Tag 21: Das Weihnachtskonzert

Ihr Lieben,

auf der Wanderung gestern habe ich mir einen kleinen…. (hüstel)…. Sonnenbrand zugezogen. Dabei war ich eingecremt wie nix. Auf jeden Fall hatte ich Positionsfindungseinschlafprobleme. Aber das war nicht so schlimm, denn ich hatte morgens eigentlich ausreichend Zeit, bevor ich zu meinem nächsten Abenteuer aufbrechen wollte und konnte ausschlafen.

Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war das kurzfristigst angekündigte Auftauchen meiner Vermieterin Nadia mit einem Gehilfen, um einige meiner angeregten Instandsetzungen umzusetzen. Neue Grillroste, neuer Toilettendeckel, neue Küchengeräte, neue Terrassenmöblierung und und und. Bisschen spät, aber so hat der nächste Mieter wenigstens was davon. Und ein bisschen in Zeitnot hat es mich dann doch gebracht.

Aber zum „Abenteuer“: Heute fand das Weihnachtskonzert des Orquesta Sinfónica del Atlántico auf der Plaza de Santa Ana statt, das ist vor der Kathedrale in Las Palmas. Deswegen wollte ich in die Hauptstadt. Da es mir für eine Heimfahrt nach dem Konzert zu spät gewesen wäre, buchte ich kurzerhand ein Hotelzimmer von heute auf Donnerstag in einem Boutique-Hotel, das sehr nett und ansprechend aussah und nur 200 Meter vom Konzertplatz entfernt liegt.

Ich fand heraus, dass es die geheimnisvolle Buslinie 23 in Arinaga gibt. Da muss man zwar nicht zu Gleis 9 3/4, aber die Pläne für diesen Bus sind seeehr merkwürdig. Mittags aus Las Palmas fährt sie um 14 und 15 Uhr. Nach Las Palmas aus Arinaga um 7, 8 und 14 Uhr. Aber es ist ein sogenannter „semi-directo“, das heißt er braucht nicht lange, da er nicht an jeder Milchkanne hält. So war ich in kürzester Zeit in Las Palmas, checkte schnell ein (schönes Hotel!) und strollte mal wieder durch Vegueta und Triana. Vor dem Hotel Madrid nahm ich meine flüssige Laufbelohnung ein und aß in der Sonne ein paar gemischte Tapas auf dem Plaza de las Ranas. Insbesondere meine heißgeliebten Runzelkartoffeln waren hier besonders lecker! Dann schnell noch ein Aperitif auf der Dachterrasse des Hotels, mit Blick auf die Kathedrale und das hübsche Haus der Zentralbibliothek. Umziehen, die Nächte sind kalt, und dann los.

Ich hatte ein bisschen Angst, dass es sehr voll werden könnte und fand mit 50 Minuten vor Beginn des Konzertes auf dem Platz ein. War völlig unnötig, es blieben viele Plätze frei, obwohl man keinen Eintritt zahlen musste. Merkwürdig. Das Konzert war dann sehr nett. Thema: Navidad porteña. Ungefähr „Weihnachten in Buenos Aires“. Zuerst die europäische Uraufführung von „Rincones de Buenos Aires“ der mir unbekannten Komponistin Claudia Montero, alles andere dann aber quasi zum Mitsingen. Jazz-Suite-Walzer, Blumenwalzer, Libertango, Danzón Nr.2 usw. usf. Zum Abschluss dann südamerikanische und kanarische Weihnachtslieder.

Nach dem Konzert lief ich noch ein bisschen durch das Viertel. Also, Energiesparen ist auf diesem strengkatholischen Eiland zu Weihnachten ein UNDING! Hier wird noch Navidad zelebriert.

Im Hotel traf ich dann eine deutsche Mutter mit ihren beiden Kreischblagen, die ich schon beim Bummeln gesehen hatte. Die Töchter (schätzungsweise drei und vier) tobten im Laden herum, rempelten alle an, schmissen Sachen um, und Mutti hatte Freude. Alle schauten völlig entgeistert auf dieses Trio. Abends das gleiche im Rezeptionsbereich, weit nach 22 Uhr. Und dreimal dürft Ihr raten, wo die wohnen. Neben mir. Und machen Radau für 10. Diese völlig erziehungsunfähigen Li-La-Laune-Mütter gehen mir vielleicht so was von auf den Sack. Ich hätte auf „Only adults“ achten müssen. Ein anderes Zimmer war nicht mehr frei, aber immerhin war die Dame an der Rezeption meiner Meinung, dass die Frau komplett irre ist.

Morgen freue ich mich auf einen ausgedehnten Bummel durch die Nordstadt. Ob der Gerry wohl am Strand von Las Canteras ins Wasser geht? Ich wette, dass nicht.

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Hier ein kanarischer Hund. Lebend habe ich einen im Cocodrilo-Park gesehen. Das Tier daneben kommt mir auch bekannt vor.

Tag 20: Wie Gerry den Bogen dann doch noch raushatte

Ihr Lieben,

zuerst einmal eine Frage an die Redaktion der Sendung mit der Maus. Wieso ist es eigentlich anstrengender, einen Berg hinaufzuklettern, als eine ebene Strecke zu gehen? Die Schwerkraft ist doch überall gleich, oder? Frage für ein befreundetes Kind.

Gestern Abend sah ich mir mal topografische Karten von der Gegend um den Arco del Coronadero an. Es müsste doch zu schaffen sein, dorthin zu gelangen. Ich fand einen vielversprechenden Ausgangspunkt bei einer Art Steinbruch mit angeschlossener Zementfabrik. Dort fuhr ich gegen Mittag hin, um festzustellen, dass ich mit Manuel nicht zum Startpunkt weiterfahren durfte. Ihn stehenlassen und von dort aus zu Fuß beginnen würde meine Wanderung mal eben um knapp anderthalb Kilometer pro Wegstrecke verlängern. Ich biss in den sauren Apfel, ließ Manuel in der prallen Sonne stehen und lief los.

Das erste große Teilstück der Wanderung war – gelinde gesagt – scheiße. Bis zur Steinwasauchimmerfabrik fuhren im Minutentakt Schlepper mit Trümmern oder Steinen an mir vorbei und ließen mich durch eine Dauerstaubwolke laufen. Der Weg war zudem dermaßen vermüllt! Wie die Poller Wiesen nach einem Rasertreffen. Ich bekam Zweifel. Die ich überwand.

Nach etwa 3 Kilometern wurde es dann besser. Die Fabrik lag rechterhand im Tal, der Müll ließ nach und die Landschaft wurde schöner. Wanderwege gab es im herkömmlichen Sinne nicht, es waren eher Geröllhaufen, über die man steigen musste. Plötzlich Alarmsirenen. Ach herrjeh, wassn nu los? Dann eine Sprengung. Um die Ecke gab es noch einen Steinbruch. Aha. Nach einer Wegkehre sah ich von oben dann linkerhand ganz weit unten einen alten Bekannten: Den Stausee von meinem ersten Versuch am letzten Donnerstag. Ab da wurde es richtig schön. Zwar ohne plätschernde Begleitung, aber mit atemberaubenden Aussichten. Die Schluchten des Hondo und des Berriel, riesige Höhlen, trockengelaufene Levadas (oder wie die in Spanien auch immer heißen mögen), wunderbare Kakteen. Aber eben alles mit kaum begehbaren Wegen (mit Ausnahme eines Hochplateaus, wo man anderthalb Kilometer gehen konnte, ohne sich wegen Unachtsamkeit die Haxen zu brechen). Die Sonne brannte ganz schön (ja, wenn der edle Herr immer so lange pennen muss!) und ich kam zu einem Anstieg, der mich an meine Grenzen brachte. In der App stand 22%. Mir kam es eher wie 45° vor.

Irgendwann tönte meine App „Hier scharf nach rechts!“. Dort befand sich leider ein Abgrund. Sie bestand darauf, dass ich nur nach rechts müsse und ich sei am Ziel. „Ihr könnt mich alle mal am Arco….“ wollte ich gerade kreischen, da erblickte ich 200 Meter links unter mir einen anderen Wanderer. Ob er wisse, wo der Arco sei, brüllte ich ihn an. He shouted back that he knew (er war Engländer). Ich solle zu ihm runterkommen, er zeige es mir auf seiner App. Und tatsächlich war ich nur noch 300 Meter entfernt. Wir plauderten noch kurz darüber, wie toll man auf den Kanaren wandern kann und über die Tücken von Wander-Apps (seine hatte ihn immerhin zum Ziel gebracht). Ja, und dann war ich endlich da. Ganz alleine. Vor wildromantischer Kulisse. Und die Arcos, es sind nämlich derer zwei, sind spektakulär. Leider konnte ich keine besseren Fotos machen, mir waren da viel zu viele Abgründe, das passte nicht zu meiner Höhenangst. Zudem lagen überall Ziegenköttel rum, und wenn dann mal so ein Widder auf Dich zurennt: Schwupps, lernste fliegen. Kenn‘ mich aus, bin selbst Widder.

Auf dem Rückweg wollte ich mir noch den Túnel de Agua entre los Barrancos ansehen, aber da hatte der „sogenannte Wanderweg“ mir nach einem halben Kilometer zu viele Felsabbrüche. Und überall standen Kakteen herum. Ich hatte sofort Bilder im Kopf, wie ich in der Notaufnahme sitze und man mir Stacheln entfernt. Also lief ich zurück. Leute, ich habe nach der Hälfte des Rückwegs gedacht, ich kann nicht mehr. Es war eine Qual. Als ich beim Wagen war, schrie ich „Manueeeeeel!“ und er schrie „Huup-hup“ zurück. Wir umarmreiften uns unter wildem Geschluchze („Nie wieder lasse ich Dich so lang in der prallen Sohohohohonne stehen….“ und „Keinen Meter mehr hätte ich geschahahahahafft…..“) und fuhren nach Arinaga zurück.

Zuhause schaffte ich es nur mit Ach und Krach die Treppen hoch. Ich trank gefühlte 2 Liter Wasser ohne abzusetzen und ließ mich auf das Sofa fallen. Trotz Baulärm pennte ich sofort für eine Stunde ein. Abends wollte ich noch Kleinigkeiten einkaufen gehen. Milch, Brot und Bier. Die erste Etage schleppte ich mich runter, auf die zweite hatte ich keine Lust mehr und beschloss, aufs Einkaufen zu verzichten. Ich spüre irgendwie jeden Knochen im Leib. Ich weiß, richtige Wanderer würden über die Strecke nur kichern. Dennoch: Ich bin zwar derangiert, aber gerade rasend stolz auf mich. 🙂

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Warum ich ganz alleine bei den Arcos war? Naja, die Instagram-Ladies schaffen das mit High Heels nicht bis da oben 🙂

P.P.S.: Ein schon auf halber Strecke fixundfertiger Hobby-Autor (hinter ihm der Wander-„Weg“)

Tag 19: Glassbottomboat

Ihr Lieben,

Doris Day-Day! Wer kennt nicht ihr bezauberndes Lied über das Glasbodenboot aus dem Film „Spion in Spitzenhöschen“? Auf englisch heißt der Film übrigens (auf deutsch übersetzt) „Glasbodenboot“. Deutsche Filmverleiher beherrschten also schon in meinem Geburtsjahr die Fähigkeit, sich unglaublich dämliche Filmtitel auszudenken. Lasst Euch davon und von der etwas rückgewandten Geschlechterstereotypie nicht irritieren, es ist ein wirklich netter Film.

Ich erstand schon letzte Woche ein Ticket für eine Bootsfahrt mit einem Glasbodenboot, das mich und meine Mitpassagiere von Puerto Rico aus für drei Stunden durch die Gegend schippern sollte. Insbesondere Delphine sollten dabei gesichtet werden. Mit Garantie… Natürlich sind solche touristischen Attraktionen im Kreuzfeuer der Kritik. Aber es gibt inzwischen strenge Auflagen, wie solche Fahrten durchgeführt werden müssen. Auf Madeira hatte mir Elke mal eine entsprechende Katamaranfahrt geschenkt.

Da die Fahrt erst um 13 Uhr 30 starten sollte, hatte ich enorm viel Zeit, herumzutrödeln. Das hätte mehr Spaß gemacht, wenn man nicht heute beschlossen hätte, mit schwerstem Gerät das Riesenloch in der Straße wieder zu befüllen. Das ganze Haus hat dabei gewackelt.

Auf der Fahrt nach Puerto Rico führte mich das Navi bis zu einer Straßensperre. Und egal, wohin ich abbog, es wollte unbedingt, dass ich da durch fahre. OK, ich brachte Manuel etwa 300 Meter davor in Stellung, legte den Gang ein, trat die Kupplung und ließ den Motor röhren… Nee, ich fuhr natürlich zurück zur Autobahn und schlich mich von der anderen Seite an. Künstliche Intelligenz? Naja, eher künstliche Sturheit. Der Parkautomat war dann auch stur. Entweder Tagesticket oder gar nix. Seufz! Gottseidank ja alles nicht so teuer hier.

Das Boot war leider ganz anders als im Film. Es gab keinen Glasboden, sondern nur Fensterschlitze im Unterdeck, immerhin in verschiedenen Höhen. Aber die Fahrt war dennoch sehr schön. Ich liebe ja Bootsfahrten. Und wir sichteten Rundkopf- und Streifendelfine. Flipper, yeah! Wale gab es nur beim kurzen Badestopp zu sehen und die hatten Badewäsche an. Hach, wie gemein… Gelungene Fotos von den Delphinen gibt es nicht. Da hätte man die ganze Zeit mit Serienbildfunktion durch den Sucher glotzen müssen. Sie zu sehen war aber ausreichend.

Es war so wunderbares Wetter, ich legte noch einen Fotostopp in Puerto de Mogán ein. Also, da würde ich es auch mal 10 Tage aushalten.

In Arinaga aß ich im Salón zu Abend. Es gab Sama Frito. Frittierte Zahnbrasse. Und ich aß das erste Mal in meinem Leben Gofio. Das gilt als kanarische Allzweckköstlichkeit. Ich hatte es als Mousse und es war ganz lecker. Nussig und etwas körnig.

Im Haus wurde natürlich noch nichts gemacht. Vielleicht bin ich einfach zu nett. Ich wette, wenn ich rumkrakeelt hätte, dass ich mein Geld zurück möchte, die Touristenpolizei rufe und AirBnB mit Beschwerdenachrichten zuspamme… Aber so will ich nicht sein. Es ist ein Armutszeugnis für die Vermieterin. Ärgern will ich mich auch nicht, bin ja schließlich im Urlaub.

Alles Liebe, Euer Gerry

P.S.: Apropos künstliche Intelligenz. Manuels Bordsystem spricht mit mir, wenn ich eine WhatsApp erhalte. Sie wird vorgelesen und dann werde ich gefragt, ob ich antworten möchte. Ich sage „ja“ und z.B. „Danke für die Nachricht, ich freue mich sehr!“. Das System: „Sie sagten ’sijbed jyddisjabaf xrklgrum, labba ngrimmiso‘, möchten Sie die Nachricht so absenden oder noch etwas ändern?“ 😎

P.P.S.: Elefanten und Kühe tragen diesen Felsen seit Urzeiten…

P.P.P.S.: Was will uns der Künstler damit sagen?

Tag 18: Markttag in Jinamar

Ihr Lieben,

gestern Abend war hier noch ein Gewusel im Ort. Von der Veranda aus konnte ich beobachten wie im 10-Minuten-Takt Tanklastzüge durch die Straßen gurkten. Da sie so groß waren, mussten sie sich mit viel Kurverei durch die engen und zugeparkten Straßen navigieren. Dem wollte ich mal nachgehen und begab mit zum Epizentrum des Geschehens: Man entleerte offensichtlich die Klärgruben der Stadt. Das dauerte übrigens von 20 Uhr bis fast Mitternacht. So lange fuhren die Tanker durch die Straßen – nicht dass Ihr glaubt, ich hätte die ganze Zeit daneben gestanden. Man könnte jetzt bonmotisieren, dass der Mensch eben viel Scheiße produziert. Na, wenigstens wird sie nicht einfach ins Meer geleitet.

Jetzt geht es aber etwas appetitlicher weiter: Sonntags finden auf der Insel viele Märkte statt, unter anderem der bei Touristen sehr beliebte in Teror. Ich entschied mich aber für den als untouristisch und bei einheimischen sehr beliebt beschriebenen Markt von Jinamar. Der sollte nach Internetrecherchen hinter der Ortseinfahrt in die Stadt stattfinden.

„Das Fatale an Informationen aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen.“

G. Galilei, 1610 zu Cosimo II. de‘ Medici

Die Fahrt nach Jinamar war schon gegen Ende nicht unproblematisch. An der Ausfahrt befinden sich unter anderem auch die beliebten Einkaufszentren „Las Terrazas“ und „El Mirador“. Es war irre viel los. So wurde der Kreisverkehr zum Kreischverkehr. Endlich in Jinamar angekommen: Nix. Ich beschloss, irgendwo zu parken und mich durchzukämpfen. Schon als ich aus dem Auto ausstieg, eilte eine junge Frau auf mich zu, ob sie mir helfen könne. „Ein Tourist! Ein Tourist! Hier! In Jinamar!!“ wird sie gedacht haben. Sie erklärte mir, wie ich hinkäme und zog mich dann auch noch über die vielbefahrene Straße, damit ich schonmal auf der richtigen Seite war. So froh war selten jemand, wenn er mir helfen konnte. Aber fand ich toll.

Der Markt ist übrigens in der Calle Compañia de Jesus; falls mal jemand hinmöchte. Aber parken ist dort dann unmöglich, alles voll. Und der Markt IST groß, der Markt IST einheimisch. Es dominieren zwar Billig-Klamotten, aber es gibt auch Obst- und Gemüsestände, Fressbuden und vielfrequentierte Anbieter kanarischer Spezialitäten, wie Wurst und Käse oder Brot und Oliven. Ich erstand ein Nussbrot, gefühlte zwei Zentner Orangen und Mandarinen für 2 Euro, Avocado, Mango, Paprika, Chorizo de Teror. Heute Abend mache ich mir daraus einen Salat. Bei einem Gemischtwarenhändler kaufte ich Wattestäbchen und bekam eine weihnachtliche Pinguinglocke geschenkt. Also, alles in allem wesentlich netter als der Markt in Arguineguin.

Ich brachte meine Schätze nach Hause, machte vorher aber noch einen Abstecher zum Carrefour. Und es war Sonntag. Keine Baustelle. Vogelgezwitscher. Klare Luft und Meeresrauschen. Was macht der integrierte Deutsch-Urlauber da? Genau!!! Eine Siesta.

Diese wurde abrupt unterbrochen, weil draußen ein infernalisches Geschrei losging. War der Vulkan ausgebrochen? Sind wir alle dem Untergang geweiht? Nein, Messi hatte ein Tor geschossen. Irgendwie wurde einem sofort klar, auf welcher Seite die Canarios stehen. Sind halt doch mehr südamerikanisch als europäisch :-). Und naja, Frankreich ist Spaniens Nachbar. Nachbarn hänseln sich ja gerne.

Ich setzte mich also auf den Balkon und las ein bisschen. Die ganzen Spanisch-Lehrbücher habe ich wohl nur dabei, damit der Koffer nicht so leer war. Ich faule Sau. Nachdem ein sinuskurvenverlaufsmäßiges Geheule draußen losging, wusste ich: Elfmeterschießen. Das habe ich mir dann doch mal im Liveticker angesehen. Spannend.

Um sicherzugehen, dass der arinagische Hausvulkan noch steht, machte ich mich zu einem kleinen Spaziergang zum Leuchtturm auf. Inzwischen war wolkenloser Himmel, die Sonne ging unter und die Luft war kalt und frisch. Und was soll ich sagen: Der Vulkan steht noch.

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Der Klingelpinguin und der Hausleuchtturm. Sehen sich irgendwie ähnlich, finde ich…

Tag 17: Massenweise Schleuderpreise

Ihr Lieben,

heute früh war es gut bewölkt und ich beschloss, mich mal in Cruce de Arinaga umzusehen. Ich fragte das Internet und es antwortete, es gäbe da ein Outlet vom Corte Inglés, wo man sich für ’n Appel un’n Ei komplett neu einkleiden könne. Außerdem gäbe es einen riesigen Asia-Superstore. Also, das klang doch gut. Nix wie hin.

Auf dem Weg kam ich an einer Tankstelle vorbei. 99 Cent für Super. Was? Zwischenstopp, aber sofort. Es war eine Automatentanke, die nicht selbsterklärend war, aber irgendwas konnte ich drücken, um 20% auf irgendwas zu bekommen. Stellt Euch mein überraschtes Gesicht vor, als ich beim Bezahlen merkte, dass es um das Benzin selbst ging. So tankte ich für unglaubliche 79,9 Cent pro Liter.

Der Corte-Laden war eher überschaubar und trotz angeblicher 70% Nachlass nicht gerade preiswert. Aber es schienen auch hochpreisigere Marken zu sein. Dazu kommt, dass spanische XXL-Größen selbst an Magermodels wie Presswurstpelle aussehen. Ich kam nur mit Mühe und Not ohne Schweißbrenner aus dem ausgesuchten Pullover. Auch Schuhe fand ich keine. Schade.

Auf zum Asiashop. Der war nicht, wie ich annahm, ein Lebensmittelladen, sondern eine Halle mit wirklich allen erdenklichen China-Produkten, die man sich vorstellen kann. Und das von der Größe Islands. Baumarkt, Weihnachtsdeko, Elektromüll, Klamotten, Küchenware. Alles spottbillig. Und minderwertig. Eine großartige Fundgrube fürs Schrottwichteln. Allein für Badkleinstzubehör gab es 3 Meter hohe und 25 Meter lange Regale. Wir reden über Zahnputzbecher und Seifenschalen!

Komplett unbeladen fuhr ich zurück. Es war etwas aufgeklart und aus dem Süden erfuhr ich, die Sonne scheine. Das Thermometer zeigte nur noch 23 Grad, was ja einem Temperatursturz gleichkam. Eine Dünenwanderung passt perfekt, fand ich. Mit dem Bus ging es zum Leuchtturm von Maspalomas, von wo aus ich durch die Dünen stapfte. Mit vielen anderen Menschen, davon einige gänzlich unbekleidet. In den meisten Fällen war das kein schöner Anblick. Jaja, ich weiß, bodyshaming und so weiter… Aber ist mir wurscht. Stehe ich zu, es sollte sich wirklich nicht jeder entblättern, ich halte mich ja auch zurück. Zudem war es auf dem Dünenwanderweg und nicht abseits des Hauptweges, es ging also auch um Exhibitionismus.

So ein ganz kleines bisschen versöhne ich mich peu-a-peu mit dieser Ecke der Insel. Ich lief nämlich noch an der ein oder anderen netten Stelle vorbei. Aber heiraten werden wir nicht.

Mit dem Bus ging’s dann wieder nach Arinaga, dort nahm ich im Salón de la Sal ein Belohnungsbierchen zu mir. Dünenwandern ist anstrengend. Aber ich muss ja für die Dünen in Sossusvlei im April vorbereitet sein. 😁

Auf der Terrasse des Salón wird wild gestikulierend und laut das Leben diskutiert, auf der Mole stehen die Angler vor der Windparksilhouette, hinter der die Sonne untergeht, über den Bergen im Westen türmen sich dunkle Wolken, während östlich über dem Meer alles noch klar ist, und das Meer brandet an die Promenade.

Erwähnte ich schon, dass ich gern hier bin und es mit gut geht?

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Die Sandbildhauer sind auch hier aktiv…

P.P.S.:

Intermezzo am Tag 16: Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?

Ihr Lieben,

ein kleiner Bericht außer der Reihe von meinem Observatoriumsbesuch. Ich nehme eins vorweg: Muss man nicht haben. Aber der Reihe nach. Die Veranstaltung sollte um 21 Uhr beginnen, das bedeutete Nachtfahrt mit Manuel. Bis zum Abzweig nach Temisas war das auch noch kein Akt. Dann aber ward es zappenduster und kurvig. Nach nur einem halben Kilometer auf dieser ansteigenden Serpentinenroute wurde jemand hinter mir nervös. Ich verlangsamte, um zu signalisieren, dass ich eine Vorbeifahrt wünschte. Ah, ein Guagua. Kein Wunder, dass der nicht hinter mir herschleichen wollte. Ich hingegen wollte die Gelegenheit nutzen, um mich an den Bus zu kleben, um besser voranzukommen. Naja, ich hatte Manuels Kreislaufprobleme unterschätzt. Der Bus war schon längst in Panama, da versuchten wir noch, wieder zumindest auf 15 km/h zu beschleunigen. Aber war egal, den Rest der ganzen Strecke war ich allein. Eigentlich fangen so ja Gruselfilme an.

Oben angekommen musste ich erst einmal vor der Einfahrt warten, das Zufahrtstor war noch geschlossen. Irgendwann erschien dann der Dozent und schloss auf. Inzwischen war die Autokarawane schon stattlich angewachsen. Der Herr vom Observatorium bedeutete mir, ich solle die Schlange anführen und hochfahren. Hallelujah, eine einzige Schlaglochquälerei. Wir parkten dann in Reihe die Schotterpiste entlang.

Was aussieht wie die Minen von Mordor, ist Temisas vom Observatorium aus.

Zu Beginn wurden die Namen abgefragt, eine Deutsche und ich wurden gefragt, ob wir denn Spanisch verstünden und hüstelten ein Geht-so raus. Ich nehme es vorweg: Besonders viel habe ich nicht verstanden…. Als der Vortrag schon begonnen hatte, stürmten 5 weitere Personen den Saal, von denen der Gruppentroglodyt 50 cm neben mir Platz nahm, einen angefressenen Döner beendete, um dann während der ganzen Veranstaltung lautstark Schleim hochzuziehen und rumzuhusten. Zwischendurch prokelte er mit ungeahnter Hingabe in seinem ausladenden Zinken und erforschte die Fundstücke ausgiebig. Als ihm das zu langweilig wurde, zog er Schuhe und Socken aus und knetete an seinen Füßen rum. Das war der Zeitpunkt wo ich publikumswirksam meinen Gartenstuhl schnappte und umzog. Die Stühle waren nämlich leider abgezählt. Also, mal ehrlich, sind solche Menschen eigentlich so zahlreich oder habe ich nur ein Händchen, solche Leute anzuziehen. Und, wahrscheinlich interessanter: Was hat ihn bewogen, dieser Veranstaltung beizuwohnen??

Im Grunde ging es beim Vortrag um Asteroiden und Meteoriten. Ich habe verstanden, dass es Milliarden davon gibt und wir alle irgendwann wegen irgendeines Einschlags sterben werden. Dann ging es noch um Planeten (warum ist Pluto keiner mehr?) und um chemische Zusammensetzung von Gestirnen. Das war ganz interessant, die Farbe am Himmel sagt nämlich etwas über die Zusammensetzung aus. Wir durften dann ein paar Meteoritenstücke in die Hand nehmen und ein kleines… nunja…. Zimmerchen mit Ausstellungsstücken ansehen, das hochtrabend als Museum bezeichnet wurde.

Dann alle raus, Sterne gucken. Das war wirklich toll. Der Sternenkundler hatte einen Laserpointer dabei, der wirklich bis zum Sirius leuchtete, und erläuterte alles, was wir so sahen. Unter anderem Mars und Jupiter. Aber auch Taurus, die Plejaden und dergleichen mehr. Leider nahm dieser Part der Veranstaltung nur einen Bruchteil der Zeit ein. Es waren auch noch zwei Periskope aufgebaut, einer auf Jupiter, der andere auf einen mir unbekannten Haufen Sterne gerichtet. Um die wurde sich dann geprügelt.

Mr. Pointer mit seinem Laserschwert

Die Zeit war eigentlich rum, aber ein paar Personen quatschten unseren Dozenten zu, sie hatten wohl dringende Fragen zu klären. Leider wurde es kälter und kälter und ich hatte schon meine Strickwaren übergezogen. Und leider gehörte diesen interessierten Personen der letzte Wagen in der Reihe. Irgendwann saßen die Meisten bei laufenden Motoren in ihren Autos und warteten und warteten. Also, wenn ich nicht wegen dieses rumrotzenden Steinzeitfundes krank werde, dann wegen der Warterei in der Kälte.

Fazit: Geile Lasershow, super Sternenhimmel, aber dann doch eher was für Hartgesottene. Falls Ihr mal überlegt, das Observatorium zu besuchen: Fahrt lieber raus in die Berge und nehmt eine Sternenkarte mit. Auch die Blicke von oben auf die hellerleuchteten Küstenstädte ist ein Traum.

Der Rückweg war easy, denn ich konnte mich an die vorausfahrende Wagenkolonne hängen (bergab war das für Manuelito kein Problem) und 40 Minuten später habe ich dann selten mit sooo viel Genuss ein Bier getrunken. 🙂

Und jetzt noch ein Glaserl Wein und dann heißt es „Sleep you very well in your klapprich Bedgestell“, wie meine Oma Hamburg gerne reimte!

Alles Liebe
Euer Gerry

Blick zur Küste

Tag 16: Ene Besuch em Zoo

Ihr Lieben,

heute früh kam um 9 Uhr Nadia, die Besitzerin der Wohnung, um sich anzusehen, was ich zu bekritteln hätte. Sie war nach eigenen Angaben lange nicht da und hat sich auf Ihre Angestellten verlassen. Sie war ausreichend peinlich berührt über die vielen Mängel und bat vielmals um Entschuldigung. Sie wird einige Dinge sofort richten lassen und Ihre Leute dazu anhalten, genauer hinzusehen. Ich bekomme unter anderem bis spätestens Montag eine neue Kaffeemaschine, einen anderen Terrassentisch und einen vernünftigen Schirm. Bin gespannt.

Nach dem Gespräch fuhr ich dann… nein, nicht wirklich in den Zoo, sondern in den Cocodrilo Park (cocodrilo, wir erinnern uns doch hoffentlich!). Werbetafeln hatte ich dafür ausreichend gesehen, aber es für einen Vergnügungspark gehalten. Gestern dann fand ich heraus, dass der Park eine staatliche Auffangstelle für gerettete Tiere ist. Na, da musste ich als Eselmensch doch hin.

Um es vorwegzunehmen: Es ist natürlich auch ein Vergnügungspark, u.a. mit Fütterungsvorführungen. Aber ich hatte den Eindruck, dass es den Tieren dort einigermaßen gut geht, auch wenn ich den Stresslevel nicht beurteilen kann. Sie stammen zum größten Teil aus illegalem Handel, sind ausgesetzt gefunden worden, wurden von überforderten Besitzern selbst abgegeben oder von der Polizei beschlagnahmt, wie z.B. die vier Schimpansendamen, die als Fotomotiv für Touristen bis zu ihrer Beschlagnahmung wohl kein erfreuliches Leben hatten.

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl von Tieren. Von Affen über die namensgebenden Krokodile bis hin zu Zebus. Ich nahm an der Krokodilfütterung und der Fütterung der fleischfressenden Vögel teil. Es gab dreisprachige Erläuterungen zu den Tieren. Hier einmal ein paar Bilder:

Am Nachmittag machte ich dann ein kleines Nickerchen, die Bauarbeiten ruhten gerade. Leider nicht für lange. Dennoch ist Siestamachen eine wirklich sinnvolle Erfindung.

Gleich habe ich eine astronomische Lehrstunde in der Fundación Canaria Observatorio de Temisas. Sie startet um 21 Uhr und wird auf Spanisch gehalten, eine andere Sprache wird zur Zeit nicht angeboten. Ich hoffe, ich verstehe zumindest ein bisschen was. Ein bisschen Sorge macht mir, dass es total bewölkt ist und ich im Dunklen durch die Berge kurven muss. PUH! Ich erzähle dann morgen, wie es war.

Liebe Grüße
Euer Gerald

Tag 15: Das Wandern ist des Geherryhys Lust… oder Frust…

Ihr Lieben,

die Baumaschinerie startete heute schon um viertel vor 8. Große Freude. Dennoch drehte ich mich nochmal um und trödelte auch beim Frühstück. Nebenher googelte ich nach interessanten Orten auf der Insel. Und fand den Arco del Coronadero. Einen durch Erosion geformten Gesteinsbogen. Ach, wie nett, da fahre ich dann doch mal hin. Gesagt, getan, gescheitert. Wie das?

Das Navi führte mich bis hinter Agüimes, wo ich dann auf eine Schotterstraße einbiegen sollte, 6 Kilometer entfernt vom Ziel. Neee, mein Lieber, da fahre ich dran vorbei. Der Alternativabzweig dann war noch schotteriger als der erste und die dritte Alternative war gar nicht vorhanden. Das Navi bat mich, quasi auf einen Acker zu fahren. Hm, zurück zur ersten Schotterstraße, die Manuel dann mit Tempo 3 entlangzuckelte. Bis die Schlaglöcher immer größer und größer wurden und mich jedwede Lust verließ. Ich zuckelte zurück und machte mich nochmal mit der Karte vertraut. Wenn ich bei Bahía Feliz parken würde, müsste ich nur viereinhalb Kilometer laufen. Gesagt, getan, gescheitert. Wie das?

Die von der Wanderapp vorgeschlagene Route führte mich an „betreten verboten“-Hinweisen vorbei, in einen Tunnel unter der Autobahn und dann die Berge hoch, bis zu einem kleinen Stausee, der im Barranco Berriel von einem kleinen Wasserlauf gespeist wurde, den ich weiter entlang laufen sollte. Aber die Berge rückten immer näher zusammen, der Fluß wurde immer breiter und das Schilf immer dichter. Nach zweidrittel der Wegstrecke war kein Durchkommen mehr. Das kann auch daran liegen, dass die App mich ver-APP-elt hat. Manchmal spinnt die ein bisschen, was Wege angeht.

Dennoch war es eine schöne Wanderung, ich war ganz alleine, am Stausee herrschte eine schöne Stimmung und das plätschernde Wasser entlang des Weges beruhigte auch ungemein. Ich sah bzw. hörte einige Tiere, sogar ein Raubvogel war dabei. Insgesamt eine schöne Wanderung. Später studiere ich mal auf Satellitenkarten, wie ich vielleicht besser zum Arco kommen könnte.

Da ich schon einmal in Bahía Feliz war, schaute ich es mir kurz an, auch dem Nachbarort San Agustín stattete ich einen Besuch ab. Sagen wir mal so: Wenn man einfach mal eine Woche All-inclusive mit Bespaßung haben möchte, ist man hier wohl nicht ganz falsch. Aber wirklich ansprechend ist anders. Von vielen Hotels schallt zu viel Musik überall hin.

Um halb 6 war ich wieder daheim. Die Baumaschinerie lief immer noch, wieder ohne erkennbaren Grund. Ein herrenloser Generator ohne ein stromabnehmendes Gerät. Ich bin zwar kein Experte, aber: Ach herrjeh.

Gleich gehe ich nochmal in den Ort und schaue mir die flanierenden Menschen an. Es ist so geil (sorry, musste sein!), am Meer sitzen zu können und die Wellen rauschen zu hören. Ich kann meine Muschelschubsergene nicht verleugnen.

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Und ganz spezielle Grüße heute mal an meine lieben Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung, die den ganzen Tag gewerkelt haben, um uns auf dem Betriebsweihnachtsmarkt super zu präsentieren. Danke, Ihr Lieben!! Erholt Euch gut von mir!

Tag 14: Tobas de Colores del Barranco de las Vacas

Ihr Lieben,

manchmal koche ich ja irgendetwas nach, weil ich den Namen so ansprechend finde. Und manchmal besuche ich Orte, weil es mir mit Ortsnamen genau so geht. Also, ich finde „tobas de colores del barranco de las vacas“ (in etwa: Farbiges Tuffgestein in der Schlucht der Kühe) schon witzig. Zudem wollte ich mir etwas in der Nähe suchen, da ja meine Nachbarn auf Stippvisite vorbeischauen wollten. Also, nix wie hin da. Mini-Wanderung. Und klein und voller Menschen. Ein Instagram-Hotspot. Es haben sich Frauen beim Tanzen filmen lassen oder beim Lasziv-Rumräkeln auf den Felsen. Immer mit einem „Aufpasser“ dabei, damit die elenden Touri-Pisser nicht ins Bild laufen. Naja, wer mich kennt…. Hier mal ein paar Impressionen von der Schlucht (ohne Rumgeräkel):

Da ich da so schnell durch war, beschloss ich noch, in die Guayadeque-Schlucht zu fahren und das Casa Cueva Canaria zu besuchen. Das hatte ich beim Surfen zufällig entdeckt und es wurde als Neuheitenshop gepriesen. Mitten in der Pampa. Na, wenn das nicht neugierig macht, was dann???

Der Barranco del Guayadeque ist ein erstaunliches Naturwunder. Man fährt durch und ist von allen Seiten von hunderten von Metern hohen Bergen umgeben. Eine Traumkulisse. An den Höhlenhäusern angekommen, besuchte ich den Souvenir-Shop (denn als das erwies sich der Neuheitenshop) und kaufte unter anderem einen Stier aus Metall. Muss ich nachher alles mit in den Flieger schleppen, aber ich konnte mich nicht beherrschen. Ich habe ja auch zuhause so gar keine Skulpturen. Meine Schwägerin nennt so etwas übrigens gerne Stehrümchen.:-) Die Höhlenwohnungen kann man wohl als Unterkunft mieten. Für Wanderer bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Was auffällt, auch auf anderen Strecken, ist, dass mitten im Nirgendwo ein Restaurant steht. Meistens für Barbecues. Und die Parkplätze immer gerammelt voll, bei wenigen Mietwagen. Sie können also nicht allzu schlecht sein. Für mich wäre das eher selten was. Die Promillegrenze in Gran Canaria liegt quasi bei Null, d.h. 0,25 % in der Atemluft. Das ist nix. Aber ehrlich, ich möchte hier auch nicht angetütert fahren. Mir kamen heute wieder diverse Busse und LKWs entgegen, bei zweien musste ich zurücksetzen, bis eine Ausbuchtung kam. Manuel liebt das, rückwärts den Berg hoch. Und ich noch viel mehr.

In Arinaga angekommen, legte ich dann meine Gardeuniform an. Staatsbesuch war angesagt. Arturito und Hubertus aus Maspalomas hatten ihren Besuch ja angekündigt. Als sie eintrafen, besichtigten sie erst einmal mein trautes und sehr lautes Heim (auf der Baustelle lärmten die Motoren, aber wieder einmal ohne erkennbare sinnvolle Tätigkeiten dabei) und so beschlossen wir, unser Pläuschchen an gemütlicherem Ort abzuhalten. Wir liefen einmal die Promenade rauf und wieder runter und bereicherten dann den Salon de la Sal mit unserer Anwesenheit. Gegen Abend verabschiedeten sich die Beiden dann wieder, leider ohne die Abschiedsmusik der von mir bestellten Blaskapelle. Die wird morgen was von mir zu hören bekommen!

Am Abend wollte ich dann mal wieder 3 Stunden am Stück Spanisch lernen. Wurde aber wie immer nix. Ich ging lieber aus und aß ein paar Tapas und lief noch einmal die Promenade auf und ab. Das war nett.

Ich habe für die kommenden Tage ein paar Dinge geplant. Unter anderem einen Besuch des Observatoriums bei Temisas, freitagnachts. Wohl wissend, dass alles nur auf Spanisch erläutert wird und ich nichts verstehen werde. Aber Sterne…. Hey! Die sind so magisch!

Dann treffe ich mich noch mit der Vermieterin am Freitagmorgen, um ihr mal zu zeigen, was alles in der Wohnung nicht stimmt. Ich möchte betonen, dass sie das wissen möchte (okayokay, ich schrieb ihr, dass Beschreibung und Realität keine gute Bewertung zuließen). Sonst wäre es mir etwas zu deutsch 🙂 Hier mal ein Bild des Schirms auf der Terrasse. Ich passe da leider nicht drunter.

Ansonsten bin ich – wenn das Wetter schön ist – morgen im Norden. Und wenn es da nicht so schön ist im Süden. Und wenn es überall nicht schön ist, in Las Palmas. Oder in Arinaga. Kleine Insel, große Vielfalt!

Liebe Grüße
Euer Gerry

P.S.: Das Kreuz im Beitragsbild steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem tödlichen Unfall. Auf den Gebirgsstrecken gibt es Verkehrsschilder, die die Anzahl der tödlich verunglückten Radrennfahrer über die letzten 5 Jahre des jeweiligen Streckenabschnittes anzeigen. Das ist schon spooky.

P.P.S.: Das ist übrigens die Kirche in Arinaga… Wollte aber eigentlich nur mal wieder mit dem blauen Himmel Neid schüren.

P.P.P.S.: Von den beiden Fotos hier (ich nenne sie Qualle und Krabbe) zeigt nur eines ein Tier. Wer weiß, wieso?

Tag 13: Halbzeit

Ihr Lieben,

ja, ich weiß, es ist Jammern auf aller-, aller-, allerhöchstem Niveau. Aber ich habe schon den halben Urlaub rum. Heul! Zeit, in sich zu gehen oder aber in den Waschsalon; ich hatte nur für zwei Wochen gepackt. Also war letzteres gerade wichtiger. In mich gehen kann ich ja auch später im Leben noch. Oder danach.

Zwar hat das Haus eine Gemeinschaftswaschmaschine, aber weiß Gott, wie viele Parteien darauf Zugriff haben. Hier wohnen nur ich und nebenan eine Familie, aber die Maschine läuft ununterbrochen. Und einen Trockner gibt es auch nicht. Theoretisch ein Wäschereck, aber das habe ich nur einmal flüchtig gesehen. Wer weiß, wo es sich sonst aufhält!? Vielleicht fährt es genau so gerne auf der Insel herum, wie ich.

Also Waschsalon. Da geht es schneller und – haltet mich für bekloppt – ich finde Waschsalons ja auch irgendwie beruhigend. Dass ich nicht ganz alleine mit dieser merkwürdigen Vorliebe bin, bezeugen BAPs Song „Ich geh‘ so unwahrscheinlich gern mit Dir in den Waschsalon“ und der tolle Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ von Stephen Frears und Hanif Kureishi. Um die Ecke des Salons gibt es ausreichend Cafés und Bars, die morgens schon geöffnet haben, so dass ich auch mit Kaffee und Gebäck versorgt war.

He leido todo sobre la Reina Letizia…

Die Benutzung der Maschinen wurde mir von einem sehr freundlichen jungen Mann erklärt; ein älterer Herr, der vor Dutzenden von Jahren in Köln einmal gekellnert hatte, unterhielt sich mit mir über die Schönheiten der kanarischen Inseln. Auf Spanisch mit nur ganz wenigen englischen Einsprengseln! Gerry voll integriert 🙂

Nachdem ich die saubere Wäsche in meinem Refugium verstaut hatte, fuhr ich nach Telde, der zweitgrößten Stadt der Insel. Früher Sitz einer der beiden Guanartemes der Insel, so hießen die altkanarischen Herrscher. Der andere Sitz war übrigens in Gáldar und die Herrschaftsgrenze war ziemlich genau in der Mitte der Insel. Das passt ja ganz gut zum Thema Halbzeit.

Telde hat eigentlich keine großartigen Sehenswürdigkeiten, aber es gibt die beiden wunderbaren Stadtteile San Juan und San Francisco. Über diese beiden Stadtteile schrieb ich schon 2019. Heute schaute ich mir neben den beiden auch einmal die Innenstadt, die größtenteils verkehrsberuhigt ist, an. Für eine untouristische Stadt ist Telde wirklich nett. Es gibt schöne Parks, eine nette Fußgängerzone, die allerdings am frühen Nachmittag wie ausgestorben dalag, und vor der Kirche San Gregorio steht eine meterlange Krippe zum Bestaunen.

Heute war strahlenblauer Himmel und es war sehr heiß. Die Thermometer in Telde zeigten zwischen 30 und 32°C an. Und da ich mir wieder einen Wolf gelaufen habe, war ich am Ende des Tages mal wieder ausreichend erschöpft. Als Belohnung machte ich meinen ultrateuren Wein aus Santa Lucia auf und aß ein Arroz Negro, dass ich an einer der Essenstheken im Supermarkt erstanden hatte. Legga!

Morgen kommen die Herren Nachbarn zu Besuch. Da freue ich mich drauf und habe den Cava schon kalt gestellt. Trinkt Ihr ein Schlückchen mit?

Alles Liebe
Euer Gerry

P.S.: Gestern gab es übrigens Randale vor dem Haus. Drei Jugendliche rissen Teile des Bauzauns um und schmissen mit Rohrteilen, die dort verlegt werden sollen herum. Das war vielleicht nicht besonders schlau, weil die halbe Straße am Fenster hing und von denen nochmal die Hälfte das ganze mit Handy filmte. Und einer der Bubis verschwand dann auch noch in einem Hauseingang in der Straße. Seeehr gerissen!