Adlern! Die sind offensichtlich darauf trainiert, dass es bei diesem Geräusch Fisch gibt.
Langkawi soll übersetzt in etwa rötlicher Adler bedeuten. Ich schaue das jetzt nicht mehr nach, es ist hier schon soooo spät! Es hat übrigens mal zu Thailand gehört, aber die Briten haben ein Inseltauschgeschäft eingefädelt. Die Adler: Das war Wahnsinn! Fotos gibt es keine, die Majestäten der Lüfte fliegen zu schnell. Aber es ist ein Bild, das sich auch ohne Fotografie in die Erinnerung einbrennt. Fast das ganze Boot hatte wechselweise Schnappatmung bzw. Atemstillstand.
Wir fuhren zurück, zurück zum Bus, zum Schiff, weg vom Paradies. Was für ein Ausflug. Was habe ich eingangs gesagt? Dass ich auf die Äußerung zurückkomme, dass es bei schönem Wetter besser gewesen wäre. Sorry, beileibe nicht. Langkawi ist durch den Monsum geprägt und eigentlich ganzjährig heiß und feucht. Ich denke, gerade durch das heutige Wetter haben wir einen authentischeren Blick auf diesen Landstrich gewonnen. Ups, da isses ja wieder, das unanständige Wort. 🙂
An Bord angekommen, war ich fix und alle. Ich musste erst einmal ein großes Bier trinken, wo mir bald ein Gangmitglied Gesellschaft leistete. Wir gingen dann auch zusammen Abendessen, da die anderen noch unterwegs oder anderweitig beschäftigt waren. Das war auch alles wieder bodenständig und gut.
Verstärkt durch andere Gangmitglieder wurden wir dann bei unserem Besuch der Crew-Show. Ihr Lieben, ich gehe Euch wahrscheinlich damit auf den Geist, aber bei Phoenix war das immer wirklich eine Crew-Show. Menschen aus der Wäscherei, dem Maschinenraum, dem Zimmerservice bestreiten so etwas normalerweise. Hier hat wohl die Stimme des Schiffs gecastet (er gab es selbst zu) und wir sahen Anne aus dem Entertainment, Henry aus dem Bordshop, Antonio aus dem Entertainment, Else aus dem Landgangsbüro, Luigi aus dem Entertainment usw. usf. Das ist okay. Aber nicht wirklich eine Crew-Show. Ein Security-Mitarbeiter war mein persönliches Highlight! All of you von John Legend. Kein falscher Ton! Und Gänsehaut!! Das Publikum und auch ich winkten mit unseren Handytaschenlampen. Er war so schnell von der Bühne, er hätte sich weiteren Applaus abholen können. Ich befürchte, der gute Mann weiß gar nicht, wieeeeee gut er ist. Ein anderes Hightlight waren eine Tanzperformance, die auch eher von einer Crew-Truppe kam (ich kann hiphop nicht von Techno unterscheiden, aber irgendwie so etwas war es) sowie eine witzige Aschenputtel-Adaption.
Wir wollten den Abend in der Galerie-Bar ausklingen lassen, aber ein älterer Mann, ein Passagier, der sich für Frank Sinatra hielt, nötigte den Pianisten ständig, für ihn als Begleitung zu fungieren. Leute, der Mann traf keinen einzigen Ton und würde keinen treffen, selbst wenn dieser ihm nackt auf die Stimmbänder hüpfen würde. Bitte, was bringt jemanden dazu, sich selbst so falsch einzuschätzen? Es muss ja nicht immer alles perfekt sein, ich singe z.B. auch gerne. Aber selten öffentlich und ich bringe damit nicht andere Menschen in Gefahr! Man möchte nämlich über die Reling springen.
In der Abtanzbar war Schlagernacht, dort nahmen wir dann – ich eher unmutig – unseren Absacker. Aber, oh Wunder, ich war plötzlich bester Freund des Barkeepers und bekam sofort ein Getränk. Wohlgemerkt: Ich hatte mich nirgendwo beschwert! Ich nahm noch einen Gin-Tonic mit und schrieb auf der Kabine diesen Tagebucheintrag. Ehrlich? Man kann soooo viel erzählen. Über den Rezeptionisten, der mich für doof erklärte, weil die App mal wieder nicht ging. „Das ist doch ganz einfach! Da müssen Sie doch nur hier… äh…. Wir machen das anders: Sie geben folgendes hier ein und dann…. äh… verstehe ich jetzt nicht. Kommen sie morgen wieder. Scheint ein landseitiges Problem zu sein.“. Über die Spannungen zwischen Thailand und Malaysia. Über total nette und total blöde Mitreisende.
Ich denke übrigens, ich gehöre zu beiden Gruppen, denn die Nackenpustereifrau wird mich nicht mehr in ihr Herz schließen. Es ist jetzt hier vor Ort megaspät, morgen (vielmehr heute) habe ich einen geführten Spaziergang in Penangs kolonialistischer Georgetown, da muss ich schon wieder so früh raus.
Ich lese jetzt auch keine Korrektur mehr, wer Fehler findet darf sie mir zu Weihnachten schenken. Ihr Lieben, was für ein Tag! Was für eine Reise mit all den Aufs und Abs! Morgen seid Ihr hoffentlich auch wieder dabei, oder?
natürlich wisst Ihr, wie der Song weitergeht… nämlich „ermüdend“! Schon wieder wurden den Passagieren anderthalb Stunden ihrer Lebenszeit geklaut. Gut, wir bekommen sie auf der Rückreise ja zurück. Wenn das doch mit jeder verplemperten Stunde im Leben so wäre… Aber die letzte Reise verläuft ja bekanntlich ohne Zeitkontenausgleich.
Seetag 5:
Was ich damit eigentlich sagen will: das Aufstehen fiel wieder einmal um ca. anderthalb Tonnen schwerer. Ich schlich mich müde zum Hanami, wo man ein Langschläferfrühstück am Tisch serviert bekommt. Das kostet einen Aufschlag, aber die Alternative wäre eine herzhafte Mahlzeit im „Tag und Nacht“ gewesen, wo man, wie der Name verrät, 24 Stunden am Tag Currywurst und Pommes bzw. Länderspezialitäten des Tages erhält. Das sind dann Themen wie Karibik, Baltikum, Deutschland oder England. Ja, dann doch lieber einen Aufpreis zahlen.
Nach dem Frühstück las ich auf der Kabine in meinem Roman, jedwede Aktivität draußen schien mir ungeeignet, einer Körperschmelze zu entgehen. Mittags habe ich mich auf dem Achterdeck des Gosch zum Essen verabredet. Vorteil: das Essen kann gar nicht kalt werden. Nachteil: bei den Getränken sieht es anders aus…
Am Nachmittag hatte ich wieder einen Workshop. Wein-Tasting stand auf dem Programm. Die einzig gesellschaftlich anerkannte Methode, sich zuzudröhnen, die zudem auch noch als extrem kultiviert gilt. Das war ganz nett. Wir hatten drei Weiß- und zwei Rotweine, die wir lernten, zu beschreiben. Der Unterweiser hatte einen ganzen Koffer Aroma-Ampullen dabei, die uns in dem Prozess unterstützen sollten. Gelernt habe ich vor allen Dingen viel über die Macht der Manipulation.
So verläuft eine erfolgreiche Weinprobe
„Was schmecken sie?“ – „Lakritze, Sonnenblumensamen und einen Hauch Ananas!“ – „Falsch, Sie schmecken toten Igel auf nassem Asphalt!“ – „Stimmt, jetzt wo sie es sagen….“
Im Ernst, er hat es gut gemacht, ich mochte aber leider nur zwei der präsentierten Tröpfchen wirklich. Erstaunlicherweise waren das ein Sauvignon Blanc und ein Crianza, also ein roter Spanier, der 24 Monate im Holzfass und dann noch lange auf der Flasche reift. Beides eher Sorten bzw. Ausbauweisen, die ich sonst so gar nicht schätze.
Ich erfuhr dann von Corona-Fällen an Bord und ich machte, da ich auch etwas erkältet bin, einen Test. Alles okay. Aber ich werde ein bisschen auf die üblichen Regeln achten. Nicht mit verschnupften Witwen knutschen und den Aufzug verlassen, wenn gleichzeitig mehrere Hundertschaften schlecht erzogener Greise oder pubertierender Blagen zusteigen, die alle keine Ahnung von Schnupfenhygiene haben. Und glaubt mir, das sind mehr als 90% der Passagiere an Bord.
Ich ging mit – ich denke, ich muss sie inzwischen so nennen – meiner Gang erst essen, um dann mit ihnen ins Theater zu gehen, wo die fantastische Show „Einmal um die Welt“ das geneigte Publikum begeistern sollte. Ich war leider nicht geneigt. Nach der ersten Nummer, in der Wikinger eine Person im Pailettenkleid anbeteten war mir schon… Als sich dann Wesen wellenwiegend auf der Bühne… mit zwei Personen in Sicherheitsgurten einer Marsexpeditionsrakete… Ihr seht, man kann es nicht beschreiben.
Die Akrobaten sind gut, die Tänzer sind gut, die Sänger sind gut. Aber die Inszenierung ist… naja, eben nicht meins.
Gottseidank kann man zwischen den Gesichtsausdrücken Ergriffenheit und Verzweiflung kaum unterscheiden. Aber mir war danach, mich von meinem Platz zu entfernen, dabei täuschte ich einen Hustenanfall vor. Mit ergriffen-panischem Gesichtsausdruck halt.
Ich traf die Gang später zum Mitsingevent auf dem Pooldeck wieder. Ich bin ja nicht so schlageraffin, daher plauderte ich eher belanglos rum. Es stellte sich dann raus, dass alle irgendwie dann doch alle kennen. Die Welt ist klein: „Der Klaus von der Versicherung ist jetzt beim REWE?“.
Später hat mich die Truppe wieder gewaltsam in der Disco festgehalten. Aber diesmal weiß ich, wie ich es auf meine Kabine geschafft habe. Bei Euch ist es jetzt 21 Uhr, hier 3 Uhr in der Früh. Nächtle, sachichma!
Seetag 6:
So ein Tanzabend schlaucht ganz schön, da muss man mal etwas länger schlafen, daher übersprang ich das Frühstück. Bevor ich mich zum frühen Mittagessen in die Osteria, dem italienischen Service-Restaurant an Bord, begab, stornierte ich noch meine heutige Reservierung für das Steakhouse, denn ich werde da an einem anderen Abend mit der Gang hingehen.
In der Osteria kann man ganz gut essen, es gab Oktopussalat und eine Pizza, die vor allem durch ihren guten Boden viele Pluspunkte bei mir machte. Auch das Orangenpannacotta war sehr lecker!
Am Nachmittag lernte ich dann ein neues Kartenspiel, Skyjo. Dabei habe ich mich nach einer Weile auch nicht mehr ganz so blöde angestellt. Grob gesehen geht es darum, so wenig Punkte wie möglich auf dem Tisch übrig zu behalten. Sehr pädagogisch! Man muss ein bisschen rechnen können. Während wir da so saßen und spielten, wurden wir Ohrenzeugen der Proben für die abendliche ABBA-Show. Es war unbeschreiblich. Talent ist ja ein Anagramm zu latent. Was mich dazu bringt, zu behaupten, dass da noch nicht einmal ein latenter Ansatz zu Talent vorhanden war. Das Alternativprogramm wäre eine Aufführung der Showtruppe vom Vorabend gewesen. Hm.
Am Abend gab es ein fast weihnachtliches Essen, Ente mit Knödeln sowie ein super Käsebuffett, und dann war ich auch schon durch mit dem Tag. Denn die Shows wollte ich mir nicht antun, lieber wollte ich noch ein paar Seiten lesen.
Das Wetter wurde inzwischen etwas rauher, es regnete viel, und so schlingerte das Schiff ein bisschen mehr als sonst, aber wir sind weit von schwerer See entfernt. Heute Nacht werden schon wieder (!) die Uhren umgestellt, wir sind dann bei sieben Stunden Unterschied zu Deutschland. Habe schon richtig Shiplag.
Seetag 7:
Die Nacht war dann ein bisschen ätzend. Ich hatte mich um 20 Uhr kurz mit dem Buch hingelegt und bin natürlich eingeknackt, wurde zweieinhalb Stunden später wieder wach und konnte dann nicht wieder einschlafen. Ich las, spielte Computerspiele, versuchte zu schlafen, las, holte mir Wasser, versuchte zu schlafen. Gegen 4 Uhr früh neuer Zeit war ich dann endlich eingenickt. Um 8 Uhr 30 plärrte der Wecker, den hätte ich am liebsten aus dem Fenster spediert, aber man darf ja nix über die Reling werfen und außerdem ist der in meinem Handy verbaut, das wäre also zudem sehr dumm gewesen.
Beim Frühstück gab es mal wieder tumultartige Szenen an den Kaffeemaschinen („Sie drängeln sich vor!“ – „Sie stehen doch an einer ganz anderen Maschine an!“), um 11 Uhr traf ich mich zur nautisch-technischen Fragestunde mit dem Kapitän im Theater. Nein, nicht nur ich, es waren auch andere Passagiere zugelassen. Manchmal denke ich, Ihr wollt mich nicht verstehen! Ehrlich, der Mann ist ein Entertainer erster Güte. Er trägt sehr unterhaltsam und auch lustig vor, was eine Passagierin in der Fragerunde zu der Aussage verleitete, er sei ihr zu komisch, sie möchte mit ihm kein Unglück erleben. Er erwiderte in etwa, dass er jetzt aber nicht extra für sie ein Unglück provozieren wolle, damit sie sehe, dass er das Schiff im Griff habe.
Überhaupt: die Fragerunde. Entgegen der landläufigen Meinung, es gäbe keine dummen Fragen: doch, doch, es gibt sie! Peinlich. Insbesondere peinlich, wenn der oder die Fragende erst einmal seine oder ihre Lebensgeschichte zum Besten gibt, in der natürlich die Kernkompetenzen erwähnt werden, die zu genau dieser Frage berechtigen. Himmeldieberge!
Aber der Kapitän konterte in der Regel gewitzt, was bestimmt einige Beschwerden einbringt. „Der Kapitän hat sich über mich lustig gemacht!“. Ein Beispiel: „Ich war schon so oft auf Schiffen, nie war mir schlecht, warum ist das jetzt so?“ – „Sie hatten bisher immer bessere Kapitäne als mich!“. Der Saal tobte vor Lachen.
Da der Italiener gestern so angenehm war, sind wir heute Mittag wieder dorthin gegangen. Auch die Pasta und die anderen Vorspeisen waren gut. Man kann da definitiv essen.
Der Nachmittag war wieder dem Kartenspiel gewidmet. Diesmal probierten wir uns an Phase10, das habe ich mal vor Jahren bei einer Doppelkopffreundin kennengelernt und seitdem nie wieder gespielt. Das ist total nett, wenn man denn vorankommt. Ich hatte ziemlich viel Glück, sonst hätte ich die Krise gekriegt!
Ich besuchte anschließend wieder einmal einen Vortrag meines Lieblingslektors, diesmal über Langkawi und Penang und lernte auch heute etwas und hatte ausreichend zu lachen. Im Gegensatz zum Kapitän hat der Lektor einen eher trockenen Witz, den man in der Schnelligkeit, in der er vorträgt, auch noch erhaschen muss. Aber grundsätzlich war heute von früh bis spät Comedy auf dem Schiff. Störend war nur, dass jetzt gefühlt 80% des Schiffes eigentlich in ärztliche Behandlung müssten, den es wird geröchelt, gebellt, geschnauft und gestöhnt, dass es den Göttern der Alliteration und der Lautmalerei schwindlig vor Augen werden sollte.
Abends gingen wir geschlossen ins Atlantik, das Essen war gut (inzwischen weiß man auch in etwa, was au point an den Tisch kommt und was schon seit Tagen am Küchenpass vor sich hinwelkt), der Diätkoch machte seine Honneurs und befragte auch uns nach unseren Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Mehrere Servicekräfte trugen – nachdem mir aufgefallen war, dass sie zwei oder drei Tage verschwunden waren – heute a) eine Maske und b) wieder auf. Es ist fast nicht zu leugnen, das Schiff ist im Coronafieber, man ignoriert es aber geflissentlich. O-Ton eines belauschten Gesprächs: „Ich soll mich sogar ohne Maske an Bord bewegen, es ist ja inzwischen alles gar nicht mehr so schlimm.“. Man mag denken, was man will: Ich aber bin froh, dass ich superfrisch geimpft bin und ein paar Regeln beherzige, die die Ansteckungsgefahr minimieren. Denn selbst, wenn alles nicht mehr so schlimm ist, möchte ich nicht als schwindsüchtige Mimi durch Singapur streifen (zur Erklärung: das ist die Frau aus Puccinis „La Bohème“, die Ihren Rodolfo sterbend zurücklässt, dabei aber, wenn sie Ihren letzten Laut als lungenkranke Sterbende hinaushaucht, immer noch erstaunlich gut singen kann).
Abends war „Weiße Nacht“ angesagt, auf dem klatschnassen Pooldeck. Aber pünktlich zu Beginn war die Nacht wieder sternenklar. Ich habe mich dann so gut es ging, in weiße Montur gehüllt, bin dort aufgekreuzt, ertrug brav die Schlagermedleys von Helene Berg und Andrea Fischer, dann wurde die Musik der 70er bis 90er kredenzt und das war dann ganz nett. Einziges Problem hier: Die Raucher breiten sich dann überall im Freien aus! Und blasen einem ihren Rauch aus 20 cm Entfernung ins Gesicht. Sie machen es einem leicht, sie nicht zu mögen. Jaja, ich weiß, ich habe selbst mal gequarzt. Wir sind die Allerschlimmsten!
In der Küche arbeiten Künstler!
Ich zog es dann vor, meine „Nights in White Satin“ in einer Innenbar fortzusetzen, was ja den Vorteil hat, dass es klimatisiert ist, und schrieb weiter an diesen meinen Ergüssen, die Ihr gerade lest. Was ein wenig mühsam ist, wenn das sehr teure Internet an Bord immer wieder spinnt. Nachdem ich wieder Kontakt über das Netz hatte, haben wir uns noch auf einen Absacker getroffen. Aber die Abtanz-Bar war inzwischen voll mit wirklich hackedichtem Publikum und einer völlig überforderten Bar-Crew, die vorrangig diejenigen bedienten, die am lautesten schrien. Nachdem ich eine Bestellung zum vierten Mal wiederholt hatte, fügte ich hinzu, dass man es uns sagen könne, wenn wir als Gäste nicht genehm wären.
Im Ernst, ich war mal wieder im Phoenix-Vergleichs-Stadium. Ich hatte nach kurzer Zeit die Faxen dicke und begab mich wieder auf die Kabine. Morgen also wieder Land unter den Stelzen. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, auch mal viel Luft zwischen Stelzen und Erde. Mir ist schon ganz bang und ich brauche morgen dringend Eure moralische Unterstützung, wenn ich Seilbahn fahre oder auf wackeligen Brücken kilometertiefe Canyons überquere.
Ich zähle auf Euch! Liebe Grüße, Euer Gerry
Eine liebe Nachbarin hat Grüße von Cora geschickt. Ich freue mich, dass es meinem Mädel so gut geht!
da ist es also, das versprochene Gedicht. Vielleicht ein wenig zu minimalistisch für den ein oder anderen. Ich mag es, gerade weil es auch zu kontroversen Diskussionen anregt.
Nie hätte ich gedacht, dass es noch heißer werden würde. Wurde es aber. In der prallen Sonne erliefen wir uns Teile des botanischen Gartens und waren froh, wenn es mal den Hauch eines Schatten gab, von einem Zimtbaum oder einer Akazie. Der Assistent der Reiseleitung hatte zwar Schirme als Sonnenschutz dabei, aber bei weitem nicht ausreichend für alle Gäste, denn der Bus war fast voll mit lauter Pflanzenfanatikern. Wie, Ihr kennt mich nicht als Liebhaber der Flora? Naja, die zwei interessanten Ausflüge (z.B. zu den Elefanten) waren schon zu Hause ausgebucht und meine Exkursion führte uns zusätzlich zum Garten auch noch ins authentische Hambantota. Authentisch ist ja immer gut.
Der botanische Garten ist riesig. Wir waren eine Stunde dort und sahen daher nur einen Bruchteil davon. Unser deutschsprechender Reiseleiter war botanisch sehr bewandert, erklärte einige der Pflanzen und insbesondere, wie deren Teile für medizinische Zwecke verwendet werden. Das war ganz interessant. Zudem gab es viele Vögel, auch Pfauen, Schmetterlinge und sonstiges Kleingetier, wie Frösche, Chamäleons und streunende Hunde. Also, alles in allem hübsch und lehrreich.
Für das authentische Hambantota bekamen wir eine halbe Stunde Zeit, es auf eigene Faust zu erkunden. Es bestand aus einem Busbahnhof, einem kleinen Gemüse- und einem größeren Fischmarkt, einigen wenigen Läden und dem Hafen. Auf dem Fischmarkt stank es so fürchterlich, dass ich mich zusammenreißen musste, mich nicht zu übergeben. Der Hafen ist mit den vielen bunten Booten ganz schön. Ein Strand ist auch in der Nähe. Es lungern im Ort viele Rinder herum, wie übrigens auch überall auf den Straßen. Einen christlichen Friedhof sah ich auch noch.
Auf dem Fruchtmarkt erstand ich für 50 Rupien, das sind 14 Cent, vier Bananen, die schmecken ein kleines bisschen anders als die, die man bei uns bekommt. Die Mangofrau war ein bisschen traurig, dass ich ihr nichts abkaufte.
Es ging weiter zu einer Manufaktur für Wasserbüffelquark. Da rührt ein Mann stundenlang auf offenem Feuer Milch zu einem Quark, der hier, mit Sirup übergossen, wohl zu jeder Gelegenheit verzehrt wird. Kostproben gab es auch, aber ich verzichtete vorsichtshalber darauf.
Ich verzichtete auch auf die Probe eines Stückes des Kokosnusskuchens, deren Herstellung wir beim nächsten Stopp beobachten durften. Dort rühren fünf Männer über offenem Feuer ebenfalls stundenlang eine Art Melasse an, bis sie zäh genug für die Weiterverarbeitung ist. Sieht nach einem absoluten Knochenjob aus und das bei dieser Hitze.
Auf den Fahrten zu den Attraktionen und zum Schiff zurück gab es einige kurze Fotostops an einem Tempel, der Kongresshalle, Reisfeldern und einer Salzgewinnungsanlage. Dazu dann auch immer die passenden Erläuterungen.
Hambantota wurde beim verheerenden Tsunami im Dezember des Jahres 2004 komplett zerstört. Tausende Menschen starben, die Überlebenden hatten keine Bleibe und keinen Besitz mehr. Der Ort hat jetzt etwa 12.000 Einwohner. Mithilfe enorm hoher chinesischer Kredite wurden Hafen, Flughafen und Kongresshalle gebaut. Die Investitionen rechneten sich nicht, die Schuldner wurden zahlungsunfähig. Daher stehen der Hafen jetzt unter chinesischer und der Flughafen unter indischer Kontrolle.
Ja, das waren jetzt zwei kurze und heiße Tage mit Eindrücken von Sri Lanka. Wir haben natürlich auch etwas über die Geschichte gelernt, die Kolonisationszeit, den singhalesisch-tamilischen Bürgerkrieg, die verschiedenen Religionen. Es ist eine interessante Erfahrung gewesen. Unsere Mini-Einblicke reichen keinesfalls auch nur für den Bruchteil eines Bildes aus. Es gibt lange Strände, alte Stätten, das Hochland, Nationalparks. Ein Mitreisender hatte schon eine Rundreise hier gemacht und berichtete nur positives. Ich kann mir gut vorstellen, dass mir das auch gefiele. Man muss halt hitzefest sein!
Die Ausfahrt aus dem Hafen verfolgte ich heute vom Balkon aus. In der Ferne gewitterte es. Die letzten Ausflügler wurden an Bord spediert und dann hieß es Leinen los. Als das Schiff sich vom Pier löste, winkten die zurückbleibenden Hafenarbeiter, Touristikleute und Fahrer mit angeschalteten Handytaschenlampen hinterher. Das sind dann ja Momente, wo ich zum alten, sentimentalen Knacker werde und vor Rührung tief schlucken muss. Schöne Geste! Es stehen jetzt drei Seetage bevor, die ich am Ende wieder zusammenfassen werde, bevor wir im Hafen von Langkawi anlegen werden.
da mosert der alte Mann erst, dass ihm das zu viele Seetage waren, aber kaum ist er an Land, ist es auch wieder nicht richtig. Wie das?
Das Schiff legte um 5 Uhr früh in Colombo an, das war mir dann doch zu zeitig, um dafür den Wecker zu stellen.
Mein Tourbus sollte die Ausflügler, die mit dem Tuk-Tuk die Stadt erkunden wollten, um 8 Uhr 45 zu den entsprechenden Vehikeln kutschieren. Zum Frühstück schaffte ich es nicht mehr, da ich mit meinem Handy kämpfte, auf dem ich die SIM-Karte für Sri Lanka und die kommenden Landungsziele einrichten wollte. Es klappte hinten und vorne nicht und salzige Tränen des Frustes tropften auf den Frisiertisch meiner Kabine. Ich ließ es dann auf sich beruhen und machte mich ausgehfertig. Da ich nicht wusste, ob wir tempeln würden, zog ich mich züchtig an, lange Hose, weites Hemd. Als ich am Ausgang des Schiffes heraustrat, traf mich die stehende Luft mit gefühlten 120% Luftfeuchtigkeit und 53°C Temperatur wie ein Faustschlag. Ab in den klimatisierten Bus! Puh, das kann ja heiter werden.
Wir fuhren ein wenig durch das Stadtzentrum, das einigermaßen nah am Hafen liegt, und erhielten auf unserer Fahrt zum Umsteigepunkt schon einige Informationen über Sri Lanka und Colombo. Achi hieß unsere charmante Reiseleiterin, die ein wunderbar verständliches Englisch sprach.
Colombo hat eine Skyline! Und viele interessante andere Ansichten.
Bei den Tuk-Tuks angekommen hieß es, je zwei Personen pro Gefährt. Da ich der einzige Single war, gesellte sich Achi zu mir. Das war natürlich perfekt: Die kompetente Reiseleitung direkt neben einem! Wir fuhren fast zwei Stunden durch Colombo, machten hier und da einen Fotostop und liefen auch mal einen kurzen Weg durch einen Park, wo gerade ein riesiges Pfadfindercamp residierte. Ungelogen, es handelte sich um mehrere tausend Jungen, die zwischen hunderten von Zelten umherwuselten. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Gibt es bei uns eigentlich noch Pfadfinder? Ich kenne die eigentlich nur aus Donald-Duck-Comics und aus amerikanischen Filmen, wo pausbäckige Mädchen Erdnussbutter-Kekse an den Mann bzw. die Frau bringen sollen. Ein zweiter Ausstieg mit kurzer Freizeit war am Monument zum Unabhängigkeitstag möglich.
Also, leider ist ein Tuk-Tuk für eine Besichtigungfahrt nicht das geeignete Transportmittel für großgewachsene Personen. Ich musste, wenn ich etwas sehen wollte, auf das Achi mich hinwies, mein Kinn auf meine Knie legen und mich im 45-Grad-Winkel nach vorne fallen lassen. Achi bot mir an, sie würde Fotos mit meinem Handy machen, wenn die Sehenswürdigkeit zudem auch noch auf der falschen Seite zu sehen war. Sie ging dabei mit einer Unbekümmertheit vor (indem sie z.B. das nigelnagelneue Handy mit einer Hand etwa zwei Meter weit aus dem Tuk-Tuk hielt), dass mir der Angstschweiß an den Schläfen herunterperlte. Apropos Angstschweiß: Der Fahrstil hier im srilankischen Linksverkehr ist gut mit Freistil umschrieben, wobei auch der Einsatz der Hupe nicht zu kurz kommen darf.
Unser Fahrer war ein Herr in meinem Alter, der so ziemlich alles von mir wissen wollte, den ich aber leider sehr schlecht verstand. Ich scheine in den meisten Fällen richtig erraten zu haben, was er zu wissen wünschte, denn nur wenige Male schaute er mit hochgezogenen Augenbrauen in den Rückspiegel, da meine Antwort ganz offensichtlich nicht zu seiner Frage passte.
Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten von Colombo habe ich wahrscheinlich irgendwie wahrgenommen, aber am Schiff angekommen erstand ich nur noch ein paar Kühlschrankmagneten und beschloss, den von mir naiverweise als entspannt eingestuften Fußrundgang nicht anzutreten. Ich zog mich um, setzte mich an Deck und war nach zwei Minuten durchgeschwitzt. Wie wäre es mir auf einer kleinen Wanderung ergangen? Zumindest wäre ich möglicherweise auch noch auf andere Art und Weise klatschnass geworden, denn gegen 17 Uhr fing es an zu schütten, zu blitzen und zu donnern wie bei einem Weltuntergang. So also sieht es in den Zeiten des Monsuns hier aus. Tokio Hotel wären begeistert gewesen.
Beim Mittagessen richteten mir meine bezaubernden Digital Natives übrigens die eSIM ein. Es lag nicht komplett an meiner Blödheit, dass ich das morgens nicht hinbekommen hatte, es lag auch ein bisschen an meinem blöden Handy bzw. am Schiffs-W-LAN.
Mit den Beiden traf ich mich dann spätnachmittags auf der Ausblickbar, die je nach unserer Laune HimmelunÄd oder auch Himmeldieberge heißt. Ich müsste tatsächlich nachsehen, wie sie wirklich benamst ist.
Anschließend speisten wir zu fünft heute zu fast aller Zufriedenheit im Atlantik Mediterran, um uns dann in Showbesucher und Aufdeckbleiber aufzuteilen. Da ich die großartige Terri Green ja schon gesehen hatte, plauderte ich lieber am Pooldeck mit anderen Mitreisenden und mit einigen Offizieren. So bekommt man mal eine andere Sicht auf das Bordleben.
Es gab wieder diese sehr pompöse Ausfahrmusik. Ich lernte, dass sie von „Unheilig“ stammt, der/die ja mal einen großen Hit hatte(n). Irgendwie mag ich ja dann doch die eher klassisch orchestrierten Stücke anderer Reedereien lieber.
Auf dem Pooldeck gibt es einen dem Regen trotzenden Umlauf, da gab es einen Weihnachtsmarkt. Die gebrannten Mandeln sind super! Die Weihnachtsstimmung an Bord ist spürbar, aber für Weihnachtsflüchtlinge wie mich erfreulich dezent. Hier muss man das Entertainment-Management mal ausdrücklich loben!
Wie soll ich den Tag zusammenfassend beschreiben? Es fällt mir nicht leicht. Für das Klima kann niemand etwas, die Reiseleitungen geben ihr Bestes und an Bord wird sich nach Kräften bemüht. Mein erster Eindruck von Colombo ist nicht der schlechteste. Ich habe nur andere Mitreisende beneidet, die einen ausführlichen Tempelbesuch hatten, die wiederum mich wegen der tollen Tuk-Tuk-Fahrt beneideten. Hier zeigt sich wieder das generelle Problem von Kreuzfahrten: morgens hin und abends weg ist natürlich ein bisschen knapp für eine fundierte Landeskunde.
Colombo ist eine weitere Visite möglicherweise durchaus wert. Vielleicht, wenn nicht gerade Monsunzeit ist.
Morgen sind wir in Hambantota. Wie ich finde: ein Name, der geradezu nach einem Gedicht schreit!
Vielleicht schreibe ich ja eins.
Liebe Grüße, Euer Gerry
Nach Bordbäcker und Barkeeper eine weitere Jobperspektive: Tuk-Tuk-Fahrer
die gefürchteten Seetage. Haben sie mich irre gemacht? Tagelanges Glotzen auf das Meer und kein Land in Sicht? Keine Ausflüge, quasi gefangen an Bord? Nun, ich nehme es vorweg, ich habe es überlebt.
Ich habe zwei der Spezialitätenrestaurants und zwei Cocktailworkshops besucht, Brot gebacken, gelesen und gefressen, gepichelt und gefaulenzt. Und da mein Schiff 5 ja nicht Kolumbus‘ Niña ist, kam es auch zu keinen klaustrophobischen Aus- bzw. Anfällen.
Am ersten Seetag musste ich ja bekanntlicherweise erst einmal ausschlafen, da mich der Disco-Besuch etwas mitgenommen hatte. Ich ging spät brunchen, lümmelte den ganze Tag herum, las, legte mich mal kurz hin und schlief dabei ein. Ich verpasste mindestens zwei Veranstaltungen, die ich eigentlich hatte besuchen wollen.
Am Abend hatte ich eine Reservierung im Spezialitätenrestaurant „Schmankerl“. Es ist eins der drei Exklusiv-Restaurants des Schiffes, was heißt, dass man zur Kasse gebeten wird. Ich hatte aber auf Anraten kreuzfahrterfahrener Nachbarn einen sogenannten Gourmet-Pass gebucht, der einem den (fast) kostenfreien Besuch aller drei Restaurants ermöglicht. (Fast)? Ja, denn ich startete mit einem österreichischen Sekt, der schon mal nicht im Preis inbegriffen war. Das fing ja gut an, ich nahm ihn aber trotzdem und er war auch wirklich lecker! Es folgte eine Jausenplatte, oder wie auch immer das heißen mag, als Gruß aus der Küche. Als Vorspeise gab es Gröstl, das bestellte ich wegen des lustigen Namens, das war eine Art Bauernschmaus. Das Hauptgericht war eine halbe Ente, die eher Richtung Dagobert als Donald ging, aber Klöße, Rotkohl, Apfelchutney und Soße waren der Hammer! Den Abschluss bildete Kaiserschmarrn, den ich bis dato tatsächlich (soweit ich mich erinnere) noch nie gegessen hatte. Ist halt eine sehr mächtige Eierspeise. Einen Schnaps gönnte ich mir auch noch, weil ich wissen wollte, was Zirbe wohl bedeuten könnte. Naja, es schmeckt, als würde man in einen besoffenen Tannenzapfen beißen und ich brauche einen solchen nicht wirklich noch einmal. Aber insgesamt hat das „Schmankerl“ einen sehr guten Eindruck hinterlassen, nicht auch zuletzt wegen des guten Zweigelt (eine österreichische Traube) und des netten Services.
Am Abend ging ich ins Theater, wo es eine nette Akrobatik-Show gab, danach besuchte ich auf je ein Getränk noch die beiden Hauptbars im Schiffsinneren: Die TUI-Bar und die Schaubar. Ganz ehrlich: Wenn man sich mal ein paar Tage in solche Bars hinsetzt, hat man Stoff für seitenweise Realsatire. Ernst Jandl hat mal auf einer Lesung erzählt, wie er auf sein Gedicht über den Südostbahnhof (16 Jahr‘ heißt es) gekommen ist: Er hat einfach Gespräche belauscht und aus Fetzen daraus dieses Stück berühmte Lyrik geschaffen. Was hätte er wohl für poetische Perlen aus Kreuzfahrtgesprächen herausholen können?
An Seetag 2 war ein Cocktailworkshop angesagt. Ich habe ja meine eigene kleine Cocktailseite hier, die aber quasi brach liegt, da ich fast alles aus meinem Repertoire schon veröffentlicht habe. Aber wir fangen an mit den anderen Aktivitäten, die diesen Tag bestimmten. Nachdem ich an Seetag 1 meinen Rausch einigermaßen ausgeschlafen hatte, war ich um 8 Uhr schon beim Frühstück. Ich besuchte einen Vortrag über Indien (ich überlege, in 2025 eine Rundreise zu machen), der war super, der Bordlektor ist ein wirklicher Vortragsartist, schaute mir die Präsentation des Ausflugsbüros über Malaysia an, was Langkawi und Penang angeht (hier würde den Vortragenden etwas mehr Souveränität nicht schaden) und las auf meinem Balkon weiter in einem von einem Nachbarn seit langer Zeit geliehenen Roman über Thomas Mann. Leider darf man auf den Balkonen rauchen. Ich hätte mir hier gewünscht, dass z.B. an Backbord die Nichtraucher und an Steuerbord die Raucher hausen. Meine direkten Nachbarn quarzen scheinbar nicht, aber irgendwoher zieht es dann doch in meine Kabine, was mir nicht erlaubt, die Balkontüren lange geöffnet zu lassen bzw. mich selbst auf dem Balkon aufzuhalten. Wenn wir schon bei den Rauchern sind: Sie halten sich auch nicht immer an die Abtrennungen bei den Deckbars. Da wird dann auch mal im Nichtraucherbereich eine Zigarre gequalmt. Mitreisende haben übrigens von einem Mann berichtet, der barfuß in Speedos das Buffet-Restaurant besuchte. Niemand griff ein! Ehrlich, das ginge besser. Dem sollten die Servicekräfte Einhalt gebieten dürfen.
Während ich auf dem Balkon noch haderte, ob ich dem Qualm trotze, hupte das Schiffshorn für ein neugebackenes Ehepaar. Die Hochzeit, die ich zuvor schon einmal erwähnte, fand nämlich mit einem Tag Verzögerung heute auf hoher See statt. Die Braut sah ich später noch im Brautkleid über die Flure huschen. Ich las dann im Bett weiter und Ihr ahnt es schon: Gerry im Bett = wilde Party!? Geschenkt, ich penne dann einfach ein! Gottseidank stelle ich ja den Wecker für Bordaktivitäten, damit ich daran denke und sie nicht verpasse.
Kommen wir zum Cocktail-Workshop: Der Bar-Supervisor selbst war unser Lehrer. Nur 10 Personen nahmen teil, was allen ermöglichte, tatsächlich hinter der Bar einen oder zwei Drinks zu mixen. Ich habe leider gegen die anderen Teilnehmer mit meinem Gespür für Mengen ein bisschen abgeloost! Schreibt man das eigentlich so? Aber hat Spaß gemacht und ich freue mich auf den zweiten Teil des Kurses. Jeder hat ein Cocktailglas geschenkt bekommen, dass Hurricane oder Cyklone genannt wird. Braucht jemand so etwas? Ich werde möglicherweise im zweiten Cocktailkurs ein weiteres erhalten…
Zum Abendessen verabredete ich mich mit dem Moderatorenpärchen, die sich früh treffen wollten, da sie gute Sitze bei der Abendshow haben wollten. Ich bat sie, noch früher zu kommen, da ich am Kunstquiz teilzunehmen wünschte, da ich – ich behaupte mal, ich kenne mich mit Kunst gut aus – einen Gutschein für die Galerie gewinnen wollte. Was soll ich sagen?, das Essen war wieder ein zähes Unterfangen. Bei mir war fast alles OK (nur die angeblich korianderlose Suppe bestand aus fast nichts anderem), aber einer meiner Begleiter bekam erst das falsche Essen, dann ein anderes in eiskalt…. usw. usf. Mit Ach und Krach schafften wir es zum Quiz. Wir drei belegten dann die ersten drei Plätze, obwohl es fast gar nicht um Kunst ging. „Dieses berühmte Bild von Salazar Rippendorf zeigt ein Auto. Wann wurde Michael Schumacher geboren?“. Jessas! Wer soll denn so etwas wissen? Ich dachte, die fragen nach dem richtigen Namen von El Greco oder dem Architekten des Petersdoms! Als die Gewinne bekannt gegeben wurden, kam mein Name zuerst auch nicht vor. Aus verletztem Stolz heraus sprach ich die Galeristin an, es könne nicht sein, dass ich so viele Fragen falsch beantwortet hätte. Tatsächlich hat sie meinen Antwortbogen nicht richtig gecheckt. Ich bekam dann auch einen Gutschein.
Wir liefen ins Theater, da trat das mir bisher nicht bekannte Terri Green Project auf. Die Sängerin hat wohl mal einen Nummer-1-Hit gehabt, der mich aber schwer an einen Barry-White-Song erinnerte. Ist aber egal. Leute, was hat diese Dame mit Ihrem Saxofonisten, der auch die Klaviatur des Flügels beherrschte, für Stimmung gesorgt. Selbst der Onkel Gerry ist vom Sitz gesprungen! Das war ein mehr als gelungener Auftritt! Das Publikum hat sich – zu Recht – wirklich mitreißen lassen.
Wir trafen uns dann noch mit weiteren Bord-Bekannten in der Theater-Bar und das war dann ein sehr schöner Abschluss des Abends! Heute Nacht werden die Uhren ganz merkwürdig umgestellt. Sri Lanka ist in einer Zwischenzeitzone. Man hat sich entschieden, diesen Zeitzonensprung mit anderthalb Stunden festzulegen. Hm. Inzwischen sind wir so auf hoher See, dass ich nicht mehr weiß, zu welcher Heimzeit ich jetzt eigentlich zu Bett gehe.
Bevor ich dann morgen die Ereignisse des dritten Seetags zusammenfasse, muss ich noch von einem Schreckmoment berichten: Vietnam Airlines schickte mir eine WICHTIGE Nachricht bzgl. meines Heimflugs. Ich hatte fast einen Herzstillstand. Aber sie haben den Flug nur um 30 Minuten nach vorne gelegt. Was mir so etwas von egal bzw. wirklich recht ist, das es meinen Aufenthalt in Hanoi auf 7 Stunden 30 verkürzt.
Seetag Nummer 3 plätscherte so vor sich hin. Ich schlief lange, man hatte uns ja mit der Zeitumstellung ein paar Stunden Schlaf gestohlen und frühstückte wieder ein frühes Mittagessen. Um 15 Uhr begab ich mich dann zum gebuchten Brotbackkurs: Wie wird das bordeigene Artisan-Brot hergestellt? Der Chefbäcker erklärte es uns höchstpersönlich und jeder durfte einmal Teigfalten üben. Das streng gehütete Geheimrezept werde ich dann zuhause durchaus mal ausprobieren; es ist jetzt kein Wunderbackwerk, hat aber eine super Kruste. Gelernt habe ich übrigens auch noch den ein oder anderen Kniff. Während unseres Kurses keifte eine aufgebrachte Dame, sie verlange ein Brot zu kaufen. Man erklärte ihr, dass dies nicht ginge, da in Singapur keinerlei Lebensmittel in das Land eingeführt werden dürften und man daher den Brotverkauf gestoppt hätte. Die Dame bestand weiterhin darauf und erläuterte ihrerseits, dass sie das Brot ja auch an Bord esse. Jetzt kommt der irritierende Teil: Dieses Brot liegt überall für umme herum und sie könnte sich, wenn sie wollte daran totfressen! Verstehe einer die Mitreisenden… Der Bäckereichef hat übrigens zwar gute Tipps gegeben, aber seinen asiatischen Mitarbeiter an der Backstation in Gegenwart der Kursteilnehmer sehr von oben herab behandelt. Ob das Not tut?
Ich nahm mir mein Buch mit in die Vorderdecklounge und las, bis meine geschätzten neuen Freunde zu einem Schwätzchen auftauchten. Wir glühten schon einmal für das Ereignis des Abends vor: Das Essen in Tim Raues Spezialitätenrestaurant „Hanami“, dessen Besuch für die Käufer des Gourmetpakets plus inkludiert ist. Naja, wenn nach einem Kauf noch von inkludiert sprechen darf.
Wer mich kennt, weiß es: Ich bin kein Sushi-Apologet. Langweiliger, pappiger Reis mit ungewürztem Fisch oder Gemüse. Ich war daher etwas zurückhaltend, was meine Erwartung betraf. Aber es entpuppte sich als ein schönes Event, wo die „Reisklumpen“ sich als sehr lecker herausstellten, die Suppe schön scharf, das Sashimi vom Rind gut und die Hanami-Ente ganz wunderbar waren! Die Puffreisbanane am Ende war dann okay. Die Bedienung war – insbesondere unsere total gut gelaunte weibliche japanische Servicekraft – klasse und mir hat es ausnehmend gut gefallen. Ich hatte auch Glück mit meiner Bestellung, das muss man sagen. Einige Gerichte meiner Tischbegleitungen waren zwar wohl genauso lecker, aber deutlich übersichtlicher.
Man beschloss, zur Schlagerparty am Pool zu ziehen. Ich beschloss, dies nicht zu tun und ging erst einmal kurz auf die Kabine. Ach, dachte ich, warum nicht zum Pool? Ich fuhr wieder hinauf und als die Türen sich öffneten und eine wild zuckende Menschenmasse „Cordula Grün“ mitgrölte, war ich von meiner kurzen Verirrung geheilt. Ich setzte mich in die TUI-Bar, wo sich zwei andere Passagiere, die ich kurz schon einmal kennengelernt hatte, sich zu mir gesellten. Ein pensionierter Lehrer mit seinem gehörlosen Freund. Wir unterhielten uns, wie konnte das passieren, über unsere Reisen. Kreuzfahrtler sind in der Regel einfach Menschen, mit denen man sich immer unterhalten kann. Jeder hat seine Geschichten erlebt, die er gerne teilt.
Kurz noch ein kleiner Ausflug in das Wettergeschehen. Es regnet inzwischen auch mal auf hoher See und der ein oder andere Blitz erhellt den Himmel. Das Schiff schaukelt zuweilen arg und es wird schwüler und schwüler, die Luftfeuchtigkeit heute lag bei 80%. Und das bei Temperaturen von über 30°C. Erste Ankündigungen über die Bordlautsprecher infomieren die Passagiere, dass z.B. bestimmte Desserts nicht mehr zu haben wären, da sie vor Erreichen der Vitrinen schmelzten.
Apropos Lebensmitteleinfuhrverbot: Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass ich die in Dubai gekauften Süßigkeiten auch nicht nach Hause (in diesem speziellen Fall in mein Hotel in Singapur) mitnehmen darf. Ich müsse sie vorher verzehren. Na klasse! Ich plane, auf dem nächsten Seetage-Parcours einen Verzehr mit meinen sehr netten Mitreisenden.
Ich gebe zu, dass Seetag 4 mich anfangs ratlos auffand: schon wieder Essen, Trinken, Glotzen und irgendwie den Tag rumbringen? Zudem war heute das vorbezahlte, doch recht preisintensive Internet fast ganztägig nur sporadisch verfügbar. Damit fiel Zeitunglesen oder mit Daheimgebliebenen quatschen außen vor. Aber auch dieser Tag ging rum, und das ist auch den vielen netten Mitreisenden zu verdanken, mit denen ich geplaudert habe, insbesondere meiner Männerrunde vom zweiten Schiffstag. Man trifft sich hier und da, klebt aber nicht aneinander, und freut sich dennoch, wenn man sich trifft. Ralf, das geht jetzt mal an Dich: Zum ersten Mal verstehe ich, wie Deine Gran-Canaria-Gang funktioniert!
An Aktivitäten war der Tag auch wieder nicht arm. Ich besuchte einen Vortrag, hatte meinen Cocktailkurs für Fortgeschrittene (5 Teilnehmer! wir zauberten u.a. einen Negroni, einen Swimming Pool [Erika, erinnerst Du Dich an unseren Happy-Hour-Studenten-Plan?] und den berühmten Mai Tai), bestaunte einen Zauberer und langweilte mich leider etwas in einer Gruselshow im Theater, die ich besser gefunden hätte, wenn sie als das angekündigt worden wäre, was sie eigentlich war, nämlich eine Tanzeinlage in zerrupften Gewändern. Bitte nicht missverstehen, die Tänzer sind toll. Aber ich bin eben kein Fan von Hollywood on Ice. Dann lieber wirklich klassisches Ballett.
Das Abendessen vor der Zaubershow nahmen wir zu 7 Personen ein, denn es hatte sich noch ein Paar dazugesellt. Mit allen zusammen nahmen wir dann auch unsere mehr oder noch mehreren Absacker am Abschluss aller Shows in der Galerie-Bar ein. Ich fürchte, wir sind unangenehm aufgefallen, weil wir nach einer gewissen Wartezeit unsere Getränke dann an der Bar holen wollten, wo wir belehrt wurden, dass ja jemand zum Tisch käme. Ich versuchte zu scherzen, dass wir ja morgen früh auf unsere Ausflüge müssten, da war ich dann unten durch. Kleine Exkursion zum Service: Man wartet hier am Platz ewig auf Getränke bzw. bekommt sie gar nicht. Daher hat sich eingebürgert, dass alle zur Theke latschen, um zu bestellen, so dass das Servicepersonal gar nicht die Chance hat, Tische zu bedienen. Ich kann nicht anders, als den Vergleich zu Phoenix zu ziehen: Dort ist eben nicht alles inklusive und daher wird versucht, möglichst viel Umsatz zu erzeugen. Du setzt Dich und der Kellner ist sofort am Tisch.
Hier ist quasi alles umsonst, möglicherweise sind daher die Kellner zum ignorieren angehalten? Mit einer solchen Politik täte sich TUI aber keinen Gefallen. Ich nehme es vorweg: Ich bin froh, dass meine nächste Reise wieder bei Phoenix ist. Es gibt bei TUI wirklich nette Bedienungen, aber der Hauptteil scheint gestresst und zeigt dies auch, durch offensives Augenrollen z.B. Und das sehen viele an Bord so. Ich tendiere eigentlich dazu, die Motzköppe nicht ernst zu nehmen. Leider sind sie nicht vollkommen im Unrecht.
Die Zaubershow war übrigens sehr nett (wer freiwillig auf die Bühne mitgeht, wird erniedrigt, das ist seit der Zerstörung Karthagos Usus, das weiß jeder, da darf man sich nicht wundern), der Abend mit meinen nun offensichtlich verbandelten Mitreisenden super. Ich bin sehr froh, dass es vor vielen Tagen keinen Einzelplatz für mich gab, und ich mit diesen lustigen, interessanten und gebildeten Menschen zusammenkam. S. hat heute mit dem Barpianisten der Galeriebar vierhändig gespielt. Das war wirklich ein Highlight. Also, Ihr seht, Seetage kann man prima rumbekommen! Dennoch bin ich froh, dass ich morgen in Colombo wieder Land unter den Füßen haben werde. Wahrscheinlich fühle ich mich dann seekrank!
Übrigens: So viele Künstler und Mitreisende beschweren sich über starken Seegang. Bin ich gefühllos (jetzt bitte keine blöden Kommentare)? oder waren diese Zeitgenossen noch nicht in einem Zyklon unterwegs? Ich jetzt weiß gar nicht, ob ich alles Erzählenswerte erzählt habe. Wirklich interessante Geschichten darf man ja – auch wegen einer möglichen Rückverfolgbarkeit – gar nicht preisgeben. Nicht aus rechtlichen, aber aus moralischen Gründen. Selbst Idioten oder Kotzbrocken haben ja ein Recht auf Privatsphäre. Daher nur noch eine kleine Schiffsanekdote, die exemplarisch für so viele steht, zum Schluss, bevor wir zusammen Colombo erkunden:
Mittags im Buffett-Restaurant Anckelmannsplatz saß ich am Nebentisch eines Pärchens, das gerade seine Vorspeisen verzehrte. Ich habe sie nicht durchgehend beobachtet, aber hörte, wie sie diskutierten, was sie denn wohl als Hauptgericht nähmen. Cut. Ich wurde wieder aufmerksam, als ein älterer Herr alles von deren Tisch auf einen anderen räumte, alles preußisch genau für vier Personen eindeckte und Platz nahm. Die vorherigen Tischinhaber kamen zurück und wunderten sich, dass dieser erobert war. Ich werde nie vergessen, wie zornentbrannt der Okkupant das Paar beschimpfte, dass halbvolle Gläser nicht als Platzhalter dienen könnten, wie dumm sie gewesen wären, nicht eine Tasche oder ein Brillenetui als Manifestation ihres Besitzanspruches hinterlassen zu haben… Leuteleuteleute. Ds Paar setzte sich einen Tisch weiter (der Saal war nur halbvoll!!!) und musste dennoch eine weitere Tirade über sich ergehen lassen (unverschämte Juggend und derart). Beim Weggehen sprach ich dem Paar mein Beileid aus und riet ihm – der Tisch war verlassen, aber voller Handtaschen, Fotoapparate und dergleichen – sich den Tisch zurückzuerobern, indem sie die Platzhalter einfach ins Meer schmissen.
Ja, das war ja jetzt doch mehr, als gedacht. Was man an vier Seetagen so alles erleben kann, will, darf und muss. Ich habe bestimmt wichtige Dinge vergessen oder belanglosem Quatsch einen viel zu hohen Stellenwert eingeräumt. Dennoch hoffe ich, dass Ihr meine Schilderungen mit Vergnügen verfolgt und Ihr mir auch weiterhin auf dieser Reise gewogen bleibt.
Bis morgen Abend, wenn ich von meinen ersten Eindrücken in Colombo erzähle.
Liebe Grüße, Euer Gerry
P.S.: Es gibt einen blauen Balkon, ist mir nicht geputzt genug. Daher gehe ich da nicht drauf. Die hauchdünnen Glasscheiben sind einfach zu dreckig… 🤣
hatte ich nicht erst gestern versprochen, keine blöden Wortwitze mehr zu machen? Und jetzt schon in der Überschrift? Naja, ich hatte mich versprochen.
Heute also der Oman, ein Sultanat mit absolutistischem Herrscher, der seit 4 Jahren auf dem Thron sitzt und dessen Namen kaum jemand bei uns kennt. Sein Vorgänger, Sultan Qaboos bin Said Al Said, der 49 Jahre und 11 Monate auf dem Thron saß, ist zu allgegenwärtig. Das ist wie bei Lissi und Charlie. Na, DER Charlie! Seht Ihr? Übrigens, der aktuelle Sultan heißt Haitham bin Tariq Al Said.
Ich stieg um 7 Uhr schon in die Pantoffeln und nein, keine Sorge, das ist keine Folge einer schweren Kopfverletzung, ich tat es, damit ich vor dem Frühstück die Einfahrt in den Hafen mitverfolgen konnte. Es hat immer etwas Erhabenes, wenn man auf eine Stadt zugleitet. Und ja, auch heute war es wieder sehr schön.
Ich erwähnte ja letztlich im Zusammenhang mit Albanien schon, dass Vorstellung und Wirklichkeit manchmal ziemlich auseinanderklaffen. Den Oman, speziell Muskat, hatte ich mir auch ganz anders vorgestellt. Irgendwie wie Alexandria in kleiner oder Moroni auf den Komoren in groß. Beides trifft gottseidank nicht zu. Die Freundin des Vaters einer Freundin ist begeistert von diesem Land, eine Kollegin samt ihrer Tochter wollen hier nicht tot überm Zaun hängen. Aber was findet man denn nun tatsächlich an?
Nach dem Frühstück begab ich mich zuerst in die Landausflugsabteilung, denn ich hatte inzwischen gelernt, das viele Sehenwürdigkeiten der Hauptstadt nicht besonders nah am Hafen liegen. Leider konnte ich meine Landbuchungen nicht mehr ändern und auch kein Zusatzprogramm am Nachmittag dazubuchen. Das ist jetzt aber nicht schlimm, denn das hatte ich bereits befürchtet. So begab ich mich zu Bus 25, um mit Reiseleiterin Noof und ihrer Kollegin zu der gebuchten „entspannenden Dhau-Fahrt“ aufzubrechen. Dhaus sind traditionelle arabische Schiffe und Muskat, so sagt man, ist insbesondere vom Meer aus besonders sehenswert. Wir erhielten einen ersten Eindruck von der Stadt, als wir zum Anleger etwa 20 Minuten außerhalb des Hafens fuhren. Alles ist sehr sauber, schick und von schlichter Eleganz. Vieles ist relativ neu (das Opernhaus, der Sultanspalast), hat aber so gar nichts vom Protz und Blingbling Dubais.
Klar, der Oman spielt im Wettbewerb der Superlative auf der arabischen Halbinsel auch gerne eine Rolle. Größte Yacht, Titel verloren, noch größere Yacht musste her. Drittgrößte Moschee, Titel strittig, deswegen wenigstens größter Kronleuchter in einer Moschee. Der Oman hat Öl. Und ist somit nicht arm. Hier ist alles sauber, nett, Blumenrabatte überall und die Autos sind teure Importware. Die Prestige-Neubauten des verstorbenen Sultans sind schlicht-pompös-elegant, wenn Ihr versteht, was ich meine. Erstaunlicherweise ist das Operngebäude nicht das teuerste an der Oper in Muskat. Sultan Qaboos wollte keine Ausländer im zugehörigen Orchester und ließ daher alle omanischen Mitglieder im Ausland für ein Heidengeld ausbilden. Und wer hätte noch nicht vom Great Operahouse Orchestra of Muskat gehört? Ich hätte es gerne live erlebt, aber wir ankern ja nicht über Nacht und wer weiß, ob es eine Vorstellung gegeben hätte.
Am Dhau angekommen stürmten die Mitpassagiere aus dem Bus auf das Boot, ich bildete das Schlusslicht. Auf den Sitzbänken fand ich keinen Platz mehr und bekam vom Bootsführer einen Liegeplatz auf dem Achterdeck zugewiesen. Das war seeehr bequem. Das Boot hatte etwas Schlagseite, so mussten ein paar Dicke (ich nicht, ich durfte liegenbleiben) mit Dünnen tauschen und die Seiten wechseln. Die Fahrt war toll. Ruhig und tatsächlich, wie angekündigt, entspannend. Die Reiseleiterinnen unserer Tour hielten sich am Bug auf und so verstand ich nicht, was sie erläuterten. Aber der sehr nette Bootsführer, Sohn des Eigentümers der Flotte von Ausflugsdhaus, klärte mich über Sehenswürdigkeiten auf. Es gab kalte Getränke (Alkohol ist im Oman fast komplett tabu, daher gab es Sprite), Datteln, Kaffee. Einziges Manko an der Fahrt war, dass die Sonne vom Landesinneren aus auf Muskat schien und alles daher in einem verschwommenen Dunst lag.
Nach zwei Stunden Bootsfahrt landeten wir wieder dort an, wo wir abgefahren sind und wurden mit dem Bus zum Sultanspalast kutschiert, wo es einen sehr kurzen Fotostop gab. Der Sultan residiert dort angeblich nicht, es ist ein rein repräsentatives Gebäude für z.B. Staatsbesuche. Flugs ging es weiter zum Mutrah Souq, dem örtlichen Basar. Hier sollten wir 30 Minuten Zeit haben, bevor wir zum in Sichtweite liegenden Schiff zurückfahren sollten. Kurzes Intermezzo: Man darf im Hafen nicht frei herumlaufen. Man muss auf Zubringerbusse warten, die zwischen Schiff und Hafeneingang pendeln. Es ist also nicht zwingend erforderlich, mit dem Touristenbus zurück zu fahren. Ich erklärte also meinen Reiseleiterinnen, dass sie nicht auf mich warten sollten, ich würde noch umherlaufen, den Basar besuchen und mich dann selbst wieder zum Hafen begeben. Die Zeit sei ja viel zu kurz. Das Trinkgeld hatte ich schon in der Hand. Man erklärte mir, das ginge nicht, ich MÜSSE wieder zum Schiff mitfahren. Auf meine Frage, was denn passiere, wenn ich mich im Souk verliefe, wurde mir mitgeteilt, dass ich das ebenfalls nicht dürfe. Ihr ahnt es, es gab kein Trinkgeld.
Ich lief los, die Corniche von Muskat entlang, schaute dies und jenes an und verlief mich tatsächlich im Basar. Ich hätte nie im Leben in der kurzen Zeit zum Bus zurück gefunden. Und habe es dennoch an Bord geschafft. Juchee! Es gab eine lange Schlange vor dem Eingang zum Schiff. Weihrauch ist ein beliebtes Mitbringsel aus dem Oman, es ist an Bord aus Brandschutzgründen aber verboten. Daher gab es so eine Art Drogenkontrolle, was aber auch angekündigt war. Passagiere müssen gekauften Weihrauch abgeben und erhalten ihn am Ende der Reise zurück. Das hat den Boardingprozess natürlich arg in die Länge gezogen. Ich hatte übrigens gar nichts gekauft, da mir auch hier die potenziellen Geschäftspartner mal wieder viel zu offensiv waren. Nach einem kurzen Kabinenbesuch setzte ich mich an die Heckbar, wo mir die Lebensgschichte eines inzwischen im Ruhestand befindlichen Unternehmers zuteil wurde. Das war aber gar nicht so schlimm, wie es sich anhört, da er ein guter, wenn auch von sich ein wenig zu selbst überzeugter Erzähler ist.
Ich hatte nicht viel gefrühstückt, kein Mittagessen gehabt und so fand ich mich in der großen Büffet-Arena „Anckelmannsplatz“ ein, um ein paar Pommes, eine Scheibe Braten und Artisanbrot zu essen. Letzteres backe ich irgendwann hier in einem Kurs auf dem Schiff und wollte doch mal wissen, was ich da zusammenknete. Ich hoffe nur inständig, dass das in Kursen gebackene Brot nicht in den Umlauf kommt, denn man weiß ja nie, wie es um die Handhygiene der Hobbybäckerinnen und -bäcker bestellt ist.
Und während ich noch nach einem Platz suche, treffe ich auf L. und S. von gestern. Wir haben dann tatsächlich viel zu viel gequatscht, ich dabei dem Tischwein zugesprochen, bis mir einfiel, dass ich ja mal Tagebuch anfangen könnte. So sitze ich jetzt auf dem Zimmer und berichte, während mich pausenlos Durchsagen der „Stimme des Schiffs“ bezüglich des Status verlorengegangenen Gepäcks und verschollener Passagiere erreichen. Diesmal soll British Airways Schuld sein. Ich bin so froh, dass ich eine eigene Anreise…. ach ja, ich erwähnte es bereits. Jetzt geht es zum Ausguckdeck und anschließend zum Schnabulieren. Wir lesen uns dann gleich wieder. _____ HIER könnte Ihre Werbung stehen! _____ Vorm Restaurant traf ich dann den Herrenclub wieder und wir speiste wieder zusammen. Das W-LAN an Bord war komplett weg und somit waren auch die elektronischen Helferlein der Kellner nutzlos. Man musste die Bestellungen ganz klassisch notieren. Das hat wohl ein mittelschweres Chaos ausgelöst, denn wir warteten ewig auf das Essen und stellenweise war es dann auch einfach nur kalt. Es ist schon irgendwie irre, wie abhängig wir uns von der Technik machen.
Nach dem Essen begaben wir uns zur Pool-Bar, wo M. und R. mit ihrer heutigen Reisegruppe verabredet waren. Irgendwann war dann der eine Wein zuviel in mir drin, so fand ich mich gegen meinen Willen in der Borddisco wieder, wo ich sogar auch einmal für ein paar Sekunden das Tanzbein schwang. Habe ich alleine zur Kabine gefunden oder wurde ich von der Bordsecurity dort hingebracht, weil ich zotige Lieder sang? Ich hoffe ersteres. Auf jeden Fall musste ich erst einmal laaange schlafen. Das ist bei Seetagen ja auch kein Beinbruch.
Apropos Seetage: Da eher wenig spannende Ereignisse zu befürchten sind, würde ich die vor der nächsten Anlandung, nämlich Colombo in Sri Lanka, zusammengefasst hier posten. Es sei denn, die jemenitischen Piraten kommen doch noch an Bord. Das wäre ja ereignisreich genug, um darüber zu berichten.
Also, wir lesen uns dann in ein paar Tagen wieder, würde mich freuen, wenn Ihr wieder reinschaut.
Jedes Ende eines Aufenthaltes ist der Beginn eines anderen… (Gerry ibn Gerry ben Gerry)
Ihr Lieben,
was kann man an Land unternehmen, wenn man ausschlafen möchte, an einer verpflichtenden Sicherheitseinweisung teilnehmen muss, frühstücken will und der Shuttlebus in die Stadt eine halbe Stunde hin und eine weitere zurück benötigt und dann das Schiff auch noch um 12 Uhr abzulegen gedenkt? Irgendetwas bestimmt, aber ich entschied mich, an Bord zu bleiben. Die Krux bei Kreuzfahrten ist, dass es eben Ankunfts- und Abfahrtszeiten gibt.
Das Frühstück auf meinen letzten Kreuzfahrten wurde im Hauptrestaurant immer quasi an den Tisch gebracht. Man suchte sich ein Thema aus, Fischteller oder Käseteller z.B., und alles wurde gebracht. Das war vielleicht Corona geschuldet, auf jeden Fall saß ich eine Weile dumm im Restaurant herum, aber außer dem Kaffeemann kam erst einmal niemand. Irgendwann kreuzte ein Mann mit Orangensaft auf, „Vitamine, Vitamine!“ plärrend, dem ich ein Glas Orangensaft abnahm, was er mir dann in Rechnung stellte. Huch, nicht alles ist inklusive. Ich fand dann heraus, dass es um die Ecke ein Buffet gab, wo ich mich bedienen sollte und konnte. Nur Kaffee, Spezialeierspeisen sowie erwähnter, kostenpflichtiger Orangensaft wurden an den Tisch gebracht. Aber ich kann mich nicht beschweren, alles, was man braucht, ist vorhanden.
Um 11 Uhr schloss ich mich einer Schiffsbesichtigung an. Uns wurden die Bars und Restaurants erklärt, was ist umsonst, was kostet etwas, die Galeristin und der Fitnesstrainer durften ihr Berufsbild erläutern, Schleichwege wurden preisgegeben und verraten, wo es die Wasserauffüllspender gibt. Es sind etwa 2540 Passagiere an Bord, 300 mehr wären noch möglich, zudem haben ein paar das Schiff nicht rechtzeitig erreicht.
Wir legten eine halbe Stunde zu spät ab (die Auslaufmusik hieß „Oh, Große Freiheit“ und war eher schlagerlastig), weil auch noch sehr viele Koffer fehlten, von denen aber bekannt war, dass diese schon auf dem Weg zum Schiff waren. Letztere Information hatte ich von zwei Frauen, mit denen ich zusammen bei Gosch, dem Fischrestaurant, zu Mittag gegessen hatte. Deren Reisegruppe aus 12 Personen war nämlich davon betroffen und es war nur einem GPS-Tracker in einem der Koffer eines Mitreisenden zu verdanken, dass man die Koffer am Flughafen orten konnte. Ich glaube, ich kaufe mir auch so etwas, ich kenne ausreichend Horrorgeschichten von verlorenen Koffern und Reisen in Notfallkleidung.
Die große Gruppe ist übrigens hier, um eine Hochzeit auf See und auch den Geburtstag der Braut zu feiern. Ich finde das total nett. Was ich auch noch von den beiden erfuhr (auch, da offensichtlich in einem TUI-Reiseforum angemeldet) ist, wie abenteuerlich stellenweise die Anreise von der Reederei organisiert wurde, mit Umstieg in London, z.B. und An- oder Abreisen zu Unzeiten. Einige der Passagiere, die das Schiff verpasst haben, waren auf Umsteigestrecken unterwegs. Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich meine Flüge selbst organisiert habe. Es war ein nettes Geplauder, die Schwiegermutter in spe ist eine weitgereiste Person, die Schwester der Braut zum ersten mal mit Schiff unterwegs. Die Bouillabaisse war übrigens super!
Wir hatten uns ein bisschen verquatscht, also hastete ich zum Theater, wo ich um 15 Uhr gerade noch rechtzeitig zum Lektorat über den Oman ankam. Ein hochaufschlussreicher Vortrag über das Sultanat war das, super vorgetragen. Ernste Fakten locker präsentiert von einem augenscheinlich noch jungen Mann, der aber über enormes Wissen über die Region zu verfügen scheint.
Um 17 Uhr besuchte ich dann eine Lesung. „Geschichten über das Scheitern“, präsentiert von Victoria Wiener. Das war ganz nett und auch gut vorgetragen. Verpasst habe ich dadurch allerdings den Alleinreisenden-Treff und somit höchstwahrscheinlich die Chance, den Mann meines Lebens kennenzulernen. Naja, Shit happens.
Apropos Mitreisende, ob nun alleine, als Paar oder Gruppe: Das Publikums an Bord ist teilweise schon sehr interessant, es unterscheidet sich irgendwie auch etwas vom Phoenix-Standardpassagier. Einige laufen in besorgniserregender Couture umher. Ihr wisst, dass ich nicht rasend viel Wert auf Kleidung lege, aber wenn bestimmte Körperteile oder Bepelzungen aus der stofflichen Umhüllung rauslugen, finde ich das unappetitlich. Meinen zweiten Kaffee nahm ich in einer Lounge-Bar oberhalb der Kapitänsbrücke ein, wo ein entweder sehr verschwitzter oder aber nasser älterer Herr sich in zu locker sitzendem Bademantel an die Theke setzte. Ehrlich, das ist doch einfach nur noch Igitt.
Bei der Schiffsführung war wieder der übliche Besserwisser dabei (eine Dame, die die Fragen beantwortete, die dem Bordmitarbeiter gestellt wurden), bei der Sicherheitseinweisung eine aufgetakelte Gräfin, die laut quer durch den Raum krakeelte, man möge gegenüber doch bitte leise sein, man wolle die Einweiserin verstehen, um sodann ungeniert mit ihrem Mann zu plaudern. Der Poolbereich mit den beiden zugehörigen Bars ist proppenvoll, hier ist Fleischpräsentation ja gesellschaftlich akzeptiert, aber der Anblick ist eher Hieronymus Bosch als Sandro Botticelli. Leider gibt es dort auch hauptsächlich nur Liegen (davon offensichtlich viele „reserviert“) und keine etwas abgegrenzten Sitzbereiche. Und natürlich gibt es nette, gesittete und unterhaltsame Menschen, mit denen man entspannt plaudern kann.
Zum Abendessen fand ich mich in einer Schlange vor dem Atlantik-Restaurant ein. Es war recht voll. Ob ich bereit wäre, mich mit der Gruppe hinter mir an einen 6er-Tisch zu setzen. Ich drehte mich um und fragte die vier Männer hinter mir, ob sie sich benehmen können würden und sie erwiderten, schlechtes Benehmen ihrerseits sei ja mein und nicht ihr Problem. Es war ein sehr amüsantes und interessantes Abendessen. Zwei aus Köln, zwei aus dem Ruhrgebiet, alle kennen sich schon lange und kreuzfahren wie wild durch die Weltgeschichte. Sehr sympathisches Quartett.
Im großen Theater wollten sich nach dem Abendessen die leitenden Offiziere vorstellen. Der Kapitän begann. Ehrlich, der hätte auch Comedian werden können, das Publikum hat sich schlapp gelacht. Der Chef der Küchencrew stand ihm kaum nach. Und als der Schiffsarzt gerade übernehmen wollte, erscholl eine codierte Alarmdurchsage, woraufhin zwei Drittel der Offiziere ein bisschen zu fluchtartig die Bühne verließen. Der Kapitän beruhigte den Saal, scherzte ein wenig herum, musste dann aber fünf Minuten später auch gehen. Unruhe erfasst das Publikum. Rufe, was denn los sei, wurden laut. Ich dachte übrigens spontan an jemenitische Piraten. Die Show ging weiter. Phantom der Oper, Akrobatik, Turandot-Arie. Wie wir später per Durchsage erfuhren, gab es eine Störung an der Müllverbrennungsanlage. Und was wurde uns schon während der Sicherheitseinweisung eingetrichtert? Nicht jemenitische Piraten sind die größte Bedrohung für ein Schiff, sondern Brände.
Meinen Absacker nahm ich am Pool, wo ein Duo aus Gitarre und Stimme R&B-Klassiker performte, und das auf sehr hohem Niveau. Insgesamt ein sehr schöner Tag, auch gerade, weil wir es nicht in der BILD auf das Titelblatt geschafft haben.
Morgen dann schreibe ich den Oman meines Lebens, verzichte dabei aber dann auf schlechte Wortwitze. Oder vielleicht auch nicht. Ich freue mich auf Eure virtuelle Begleitung im Land der angeblich besten Datteln, das so gar nichts mit der Muskatnuss zu tun hat und – obwohl Sultanat – auch nichts mit der Erfindung der Sultaninen.