Natürlich hat das schon jemand anders mal genauso oder ähnlich gemacht. Dennoch schadet eine Erinnerung nicht, wie leicht köstliche Pasta gezaubert werden kann.
Jeder kennt den Italiener im Veedel, der diesen ausgehöhlten Parmesankäselaib hat, in dem er kurz die Nudeln schwenkt – vorzugsweise wirklich pur, maximal mit Pfeffer – um ein wirklich leckeres Gericht zu zaubern. Was aber, wenn man keine 750 Euro für einen solchen Brummer ausgeben mag? So geht es auch:
Nudelwasser aufsetzen, reichlich salzen und Pasta hineingeben (ich empfehle für das Gericht lange Nudeln, wie Tagliatelle oder Spaghetti). Sie sollten gefühlt eine halbe Minute vor dem „al dente“ abgegossen werden.
Während das Nudelkochwasser anfängt, zu brodeln, werden Knoblauch und Chili – für die Weicheier eine halbe rote ohne Kerne, für ganze Memmen, die hinterher jammern eine ganze mit – geschnibbelt und in einer großen Pfanne in reichlich Olivenöl angeschwitzt. Parmesankäse reiben! Eine halbe Kelle Nudelwasser und dann die fast fertigen Nudeln von weiter oben in die Pfanne geben. Jetzt wie wild Parmesan darüber streuen und rühren, bis das ganze eine cremige, käsige Konsistenz ergibt. Grob pfeffern. Ein Tropfen gutes Trüffelöl krönt das Ganze. Bisserl Parmesan dann auch noch drüber.
wie Ihr ja vielleicht wisst, ich habe einen Orangenbaum adoptiert, ich habe nun Früchte ohne Ende, die ich mir von der zugehörigen Crowd-Farming-Farm schicken lassen kann. Sie sind herrlich saftig und sehr aromatisch. Ich habe schon Orangenkuchen damit gemacht, sehr viele gegessen und auch viele verschenkt. Für Saft sind sie eigentlich zu schade, aber auch der schmeckt ausgezeichnet.
Schon bei Wilhelm Busch heißt es: „Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“. Daher gibt es heute Orangenaufgesetzten! Nur wollen wir dabei nicht unser Leben lassen, wie Buschs fromme Helene. Dazu nehme ich mir 9 kleine und 3 große Früchte. Alle heiß waschen und dann mit einem Sparschäler oder Zestenreißer viel Schale abschneiden, aber mit möglichst wenig weißer Haut. Bei mir ergab das 400 Gramm, also für jede der drei Karaffen 135 Gramm Zesten. Hinein damit, ebenso wie mit den neun kleinen, komplett von Schale befreiten, in grobe Stücke zerteilen Orangen. Je 3 pro Karaffe.
Dann presse ich die drei großen Orangen aus und köchelte den Saft mit 100 Gramm braunem Rohrzucker und 200 Gramm weißem Zucker bei mittlerer Hitze auf dem Herd ein, um den Zucker aufzulösen. Den so entstandenen „Sirup“ zu gleichen Teilen über die Orangenbestandteile in den Karaffen gießen. Jetzt alle Karaffen mit Korn auffüllen. Bei mir waren das zwei Liter. Mit einem langen Löffel umrühren, Deckel drauf und mit einem – bitte nicht lachen – Einmalhandschuh überziehen, damit nicht so viel Luft drankommt oder, noch viel schlimmer, es zu viel „Angel’s Share“ gibt; den verdunsteten Alkoholanteil bei der Whiskyherstellung nennt man so. Klarsichtfolie geht natürlich auch oder man nimmt direkt ein fest verschließbares Gefäß (ich hatte kein freies zur Hand).
Auf die Fensterbank stellen, Wärme und Licht tun dem Likör nix, ab und zu umrühren und nach etwa einem Vierteljahr (Kostprobe nehmen) abseihen und in kleine Fläschchen zum Verschenken füllen und in große zum Selbstverzehr 🙂
von den kanarischen Inseln brachte ich ja Gofio mit, das ist eine Art Mehl aus verschiedenen Getreiden, Hülsenfrüchten und Gemüsen in verschiedenen Rezepturen. Auf den Kanaren ist das quasi ein jahrhundertealtes Grundnahrungsmittel. In einem ersten Versuch bereitete ich zuhause „Gofio escaldado“ zu, eine Art Crème z.B. als Dip. Die war ziemlich langweilig und unspektakulär. Ich werde mich zu gegebener Zeit noch einmal mit einer anderen Herangehensweise daran versuchen.
Heute gibt es nun Gofio-Brot. Da die Crème nachher sehr fest wurde (wahrscheinlich wegen in Gofio enthaltener Klebstoffe), habe ich die Teigausbeute, sprich das Mehl-Flüssigkeits-Verhältnis, sehr hoch gesetzt. Zuerst löste ich einen halben Würfel Hefe und zwei Teelöffel Zucker in 450 ml warmem Malzbier auf. Ich gab 350 Gramm Weizenmehl, 150 Gramm Gofiomehl, einen halben Esslöffel Salz, ein paar Chiliflocken und einen halben Eierbecher Essig dazu (nicht auf dem Bild).
Der Teig wurde etwa 20 Minuten im Knetmodus meiner Küchenmaschine malträtiert (ich goss schon ziemlich zu Anfang das restliche Malzbier dazu) und dann zum Gehen eine Stunde abgedeckt stehen gelassen. Nach Ablauf einer halben Stunde Wartezeit heizte ich den Ofen schon auf 230°C vor, mit einem gusseisernen Topf mit Deckel darin. Nach der Stunde nahm ich den Topf aus dem Ofen und setzte den Herd auf 200°C runter. Ich holte den Teig aus der Schüssel, faltete in noch ein paar Mal, wobei ich eine Tasse Haferflocken untermischte. Dann formte ich einen Brotlaib, den ich auf Backpapier in die heiße Gusseisenform gab. Ein paar mehr oder weniger künstlerische Schnitte gesetzt, ein paar weitere Haferflocken drübergegeben und ab mit Deckel in den Ofen. Nach 40 Minuten Ofen auf 180°C runterstellen, das Brot aus dem Topf nehmen und etwa weitere 20 Minuten backen, bis der gewünschte Bräunungsgrad bzw. Krustehärtengrad (jaja, das Wort gibt es – zumindest seit soeben!) erreicht ist.
Ja, dann abkühlen lassen und genießen. Schmeckt ganz gut, ist vor allem malzig und nussig.
im amerikanischen Filmen und Serien taucht gelegentlich mal ein Pineapple Upside Down Cake auf. Das ist ein berühmter amerikanischer Kuchen. Ein andere Art Tarte Tatin, wenn der Vergleich gestattet ist (naja, sind schon zwei verschiedene Paar Schuhe). Aber da ich ja jetzt kiloweise Orangen daheim habe, mache ich den mit Orangen. Wieso ich so viele Orangen habe? Ich habe einen Baum in der Nähe von Valencia adoptiert und erhalte jedes Jahr 80 Kilogramm Früchte. Übers Ernte-Jahr verteilt natürlich.
Die Orangen schäle ich und schneide sie in Scheiben. Ich brauchte übrigens ein paar mehr als auf dem Foto. Erstens ist so eine Springform doch größer als ich dachte und zweitens habe ich gefühlt jede dritte Scheibe gegessen. Die Orangen sind aber auch so was von legga!
In die Springform klemme ich Backpapier ein und sprühe die ganze Form mit Backtrennspray aus. Dann gebe ich eine verrührte Masse aus je 50 Gramm braunem Zucker und Butter auf das Backpapier und streiche sie glatt. Darauf dann die Orangenscheiben. Beim Pineapple Cake kommen dann in die Lücken Cocktailkirschen. Ich nahm stattdessen halbierte Weintrauben.
Auf dieses Kunstwerk kommt dann ein Teig, der aus 150 Gramm Butter, 100 Gramm Zucker, 2 Tütchen Vanillezucker, 2 Eiern, einem 2/3 Tütchen Backpulver, einer Prise Salz und 150 Gramm Mehl und ein bisschen Orangenabrieb (je nach Geschmack) angerührt wird. Dann so lange Orangensaft zugeben, bis der Teig geschmeidig ist und sich gut auf dem Obst verteilen lässt.
Den Kuchen nun für ungefähr 45 bis 50 Minuten bei 180°C in den vorgeheizten Ofen. Ich setze vorsichtshalber noch eine Tarteform unter die Springform, falls etwas auslaufen sollte. Auf die Bräune achtgeben und darauf, dass der Küchenwecker nicht hängen bleibt (Insider? Nein, siehe hier!). Etwas abkühlen lassen und dann stürzen. ¡Que aproveche bien!
vorletztes Jahr gab es beim Großhändler einen Winzerglühwein auf der Angebotsfläche, da nahm ich mir mal von jeder Sorte (Bacchus, Dornfelder und Rosé-Cuvée) eine Flasche zum Probieren mit. Und ich fand die super. Natürlich war dann der ganze Bestand nach drei Tagen verkauft, so dass ich keinen mehr bekam, als ich aufstocken wollte
Letztes Jahr im November stand der dann wieder da. Da haste aber mal nen Gerry stapeln sehen. Kartonweise wurde Cora beladen! Einer nach dem anderen. Und jetzt stehen gefühlt 20 Kisten im Keller, selbst ich kann ja gar nicht so viel trinken. Daher wird jetzt mal eine Flasche verkocht.
Ich schwitze in Sonnenblumenöl ein Kilogramm grob gehackte Zwiebeln an und gebe dann ein Kilogramm Rindergulasch dazu. Gut umrühren, bis alles rundum leicht angebraten ist. Darauf ein Kilogramm gewürfelte Kartoffeln und ein Kilogramm geputzte und halbierte kleine Champignons. Jede Zutat nach Geschmack würzen. Ich nehme Salz, Pfeffer und Chilipfeffer. Oben drauf dann 3 gehäufte Teelöffel Gemüsebrühe und zwei Teelöffel Zucker. Eine Flasche Glüh-Dornfelder angießen, zwei Zimtstangen versenken, Topf verschließen und schmoren lassen (bei mir im Ofen 150°C, ca. 3 1/2 Stunden), bis das Fleisch schön zart ist. Währenddessen eine weitere Flasche Glühwein konsumieren, um die Wartezeit zu überbrücken.
Und jetzt kann man das Ganze verbesondern. Zum Beispiel mit dunkler Marmelade und noch mehr Zimt. Oder aber mit getrockneten Früchten wie Aprikosen oder Datteln, die dann aber gegen Ende noch etwas mitkochen sollten. Zuletzt ggf., je nach Gusto, noch etwas andicken und mit Nudeln oder Spätzle auftischen oder einfach pur als Eintopf genießen.
erkältungsbedingt musste ich meine Zusage zu einer Silvester-Party zurücknehmen. Dennoch wollte ich jetzt abends nicht nur Toast essen. Einkaufen wollte ich auch nicht. Mir war schon die Tage vorher alles viel zu voll: die Stadt, die Supermärkte, die Straßen.
Als ich so lustlos am Tag Wäsche wusch, aufräumte und in den PC glotzte, stieß ich bei letzterem auf den Instagram-Kanal „einfachjapanisch“, wo ein netter Mann erklärte, wie einfach man Teriyaki-Sauce selbst machen kann. 1 EL Zucker mit je 2 EL Wasser und Sojasauce sowie je einem EL Wein und Honig mischen. Solange bei geringer Hitze simmern lassen, bis alles dickflüssig wird. Dabei stetig mischen. Habe das sofort ausprobiert und als sehr lecker befunden!
Ich schälte bzw. putzte und würfelte dann 2 rote Zwiebeln, den berühmten Ingwerdaumen, vier Koblauchzehen und eine rote Chilischote und briet alles in Sonnenblumenöl an, bis es glasig war und lecker roch :-). Dann nahm ich das Gemüse heraus und briet gesalzenes und gepfeffertes Hähnchengeschnetzeltes an, gab später das Gemüse wieder dazu, warf eine Handvoll halbierter Kirschtomaten rein und übergoss alles mit der Teriyaki-Sauce. Dazu noch ca. 100 ml flüssige Schlagsahne. Alles einköcheln lassen und nebenher die Beilage vorbereiten, in meinem Fall Spiralnudeln. Wenn die Nudeln fertig sind, mit Kirschtomaten und Petersilie garnieren und verputzen.
Leute, das war soooo lecker! Durchaus einem Silvesterabend angemessen.
Allen einen guten Rutsch und ein tolles Jahr 2023! Bleibt gesund, optimistisch und gut gelaunt. Euer
ich habe TK-Blätterteig, der verarbeitet werden muss. Und Frühlingszwiebeln. Und die Kokosmilch musste ich auch mal nach Verfallsdatum sortieren. 🙂
Daher ging ich mittags zur Tiefkühltruhe meines Vertrauens und erstand gemischte Meeresfrüchte. Die tauen bis zum Abend schon mal gut auf in einem Sieb.
Daheim rolle ich den TK-Blätterteig noch einmal ein bisschen aus und baue mir dann Förmchen daraus, die ich mit Eigelb-Milch-Gemisch bestreiche und im Ofen nach Packungsanweisung backe. Hinweis: Ein Muffinblech leistet hier gute Dienste. In der Form siehe Bild unten, auf der Rückseite der Form siehe Beitragsbild (da kann man dann auch die „Kuppeln“ gut drauf machen).
In der Zwischenzeit bestäube ich die aufgetauten Meeresfrüchte mit etwa 2 EL Mehl und brate die dann in einem großen Topf mit etwas Rapsöl an. Ein oder zwei klein gewürfelte Schalotten dazu sowie das weiße der geputzten Frühlingszwiebeln. Dann eine Packung Kokosmilch mit einem Tütchen gelbem Thai-Curry dazu. Sollte das Ragout zu flüssig sein, wird noch einmal mit Mehlbutter gebunden. Dann noch einen Spritzer Zitronensaft dazu und abschmecken.
Das Ragout in die Blätterteigförmchen füllen, mit dem Grünen der Frühlingszwiebelgrün garnieren und mit Salat nach Wahl servieren.
Ich mag die Kuppel über den Schiffchen, aber es geht natürlich auch so:
Wegen einer Nachfrage dieser Nachtrag:
Da waren sie natürlich noch nicht richtig ausgebacken.
aus dem türkischen Supermarkt brauchte ich neulich ein paar Gewürze und da stieß ich auf eine Mischung namens Baharat. Das ist – wenn man das so sagen darf – das arabische Curry. Jeder mischt es anderes, aber gewisse Basisgewürze sind wohl gleich. Damit wollte ich dann umgehend mal einen Eintopf probieren. Direkt im Laden noch mit Lammgulasch, scharfer Rindswurst und diversen Gemüsen eingedeckt und daheim dann losgelegt.
Zuerst briet ich das Gulasch in reichlich Olivenöl an, gab darauf dann die Zwiebeln, Knoblauch und gewürfelte Kartoffeln und würzte hier schon ausgiebig mit der neuerworbenen Mischung. Darauf dann kleingeschnittene Wurst, Zucchini, Paprika und Tomaten und nochmal gut würzen, auch mit Salz und Pfeffer und einem Extralöffelchen Zimt. Eine Bergchili habe ich auch noch reingepresst. Wie immer sind die Ingredienzen austauschbar. Lauch oder Aubergine oder mit Huhn. Bei mir müssen halt immer Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch in solche Eintöpfe. Jetzt einen Liter Gemüsebrühe angießen und so lange köcheln lassen, bis das Fleisch zart und die Kartoffeln weich sind. Ich habe das im Schnellkochtopf gemacht und habe nach 35 Minuten abgedampft. Das haute hin. Nachwürzen und mit Pitabrot auf den Tisch.
von Zeit zu Zeit treffe ich mich mit meinem Vater und meinen Brüdern zu einem Kaffeekränzchen 🙂 Heute war ich Gastgeber, daher kredenzte ich selbstgemachten Kuchen und – da auch meine beiden ältesten Neffen mitkamen – davon direkt derer zwei. Beide bereitete ich zu einen Tag zuvor zu.
Einfach, aber ganz lecker ist eine Tarte au chocolat. Für die trenne ich 4 Eier und schlage das Eiweiß mit einer Prise Salz steif. Dann schlage ich einen halben Block weicher Butter mit 175 Gramm Zucker und den vier Eigelben zu einer homogenen Masse, in die ich dann die nicht mehr heiße, aber zuvor im Wasserbad geschmolzene Schokolade gebe (ich nahm 250 Gramm von der Sorte Madagaskar 70%). Wieder verrühren, etwa 50 Gramm Mehl mit einem halben Teelöffel Zimt und einem Esslöffel Vanillesirup ebenfalls einrühren und dann den Eischnee unterheben. Ab in eine gefettete Springform (24er, ich habe aus Versehen eine 28er genommen, da wurde der Kuchen etwas dünn) und für 20 Minuten in den vorgeheizten Ofen bei 200°C. Nach dem Abkühlen mit Schokoglasur überziehen (150 Gramm der gleichen Schoggi mit 100 ml Sahne Schmelzen lassen und auftragen. Den Kuchen serviere ich mit Sahne und einem Beerenkompott (TK Waldbeeren mit ein wenig Gelierzucker aufkochen und wieder erkalten lassen, Verhältnis etwa 4:1, es soll ja keine Marmelade werden).
Kuchen Nummer zwei ist eine Pfirsich-Joghurt-Quark-Torte (oder PfiJoQuaTo) ohne Backen. Ich verrühre 1 kg 10%igen Joghurt mit 500 Gramm Vollfettquark (40%), 200 Gramm Zucker, einer Tüte Vanillepuddingpulver und dem Abrieb und dem Saft einer kleinen Zitrone. Die Masse gebe ich, wie beim Hang-Op, in ein mit einem sauberen Baumwolltuch ausgelegten Sieb und lasse sie ein paar Stunden abtropfen.
Währenddessen zerbrösele ich mit einem Nudelholz 200 Gramm Karamellkekse und mische sie mit 100 Gramm geschmolzener Butter. Mit diesem „Teig“ bedecke ich den Boden einer Springform und stelle diese dann für einige Zeit kalt. Später gieße eine Dose Pfirsiche ab, schneide die Hälften der Früchte in Achtel und lege den Boden damit aus (ein paar Schnitze zurückbehalten für die Deko). Darüber dann die Quark-Joghurt-Creme (etwas zurückbehalten) und glattstreichen, wieder ab in den Kühlschrank. Vor dem Servieren dann aus der Springform lösen, die Seiten mit der übrigen Creme nachstreichen, noch ein bisschen Pfirsichdeko drauf und fertig ist eine erfrischende und unkomplizierte Torte. Schön ist zwar anders, sie suppte bis zum Servieren ein bisschen aus, aber ich bin ja auch kein Konditor. Schmeckt trotzdem.
Meine Oma Olfen hatte einen wunderbaren Garten, mit vielen Obstbäumen und -sträuchern, Rosenbeeten, einer riesigen, windgebeutelten Kiefer vorm Haus. Es war ein kleines Paradies. Kirschen, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Stachelbeeren und, und, und… Und ein Quittenbaum, der ein von uns Kindern eher misstrauisch beäugtes Schattendasein führte. Konnte man doch dieses harte, merkwürdige Obst nicht verzehren. Meine Großmutter machte daraus immer Gelee, das sehr lecker war, aber die Frucht an sich war mir suspekt. Inzwischen habe ich dazu gelernt. Aus der Überproduktion von Bäumen der Bekannt- und Verwandtschaft machte ich Quittenlikör, Quittenbrot, Quittenmus und auch Gelee. Nicht zu vergessen: Rotweinquitten zu Wild.
Nun hat mir meine liebe Nachbarin Beate eine halbe Tüte Quitten in den Spanischkurs mitgebracht. Daraus machte ich dann nur Gelee, weil mir dieses Endprodukt noch am meisten zusagt. Wobei der Likör auch was konnte. Das Gelee nimmt etwas Zeit in Anspruch, ist aber super simpel, auch wenn man keinen Entsafter besitzt, den meine Oma natürlich hatte! Und der damalige Entsafter hat nichts mit den Modellen von heute zu tun! Googelt mal.
Aber wie machen wir denn nun das Gelee? Zuerst werden die Früchte gründlich geschrubbt, der Flaum muss weg. Dann werden Blüte, Stiel und Kerngehäuse entfernt und die Quitten geachtelt. Man könnte auch das ganze Obst nehmen, aber die Kerne enthalten z.B. Blausäure. Man müsste einiges an Quittengelee essen, um einen Effekt zu spüren, aber sicher ist ja bekanntlichermaßen sicher. Faule Stellen muss man natürlich großzügig ausschneiden, bei Schimmel ist die ganze Frucht wegzuwerfen. Achtung: Braunes Fruchtfleisch heißt nicht automatisch Fäule; das kann von Wassermangel kommen oder von zu später Ernte. Das Obst ist dann trotzdem verwendbar. Man merkt den Unterschied aber: Faul = weich, verfärbt = fest.
Die geachtelten Quitten kommen in einen großen Topf, es wird der Saft einer großen Zitrone zugegeben und Gewürze nach Wahl. Ich nahm eine Zimtstange und eine große Knolle grob zerteilten Ingwer mit Schale. So etwa 5 der allgegenwärtigen Daumengroßeningwerstücke. Alles knapp mit Wasser bedecken, zum Kochen bringen, runterschalten und für ein bis zwei Stunden köcheln lassen. Bei mir waren es 80 Minuten, bis die Früchte weich waren und eine toller Duft nach Quitten die Bude durchwehte.
Jetzt einen noch größeren Topf nehmen, dort einfallsreich ein Seih- oder Passiertuch befestigen und die gekochten Quitten mit dem Sud in das Tuch spedieren und gut abtropfen lassen. Die Menge an Flüssigkeit wird abgemessen und eine entsprechende Menge Gelierzucker hinzugefügt (2:1). Nach ein paar Minuten sprudelnden Aufkochens kann man dann ein bisschen der Flüssigkeit auf eine Untertasse tropfen lassen und beurteilen, ob der Grad der Festigkeit des Gelees für einen persönlich ausreicht. Wenn nicht, sollte man das Gelee noch weiter kochen lassen. Man kann übrigens noch Vanille oder Rum zugeben (oder was man auch immer als passend erachtet). Ich nahm auf 1,5 Liter ein Schnapsglas Triple Sec und etwas Vanille.
In sterile Gläser füllen, gut verschließen und voilà…. hat man eine leckere Kindheitserinnerung.
Was den Garten von Oma Olfen angeht: Den gibt es nicht mehr. Die Käufer des Hauses hatten etwas gegen Bäume und Früchte. Was sehr traurig ist. Der große Pflaumenbaum ragte weit in den Himmel und man konnte am besten ernten, wenn man auf das Garagendach stieg, bis zu dem die Äste reichten. Und dann war Klettern angesagt. Heutzutage in vielen Familien wahrscheinlich undenkbar. Und man durfte keine Angst vor Wespen haben. Die mochten die dicken, prallen, tiefvioletten Zwetschgen genau so sehr wie wir. Gegenüber, an der anderen Ecke des Hauses die Kirschen. „Könnt Ihr nächste Woche in die Kirschen gehen?“ hieß es in Westfalen. Wir gingen oft in die Kirschen. Und aßen Kirschpfannekuchen, Kirschkuchen und kochten die roten Früchte ein. Die Stachelbeeren! Es gab die grüne, die gelbe (meine Lieblinge!) und die rote Sorte. Die Kernobstbäume trugen nicht viel, aber lecker. Da kommt kein Pink Lady aus dem Supermarkt ran. Aber vielleicht ist all das nur Verklärung. Es war ein bisschen heile Welt. Und die Quitte gehörte auch irgendwie dazu.