Tag 2: Im Tivoli

Ihr Lieben!

Häh!? Tivoli? Wieso denn jetzt auf einmal Kopenhagen? Jahaa, des Rätsels Lösung folgt in Kürze.

Das Hotel ist wirklich hellhörig, was aber auch daran liegt, dass man sich hier gerne im Foyer, auf das alle der vielleicht 15 bis 20 Zimmer gehen, lautstark unterhält. Schade, dass man bei der eigentlich sehr gelungenen Sanierung am Lärmschutz gespart hat. Geschlafen habe ich dann dank Ohrstöpseln ganz gut. Das Frühstück war ziemlich üppig, für den ziemlich kleinen Frühstücksraum hat man ordentlich aufgefahren. Nur im Sitzbereich war es dann teilweise entsprechend eng. Unter anderem wurde ich von Kindersitzen eingekesselt, das war für die Nachschlagsorganisation etwas unpraktisch. Ich habe dann den Platz gewechselt.

Da war ich noch alleine, 15 Minuten später war hier Kirmes.

Heute sollte ja auch mal die Sonne durchscheinen. Am Morgen sah allerdings nichts danach aus. Ich machte mich dennoch auf zum Tivoli. Allerdings dem in Ljubljana. Des Rätsels Lösung: alle Tivolis, selbst der berühmte in Kopenhagen, sind nach der Stadt Tivoli in der Nähe Roms benannt, die schon zu Hadrians Zeiten für ihre Parks und Prachtbauten sowie viele spätrömisch-dekadente Lustbarkeiten bekannt war.

Hier ist es ein eher ruhiger Park mit einer zentralen Villa (jetzt Museum), Skulpturen, einem Gewächshaus und einem chaletartigen, ehemaligen Hotel, dass nun ebenfalls ein Museum beherbergt. Joseph Radetzky war erheblich an der Gestaltung dieses Tivoli beteiligt. Ja, der berühmte aus dem gleichnamigen Marsch von Strauss. Bei trübem Wetter erkundete ich einen kleinen Teil und wollte gerade zu einer kleinen Wanderung zum Rožnik-Hügel ansetzen, als ich, einem Parkaufsichtswagen ausweichend, auf die Wiese trat und sofort 5 cm tief im Schlamm versank. Mit meinem einzigen Paar Schuhe. Yeah! Also, auf ins Hotel, waschen und föhnen. Die Schuhe. Der Föhn schaltete sich aber alle 30 Sekunden aus, so war mir das etwas zu mühsam.

Danach besuchte ich daher in halbnassen Sneakern das Museum für zeitgenössische Kunst. Quitsch quatsch. Das liegt direkt neben der „alten Galerie“ und der orthodoxen Kirche St. Kyrill und Method, in die ich auch noch schnell hineinspinxte. Sehr hübsch, ich mag die Wandmalereien und Ikonostasen in diesen Kirchen sehr. Nur der heilige Ignatius müsste vielleicht mal zur Stilberatung, sein Gewand ist doch sehr irritierend.

Das Museum für neue Kunst hat in der ständigen Sammlung ein paar sehr schöne Exponate, aber das Highlight war definitiv die Sonderausstellung von Walid Raad, einem 1967 geborenen libanesischen Künstler, der auch Kriegserfahrungen in seiner Kunst verarbeitet. Sehr sehenswert! Schön auch, dass eine Museumsangestellte meine Hotelzugangskarte fand und jeden fragte, wer sie wohl verloren hat. Gottseidank auch mich. Ansonsten gibt es ein total schönes Museumscafé, das voller junger Menschen war, ich nehme an, es zählt zu den studentischen Hotspots der Stadt.

Hier einmal Eindrücke aus der Sammlung:

Und hier aus der Ausstellung von Walid Raad (die teils vermischt war mit Exponaten zum Museum selbst):

Dann geschah das Wunder. Als ich die Moderna Galerija verließ, schien die Sonne. Leute, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie das eine Stadt positiv verändert. Könnt Ihr doch? Ach so, na gut. Also, Ljubljana in der Sonne ist einfach nur wunderschön. Gleichzeitig mit meinem Herz füllten sich die Straßen, Restaurantterrassen und die touristischen Attraktionen. So auch das Schloss, das als nächstes auf meinem Programm stand. Gestern noch wie ausgestorben, heute ziemlich gut besucht. Ich vermute mal, dass im Sommer hier und an den Ufern der Ljubljanica die Hölle los ist.

Gestern „erkraxelte“ ich mir das Schloss bekanntlichermaßen mit der Bimmelbahn. Heute nahm ich die Standseilbahn und begehrte am Ticketschalter ein All-inklusiv-Ticket für das gesamte Schloss. Stolze 19 Euro kostet das dann. Es ist Nebensaison, daher fährt die Bahn nicht dauernd, man muss ein paar Minuten warten, ist dafür aber ruck-zuck oben. Möglicher Nachteil: Man fährt mit einer hysterischen Reisegruppe zusammen hoch. Angekommen, begibt man sich erst einmal zur Aussichtsterrasse und hat einen echt tollen Blick über die Stadt. Man muss ggf. etwas Geduld mitbringen, um eine Lücke zwischen all den auf der niedrigen Mauer, auf der man nicht sitzen darf, sitzenden Personen zu finden. Die Sicht reicht dann über die Stadt bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Julischen Alpen. Der Wahnsinn!

Dann klappert man die Attraktionen ab: Das Puppenmuseum (hauptsächlich Marionetten, sehr schön kuratiert, man kann an ein paar Installationen aktiv sein [nur von Adolf und seinen Erben sollte man die Finger sein lassen]), die Kasematten mit insbesondere für Kinder ganz toll gemachten, animierten Projektionen, die Aussichtsplattform des Uhrenturms (noch mehr tolle Ausblicke!!), die 4D-Vorführung über die Geschichte der Burg, bei der es sogar leicht regnete und die Stühle bei z.B. Erdbeben wackelten, die Gefängniszellen, die St. Georg-Kapelle und und und. Es ist wirklich eine überragende (hah! Wortspiel!) Sehenswürdigkeit. Der Aufstieg auf den Turm erfolgt übrigens über eine gegenläufige, zweiteilige Wendeltreppe, so daß Auf- und Absteigende sich nicht in die Quere kommen.

Inzwischen war es schon 16 Uhr. Huch! So schnell war die Zeit vergangen. Ich fuhr wieder mit der Standseilbahn herunter und lief zum Fluss, um mir ein Bier zu gönnen. Ich traute meinen Augen kaum, es war noch voller geworden und ich hatte Probleme, einen freien Tisch auf den Terrassen zu finden. Ich lauerte auf zahlende Gäste und machte mich sprungbereit. So kam ich dann zu einem Platz an der Sonne. Leider zwischen etwa 3.000 Kettenrauchern. Ein Bier lang hielt ich das aus, aber als dann auch noch ein „Dampfer“ neben mir seine Patchouli-Apfel-Katzenkot-Shisha anschmiss, war es genug. Ich strollte noch ein bisschen durch die Stadt (es gibt natürlich einen Drachenladen, ich kam an der Oper, dem Platz der Revolution sowie dem Parlament vorbei) kletterte in den Bus, kaufte im Supermarkt beim Hotel ein und fing bei Dosenbier und Käsebrötchen mein Tagebuch an.

Fazit des Tages: Wirklich eine Reise wert. Aber, man hat in einem Tag fast schon alles gesehen. Gut, ich könnte noch eine Bootsfahrt machen, Kirchen besichtigen, Souvenirs kaufen und viele weitere Museen besuchen (unter anderem eins mit dem ältesten Musikinstrument der Welt und dem ältesten einachsigen Rad der Welt). Wahrscheinlich mache ich dann genau all das. 🙂

Also, bis morgen, Ihr Lieben! Euer

Diese Dame scheint zu rufen: „Komm zurück, Du dreckige Taube, das zahle ich Dir heim!!!“
Natürlich gibt es auch Drachenpralinen, Stück 2 Euro.

Tag 1: Nachtzug nach Ljubljana

Ihr Lieben!

Pascal Mercier schrieb sich ja mit seinem „Nachtzug nach Lissabon“ in den Bestsellerhimmel. Ich mochte das Buch sehr! Ob jetzt mein Nachtzugerlebnis auch so eine Reichweite erzielt? Ich bezweifle es.

Nach einem kurzen, letzten Tag im Büro machte ich mich auf nach Stuttgart. Um 20.30 Uhr wollte ich da den Nachtzug nach Ljubljana nehmen. Und da ich ein gebranntes Kind bzgl. DB bin, plante ich zweieinhalb Stunden Puffer ein. Und natürlich hatten wir auch Verspätung, wenn auch nicht so arg. Aber mit weniger Luft wäre ich in Panik ausgebrochen bei Durchsagen wie „Wir wissen zur Zeit nicht, wann es weitergeht.“

Der Zug von Köln nach Stuttgart hat mich als nicht stornierbarers Supersparpreisticket knapp 50 Euro gekostet, das Einzelschlafwagenabteil bei der ÖBB von Stuttgart nach Ljubljana dann etwa 95 Euro, inkl. Rücktrittsversicherung. Ganz schöne Differenzen, was Preis/Leistung angeht, findet ihr nicht?

Trotz der kleinen Verzögerung hatte ich jetzt mehr als 2 Stunden Aufenthalt in Stuttgart. Da habe ich übrigens zu Zeiten von Karl dem Großen mal mehrere Wochen gearbeitet und gehaust. Aber ich habe wenig Erinnerungen dran. Der Bahnhof Stuttgart ist auf jeden Fall furchtbar, so lief ich mit Sack und Pack in die Stadt. Ebenfalls furchtbar. Wobei es auch ziemlich nieselte, was ja immer Abzug in der B-Note gibt. Ich lief bis zum Schlossplatz, kaufte einen Kühlschrankmagneten und kehrte wieder um, um am Gleis eine Stunde in der Kälte auf den Zug zu warten, der gottseidank schon 20 Minuten vor Abfahrt einfuhr.

Es war ein schon sehr in die Jahre gekommener Zug. Die Abteilnummerierung war etwas kryptisch, so dass ich erschrak, als ein wildfremder (was sonst, alles andere wäre ja ein absurder Zufall!?) Mann mit mir in das gleiche Abteil stieg, in dem 3 Betten gemacht waren. Nönönö, junger Mann, empörte ich mich, das ist mein Abteil. Natürlich war es das nicht! Peinlich. Eins weiter war dann Nr. 54 und ich hatte es für mich alleine. 95 €, nur zur Erinnerung. Waschbecken im Abteil, WC auf dem Gang.
Für so ’ne alte, kroatische Bahn (Endstation ist Zagreb) fuhren wir ziemlich schnell durch die Pampa. Die bereitstehende Wasserflasche und meine Zahnbürste flogen in jeder Kurve durchs Compartiment. Wie man da wohl auf der 3. Etage schläft? Ich widerstand der Versuchung, hinaufzukraxeln. Der Schaffner kam, sammelte meine Fahrkarte ein und ich machte mir einen Wein auf, genoss die ganz neue Erfahrung und legte mich recht früh hin, denn wenn es draußen erst einmal dunkel ist, hat man in so einem Schlafwagen nicht mehr viel zu tun.

Also, das ist natürlich eine witzige Erfahrung gewesen, aber für öfter? Das Bett, ergo die umgeklappte Sitzbank, dermaßen hart, das war das Polster wahrscheinlich mit den Haaren widerborstiger weißer Widder so fest gestopft, da hätte keine Abrissbirne eine Delle reinbekommen. Dazu natürlich super schmal. Und so ein alter Zug macht Geräusche. Viele Geräusche. Laute Geräusche. Es knarzt, klappert und quietscht, rappelt, rumpelt und ächzt. Und andere Reisende machen auch Geräusche. So dämmerte ich mich durch die Nacht.

Superpünktlich kamen wir in Ljubljana an. Man spielt dort am Bahnhof übrigens Stuttgart21 nach, es ist eine riesige Baustelle! Zum Hotel waren es dann 10 Minuten Fußweg und verständlicherweise war mein Zimmer noch nicht fertig. Für das Frühstück empfahl man mir das „Café Wonderland“. Ein sehr buntes Bistro, laut Eigenwerbung „the most instagrammable place in town“. Viel Plüsch, viel Plastik und, ich erwähnte es bereits, seeeehr bunt. Ich nahm Eggs royal, pochierte Eier auf Lachs mit viel Gedöns. Ganz lecker.

Jetzt hieß es, einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen. Es nieselte. Abzug in der B-Note halt. Ich wollte erst einmal ziellos herumlaufen, aber als ich über die „Drei Brücken“ kam, erspähte ich einen dieser E-Trecker-Züge, der sich gerade anschickte, abzufahren; den enterte ich stattdessen. Die Route war jetzt nicht rasend spannend und die Erklärbärcomicfigur namens Urban auf dem Erklärbärmonitor ein bisschen peinlich, aber es nieselte ohne Unterlass und so erhielt man doch zumindest einen trockenen ersten Eindruck von Ljubljana. Ein 10-Minutenstopp auf dem Schlossberg ermöglichte einen ersten Eindruck davon. Morgen soll es sonnige Abschnitte geben, dann will ich da nochmal hoch.

Ansonsten sahen wir, mehr oder weniger, man hat in diesen Lindwürmern nicht so gute Sicht, wie auf Hop-on/Hop-off-Bussen, römische Stadtmauern, Salatanbaugebiete, diverse Häuser mir unbekannter Personen und Flüsse und Kanäle.

Wieder am Abfahrtspunkt angekommen, lustwandelte ich noch durch die Altstadt, die wirklich schön ist. Viele Jugendstilfassaden, da stehe ich ja drauf. Nette Läden, ein paar Kirchen, der Zentralmarkt, schöne Buchhandlungen. Leider hatte es sich inzwischen so richtig, richtig eingeregnet. Nach einmal die Ufer der Ljubljanica hoch und wieder runter mit diversen Abstechern in die Seitenstraßen war ich trotz Schirm ziemlich durchfeuchtet. Daher nahm ich einen späten Mittagsimbiss auf einer beschirmten Uferterrasse. Überbackenen Toast und heimisches Bier. Ich blieb dort lange sitzen, in der Hoffnung, dass sich der Regen langsam mal wieder gäbe. Ha. Er wurde immer stärker. So fuhr ich dann ins Hotel, wo ich ein sehr schönes, aber extrem hellhöriges Zimmer bezog und mich erst einmal kurz hinlegte. Großer Fehler. Denn nix mit kurz!

In der Nähe des Hotels sind Geschäfte, da deckte ich mich dann fürs Abendessen ein. Unter anderem mit slowenischem Sekt, den kann man sehr gut trinken! Und setzte mich dann an den Schreibtisch, um alles vollzukrümeln.

Also, Ljubljana hat natürlich auch schauerliche Ecken, aber die Altstadt ist schon seeehr schön. Los ist hier nicht viel, das wird dem Regen geschuldet sein. Für Morgen plane ich mal nach Wetterlage. Der Tivoli-Park soll sehr schön sein, der Schlossberg scheint es auch. Aber für den Regenfall der Regenfälle gibt es auch Dutzende Museen. Was meint Ihr, wann sollen wir aufstehen?

Bis morgen, liebe Grüße von Eurem

Die einen sagen so, die anderen sagen so…

Slow-slow, der Prolog

Ihr Lieben,

der geneigte Leser fasst sich wieder an den Kopf. Was hat der Gerry denn nun schon wieder? Was will er uns mitteilen? Ist er Promi bei Let’s Dance und tanzt den Slow Fox ganz slow? Im Ernst, liebes Produktionsteam, ich wäre dabei!

Aber wie immer geht es um etwas ganz anderes. Die Karnevalstage nahen (eigentlich sind wir schon mittendrin!) und wenn ich noch einmal „das Trömmelsche, dat beim Dom in Kölle bliev“ höre, laufe ich Amok. Ich fliehe daher seit langer Zeit mal wieder, selbstlos wie ich bin, zum Schutze der Kölner Närrinnen und Narren. Und es geht morgen vom Büro aus los; mit dem Zug nach Stuttgart, von da aus mit dem Schlafwagen nach Ljubljana in Slowenien, wo ich drei Nächte bleibe, dann weiter mit dem Bus nach Bratislava in der Slowakei, ebenfalls für drei Nächte, dann mit dem Zug nach Wien-Schwechat, um zurück nach Hause zu fliegen.

Was mich erwartet? Schlechtes Wetter auf jeden Fall. Ansonsten bin ich mal wieder erschreckend unvorbereitet, was sich mit meinen doch umfangreichen Aktivitäten erklären lässt, die mir die Zeit raubten*. Aber ich denke, ich habe schöne Hotels, im Schlafwagen war ich noch nie unterwegs und ich werde ausreichend Zeit für Erkundungen haben. Beide Städte sind überschaubar, mit etwa 300.000 und 400.000 Einwohnern. Ich plane, es ruhig angehen zu lassen.

Übrigens, in beiden Städten, in beiden Ländern war ich noch nicht. Ich bin sehr gespannt, ich habe über beide nur Gutes gehört.

Ob ich morgen Abend schon aus dem Nachtzug berichte? Ich glaube nicht, aber am Mittwochabend gibt es dann die ersten Eindrücke aus der slowenischen Hauptstadt. Wenn Ihr nichts von mir lesen solltet, wird es eher an technischen Problemen liegen, als daran, dass ich in Donau oder der Ljubljanica nach gold’nem Wein geforscht hätte und jetzt Richtung schwarzem Meer treibe, wo beide Gewässer letztendlich münden.

Auch wenn Ihr von Sitzung zu Sitzung torkeln solltet, hoffe ich wieder auf rege Begleitung. Also, bis spätestens Mittwochabend, Euer

P.S.: * Planung Umzug, Arztbesuche, Dienstreisen, Steuererklärung (fertig!!!!), Autosuche (unfertig), Kocherei etc.pp.

P.P.S.: Zur Kocherei noch einen Link

P.P.P.S.: Die KI stellt sich einen geeigneten Header für einen Reiseblog in die Hauptstädte Sloweniens und der Slowakei vor, wie im Vorschaubild angezeigt.

Chana Dal – Kichererbsen Dal (vegetarisch)

Ihr Lieben,

vor ein paar Jahren habe ich schon einmal das Rezept für ein Masur Dal eingestellt, für das ich rote Linsen benutzt hatte. Heute gibt es geschälte und halbierte Bengal-Kichererbsen als Dal, ich bereite es heute auch etwas anders zu.

Zuerst wasche ich gründlich 250 Gramm getrocknete Chana Dal (noch ein Name: Bengalgramm), die gibt es in indischen Supermärkten, danach röste ich die nicht pulverisierten Gewürzbestandteile Pfeffer, Kreuzkümmel, Koriandersaat und Kardamom kurz (2 bis 3 Minuten) in einer beschichteten Pfanne an, lasse sie abkühlen und mahle sie einigermaßen fein. Die Schalen der Kardamomkapseln brechen schon nach einmal mörsern auf, die picke ich als nicht so verdaulich noch raus.

Dann mische ich das mit den sonstigen Gewürzen (Garam Masala, Rosenpaprika und Kurkuma). Ingwer und Knoblauch werden sehr fein gehackt, die Zwiebeln fein und die Tomaten grob gewürfelt. Die Chili in ganz feine Stücke schneiden und je nach Tapferkeitsgrad die Kerne mit verwenden oder vorher rausnehmen. Bei zwei Chilis kann man das machen! Eine Handvoll Petersilie hacke ich grob.

Jetzt in zwei Esslöffeln Ghee (wahlweise Butterschmalz oder hocherhitzbares Speiseöl) Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln anbraten, nach ein paar Minuten einen gehäuften Esslöffel der Gewürzmischung sowie die Kichererbsen dazugeben und darüber eine Dose pürierte Tomaten. Mit vorbereiteter Brühe ablöschen (ich mache das immer peu à peu, aber insgesamt sind das etwa 750 ml) und so lange köcheln lassen, bis das Dal fast die für Euch richtige Konsistenz hat (Manche mögen es eher breiiger, manche knackiger – ich bin die neutrale Mitte, es hat etwa 2 Stunden gedauert. Wenn man die Kichererbsen über Nacht einweicht oder einen SKT benutzt, ginge es womöglich schneller.). Schnell die frischen Tomaten dazu und noch ein bisschen mitkochen lassen. Mit ein paar Spritzern Limette und einem Teelöffel Zucker nachwürzen, weißen Sesam (auch angeröstet, aber Vorsicht, nach 30 Sekunden schon ist er fertig!!) beifügen und ein bisschen Joghurt oder Crème fraîche für die Optik und ein wenig Cremigkeit unterrühren.

Ich servierte das Dal heute mit nicht zu hart gekochtem Ei und aufgebackenem Fladenbrot. Und der Petersilie! Ihr wisst ja… Koriandersamen gehen, Koriandergrün nicht. Es ist superlecker geworden!

Einige wissen ja, dass ich mal einen pakistanischen Mitbewohner und Schüler (Deutschkurs B1) hatte, der hatte das so ähnlich gekocht, aber etwa 10 Chilis reingeschnibbelt.

Heute hier, morgen dort…

…und nein, Ihr Lieben,

ich bin dann nicht – wie Hannes Wader – kaum da und muss schon wieder fort: Denn ich habe eine seeeehr schöne, neue Bleibe. Gottseidank! Aber der Reihe nach, wie immer:

Oliver zieht jetzt zu meinen Eltern, er ist wirklich eine Seele von einem Mensch! Zu wissen, dass sie eine so tolle Unterstützung haben, ist sehr beruhigend. Er fragte mich, ob ich denn an seiner Wohnung Interesse hätte, die er nun aufgäbe. Aber er hat immer so über den Vermieter geschimpft und über die benachbarte Kneipe… Och… nöööö. Ein Pflegedienst ist auf Anraten von Elke auch hinzugezogen und schon aktiv.

Am Dienstag gab es ein veganes Menü in Sürth. Jasmina hat wieder super gekocht! Monika feierte (übrigens zeitgleich mit Oliver, sie sind am selben Tag geboren) ihren §?“!* (immer dieses atmosphärische Rauschen!!) Geburtstag am Abend in kleinem Rahmen. Das war eine sehr schöne Zusammenkunft mit vielen Storys und entsprechend viel Gelächter und das Essen war ausgezeichnet. Pilz Wellington! Da muss man erst mal drauf kommen! Und die Blumenkohl-Apfel-Suppe. Vor lauter Gier habe ich dann vergessen, die Rote Grütze mit Skyr-Erbsprotein-Schaum zu fotografieren. Fragt mich mal bei Gelegenheit zur Roten Grütze von Oma Hamburg. Da gibt es eine Geschichte zu.

Ansonsten war meine knapp bemessene Freizeit natürlich einer Wohnungsbesichtigung nach der anderen gewidmet. Ich erwähnte es bereits, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wieder hätte ich zwei Wohnungen aus dem Stand haben können (alte Männer sind wenigstens auf dem Wohnungsmarkt begehrt!), aber es passte nicht. Donnerstag wurde es surreal, als ich eine Wohnung in Kalk (unweit meiner früheren Wohnung in der Remscheider Straße) besichtigen wollte; die Frau von der Vermietungsgesellschaft und ich waren vor Ort, aber der aktuelle Mieter nicht. Sie war – verständlicherweise – auf 180. „Ich gucke mir jeden Knubbel auf der Raufasertapete an! Der kann was erleben!!!“. Ich fürchte, die Wohnungsübergabe wird ein Debakel für ihn. Wusstet Ihr übrigens, dass die Rauhfaser (so die Schreibweise vor der Rechtschreibreform) um 1900 herum von einem Apotheker namens Erfurt erfunden wurde? Aber wo war ich? Ach ja, die Dame zeigte mir dann eine ganz andere Wohnung, die mich aber nicht ansprach. Blick auf eine nackte Beton-Mauer.

Jetzt aber, Tusch bitte!, TaDaaaa!, das Ereignis der Woche: Am Mittwoch schaute ich mir eine Wohnung an, für die ich mich schon knapp eine Woche vorher beworben hatte. Herr B. rief mich übrigens zur Terminvereinbarung an, als ich von der Besichtigung einer Wohnung in Dormagen zurückfuhr, die auf den Bildern super aussah, aber in live leider völlig verwohnt war. Die Bilder waren schlicht mehrere Jahre alt*. In Dormagen hatte ich ja einige Zeit im Krankenhaus Hackenbroich gearbeitet. Bezeichnenderweise ist das in der Dr.-Geldmacher-Straße. Ich wohnte aber in den Schwesternwohnheimen in der Elsa-Brändström-Straße, die nach der aufopferungswürdigen schwedischen Philanthropin benannt wurde. ICH SCHWEIFE JA SCHON WIEDER UNGLAUBLICH AB! Menno! Also, ich saß im Zug und war am Telefon verwirrt. Welche Wohnung in Holweide??? Aber ja, ich komme Mittwoch! Zuhause musste ich dann erst einmal ermitteln, um welches Objekt es ging. Oh! Diese! Ja! Die sieht super aus! Die will ich!!!

Und die Wohnung war sogar besser als auf den Bildern und wegen denen hatte ich mich ja schon verguckt. Und die Vermieter sehr sympathisch! Und die Vormieter entzückend! Das Haus gepflegt, die Anbindung zum Büro sehr gut (35 Minuten), die Umgebung mit allem, was man so benötigt. Ich war schockverliebt! Und rechnete mir kaum Chancen aus, da die Konkurrenz groß war. „Wir melden uns“.
Samstagmittag klingelte das Telefon. „B. hier“. Ich bekam fast einen Infarkt! Ruft der wegen einer Absage an? Wie mutig und gleichzeitig bewundernswert! „Na, noch Interesse?“ und „Gab zwar Hübschere, aber Sie brauchen ja zeitnah was.“. Muss man mehr über so einen Vermieter sagen? Genau mein Humor. Mittwoch unterzeichnen wir unter großem Presseaufgebot und mit dem Segen des örtlichen Kirchenvertreters und des Bezirksvertretungsvorsitzenden den Vertrag und die Vereinbarung zu Ablöse mit dem Vormieter, der für die Küche absolut faire Preise aufgerufen hat. Übrigens: die Vormieter haben Nachwuchs bekommen und beziehen deshalb ein Haus. Sie haben da wohl sehr gerne gewohnt.

Bedanken muss ich mich mal bei den vielen Menschen, die sich so eingesetzt haben. Ein paar meiner jetzigen Nachbarn haben mich mit Vorschlägen bombardiert (hmmm, wollten die mich loswerden?), Andrea M. hat fast mehr Inserate studiert als ich selbst, Kollegen haben mir Tipps gegeben. Es ist schön, solche Menschen zu kennen. Und jetzt freue ich mir ein Loch in den Bauch! Leider gibt es keine Bilder; das Exposé ist deaktiviert und ich habe versäumt, Screenshots zu machen und konnte natürlich auch keine Bilder während der Besichtigung aufnehmen, da die Wohnung ja noch bewohnt ist.

Und sonst? Habe ich auch wieder was gekocht? Ja, klar, ein Zucchini-Hack-Auflauf hat den Weg ins Rezeptmenü gefunden. Kohlehydratfrei und trotzdem sättigend und lecker. Und letztes Wochenende waren Elke und Nora bei mir. Da gab es Chili con Carne-Nudeln. Bisserl ähnlich alles, aber Winterzeit ist Auflaufzeit. Nora scheint im Freien etwas zickig zu sein, aber hier hat sie sich wieder vorzeigbar und vorzüglich benommen.

Auf der Arbeit nehmen die Pläne für die Umbauarbeiten am Standort Braunschweig Gestalt an. Da muss ich jetzt wohl öfter hin, auch wenn die Geschäftsführung da eher meinen Chef in der Pflicht sieht. Es wird aber auf jeden Fall halb so wild, wie hier in Köln.

Was für eine Achterbahnwoche! Mit einem fulminant schönen Ende!!! Ich freue mich so sehr auf die neue Bleibe, das könnt Ihr gar nicht ermessen. Und ich kann jetzt entspannt in den Kurzurlaub fahren!

Ihr Lieben! Wir lesen und spätestens zum Prolog meiner Fahrt nach Ljubljana wieder. Bis dahin allen eine gute Zeit! Euer

Der Autor ist in Feierlaune! Aber wieso hat er einen Truthahnhals? Und rasiert hat er sich auch nicht!

*) In Brühl haben Vermieter den „sagenhaften Weitblick auf der Dachterrasse“ mit KI verändert. Statt in grüne Auen zu schauen… blickte man auf das Oberdeck des Parkhauses eine geschäftigen Einkaufszentrums. SACHMA!

Hackauflauf mit Zucchini

Ihr Lieben,

man könnte das Rezept auch Zucchini-Lasagne nennen, aber das gäbe ja wieder einen Aufstand der Küchengöttergattinnen und -gatten. Lasagne sind Nudeln! Pasta! Äh, basta!

Hier machen wir die kohlenhydratreduzierte Variante. Wir kochen eine Hackfleischsauce aus:

und fügen noch Knoblauch und allerhand Gewürze zu. Das Gemüse wird kleingewürfelt, angebraten, dann kommt das Hack dazu. Die geschälte Zucchini (ich mag die Schale irgendwie nicht, die ist ja manchmal so ein bisschen glitschig) wird in dünne Scheiben geraspelt und bildet die Zwischenschichten zum Hack-/Gemüse-Mischmasch.

Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Mozzarella, Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Hack, Gouda-Scheiben. Gouda-Scheiben? Yep, der Gerry hatte vergessen, Raspelkäse zu kaufen. Mist! Dafür erstand er aber zwei Tuben Zahncreme, die er in die Schublade mit den anderen 27 Tuben legte. Mist! Ab in den Ofen damit. Was? Natürlich mit dem Auflauf, mein Gott, denkt doch mal mit!!! Was soll denn die Zahncreme…. Wie? Deutlicher ausdrücken??? Raus!!!

Wo war ich? Ach ja, schmeckt gut!

P.S.: Ja, ich weiß, irgendwie sehen sich alle Auflaufrezepte nicht unähnlich. Liegt daran, dass sie alle den gleichen Vater haben 🙂

Carne con Chili y mucho mas als Nudelauflauf mit dreierlei Käse

Ihr Lieben,

der Rezeptname klingt zwar, als ob es für eine sofortige Gefäßverstopfung geeignet wäre, aber wahrscheinlich ist das sogar zutreffend. Die Basissauce für diesen Auflauf ist mein Chili con Carne, wobei ich diesmal noch Paprikawürfel hineingegeben habe, sowie frische Tomaten.

Hier mal der „Mist am Platz“:

Statt der roten Chili habe ich das Chili-Öl von den Kapverden und Harissa aus dem Glas genommen. Weitere Scharfmacher sind Rosenpaprika und Chiliflocken. Außerdem an Gewürzen: Zimt, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer, Oregano. Im großen Glas meine Gemüsebrüh-Paste. Nudeln habe ich noch ein halbes Paket mehr genommen.

An Brühe habe ich einen halben Liter zugegeben, dafür das Chili aber lange einkochen lassen, damit die Sauce nicht zu dünnflüssig wird. Die Nudeln habe ich ganz kleines bisschen mehr als ‚al dente‘ vorgekocht.

Geschichtet habe ich dann folgendermaßen: Nudeln, Sauce, Feta, Nudeln, Sauce, Mozzarella, Nudeln, Sauce, Gratinkäse.

Als der Besuch da war, den Ofen auf 190°C vorgeheizt und den Auflauf (da können ein paar Butterflocken auf den Käse) für etwa 25-30 Minuten aufgeheizt.

Tja, wie immer reicht es bei mir für einen ganzen Wohnblock.

Haut rein!

Kunst, Kochen und Karnevalsflucht

Ihr Lieben,

zwei Wochen bin ich schon wieder im Land; das reicht, um alle Erholung abbröckeln zu lassen. Es geht ja schon los mit diesem Wetter. Während andere über Schnee jubeln, bekomme ich das kalte Grausen. Ich hasse Winter. Kalt, nass, grau, dreckig.

Nachdem ich jetzt wieder ausreichend davon habe, investiere ich die meiste Zeit natürlich in die Wohnungssuche. Man liest ja viel vom heißumkämpften Wohnungsmarkt, aber ich habe in meinem Größenwahn gedacht, ich sei nicht betroffen. Ich bin ja schließlich gesittet, habe einen Job, bei dem Vermieteraugen glänzen, eine astreine Schufa-Auskunft… ich bin quasi ein Schwiegermuttertraum der Haus- und Wohnungsbesitzer. Ach, Unsinn, weit gefehlt. Auch ich stehe dann in einem Pulk von 200 Menschen, die alle eine kleine Wohnung besichtigen wollen. Da habe ich keinen Nerv zu, tottrampeln lassen kann ich mich auch auf dem Oktoberfest oder beim Kölner Karnevalsauftakt; und da geht es wahrscheinlich lustiger zu.

Dazu kommt die ausschweifende Phantasie in manchen Inseraten. Ein herrlicher Ausblick? Ja, auf eine Müllkippe! Die zum Träumen einladende Dachterrasse? Ja, wenn man denn einen Austritt in der Größe eines Gästehandtuchs „Terrasse“ nennen mag. Und nein, liebe Vermieter: Nadelfilz ist keine „behagliche Auslegeware“!

Naja, zwei, drei ganz passable Wohnungen hatte ich auch dabei, eine allerdings direkt an der zweitmeistbefahrenen Straße Kölns (da hilft auch kein Schallschutzfenster), zwei andere mit winzigen Küchen, was für einen Hobbykoch schon ein No Go ist. Aber die Suche geht weiter, ich habe ja noch Zeit. In meinem Kündigungsschreiben wurde übrigens auch eine Umzugsbeihilfe in Aussicht gestellt, auf Rückfrage hieß es dann, jahaaa, wenn ich auf der Intensiv läge und nicht umzugsfähig wäre. Auch will man sich mit Mietzinsreduzierung in der Überbrückungsphase (z.B. Renovierung der anderen Wohnung) nicht anfreunden. Ehrlich? Der Rauswurf krempelt mein ganzes Leben um und dann null Entgegenkommen?! Ich bin versucht, aus lauter Frackigkeit doch mal meine Rechtschutzversicherung zu bemühen, immerhin hat der Sohn ja eine Bleibe und daher keine Not. Aber ich bin ja „leider“ nicht so gestrickt.

Die Arbeit hat mich natürlich auch wieder. Was soll ich sagen: Ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein. Ich brauche nur das Gehalt. 🙂 Aber ich will fair sein, im Moment ist es ziemlich ruhig. Nur der Arbeitsweg ist die Pest! Die beiden linksradikalen Gören Schneeflöckchen und Weißröckchen besetzen die Schienen der Straßenbahn und schon geht nichts mehr. Ich bin zu einer Wohnungsbesichtigung, ich hatte Kulanz von 20 Minuten eingeplant, 20 Minuten zu spät gekommen. Die KVB sind die 11. biblische Plage!

Ich habe natürlich auch wieder ein paar Sachen gekocht, aber nichts so dramatisch schwieriges oder besonderes, dass es einen eigenen Eintrag in der Kochecke würdig gewesen wäre. Ich habe das Boeuf Bourgignon noch mal gemacht, ich habe Lachs auf Chicorée-Gemüse gebrutzelt und Huhn mit Knoblauch und Kartoffeln gebraten.

Was ich aber mal anders gemacht habe: Meine Orangenmarmelade. Diesmal wollte ich eine bittere und habe ein Rezept von Ines Bitsch auf Youtube befolgt. Ich sage Euch, das ist eine zwar zeitlich aufwändige, aber auch tolle Methode: 2 mal 2 Stunden kochen die Orangen und das Ergebnis schmeckt toll! Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=GWu7dxijonM

Verabredet war ich auch mehrmals, aber die meisten Treffen sind geplatzt. Schneeflöckchen und Weißröckchen lösen ja inzwischen immer sofort Katastrophenalarm aus, der sich dann nicht bewahrheitet. So blieben einige Besucher dann zuhause, obwohl es eigentlich unnötig war. Ich vermute, dass diese Panik ausgelöst wird, weil sich die entsprechenden Stellen denken, lieber zu laut geschrien, als zu leise gewarnt. Ist ja auch verständlich, wird aber über kurz oder lang so ausgehen, wie mit dem Kind und dem Wolf, der aus dem Wald kommt…

Heute dann habe ich mal wieder für Kultur gesorgt. Ich chatte seit einem Monat mit einem netten Mann in Düsseldorf und heute haben wir uns dann auch mal getroffen. In der Kunstsammlung Düsseldorf zur Ausstellung „Queere Moderne“. Das war schön und sehr interessant kuratiert. Auch haben wir dann noch die ständige Sammlung angeschaut. Da sind dann Dinge dabei, die ich nicht verstehe, aber auch wertvolle und bekannte Stücke von Kirchner, Grosz, Chagall, Picasso, Baselitz und und und. Ein Raub würde sich hier definitiv lohnen! Ich habe mir einen kleinen Léger mitgenommen, ich hoffe, das fällt nicht auf. Nein, Quatsch!!! Ja, und das Treffen war auch nett, wir haben dann noch ein Weinlokal besucht und sehen uns wohl auch wieder.

Ja, zu guter Letzt habe ich noch eine Reise gebucht, über Karneval. Ich habe so gar keine Lust, schon wieder mit dem in Köln gelassenen Dom oder dem gehenden Trömmelsche dauerberieselt zu werden. Das macht mich fast aggressiv. Daher fahre ich auf abenteuerlichen Wegen nach Slowenien und dann in die Slowakei. Meine Länder 73 und 74 nach konservativer Zählweise. Da werdet Ihr dann spätestens in dreieinhalb Wochen drüber lesen können. Vorher kommt aber bestimmt noch der ein oder andere Schnipsel ins Haus geflattert.

Liebe Grüße, Euer

P.S.: Meine kapverdischen Schmetterlingsbilder sind gerahmt und ich finde, sie sehen gut aus:

Kapverden 2025/2026: Der Epilog

Ihr Lieben!

nach einem sehr frugalen Frühstück packte ich meine restlichen Sachen und sortierte noch so einiges aus. Sonnencreme, Mückenspray und Feuchttücher muss man ja nicht wieder mit nach Hause nehmen. Das kann ja vielleicht auch jemand vom Personal oder mein Zimmernachmieter gebrauchen. So hatte ich trotz Souvenirs einen leichteren Koffer als auf dem Hinflug. Wobei ich mich ausnahmsweise mal relativ zusammengerissen habe.

Diesmal hat man mir ein Taxi geschickt, das auch pünktlich erschien. Erinnert Ihr Euch an den busfahrenden Bruce Willis von Barcelona? Heute fuhr mich Laurence Fishburne (u.a. bekannt aus Matrix) und zwar ebenso halsbrecherisch. Als ich fragte, ob er es eilig habe, in den Himmel zu kommen, lachte er tief und satt und gab noch mehr Gas. 150 bei 30 erlaubten. Naja. No Stress.

No stress? Naja. Der Flughafen Amilcar Cabral war vollkommen überlaufen. Es gab 6 Schalter für etwa fünf oder sechs relativ zeitgleich abgehende Flüge. Das Anstehlabyrinth bestand aus etwa 15 Schleifen, nach einer Stunde hatte ich vier geschafft. Es kam zu örtlichen Handgemengen, als dann auch noch alle Gäste nach Lyon und Oslo sich vordrängeln durften. Die Frankfurter, Düsseldorfer, Brüsseler und Lissaboner hatten auch nur noch ein kleines Zeitfenster. Völlig überfordertes Bodenpersonal versuchte, die Menschenmassen sinnvoll zu kanalisieren, schufen damit aber noch mehr Chaos. Wir mussten ja auch alle noch durch die Passkontrolle und den Security Check. Meine Maschine hatte Verspätung, bei regulärem Abflug hätte ich sie verpasst. Stress! Stress!! Stress!!! Die Anzeige zeigte leider bei einigen Flügen weder Gate noch Status an und so irrten braungebrannte Völker gestresst durch die gottseidank übersichtliche Abflughalle.

Ich hatte noch ziemlich viele Escudos, die ich nicht mit nach Hause bringen wollte und erstand noch zwei Packungen Fogo-Kaffee und mangels Alternativen eine kitschige Tonfigur. Somit kam ich mit nur einer 200er-Banknote nach Hause.


Ja, irgendwann waren wir dann in der Luft, ich bekam aufgrund meiner Buchungsklasse ein trockenes Brötchen und ein Getränk für lau. Dabei krähte der Steward laut meinen Namen: „Gratissnack für Gerald Diiiiepolder!!!“. WHAT? Egal. Sechs Stunden Flug. Nicht so schlimm wie 19 Stunden Bus auf Kuba, aber ich hasse es trotzdem.

In Düsseldorf dann Schnee. Würg! Und der Flieger auf dem Rollfeld irgendwo 25 km vom Terminal entfernt. Dafür kamen Bus und Koffer wieder einigermaßen schnell. Dann große Freude: beim Eintreffen am Bahnhof direkt ein ICE, schnell online Karte gekauft. Eingestiegen. Dann die Ernüchterung. „Liebe Reisende, es sind Personen im Gleis, wir bleiben jetzt hier bis zum Sanktnimmerleinstag stehen.“ Ehrlich, fahrt doch drüber über diese Penner! Sorry. Mit 45 Minuten Verspätung fuhren wir dann los. Um kurz vor Mitternacht war ich dann zuhause und schmiss mir eine TK-Pizza in die Backröhre.

So, kurzes Resümee Kapverden. Schönste Insel ist Sant Antão, gefolgt von Santiago. Von São Vicente, insbesondere von Mindelo, hatte ich mir etwas mehr versprochen, Sal war nicht ganz so schrecklich, wie vermutet. Ich hatte fünf gute und zwei grauenvolle Hotels. Alle Transfers haben (bis auf die winzige Ausnahme bei der Ankunft in Praia) geklappt.
Sal ist in jeder Hinsicht wesentlich teurer als die anderen drei Inseln. Wer Languste essen will, sollte das nicht in Sal erledigen. Auch Souvenirs sind woanders preiswerter. Sal ist auch am offensivtouristischsten. „Massage, Massage“, „Welcome to my shop“ und „Looky-looky“ tönen einem unentwegt entgegen. Auch der Anteil an Bettlern ist hier am größten.

Was würde ich anders machen? Ich bin nach wie vor froh, ein Tour-Management gehabt zu haben, auch, wenn die Inlandsflüge und die Fähren deutlich zuverlässiger waren, als ihr Ruf. Aber allein, sich nicht um Transfers kümmern zu müssen, war Gold wert. Zur Hochsaison ist auch spontanes Buchen von Unterkünften keine Option, wie ich vor vier Tagen herausfand. Aber man könnte so eine Reise dennoch selbst zusammenstellen, und beispielsweise für die ein oder andere Insel einen Mietwagen nehmen. Wenn aber alles vorbereitet sein soll, dann ist Soul-Tours eine gute Wahl. Die Guides sind natürlich nicht preiswert (vor allem, wenn man alleine reist), aber man kann sich mehr auf das Drumherum konzentrieren, als alle zwei Minuten auf irgendeine (manchmal ja auch fehlerhafte) Street- oder Hiking-App glotzen zu müssen.

Zuviel gepackt hatte ich. Ich hatte mit deutlich schlechteren hygienischen Verhältnissen gerechnet und Desinfektionsmittel, Feuchttücher und Waschhandschuhe eingepackt. Völlig unnötig. Zu viel Bargeld hatte ich mit, was bei teilweise safelosen Unterkünften auch ein wenig stresst. Dabei funktionieren Kreditkarten an Geldautomaten und in Supermärkten/Restaurants in der Regel auf allen vier besuchten Inseln gut. Bisschen Bargeld, zwei verschiedene Karten sind ein guter Mix für das Reiseportemonnaie. Hinweis: Dass man 6 Ziffern als PIN eingeben muss, kann man getrost ignorieren, einfach nach 4 Zahlen „Enter“ drücken. Besser alles in Landeswährung zahlen (und auch die Abhebungen berechnen lassen), sonst zahlt man immer etwa 10 % drauf.

Mit Englisch kommt man nicht soo weit wie gedacht. Mein Grundkurs Portugiesisch hat mir hier und da ein Lächeln eingebracht. Auch, dass ich drei Ausdrücke auf Kreol gelernt habe, kam gut an. Französisch ist verbreiteter, deutsch wird fast gar nicht gesprochen, und wenn, dann hat der Euch Ansprechende einen Bruder in Hamburg und… siehe Kuba. Sorry für die leider durchaus zutreffende Verallgemeinerung.

Es war eine wirklich tolle Reise, ganz anders als erwartet und vor allem vielfältig und bunt. Die Kapverdianer sind ein lustiges, UNGETRESSTES!!! Volk, die Musik ist klasse, das Essen sowieso. Fahrt hin.

Allen, die mich begleitet haben, einen herzlichen Dank! Besonders habe ich mich über die vielen Kommentare hier und per Messenger „Signal“ gefreut. Meine nächste Reise wird die in eine neue Wohnung sein, aber wenn ich die bezogen habe, wird es auch wieder auf Achse gehen.

Alles Liebe und Gute für Euch, Ihr Lieben! Euer

Zuhause wird das Wetter durch Aufsetzen eines lustigen Hutes deutlich erträglicher. Ziehe ich in den kommenden Konferenzen auch an!

Kapverden 2026 (20): noch einmal richtig Gas geben!

Ihr Lieben,

bsss bs bsssssss. bbbbbssssst bsssssss bss bsssssss. klatsch.

Es gibt eine sehr stabile Fliegengittertür. Ich hatte sie wohl während meiner Quarantäne nicht immer ausreichend geschlossen. Die ersten zwei Stunden der Nacht habe ich Mücken gejagt. Eine davon war so vollgesogen, da musste ich anschließend noch richtig die Wand schrubben. Und alle habe ich auch nicht erwischt, habe mehrere Stiche abbekommen. Trotz Megadosis Tropenmückenabwehrspray.

Also, was auch immer das gestern war, es ist halbwegs überstanden. Das Frühstück habe ich auf ein Spiegelei und eine Tasse Kaffee beschränkt, danach ging es ab zum Fahrradverleih. Da boxte der Papst im Kettenhemd! Ich bekam das letzte verfügbare E-Rad. Ein Trumm sondergleichen. Aber mit Akku bis zum Schluss und einer enormen Antriebsleistung (schon auf kleiner Stufe). 25 Euro kostet das für einen Tag. Man bekommt eine lächerlich unnütze Inselkarte, auf der aber immerhin die Nummer für Notfälle steht.

Zuerst ging es an Salinen von Santa Maria vorbei, da wachsen in der völlig versalzenen, sandigen Erde (der Inselname Sal bedeutet ja Salz) tatsächlich blühende Pflanzen!, zum Pachamama Eco Parc. Hier werden zum Teil ausgesetzte oder beschlagnahmte Tiere beherbergt. Es gibt viele Esel, Ziegen, Schildkröten, aber vor allem Federvieh! Aras, Pfauen, Enten, Gänse, Hühner… Viele kleine und sehr bunte Vogelarten sind vertreten. Der Eintritt beträgt 5 Euro und wird als Spende verstanden. Es gibt Erklärtafeln zu Flora und Fauna. Ein nettes Café gibt es außerdem. Seeehr, sehr schön gemacht alles. Klar, man kann sich bei manchen Vögeln fragen, wieso die hier in Käfigen sitzen müssen, aber alle Tiere schienen in guter Verfassung. Da habe ich in diversen touristisch vermarkten Tierrettungsparks schon ganz anderes gesehen.

Weiter ging es nach Murdeira, da befinden sich Buchten, in denen Schildkröten ihre Eier ablegen. Nicht zu dieser Jahreszeit, man merkt davon also nichts. Aber die Buchten sind traumhaft schön. Fast menschenleer, schöne Felsen wechseln sich mit sauberen Stränden ab. Auch der Ort scheint ganz nett, etwas gehobener als Santa Maria vielleicht, es gibt auf jeden Fall eingezäunte Villen. Ab Murdeira wird die Straße für Radfahrer fast ein bisschen gefährlich. Aber ich fand keine Feld- und Wiesenwege, um anders zu meinen Bestimmungsorten zu gelangen, den großen Salinen und der Bucht der Haie. Ich beschloss, auf der Baustelle für die neue Straße entlangzufahren, was bestimmt nicht so gedacht war, aber who cares? No Stress!!

Die Hauptstadt Espargos, an der man vorbei muss und vor deren Toren der Flughafen liegt, scheint uninspiriert in die Gegend geklatscht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mal kurz durchzuradeln, aber schon die Verpackung schrie: Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Zudem konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen, welch grandioses Durchhaltevermögen der Akku hatte.

Am Kreisverkehr, an dem man zu den Salinen abbiegen muss, formierte sich ein militärischer Beerdigungszug. PM stand auf den Binden, das übersetze ich mal mit Militärpolizei. Eine ganze Menge Menschen war versammelt. Auf dem Weg zur Ostküste liegt dann auch ein großer Friedhof, wo ich die Gesellschaft wiedertraf, als ich meinen Besuch des Friedhofs beendete. Natürlich habe ich dann nur ein Foto aus ganz weiter Ferne gemacht.

Der alte Hafen, der zu den Salinen gehört, ist inzwischen quasi verfallen. Eine wunderschöne kleine Kapelle steht dort noch, von 1853. Man kann einen kleinen Berg erklimmen und zum Leuchtturm wandern. Nur das kleine Hafenbecken ist noch in Gebrauch und schützt bunte Fischerboote vor zu starker Brandung. Das Salzabbauareal ist inzwischen wohl geflutet. Man kann dort im angeblich zweitsalzgesättigsten See nach dem toten Meer baden. War zu faul, das zu überprüfen. Ich hätte gerne mal auf das Gelände gespinxt, aber der Eintritt in das „Schwimmbad“ war mir mit 6 Euro für einmal reinschauen zu übertrieben. Und ob ich ohne Badehose hätte schwimmen dürfen? Hm.

Wie kommt man nun zur Haibucht? Ganz simpel: einfach den tausenden TUI-Bussen und Privattour-Jeeps hinterher. Ich war der einzige Radler vor Ort. Wenn man ankommt, wird man informiert, dass man nur mit bestimmten Schuhen und mit einem zertifizierten Guide zu den Haibecken darf. Und was man alles berücksichtigen muss! Sofort quasselte mich dann auch ein halbes Dutzend Menschen an; einer mit einem Affen auf der Schulter, von dem ein identischer als Touristen-Nepp beschlagnahmt im Eco-Park haust.

Jetzt schaut Euch mal diesen Pilgerzug oben an. Alle strampeln zwischen winzigen Zitronenhaien umher, alle mit Fußpilz, Stufe 3. Die Besucher, nicht die Haie. Ich verzichtete dann doch auf dieses unvergessliche Erlebnis.

Jetzt musste ich den ganzen Weg wieder zurück. Ich habe es schon bei der Fahrradtour auf São Vicente erwähnt, sinngemäß: Watte hin fährst, musste auch wieder zurückfahren. Auch wenn Sal fast so flach ist wie mein Waschbrettbauch und das Fahrrad mal über einen drei Ligen höher spielenden Akku verfügt, nach 40 Kilometern verlor ich ein ganz kleines bisschen die Lust. Ich war dankbar, als ich in Santa Maria am Fahrradverleih ankam. Und ich war dankbar, dass dieser schräg gegenüber vom Gasthaus liegt, wo ein kaltes Bier im Kühlschrank auf mich wartete.

Immer dran denken: (kleinen) Finger weg vom Alkohol!

Ich machte mich ein bisschen frisch, Sal besteht nämlich zu 90 Prozent aus Staub, den man als Radler dann schlucken muss, und begab mich wiegenden Schrittes zur Strandbar, wo ich fast zwanzig Minuten auf die falschen Getränke wartete. Mango oder Maracuja, stilles oder sprudelndes Wasser? Im Moment war es ziemlich egal. Ich sagte nix. Inzwischen hatte sich eine kleine Musiker- und Tänzertruppe eingefunden, die alles gab. Gegen einen kleinen Obulus filmte ich sie kurz. Es gibt ein lustigeres Video mit einer interessanteren Aufführung, da lief ein kleiner Junge ins Bild und griff nach der Spendenbox. Aber: keine Bilder von Kindern ins Netz, wenn es sich vermeiden lässt!

Mein Abendessen nahm ich auf einer auch von Einheimischen besuchten Terrasse ein, Restaurant Bia. Der daneben liegende und mir empfohlene „Simple Grill“ war überfüllt. Im Bia wird aber auch am offenen gebrutzelt. Eigentlich wollte ich mir am letzten Tag Languste gönnen, so als kulinarische Krönung. Gab’s nicht. Ich nahm Knoblauchgarnelen (das sichert mir, dass morgen im Flieger keiner mit mir quasseln will) und Frango Piri-Piri, das war dann auch die bessere Wahl, denn da kamen schöne Erinnerungen an gemeinsame Urlaube an der Algarve hoch. Köstlichkeiten müssen nicht teuer sein.

Also, der Tag war ein super Abschluss für Sal. Ich bin immer noch nicht verliebt, habe aber schöne Ecken gesehen und bin deutlich gnädiger gestimmt. Und ich habe mich mehr als drei Minuten am Stück bewegt, das erfüllt mich meistens mit immenser Freude.

Gestern noch hatte ich gedacht, ist jetzt auch langsam mal gut mit den Kapverden, aber heute dauert es mich doch ein bisschen, dass es morgen wieder nach Hause geht. Könnte mir gut vorstellen, noch Zeit auf São Nicolau oder Fogo zu verbringen. Jaja, ich weiß, ich hab einen Dachschaden.

Natürlich wird es noch einen Epilog geben, mit Heimreiseerlebnissen und einer Zusammenfassung. Und ein paar Tipps, denn man kann so einiges richtiger machen, als ich. Und ich verabschiede mich natürlich auch noch vernünftig. Aber ich bitte Euch, Euch mal grob an meine Schilderungen zu erinnern, auf Youtube „Sodade“ (auch Saudade) zu hören und an mich zu denken. Ich verstehe Cesária Évoras „Sehnsucht“, die nach ihren Erfolgen selten zuhause war (sie lebte viel in Europa). Man muss diese Inseln doch irgendwie mögen. Ja, trotz einiger nervtötender Kleinigkeiten ist das große Ganze sehr schön und liebenswert.

Gute Nacht für heute und bis spätestens Montag, ich lande erst spät in Düsseldorf. Euer