Ihr Lieben,
da wird einem ein Besuch in Wäscherei und Küche geschenkt und was macht der Gerry? Er verpennt. Ich finde aber auch Verabredungen um 8 Uhr früh ziemlich gedankenlos. Ich wachte halb 10 das erste Mal auf, draußen regnete es Bindfäden. Ich glotzte auf dem Bett liegend ungelogen fast eine Stunde auf das graublaue Szenario vor meinem Balkon. Das war sehr entspannend, „des reflets changeant sous la pluie“ singt Charles Trenet zutreffend in seinem Chanson „La Mer“.
Heute passierte tagsüber naturgemäß nicht rasend viel. Ich aß heute ausnahmsweise mal Pizza im Sahara-Restaurant, die wurde von Mitreisenden in höchsten Tönen gelobt. War ganz okay. Dann erlief ich die Decks 5 bis 7, wo die Unterhaltungsindustrie angesiedelt ist. Es gibt ein Casino, eine Shopping Mall, das Theater wird zum Kino umfunktioniert. Neben den Bars und Restaurants komplettieren Fotostudio, Reisebüro und Rezeption das Angebot.




Im Casino darf geraucht werden, entsprechend stickig ist es dort. Die Decks 12 bis 16 haben auch öffentliche Bereiche, hier residieren Buffet, Sport und Spa sowie die Poollandschaften samt Bars. Auch die Schönen und Reichen residieren dort. Es gibt nämlich Bereiche, da kümmert sich ein Butler-Service um die Gäste. Fotos erspare ich Euch, zu viele Nackedeis. Also am Pool, nicht im Yacht Club. Obwohl, wer weiß.
Wir hatten vor Jahren zu mehreren schon einmal eine sehr schöne Villa in Südafrika gebucht, da war auch ein Butler dabei (was wir nicht wussten). Das war irgendwie unangenehm, er wollte sogar unsere Wäsche waschen, was wir aber unpassend fanden. Er hingegen fand es unpassend, dass wir ihn baten, sich zum Frühstück zu uns zu gesellen. Man muss in solche Situationen wohl hineingewachsen sein. Lustigerweise hieß er auch Gerald.
Für den Abend hatte ich einen Tisch im Spezialitätenrestaurant „Butcher’s Cut“ reserviert, dem schiffseigenen Steakhouse. Dafür muss man dann blechen, aber der Menüpreis ist einigermaßen zivil. Und es war wirklich hervorragend. Nur den Käsekuchen bekomme ich selbst deutlich besser hin.





Am Nachbartisch saß ein deutschsprachiges Paar, die eine nicht zu überhörende politische Diskussion führten. Leutz, ich bin für ein Verbot von Politik beim Essen. Das verdirbt doch das Ambiente. Sie schwiegen sich auch ab einem Punkt böse funkelnd gegenseitig an. Ich war froh, dass deren Tischzeit dann vorbei war und das Nachfolgerpaar eine Sprache sprach, die ich nicht verstand. Klang wie finnisch.
Ihr Lieben, das soll es für heute gewesen sein, habt einen schönen Abend und schlaft lecker. Morgen fahren wir nach Guimarães; Ihr kommt doch mit, oder?
Liebe Grüße, Euer

