Köln-Nizza (1): Der Prolog

Ihr Lieben,

ich hatte es schon in irgendeinem Schnipsel erwähnt: ich fühlte mich zu erschöpft für meine geplante (genauer: schon durchgebuchte) Autoreise durch Europas Süden. Die Vorstellung, 3.600 Kilometer in 18 Tagen zu fahren, dabei in 11 Hotels zu übernachten, immer Ein- und Auscheckzeiten zu beachten, die Reiseroute zu kontrollieren… das war mir auf einmal zu viel. So beschloss ich am Abend einer Rückkehr von einer Dienstreise nach Braunschweig, alles zu stornieren und gar nichts zu machen. Einfach nur zuhause sein. HAH! Bei einem Hotel hatte ich die Stornofrist überschritten, man war aber so kulant, mir den Betrag dennoch rückzuerstatten.

Einen Tag später erhielt ich eine Werbemail. MSC, eine italienische Kreuzfahrtreederei, haue Restposten zum Schleuderpreis raus. 12 Tage von Warnemünde nach Marseille für ’n Appel und ’n Ei. Ich erwähnte das einer kreuzfahrterfahrenen Kollegin gegenüber, die beim Namen der Reederei deutlich zusammenzuckte. Beim Schiffsnamen dann schüttelte es sie. Normalerweise hätte ich auf sie gehört, da ich sie sehr schätze, aber das Bild weißgewandeter Stewards, die mir farbenfrohe Cocktails servieren, vernebelten mir das Hirn und ich buchte eine Kabine. Es hieß, die hätte auf jeden Fall ein Fenster, es könne aber sein, dass ich massive Sichtbeschränkungen hätte. Hm. Es wurde eine Balkonkabine. Yeah. Und bei italienischen Reedereien herrscht dort Rauchverbot. YEAHYEAH! Das hat mich damals bei „Mein Schiff“ sehr gestört, ich konnte den Balkon wegen dauerquarzender Nachbarn quasi gar nicht nutzen.

Auf die Bahn kann und will ich mich ja nicht mehr verlassen, daher buchte ich außerdem ein Hotelzimmer in Warnemünde und ein Zugticket, um mit der DB 30 Stunden vor Einschiffung abzureisen. Hoffentlich reicht die Zeit!

Ausflüge habe ich kaum gebucht, ich will einfach nur viel in den angelaufenen Städten herumlaufen. Klar, für das Guggenheim-Museum in Bilbao habe ich mir einen Eintritt reserviert, da fahre ich dann mit einer Taxe hin. Und für Portugal habe ich einen Ausflug nach Guimaraes gebucht, da ich Porto schon kenne und im August 2027 wieder dort sein werde. Apropos: die Stationen sind Rotterdam, Brest, Bilbao, Porto (Leixoes), Malaga und Marseille. Nach Nizza fahre ich dann mit dem Zug.

Ein Getränkepaket habe ich mir geleistet, eine Wifi-Flatrate nicht. Beides kostet etwa gleich viel. Möglicherweise werde ich daher an den vielen Seetagen keinen Empfang haben und meine Reiseberichte werden mit Sicherheit zeitversetzt online gehen. Aber immerhin wisst Ihr jetzt, dass, wenn Ihr mal nichts von mir hört, es nicht an den turmhohen Wellen im Golf von Biskaya liegt, die mich von Bord rissen, weshalb ich gezwungen bin, den Rest meines Lebens auf dem Meeresgrund in Mr. Crabs Diner zu arbeiten (hat da überhaupt schon mal wer Trinkgeld gegeben?).

Ich freue mich sehr auf die Reise! Freut Ihr Euch auch schon? Wollen wir uns zusammen freuen? Ich freue mich ja bekanntermaßen auch über virtuelle Begleitung! So, nun aber genug vorgefreut, Sonntag geht es los. Viele liebe Grüße, Euer

P.S.: Das Vorschaubild ist von meiner Norwegen/Dänemark-Schiffsreise 2021 und zeigt die Leuchtfeuer in Warnemünde.

P.P.S.: Serviert man in Mr. Crabs Diner eigentlich auch Sea-Food?

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