Köln-Nizza (12): Malaga

Ihr Lieben,

was ist ein Urlaub ohne Krankheit? Ihr wisst ja, ohne geht bei mir nicht. Ich wachte in der Nacht mit Hals- und Kopfschmerzen auf und hatte auch Schnupfen und leichte Temperatur. Heißa! Ich spielte Pillenparade und legte mich wieder hin. Drei Stunden später waren zumindest die Schmerzen weg. Soweit wieder hergestellt lief ich, nach einem kleinen Frühstück, vom Anleger aus, am Leuchtturm und dem Centre Pompidou vorbei, bis zur unteren Burg Málagas, der Alcazaba. Neinneinnein, kein Fieberwahn, das Pompidou gibt es hier in winzig auch. Genau wie ein Museum Thyssen-Bornemisza, die Colección del Museu Ruso und andere bekannte Ableger.

Die Alcazaba hinauf fährt ein Aufzug, der Eingang dazu befindet sich hinter dem pompösen Rathaus. Später sah ich, dass man andernorts auch hätte hochkraxeln können, aber glaubt mir, man läuft sich auch mit Aufzug in Málaga die Füße platt. Ich war noch nie auf bzw. in der Alhambra, man vergleicht das hier ein bisschen. Möglicherweise ist das aber ein wenig übertrieben. Es ist nett. Vergebens suchte ich dann nach einem Weg von dort auf die obere Burg. Die Kolonnen von Fußgängern, die sich hinaufächzten, konnte man aber von unten aus sehen. Ich befragte das Internet, das schlug vor, ich solle doch mit dem Bus Nr. 35 hoch fahren. Das tat ich dann. Dumme Idee, ganz dumme Idee! Der fährt nämlich nur einmal die Stunde, also wartet man ewig, und ist dann auch noch brechend voll. Mit Touristen. Sehr zur Freude übrigens der Einheimischen!

Oben ist es toll. Die Burganlage ist riesig und die Mauern gut erhalten bzw. restauriert. Es gibt eine kleine Rüstkammer, ein Kapellchen und ein Bar. Oh, eine Bar, wie nett, ein Tischchen mit Blick über die Burg und die Stadt aufs Meer war frei. So gönnte ich mir einen Tinto de Verano, das ist ein Rotwein mit Eis, Zitrone und Limonade. Quasi das Radler der spanischen Winzer. Ich mag das sehr gerne. Gibt es spanienweit und auch auf Kuba. Nach einem Rundgang über die Stadtmauer ging es dann den Fußweg zurück ins historische Zentrum. Der ist einigermaßen steil, vielleicht war die Busfahrt doch eine gute Idee. Aber man hat per pedes natürlich die besseren Ausblicke, über die Stierkampfarena, die Stadt und natürlich immer das Meer. Wunderbar!

Unten kommt man an besagtem Alternativzugang zur Alcazaba heraus, wo sich direkt um die Ecke das Forum Romanum befindet. Wenn man dieses rechts liegen lässt, stößt man auf den Merced-Platz, wo ich die Markthallen stürmte, die natürlich leer und ausgestorben waren. Außerdem merkte ich erst auf dem Schiff wieder, dass ich in den falschen Markthallen war, ich wollte eigentlich in die von Ataranzas. Naja, immerhin war direkt um die Ecke das Geburtshaus von Picasso. Der übrigens mit vollem Namen Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso hieß. Ein Visitenkartendesaster ist da doch vorprogrammiert! Ich habe das kleine Museum darin jetzt aber nicht besucht. Ich nehme es vorweg: Ich war in gar keinem Museum, in keiner Kirche, in keiner Sehenswürdigkeit innen drin, dafür ist ein halber Tag Málaga einfach zu kurz.

Ich lief durch die Altstadtstraßen am Picassomuseum vorbei zur Kathedrale. Die wird hier „La Manquita“ genannt, weil ihr seit einem Baustopp im 18. Jahrhundert der zweite geplante Turm fehlt, der ist nur rudimentär hochgezogen worden. Warum seitdem nichts passiert ist? Na, wahrscheinlich hat man Kölner mit der Fertigstellung beauftragt. Auf jeden Fall ist dieses Ding riesig; der Ehre Gottes ist auch ohne zweiten Turm Genüge getan.

Es ging weiter ins Künstlerviertel Soho, wo ich mir Galerien, Kunst im öffentlichen Raum, Murals und dergleichen versprach. Nun, die Ausbeute war dünn. Ich befragte die KI, die mich aber noch mehr in die Irre führte. Mit viel Mühe und Not fand ich drei bekannte Wandmalereien berühmter Künstler und lief mir dabei eine Blase.

Gottseidank gab es auch viele Cervecerías hier. Ich ließ mich auf zwei Tanques nieder. Kleiner Sprachkurs zu den verschiedenen Bierglasgrößen in Spanien gefällig? Oh nein, dazu fehlt uns die Zeit. Ein Tanque ist aber in etwa eine Jarra, die ja quasi etwas mehr als das Doppelte einer Caña ist. Dazwischen liegt dann die Copa, das kleine Flaschenbier ist dann ein Tercio. Und so weiter und so fort. Am Nachbartisch ein halbnackter, alter Alpenländler, der in breitestem Dialekt telefonierte und dauernd fette Geldsummen herausposaunte und sich dabei beifallheischend umsah. Es gibt schon merkwürdige Hobbys.

Ihr merkt schon, es gibt viele leckere Rosinen in Málaga (nein, nicht der Nackedei natürlich). Wie im gleichnamigen Eis, das hier in der Stadt vom Turrónier Prudente Dimas Mira zu Beginn der 70er Jahre erfunden wurde. Das Lokal Mira gibt es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Natürlich musste ich da auch mal hin. Ich war gezwungen, gleich zwei Kugeln Eis zu bestellen, denn auf jeden Fall musste ja Málaga dabei sein und natürlich auch Nougat, denn das ist der Ursprung des Turróns. Was soll ich sagen? War ganz lecker, der Laden aber unspektakulär und das Eis teuer. Zwei Kugeln in einem Hörnchen 7 Euro 10.

Die Calle Marqués de Larios, wo sich die Eisdiele befindet, ist Málagas Prachteinkaufsstraße, von der aus ich eisschleckend in die ein oder andere Nebenstraße schaute. Dabei hinterließ ich eine Kleckerspur sondergleichen, denn es waren 25°C und das Eis schmolz wie Eis… äh… nun… in der Sonne. Ich war seit sechs Stunden unterwegs und die Blase protestierte unangemessen laut. Also, die am Fuß. Ich musste zum Schiff zurück. Das dauerte dann auch noch einmal eine halbe Stunde.

Alles in allem ist Málaga natürlich ein Traum-Kreuzfahrer-Ziel: Der Hafen direkt an der malerischen Stadt mit dieser Kulisse! Mit den ganzen Yachten, den mondänen Läden und den Promenaden und Palmen. Aber es ist auch für Kulturbeflissene ein Träumchen. Denkt an die ganzen Museen und Kirchen. Ich habe beschlossen, dass ich auf jeden Fall noch einmal nach Andalusien kommen werde, auch um andere Orte zu besuchen, aber vor allem, um hier drei oder vier Tage zu verbringen. Nebenbei schmeckt’s hier nämlich auch sehr gut. Andalusien hat viel zum Ruhm der spanischen Küche beigetragen.

Morgen ist wieder Seetag. Diesmal bin ich aber nicht unfroh, möchte ich doch den Krankheitsanflug komplett niederringen und zudem meinen geschundenen Ballettfüßchen – wer hat da Weinstampfer gerufen? So eine Frechheit! – eine Auszeit gönnen. Ja, und dann sind wir schon in Marseille, wo ich früh morgens über die Reling geworfen werde und zusehen muss, wie ich nach Nizza komme.

Ihr Lieben, ich hoffe, der Ausflug hat Euch Spaß gemacht und wir treffen uns morgen zu einem nur kleinen Bericht und dann in Frankreich zu weiteren Schandtaten. Bis dahin alles Liebe, Euer

P.S.: Ich habe ja ganz vergessen, über die Straße von Gibraltar zu schreiben! Also, es war dunkel, man konnte die Ufer erahnen, es war windig und es hätte mich beinahe von Bord geweht. Aber es war ein tolles Erlebnis! Erstaunlicherweise ist nur eine Handvoll Passagiere auf den Oberdecks gewesen.

Ich habe ein schönes Video dazu gedreht. Leider lädt das Bordinternet es nicht in meinen Blog hoch. Ich liefere es in Köln vielleicht nach.

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