Harz, 1. Tag: Ankunft in Bad Suderode (hexhex)

Ihr Lieben,

ich weiß nicht, warum manche Menschen sich so darüber freuen, bei einer Autovermietung ein Upgrade zu bekommen. Einmal habe ich ja auf den Kanaren für vier Wochen einen Hyundai Tucson für 18 € bekommen, obwohl ich einen Fiat 500 bestellt hatte. Es hat ziemlich gedauert, bis ich mich an das Schlachtschiff gewöhnt hatte. Heute wurde mir mitgeteilt, ich bekäme statt meines Kompaktwagens einen nigelnagelneuen Tiguan SUV, mit gerade erst 15 km auf dem Buckel. Ach herrje! Aber inzwischen bin ich ja etwas versierter am Steuer, da habe ich dann mal nicht protestiert. Außerdem nehme ich ja auch immer alle Versicherungen, die es gibt, ich alter Feigling. Meine neue Vertraute für neun Tage taufte ich Bibi. Wie Blocksberg.

Bibi kann anscheinend so einiges, nur verstehe ich nicht, was. Da gibt es Millionen von Knöpfen, deren aufgedruckte Symbole mir leider überhaupt nichts sagen. Erstaunlich nur die beiden Aufkleber „Bitte nicht schneller als 210 Stundenkilometer fahren“ sowie  „Bitte nach 50 km Fahrt die Radmuttern neu anziehen lassen“. Ich bin in meinem Leben noch nie 210 Stundenkilometer schnell gefahren, und während der Fahrt Radmuttern anzuziehen gehört auch nicht zu meinen favorisierten Hobbys. Muss ich da jetzt anrufen, 500 km sind schon drauf auf dem Tacho, und nach der nächsten Europcar-Werkstatt fragen?

Mit einer kurzen Unterbrechung auf Hälfte der Strecke (Burgerkette, auf dem Foto sah das ganz anders aus) waren Bibi und ich nach ziemlich genau 5 Stunden im Hotel am Kurpark in Bad Suderode, wo ich die nächsten vier Nächte verbringen werde. Es ist etwas altmodisch, sauber, gemütlich und betulich. Ein Gemeinschaftskühlschrank steht im Flur, wenn man zu Abendessen möchte, muss man dies bis 16 Uhr ankündigen, und schon wissen was man essen möchte. Ich habe mich für das Geschnetzelte entschieden, weil es gerade frisch in der Mache war, wie mir erklärt wurde. Ich bekam schon einige gute Tipps, was ich in der kurzen Zeit bis zum Abendessen unternehmen könnte und begab mich dann auch nach einer kurzen Inbeschlagnahme meines Zimmers auf Entdeckungstour.

Der grüne Erker plus die beiden Fenster rechts daneben gehören zu meinem Zimmerchen 🙂

Bad Suderode und Gernrode sind Stadtteile der Weltkulturerbestadt Quedlinburg. In Quedlinburg selbst hatte ich kein bezahlbares Zimmer bekommen, das größer als 6 Quadratmeter gewesen wäre. Aber es ist nicht weit von hier.

Ich lief nach Gernrode, wo die sehr beeindruckende Kirche St. Cyriakus steht. Man bekommt ein laminiertes Blatt mit den Sehenswürdigkeiten in die Hand gedrückt und wird dezent auf eine mögliche Spende am Ende des Besuchs hingewiesen. Es gibt ein sehr kunstvolles, restauriertes Grab, eine wirklich wunderschöne Orgel, die Apsiden sind wunderbar ausgestaltet. Wenn man durch den Kreuzgang geht hat man vom Klosterhof aus ein wunderbaren Blick auf die wirklich schöne Architektur des Gotteshauses.

In der Nähe befindet sich das größte Wetterhaus der Welt, das sogar Eingang in das Guinessbuch der Rekorde gefunden hat. Es ist Teil der gernroder Uhrenfabrik mit angeschlossenem Uhrenmuseum. Das hatte aber leider schon geschlossen. Zurück lief ich einen anderen Weg. Es ist ein wirklich bezaubernder Ort. Ganz viel Charme, sehr aufgeräumt, mit einem Hauch von Wohlhabenheit. Hier stehen Villen, mein lieber Scholli!

Bad Suderodes Wahrzeichen ist der Preußenturm, eine Holzkonstruktion, von der aus man einen ziemlichen Weitblick hat. Nur der Weg dorthin ist etwas beschwerlich, es geht schon stramm steil bergauf; und wenn man dann auch noch – Achtung, es folgt das beliebte Google Maps-Bashing – einen primitiven Navigator dabei hat… Gott sei Dank bekam ich über meine Wander-App ein Satellitenbild gezeigt, anhand dessen ich mich dann orientieren konnte. Nach etwa 324 Flüchen kam ich dann endlich auch an und wurde durch wirklich schöne Ausblicke belohnt. Im Harz kann man übrigens Wanderstempel an ausgesuchten Stellen bekommen, mit elf Stempeln wird man auf irgendeiner Wanderprinz-/prinzessinenliste geführt.

Zurück im Hotel genehmigte ich mir das wohlverdiente Wanderbier und zog ein erstes Resümee. Ja, ist echt nett hier im Harz. Dazu gottseidank wieder besseres Wetter. Die Leute auf den Straßen sagen sich die Tageszeit. Das Abendessen war ganz lecker, die Tischunterhaltungen an den Nebentischen skurril.

So, jetzt muss ich gleich mal gucken, wie ich die nächsten Tage rumbekomme. Zu sehen gibt es einiges, sogar eine Seilbahn gibt’s in der Nähe, dann kann ich wieder eines meiner berüchtigten Nahtoderfahrungsvideos drehen. Ich könnte auch auf dem Hexentanzplatz eine Tarantella für Euch hinlegen. Na, mal sehen.

Wäre schön, wenn Ihr mich morgen wieder begleitet. Liebe Grüße, Euer

Eine kleine Hexengalerie:

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Die mysteriöse Formation des als Treehenge bekannt gewordenen Baumkreises in Gernrode lässt seit Jahrzehnten Forscher und Wissenschaftler über ihre Bedeutung rätseln.

Ab in den Harz: der Prolog

Ihr Lieben,

nicht missverstehen, keinesfalls möchte ich ein überdimensionaler Bernsteinfund sein. Noch nicht. Wenn ich vom Harz rede, meine ich nicht das Baumharz, das uns jahrtausendalte Insekten konserviert hat, sondern das nördlichste deutsche Mittelgebirge, in dem ich ab morgen mein Unwesen treiben werde. Aber wie kam es dazu?

Ihr wisst, dass ich auch mal gerne durch Deutschland reise oder meinen Urlaub verbringe. Lutherreise durch die östlichen Bundesländer, Nordsee, Eifel, Ostsee, Städtereisen… Der Harz (Ost wie West) stand diesbezüglich schon lange auf meiner Löffelliste*. Ein Nachbar, Bürgerinitiativegegenrasermitglied und inzwischen Freund ist gebürtig aus Goslar. Bei einem Gespräch der Initiative bot er uns allen – nur halb im Scherz – mal an, seine Heimat zu zeigen. Große Überraschung: Eine gemeinsamer Termin wurde noch am selben Abend gefunden und die gemeinsame Reise einiger Mitglieder schon nach zwei Tagen beschlossen. Und zwar von Mittwoch bis Sonntag kommender Woche mit unterschiedlichen An- und Abreiseterminen. Dieser Beschluss ist schon eine Weile her.

Zwischenzeitlich hatte ich dann aber überlegt, warum ich Montag und Dienstag eigentlich noch arbeiten gehen sollte und nahm auch diese beiden Tage kurzerhand frei. So habe ich das Vergnügen, den Westharz mit Nachbarschaftsfreunden zusammen – mit Unterkunft in Goslar – zu erkunden (ab Mittwoch) und vorher den Ostharz rund um Quedlinburg für ein paar Tage alleine aufzumischen. Also, altersgemäß halt aufzumischen. Also, Logis zu nehmen und zu gucken. Nix mit Disco und grüner Wiese**! Also „aufmischen possible“ halt.

Ein Mietwagenschnäppchen hatte ich dann auch fast gemacht (Cora ist ja leider nicht mehr bei mir), und so werde ich ab Samstagfrüh eine neuntägige Reise per carro (klingt ja fast wie Cora) unternehmen und würde mich mega darüber freuen, wenn ihr mich wieder begleitetet. Seid ihr dabei? Das wäre ein Träumchen!

Übrigens machen wir beim Italiener heute Abend schon ein bisschen Reiseplanung!

Liebe Grüße und bis Samstagabend! Euer

P.S.: Das Bild hat mir ChatGPT gemalt 🙂 Mein erster Versuch!

*) die Löffelliste ist das deutsche Pendant zur amerikanischen „bucket list“. Was hat/will man zu tun, bevor man den Löffel abgibt?!

**) Grüne Wiese ist ein Getränk aus Blue Curacao und Orangensaft.

KunstKulturWeinundBier

Ihr Lieben,

neinneinnein, meine Leertaste funktioniert noch, wie man sieht. Ich komme später noch zur BedeutungdiesermysteriösenÜberschrift.

Diese Woche ist unglaublich viel passiert. Ich bin in ein neues Büro gezogen (Domblick und Taubenplage), habe Vorstellungsgespräche geführt, eine neue Brille bekommen, den Stromanbieter gewechselt, ich habe alles für meinen Spanienurlaub im Dezember gebucht, meine Auszeit kommende Woche im Harz geplant und mich mit der Nilkreuzfahrt im November beschäftigt. Und zwischendurch mehreren Menschen erklären müssen, dass ich gar nicht so oft Urlaub mache. Wie kommen die darauf (ist alles nur eine Frage präziser Planung)? :-). Ach, und ich habe Windräder als Taubenabwehr gebastelt und vor den Bürofenstern angebracht.

Okay, „KunstKulturWeinundBier“ ist der Name einer kleinen, aber feinen WhatsApp-Gruppe, die sich dem genannten verschrieben hat, mit mehr oder weniger wechselnden Schwerpunkten, wenn ihr versteht, was ich meine… So versuchen wir, an jedem ersten Donnerstag im Monat, eine kulturelle Veranstaltung oder eine Ausstellung zu besuchen, um dann im Lokal das Erlebte zusammen zu verarbeiten. 🙂 Diesmal haben wir es wegen der Kunsttage Rhein-Erft auf heute verschoben, die haben sich doch glatt geweigert, wegen uns früher anzufangen. Und das, obwohl wir schon so oft da waren und eigentlich auch immer etwas erwerben.

Getroffen haben wir uns erst einmal beim Italiener, um etwas zu essen. Da war es ganz lecker, aber die Preise zur Zeit in der Gastronomie sind schon gruselig. So habe ich für vier (sic!) Garnelen mit Haselnusskrümeln mal eben 18 Euro gelatzt. Ich wusste um den Preis, hatte mir aber eine größere Portion versprochen. Naja, Glas Wein 7,30 Euro, Nudeln mit Ragú 18,50 Euro. Aber lecker und in schöner Runde kann man das ja mal machen! Musikalische Untermalung hatten wir kostenfrei durch eine plötzlich auftauchende Brass-Band.

Dieses Mal war die Ausstellung besonders vielseitig und ansprechend, mir haben ganz viele Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler sehr gefallen. Die Messlatte für eine Erlaubnis zur Teilnahme sind auch extrem hoch. Gut, das merkt man jetzt nicht bei JEDEM Aussteller. Mir war aber sofort klar, dass mein Plan, mal nichts zu kaufen (wohin auch mit all dem Zeug???), nicht aufgehen würde. Wir sahen Fabelwesen, Klecksereien, Glaskunst, langweilige Moore-Imitationen, ausdrucksstarke Großformate, die mir Sorgen um den psychischen Zustand des Künstler bescherten, wir erfuhren komplette Lebensgeschichten mit lückenloser Aufzählung des Werkverzeichnisses, wir staunten über die Kunst der Schülys der Donatus-Förderschule (sie sind jedes Jahr vertreten und machen großartige Sachen!), wir rätselten, manchmal verstanden wir, wir glucksten und wir hatten auch durchaus ernste Gespräche.

Ich habe ein sehr schönes Bild erstanden, der Entscheidungsprozess hat gefühlt ein Erdzeitalter gedauert, aber jetzt zuhause, da freue ich mich, dass ich mich durchgerungen habe. Und darüber, dass es bei einem Bild blieb, zu dem es dann auch beim Kauf noch eine wirklich nette Anekdote zur Entstehung gab.

Wir ließen den Nachmittag in einer Brauweiler Schenke ausklingen, dessen Wirt ein sympathischer Kauz ist und in dessen Gastwirtschaft auch Bilder verkauft werden. Sowas.

Brauweiler Kunsttage, wie ich sie nenne: Immer einen Besuch wert, erst recht mit lieben Freundinnen und Freunden. Morgen könnt ihr noch hin.

Liebe Grüße, Euer

P.S.: Hier meine kleinen Neuerwerbungen:

Bericht aus Bonn

Ihr Lieben,

alte Knacker wie ich erinnern sich noch an die Fernsehsendung „Bericht aus Bonn“, ich mit den Moderatoren Nowotny und später Lueg. Jeden Freitag kam das. Mein Bericht aus Bonn ist dann halt vom Sonntag und ist auch wenig politisch.

Das Wochenende habe ich dazu genutzt, Papiere zu sortieren (ungelogen geht ein 30cm-Stapel in den Schredder), Wäsche zu waschen, das Gefrierelement abzutauen und all das, was man eben so gerne mag. Sonntag dann beschloss ich, einen kleinen Ausflug zu machen, anstatt die Abstellkammer und die Küchenschränke auszumisten. Nach einem leckeren Omelett gings dann Richtung Bahnhof Deutz, wo ich mich in den ersten Zug mit einem interessanten Nahziel werfen wollte. Das war dann einer Koblenz über Bonn. Und da ich bei dem letzten Treffen der Namibia-Connection schon beschlossen hatte, mich mal ausführlicher umzuschauen, stieg ich da kurzerhand aus.

Über den Münsterplatz, mit einer Stippvisite von Kirchenschiff und Krypta, ging es durch die Altstadtsträßchen über den Marktplatz zum Beethovenhaus. Dort löste ich für den Preis eines Kleinwagens eine Eintrittskarte, um auf den Spuren des ollen Ludwig zu wandeln. Das Haus ist erstaunlich groß, mit einem schönen Hinterhof, aber etwas lieblos eingerichtet. Unspannend museal würde ich das nennen. Interessante Ausstellungsstücke findet man dennoch.

Die gesammelten Eindrücke musste ich dann vor dem historischen Rathaus erst einmal bei einem Bier verarbeiten. Ich gebe es mal zu, es war jetzt keine Spitzenidee, in der Mittagshitze durch Bonn zu latschen, ich war nach zwei Stunden schon völlig hinüber. Dermaßen gestärkt fuhr ich dann mit der Straßenbahn in die Rheinauen.

Die Rheinauen sind wirklich nett. Ich war versucht, mir ein Tretboot zu mieten, aber knapp 10 Euro für eine halbe Stunde war mir dann doch zu üppig. Das muss man dann mal zu viert machen. Ich guckte mir stattdessen den Blindengarten, den japanischen Garten sowie ein paar Skulpturen an. In einem Ausflugsrestaurant stärkte ich mich ein weiteres Mal und fuhr dann wieder nach Hause.

Ein kurzer, netter Ausflug, um die ehemalige Bundeshauptstadt mal besser kennenzulernen. Bonn konnte nach dem Krieg einiges besser als Köln, und das hat sich bis in die Neuzeit gehalten. Natürlich stößt man auch hier nicht ständig kleine Schreie der Verzückung aus, aber es ist ein sehr hübsches Städtchen mit netten Fußgängerzonen, schönen Parks und einer ansprechenden Außengastronomie.

So, allen noch einen schönen Restsonntag und bis denne, gelle? Euer

Das Unbekannte im Bekannten entdecken: Ein ungeplanter Tagesausflug nach Köln

Ihr Lieben,

das war wieder einmal ein schönes Wochenende, auch wenn nicht alles nach Plan verlief. Samstag kam Elke schon nachmittags vorbei, wir wollten am Rhein ein wenig spazieren gehen und im Fischerhaus etwas essen und trinken. Die Portionen dort sind ja riesig, wir haben nicht alles geschafft. Kurz hatte ich überlegt, mein Holsteiner Schnitzel in XXL zu bestellen, aber der Service riet mir dringend davon ab. Gottseidank, sag ich da nur. Die Sonnenblumenfelder in Poll haben ihre beste Zeit leider schon hinter sich, aber der Spaziergang war dennoch schön. Rechtzeitig vor dem Gewitter haben wir es dann auch noch nach Hause geschafft.

Sonntag dann war ich am späten Nachmittag mit Rolf verabredet, der ja nach Barcelona auswandert. Da dachte ich, ich nutze den Tag, um mit der Regionalbahn nach Bad Honnef zu fahren, wo ich nach meinem Kenntnisstand noch nicht war. Am Deutzer Bahnhof fand ich dann aber bürgerkriegsähnliche Zustände vor. Die Bahn kam zwar pünktlich, war aber schon brechend voll. Die in Deutz Zusteigenden bemühten sich nach Leibeskräften (!), auch noch in den Zug zu passen. Und da kennt der Deutsche ja nix! Ich wartete noch 5 Minuten auf eine Bahn ins Siegerland, aber da sah das nicht anders aus.

Der Tagesausflug war schon im Ansatz gescheitert. Da ich aber nun schon in Deutz war, verlegte ich ihn halt nach Köln. Ich lief die Hohenzollernbrücke rauf und runter und fuhr zwischendurch auf die Aussichtsplattform des KölnTriangle (5 Euro und 30 Sekunden Liftfahrt für 28 Etagen). Der Ausblick von dort ist fantastisch!

Mir fiel ein, dass es an der Bastei ein Mettbrötchenfestival geben sollte. Durch einen ellenlangen Flohmarkt am Rheinufer lief ich dorthin, kaufte bei einem Wurstmacher ein und fand an der Bastei… nix! Da war immer noch Flohmarkt, kein Mett in Sichtweite. Ich traf aber auf ein paar andere Menschen, die ebenfalls enttäuscht waren, dass die Veranstaltung noch nicht einmal abgesagt wurde. Ich lief zurück in die Innenstadt und strollte ziellos durch die Altstadt, stolperte am Hänneschen-Theater in ein kleines Fest und entdeckte Gassen und Hinterhöfe, in denen ich wahrscheinlich noch nie war. Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, versuchte ich ein Plätzchen vor einem Restaurant am Rhein oder am Alter Markt zu finden. Leider waren alle Terrassen total verqualmt. Ist rauchen wieder hip? Ich dachte, die Leute haben alle kein Geld mehr! Ich suchte ein abgelegenes Systemrestaurant auf, wo ich eine wagenradgroße Pizza bekam, die wirklich gar nicht schlecht war.

Dann war es auch schon soweit, Rolf zu treffen. Wir pichelten uns in den Abend hinein. Ich hatte einen kleinen sentimentalen Anfall, als mir klar wurde, dass er jetzt wirklich wegzieht. Naja, wir sehen uns Ende Oktober auf dem Nil wieder und bei meiner Spanienrundreise im Dezember werde ich auch Halt in Barcelona machen. Das war trotz der Abschiedsstimmung ein schöner Ausklang. Weniger schön war, dass dann 50 Minuten (!!!) keine Bahn mehr für mich fuhr, was mir einen sehr langen Spaziergang nach Hause bescherte. Ich muss jetzt mal abschweifen und mosern: Die KVB hat beschlossen, dass meine Straßenbahnlinie tagsüber im 20- bis 50-Minutentakt oder eben auch gar nicht fährt. Selbst abends nach der Arbeit warte ich manchmal bis zu 45 Minuten! Da wünscht man sich gelegentlich doch seine Cora zurück. SO jedenfalls geht Verkehrswende nicht.

Alles in allem war es trotz des ungeplanten Verlaufs ein schönes Wochenende. Auch als hundertjähriger Bewohner Kölns kann man noch eine Menge entdecken. Zwischendurch habe ich auch immer wieder bekannte Gesichter gesehen und einen kleinen Plausch gehalten. Köln ist halt auch ein Dorf.

Liebe Grüße und allen einen guten Wochenstart, Euer

P.S.: Der Bericht ging erst heute online, weil – auch nicht geplant – ich gestern zuhause keine Internetverbindung hatte und zu faul war, das technisch anders zu regeln 🙂

Wir haben sie gerettet und gehen davon aus, dass sie noch ihren Enkeln von diesem Aperol-Bad erzählen wird.

Wochenendgeschichten

Ihr Lieben,

manchmal gibt es so Tage… Samstagmorgen bin ich nach seltsamen Träumen hochgeschreckt und dachte, es wäre schon Mittag. Aber es war erst 9 Uhr. Wow. ich machte mir Kaffee und Rührei, las die Nachrichten und erhielt um etwa 11 Uhr die Mail, dass eine Weinlieferung in der Packstation sei. Diesmal sogar in der richtigen. Vorgestern erhielt ich nämlich eine Nachricht, dass ich eine andere Bestellung in einer Packstation abholen könne, die sich leider 20.000 Meilen unter dem Meer (Idee: J. Verne) befindet.

Ich meine Mietwagen-App aufgemacht und zu meiner großen Freude gesehen, dass der Kilometer heute nur 1 ct. kostet. Na, das kann man ja mal ausnutzen. So holte ich den Wein ab, machte einen Großeinkauf und begab mich sogar zum Baumarkt, um einen Absperrhahn zu kaufen, um einen defekten in der Küche zu ersetzen. Insgesamt habe ich dann, weil man bei der Firma fürs Tanken mit Guthaben belohnt wird, für das Auto alles in allem nur etwa 3 Euro bezahlt (Mietgebühr und Parkzeit mit eingerechnet). Aber an einem Samstag zum Baumarkt zu fahren erwies sich im Nachhinein als ziemlich dumm. Auf dem Parkplatz spielten sich Szenen wie aus dem wilden Westen ab. Fehlte nur, das geschossen wurde.

Im Baumarkt erstaunlich viele Berater. Die vom Sanitär schickten mich zu Eisenwaren, die zu Werkzeugen und die zum Sanitär. Aber immerhin gab es welche. Zuhause stellte sich dann aber heraus, dass man mir das falsche Teil verkauft hatte.

Am Abend buk ich dann noch ein paar sehr einfache Nussstangen: Hefeteig aus dem Kühlregal auf einem Backblech ausbreiten, mit dem Mixer weiche Butter, Zucker und die schokolierten Nüsse vom Albert-Süd zermantschen, draufschmieren und ab in den Ofen. Kam aber gut beim Männertreffen der Diepolders an.

Das war dann am Sonntagnachmittag bei den ältesten Neffen in Grevenbroich und sehr nett. Hier zeigte sich nur mal wieder, das man ohne Auto logistische Probleme hat, mein Bro musste mich am Bahnhof abholen, da der nächste Bus erst gefühlt zum Tag der deutschen Einheit erwartet wurde.

Alles in allem aber ein beschauliches Wochenende, das jetzt mit Wein und Huhn aus der Röhre ausklingt.

Allen morgen einen guten Wochenstart!

Liebe Grüße, Euer

Doradenfilet auf scharfem Reis

Ihr Lieben,

mir fällt heute kein vernünftiger und griffiger Titel für das Essen ein. Das muss den 550° im Dachgeschoss geschuldet sein. Wie, übertrieben? Neinneinnein, exakt 550°Ra habe ich gemessen, das ist die in 1859 vom Engländer William Rankine vorgeschlagene Temperaturskala.

Ich nahm vietnamesischen Klebreis, wusch ihn gründlich und ließ ihn eine Stunde einweichen. Dann kochte ich ihn in anderthalbmal so viel Brühe.

Danach setzte ich eine Marinade aus Sesamöl (sparsam!!!), Sojasauce, Reisessig, Pfeffer, Zucker, Chiliflocken an und rieb einen Zentimeter Meerrettich, eine Karotte, etwas Ingwer und etwas Knoblauch hinein und gab noch eine halbe gewürfelte grüne Paprika sowie ein halbes Dutzend halbierte Kirschpaprika dazu.

Während man den Reis solange kocht, bis er die richtige Konsistenz hat (ggf. etwas Wein angießen), salzt und pfeffert man die Doradenfilets, spritzt etwas Zitronensaft darüber und brät sie sehr kurz scharf auf der Hautseite an. Den FAST garen Reis vermischt man zuerst mit einem Gramm Safranfäden, die man im Mörser mit etwas Öl und Salz aufgestoßen hat, dann mit dem marinierten Gemüse, gibt ihn in eine Auflaufform, legt die Filetstücke mit der Haut nach oben darüber und stellt das ganze für etwa 3 Minuten in den auf 190°C (ja, diesmal Celsius, sonst wären es 830°Ra) vorgeheizten Ofen unter den Grill. Auf tiefen Tellern anrichten und mit Deko verzieren (in meinem Fall Chilifäden und in Streifen geschnittene Basilikumblätter).

Kann man sehr gut essen :-). Tipp: Nicht den Fisch mit Reis zusammen essen, sondern immer abwechselnd, dann hat man den sanften Fisch in besserem Kontrast zu dem würzigen Reis.

Viel Spaß beim Nachkochen!

P.S.: Hinterher ist man immer einen Tacken schlauer: Ich würde beim nächsten Mal den Ofenteil weglassen und die Filets hautkross angebraten (vorher dezent eingeschnitten) direkt auf den fertigen Reis geben und dann auch das Foto mit Haut nach oben schießen. Aber geschmacklich ist das für mich auch so der Hammer!

Leaving Leuven

Ihr Lieben,

man hat im Hotel wohl meinen gestrigen Blogeintrag gelesen, denn das Spiegelei war heute eine Tränen in die Augen treibende Prachtkreation. Nur mit dem nicht-schalen Sekt, das müssen sie noch lernen… 🙂

Schon der belgische Häuptling der Bellovaker, Correus, wusste: Wo es einen großen Beginenhof gibt, da gibt es auch einen kleinen. Den suchten wir dann nach dem Frühstück auf. Dieser besteht aus nur einer Straße, die aber wie die große Schwester auch Würde und Ruhe ausstrahlt. In der Nähe steht die große Sint-Geertruikerk, die mit mächtigen Glockenschlägen auch die letzte Schlafmütze im Umkreis von 50 Kilometern aus dem Bett scheuchte. Über dem Viertel waberte ätherischer Gesang, von dem wir jetzt nicht sicher sagen konnten, ob das ein Kirchenlied oder eine keltische Beschwörungskantate war.

Auf dem Weg zu den kleinen Beginen haben wir dann auch in den Straßen und Gässchen die Geschäfte gefunden, die wir bisher vermisst hatten. Boutiquen, Delikatessen, Tinneff. Nur Souvenirgeschäfte gibt es keine. Nicht ein einziges! Ich war deswegen sogar in der Touristeninformation, um nachzuforschen. Nein, nichts, nada, niente, nitschewo! Ich meinte zu dem Mann hinterm Tresen, dass sich da ja eine Geschäftsidee auftäte, aber er erwiderte lakonisch, dass die Stadt einfach zu klein sei. Ich denke aber noch darüber nach. Wer gibt mir Startkapital und erklärt mir das Geschäftsleben?

Als wir gestern so durch die Sträßchen strollten, kam uns ein Pärchen entgegen, das etwas in unsere Richtung radebrechte, was wie „Where are you from?“ klang. Ruth krähte fröhlich, das wir from Germany wären, was das Paar sichtlich irritierte. Es stellte sich heraus, dass sie den botanischen Garten suchten. Wir konnten ihnen den Weg weisen und kamen lange nicht mehr aus dem Lachen heraus. Heute machten wir uns dann selbst dorthin auf. Der Eintritt ist frei, der Garten ist nicht zu groß, aber mit Bedacht ein wenig verwildert angelegt. Seeehr sehenswert. Es gibt Obstgärten, Gewächshäuser, Kräutergarten, Teiche und und und. Eine kleine Wohlfühloase inmitten der Wohlfühlstadt.

Es war Zeit, uns vor der Rückfahrt noch einmal zu stärken. Auf dem Alten Markt war es uns zu laut, man baute immer noch die Bühnen und Absperrungen des Festivals ab. Wir liefen zum Großen Markt, wo wir ein Restaurant bemerkten, dass deutlich besser besucht war, als die anderen. Wir ließen uns nieder und vom Kellner beraten, was man denn so hier essen müsse. Nudeln aus dem Wok, wurden wir beschieden. Naja, klang jetzt erst einmal nicht so spektakulär, aber ich bestellte sie und es war wirklich ein Gedicht! Also, klare Empfehlung für das Restaurant „Agora“. Man sitzt schön, der Service ist total nett, das Essen eine Wucht!

Wir machten uns auf Richtung Hotel. Ich bin zwar Mitglied im Pentahotel&Friends-Club, was mir gestattet hätte, erst um 15 Uhr auszuchecken, aber mein Zug fuhr ja auch irgendwann und die Damen mussten ja ebenfalls noch eine kleine Strecke fahren. Die Tage zuvor kamen wir mehrmals an einer Eisdiele nahe des Hotels vorbei, vor der immer endlose Schlangen standen. Eine Recherche im Internet ergab, dass sie scheinbar zu den TOP-Eisdielen der Welt zählt, und so waren wir dankbar, dass wir kurz vor Abreise dort vorbeikamen und nur ein paar Personen anstanden. Spontan kauften wir uns je eine Kugel und diese war riesig und saulecker! t’Galetje heißt der Laden.

Ja, und dann war schon die Zeit für den tränenreichen Abschied gekommen. Schluchzend lagen wir uns in den Armen, versprachen uns, dass wir zusammen den Weihnachtsmarkt in Ahrweiler besuchen würden, und dann gingen wir unserer Wege. Diesmal lief auch mit den Zügen alles wie geplant und nachmittags kam ich wohlbehalten zuhause an.

Leuven/Löwen/Louvaine ist definitiv eine kleine Reise wert, es ist eine unglaublich friedliche, schöne und ruhige Stadt mit mehr Fressbuden als Belgien Einwohner hat. Es gibt architektonische Perlen, Parks, schöne Gassen und freundliche Menschen. Das Preisniveau ist etwas höher als bei uns, insbesondere bei Getränken. An den Touri-Hotspots gibt es Kaschemmen und Perlen, da muss man halt genauer hinschauen. Mir hat es auf jeden Fall ausnehmend gut gefallen! Zwei Nächte sind auch prima geeignet, um einen nicht allzu oberflächlichen Eindruck zu gewinnen.

Danke für Eure virtuelle Begleitung und das Feedback auf allen Kanälen. Bis bald, Euer

Wir beginnen bei den Beginen

Ihr Lieben,

das Frühstücksbuffett kann sich sehen lassen, auch wenn das Spiegelei als Straßenbelag hätte verwendet werden können und der Sekt schal war. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Wir schlugen zu und brachen dann Richtung Beginenhof auf. Zu den Beginen habe ich ja schon in meinem Bericht über Antwerpen etwas geschrieben. In Leuven gibt es einen kleinen und einen großen Hof. Wir marschierten natürlich zum Groot Begijnhof, der auch die Liste der TOP-Sehenswürdigkeiten der Stadt anführt. Ich nehme es vorweg: zu recht!

Der Groot Begijnhof ist eine Stadt in der Stadt und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Bei strahlendem Wetter waren auf dem sehr ansprechenden Gelände, das auf das 13. Jahrhundert zurückdatiert, nur wenige andere Touristen unterwegs. Es ist ein Ort der Stille und man merkt kaum, dass dort Menschen leben. Zwar keine Beginen mehr, aber die restaurierten Unterkünfte stehen Dozenten, Studenten und Gaststudenten zur Verfügung. Wir nehmen an, dass es zwar ein schönes Fleckchen Erde zum Wohnen ist, man aber a) strikte Regeln befolgen und b) die Touristenmassen ertragen muss. Wobei uns Löwen irgendwie wie eine unentdeckte Perle vorkommt. Gut besucht, aber weit entfernt davon, überlaufen zu sein. Das macht einen großen Teil des Charmes der Stadt aus.

Wir liefen durch die angrenzenden Viertel, entdeckten interessante Gebäude, viele Kirchen, kleine Flüsschen, Parks und Gassen. Es ist wirklich, wirklich nett hier! Wir ließen uns in einem Café nieder, auch hier alles nett, nett, nett. Ruth hatte den weltbesten Frappucino des Universums und auch die servierten Kleinigkeiten, wie üppig belegte Bagels, sahen mehr als appetitlich aus. Allerdings waren wir vom Frühstück noch ausreichend satt. Nach der kurzen Verschnaufpause ging es wieder durch viele Gassen und Anlagen weiter Richtung Universitätsbibliothek.

Hier trennten wir uns kurz, da ich meinem (neben Seilbahnfahren!) liebsten Hobby, nämlich der Turmbesteigung fröhnen wollte, den Damen aber mehr nach einem kleinen Snack war. Der Turm der Universitätsbibliothek ist 87 Meter hoch und eine sehr schmale Wendeltreppe führt zur Aussichtsplattform. Auch hier war wenig los, so dass ich nur ein Aneinandervorbeiquetschmanöver durchführen musste. Belohnt wird man oben mit verschwitzter Frisur sowie einem schönen Ausblick über die ganze Stadt. Just, als ich die Plattform erreichte, läutete auch die Freiheitsglocke. Also, wenn das nicht mal Timing war. Die Stufen habe ich nicht gezählt und im Internet keine Zahl dazu gefunden, aber ich denke, es waren so an die 2.650. Jaja, das wird so in etwa hinhauen.

Wieder unten angekommen, gesellte ich mich zu Monika und Ruth ins Bistro und nahm dankbar mein wohlverdientes Sportbier zu mir. Wir beschlossen dann, auch abends dort Muscheln essen zu gehen, weil es so sympathisch und nicht so trubelig war. Dafür musste ich eine gestern getätigte Reservierung in einem Edelrestaurant stornieren, aber ehrlich? Irgendwie war uns dann doch nach eher rustikal als gediegen.

Vom Ladeuzeplein (wo die Bibliothek steht) liefen wir dann noch die Einkaufsstraße bis zum Bahnhof hinunter, wo wir uns wieder eine Pause in einem netten Bistro gönnten. Es kommt Euch übrigens nur so vor, als hätten wir den ganzen Tag faul in der Sonne gesessen, das trifft in keinster Weise zu! Auch haben wir keinesfalls über Personen gelästert, die man so auf einem Bahnhofsvorplatz so zu sehen bekommt, denn das tut man ja auch nicht. Niemals!

Die Einkaufsstraße wieder hoch, die ist zwar von den Läden her nicht spannender als andere Straßen in anderen Städten, aber alles ist in teilweise sehr schönen Häusern im flämischen Stil untergebracht. Klar, auch hier kennt man Bausünden, aber insgesamt ist man weit entfernt von der Kölner Quote an Geschmacksverirrungen.

Wir gönnten uns dann eine Stunde Rekreationszeit im Hotel und liefen ausgeruht wieder zum Den Beiaard, unserer Muschelauffangstation. Draußen im lauen Abendlüftchen sitzen, erst einmal eine Portion Bitterballen, dann zwei große Portionen Muscheln, ein Hechtfilet, alles sehr lecker, Bier, Wein und Sangria, netter Service… so fühlt sich Urlaub an. Und es waren überwiegend Einheimische dort. Die eher mäßige Bewertung bei Google von 4.1 Sternen verstehe ich persönlich nicht, das Restaurant ist klasse.

Wir haben sehr lange diniert, daher schenkten wir uns weitere Aktivitäten für den Rest des Abends. Morgen wartet ein weiterer halber Tag Louvaine auf uns, auf den wir – und ich denke, dass ich für alle sprechen kann – uns auch schon sehr freuen. Ebenso, wie auf Eure virtuelle Begleitung.

Liebe Grüße von Monika, Ruth und Eurem

Leuven – Louvaine – Löwen: Die Ankunft

Ihr Lieben,

natürlich haben es fast alle erraten… Es ging nach Leuven. Morgens hatte ich noch eine sehr chaotische Baubesprechung und einiges anderes zu erledigen. Um 13 Uhr 30 ließ ich dann den Griffel fallen und eilte zum Bahnhof, wo der Zug nach Lüttich schon bereitstand. Und bereitstand. Und bereitstand. Noch nicht mal pünktliches Abfahren hat die DB mehr drauf. Es ist ein Trauerspiel in ∞ Akten. Diesmal Signalstörung in Ehrenfeld. Wenigstens saß ich schön im Warmen in der 1. Klasse (ja, auch Klimaanlage lief suboptimal) und hatte ein Piccolöchen dabei. Mit 30 Minuten Verspätung ging es dann los und so war der Anschlusszug in Lüttich natürlich weg.

In Lüttich angekommen, stand schon der Zug nach Louvaine bereit. Sollte das ein schlechtes Omen sein? Auf jeden Fall war die einzige Bordtoilette abgeschlossen. Voller Freude kann ich berichten, dass auch dieser belgische Zug mit einiger Verspätung abfuhr. Grund: Warten auf einen anderen Zug. Und dann noch ein Halt mitten in der Pampa ohne Angabe eines Grundes. Ist das wie eine Art Seuche, die sich über den Kontinent ausbreitet? Und wieso hat MEIN verpasster Anschlusszug nicht gewartet? Ich glaube ja mal wieder an eine Verschwörung!

Manchmal erkennt man ja schon am Bahnhof, ob eine Stadt einen interessieren könnte. Löwen ist so eine Stadt. Man verlässt den Bahnhof und denkt „Wow“. Der Fußweg zum Hotel hat mir einige Ahs und Ohs entlockt. Das Hotel selbst liegt super zentral und macht einen sehr guten ersten Eindruck. Freundlicher Empfang, schöne Zimmer. Ruth und Monika kamen nur ein paar Minuten nach mir an, und so gönnten wir uns erst einmal ein Willkommensgetränk vor dem Hotel. Dann schlenderten wir über den Grote Markt mit seinem markanten Stadthaus zum Oude Markt.

Hier ist Trubel, denn wir sind mitten im Festival „Groot Verlof“ gelandet, mit vielen Absperrgittern, mehreren Bühnen, viel Volk und viel Rummel. Wir suchten uns mitten im Touristenfallengebiet ein Restaurant aus, wo wir zu sehr strammen Preisen speisten. Burger, Nudeln und Pulled Pork. In sehr unterschiedlicher Qualität. Immerhin gab es dazu die leckeren belgischen Fritten mit vier Fritjessauces (oder wie man das auch immer schreibt). Ich testete mich dabei auch ein bisschen durch die Bierkarte und stelle folgendes Ranking auf: 1. Leffe Blonde; 2. Stella Artois; 28194. Kriek. Das klingt nicht nur so, sondern es ist auch eine Kriegserklärung an jeden Gaumen. Süßliches Kirschbier, das den Namen Bier eigentlich nicht verdient.

Wir liefen anschließend ein bisschen herum und waren doch recht angetan von der Innenstadt. Schöne Häuser mit versteckten Besonderheiten, wie z.B. Giebelfiguren und Schmuckelementen, nette Lädchen, vieeeeel Gastronomie und erstaunlicherweise keine erkennbaren Souvenirshops. Über die sind wir ja letztlich in Antwerpen nur so gestolpert. Auch an der mächtigen, architektonisch sehr verwirrenden St.-Peter-Kirche liefen wir vorbei. Sie ist irgendwie unfertig und hat an Bunker erinnernde Aufbauten.

Als wir eine Runde gedreht hatten, trat auf der Bühne am Stadthaus gerade eine Gruppe auf, die uns ansehenswert schien. Wir erwarben daher an einem Stand Getränke, um eine Weile zuzusehen. Es war schade, dass nur versprengt vereinzelte Menschengrüppchen vor der Bühne standen, die das Geschehen dort auch nicht sonderlich zu interessieren schien. Der Wein, den Ruth und ich tranken, wurde in fingerhutgroßen Plastiktöpfchen serviert und war nicht wirklich trinkbar. Wir wollten uns daher auf einer Terrasse hinsetzen und der Band lauschen, aber es war wirklich jeder Tisch belegt. Einen Block entfernt fanden wir dann einen freien Tisch und gaben wieder üppig Geld für kleine Tröpfchen aus. Aber es machte uns nichts. Das Wetter toll, die Stimmung gut, das Städtchen total nett… Und dann wurde es auch voller und voller. Als wir zum Hotel zurückliefen, mussten wir uns regelrecht durch Menschenmassen vor der Bühne quetschen.

Im Hotel nahmen wir noch einen Absacker und dann war der erste Tag auch schon um. Mir gefällt Löwen sehr. Ich bin mir sicher, dass wir morgen noch weitere schöne Ecken entdecken werden. Ihr seid dann ja hoffentlich dabei 🙂

Liebe Grüße, Euer Gerry