Ahrweiler – etwas Umgebung

Ihr Lieben,

heute habe ich mit ein strammes Programm vorgenommen! Aber ich erinnere nur an Bert Brechts Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens. So wie ich mir das vorstellte, klappte es natürlich nicht.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und fuhr zur Burg Olbrück. Die, wie ich aus meinen Recherchen zwischen Spiegelei und Obstsalat herausfand, erst um 11 Uhr öffnen sollte. Ich wollte dann abends in meinem Blog witzeln, dass sie damit das Geschäft ihres Lebens verpasst haben, weil ich geplant hätte, den gesamten Souvenirladen leerzukaufen. Vor Ort angekommen musste ich feststellen, dass alles – trotz angekündigtem Eintrittsgeld – frei begehbar und recht öde war. Witzig waren alleine Stationen, an denen man an einer Exkalibur-Schwert-Imitation ziehen konnte. Daraufhin wurde etwas über die Burg erzählt. Fazit: Schöne Ruine, aber möglicherweise für einen weiteren Umweg den Aufwand nicht wert. Die Aussichten, die sich bieten sind aber hübsch.

Mein nächster Stopp war die Benediktinerabtei Maria Laach. Wow. Was ein Trubel. Ein Disneyland für Gläubige. Kloster, Klostergärtnerei, Klostergaststätte, Klostershop, Klosterhofshop, Klosterschmiede, Klosterdies und Klosterdas. Der Klosterparkplatz eine Herausforderung! Aber alles sehr sehenswert und beeindruckend. Ich erstand einen „Klingelbeutel“ Klosterbier und einen Klosteressig. Die Kunstschmiedekunst war nicht wirklich nach meinem Geschmack, aber die Gärtnerei hat mich begeistert! Zudem war gerade in der Klosterkirche hohe Messe, als ich da reinpurzelte. Ich überlegte noch, zum See zu laufen, brach aber nach zwei Kilometern ab und kehrte um, da der See durch Gestrüpp nur zu erahnen war und ich nicht wusste, wann ich zu einer freien Sicht gelangen würde. Hier muss man definitiv mehr Zeit einplanen, als ich es tat.

Wir kommen nun zu einem Märchenschloss: Schloss Bürresheim. Wuuuunderschön! Eine hinreißend gut erhaltene Burg mit Schlossteil. Ich kam genau richtig zu einer Burgführung (ohne die geht es nicht ins Innere). Die Räumlichkeiten sind bis 1938 von den Abkömmlingen der Erbauer (klar, mit wechselvoller Geschichte) bewohnt worden und alles ist quasi im Original erhalten. Verschiedene Baustile prägen den Komplex. Die Führung war erstaunlich gut gebucht und sehr informativ.

Leider wurden aus der mir an der Kasse anvisierten 40 Minuten für die Führung weit über eine Stunde und ich musste umdisponieren. Denn ich wollte mich ja um 15 Uhr mit Silvia und Georg von der Afrika-Reise in Remagen treffen. Die von mir geplanten Stationen Schloss Namedy und der Kaltwassergeysir in Andernach fielen der zu engen Planung zum Opfer. Auf dem Weg hielt ich nur kurz noch bei Schloss Ahrenthal, wo ich aber nur den unspektakulären Vorbau fotografierte, um dann festzustellen, dass ein landwirtschaftliches Großfahrzeug, das ich erst kurz zuvor überholt hatte, wieder vor mir war.

Ehrlich, das kam heute dreimal vor, dass ich im Schritttempo hinter speziellen Gefährten fahren musste. Dazu die Fahrweise der Ureinwohner hier, erkennbar an den Kennzeichen AW oder MYK, die unter aller Sau ist, gepaart mit Motorradfahrern, die ihres Lebens ganz offensichtlich überdrüssig sind. Daher stelle ich mir vor, dass diese gar nicht wünschten, dass man im Falle einer Verunglückung anhält und ihnen irgendwie hilft. In der Eifel Auto zu fahren erfordert viel Umsicht und Nerven.

Mit dem Hotel in Remagen hatte ich vereinbart, dass ich kurz vor 3 Uhr einchecke, um pünktlich beim vereinbarten Treffpunkt sein zu können. Und ich wollte Cora in der Tiefgarage des Hotels abstellen. Leider konnte man vor dem Hotel nicht wirklich parken und als ich dann nach zweimaligem Fahren um den Block in einer Hausnische halten konnte, war niemand da. Ich probierte ein paar Rufnummern an der Eingangstür und bekam nach ein paar Minuten Einlass. Cora in die Garage, Koffer aufs Zimmer, einmal Wasser ins Gesicht klatschen und ich war auf die Sekunde genau im Restaurant.

Dort konnte man sich zwar nicht an eine Reservierung erinnern, schob aber zwei Minitische auf der hoffnungslos überfüllten Terrasse zusammen und brachte mir die Speisekarte. Ich schrieb eine WhatsApp: „Bin da!“ und schickte ein Selfie mit. Prompt kam eine Nachricht zurück, dass ich im falschen Restaurant, auf der falschen Terrasse säße. Man warte schon auf mich. Wie peinlich! So kam ich dann mit 10 Minuten Verspätung am richtigen Ort an.

Was soll ich sagen… Eigentlich wollte ich am späten Nachmittag noch Sightseeing in Remagen machen. Appollinaris-Kirche, die berühmte Brücke… Aber es war dann so nett mit Silvia und Georg, dass wir uns total verquatschten. Dann die Rechnung zahlten, dann nachorderten, dann die Rechnung zahlten…. Aber es ist auch ein wirklich schönes Treffen in einem wirklich schönen Restaurant geworden. Übrigens: Die Fischsuppe war ein Traum!

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust: Jetzt sitze ich in meiner Butze und finde es schade, dass meine kleine Tour schon wieder zuende ist. Aber ich freue mich auch, dass es so eine schöne Tour war.

Ich hoffe, es hat Euch auch ein bisschen gefallen, mich zu begleiten und ich freue mich auf unsere nächste gemeinsame Reise. Wahrscheinlich ist dies ein Kurztrip nach Nordenham.

Liebe Grüße, Euer Gerry

Ahrtal – Ahrweiler (2)

Ihr Lieben,

am Abend trank ich auf dem Zimmer natürlich noch das ein oder andere Glas Wein, als ein fürchterliches Grunzen einsetzte. Einer meiner Zimmernachbarn schlief offensichtlich mit geöffneten Fenstern, meine waren auch sperrangelweit aufgerissen. Und er schnarchte um sein Leben, das hatte ich so noch nicht gehört. Selbst die Einbauschränke wackelten. Ein Hoch auf den modernen Hörschutz.

Um halb 9 morgens begab ich mich ins Bistro, wo das Frühstück serviert wurde. Es war ganz anständig. Leider fing es draußen an zu nieseln, das versprach schon mal nichts Gutes. Als ich noch fantasierte, mit Regenschirm bewaffnet ausreichend gerüstet zu sein, verstärkte sich der Regen zur Bindfadendichte. Also fiel der Beschluss, mit Cora durch die Lande zu fahren.

Erste Station war der ehemalige „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes“, im Volksmund „Regierungsbunker“ genannt. Dort kann man zu einem sehr stolzen Eintrittspreis eine Führung buchen, die  Fotografieerlaubnis kostet ebenfalls extra. Aber es ist wahnsinnig interessant und spannend! Angelegt in einem früher geplanten, nie fertiggestellten Eisenbahntunnel wurde auf über 17 km Wegstrecke der Ernstfall geprobt und alles für die wichtigsten Vertreter des Volkes vorgehalten. Heute vielleicht undenkbar! Nach damaligen Verhältnissen atombombensicher, autark und angeblich super geheim. Dazu muss man wissen, dass nach der Wiedervereinigung die kompletten Pläne des Bunkers in den Archiven der Stasi gefunden wurden. Es lohnt sich, pünktlich zur Eröffnung hier zu sein, da es sich später ziemlich knubbelt, wahrscheinlich insbesondere bei Regenwetter.

Als die Führung zu Ende war, nieselte es immer noch. Daher war mein nächster Stopp die Römervilla. Die Existenz einer bestehenden großen römischen Anlage war wohl schon länger bekannt, das Ausmaß wurde aber erst sichtbar, als in den 80er Jahren die Umgehungsstraße in Ahrweiler gebaut wurde und dabei die Ruinen in ihrer Gesamtheit freigelegt wurden. Jetzt ist alles überdacht und man kann die Fundamente und Überbleibsel eines römischen Herrenhauses mit Nebengebäuden begehen. Hier ist der Eintrittspreis noch zivil, insbesondere wenn man eine Gästekarte hat, zudem ist es, jedenfalls für mich, immer spannend, Wege entlang zu laufen, auf denen vor Tausenden von Jahren schon andere Menschen gegangen sind. Und dabei ein bisschen ihre Geschichte zu spüren.

Auch nach diesem Programmpunkt hatte das Wetter sich noch nicht wirklich gebessert. Ich beschloss, den schönsten Programmteil meiner Reise jetzt zu absolvieren. Ich ging weinkaufen. Ja, ja! Dieses Verb existiert, es wurde extra für mich erfunden. Von mir. Und von anderen vor mir wahrscheinlich auch. Ich fuhr zur Winzervereinigung, zum Kloster Marienthal und zu Brogsitter und belud Cora, bis sie ächzte. Ich fürchte, meine Kreditkarte ächzte auch. Aber das höre ich ja Gott sei Dank erst Wochen später.

Erst jetzt klarte es endlich etwas auf, ich stellte Cora auf dem Hotelparkplatz ab und lief durch das Adenburgtor die Weinberge hoch zur Gedenkstätte Silberbergtunnel. Kurz bevor man an der Gedenkstätte ankommt, hat man einen sagenhaften Blick auf ganz Ahrweiler. Der Silberbergtunnel gehörte auch zu dem Eisenbahnprojekt, das durch die französischen Besatzer untersagt wurde, daher stehen dort Viaduktpfeiler, aber die Verbindung für die Schienen wurde nicht mehr fertiggestellt. Dafür konnten sich im Zweiten Weltkrieg die Ahrweiler bei Angriffen in der sogenannten „Stadt im Berg“ verschanzen. Bis zu 2400 Menschen fanden dort Unterschlupf, bis durch Bombardement auch der Tunnel zerstört wurde.

Ich überlegte, noch zur Weinbergkapelle weiterzuwandern, hörte dann aber das 16-Uhr-Läuten aus der Stadt, ein klares Zeichen, zurückzugehen und für das leibliche Wohl in Form eines großen Krugs Bier zu sorgen. Auf dem Weg am Bahnhof vorbei dachte ich darüber nach, noch schnell nach Bad Neuenahr zu fahren, aber dann fiel der Zug aus. Ja ehrlich, kann man mir noch klarere Zeichen geben? Ich denke nein!

Ich beschloss im Marktbrunnen einzukehren, wo ich 10 Minuten lang beobachtete, wie sich drei Kellner kettenrauchend ausschließlich mit sich selbst beschäftigten, so dass ich die Lust verlor und zu meinem gestrigen Tisch beim Hotel zum Stern zurückkehrte. Den passenden Loriot-Ausspruch, ob ich den Herren vielleicht etwas bringen könne, verkniff ich mir. Im Stern wurde ich prompt bedient und plauderte auch noch nett mit dem Kellner.

Das Abendessen gestaltete sich schwierig. Ich hatte zu spät in den von mir ausgewählten Gaststätten angerufen. Alles ausgebucht. Auf gut Glück ging in den Innenhof der Pizzeria Perla, wo ich noch einen Platz ergattern konnte. Das war gut so, denn die Chefin war super nett, der Wein extrem lecker und das Essen sehr gut.

Alles in allem kann man es an der Ahr auch mal bei Regen aushalten. Es war ein schöner Tag und ich könnte noch länger bleiben. Morgen mache ich dann das Umland unsicher. Ihr seid doch sicherlich dabei, oder?

Liebe Grüße, Euer Gerry


Ahrtal – Ahrweiler (1)

Ihr Lieben,

dieses Wochenende verbringe ich an der Ahr, wo ich mich eigentlich mit Freunden treffen und eine hier lebende Freundin besuchen wollte. Leider kam etwas dazwischen und unser Treffen wurde abgesagt. Ich habe allerdings mein Hotel nicht storniert, sondern beschlossen, hierher zu fahren, hatte ich mir doch ohnehin schon das Wochenende freigeschaufelt.

Ich bin in den Eifelstuben untergekommen, das ist ein Anbau an einem historischen Restaurant, sehr zweckmäßig eingerichtet. Was ich aber toll finde ist, dass ich einen Parkplatz im Hotelinnenhof mitten im Zentrum von Ahrweiler ergattern konnte. Cora gefällt das auch sehr.

Was mir zum Zeitpunkt der Buchung nicht klar war: heute ist der zweite Jahrestag der Flutkatastrophe. Auf dem Marktplatz steht auch eine Bühne, es soll wohl eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Bei einem Stadtspaziergang stellte ich fest, dass viele Häuser noch nicht wiederhergestellt und dass viele Läden noch geschlossen sind. Im Radio hörte ich, dass bis zu 30% der Spenden noch nicht ausgezahlt wurden. Hier ist einiges zu tun, aber die Region scheint auf einem guten Weg zu sein. Zumindest die Besucher sind wieder zahlreich vor Ort.

Vor ein paar Jahren war ich mit einer Doppelkopfrunde in Ahrweiler. Wir wollten wandern, wandern, wandern! Aber zuerst stärkten wir uns auf dem Marktplatz mit einem Secco. Daraus wurden zwei, dann drei… und dann haben wir aufgehört zu zählen! Wir sind insgesamt vielleicht hundert Meter gelaufen. Und so ging es mir heute in ähnlicher Weise. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Stadtspaziergang ließ ich mich schon auf dem Marktplatz nieder, glotzte in die Gegend und trank meine wohlverdienten Wanderbiere.

Dann übermannte mich nach zwei Gläsern aber doch das schlechte Gewissen und ich spazierte noch zur  Wallfahrtskirche Calvarienberg. Eine, wie ich finde, sehr imposante Anlage für ein so beschauliches Fleckchen.

Nach kurzer Rast im Hotel, wo übrigens alle ganz furchtbar nett, aber auch äußerst beschäftigt sind, kaperte ich einen Tisch im Ahr Vinum. Es gab Pfifferling-Rahmschnitzel. Legga! Am Nachbartisch das obligatorische überforderte Elternpaar mit einem geschätzt vierjährigen Lars-Sören, der munter mit Besteck um sich warf, ununterbrochen krähte und wie ein Derwisch hin- und herrannte. Ich fürchte, man muss sich daran gewöhnen, dass der Nachwuchs so ausgebildet wird.

Zum Abschluss kaufte ich mir noch eine leckere Genossenschaftsplörre, die ich mit in mein Hotel-Büro nahm. 22er Pinot-Noir weißgekeltert.

Morgen steht auf jeden Fall der Regierungsbunker auf dem Programm, der Rest ergibt sich aus der Tageslaune. Leider, leider gibt es keine Seilbahn, keine Glasbrücken oder eine Schluchten überspannende Zip-Line. Seeeehr schade!

Aber die Zeit bekomme ich dennoch totgeschlagen. Schlagt Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

P.S.: Überall im Ort herrscht Personalnot, die Servicekräfte sind nur am Rumrasen und die Gäste stänkern. Ob ich wohl wieder anfangen sollte, zu kellnern?

Thunfischlasagne

Ihr Lieben,

Lasagne. Ich liebe sie! Auswärts und daheim. Und meistens mache ich auch keine schlechte. Aber immer irgendwie gleich. Heute soll es mal keine mit Bolognese werden, sondern mit Thunfisch.

Eigentlich plante ich die Lasagne schon für meinen Besuch am letzten Samstag, aber ich war so unglaublich faul aufgelegt, dass wir uns etwas vom China-Imbiss liefern ließen. Was für mein Rezept Folgen hat, da ich nun auch Kapern und Oliven verwenden darf. Worauf mein lieber Besuch vor 6 Tagen eher nicht so erpicht ist.

Fangen wir mit der Béchamel-Sauce an, sie ist viel einfacher als so oft dargestellt. Zu gleichen Teilen werden Butter und Mehl bei hoher Temperatur unter entfesseltem Rühren erhitzt (je 50 Gramm z.B.) und dann bei reduzierter Temperatur unter weiterem Rühren peu à peu mit heißer Milch aufgegossen (in der zwei Lorbeerblätter mitköchelten), bis eine sämige Sauce entsteht. Während der ganzen Kocherei werden Salz, Pfeffer, Muskatnuss, etwas Zucker sowie eine gepresste Knoblauchzehe hinzugegeben. Die Sauce beiseite stellen.

Für den Thunfisch braten wir eine gewürfelte Zwiebel, drei ebenso malträtierte Knoblauchzehen und zwei gehackte Chili in einem guten Schuss Olivenöl an. Etwas später geben wir dazu auch zwei Esslöffel Kapern, ein halbes Dutzend feingehackte getrocknete Tomaten und ein Dutzend gehackte schwarze Oliven. Wir geben zwei Esslöffel Tomatenmark dazu, sowie den Thunfisch aus vier Dosen. Zwei Dosen gehackte Tomaten dazu. Gut mit Salz, Pfeffer, etwas Zucker und mediterranen Kräutern würzen und durchkochen lassen!

Jetzt wird geschichtet: Thunfisch-Tomatensauce, Lasagne-Platten, Béchamel-Sauce, in Scheiben geschnittene Tomaten und in Scheiben geschnittener Mozzarella im Wechsel, bis die gefettete Auflaufform voll ist. Mit Raspelkäse nach Wahl (bei mir heute Emmentaler mit Parmesan gemischt) bestreuen und bei vorgeheizten 200°C auf unterer Schiene für 45 Minuten backen. Ggf. nach etwa einer halben Stunde Alufolie über den Auflauf, falls der Käse nicht so dunkel werden soll. Dazu ein leckerer Rotwein und der Abend ist schööööön 🙂

P.S.: Man kann statt mit den Lasagne-Blättern auch mit dünn gehobelten Kartoffeln schichten. Ist auch sehr lecker!

Okroszka – kalte polnische Suppe

Ihr Lieben,

an diese sommerliche, herrlich erfrischende Suppe hat mich meine liebe Erika erinnert. Ich habe etwas sehr ähnliches einmal von einer polnischen Kollegin (in meiner Zeit als Zugkellner) vorgesetzt bekommen. Basis bildet Kefir, Buttermilch oder Joghurt, mit Mineralwasser angerührt, bestückt mit gekochten Kartoffeln, Gurke, Radieschen, hartgekochten Eiern und Kräutern.

Das Bier kommt nicht in die Suppe, das kommt in den Koch!

Jetzt wird es sehr simpel: Ich nehme einen Becher Buttermilch und einen Becher Sauerrahm (aka Smetana; der Komponist der Moldau hieße nämlich Sauerrahm oder Sahne auf deutsch) und verrühre beides so lange mit kaltem Sprudelwasser, bis ich die für mich gewünschte Suppenkonsistenz habe (das ist bei mir ein halber Liter). Dann gebe ich all die geputzten und kleingeschnittenen bzw. gehackten Gemüse dazu (es darf auch geraspelt werden, aber ich war zu faul, die Küchenmaschine aufzubauen). Bei mir waren das eine halbe Salatgurke, zwei Esslöffel Dill, 10 mittelgroße Radieschen, drei Stangen Frühlingszwiebeln, zwei hartgekochte Eier und 2 mittelgroße gekochte Kartoffeln.

Abgeschmeckt wird das ganze mit Salz, Pfeffer, etwas scharfem Senf (wahlweise Meerrettich), Essig (bzw. Zitrone) und was Euch noch so mundet. Traditionellerweise wird auch Wurst oder kleingeschnittenes kaltes Fleisch hineingegeben, aber das habe ich mir mal geschenkt. Es schmeckt auch ohne saulecker!

In Russland gibt es die Suppe auch und heißt dort Окрошка. Aber ich hatte kein russisches Bier 🙂

Gefüllte Tomaten

Ihr Lieben,

heute gibt es mit Hack und Schafskäse gefüllte Tomaten. Zuerst werden die Fleischtomaten entdeckelt und ausgehöhlt. Leider konnte ich vom Fruchtfleisch fast nichts verwenden, da völlig durchgestrunkt, ansonsten hätte ich es zu der Tomatensauce (kommt später) hinzugegeben.

Jetzt röste ich in einer Pfanne einen Esslöffel 7-Gewürze-Mischung (Baharat) an, gebe etwas Rapsöl hinzu, einen Esslöffel Tomatenmark sowie eine rote Chili, drei Knoblauchzehen sowie eine Zwiebel – alles kleingewürfelt. Anrösten lassen und dreiviertel davon zusammen mit dem Hackfleisch (250 gr.) in eine Schüssel geben. Eine Handvoll gehackter Petersilie dazu, einen halben gewürfelten Block Feta, etwas Salz und Pfeffer und alles gut vermengen. Die ausgehöhlten Tomaten in eine Auflaufform stellen, mit der Hackmasse füllen.

In das restliche Viertel des Pfannen“gröstls“ eine Dose gestückelte Tomaten geben, noch einmal einen Esslöffel Tomatenmark, Salz, Pfeffer und einen Schwung Baharat dran und unter Rühren einmal aufkochen lassen. Über die Tomaten geben, dann die Deckel drauf.

Im vorgeheizten Backofen bei 180°C für 35 bis 40 Minuten backen.

Dazu passt wegen der Sauce eigentlich alles. Im Rahmen meiner vom Arzt verordneten Kohlehydratreduzierung schmeckt es aber auch ohne Kartoffeln oder Reis 🙂

Guten Appetit, Euer Gerry

P.S.: Ganz gewiefte Beobachter suchen jetzt verzweifelt im Rezept nach dem Ei auf dem Zutatenbild. Ich wollte es ursprünglich zur Bindung der Hackmasse nehmen, habe mich dann aber spontan dagegen entschieden.

Burg Metternich, Moselschleife und Geierlay-Hängebrücke

Annemie, isch kann nit mieh!

Ich stand extra früh auf, da ich mir ein strammes Programm vorgenommen hatte. Nach dem Frühstück – wo man wieder einige merkwürdige Szenen beobachten konnte, wie das Paar, das in einer halben Stunde kein einziges Wort wechselte oder den Mann, der in Boxershorts und besockten Sandalen erschien (brrrr!) – startete ich gen Beilstein. Ich wollte mir das Dornröschen mal aus der Nähe ansehen. Ich traf es, so wie es sein muss, schlafend an. Ich hatte den Ort quasi für mich. Und ja, er ist ganz nett. Wie immer, wenn es zuuuu viele Vorschusslorbeeren gibt, gibt es Punktabzug in der B-Note. Ich kraxelte zum Kloster hinauf, die Treppe ist aus deutschen Filmen mit Rühmann oder Millowitsch berühmt, und zündete ein Kerzlein an. Ich streifte durch den blumengeschmückten Ort mit vielen Fachwerkbauten. Und als es sich langsam füllte, erklomm ich die Ruine der Metternich-Burg. Jaja, DER Metternich, bekannt vom Wiener Kongress und vom gleichlautenden Sekt.

Der Aufstieg bis zum ersten Burgtor war schon recht beschwerlich, es wurde schon wieder arg warm unter der Sonne. Und dann war ich auch noch 30 Minuten vor Öffnung dort. Ich beschloss, den Berg weiter zu bezwingen und zum Haupttor zu laufen. Da musste ich dann nur noch eine Viertelstunde warten und konnte so lange den Blick ins Moseltal genießen. Der Eintritt in die Ruine kostete mich 3 Euro. Dafür gab es dann eine Menge Stein zu sehen, aber alles nett arrangiert und bepflanzt und mit einer aussichtsreichen Gastronomie ausgestattet. Bevor ich mich da niederließ, begab ich mich, offensichtlich in einer Art masochistischem Wahn, noch die 115 Stufen zum Bergfried hinauf. Von da aus hat man eine tolle Sicht.

Nach einer riesigen, zuckerfreien Afri-Cola (so eine hatte ich seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen, geschweige denn getrunken) setzte ich meinen Weg fort, die Moselschleife bei Bremm suchend. Jau. das wurde einem nicht leicht gemacht. Das Navi führte mich zu einem Parkplatz hinter dem Ortseingang. Nada, keine Treppe, keine Ausschilderung. Ich beschloss etwas höher zu fahren, gemäß Google Maps sollte sich weiter oben ein Parkplatz zum Calmont-Wandersteig befinden. Als das Navi „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ krähte, fand ich mich in einer Haarnadelkurve wieder, von der aus ein forstwirtschaftlicher Weg abging. Dort stand schon ein Wagen. Also, was sich heutzutage alles Parkplatz nennen darf. Mit ungutem Gefühl quetschte ich mich so nah wie möglich an den Straßenrand, um meinen Weg zu Fuß fortzusetzen.

Leute, ich lief und lief und lief. Immer bergauf. Nach geraumer Zeit beschloss ich querfeldein zu laufen, weil ich die Mosel dort vermutete. Eine Senke und eine Kuppe später stand ich vor einem dichten Wald. Ich musste umkehren und lief einem älteren Paar in die Arme, die ich kurz zuvor überholt hatte. „Wie, gibbet da nix? Wir sind Ihnen extra hinterher, sah so aus, als wüssten Sie, watt Sie da tun. Wir suchen die Moselschleife.“ Also, die Beiden drehten wieder ab (denen gehörte das andere Auto, sie wurden auch vom Navi fehlgeleitet), ich wechselte nochmal die Himmelsrichtung, um 20 Minuten später an einem Aussichtspunkt anzukommen. Nur leider vieeel zu hoch, so dass man links die Mosel, rechts die Mosel, aber vorne den Bogen nicht sehen konnte. Mir wurden nun per Ausschilderungen diverse andere Attraktionen angeboten. Das römische Höhenheiligtum, der Vierseenblick, ein Topf voll Gold…. Aber ich hatte die Faxen dicke und machte mir auch Sorgen um Cora, so ganz alleine in der Kurve. Also stapfte ich zurück.

Wieder am Ausgangspunkt angekommen, knubbelten sich zwei weitere Autos auf dem Seitenstreifen. Spätestens jetzt wäre kein Rettungswagen mehr durchgekommen. Die jeweiligen Insassen suchten die Moselschleife. „Hach, Google Maps benutzt?“. Heftiges, synchrones Kopfnicken. Zeitgleich kollektives Seufzen. Ich erzählte von meiner kleinen Wanderung und gab meiner Befürchtung Ausdruck, dass man viel weiter unten suchen müsse. Die anderen wollten noch überlegen und sich beraten. Ich mache es kurz. Falls Ihr da mal hinwollt, klickt keinesfalls die vielen angeblichen Aussichtspunktmarkierungen an, die führen absolut in die Irre. Den klassischen Schleifenblick fand ich dann hinter der Bremmer Kirche, am Friedhofseingang. DAS müsst Ihr anklicken. Belohnt wird man durch eine tolle Aussicht. Diese ganze Aktion hatte mich jetzt unglaublich viel Zeit gekostet, und mein Schrittzähler glühte schon wieder.

Ich brach zur Geierlay-Hängebrücke auf. Die Sonne brannte wie blöde und als ich am Parkplatz ankam, musste ich erfahren, dass man bis zur Brücke noch 2,5 Kilometer zu wandern hätte. Ihr Lieben, man wird belogen, wenn man dabei steht. Das waren deutlich mehr Kilometer. Ich dachte schon, die Brücke sei ein Spuk, weil ich lief und lief und nix kam. Nach über 50 Minuten (die ich im Leben nicht für zweieinhalb Kilometer brauche!) kam ich endlich an. Es war proppenvoll. Als befände sich hinter der Brücke Neuschwanstein. So waren dementsprechend auch einige Dutzend Menschen auf dem Gebilde. Es kostete mich dermaßen Überwindung, draufzusteigen, das könnt Ihr kaum erahnen. Je weiter ich in die Brücke hineinlief, desto mehr schwankte sie. Ich musste mich links und rechts festhalten und ließ immer nur für Nanosekunden los, wenn jemand vorbei wollte. Ich war ja schon hitzegestresst, jetzt kam Angstschweiß dazu. Ich musste nach einem Drittel umkehren, mir war unglaublich übel. Vielleicht schaffe ich es ja mal wannanders, wenn nicht noch hunderte andere übergewichtige Menschen auf dem fragilen Seidengespinst herumturnen. Wie, wann soll ich behauptet haben, es wären nur Dutzende? Kann gar nicht sein. Eher Tausende!

Als Rückweg wählte ich nicht den ebenen Weg in der prallen Sonne, sondern den Wanderweg durch den Wald. Ihr ahnt es schon, das war nicht besonders klug. Es ging nämlich eine ganze Zeitlang bergab. Und im Umkehrschluss zu dem bekannten Song „What goes up, must come down“ musste ich dementsprechend alles auch wieder aufsteigen. Ich war fix und fertig, als ich wieder bei Cora ankam. Meine Uhr zeigte 71 bewältigte Etagen an. Und sie ist da eher pingelig. „Und, wollen wir noch wie geplant zur Burg Eltz, liebe Cora?“ – „Spinnst Du?“. Und so kamen wir überein, diesen Programmpunkt zu überspringen und nach Hause zu fahren.

Nun bin ich wieder daheim und freue mich, dass ich so viel Neues sehen durfte und auch so sportlich war. Für meine Verhältnisse war das nämlich extrem 🙂

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an meinen kleinen Reisenotizen und konntet vielleicht auch den ein oder anderen Tipp mitnehmen, für den Fall, dass Ihr mal in die Region wollt. Und vielleicht seid Ihr ja auf der nächsten Reise wieder mit dabei, ich würde mich sehr freuen.

Euer Gerry

Wer, um Himmels Willen, hat sich denn das ausgedacht?

Von Cochem nach Klotten und Beilstein

Ihr Lieben,

das war ein wunder-, wunder-, wunderschöner Tag heute. Um 8 Uhr kämpfte ich mich aus der Pompfe, lief zum Hotel und frühstückte erst einmal ausgiebig. Das Hotel ist eigentlich ganz nett, das Frühstück gut und die Lage ist perfekt. Allein mein Zimmer ist für eine zierliche Fee konzipiert, mit einem Feen-Örtchen den Flur rüber. Leider bin ich kein grober Kerl, der im Körper einer Fee gefangen ist, auch andersherum wird kein Schuh draus. Naja.

Ich lief nach dem Frühstück noch einmal mit der Kamera durch den Ort, ich nehme hier einmal vorweg, der Schrittzähler glühte abends wieder. Um Punkt 10 Uhr stand ich dann an der Sesselbahn, vor mir schon ein Dutzend Leute. Todesmutig erstand ich ein Ticket und fuhr nach oben. Ich lief direkt zum Pinnerkreuz, einem beliebten Aussichtspunkt. Dort standen schon ein paar Menschen. Während meines kurzen Aufenthaltes wurden es dann sehr viele mehr und es knubbelte sich richtiggehend. Also, hier mein Tipp: So früh wie möglich hoch.

Dann wanderte ich zum Wildpark Klotten. Das war sehr anstrengend, es ging teils recht steil bergauf. Und alle 5 Minuten wurde einem per Schild mitgeteilt, dass es nur noch 15 Minuten dauere. Wahrscheinlich war das der Aktion „Drei identische Schilder zum Preis von einem“ geschuldet. Irgendwann kam ich plitsch-platschenass (es war wieder sehr heiß!) und völlig außer Atem am Eingang an. Wann denn die Greifvogelschau beginne, bat ich zu erfahren. Oh, das schaffe ich nicht mehr rechtzeitig, das sei am anderen Ende des Parks, es sei denn, ich liefe. Herrjeh! Ich lief. Und kam 10 Minuten zu früh an.

Die Schau war toll! Ich habe viel über die dort trainierten Vögel gelernt. Und wir waren ihnen sehr nah! Sie flogen nur Zentimeter über unseren Köpfen hin und her. Dann gab es Grizzlys, die man füttern durfte. Beeindruckende Tiere! Und Steinböcke und Wildschweine und Straußenvögel und und und. Und Vergnügungsattraktionen. Einige davon etwas aus der Zeit.

Hüpfburgen, Wasserrutschen, Bimmelbahnpferde. Ich fuhr immerhin einmal Achterbahn. Als ich ankam, ruhte das Geschäft. Man erläuterte mir, es müssten mindestens zwei Passagiere drin sitzen. Aber einer der Parkmitarbeiter meinte dann, er würde halt mit mir fahren, dann müsse ich nicht warten. Das fand ich sehr nett. Seien wir mal ehrlich, der Eintrittspreis von knapp 30 Euro ist hoch. Aber für schlankere Menschen, die auch Wasserrutsche, Wildwasserbahn und Karussell fahren dürfen, ist das in Ordnung.

Ich gondelte zurück in die Stadt und lief zu den Schiffsanlegestellen. Wann denn die nächste Tour sei? Oh, in vier Minuten, ich müsse rennen. Ach herrjeh, soll das Urlaub sein???? Ich rannte und wusste gar nicht, was ich eigentlich für 18 Euro gekauft hatte. Es war eine zweieinhalbstündige Fahrt nach Beilstein, dem „Dornröschen der Mosel“, ein wunderhübsches Örtchen mit einer über ihm thronenden, imposanten Burgruine. Die Fahrt ging an ein paar Attraktionen vorbei (Kloster, Doppelkirche, Schleuse [in die der Kapitän mit einem Affenzahn einfuhr, mit je zwei Zentimetern Platz an jeder Seite], Madonna im Berg etc.) und war ebenfalls sehr schön. Und ich musste mal ein paar Stunden nicht irgendwo hin rennen. Ich hatte sehr nette Tischgesellschaft, ein gesprächiges Rockerpärchen aus Koblenz und später ein lustiges Rentnerpärchen.

Nach der Rückkehr begab ich mich erst einmal in meine Minibutze, um mich frisch zu machen. Für den Abend hatte ich nämlich etwas feineres reserviert, einen Einzeltisch auf der Terrasse des Weingutes Hieronimi. Hatte ich im vorbeischippern gesehen und es sah nett aus. „Ein Einzeltisch auf der Terrasse? Heute? Um 19 Uhr? So kurzfristig? Ach herrjeh! Aber wir kriegen das hin.“ Ich mag die gastliche Art, die hier so vorherrscht. Alles sind so nett und freundlich und hilfsbereit.

Natürlich hat auch ein wunderwunderwunderschöner Tag seine kleinen Schattenseiten. Ganz Cochem wurde nämlich abends vom Partyschiff beschallt, das eine Rundfahrt mit Tanz versprach. Allein, sie fuhren und fuhren nicht ab. So war mein Abendessen überschattet vom Geschrei von Helene-Fischer- und Costa-Cordalis-Imitatoren.

Am Nebentisch saß die Familie Flodder, schwer angeheitert und philosophierte lautstark über Übersäuerung, Dünndarmflora und eitrige Wunden. Ich rief nach einer geduldigen halben Stunde rüber, dass ich den Teil mit dem Eiter nicht wirklich verstanden hätte. Von einem anderen Tisch rief ein Herr „Das mit dem Dünndarm war auch hochinteressant!“. Es wurde etwas besser und die Kellnerin bedankte sich flüsternd. Und irgendwann fuhr auch das Schiff ab. Hurra!

Aber insgesamt halt… Einfach ein super Tag.

Morgen möchte ich auf der Fahrt nach Hause noch zwei oder drei Sehenswürdigkeiten abklappern. Klappert ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

Mein Verhältnis zu Sesselliften? Tiefenentspannt! Total!

P.S.: Die historische Senfmühle ist in einem Gebäude aus dem frühen 15. Jahrhundert untergebracht.

Cochem an der Mosel

Ihr Lieben,

ständig habe ich Fernweh. Das ist wahrscheinlich kein so rasend großes Geheimnis. Und um meine Schmerzen zu lindern, bediene ich mein Nahweh, dann ist das Fernweh nicht mehr so stark. Und mein Nahweh hat mich an die Mosel geführt, nach Cochem, deren Reichsburg das Moselbild prägt wie kaum ein anderes Wahrzeichen.

Ich arbeitete den wahrscheinlich kürzesten Arbeitstag meines Lebens, um nach vier Stunden im Büro gen Rheinland-Pfalz zu fahren. Cora war auch schon sehr aufgeregt. So brach ich viertel vor eins auf, um von einem Stau in den nächsten zu kommen. Mit zwei größeren Staus hatte ich schon gerechnet, da auf der Strecke unter anderem auch die Ahrbrücke instandgesetzt wird. Was ich nicht vorhersehen konnte war der schwere LKW-Unfall auf der Strecke, der meine Fahrt um 45 Minuten im Schritttempo verlängert hat.

Im Ort angekommen fand ich direkt vor dem Hotel einen Parkplatz. Ein Wunder. Man durfte da aber nur drei Stunden stehen. Es stellte sich zudem heraus, dass ich im Gästehaus einen halben Kilometer weiter moselabwärts untergekommen bin. Im dritten Stock! Ohne Aufzug. Ein schwacher Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Ich machte mich katzenwäschenfrisch (die Fahrt war wegen der nicht wirklich funktionierenden Klimaanlage von Cora so heiß (insbesondere im Stau), dass mein Handy sich wegen Überhitzung ausschaltet und ich ohne Navigation fuhr) und enterte die Stadt.

Mein erstes Ziel war die Burg. Puh, ganz schön weit oben. Und das auf kurze Distanz. Ich schleppte mich die Stufen hoch, um – völlig außer Atem – an der Pestkapelle feststellen zu müssen, dass es wieder bergab ging. WARUM???? UMHIMMELSWILLEN!!!!!! Nach einer Kurve ging es dann wieder munter bergauf und ich erreichte das Burggelände. Wie ich denn da reinkäme, wollte ich von der Souvenirshopverkäuferin wissen. Nur mit Führung, beschied sie mich, es ginge in zwei Minuten los. Man muss wissen, dass ich – sorry, weit über 30 Grad warm – pladdernassgeschwitzt vor ihr stand. Aber ich ergab mich in mein Schicksal und buchte die Führung, in der Furcht, 376 Stufen zum Bergfried hochlaufen zu müssen.

Die Furcht war unbegründet. Wir waren eine kleine Gruppe und wurden durch einen niederländischen Guide durch 7 der 55 (oder so) Zimmer geführt. Das war sehr interessant. Die Burg, so wie sie heute ist, ist eigentlich das teure Geschenk eines superreichen Berliner Unternehmers hugenottischer Abstammung an seine Frau, die ihn aber während des Wiederaufbaus im ausgehenden 19. Jahrhundert wegen eines anderen superreichen Kerls verließ. Das Sommerhaus (SOMMERHAUS!!!!) blieb ungeschenkt. Die ganze Geschichte kann man aber besser im Netz nachlesen als bei mir. Immerhin hat Cochem deswegen jetzt statt einer armseligen Ruine wieder ein stolzes Wahrzeichen.

Ich entdeckte, dass es einen Shuttle-Bus von und zur Burg gab. Ich beschloss, den Abstieg damit zu machen. Äh, die Abfahrt. Ihr wisst schon. Mit einem Affenzahn fuhr der nicht allzukleine Bus durch die Serpentinen und Gassen von Cochem. Respekt. Wir endeten am Endertplatz, von wo aus ich meinen Wagen aus der Kurzparkzone vorm Hotel zum Bahnhofsparkplatz bringen wollte, wo man 3 Euro pro Tag bezahlt. Parken in Cochem ist eigentlich katastrophal. Man darf in den meisten Fällen maximal drei Stunden und nachts ist alles für Anwohner. Letzteres ist ja auch okay. Fährt man eben zum Bahnhof. Aber wenn da der Kartenleserautomat defekt ist und man nicht mal eben 6 Euro in Münzen hat, ist schon wieder Käse. Ich fuhr wieder zu meinem Kurzparkplatz, der war wundersamerweise noch frei. Ich kaufte eine Postkarte für 60 Cent, so dass ich vier Euro Wechselgeld bekam und fuhr wieder zum Bahnhof, wo ich Cora jetzt schutzlos für zwei Tage sich selber überlassen habe. Gerüchteweise wird auf dem riesigen Gelände gerast, daher habe ich Cora zwischen einem Zaun und einem Laternenmast geparkt.

Ich lief zurück in die Stadt. Der Schrittzähler in meiner SmartWatch glühte. 34 Etagen und 13000 Schritte. Ich brauchte ein Bier. Oder zwei. Die fand ich auf der Terrasse Hotel Cochemer Jung, deren liebe Bedienung ich jetzt mal explizit hervorheben muss. Eine so nette Dame. Das Bier dagegen war ein wenig hochpreisig. Naja, Tourihotspot. Für den Abend hatte ich schon daheim einen Tisch in der hochgelobten Pizzeria „Et da Vinci“ reserviert, die mir aber schrieben, ich solle bitte etwas später kommen, es sei rappelsvoll. Wie Cochem übrigens nicht so sehr, wie ich befürchtet hatte. Gut besucht, aber man musste sich nicht aneinanderreiben.

Ich beschloss, mir die City anzusehen und lief über den Martinsplatz am Rathaus zum alten Kloster und stattete dem Friedhof einen Besuch ab. Ich lief die Gassen rauf und runter und war sehr angetan. Die Moselpromenade hier ist recht nett. Und man hat immer irgendeine schöne Aussicht. Noch vor der Zeit lief ich aber dann auf die andere Moselseite zum Italiener. Mein Terrassenplatz war noch belegt, so nahm ich vor der Tür, da standen zwei Bistrotische, einen Wein, bis mein gebuchter Tisch frei wurde. Seeeehr tolle Bedienung, sehr nette Aussicht und die Pizza war auch okay. Es ist schon klar, warum der Laden so brummt.

Ich lief wieder über die Brücke und suchte mir eine Weinbar. Ich landete im Stüffje, das aber schon aufräumte. Ich habe aber mit einem Kellner (oder dem Besitzer) noch nett bei einem leckeren Weißburgunder geplaudert. Er hat mir noch einen Riesling zum Probieren gegeben, aber der war mir auch wieder zu kräftig. Ich bin ein Burgundertyp. 🙂 Der Laden ist sehr nett, aber ich suche mir für morgen was mit Terrasse. Insgesamt klappt man hier früh die Bürgersteige hoch. Die Tagestouristen Laugen die Einwohner aus und abends will man dann wohl seine Ruhe. Nicht, dass mir nachts nicht noch haufenweise weinseligtorkelnde Männer entgegenkamen. Das sind dann die Hoteltouristen.

Ich erinnerte mich an den Weinautomat mit gekühlten Flaschen (Foto weiter oben) und besorgte mir dort einen Blanc-de-noir fürs Hotelzimmer, wo ich jetzt gerade – mit KLIMAANLAGE! – diesen kurzen Erlebnisbericht schreibe. Ich hoffe, Ihr habt einen kleinen Eindruck von Cochem bekommen und würde mich freuen, wenn Ihr auch morgen wieder hier an der Mosel seid.

Liebe Grüße
Euer Gerry

Erdbeermarmelade

Ihr Lieben!

Erdbeerzeit! Yeah! Neben Erdbeerbowle ist Erdbeermarmelade meine liebste Verwendungsart dieser verführerischen Sammelnussfrüchte, die mit ihren prachtvollen roten Scheinkörpern rufen: „Nimm mich!“. Das ist übrigens wohl auch der Zweck der aromatischen Früchte, sie sollen Tiere zum Fressen und so zur Verbreitung der Samen verleiten.

Erdbeermarmelade ist im Gegensatz zu z.B. Orangenmarmelade eigentlich eine Konfitüre und viel einfacher zuzubereiten. Auf meine 2 kg schon geputzten Erdbeeren gebe ich 666 Gramm (aber gaaaaanz genau! 😉) 3:1-Gelierzucker, zwei Teelöffel Barsirup Vanille und zwei Teelöffel frisch gepressten Zitronensaft. Je eine Messerspitze Salz und gemahlener schwarzer Pfeffer runden das ganz ab.

Jetzt gut verrühren, ein wenig ziehen lassen, dann auf den Herd und aufkochen. Die Dauer sollte sich nach der Packungsangabe auf dem Gelierzucker richten. Meist muss die Konfitüre 4 bis 5 Minuten sprudelnd kochen. Den sich bildenden Schaum kann, muss man aber nicht abschöpfen. Mithilfe der Gelierprobe stellt man fest, ob sie fertig ist. Einen Klacks der Konfitüre auf einen kalten Teller geben und schauen, ob sie zügig fest wird. Notfalls etwas weiterköcheln lassen.

In heiß ausgespülte Gläser füllen, Deckel drauf und drei Minuten auf den Kopf stellen, sodann wieder umdrehen. Ich bekam 10 Gläser à 275 ml heraus.

Meine Gläser werden wieder (bis auf ein Belegexemplar für mich :-)) zugunsten des Eselpark Zons gegen Spende abgegeben. Sie waren schon vor Fertigstellung alle reserviert und die nächsten Vorbestellungen sind notiert. Das freut mich sehr.